Warum sich Rechte nur über Vergewaltigungen durch Flüchtlinge aufregen

Warum Nazis Feminismus hassen

Ich wollte noch etwas zu Antifeminismus, rechtem Denken und toxischer Männlichkeit sagen. Und was das alles mit völkischer und nationalistischer Ideologie zu tun hat und im Zentrum des Faschismus steht. Und somit recht universell auf der ganzen Welt präsent ist. Nationalismus und völkisches Denken hat eine Prämisse, die über allem anderen steht. Und das ist Erneuerung und die Wiedererstarkung des Volkes (Palingenese) in ein neues goldenes Zeitalter. Es ist also immer ein Zukunftsversprechen (Utopie).

Raus aus der „Dekadenz“ und „Versachlichung“ und hin zu „Stärke“ und „Kraft“. Was hat das mit Frauen zu tun? Nun für eine völkische Zukunft braucht es völkisch wünschenswerte Kinder und diese zu reproduzieren ist Aufgabe der Frau. Ihre oberste und mitunter einzige Aufgabe. Völkische Ideologien sind immer auch ein Jugendkult, was gerne bildlich so dargestellt wird. Gesund, jung, hart vs krank, alt, weich, dick etc. Dementsprechend ist die Reproduktion völkischer Kinder vielleicht die zentralste Aufgabe überhaupt in dieser Ideologie.



Faschismus lebt vom Männerbund

Faschismus lebt aber vom Männerbund – vom mystifizierten unsichtbaren Band der Kameradschaft, das nur Männer erleben können. Gleichzeitig fällt die wichtigste Aufgabe aber Frauen zu. Eine innere Ambivalenz mit der die kaum klar kommen in ihrem Denken. Solange Frauen da mitspielen und zur Reproduktion beitragen, solange sind sie in diesem Denken fast Heilige. Ihr merkt aber, wie prekär das ist.

Denn nicht jede Frau kann sofort Kinder bekommen und wenn dann auch nur für eine gewisse Anzahl von Jahren. Frauen, die da nicht mit machen, weil sie andere Pläne in ihrem Leben haben, weil sie lesbisch sind, keine Kinder wollen oder haben können, weil sie Kinder mit nicht völkisch wünschenswerten Männern bekommen etc pp sind also die ultimativen Verräterinnen an Volk und Nation.

Hetze gegen Verhütung & Schwangerschaftsabbruch

Das hört sich jetzt alles recht absurd nach 30ern an. Aber jedes Mal, wenn gegen Verhütungsmittel, Schwangerschaftsabbruch gehetzt oder die niedere Geburtenquote beklagt wird, flackert diese Logik durch. Ein Hass auf Frauen, die nicht das Volk reproduzieren. In dem recht oft locker dahin geschriebenem Vergleich, dass Migrantinnen so viele und „Einheimische“ so wenig Kinder bekommen steckt also neben Rassismus immer auch Antifeminismus. Weil weibliche Sexualität nie individuell ist, sondern dem Volk gehört. Genauso wie Frauenkörper.

Wenn völkisch wünschenswerte Frauen also die einzige Möglichkeit der Reproduktion einer völkischen Zukunft sind, dann stehen diese Körper für Nation und Volk an sich. Dann ist jeder Übergriff zum Beispiel eines Asylwerbers auf so einen Körper Landnahme.

Es geht nicht um die individuelle Frau

Versteht ihr, es geht überhaupt nicht um die individuelle Frau mit ihren Bedürfnissen, Wünschen, Grenzen etc. Sie existiert nicht als Individuum in dieser Vorstellung. Ihrem Körper wird eine beinahe mystische Bedeutung eingeschrieben. Und nur deswegen regt rechte Männer so ein Übergriff auf – weil sie ihn als Anschlag auf das aller Höchste sehen – die Zukunft von Volk und Nation. Und deswegen regt sie der Übergriff eines „Einheimischen“ nicht auf. Wenn ein völkisch wünschenswertes Kind rausschaut ist es gut.

Es ist so ein viel schichtiges Thema, aber ich belasse es mal dabei. Conclusio: Frauen sind nie Individuen, sondern haben die höchste völkische Aufgabe. Alles was sie davon abhält ist schlecht. Jeder Übergriff eines „minderwertigen“ Mannes ist Anschlag auf Nation. Und ich wünschte, das wäre hochtrabende theoretische Fitzelei, zusammengetragen aus schwitzigem Geschreibsel einiger Frauenhasser. Aber die Logik springt mir fast täglich entgegen und es ist unerträglich. Jede Frau hat ein individuelles, unverhandelbares Recht auf Schutz vor Gewalt.

Autorin: Natascha Strobl, hier zum Original-Thread@Rabid_Glow. Zusammen mit Julian Bruns und Kathrin Glösel hat sie „Die Identitären. Handbuch zur Jugendbewegung der Neuen Rechten in Europa“ geschrieben. 

Artikelbild: pixabay.com, CC0

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Während man über Amberg diskutiert, werden 20 prügelnde Deutsche aus Wurzen ignoriert

Wie deutlich kann es sein?

Die Diskussionen über Amberg arten aus. Dass vier betrunkene Jugendliche wahllos Passanten angreifen, ist natürlich zu verurteilen. Und entsprechend zu bestrafen. Aber dass Innenminister Seehofer extra deutsches Recht verändern will, um die Täter abschieben zu können (Quelle) oder dass Rechtsextreme jetzt so tun, als müssten ausgerechnet sie in der Stadt „patroullieren“, um für Sicherheit zu sorgen – völlig absurd. Sind alle verrückt geworden?

Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, der bereits öfter wegen seiner rechten Einstellungen negativ auffiel, behauptete sogar, die Täter hätten „eine tiefe Verachtung für unseren Staat und für die Menschen, die bei uns leben“. (Quelle) Bitte was? Kommt mal alle runter, das waren betrunkene, gewalttätige Jugendliche. Sonst sind solche Vorfälle auch keine Meldung wert. Ein Beispiel gefällig?



20 prügelnde Deutsche aus Wurzen ignoriert

Man siehe einfach mal nach Wurzen, nur zwei Tage später. In der Silvesternacht wurden zwei Männer und eine Frau von bis zu 20 vermummten Jugendlichen überfallen und teils bis zur Bewusstlosigkeit geprügelt. (Quelle) Warum wird hier nicht diskutiert? Wo ist die Empörung? Warum interessiert diese Tat niemanden? Natürlich, weil es hier nicht um Schutzsuchende geht. 

Wie deutlich muss der Rassismus in der kollektiven Aufmerksamkeit denn werden? Wie viel kostenlosen Wahlkampf wollen wir für die AfD denn noch machen? Ja, natürlich geben diese Taten mehr Klicks und mehr Auflage. Die Medien verdienen mit den Straftaten von Nicht-Deutschen Geld, die AfD kriegt Zulauf und vermeintliche Bestätigung. Und die Menschen leben immer weniger in der Realität.

Wir haben diesen offensichtlichen Rassismus so satt. Und schlimmer noch, für immer weniger Menschen wird dieser Rassismus offensichtlich, sondern vermeintlich zur Realität. So wird dann ein Zeichen einer Bar gegen AfD-PolitikerInnen völlig absurd zu einer „neuen Judenverfolgung“ eskaliert, während ein rechtsextremer Anschlag gefeiert und entschuldigt wird. Hört mit diesem Wahnsinn auf!

SOHO Minden, Amberg, Bottrop: So extrem sind rechte Verdrehungen & Verharmlosungen

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SOHO Minden, Amberg, Bottrop: So extrem sind rechte Verdrehungen & Verharmlosungen

Das Facebook-Jahr hörte auf, wie das neue nun beginnt: Mit Verdrehungen und breit angelegter Verharmlosung.

Drei Beispiele innerhalb von einer Woche.

1. Beispiel: Das SOHO Minden postet am 24.12. ein Foto. Auf dem Foto ist eine Tafel zu sehen, auf der steht: „Wenn Sie AfD wählen, dann trinken Sie Ihr Bier bitte woanders. Sie fühlen sich diskriminiert? Dann wissen Sie endlich mal wie das ist.“

Das SOHO Minden erlebt daraufhin einen Shitstorm, der mittlerweile fast 3.000 Hass-Kommentare enthält. Der Post wurde über 3.300 Mal geteilt. Darunter in sehr vielen rechten Facebook-Gruppen.

Natürlich kann man darüber diskutieren, ob die Idee gut ist, Menschen auf Grund Ihrer politischen Einstellung, die man rein äußerlich eh nicht überprüfen kann, auszuschließen. Meiner Meinung nach wollte der Wirt ein Zeichen gegen die häufig diskriminierenden und rassistischen Kommentare einiger AfD-Politiker oder ihrer Facebook-Anhänger setzen. Wie gesagt, kann man diskutieren.

Was man nicht diskutieren kann, sind die Kommentare unter dem Post. Häufigster Tenor: Der AfDler ist der neue Jude. Es wird ernsthaft gefragt, wie lange es noch dauert, bis Menschen in Anlehnung an den Judenstern einen blauen Stern tragen sollen. Das ist nicht nur ein hanebüchener Vergleich, er ist auch an Widerwärtigkeit nicht zu übertreffen. Die Juden wurden auf Grund ihrer Religion enteignet, gejagt und systematisch und zudem staatlich gefördert industriell ermordet. Allein die Gleichsetzung des einen mit dem anderen ist eine nicht zu akzeptierende Verharmlosung der Novemberpogrome und des Holocausts.



Warum machen Menschen so etwas?

Sehen die „Verteidiger der christlichen Werte“ nicht die Ironie, wenn sie ausgerechnet an Weihnachten Heinrich Bedford-Strohm für seine Kritik an den Kommentaren auf AfD-Facebook-Seiten, auf denen „ein Ausmaß von Menschenverachtung und sozialer, aber auch menschlicher Kälte zum Ausdruck [kommt], das schon Sorgen macht.“  Bedford-Strohm und auch der Papst warben für Nächstenliebe und Barmherzigkeit, für Frieden und Brüderlichkeit. Dafür werden sie angegangen?

Das zweite und das dritte Beispiel können wir zusammenfassend darstellen, weil sich beide Ereignisse zeitlich überschneiden.

Am 29.12. verprügeln vier junge angetrunkene Asylbewerber aus Afghanistan, Syrien und dem Iran im Amberg wahllos Passanten. Die 17- bis 19-jährigen verletzten dabei 12 Menschen. Während man in den Facebook-Kommentaren zu Chemnitz tagelang stritt, ob nun „Hetzjagden“ stattfanden, beurteilen sowohl Herr Wendt und als auch viele Accounts die Situation in Amberg recht zügig und sind sich sicher, dass sich nun wirklich um eine „Hetzjagd“ handelte. Rainer Wendt kannte auch schon die Motivation der vier: „Es ist eine tiefe Verachtung für unseren Staat und für die Menschen, die bei uns leben.“ Bitte was?

Am 31.12. fuhr ein 50-jähriger Deutscher mit seinem Auto in Bottrop eine Menschengruppe, offenbar mit dem Ziel, Ausländer zu töten. Menschen aus Syrien und Afghanistan wurden zum Teil schwer verletzt. Eine Frau schwebte in Lebensgefahr. Er agierte ohne Netzwerk, sei psychisch krank. Laut NRW-Innenminister Herbert Reul mache der Mann „Ausländer für alles verantwortlich“. Man stelle sich nur die Reaktionen in den sozialen Medien vor, wenn das ein islamistischer Anschlag gewesen wäre.

Stattdessen: „Aber Amberg…“

Oder gar: „Wird auch mal Zeit, dass der Spieß umgedreht wird.“ (Gesehen bei der Bild, die das unkommentiert stehen lässt.)

Screenshot facebook.com

Es ist nur zu vermuten, dass sich der Mann aus seiner Echokammer dazu berufen fühlte, zu handeln. Irgendwo muss er ja die Erkenntnis gewonnen haben, dass „Ausländer für alles verantwortlich“ seien. Am „interessantesten“ äußert sich Herr Meuthen dazu: Im Grunde konnte der Mann aus Bottrop gar nicht anders handeln, da die Bundesregierung Täter wie die aus Amberg ins Land gelassen hat.

So redet man einen Anschlag klein. Vermutlich aus Gründen.

Die Süddeutsche schreibt dazu: „Diese Entpolitisierung rechter Gewalt – und die Amokfahrt des Mannes aus Bottrop war eine politisch motivierte Tat – ist aber alles andere als ein Einzelfall. Die Bundesregierung selber teilte im Juni mit, seit dem 3. Oktober 1990 seien 76 Menschen durch rechte Gewalttäter ums Leben gekommen, andere Berechnungen gehen von mehr als 150 aus.“

Und weiter: „Und selbst, wenn die rechtsextremen Motive der Gewalt offenbar sind, erscheint sie in der Öffentlichkeit in eigentümlicher Weise in ihrer Unausrottbarkeit vertraut. Die Gewalt der Fremden dagegen bricht brutal ins Vertraute ein; sie besetzt die Angsträume des Landes. Es hätte sich ja auch die Amberger Tat entpolitisieren lassen: Junge Männer im Suff benehmen sich am Neujahrstag krass daneben. Zu Recht ist das nicht passiert. Zu Recht verbindet sich mit den Prügelattacken die Frage, wie der Staat, die Gemeinschaft mit Asylsuchenden umzugehen hat, die gewalttätig werden – wobei die Abschieberegelungen mittlerweile scharf sind wie nie und sich kaum ein Gewalttäter von ihnen abschrecken lässt.“ (Quelle)

Man darf gespannt sein, wie die rechte Blase reagiert, wenn vier deutsche angetrunkene Jugendliche wahllos Menschen verprügeln, während ein Islamist ein Auto in eine Menschengruppe steuert.

Artikelbild: Master1305, Shutterstock.com

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Nach dieser Tat eines Flüchtlings musste sich dieser Österreicher schämen

Dieser Twitter-Thread geht viral

„Es ist alles eine fucking Schande, irgendwie. Ich schäm mich noch immer. Nicht für Österreich, sondern für mich selbst.“

Der Nutzer @zarkojank erzählt, was ihm kürzlich auf dem Urban-Loritz-Platz in Wien passierte.



Hier die Ganze Geschichte:

Anmerkungen der Reaktion sind kursiv, wir haben den Dialekt für unsere Mit-Piefkes übersetzt. 

Stehe gestern Nacht am Urban-Loritz-Platz und esse ein Kebab, neben mir ein Flüchtling aus dem Iran (Afghane) und wir labern halt irgendeinen Mist, Bruder hier, Bruder da. 20m von uns liegt ein Betrunkener auf der Bank, es rennen ständig Leute vorbei und ignorieren ihn.

Soweit alles normal für eine Wiener Nacht. Der Typ neben mir geht aufs WC und am Rückweg direkt zum „Sandler“ (Bettler) hin, kniet sich zu ihm und redet kurz irgendwas. Leute gehen vorbei, denken wohl – wie ich – Ah, na serwas, was will der von dem Sandler??

Dann kommt er wieder zurück und sagt „Bruder, er sagt, er braucht Rettung. Er sagt, Bein kaputt“. Ich denk mir immernoch „Oida (Alter), bitte, so ein Scheiß jetzt mit dem total waachgesoffenen Penner iwas diskutieren“, gehe aber mit, um mal zu schauen.

Stellt sich heraus, dass der Typ sich das verdammte Bein gebrochen hat, ohne Jacke daliegt und komplett unkontrolliert am Zittern ist. Ich iwie noch immer im „Na serwas, habe d’Ehre das schaut schlecht aus“-Modus, hat der andere schon die Jacke ausgezogen.

Schwer zu beschreiben, wie liebevoll dieser 20-Jährige den Typen zugedeckt hat mit seiner Jacke. Ohne eine Sekunde zu zögern. „Mann braucht Hilfe“. Während ich mit seinem Handy die Rettung rufe, holt er 20 Zeitungen ausm Ständer und legt sie dem Patienten unter den Kopf.

Afghane gleich verdächtigt

15 Minuten Zeit, auf die Rettung zu warten. „Keine Arbeit, Scheiße“, sagt er. „Mhm, gschissn grissn“, denke ich. Dann kommt die Rettung. Ich mein, jeder kennt es und sie haben echt einen zaachen (Mühsam, Anstrengend) Job, aber grad dass sie den Afghanen nicht direkt angefuckt haben. Super ungut.

Als ich dann den Mund aufgemacht und die Lage beschrieben habe, hat sich die Situation sofort entspannt. Wohl weil ich mehr als „Mann braucht Hilfe“ sagen kann. Die haben den Typen dann ins Auto gewuchtet (Bein total im Arsch einfach) und haben weiß Gott was mit ihm gemacht.

Der Refugee-Kollege hat dann die Zeitungen noch in den Ständer zurückgeräumt. Da musste ich fast lachen vor lauter Wut auf mich selbst. Bin ich echt schon so abgestumpft, dass ich auch an dem Mann vorbeigerannt wäre? Was is los mit dieser Stadt, frag ich mich.

Es muss ausgerechnet so ein Afghane daherkommen. Ausgerechnet einer dieser scheiß Messerstecher, wo man sich als Zeitungsleser eher Sorgen macht, wenn man sie betrunken nachts am Gürtel (Verkehrsader um Wien) trifft. Ausgerechnet der ist der einzige, der sich Zeit nimmt, dem Mann mal zuzuhören.

Und er ist auch der einzige, bei dem sich jeder sofort denkt „Heast (Sag mal) will der jetzt den Sandler ausrauben oder was?“. Es ist alles eine fucking Schande, irgendwie. Ich schäm mich noch immer. Nicht für Österreich, sondern für mich selbst.

Naja, Abend war jedenfalls ganz lustig so im Allgemeinen. Haben dann Nummern ausgetauscht, vielleicht gehen wir einmal ein Bier trinken. Achso, geht ja nicht, der verdammte Moslem trinkt ja nicht, hat er gesagt. Der Kickl (FPÖ-Politiker, Innenminister) soll ihn holen.

Artikelbild: Screenshot twitter.com, Danke an unsere Freunde von Mimikama für die Übersetzungshilfe 😀 

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Die AfD will nicht, dass du diese Liste an 12 Ereignissen siehst

Flüchtlinge retten leben.

Serdar Yüksel ist zwar kein Schutzsuchender, sondern ein türkischstämmiger Deutscher, doch für die AfD rhetorisch da meistens kein großer Unterschied gemacht wird, nehmen wir das gerne als Anlass für diese Liste. (Die AfD möchte zum Abstammungsprinzip zurückkehren, und leugnet regelmäßig, dass Deutsche mit Migrationshintergrund „echte“ Deutsche seien.) Doch schauen wir uns einmal diese 12 „Einzelfälle“ an:



1.) Mädchen gerettet

Ein 17-jähriger Flüchtling rettete ein Mädchen in Berlin vor einer Männergruppe, die ihn dabei mit Messern verletzten. (Quelle)

2.) Kind vor Ertrinken gerettet

Abdulmanaf Mohamad, der mit 14 nach Deutschland kam, hat vor kurzem einen Dreijährigen aus einem eiskalten Fluss vor dem Ertrinken gerettet. (Quelle)

3.) Kinder aus brennendem Haus gerettet

Ein 29-jähriger Iraker hat zwei Kinder in Swisttal bei Bonn aus einem brennenden Haus gerettet. (Quelle)

4.) Flugabsturzopfer gerettet

Der irakische Asylbewerber Hassanien Salman, gelernter Tierarzt, hat den Opfern eines Flugzeugabsturzes bei Osnabrück das Leben gerettet. (Quelle)

5.) Bei Hochwasser geholfen

In der vom Hochwasser verwüsteten Stadt Braunsbach halfen 46 Flüchtlinge beim Aufräumen und der Versorgung von Hilfskräften und Einwohnern. (Quelle)

6.) NPD-Politiker gerettet

Ein Spitzenkandidat der NPD erlitt einen schweren Autounfall. Eine Gruppe Syrer kam ihm zur Hilfe. (Quelle)

7.) Bei Suche nach Lawinenunglück Geholfen

Flüchtlinge halfen Rettern bei einem Lawinenunglück bei der Suche. (Quelle)

8.) Mann vor Ertrinken Gerettet

In Füssen hat ein Asylbewerber einem Menschen das Leben gerettet, der in den Lech gefallen war. (Quelle)

9.) Frau vor Sexualtäter gerettet

Der 23-jährige Sleman Mohammed rettet eine junge Frau in München vor einem Sexualtäter, wofür er ausgezeichnet wurde. (Quelle)

10.) Menschen vor ertrinken gerettet

Maysara Mashaveh, syrischer Flüchtling, ist Rettungsschwimmer bei der DLRG in Berlin und hat schon vielen Menschen das Leben gerettet. (Quelle)

11.) Frau vor Angriff gerettet

Der 34-jährige Syrer Hadi Esmaeel bekam den Zivilcourage-Preis Kriminalpräventionsverein der Gemeinde Harsum, weil er eine Frau vor einem Messerstecher rettete. (Quelle)

12.) Menschen vor Brand gerettet

Und ganz aktuell: Vor kurzem rettete ein syrischer Asylbewerber LIDL-Kunden vor einem Feuer. Er warnte die Kunden des Supermarktes rechtzeitig vor Rauch, welchen er entdeckte und bekämpfte den Brand mit einem Feuerlöscher. (Quelle)

Nur selektiv herausgesuchte Einzelfälle?

Asylsuchende sind ÄrzteRettungsschwimmer, Olympia-Schwimmer, Köche, AutorenFilmemacher, uvm. Sie helfen, sie lachen, sie leben. Sie retten Leben. Ja, das sind alles Einzelfälle. Na und? Wir alle sind Einzelfälle. Jeder von uns hat eine eigene Bewertung verdient. Was mein Nachbar tut und lässt, dafür kann ich nichts. Egal, ob wir die selbe Nationalität oder Hautfarbe teilen.

Man kann dieser Liste vorwerfen, dass sie absichtlich solche Beispiele heraussucht. Ja, das tut sie. Wie jede Liste, die unvollständig ist. Man kann sich täglich wahre und falsche Meldungen über Straftaten anhören. Oder über Heldentaten. Wenn man sich nicht für die ganze Wahrheit verschließt. Wenn man glaubt, was man glauben will, anstatt das ganze Bild zu betrachten. Du meinst, Flüchtlinge töten Menschen? Flüchtlinge retten auch Menschen, wie du siehst. Genau wie Deutsche auch.

Wir sind nicht naiv

Wir leugnen nicht, dass auch Asylsuchende Straftaten begehen. Wer kriminell ist, gehört bestraft. Auch abgeschoben, wenn er keine Aufenthaltsberechtigung besitzt. Aber wir verstopfen unsere Newsfeeds nicht mit täglichen Horrormeldungen und versumpfen im Hass gegen Andere. Wir sehen die Menschen, die hinter den Vorurteilen stecken. Wir bewahren uns unsere Menschlichkeit.

Für dich ist es auch noch nicht zu spät. Verschließe nicht deine Augen und nicht dein Herz. Wenn du Fragen hast, wenn du Sorgen hast, wir sind für dich da. Glaube nicht den Hetzern, die dir Angst machen wollen. Sie wollen dir Angst machen, sie wollen dir Horrorgeschichten erzählen. Damit verdienen sie Geld. Damit gewinnen sie Macht. Lass dich nicht belügen. Lass dich nicht in eine Welt führen, die voller Hass und Selbstzweifel ist. Denke für dich selbst, anstatt dir erzählen zu lassen, was du zu glauben hast.

Wenn du Fakten und Zahlen brauchst:

Mit diesen Fakten über Flüchtlingskriminalität zerlegst du die AfD in Diskussionen

Artikelbild: pixabay.com, CC0

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Heuchler: Die AfD redet nur über Ravensburg, nicht über München oder Köln

Die Heuchelei der AfD

Von Ravensburg gehört? Wahrscheinlich. Und von den anderen Fällen vom Wochenende? Am Freitag wurde ein Mann auf dem Oktoberfest in München von einem anderen, vorbestraften im Streit getötet. Beides Deutsche. Und ja, kein Migrationshintergrund. (Warum das „Migrationshintergrund“ und „Passdeutsche“-Gerede rechtsextrem, fremdenfeindlich und verfassungswidrig ist, habe ich hier erklärt.) Am Sonntag wurde ein türkischstämmiger Mann von einem Deutschen in Köln nach ausländerfeindlichen Beleidigungen mit einem Messer im Gesicht verletzt.

Was haben die beiden Fälle gemein? Die Täter waren jeweils Deutsche. Und die AfD schweigt sich über die Vorfälle aus. Natürlich, die kann sie auch nicht für ihre fremdenfeindliche Propaganda missbrauchen. Ganz im Gegensatz zum Vorfall in Ravensburg, ebenfalls am Freitag: Ein junger, psychisch kranker Asylbewerber sticht auf zwei syrische Asylbewerber ein und auf einen anderen Passanten und verletzt diese. Für diesen Fall läuft die rechte Hetz-Maschinerie auf Hochtouren.



Wie fallen noch so viele auf diese Masche herein?

Ich kann es nicht begreifen, wie leicht sich die Menschen von der AfD verarschen lassen. 87% aller „Messerangriffe von Migranten“, die sie anklagt, sind entweder keine Messerangriffe oder nicht von Migranten begangen. Teilweise sind es einfach Fälle von Deutschen ohne Migrationshintergrund, wie auch der Tagesschau Faktenfinder feststellt.. Deutschland ist so sicher wie seit 1992 nicht mehr. Der Großteil aller Straftaten wird von Deutschen begangen. Über 90% aller Asylbewerber und anerkannte Asylsuchende werden überhaupt nie als Tatverdächtige registriert oder begehen überhaupt Straftaten.

Mit diesen Fakten über Flüchtlingskriminalität zerlegst du die AfD in Diskussionen

Die AfD verarscht dich, indem sie selektiv nur die Meldungen publiziert, die ihr Feindbild bestätigen. Die deinen Hass schüren sollen. Damit du nicht hinterfragst, dass sie kein Rentenkonzept hat oder Politik für z.B. die Industrie macht, von welcher sie Parteispenden erhalten. Teilweise sogar heimlich und mutmaßlich illegal. Damit du dich mit einfachen Lösungen für komplizierte Probleme zufrieden gibst. Damit du denkst, mit „Ausländer raus!“ seien alle deine Sorgen gelöst.

Propaganda dank Social Media so erfolgreich

Lass dir nicht einreden, dass die Rechtsextremen wegen Kriminalität „besorgt“ seien und deswegen („leider“) fremdenfeindlich werden. Wie auch Studien zeigen, ist es anders herum. Die AfD ist fremdenfeindlich, und deshalb geben sie vor, sich „Sorgen“ um Kriminalität zu machen. Das sind Ausreden. Und dass inzwischen so viele Menschen diese Märchen glauben, zeigt die gewaltige Macht von Filterblasen und Fake News, die die Partei in den letzten Jahren gepflegt hat.

Es macht überhaupt keinen Sinn, sich mit einem endlosen Strom aus realen oder fiktiven Fällen zu radikalisieren, wie jetzt mit dem Fall aus Ravensburg. Der junge Mann ist psychisch krank! Er soll Hilfe bekommen, und nicht als Sündenbock hergenommen werden. Muss man alles ausschlachten?

Ein Blick in die Statistik zeigt am realistischsten, wie sich die Wirklichkeit zusammensetzt. Und zeigt, dass der Hetz-Kreislauf aus fremdenfeindlichen Einstellungen und fremdenfeindlicher Berichterstattung nicht nur sinnlos ist, da er aktiv Problemlösungen im Weg steht, sondern auch unserer Demokratie schadet.

Praktische Lösungen statt rassistischer Hetze

Die AfD will einen Glauben machen, dass „Linke“ (und damit meinen sie alle von CSU bis zur echten DIE LINKE) Probleme leugnen. Und nehmen Fälle wie in Ravensburg als Beispiel. Während sie gleichzeitig alles andere bewusst ignorieren! Doch wer den Übertreibungen und Fake News der Rechtsradikalen widerspricht, sperrt sich nicht automatisch für gangbare, nicht-fremdenfeindliche Lösungen der Probleme, die es gibt. Aber Abschiebungen oder Grenzschließungen sind größtenteils einfach unsinnig und bringen überhaupt nichts, um das Problem zu lösen. (Warum erklären wir hier und hier)

Die Politik täte gut daran, sich auf Sachpolitik zu konzentrieren, und nicht durch unangebrachte Aussagen oder künstliche heraufbeschworene „Asylkrisen“ den Rechtsradikalen Recht zu geben. Ein Einwanderungsgesetz wäre beispielsweise eine gangbare Lösung, um Einwanderung übersichtlich und fair zu gestalten. Doch AfD-Hysterie hat weder etwas mit der Realität zu tun, noch löst sie irgendwelche Probleme.

8 Dinge, die die Regierung tun könnte, um die AfD zu besiegen

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Mit diesen Fakten über Flüchtlingskriminalität zerlegst du die AfD in Diskussionen

Fakten, Zahlen, Hintergründe

Die AfD hat nur ein Thema (Wirklich nur eines): Sicherheit rund um Migration. Will man den Rechtsradikalen Glauben schenken, begehen nur Schutzsuchende Straftaten und überhaupt sei Deutschland viel unsicherer. Doch das einzige, was sich verändert hat, ist die Wahrnehmung der Menschen.

In AfD-nahen Filterblasen wird jede echte oder auch erfundene Straftat eines Nicht-Deutschen (oder sogar Deutschen mit Migrationshintergrund) zum Skandal stilisiert. Aber schauen wir uns einfach mal die Zahlen, Statistiken und Zusammenhänge an, wie sie wirklich aussehen. Die offiziellen Statistiken haben natürlich auch ihre Schwächen, aber sie sind die besten Daten, die wir haben.



Asylbewerber, anerkannte Flüchtlinge, Geduldete?

Die AfD verwendet viele Begriffe synonym. Da werden Moslems, Flüchtlinge, Asylbewerber, Deutsche mit Migrationshintergrund uvm. einfach in einen Topf geworfen. Wenn man ein einfach zu hassendes Feindbild kreieren will, ist das vielleicht sinnvoll. Nicht, wenn man seriös über Kriminalität und Sicherheit reden will. Aber eines vorweg: Deutsche mit Migrationshintergrund sind Deutsche. So steht das in unserem Grundgesetz: Wer einen deutschen Pass hat, ist Deutscher. (Mehr dazu)

In den Statistiken wird von „Zuwanderern“ gesprochen (ein irritierender Begriff, da das eine Gruppe meint, die nicht zuwandert, sondern vor Krieg und Verfolgung flieht). Das sind Asylberechtigte bzw. Schutzberechtigte im Sinne des Völkerrechts, Asylbewerber, Menschen mit einer Duldung, „Kontingent- bzw. Bürgerkriegsflüchtling“ und Menschen die keine gültige Aufenthaltserlaubnis haben, sich also „unerlaubt“ in Deutschland aufhalten.

Zwischen Januar 2015 und März 2018 wurden „insgesamt rund 1.390.000 Asylsuchende registriert, davon rund 890.000 im Jahr 2015, rund 280.000 im Jahr 2016, rund 186.600 Asylsuchende im Jahr 2017 und rund 34.000 Asylsuchende in den ersten drei Monaten des Jahres 2018.

Wie kriminell sind „Zuwanderer“?

Laut BKA (1. Quartal 2018): 66.200 Fälle, bei denen mindestens ein Zuwanderer als Tatverdächtiger erfasst wurde. Das heißt: 66.200 Fääle mit Verdächtigen (nicht Tätern!), die für versuchte (!) oder vollendete Straftaten registriert wurden. Das BKA schreibt dazu: „Die Mehrheit der Zuwanderer trat nicht im Zusammenhang mit einer Straftat in Erscheinung.“ Im Jahr 2017 waren 14% aller Tatverdächtigen „Zuwanderer“.

ABER: Fast die Hälfte aller Verstöße sind gegen das Asylrecht (also v.a. Asyl- und Aufenthaltsdelikte, fehlende Aufenthaltsgenehmigung usw.), sodass dann noch 167.268 Tatverdächtige übrig bleiben, sprich 8,5%. Über 90% aller „Zuwanderer“ werden überhaupt nie als Tatverdächtige registriert oder begehen überhaupt Straftaten.

Touristen und Geschäftsreisende öfter für Mord & Totschlag verdächtig als Asylbewerber

Deutschland ist laut PKS so sicher wie seit 1992 nicht mehr. Seit 2009 ist aber der Anteil an ausländischen Tatverdächtigen auf 30% gestiegen (Achtung! Alle Nicht-Deutschen, nicht nur Zuwanderer). Bei Mord, Vergewaltigung, Körperverletzung, Raub ist die Mehrzahl der Tatverdächtigen deutsch. Aber proportional ist der Anteil der Nicht-Deutschen höher. Sehen wir uns mal die Gewaltkriminalität an (Mord, Totschlag, Vergewaltigung, Körperverletzung etc.).

Anteil an Nicht-Deutschen: 38%. Bei Mord & Totschlag: 42%, bei Vergewaltigung und sexueller Nötigung: 37%. Von allen Nicht-Deutschen. ABER: Flüchtlinge, Asylbewerber usw. machen hier den kleinsten Anteil aus. Von 2698 Tatverdächtigen für Mord und Totschlag waren 364 „Zuwanderer“, und nur 35 anerkannte Asylbewerber. (Anerkannte Asylbewerber sind insgesamt sogar weniger kriminell als Deutsche) Zum Vergleich: 642 Tatverdächtige sind Touristen, Geschäftsreisende usw. 

Welche Straftaten begehen „Zuwanderer“?

Aus den Zahlen für das erste Quartal 2018: Die meisten Delikte (28%) waren im Bereich der „Vermögens-und Fälschungsdelikte (darunter zu 55% Schwarzfahren). Danach folgt Diebstahl (23%), welcher zu 69% Ladendiebstahl war. Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit waren 22%, mit 76% davon Körperverletzung. Jede zehnte Straftat war ein Rauschmitteldelikt.

Straftaten „gegen die sexuelle Selbstbestimmung“ machten nur 1,6% aus. Darunter fallen aber nicht nur Vergewaltigungen, sondern auch Kindesmissbrauch, aber auch weniger gravierende wie Exhibitionismus, Belästigung oder Nötigung. Ein Anstieg dieser angezeigten Straftaten liegt darin, dass 2017 das Sexualstrafrecht verschärft wurde und das Anzeigeverhalten gestiegen ist. Straftaten gegen das Leben machten nur 0,13% aus.

Straftaten gegen das Leben

Von Januar bis März 2018 gab es 89 Straftaten gegen das Leben mit mindestens einem „Zuwanderer“ als Tatverdächtigem. Es gab allerdings auch 75 Fälle, in welchem bei einer Straftat gegen das Leben ein „Zuwanderer“ das Opfer war. Und diese Überschneiden sich zum Großteil: bei 64 davon waren ausschließlich Zuwanderer auf Täter- und Opferseite beteiligt. Deutsche werden also selten Opfer eines „Zuwanderers“ bei Straftaten gegen das Leben.

Außerdem bleiben 87% der Taten im Versuchsstadium, so wurden im ersten Quartal des Jahres 11 Personen getötet, davon nur ein Deutscher. In fast einem Viertel der Fälle war der Tatort eine Erstaufnahmeeinrichtung oder eine Sammelunterkunft. Im Bereich der organisierten Kriminalität haben Zuwanderer so gut wie keine Bedeutung.

Anstieg an Morden nicht wegen Schutzsuchenden

Im Jahr 2016 stieg die Anzahl der vorsätzlichen Tötungen in den Statistiken im Vergleich zum Vorjahr dramatisch an. Auch 2017 blieb sie hoch. Die AfD möchte das natürlich auf Flüchtlinge schieben. Doch ein Fünftel aller Tötungen, insgesamt 308 Opfer (!) in den Jahren 2016 und 2017 gehen allein auf das Konto von nur zwei Männern. Beides Deutsche ohne Migrationshintergrund. Hier mehr dazu:

Starker Anstieg der Morde 2016: Fallt nicht auf diese AfD-Propaganda rein!

Anerkannte Flüchtlinge weniger kriminell als Deutsche

Im letzten Jahr gab es demnach 10.511 Tatverdächtige, die den Status „International/national Schutzberechtigte und Asylberechtigte“ haben. Da es von anerkannten Asylbewerbern 550.411 in Deutschland gibt, macht das einen Prozentsatz von 1,9% aus. Der Gesamtdurchschnitt beträgt hingegen 2,57%! Anerkannte Asylbewerber sind UNTERDURCHSCHNITTLICH kriminell! Hier mehr dazu:

BKA: Anerkannte Asylberechtigte weniger kriminell als Deutsche

Überproportionalität an Straftaten

Woran sich Rechte oft klammern, um ihre ausländerfeindlichen Ressentiments zu behalten, ist die Überproportionalität an Straftaten von „Zuwanderern“. Gerechtfertigt werden sollen damit Abschiebungen oder Grenzschließungen. (Dabei gibt es kaum noch ausreisepflichtige Menschen, siehe hier, und kaum noch Schutzsuchende, die in Deutschland und Europa ankommen, siehe hier)

Dabei gab es oben bereits einige Hinweise darauf, woran das Problem liegt. Auffällig sind die Aufnahmeeinrichtungen: Dezentralere Unterbringung, schnelleres Abschließen der Asylverfahren usw. dürften Kriminalität drastisch senken, da anscheinend die Unsicherheit des unklaren Asylstatus und die klaustrophobe Unterbringung in den Aufnahmeeinrichtungen den Stress und die Anfälligkeit für Straftaten erhöht. Nicht umsonst fällt die Straffälligkeit mit der Anerkennung des Asylstatus dramatisch ab (Siehe oben).

Männlicher, Jünger und sozial unsicher

Wie kriminell ein Mensch ist, hängt nicht damit zusammen, was er für eine Hautfarbe hat. Was nachweislich für Kriminalität relevant ist, sind nun mal das Geschlecht, sprich: Männlichkeit (75% aller Tatverdächtigen der PKS, bei Gewaltkriminalität sogar 86 Prozent und bei Vergewaltigung fast 99 Prozent!), Alter und soziale Situation (ob du arm bist, Arbeit hast, etc.).

Und demzufolge müssen „Zuwanderer“ rein statistisch gesehen schon krimineller sein, weil ihr Anteil an sozial schlechter gestellten Männern zwischen 20 und 40 größer ist als in der durchschnittlichen deutschen Bevölkerung12% der Deutschen sind zwischen 20 und 40 und männlich. Bei Asylbewerbern liegt der Anteil an Männern im Alter zwischen 18 und 40 bei 30,8%. (Stand: 08/17; Deswegen sind übrigens tatsächlich nur weniger als 1/3 der Asylbewerber „junge Männer“, mehr dazu).

Und sozial schlechter gestellt sind sie allemal: Diejenigen, die zur Gruppe der „Zuwanderer“ gezählt werden, können und dürfen größtenteils nicht arbeiten, zusätzlich zu dem Faktor, dass sie sich auf der Flucht befinden und kulturelle, sprachliche und psychische Barrieren überwinden müssen, ist ihre soziale Situation selbstverständlich weitaus gravierender als die der Durchschnittsdeutschen und daher anfälliger für hohe Kriminalität.

Das BKA schreibt dies selbst:

„Diese Ergebnisse dürften „nicht mit der tatsächlichen Kriminalitätsentwicklung gleichgesetzt werden. Sie lassen auch keine vergleichende Bewertung der Kriminalitätsbelastung von Deutschen und Nichtdeutschen zu. Einem wertenden Vergleich zwischen der deutschen Wohnbevölkerung und den sich in Deutschland aufhaltenden Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit stehen (auch) das doppelte Dunkelfeld in der Bevölkerungs- und in der Kriminalstatistik sowie der hohe Anteil ausländerspezifischer Delikte und die Unterschiede in der Alters-, Geschlechts- und Sozialstruktur entgegen.“

Lösungen und Diskussionen

Man kann eine Diskussion über Kriminalität von Flüchtlingen führen, ohne sich unsachlich bei Fake News, Übertreibungen oder einer selektiver Auswahl zu bedienen, wie es die AfD tut. Beispielsweise sind 87% aller „Messerangriffe von Migranten“, die sie anklagt, entweder keine Messerangriffe oder nicht von Migranten begangen. Teilweise sind es einfach Fälle von Deutschen ohne Migrationhintergrund. Hier mehr dazu:

Wahnsinn! So krass lügt die AfD über angebliche Messerattacken

Die AfD will einen Glauben machen, dass „Linke“ (und damit meinen sie alle von CSU bis zur echten DIE LINKE) Probleme leugnen. Doch wer den Übertreibungen und Fake News der Rechtsradikalen widerspricht, sperrt sich nicht automatisch für gangbare, nicht-fremdenfeindliche Lösungen der Probleme, die es gibt. Aber Abschiebungen oder Grenzschließungen sind größtenteils einfach unsinnig und bringen überhaupt nichts, um das Problem zu lösen.

Die Politik täte gut daran, sich auf Sachpolitik zu konzentrieren, und nicht durch unangebrachte Aussagen oder künstliche heraufbeschworene „Asylkrisen“ den Rechtsradikalen Recht zu geben. Ein Einwanderungsgesetz wäre beispielsweise eine gangbare Lösung, um Einwanderung übersichtlich und fair zu gestalten. Doch AfD-Hysterie hat weder etwas mit der Realität zu tun, noch löst sie irgendwelche Probleme.

Quellen: PKS 2017, BKA: „Kriminalität im Kontext Zuwanderung“. Artikelbild: pixabay.com, CC0

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BKA: Anerkannte Asylberechtigte weniger kriminell als Deutsche

International und national Schutzberechtigte und Asylberechtigte sind unterdurchschnittlich oft tatverdächtig.

Auch wenn es die AfD nicht wahr haben will und mit Einzelfällen eine Untergangsstimmung verbreitet. Wenn man sich die PKS 2017 und „Kriminalität im Kontext von Zuwanderung“ des BKA ansieht, muss man feststellen: Deutschland ist so sicher wie seit 1992 nicht mehr. Die Zahl der Straftaten ist auf dem niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung. Auch die Anzahl der tatverdächtigen „Zuwanderer“ („Asylbewerber“, „International/national Schutzberechtigte und Asylberechtigte“, „Duldung“, „Kontingentflüchtling“ und „unerlaubt“) ist gesunken.

Seit diesem Jahr führt das BKA „International/national Schutzberechtigte und Asylberechtigte“ – also anerkannte Flüchtlinge – gesondert auf. Im letzten Jahr gab es demnach 10.511 Tatverdächtige, die diesen Status haben. Da es von anerkannten Asylbewerbern 550.411 in Deutschland gibt, macht das einen Prozentsatz von 1,9% aus. Der Gesamtdurchschnitt beträgt hingegen 2,57%! Anerkannte Asylbewerber sind UNTERDURCHSCHNITTLICH kriminell!



Bevor die Rechten Trolle wieder loslegen:

Die AfD möchte natürlich nicht, dass du das weißt. Am Ende hast du gar keine Angst vor Schutzsuchenden und wofür willst du dann die Rechtsextremen wählen? Ein Rentenkonzept haben sie schließlich nicht. Deshalb wird sie sicherlich bereits unter diesem Beitrag verschiedene falsche oder veraltete Zahlen und Grafiken posten. Und die Glaubwürdigkeit dieser Zahlen anzweifeln. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf im rechtsextremen Weltbild.

Doch alle berechtigten Einwände möchte ich hier noch vorweg nehmen: Ja, nur anerkannte Asylberechtigte sind unterdurchschnittlich kriminell. Darüber hinaus gibt es noch Menschen, deren Asylverfahren noch läuft, Menschen, die geduldet werden, Kontingentflüchtlinge und abgelehnte Asylbewerber. Deren Anzahl an Tatverdächtigen ist im Vergleich zum Vorjahr zwar auch um 10% zurückgegangen, ihr Anteil an den Straftaten schwankt jedoch je nach Art zwischen vier und neun Prozent.

Berliner sind auch überdurchschnittlich kriminell

Und ist damit überdurchschnittlich. Doch was heißt das? Berliner sind schließlich auch überdurchschnittlich kriminell. Menschen haben in Berlin 2017 immerhin 91 Menschen getötet und 607 Vergewaltigungen begangen. Wenn man es wollte, könnte man im Schnitt alle vier Tage über den Mord durch einen Berliner berichten. Und jeden Tag über zwei Vergewaltigungen. Doch das macht keiner. Ist ja auch sinnlos. Aber genau das ist das, was die AfD mit Schutzsuchenden macht.

Wie kriminell ein Mensch ist, hängt nicht damit zusammen, was er für eine Hautfarbe hat. Was nachweislich für Kriminalität relevant ist, sind nun mal das Geschlecht, sprich: Männlichkeit (75% aller Tatverdächtigen der PKS, bei Gewaltkriminalität sogar 86 Prozent und bei Vergewaltigung fast 99 Prozent!), Alter und soziale Situation (ob du arm bist, Arbeit hast, etc.).

Und demzufolge müssen „Zuwanderer“ rein statistisch gesehen schon krimineller sein, weil ihr Anteil an sozial schlechter gestellten Männern zwischen 20 und 40 größer ist als in der durchschnittlichen deutschen Bevölkerung12% der Deutschen sind zwischen 20 und 40 und männlich. Bei Asylbewerbern liegt der Anteil an Männern im Alter zwischen 18 und 40 bei 26%. (Antragsteller Jan-Jul 2018).

Kriminalität senken? Asylbewerber anerkennen

Und ihre soziale Situation ist fatal: Sie leben in Angst, jederzeit doch abgeschoben zu werden, sie dürfen nicht arbeiten. Plus sprachliche und kulturelle Barrieren. Das ist auch der Grund, warum anerkannte Asylbewerber so wenig kriminell sind: Die dürfen arbeiten, sie haben ein sicheres Bleiberecht. Ihre Existenz ist nach der Flucht erst einmal gesichert. Es gibt viel weniger Gründe zur Sorge. Und nur ein kleiner Kommentar am Rande: Wenn man allen ein Bleiberecht verleihen würde, würde theoretisch deren Kriminalität auch drastisch sinken.

Doch lassen wir das. Natürlich wird es noch weitere Einwände geben: Die Anzeigestatistik der Polizei kann nicht die komplette Wirklichkeit ablichten. Und das stimmt natürlich. Aber wenn wir einmal von lächerlichen Verschwörungstheorien absehen, kann es uns doch ein einigermaßen zuverlässigeres Bild liefern. Und tendenziell ist es auch eher so, dass Ausländer überproportional häufig angezeigt und verdächtigt werden, wie Studien zeigen.

Aber es sind die besten und einzigen Zahlen, die wir haben. „Gefühlte Wahrheiten“ können leicht manipuliert werden. Bevor man also auf politische Rattenfänger hereinfällt, die sich einzelne Fälle herauspicken, um zu verschleiern, dass sie sonst keine Alternativen für die Politik zu bieten haben und in den Parlamenten nicht wissen, was sie tun, sollte man Ruhe bewahren. Schutzsuchende, die ein Bleiberecht erhalten haben, sind weniger kriminell als dein durchschnittlicher Deutsche.

Artikelbild: pixabay.com, CC0

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12 Fakten: Diese Mythen und Vorurteile über Geflüchtete sind falsch

Eine Faktenübersicht Über Das Thema Asyl.

Es kursieren viele Gerüchte, Mythen und Falschmeldungen um Geflüchtete. Im Laufe jeder Diskussion kommt ein ganzes Bullshitbingo an – sich teilweise widersprechende – Vorurteilen, die man mittlerweile auswendig kennt. Damit ihr nicht jedes Mal auf’s neue recherchieren müsst, haben wir die wichtigsten Fakten und Argumente für euch zusammengefasst:



1. Geflüchtete nehmen uns keine Arbeitsplätze weg

Klingt ein wenig unglaubwürdig, wenn gerade jetzt die Bundesagentur für Arbeit erklärt, dass die Arbeitslosigkeit so niedrig ist wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Im Juni waren nur 2,276 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Gleichzeitig sind 805.000 freie Stellen gemeldet. Zudem haben Flüchtlinge zusätzliche Hürden, wie fehlende Anerkennungen von Ausbildungen aus dem Ausland und sprachliche Hürden.

Nicht zu vergessen die reale bewusste oder unbewusste Diskriminierung durch Arbeitgeber. Bevorzugt werden Migranten oft nur dann, weil man sie schlechter bezahlen kann – Aber durch einen Mindestlohn fällt diese Gefahr weg. Tatsächlich zeigen Studien, dass Migranten sogar mehr Arbeitsplätze schaffen.

2. Geflüchtete nehmen uns auch keine Fachkräftestellen weg

Laut Bundesagentur für Arbeit gibt es fast in jeder Branche einen Fachkräftemangel, gerade in der Informations- und Kommunikationsbranche, sowie im Verarbeitenden Gewerbe und dem Handel. „Jeder Euro, den wir dafür ausgeben, um Migranten auszubilden, ist ein Euro, der dafür ausgegeben wurde, um einen Fachkräftemangel vorzubeugen.“, erklärten ein Großteil der Bundesländer letztes Jahr. Ansonsten müsste man mehr für Sozialleistungen ausgeben, da der Fachkräftemangel der Industrie schadet und somit verhindert, dass Arbeitsplätze geschaffen werden.

3. Geflüchtete zahlen mehr in die Sozialkassen, als sie bekommen

Ja, manche wechseln problemlos zwischen dem Argument, dass Flüchtlinge uns Arbeitsplätze wegnehmen und gleichzeitig nur Arbeitslosengeld kassieren. Macht zwar keinen Sinn, aber darum geht es ja auch gar nicht. Diese Behauptung stimmt natürlich auch nicht:

Am 4. September veröffentlichte die Weltbank, die International Labour Organization der UN und der OECD einen Bericht, der schließt, dass „in den meisten Ländern Migranten mehr an Steuern und Sozialleistungen zahlen als sie beziehen.“ Andere Studien zeigen, dass Immigranten weniger wahrscheinlich zum Sozialfall werden und nicht öfter in Sozialwohnungen leben. (Studie)

Das liegt zum Teil daran, dass die meisten Migranten jung sind und relativ wenig soziale Unterstützung brauchen, im Gegensatz zu alten und kranken Bevölkerungsteilen der Einheimischen – Die deutschen bestehen immerhin zu einem Fünftel aus Rentnern. Eine weitere Studie aus Oxford besagt, dass das Aufnehmen großer Zahlen an Immigranten gravierenden Einfluss darauf hat, die Schulden eines Landes abzubauen. (Studie)

Die Wirtschaft ist auch dank der Flüchtlinge gewachsen: Das BIP ist zum dritten Mal in Folge um inflationsbereinigte 1,9% gewachsen, weil der sog. „Staatskonsum“ ansteigt – Alles, was der Staat für Geflüchtete ausgibt, verdienen schließlich deutsche Unternehmer. Durch den Bevölkerungszuwachs boomt auch der Wohnungsbau.

4. Die meisten Geflüchteten befinden sich legal in Deutschland

Nach Art. 17 der Dublin-III-Verordnung kann jeder Staat vom so genannten Selbsteintrittsrecht Gebrauch machen. Deutschland kann also auch selbstständig Asylanträge prüfen, auch wenn es gar nicht zuständig wäre. Das ist kein Bruch mit Dublin, sondern die Anwendung einer Regel, die die Verordnung so vorsieht. Deutschland hat auch nicht „die Grenzen geöffnet“, denn wir haben keine innereuropäischen Grenzen im Schengenraum: Es gab keine Grenzen, die man hätte „öffnen“ können. Auch stellte der europäische Gerichtshof fest, dass es legal war, dass die Länder die Fliehenden durchreisen haben lassen.

Unser ausführlicher Artikel zu den juristischen Hintergründen findet ihr hier.

5. Die wenigsten Asylbewerber sind ausreisepflichtig

Laut der Antwort der Bundesregierung auf eine AfD-Anfrage waren zum Stichtag 31. März nur 24.212 der rund 1,68 Millionen Ausländer, die seit 2013 nach Deutschland einreisten und einen Asylantrag stellten, „vollziehbar ausreisepflichtig“. Das sind  nur 1,5 Prozent. Also lediglich 0,029% der Bevölkerung. Alle anderen haben einen genehmigten Asylantrag oder werden aufgrund humanitärer oder familiärer Gründe geduldet und sind somit ebenfalls nicht ausreisepflichtig.

Der Großteil der Menschen, die sich „illegal“ im Land aufhält, stammen aus Albanien, Serbien, dem Kosovo, Mazedonien, Russland und Bosnien-Herzegowina. Länder, die erst kürzlich zu sicheren Herkunftsländern erklärt wurden. Ein Großteil (41,9%) der antragstellenden Asylbewerber stammt nämlich aus den Kriegs- und Krisengebieten Afghanistan, Irak und Syrien, die in 99% der Fälle Asyl bekommen und wohin eine Abschiebung unmöglich oder nicht vertretbar ist.

6. Es kommen kaum noch Asylbewerber in Deutschland an

Grenzkontrollen wären weder sinnvoll, noch möglich: Zwischen Januar und April 2018 wurden lediglich 63.972 Asylanträge in Deutschland gestellt, darunter 18.000, die bereits in einem anderen EU-Land registriert wurden und deren Einreise Seehofer in Zukunft verhindern will. 2017 waren es noch 223.000 Asylanträge, 2016 476.000 und 2015 745.000.

Deutschland kann auch keine ankommenden Asylbewerber ablehnen: Es muss sich an das 2013 verabschiedete Dublin-III-Abkommen halten und ist verpflichtetjeden Asylsuchenden, der an seiner Grenze Asyl begehrt, zunächst hereinzulassen und dann zu prüfen, welches Land für das Asylverfahren zuständig ist. Möglich sind deshalb nur bilaterale Abkommen, was die Dublin-Verordnung unter Beteiligung der EU-Kommission ermöglicht. Ohne die EU-Kommission darf Deutschland also gar nichts eigenmächtig entscheiden. Alle Hintergründe hier.

7. Schreckliche Zustände in Nordafrika treiben die Menschen auf’s Mittelmeer, nicht Seenotretter

Es existiert keine handfeste Studie, die belegt, dass die Behauptung vieler Politiker der Wahrheit entspricht, dass Menschen die Überfahrt eher riskieren, wenn es Seenotretter gibt. Alexander Betts, Chef des Refugee Studies Centre von der University of Oxford: „Fast alle Flüchtlinge würden gerne nach Hause gehen.“ „Es gibt keinen Beweis für einen Pullfaktor“, stimmt auch Ian Goldin, Kopf des Oxford Martin School on global challenges, zu. „Wenn du das Todesrisiko halbieren würdest, würden dann mehr kommen? Verzweifelte Menschen machen diese Rechnung nicht.“ Niemand steckt Kinder in ein Boot, wenn das Wasser nicht sicherer ist als das Land.

Goldin merkt an, dass jeder Pullfaktor unbedeutend gegenüber den ganzen „Pushfaktoren“ sei, wie beispielsweise die überfüllten Flüchtlingscamps im Mittleren Osten, deren Zustände immer schlechter werden. Wenn man verhindern wollte, dass mehr Menschen die Reise nach Europa auf sich nehmen, sollte man die Zustände in den gigantischen Flüchtlingscamps im Libanon, in der Türkei und anderorts verbessern. Das Schleuser- und Schleppergeschäft in Libyen ist zu groß, als dass der Faktor der Seerettung ins Gewicht fällt. Die NGOs versuchen tatsächlich sogar das Schleppergeschäft der Küstenwache zu verhindern. (Mehr zum Thema)

8. Asylbewerber werden meistens fehlerhaft abgelehnt, nicht akzeptiert/ Nur ein Viertel sind junge Männer

Im sog. „BAMF“-Skandal kam es zu keinen unrechtmäßigen Asylbewilligungen, kaum ein Vorwurf hat sich erhärtet. Lediglich in 578 Fällen „sei ein Widerruf geboten“ stellten Prüfer fest – Was nur heißt, dass sich die Lage in diesen Fällen geändert hat, nicht, dass sie unrechtmäßig ausgestellt wurden. Andere Fälle sind nicht bekannt. Stattdessen gab es 2017 37.000 zu Unrecht abgelehnte Asylbescheide. Alle Hintergründe hier.

Nur etwas mehr als ein Viertel aller Asylsuchenden sind junge Männer: Laut aktuellen Zahlen des Bundesministeriums für Asyl und Flüchtlinge (Stand Mai 2018) sind 26,9% männlich und im Alter zwischen 16 und 35. Insgesamt sind nur etwas mehr als die Hälfte aller Erstantragssteller männlich, nämlich 57,9%. 41,7% sind Kinder unter 16 – allein 25% sind unter 4. Das ist zwar ein größerer Anteil der „jungen Männer“ als in der deutschen Durchschnittsbevölkerung, aber weit davon entfernt, eine Mehrheit zu sein.

9. Die meisten bestehen die Deutschkurse

Laut BAMF schließen übrigens die asylsuchenden TeilnehmerInnen der Integrationskurse den Deutschtest zu fast 90% mit Sprachniveau A2 oder B1 ab. Aber eben nur knapp die Hälfte mit B1, weshalb manche daraus den Mythos konstruieren, der Rest könne kein Deutsch. Stimmt aber nicht! Der Rest ist nun mal eben erst auf Niveau A2, also direkt darunter.

10. Kriminalität auf dem niedrigsten Stand seit 1992

Die Zahl der Straftaten ist auf dem niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung. Es gab 9,6% weniger Straftaten im Vergleich zu 2016. Das betrifft Diebstähle (-11,8%), Einbrüche (-23%), aber auch Gewaltkriminalität (-2,4%) wie Mord und Totschlag (-1,6%) und gefährliche und schwere Körperverletzung (-2,1%).

11. Zahl der minderjährigen, weiblichen Mordopfer seit Jahren rückläufig

Die Zahl der minderjährigen, weiblichen Mordopfer seit Jahren zum Glück rückläufig und in letzten Jahren halb so groß wie im Jahrzehnt davor. Auch die Anzahl aller Mordopfer unter 18 Jahren ist niedriger als Anfang der 2000er.

Bei Sexualdelikten haben sich Täter und Opfer in 80 Prozent der Fälle vorher gekannt. Statistisch gesehen ist die eigene Wohnung gefährlicher als ein Park bei Nacht. Vergewaltigungen und sexuelle Gewalt wurden nicht importiert, so Silvia Zenzen vom Bundesverband Frauen gegen Gewalt : „Unsere Beratungsstellen gibt es seit 40 Jahren. Und das Thema war schon virulent, bevor so viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen. Das ist doch nicht durch andere Kulturen zu uns gebracht worden.“

Von Asylbewerbern geht keine auffällig größere Gefahr von Vergewaltigungen aus: Bei 59% aller Opfer, die Flüchtlinge waren, war der Täter ebenfalls „Zuwanderer“. Der Gefahr, ausgehend von kriminellen „Zuwanderern“, sind vor allem andere „Zuwanderer“ und anerkannte Asylbewerber ausgesetzt.

12. Kriminalität von Asylbewerbern insgesamt auch gesunken

Die Anzahl der Tatverdächtigen ist insgesmt um 10,5% gesunken, darunter diejenigen ohne Deutschen Pass sogar um -22,8%. Wenn man die ausländerrechtlichen Verstöße herausrechnet, sind 4,1% weniger so genannte „Zuwanderer“ („ Asylbewerber“, „International/national Schutzberechtigte und Asylberechtigte“, „Duldung“, „Kontingentflüchtling“ und „unerlaubt“) tatverdächtig gewesen.

Anerkannte Asylbewerber sind sogar weniger kriminell als Deutsche! (10.511 Tatverdächtige von 550.411 International/national Schutzberechtigten und Asylberechtigten, also 1,9%) Wie Kriminalität entsteht haben wir hier ausführlich erklärt. Fest steht: 90% der „Zuwanderer“ (ohne anerkannte Asylbewerber) sind rechtschaffende Bürger, bei den anerkannten Asylbewerbern sind es sogar 98%. (BKA, BMI)

Kennt ihr noch mehr Mythen und Vorurteile?

Das waren nur die zehn gängigsten Vorurteile über Geflüchtete – Und so ziemlich die Basis, auf welcher rechtsextreme Politik machen. Kennt ihr noch mehr Vorurteile oder Mythen? Schickt sie uns an redaktion@volksverpetzer.de oder schickt sie uns in Facebook! Wir schauen uns an, was wahr ist und was wieder einmal nur eine Ausrede, um Rassismus zu rechtfertigen.

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Freude über tote Kinder: Mich widern die Kommentarspalten bei Facebook nur noch an

Wir sind inzwischen so weit von Hass zerfressen, dass in den Kommentarspalten bei Facebook nur noch Hohn und Spott für tote Kinder verbreitet werden.

Mich widert Facebook von Zeit zu Zeit nur noch an.

Da wird in der BILD-Zeitung ein Artikel gepostet, in dem erläutert wird, wie zukünftig Bilder von ertrinkenden Kindern verhindert werden könnten. (Wer sie nicht sehen will, der muss nicht. Ist aber so in der BILD erschienen).

Als der Artikel gepostet wurde, hatten die Top-Kommentare sehr schnell hunderte Likes. Es ging darum, ob die Bilder gestellt seien. Ob das Puppen wären und dass man das Volk ja nur verarschen möchte, Mitleid erzeugen will, aber was natürlich nicht wirkt,  Ja, da stecken auch organisierte, rechte Hetz-Gruppierungen hinter solchen Kommentaren und den Likes. Und  ohne Moderation wirkt das Ganze extrem erschütternd. Mal davon abgesehen, ob solche Fotos überhaupt so populär in die Öffentlichkeit gehören.



Hetzer wollen über die Nationalität eines Menschen entscheiden

Ein anderes Beispiel: Ein Deutsch-Tunesier sticht am Flughafen Düsseldorf einen Mitarbeiter nieder. Schlimm genug. In den Kommentaren ist es ein „Deutsch“-Tunesier (ja, die Anführungszeichen sind korrekt zitiert). Auf eine Nachfrage wird erklärt, dass ja eine Maus, die im Pferdestall geboren ist, auch kein Pferd sei. Selbst die deutlichsten Erklärungsversuche, dass dieser Vergleich hinkt, werden abgebügelt, ausgelacht.

Und bevor ich zum Fazit komme, noch ein letztes Beispiel: Der Kapitän der Lifeline, der mal eben 234 Menschen gerettet hat, wird seit Tagen kriminalisiert, als Schlepper bezeichnet, usw. Dabei sieht die Realität für die Lebensretter so aus (Hier nachlesen).

Leben gerettet? Egal!

Mich widern diese Kommentarspalten nur noch an! Mich widert an, dass rassistische Vergleiche gezogen werden, ohne einzusehen, dass sie rassistisch sind. Mich widert die Scheinheiligkeit an, mit der dann einige jammern, dass sie ja zu Unrecht da in die „braune Ecke“ gestellt oder als „Rassist“ bezeichnet werden. Mich widert das Gejammer an, dass alles nur immer schlimmer wird und alle Schuld sind, außer jeder für sich selbst. Ausländer, Merkel, Özil, „Gutmenschen“, Die Grünen, Die Linken, „die Antifa“, „Linksgrünversiffte“, die Medien, die „Lügenpresse“, „Alt-Parteien“, „die Systemlinge“. Was für ein Blödsinn!

Mich widert an, dass Parteien wie die AfD die Dreistigkeit besitzen und behaupten, die Hetze und die Häme käme nicht von ihnen. „Falsch verstanden“. „Falsch zitiert“. „Aus dem Kontext gerissen“ (was wieder lustig ist, weil die AfD bei Deniz Yücel eben nicht in der Lage war, den Kontext zu deuten). Anders gemeint, so nicht gesagt. Mimimi. Aber Rentenkonzepterstellung auf das nächste Jahr verschoben, Stiftung gegründet, um Stiftungen zu verbieten, Pendlerpauschale ist nicht notwendig, kein Beschluss hier, kein Beschluss da. „Junge Partei“ und so.

Die schleichende Entmenschlichung

Mich widern diese hämisch lachenden Facebook-Emoji-Reaktionen an, die nur den Zweck haben, dass du dich selbst klein fühlst, dass du ausgelacht wirst, mich widert diese schleichende Entmenschlichung an, oder wie es Prantl formulierte: „Wisst ihr nicht, dass diese verdammten Zahlen menschliche Wesen sind?“

Dazu werden persönliche Nachrichten verschickt, in denen Vergewaltigungen gewünscht werden, die einen selbst als Parasiten bezeichnen, die den ganzen Frust derjenigen enthalten, die diese Nachrichten abfeuern. Man solle sterben, „N*ger ficken“ gehen, oder jemand wünscht mir einfach, niedergestochen zu werden. Wird man ja wohl noch sagen dürfen!

Facebook ist ein Moloch geworden

Es gibt die Ansicht, dass Facebook ja nicht die reale Welt und nur ein Stammtisch sei. Nein! Wer das glaubt, spielt mit dem Feuer und unterschätzt den Einfluss dieser negativen Schwarmintelligenz. Christian Lindner hat Angst beim Bäcker, wenn jemand neben ihm steht, der kein Deutsch spricht. Julia Klöckner und Markus Söder sprechen von „Asyltourismus“. Vokabular, das auch die NPD schon nutzte.

Die Sprache ändert sich dramatisch, rechtsextreme Narrative werden in den Mainstream gekübelt. Parteien wie die AfD nutzen dazu ihre unglaubliche Vernetzung und Reichweite und vervielfachen diese Narrative spielend leicht. Gauland will das „System abschaffen“. WTF?! Ich warne dringend davor, Facebook und seine Macht zu unterschätzen. Die geheimen und geschlossenen Gruppen, die dort ausgehandelten Narrative, die Bedrohungen und Nachrichten als etwas Harmloses abzutun, denn das ist es nicht.

Das alles in Summe ist eine direkte Gefahr für unser demokratisches Zusammenleben! Ich bin dafür, sich darüber auch laut auszutauschen, alles an die Öffentlichkeit zu zerren und gebetsmühlenartig davor zu warnen! Wir brauchen #ichbinhier, Reconquista Internet, prangert diese Hetzer an!

Ihr wollt mehr Recherchen und Analysen zu den Hintergründen von Mythen und Fake News? Oder auch Kommentare zu politischen Forderungen und aktuellen Ereignissen? Dann schreibt uns auf redaktion@volksverpetzer eure Wünsche für Themen oder auf Facebook oder Twitter. Und vielleicht wollt ihr uns für unseren nächsten Artikel einen Kaffee spendieren oder uns sogar regelmäßig unterstützen? Dann schaut hier vorbei oder klickt auf das Banner unten: