Goldene Kamera & Greta: An diesem rechten Fake-Bild stimmt NICHTS!

Hier ist einfach alles gelogen

Dafür, dass Rechte Klimaaktivisten vorwerfen, eine Obsession mit Greta Thunberg zu haben, können sie es wohl auch nicht lassen. Nicht nur werden massenweise Gerüchte und Fake News über sie in die Welt gesetzt (Mehr dazu), man hetzt mit Beleidigungen massenhaft gegen die 16-Jährige (Mehr dazu). Man setzt dazu auch unverblümt Fake-Accounts ein, wie eine Analyse von uns ergab:

Greta Thunberg: Bis zu 50% der Hass-Kommentare stammen von Fake Accounts



Greta und die goldene Kamera

Man kann von der Klimaaktivistin halten, was man möchte, man kann gerne auch den Hype um ihre Person für übertrieben halten – Sich derart mit Lügen, Hetze und Beleidigungen auf eine Person einzuschießen halte ich für die schlimmere Obsession. Nun wurde bekannt gegeben, dass die junge Schwedin Ende März in Berlin eine Goldene Kamera erhalten soll für die Sonderkategorie „Klimaschutz“. Den Preis vergibt erstmalig die FUNKE-Mediengruppe (Quelle).

Offensichtlich stört die Rechten diese Anerkennung und Würdigung. Denn anlässlich dieser Meldung wird von vielen Seiten, auch AfD-Seiten und in vielen rechten Facebook-Gruppen dieses vermeintliche Foto eines Zeitungsartikels geteilt:

Screenshots #DieInsider (Update: Auf der AfD-Seite wurde es inzwischen wieder gelöscht)

Dumm nur: Hier stimmt einfach gar nichts

Die Rechten teilen und feiern den vermeintlichen Artikel, weil er ihnen Recht zu geben scheint. Aber leider ist das ein Fake. Und zwar auf ganzer Linie. Erstens: Dieser Artikel ist nirgendwo erschienen, er ist eine Fotomontage. Zu erkennen ist es unter anderem an dem Rechtschreibfehler („Nachrtruhe“) oder dem unsachlichen Schreibstil. Und natürlich daran, dass es diesen Artikel sonst nirgendwo zu finden gibt.

Nicht nur das: Auch gibt es diese Meldung bei keiner anderen Zeitung, Blog oder Seite zu finden. Niemand berichtet darüber. Warum? Nun ja, vielleicht weil es den „Star-Autor“ „Tim Dillinger“ auch überhaupt nicht gibt. Es gibt keinen Autor mit diesem Namen, keines seiner Bücher ist jemals erschienen (Quelle). Diese Person existiert nicht, geschweige denn ist sie ein „Star-Autor“.

Witzigerweise gibt es aber ein Facebook-Profil mit diesem Namen, das satte 51 Likes hat („Star-Autor“). Leider ist es ein Fake-Profil, das regelmäßig rechte Propaganda verbreitet. Die „Beweise“, dass es sich um einen „Autor“ handeln sollte sind schlecht gephotoshoppte Bilder und geklaute Titel wie dieses hier:

Screenshot

Also, zusammenfassend: Man feiert einen nicht existierenden Autor in einem gefälschten Zeitungsartikel dafür, dass er Greta Thunberg kritisiert. Man könnte sicherlich sachliche und inhaltliche Kritik üben, warum hat man es denn so nötig, zu fälschen und zu lügen?

Artikelbild: Prostock-studio, shutterstock.com. Screenshot facebook.com/DieInsider

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Neuer Lügen-Anfall bei BILD: Grüne „3 Flüge pro Jahr“-Forderung ist Fake

Faktencheck.

Um was geht es? In einem Interview mit dem Münchner Merkur (Hier) spricht der grüne Bundestagsabgeordnete Dieter Janecek darüber, wie man den Flugverkehr reduzieren könnte. Der Flugverkehr macht etwa 5% der weltweiten Emissionen aus (Quelle) und sei laut Janecek der „einzige Bereich des Verkehrs, den wir in den nächsten 20, 30 Jahren nicht klimaneutral bekommen werden.“

Der ganze Vorschlag Janeceks sieht so aus: Er schlägt vor, die Mehrwertsteuer für die Bahn zu senken, („dann wäre Bahnfahren auf einen Schlag zehn Prozent günstiger“) und Vergünstigungen für den Flugverkehr streichen. Laut seiner Aussage würde der Staat dadurch darüber hinaus 10 Milliarden Euro einsparen.



Woher kommen die „Drei Flüge pro Jahr“?

Als mögliche zusätzliche Maßnahme bringt Janecek den Vorschlag des Mobilitätsforschers Professor Andreas Knie ein, welchen er als „interessant“ bezeichnet. Demnach könnte jede Person hat ein festes Budget an Flügen besitzen, die er oder sie „am freien Markt kaufen“ kann. „Wer mehr fliegen will, muss die Flüge dann von anderen kaufen, die ihr Budget nicht ausschöpfen.“

Professor Knie schlägt demnach „drei internationale Flugpaare“ vor (Also je einen Hin- und Rückflug, insgesamt also sechs Flüge). „Jeder hätte praktisch seinen privaten Emissionszertifikatehandel. Das heißt, jeder bekommt sein Budget gutgeschrieben. Und wer wenig fliegt, kann Anteile sogar verkaufen und Geld verdienen“, meint Janecek. Es ist jedoch lediglich ein Gedankenexperiment. Es empfiehlt sich, das ganze Interview (Hier) zu lesen.

Davon kann man halten, was man will

Aber es hat nichts mit einem „Bevormundungs-Anfall“ zu tun. Auch sind es entweder drei Flugpaare oder sechs Flüge, nicht, wie die BILD behauptet, drei insgesamt. Es ist auch keine Forderung, sondern eine Idee. Und auch nur von einer einzigen Person. Im gleichen Interview sagt Janecek, ob jemand in den Urlaub fliegt „muss am Ende jeder für sich selbst beantworten. Ich glaube nicht daran, dass wir das Klima retten, indem wir individuelles Verhalten geißeln.“ Das hat nichts mit einer „digitalen Tugend-Datenbank“ (BILD) oder gar einem Vergleich mit dem autoritären China zu tun.

Auch die FDP nutzt die billige Skandalisierung der BILD, um gegen die vermeintliche „Verbotspartei“ zu sticheln (Quelle), wohl wissend, dass ja nichts „verboten“ werde, selbst wenn man „drauf zahlen“ muss, wenn man mehr fliegen möchte. Doch es ist der Versuch, auf der neuesten von der BILD initiierten Empörungswelle zu surfen.

Die BILD macht, was sie immer macht: „Alarm, wo keiner ist“. Dazu bietet sie ihrem Publikum, welches „skandalöse“ Forderungen ihrer politischen Gegner sucht, genau das. Auch wenn man dazu Worte im Mund verdrehen muss, Dinge übertreiben oder schlicht einfach erfinden. Wer eine BILD-Schlagzeile für bare Münze nimmt, ist weniger an einem sachlichen Diskurs interessiert, als daran, politisches Kapital aus der Empörung zu schlagen. Und macht genau das, worüber er sich vermeintlich aufregt.

Alles was an diesem BILD-Artikel nicht stimmt oder falsch dargestellt wurde

Artikelbild:  Alex E. Proimos, Flickr,  (CC BY 2.0), changes were made, Screenshot bild.de

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„Verstümmelt, verbrannt, vergewaltigt“: So missbraucht die AfD einen süßen Hund!

AfD missbraucht hund…

… für Propagandazwecke. Am Sonntag hat die AfD wieder zu dem zurückgefunden, was sie am besten kann: Mit Fake News gegen Flüchtlinge hetzen. Mit dem Stock-Foto eines süßen Hundes titulierte sie großspurig: „Verstümmelt, verbrannt, vergewaltigt: Hunde verenden für radikalen Islam!“ Was ist passiert? Eigentlich gar nichts. Es wurde kein Hund verstümmelt, verbrannt oder vergewaltigt (bitte was?). Und erst Recht nicht.. FÜR den Islam? Hä? Wie??

Screenshot facebook.com

Die AfD muss ganz schön verzweifelt sein. Ihr altbewährtes Feindbild ist langweilig geworden. Und es passiert wohl ganz offensichtlich nichts mehr, was sie politisch ausschlachten kann. Im Gegenteil, Prüffall, innerer Streit und sinkende Umfragewerte sind alles andere als gute Schlagzeilen. Deswegen versucht es die AfD noch billiger, als man es von ihr gewohnt ist.



Aber dieser süße hund!!

Blabla „muslimische Masseneinwanderung“ blablabla. Jetzt wollen die Muslime uns auch noch die Hunde wegnehmen! Die AfD schafft es, auch alles mit Migration in Verbindung zu bringen. Arbeitslosigkeit, Arbeitsmangel, Erektionsstörungen… jetzt wohl auch Tierquälerei. Im Text erwähnt die AfD einen Fall: Ein Syrer, der in Straubing einen Hund aus dem dritten Stock warf. Aber:

  1. Hat das nichts mit dem Islam zu tun (Wie auch??).
  2. Hat das nichts mit „Verstümmelung“, „Verbrennung“ oder „Vergewaltigung“ zu tun.
  3. Ist das schon ein ganzes Jahr her!!

Screenshot facebook.com, Quelle

Ja, die AfD ist so verzweifelt, sie gräbt eine ein Jahr alte Geschichte wieder aus, schmückt sie mit besonders bedrohlich klingenden Anschuldigungen aus, yadda yadda Islam, plus süßes Hundefoto – Zack! – fertig ist der virale Post. Und er war auch super erfolgreich, tausende Male wurde er geteilt. „Müssen wir nach unseren Frauen jetzt auch zunehmend Angst um unsere Vierbeiner haben?“ schreibt die AfD. Alter. Die lesenden Damen dürften sich freuen, dass sie in den Augen der AfD den Status eines Haustiers inne haben. Aber hey, wenigstens ein geliebtes Haustier.

Es ist so simpel, fast schon so hirnlos plakativ, aber ihre Fanbase schluckt es bereitwillig. Hund, Islam, AAAAH. Alles, was ein viraler Post braucht. Schutzsuchende müssen echt solche Vorbildsmitbürger sein, wenn die AfD sich nicht anders zu helfen weiß, als alte Meldungen aus der Mottenkiste zu holen und so einen Quark zu produzieren. Aus einem „syrischen Tierhasser“ wird kurzerhand der „muslimische Einwanderer“, der… es auf unsere Hunde abgesehen hat? Ja, weil das auch Sinn macht.

Billigste Propaganda

Und wir müssen nicht zum tausendsten Mal durchgehen, dass die AfD lauter Blödsinn erzählt und alles so verdreht, wie ihr es passt. Das weiß bereits jeder. Und wer solche Posts der AfD immer noch teilt möchte das halt glauben. Oder ist ein Bot. Meistens letzteres. Watson hat dazu übrigens festgestellt, dass im Jahr davor auch bereits ein Hund von einer Fensterbank in Straubing fiel. Allerdings das wohl eher versehentlich, auch wenn die Hundehalterin wegen Vorstrafen verurteilt wurde. Aber wohl uninteressant für die AfD, denn die Täterin war leider Deutsche.

Also, wer sein Hunde-Stockfoto vor wütenden hundewerfenden Meuten bewahren will, der sollte jetzt ganz schnell AfD wählen. Denn Tierliebe und Fremdenfeindlichkeit sind quasi die Sandalen mit Socken für die Stammtischaufregung des Deutschen. Und da möchte die AfD natürlich wieder mit am Tisch sitzen. Aber Vorsicht: Diese Tierliebe hört schon beim nächsten Verwandten des Hundes auf. Denn den Wolf möchte die AfD abschießen lassen (Quelle). Weil der auch nach Deutschland eingewandert ist, nehme ich an.

Artikelbild: pixabay.com, CC0

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AfD: Der Prüffall ist die Rache für das Kantholz

KNTHLZ vs PRFFLL

Ok, Laschyk, jetzt wirfst du einfach nur zwei virale Schlagworte zusammen und hoffst, dass ein interessanter Artikel dabei rauskommt, denkt sich jetzt vielleicht der ein oder andere. Aber lasst es mich erklären. Denn der Vergleich zwischen Kantholz und Prüffall ist treffender, als man zuerst meinen möchte. Wenn er letztlich auch etwas hinkt.

Nochmal zusammengefasst: Anfang Januar gab es einen bisher noch nicht aufgeklärten Angriff auf den AfD-Abgeordneten Frank Magnitz. Bemerkenswert war der Vorfall vor allem, weil die AfD nicht zögerte, ihren eigenen Mann zu instrumentalisieren und eine drastische Falschdarstellung der Tat in den Medien zu verbreiten. Das berüchtigte „Kantholz“ der AfD war frei erfunden, wie sich später herausstellte.

Fall Magnitz: Helfender Handwerker widerspricht der AfD-Darstellung

Knapp eine Woche später hat der Verfassungsschutz nach einem 450-seitigen Gutachten die AfD zu einem „Prüffall“ erklärt, was heißt, dass offiziell überprüft wird, ob sie unter Beobachtung gestellt wird, weil es Anzeichen dafür gibt, dass sie unsere Verfassung bedroht. Die Jugendorganisation der AfD sowie der stärkste Flügel der Partei um Höcke (Mehr dazu) wurden darüber hinaus bereits zum „Verdachtsfall“, was heißt, dass eine eingeschränkte Beobachtung bereits möglich ist (Quelle).



Der Ankereffekt

Worum es mir bei beiden Ereignissen geht, ist die öffentliche Wirkung. Als die Medien die dramatisch ausgeschmückte Pressemitteilung der AfD unkritisch verbreiteten, war das für viele Menschen wie es sich zugetragen haben musste. Dass es sich am Ende als völlig anders abgelaufen herausstellte, haben viele gar nicht mehr mitbekommen. Deswegen steht das Kantholz symbolisch für die Lüge der AfD. Doch sie bekam das, was sie wollte: Eine glaubwürdige Opferdarstellung. Eine spätere Richtigstellung kann daran nicht mehr viel ändern.

In der Kognitionspsychologie spricht man vom „Ankereffekt“. Beim Aufnehmen von Informationen und Meldungen werden wir unbewusst von nebensächlich vorhandenen Zusatzinformationen beeinflusst. Diese können dazu führen, dass die Information verzerrt wird und von uns anders wahrgenommen wird. Dabei kann es sich um Assoziationen handeln, die unser Urteil darüber beeinflussen oder eine Darstellung verstärken oder vermindern beziehungsweise in eine bestimmte Richtung lenken (Wer mehr darüber wissen möchte, hier).

Der Ausgangspunkt beim Kantholz war damit der vermeintlich brutale Angriff auf Magnitz durch Linke, die ihn umbringen wollten. Und wer das hört, muss unwillkürlich an Bilder der gewalttätigen „Antifa“ denken. Dabei wurde Magnitz in Wahrheit nur gestoßen, fiel unglücklich und zog sich dabei die Verletzungen zu, dann flohen die Angreifer. Kein Kantholz, keine Tritte, und auch keine Linken. Wer es war, ist noch nicht bekannt. Doch das Gerede von der „bösen Antifa“ ist los getreten (no pun intended).

Die Rache des Prüffalls

Die unmittelbaren Folgen des „Prüffalls“ waren für die AfD höchst toxisch. Nicht nur hat die drohende Überwachung durch den Verfassungsschutz die AfD in einen regelrechten Bürgerkrieg gestürzt, in welchem neoliberale, nationalkonservative und faschistische Gruppen sich gegenseitig bekämpfen und um die Vorherrschaft ringen (Mehr dazu), auch fiel die Partei in Umfragen um einige Prozentpunkte ab und wurde geschwächt (Mehr dazu).

Dabei hätte das Bundesamt die Erklärung zum Prüffall gar nicht so öffentlich verkünden dürfen, wie das Verwaltungsgericht Köln gestern nach einem Eilantrag der AfD erklärte. Um es noch einmal klar zu stellen: Der Verfassungsschutz darf weiter prüfen, ob die Gesamt-AfD beobachtet werden soll, und jeder andere darf diese Tatsache auch weiter öffentlich äußern, nur das Amt nicht (Mehr dazu). Für die Verdachtsfälle „Junge Alternative“ und faschistischer Höcke-Flügel trifft das aber nicht zu.

Es gibt keine rechtliche Grundlage dazu, öffentlich zu verkünden, dass man bisher nur überprüfe, ob eine Partei verfassungskonform ist. Und macht durchaus auch Sinn. Nur bringt der „Sieg“ der AfD ihr in der Sache leider wenig bis gar nichts. Und zwar aus dem gleichen Grund, warum sie das Kantholz-Märchen verbreitet hat. Der Geist ist aus der Flasche.

Man kann Dinge nicht ungesagt machen

Der Verfassungsschutz darf die AfD öffentlich nicht mehr so bezeichnen. So what? Jeder weiß, dass die AfD kurz vor der Erklärung zum politischen Paria steht (Und das mit gutem Grund! Hier sind einige). Wir können immer noch darüber reden. Und tun es weiterhin. Und jeder weiß, was der Verfassungsschutz gerade macht. Dieser „Sieg“ der AfD bringt ihr gar nichts.

Der Vergleich hinkt insoweit, dass der Verfassungsschutz nicht gelogen hat, die AfD schon. Aber beide hätten ihre jeweilige Meldung, die durch alle Medien ging, nicht so verbreiten dürfen. Der eine vielleicht nur, weil es dazu keine rechtliche Grundlage gab und der andere weil es halt unanständig gelogene Propaganda ist, aber trotzdem. Aber das ist jetzt das, was die Öffentlichkeit wahrgenommen hat und was die allgemeine Wahrnehmung ist.

Die AfD hat diesen Effekt jahrelang für sich genutzt, als sie gegen Flüchtlinge und Muslime hetzte. Sie verbreitete reihenweise Falschdarstellungen und Fake News, die heute noch von vielen für wahr gehalten werden. Ich möchte nur mal an die absurde Falschmeldung mit den 400€ Weihnachtsgeld für Flüchtlinge erinnern, die es NIE GAB (Mehr dazu), aber die ich heute immer noch höre. Richtigstellungen haben nie so viele Menschen erreicht wie die Lügen.

Kost ihrer eigenen Medizin

Insofern ist der Prüffall die Rache für das Kantholz (und vieles mehr). Und ich sage das jetzt nicht wirklich mit Schadenfreude, wir sollten nicht die gleichen Methoden der Lügen und Täuschungen verwenden wie die AfD. Gauland hat Recht, wenn der Prüffall ein schlechtes Licht auf die AfD wirft. Aber erstens ist das ein sowas von ein angebrachtes schlechtes Licht. Und zweitens ist es die Folge eines Effekts, den die AfD seit Jahren schamlos ausnutzt. Ein Effekt, um welchen die AfD im Grunde 100% ihrer Politik zentriert hat. Sie soll also nicht meckern, denn ohne ihn gäbe es die AfD wahrscheinlich gar nicht.

Artikelbild: KNTHLZ: Hooligans Gegen Satzbau (Hier entlang zu KNTHLZ-Merch!), PRFFLL: Volksverpetzer (Leider noch kein Merch)

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Das ändert sich in Deutschland: Alle Folgen des Migrationspaktes

Es ändert sich Nichts, verdammt nochmal!

Der Globale Pakt für sichere, geordnete und geregelte Migration (Global Compact for Safe, Orderly and Regular Migration – GCM) kurz „Migrationspakt“, ist eine internationale Vereinbarung, die von den Vereinten Nationen seit April 2017 ausgearbeitet wurde und deren Text im Juli 2018 beschlossen wurde. Es ist ein „rechtlich nicht bindender Kooperationsrahmen“, auf den sich die unterzeichnenden Staaten einigen, im Umgang mit Flüchtlingen und Migranten. Wichtig: Er ist KEIN Gesetz, rechtlich ändert sich durch das Unterzeichnen erst einmal gar nichts.

Anfang Dezember haben die meisten Länder der Welt diesen Pakt unterzeichnet und damit zugesagt, dass sie sich an die dort formulierten Ziele halten wollen. Nicht unterzeichnet haben Länder, an deren Regierungen Rechtspopulisten beteiligt sind, wie Österreich. Und das, obwohl Österreich an den Formulierungen aus dem Pakt wesentlich mitgewirkt hatte (Mehr dazu).

Die AfD startete unerklärlicherweise auch sehr spät eine Desinformationskampagne, nachdem sie die Monate zuvor alle Einladungen ignoriert hatte, sich selbst an der Ausarbeitung des Paktes zu beteiligen (Mehr dazu). Doch die rechten Lügenblogs machen weiter Stimmung gegen den unterzeichneten Pakt. Sie hatten zuvor von „schrecklichen Folgen“ erzählt, und da jetzt nichts passiert ist, erfinden sie wieder ach so schlimme Konsequenzen. Hier nochmal alle Lügen über den Pakt:

Die 5 größten Lügen der Rechten über den Migrationspakt



Es gibt kein Recht auf lügen

Eine der Lügen über den Pakt war, dass darin angeblich stünde, dass irgendwelche Einschränkungen der Meinungsfreiheit gefordert werden würden oder dergleichen. Dass man nicht mehr Migrations kritisieren dürfe oder so einen Unsinn. Im für alle ganz einfach nachzulesendem Pakt steht:

Ziel des Pakts ist die „Beseitigung aller Formen der Diskriminierung und Förderung eines auf nachweisbaren Fakten beruhenden öffentlichen Diskurses zur Gestaltung der Wahrnehmung von Migration“, was „unter voller Achtung der Medienfreiheit eine unabhängige, objektive und hochwertige Berichterstattung durch die Medien, einschließlich Informationen im Internet“ darstellt. (S. 23)

Aber da die Rechten offenbar so gerne Unwahrheiten verbreiten, nehme ich an, dass sie sich daran stören, dass die Berichterstattung auf „nachweisbaren Fakten“ beruhen und „objektiv“ sein soll. Die Meinungsfreiheit deckt NICHT das Recht auf eigene Fakten ab. Es gibt kein Recht auf Lügen. Man sollte sich nicht einreden lassen, dass irgendwie das Recht auf Meinung eingeschränkt werde. Dass die Gegen-Kampagne der Rechten natürlich völlig auf Lügen und Falschbehauptungen basiert, erklärt, warum sie sich jetzt davon auf den Schlips getreten fühlen.

aktionsplan gegen desinformation?

Jetzt lügt man frech weiter. So behaupten rechte Fake News-Verbreiter, die Kampagne der EU gegen Fake News sei eine Folge des Migrationspaktes. Der zeitgleich (!!) von der EU beschlossene „Aktionsplan gegen Desinformation“ soll die Plage der Lügen, Fake News und Falschinformationen eindämmen. Das Auswärtige Amt hat das auf ihrer Website anschaulich erklärt (Hier).

„Versehentliche Fehler bei der Berichterstattung, Satire und Parodien oder eindeutig gekennzeichnete parteiliche Nachrichten oder Kommentare [sind] keine Desinformation. Es wird außerdem klargestellt, dass Desinformation nicht auf Kosten der freien Meinungsäußerung begegnet oder mit gleichen Mittel zurückgeschlagen wird. Stattdessen sollen die Anstrengungen der EU […] in folgenden Kernbereichen verstärkt werden: Besseres Erkennen von Desinformation, koordinierte Reaktion, Zusammenarbeit mit Online-Plattformen und Industrie sowie Steigerung von Bewusstsein und Stärkung der Bürger.“

Klingt doch schon mal ganz anderes, als das, was die Dauer-Lügner behaupten. Und hat auch nichts mit dem UN-Migrationspakt zu tun, da der Plan bereits vorher ausgearbeitet wurde und vor der Abstimmung bereits vorgelegt wurde (Hier). Außerdem steht wie gesagt im Migrationspakt auch wie oben gezeigt nichts über irgendwelche Strafen oder anderen Unsinn. Falls du so eine Behauptung siehst: Sie ist erfunden.

Hier erzeugt man erneut mit Lügen, die auf alten Lügen basieren, neue Lügen. Es ist zum Haare Raufen. Diese Meldung verbreitet sich dennoch rasant in rechten Social Media Kreisen. Tut mir echt leid, aber ihr fallt alle auf eine gigantische Desinformationskampagne herein. Kein Wunder, dass die sehr allergisch darauf reagieren, dass man ihren Lügen Einhalt gebieten will. Zur Eingangsfrage: Was ändert sich an der Gesetzgebung in Deutschland durch den Migrationspakt? Rein gar nichts. Punkt.

Mehr zum Thema:

Migrationspakt: So wurde die AfD im Bundestag bloßgestellt

Artikelbild: CC0

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AfDler blamiert sich auf Twitter: Was ist denn die „Antifa“?

Der rechte Mythos „Antifa“

Nachdem die AfD in Umfragen immer weiter verliert (Mehr dazu) wird klar: Ein neues Feindbild muss her. Wie der Angriff auf den AfD-Politiker Magnitz gezeigt hat, soll das wohl die ominöse „Antifa“ werden. Wer den AfD-Politiker zu Fall brachte, durch welchen er sich die Verletzungen zuzog, ist heute immer noch nicht bekannt. Dass es „die Antifa“ gewesen sei, ist frei erfunden. Genau wie vieles andere an ihrer Darstellung zum Überfall.

Fall Magnitz: Helfender Handwerker widerspricht der AfD-Darstellung

Zuallererst: Es gibt KEINE „Antifa“. Seit Jahren werden immer neue Behauptungen und Fake News zur „Antifa“ verbreitet, doch das ruft noch lange keine Organisation oder Strukturen zum Leben. Kürzlich fasste der ARD-Faktenchecker Patrick Gensing zusammen, was alles Fakt oder Fiktion zum Mythos „Antifa“ ist (Hier). Auch der Verfassungsschutz und der wissenschaftliche Dienst des Bundestages können bestätigen, dass es so eine Organisation nicht gibt.

Kurzfassung: In Deutschland (und auch anderen Ländern) gibt es verschiedene Gruppen, die sich dem Antifaschismus verschrieben haben. Manche sind auch für gewalttätige Auseinandersetzungen verantwortlich. Doch sich „Antifa“ (manchmal buchstäblich) auf die Fahnen zu schreiben, ist erst einmal nichts Verwerfliches. „Antifa“ ist kurz für „antifaschistisch“, also quasi „gegen Nazis“. Und das sollte eine universell gültige Haltung in Deutschland sein. Man kann auch das Grundgesetz als „Antifa“ bezeichnen.

Aber eine einheitliche Gruppe oder Organisation, die sich „Antifa“ nennt oder die man als solche bezeichnen kann, gibt es nicht. Wer diesem Mythos aufsitzt, hat vielleicht von den Fakes über „Demogeld“, oder gefälschten Bekennerschreiben gelesen. Eine Übersicht aller Fakes findet sich in Gensings Artikel hier. Ironischerweise war bisher jede Meldung vom „Antifa-Demogeld“ frei erfunden – Im Gegensatz zu einem Demogeld, das die AfD bezahlt hat (Mehr dazu).



Bystron pöbelt auf Twitter

Doch die AfD, die ihre Prominenz der Verbreitung von Fake News und Hetze über Flüchtlinge verdankt, nutzt die gleiche Strategien anscheinend jetzt bei „der Antifa“. AfD-Abgeordneter Bystron stört sich an der Realität und macht auf Twitter Patrick Gensing dafür verantwortlich, dass es keine „Antifa“ gibt. Die AfD fordert nämlich, dass diese nicht existierende „Antifa“ nach § 129a zu einer „terroristischen Vereinigung erklärt werden soll.

Nein, Magnitz hat sich den Stoß/Tritt nicht eingebildet. Aber die AfD bildet sich ein, zu wissen, wer die Täter waren. Wenn die AfD angeblich weiß, wer die Täter waren und warum sie Magnitz umgestoßen haben, warum leiten sie ihre vom Himmel gefallenen Informationen nicht an die Behörden weiter? Die wissen zumindest weniger als die notorische Lügenpartei.

Link

Bystron reitet sich immer weiter hinein

Dass sich die AfD mit ihrem Mangel an Fakten und Logik immer wieder blamiert, kann ihr egal sein. Denn ihre ideologisch verblendeten Fans klatschen bei allem, was ihnen vermeintlich Recht gibt. Bystron legt nämlich mit dieser geistigen Bankrotterklärung nach:

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„Reale […] Politsekte“? Welche Pseudo-Fakten hat Herr Gensing denn nicht in seinem Artikel erwähnt? Dafür, dass die AfD immer so großspurig behauptet, sie habe Recht und die Wahrheit gepachtet, ist sie erstaunlich sparsam mit Quellen und Nachweisen. Gensing hat alle seine Quellen angegeben. Und welcher „Organisationsgrad“? Ja, belegen Sie, Herr Abgeordneter! Was sagen Sie zu den zahlreichen Fakes, die Gensing aufdeckt, den Aussagen der US-Behörden, des Verfassungsschutzes, des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags? Kein Wort dazu? Wirklich?

AfD-Abgeordneter argumentiert wie ein Kindergartenkind

Link

Wow, meine Damen und Herren: So argumentiert ein Mitglied des deutschen Bundestages. Und kassiert tausende Euro Steuergeld jeden Monat. Meine zwei Monate alte Nichte kann besser argumentieren. Fassen wir sein „Argument“ zusammen. Gensing liefert ellenlange Nachweise, Belege und Fakten, die zeigen, dass es keine „Antifa“ als Organisation in dem Sinne gibt, niemals nachgewiesen wurde und auch nicht beobachtet wird. Dann kommt Bystron, behauptet einfach, das stimme nicht. Gensing verweist nochmal auf die Fakten. Und Bystron fällt nichts anderes dazu ein als „Gotcha“. DEIN ERNST, BYSTRON?

Gensing: Hier sind alle Fakten, Belege, Dokumente und Quellen.
Bystron: Mimimi, stimmt doch gar nicht.
Gensing: Öh, doch?
Bystron: Lalala, nein! Guckt meinen tollen Aluhut an!

Das ist ja regelrecht zum Fremdschämen. Und Bystron merkt nicht einmal, wie er sich dabei bloßstellt. Bystron hat nicht einen Beleg gebracht. Nicht einmal ein Argument. Nur Sarkasmus. Attitüde ersetzt nicht Argumente, Mann! Die AfD meint, sie habe Recht und die anderen haben das anstandslos zu akzeptieren. Das tut ja weh. Doch es war leider noch nicht alles. Denn Gensing fragt weiter nach Belegen.

Belege, Herr Bystron?

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Ich muss meinen Hut vor Gensing ziehen, dass er dabei so ruhig bleiben kann. Er versucht immer noch unermüdlich, diesen Schlagabtausch (für eine Diskussion bräuchte Gensing einen wirklichen Diskussionspartner) auf die Sachebene zu ziehen. Doch Bystron ist anscheinend leider nur ein in den Bundestag gewählter Troll.

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Das sind immer noch keine Fakten oder Belege, Bystron, sondern nur Schlagworte. Der 1. Mai ist erstmal nur ein Datum und ja, da gibt es manchmal Demos. Aber was hat das mit dem Nachweis, dass es eine Organisation wie die fiktive „Antifa“gibt zu tun? Oder die Rote Flora? Das ist ein autonomes Kulturzentrum, was hat die mit Magnitz zu tun? BELEGE, Bystron! Oder zumindest Begründungen, was die miteinander zu tun haben. Ich würde auch nur einen Fetzen Logik akzeptieren an dieser Stelle. Und nochmal: Wer Herrn Magnitz angegriffen hat, ist NICHT BEKANNT.

Nicht einmal, ob es politisch motiviert gewesen war. Und was haben 1. Mai Demos mit Magnitz zu tun? Zum Haare raufen! Will die AfD mit drei Schlagworten etwa begründen, warum die „Antifa“ existiert und wie man das als terroristische Vereinigung einstufen will? Den Antrag will ich sehen. Das tut ja weh, diesen Mangel an Belegen und Argumenten zu sehen. Schämt der Mann sich nicht?

Ein argumentatives Duell, aber Bystron ist unbewaffnet

Also: Außer Sarkasmus und ein paar Schlagworten hat Herr Bystron noch NICHTS zu der „Diskussion“ beigetragen. Witzig, dass er vorher sarkastisch so getan hätte, als hätte er einen Aluhut, denn hier packt Bystron ihn tatsächlich aus:

Link

Bystron behauptet, der Verfassungsschutz würde die „Belege“, dass es eine „Antifa“ gibt, einfach gar nicht sammeln. LOL. Ja DANN! Gensing fragt nach Belegen, aber Bystron hat nichts zu bieten, außer der BEHAUPTUNG es GÄBE ganz bestimmt Belege, wenn man suchen würde. Das ist quasi so, als würde er Gensing zu einem Revolverduell herausfordern, aber zum Showdown unbewaffnet erscheinen und behaupten, zu Hause hätte er aber ganz sicher eine Waffe. Ganz bestimmt!

Und es wird noch besser, Bystron hat gesagt: „Dass sie […] nach Belegen fragen, lässt mich an ihrer Faktenfindungsfährigkeit zweifeln“. HAHAHA, so kennt man Faktenfinder: Sie fragen niemals nach Belegen! Also Gensing habe mit seiner Feststellung, die von allen Behörden (und Menschen mit Gehirn) bestätigt wird, „die Antifa“ ist ein Mythos angeblich nicht Recht, weil es ganz bestimmt Belege gäbe, wenn man dann gucken würde. Aber tut ja keiner, weil … öhm, keine Ahnung. Weil der Verfassungsschutz auch zur Antifa gehört!!1 Oder so.

Wenn wieder jemand einmal meint, man müsse nur „mit Rechten reden“: Man sollte sich darauf einstellen, nicht viel festes zu hören zu bekommen. Bystron hat danach übrigens aufgegeben. Vielleicht hat er auch eingesehen, dass er einfach nicht Argumente oder Belege liefern kann. Oder er musste zu seinem nächsten Treffen, um mit Vertretern extremistischer Organisationen Schießtrainings auf Kosten des Steuerzahlers zu absolvieren (Mehr dazu).

Kurzfassung: Viel Kopfschmerzen und AfD hat sich wieder mal entlarvt

Also kurz: Es gibt keine „Antifa“, Bystron hat es bestätigt. Denn seien wir ehrlich: Wäre irgendwas dran an der Behauptung, wir könnten uns sicher sein, dass die AfD mit den Belegen hausieren gegangen wäre und nicht so peinlich rumdrucksen müsste. Wie lange kann die AfD noch gegen die harte Realität argumentieren? Keine Ahnung, die Flüchtlingsmasche hat sich anscheinend ermüdet. Und auch der Prozentsatz an Menschen, die jeden Blödsinn glauben möchten ist gottseidank begrenzt.

Und für alle anderen, die – unerklärlicherweise – bis hierhin gelesen haben und immer noch verzweifelt an dem Mythos „der Antifa“ festhalten: Widerlegt die Argumente und Quellen von Herrn Gensing und liefert eigene Nachweise. Und bitte keine schlecht gemachten Youtube-Verschörungsvideos, das sind keine Belege. Diskussion mit AfDlern über ihre Lügen bringt gar nichts. Herr Gensing hat es unermüdlich und sachlich versucht. Verschwenden wir nicht unsere Zeit, den Fantasien von notorischen Lügnern hinterher zu rennen.

Die 11 lächerlichsten Lügen von Beatrix von Storch (AfD)

Artikelbild: Metropolico.orgCC BY-SA 2.0 (Bystron), Alex E. Proimos, Flickr,  (CC BY 2.0), changes were made, Jesse Adam Davis, shutterstock.com (Antifa)

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Endlich! Polizei knöpft sich rechte Fake-News-Hetzer vor

üble Nachrede, Verleumdung & Verstoß gegen das Kunst- und Urhebergesetz

Seit Jahren sieht das Erfolgsrezept für rechte Hetzer gleich aus: Man greift einen realen, ungeklärten Fall auf – oder denkt sich einen ganz aus – und tut so, als wisse man, dass der Täter ein Schutzsuchender sei. Ausgeschmückt mit Vorwürfen an Frau Merkel oder die Justizbehörden und fertig ist die „alternative“ Wahrheit, die die Rassisten des Landes willentlich aufsaugen, um ihren Hass und ihre Gewaltfantasien zu rechtfertigen.

Das geschah bis jetzt weitestgehend ungestraft. Doch jüngst wurden die professionellen Lügner wohl zu dreist. Am 10.05.2018 soll im Landkreis Peine eine Vergewaltigung einer 15-jährigen stattgefunden haben. Die Polizei ermittelte danach zeitweise gegen einen 17-jährigen, ließ die Ermittlungen jedoch aufgrund fehlender Beweise für eine Straftat fallen. Der Vorwurf der Vergewaltigung konnte nicht bestätigt werden (Mehr dazu).

Screenshot twitter.com (Unkenntlichmachung von uns)

Ein Hetzer mit zu viel Fantasie behauptet jedoch zu wissen, wer der Täter ist – Ein Syrer selbstverständlich. Er beschuldigt nicht nur einen Schutzsuchenden, erfindet nicht nur Details über die Tat, sondern spricht gar von einem „Justizskandal“. Er unterstellt völlig aus der Luft gegriffen der Polizei, aktiv die Ermittlungen behindert zu haben und die Tat zu vertuschen. Wenn die Realität nicht mit der eigenen Hetze zusammenpasst, muss wohl nachgeholfen werden. Eine Beamtin wird sogar persönlich beschuldigt und samt Foto an den Pranger gestellt.



Typische Rechtsextreme Hetze

Doch an dem Fall beißen sich die Rechtsextremen jetzt wohl die Zähne aus. Ermutigt vom Erfolg ihrer Lügenmeldungen der letzten Monate und Jahre sind sie jetzt wohl einen Schritt zu weit gegangen. Persönliche Angriffe und Anschuldigungen lässt sich die Polizei gar nicht gern gefallen. In der Vergangenheit mussten die Behörden schon oft den Lügen der Rechtsextremen widersprechen. Die Hetzer sind inzwischen nicht nur auf dem Kriegsfuß mit der Wahrheit, sondern jetzt auch mit der Polizei.

5 Fälle, in denen die Polizei die Lügen der AfD aufdecken musste

Wie die KollegInnen erklärt haben, widersprechen sie vehement den Falschmeldungen der Rechtsextremen:

Auf Facebook erklärte die Polizeidirektion Braunschweig nicht nur, dass die Polizei ihre Arbeit gewissenhaft und professionell geführt habe, und alles mit rechten Dingen zu ging. Auch die eingereichte Beschwerde wegen Einstellung des Verfahrens wurde nach Prüfung abgelehnt. Jetzt knüpft sie sich dafür aber die rechten Hetzer selbst vor:

„Die Polizei hat auf Grund der Gerüchte in den sozialen Netzwerken den dargestellten Sachverhalt zur Prüfung der Staatsanwalt in Hildesheim übergeben. Gleichzeitig leitete die Polizei ein Verfahren gegen den Urheber der Gerüchte in den sozialen Netzwerken wegen übler Nachrede, Verleumdung sowie eines Verstoßes gegen das Kunst- und Urhebergesetz ein. Weiterhin prüft die Polizei, ob gesonderte Verfahren gegen Nutzer der sozialen Netzwerke eingeleitet werden, welche sich in Kommentaren und in Bezug auf diese Gerüchte einer Straftat verdächtigt gemacht haben.“

– Polizeidirektion Braunschweig

Fake-News-VerbreiterN & Hetzern geht es an den Kragen

Endlich scheint den unerträglich gewordenen Lügner und Hetzer die Gerechtigkeit einzuholen. Man hätte sich gewünscht, dass die Behörden auch schon früher rechtliche Schritte gegen folgenschwere Fake News eingeleitet hätten. Gewalt- und Mordfantasien sind Alltag in rechten Gruppen und unter rechten Fake News. Und haben so gut wie keine Konsequenzen.

Mordfantasien: So widerlich reagieren Rechte auf Merkel beim Einkaufen

Die Wahrheit und die Meinungsfreiheit sind in Gefahr, wenn eine kleine Gruppe an Rechtsextremen mit Fake-Accounts und Bots das Netz mit Lügen und Einschüchterungen fluten. So ergab eine Analyse der Initiative ichbinhier, dass bis zu 50% der erfolgreichsten Hass-Kommentare gegen die Klimaaktivistin Greta Thunberg nicht authentisch waren.

Greta Thunberg: Bis zu 50% der Hass-Kommentare stammen von Fake Accounts

Es ist auch gut zu sehen, dass nicht nur der Erfinder der Fake News rechtliche Probleme kriegt, sondern auch die Mittäter in den Kommentaren, die sich gegenseitig anstacheln und bei der Verbreitung der Lügen helfen. Danke an die Kollegen und Kolleginnen für ihre wichtige Arbeit, und dass sie endlich dafür sorgen, dass diese ermüdenden Lügen und die Hetze ein Ende haben.

Artikelbild: Roman Samborsky, shutterstock.com, Screenshot twitter.com

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Gerüchte & Unterstellungen: 6 Fake News über Greta Thunberg

Gerüchte & Unterstellungen

Eines vorab: Ich bin kein Greta-Fan. Mich stört ihre mediale Präsenz nicht, ihren Einsatz für eine radikalere Klimapolitik finde ich gut. Und wenn es eine 16-jährige Klimaaktivistin braucht, damit wir nach Jahren fremdenfeindlicher Flüchtlings-Diskussionen endlich über die Klimakrise reden, dann ist das so. Für eine Heldin halte ich sie aber nicht.

Wenn ich die unsägliche Hetze gegen sie zum wiederholten Male kritisiere, dann nicht, weil ich mein „Idol“ verteidigen will. Sondern weil Greta anscheinend ihren politischen Gegnern so gefährlich wird, dass sie zu schmutzigen Tricks greifen müssen. Anstatt über den menschengemachten Klimawandel und Gretas Argumente zu reden, werden ihre Person und ihre Motive angegriffen.

Greta Thunberg: So viel Schiss haben die Rechten vor einem jungen Mädchen

Und das teilweise mit unterirdischen Beleidigungen, Diskriminierungen und Hass. Einige Aktivisten von #ichbinhier haben analysiert, dass bis zu 50% aller Accounts, die unter öffentlichen Posts über Greta Hass und Lügen verbreiten, gar keine authentischen Facebook-Accounts sind. Ziel ist es anscheinend, eine Scheinmehrheit an KritikerInnen zu simulieren (Hier mehr dazu).



Mythen über Greta

Dass Beleidigungen und Gossensprache keine Meinung ersetzen und als substanzlos ignoriert werden können, ist wohl jedem klar. Diese taugen nicht mal als argumentum ad hominem, also als Scheinargument, das die Person angreift, anstatt deren Argumente. Und deshalb nichts zur eigentlichen Diskussion beiträgt.

Doch bei diesen ganzen persönlichen Angriffen gegen die Person Gretas wurden einige Behauptungen und Unterstellungen geäußert, die falsch sind. Ich möchte niemandem unterstellen, der Greta oder ihre neue Funktion als Person des Öffentlichen Lebens kritisch sieht, Teil einer rechten Klimawandelleugner-Kampagne zu sein. Aber auch wenn wir über ihre Person und nicht ihre Argumente reden, sollten wir bei der Wahrheit und den Fakten bleiben.

In einem Facebook-Beitrag hat die Aktivistin am Samstag jetzt mit den häufigsten falschen Vorwürfen und Unterstellungen aufgeräumt.

1.) sie wurde von ganz allein bekannt

Hinter Greta Thunbergs Prominenz steht kein Unternehmen oder eine  Gruppe, nicht einmal ihre Eltern. Im Mai 2018 nahm sie an einem Schreibwettbewerb einer schwedischen Zeitung teil, welchen sie gewann. Sie wurde daraufhin von einer Klima-NGO kontaktiert, die sich gegen die Klimakrise engagiert. In einem Telefonat wurden verschiedene Projekte diskutiert, unter anderem der Schulstreik, der von den Aktionen der Überlebenden des Amoklaufs an der US-Schule Parkland inspiriert wurde.

Da die Gruppe jedoch andere Projekte realisieren wollte, übernahm Greta die Idee des Streiks selbst. Auch erhielt sie keine Unterstützung ihrer Eltern bei diesem Projekt. Im August letzten Jahres startete sie also den Schulstreik alleine vor dem Schwedischen Parlament. Die Social Media-Posts ihrer Aktion erreichten daraufhin große Reichweite, was dann erst die Aufmerksamkeit von JournalistInnen nach sich zog.

2.) Niemand steht „hinter ihr“, sie macht das ehrenamtlich

Greta stellt fest, dass sie allein hinter ihrem Aktivismus steht, ihre Eltern waren zuvor alles andere als KlimaaktivistInnen. Erst durch ihren Aktivismus setzten sie sich mit der Thematik auseinander und begannen, sie dabei zu unterstützen. Sie ist kein Mitglied irgendeiner Organisation. Gelegentlich kooperiert sie jedoch mit NGOs, die sich für das Klima einsetzen. Sie erklärt, dass weder sie noch Mitglieder ihrer Familie dafür Geld oder Versprechen zukünftiger Zahlungen erhalten. Und dass es auch so bleiben wird.

„Ich habe noch keinen einzigen Klimaaktivisten getroffen, der unseren Planeten wegen des Geldes retten will. Diese Idee ist völlig absurd.“

– Greta Thunberg

Sie reist auch nur mit der Erlaubnis ihrer Schule. Und ihre Eltern zahlen Tickets und Eintrittskarten. Das Buch, das die Familie gemeinsam geschrieben hatte, welches beschreibt, wie sie und ihre Schwester ihre Eltern von der Dringlichkeit der Klimakrise überzeugt haben, sollte ursprünglich veröffentlicht werden, bevor Greta zufällig internationale Bekanntheit erlangte.

Erst durch Meinungsverschiedenheiten mit dem Herausgeber verzögerte sich dies. Auch profitiert die Familie nicht von den Verkäufen, 100% der Gewinne gehen an acht verschiedene Wohltätigkeitseinrichtungen, die sich für das Klima und Tierrechte einsetzen.

3.) Sie schreibt ihre eigenen Reden

Greta schreibt ihre eigenen Reden. Ihr ist jedoch bewusst, dass ihre Worte viele Menschen erreichen, weshalb sie regelmäßig um Input und Meinungen anderer Personen bittet. Insbesondere um die einiger Klimaforscher, die sie wegen wissenschaftlicher Fakten um Hilfe bittet, um nicht versehentlich Falschaussagen zu verbreiten.

4.) „Asperger ist keine Krankheit“

Greta hat Asperger-Autismus. Das hatte viel ableistische Diskriminierung zu Folge. Viele, die keine Ahnung haben, was diese Diagnose bedeutet, unterstellen, dass sie deshalb diese Prominenz gar nicht selbst erreicht haben könne. Aber auch wohlwollende Kritik, die besagt, dass keine „kranke“ Person derart in der Öffentlichkeit stehen sollte, wird geäußert. Doch Greta sieht das nicht so.

„Asperger ist keine Krankheit, sie ist ein Geschenk“, schreibt sie. „Wäre ich ’normal‘ und sozial gewesen, hätte ich mich in einer Organisation wiedergefunden oder eine selbst gegründet. Doch da ich nicht so gut darin bin, mit anderen Menschen zu sozialisieren, habe ich stattdessen das gemacht.“ Sie sei frustriert gewesen, dass nicht genug gegen die Klimakrise unternommen worden ist. Und habe deshalb den Streik begonnen.

5.) Die Klimakrise ist so simpel, wie Greta sie darstellt

Greta erzählt, sie werde dafür kritisiert, dass sie die Klimakrise übersimplifiziert und als ein „black and white issue“ darstellt. Sie werde dafür kritisiert, dass sie radikale Ansätze fordert und dass sie dazu auffordere, dass die Menschen „panisch“ werden sollen. Doch nicht jeder relativierende Ansatz ist der Richtige. Die Klimakrise ist dramatisch. Ja, sie ist komplex und die größte Herausforderung der Menschheit. Aber die Lösung ist einfach: Wir müssen aufhören, Treibhausgase zu produzieren.

„Entweder begrenzen wir die globale Erwärmung auf 1,5°C über vorindustriellen Werten oder nicht. Entweder überschreiten wir den Wendepunkt, der eine Kettenreaktion hervorruft, die wir nicht mehr stoppen können, oder nicht. Entweder machen wir als Zivilisation so weiter, oder nicht. Es gibt keine Grauzonen bei unserem Überleben.“

Wenn sie von „Panik“ spricht, dann meint sie damit, dass man die Klimakrise als Krise behandeln soll. Und sie ernst nehmen. Und nicht wie seit 40 Jahren, mit Trotteln darüber diskutieren, ob der menschengemachte Klimawandel real ist, oder nicht. Das ist unter denjenigen, die sich auskennen, unbestritten (Mehr dazu).

6.) Sollten wir auf ein Kind hören?

„Es gibt ein Argument, das ich nicht ändern kann. Und das ist die Tatsache, dass „ich ein Kind bin und man sollte nicht auf Kinder hören“. Aber das kann man leicht umgehen – Hört einfach auf die eindeutige Wissenschaft. Wenn jeder den Wissenschaftlern zuhören würde und den Fakten, die ich ständig zitiere, dann müsste niemand auf mich oder die hunderttausende anderen Kinder hören, die für das Klima streiken“

Greta ist nur der Bote dieser wichtigen Botschaft. Sie sagt nichts Neues, nicht einmal etwas Kontroverses. Sie gibt nur das wieder, was Experten seit Jahrzehnten sagen. Der Versuch, sie unter dem Hass und den persönlichen Angriffen zu begraben, sagt viel darüber aus, welch starke Kräfte es gibt, die tätig werden, um wirksame Maßnahmen gegen den Klimawandel zu behindern.

Greta gibt ihren Kritikern Recht – Sie ist zu jung, um darüber zu reden. Kinder sollten sich nicht für das Klima einsetzen müssen. Aber wenn es sonst niemand macht, wenn wir stattdessen über rassistische Wehwehchen von spazierenden Rentner reden, aber nicht über die größte Krise der Menschheit, dann muss es vielleicht so sein. Wer sich ernste Sorgen um das Mädchen macht und was die Bekanntheit ihr antun könnte, sollte vielleicht selbst über die Problematik der Klimakrise reden oder sich informieren.

Artikelbild: Greta Thunberg/Instagram, Hier ihr Originalpost

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Fake: „Mission Lifeline“ wirbt NICHT für Ehen mit Flüchtlingen

Völliger Unsinn

In einschlägigen Medien wird weiter Stimmung gegen private Seenotretter gemacht. Horst Seehofer hat sich dergestalt geäußert, dass das Schiff der Dresdner „Mission Lifeline“ gar beschlagnahmt werden soll. Während sie es sind, die als letzte noch Schiffbrüchige im Mittelmeer retten, werden sie aktiv von der Bundesregierung daran behindert, wie der Verein Seehofer in einem offenen Brief vorwirft (Hier).

„Sie sagen, wir sollen zur Rechenschaft gezogen werden, doch wir erwarten, dass auch Sie endlich Rechenschaft ablegen. Wir stehen Rede und Antwort, gerne auch vor Gericht. Aber welcher Straftatbestand soll uns vorgeworfen werden? Ist es Ihrer Meinung nach ein Verbrechen, Menschen aus Lebensgefahr zu retten? Ist es ein Verbrechen, das Völkerrecht zu achten? Sollten wir die Menschen nach Libyen bringen und damit eine Straftat begehen?“

Wie Seenotrettung wirklich aussieht haben wir hier erklärt:

Ich war selbst an Seenotrettung beteiligt – Glaubt nicht diesen 6 Lügen der Rechten



Unterstellungen an Mission Lifeline

Es fing alles zunächst mit diesem Tweet der „Mission Lifeline“ an:

Aus diesem Tweet machte die „Bild“, „Welt“ und die „Kronen Zeitung“ die Unterstellung, der Verein „werbe für Ehen mit Flüchtlingen“. Der Verein stellt klar: Das ist eindeutig kein Aufruf, das sei eine böswillige Interpretation. Über die Liebe und Ehe wollte man eigentlich zu Spenden aufrufen.

Ein Sprecher betonte, die Formulierung sei „im Grunde streng christlich“ gemeint gewesen: „Wir finden die Institution der Ehe wirklich wichtig.“ Ab jetzt werde man aber „alles dreimal gegenlesen und noch eindeutiger formulieren“.

Verein wehrt sich juristisch

Der „BILD“-Artikel behauptet des Weiteren auch, Kapitän Claus-Peter Reisch stehe derzeit in Malta wegen des „Vorwurfs der Schleuserei vor Gericht“. Das ist ebenfalls falsch, denn ihm wird dort eigentlich vorgeworfen, dass er sein Schiff fehlerhaft registriert habe. Reisch hält das für eine absichtliche Behinderung der Arbeit der Seenotretter aus politischen Motiven und hält sich für unschuldig (Quelle). Gegen die Falschbehauptungen wehrt sich der Verein jetzt juristisch, so der Sprecher Axel Steier auf Anfrage der epd.

Danke an Ben Hoffmann. Artikelbild: Screenshot BILD.de

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#ichbinhier: Online-Redaktionen sind Werkzeug von populistischer Propaganda

Offener Brief von #ichbinhier

Der Verein #ichbinhier hat sich in einem offenen Brief an die Online-Redakteure der reichweitenstärksten Facebookseiten gewandt:

„Eure Kommentarspalten werden mit Desinformationen, Aufrufen zu Gewalt, aufhetzenden Kommentaren, Lügen und Verdrehungen geflutet. Es fehlen Klarstellungen! Vor allem aber fehlen Aufforderungen zur Unterlassung und das Sanktionieren von Beleidigungen und Beschimpfungen. Was soll denn das?“

Seit Jahren beobachtet die Anti-Hatespeech-Gruppe, dass nur wenige Personen durch mehrfache Accounts in den Kommentarspalten den Eindruck einer Mehrheit erzeugen wollen. Große Facebookseiten, die schlecht oder gar nicht moderiert sind, sind gefundenes Fressen für sie. Online-Wahlkampfhelfer verabreden sich auf genau solchen Medien-Seiten, auf denen sie ungestört schreiben, was sie wollen und ihre Botschaften verbreiten können.

Durch Einschüchterung, Trollen, Lügen, Verdrehungen und (Mord-)Drohungen mobben sie so lange die Kommentarspalten, bis ihre Propaganda unwidersprochen an prominentester Stelle platziert ist. Und ein unbedachter Leser findet unter gewöhnlichen Berichten plötzlich verschiedenste Verschwörungstheorien, Fake News oder Verdrehungen der Tatsachen.

Ein besonderes Beispiel ist die Facebook-Seite von ZDF heute: Wir alle bezahlen die Rundfunkgebühr und damit auch den Facebook-Auftritt, die Redakteure und die Aufbereitung des Social-Media-Contents. Und ich sehe es wirklich nicht ein, dass mich Trolle, Fake-Profile und Sockenpuppen von den Seiten einer durch die Allgemeinheit finanzierten Medienanstalt verjagen.



6 Dinge, die man dagegen tun kann

Alex Urban von #Ichbinhier stellt im Brief fest: „Natürlich möchte ich nicht, dass die Meinungsfreiheit eingeschränkt wird. Probleme müssen selbstverständlich aufgezeigt werden, aber bitte mit Augenmaß. Es geht nicht um „Meinungsdiktatur“. Schon das Wort ist Unfug. Die Meinungsfreiheit wird vielmehr von denen gefährdet, die mit ihren Kampagnen Eure Kommentarspalten dominieren. Ihr überlasst ihnen willig das Feld.“ Deshalb wünscht sich der Verein von den Redaktionen:

1. Weniger Triggerthemen!

Stellt Euch bei der Themenauswahl breiter auf und bedient nicht die Erregungsspirale, die von einer kleinen, lauten Minderheit stetig in Gang gehalten wird, indem Ihr weit überproportional über Zuwanderung, „Ausländerkriminalität“ pp. schreibt.

2. Fakten statt Spekulation!

Berichtet, wenn Fakten da sind, ansonsten beruft Euch auf die Veröffentlichungen der Polizei. Wer über ein aktuelles Ereignis wenig Informationen hat, sollte zurückhaltend berichten und nicht wenige Teilinformationen zu einer großen Geschichte aufblasen. Wir alle müssen uns darum bemühen, Ungewissheit auszuhalten. Das gilt für die Journalisten wie für die Leser gleichermaßen.

3. Verzichtet auf Clickbaiting. Seriöser Journalismus kommt ohne aus.

Bitte kein Clickbaiting durch reißerische und teils irreführende Überschriften und das Provozieren heftiger Emotionen!

4. Geht verantwortungsbewusst mit Eurer Reichweite um!

Und so oder so: Wer die sozialen Medien für Reichweite nutzt, ist auch dafür verantwortlich, was unter den Beiträgen in der Kommentarspalte los ist. Die ersten Kommentare beeinflussen den Deutungsrahmen zu den Inhalten. Eine aufmerksame Moderation ist unerlässlich!

5. Macht Eure Kommentarspalten zum Wohlfühlort für Demokraten!

Eure Leser sollen sich auch in den Kommentarspalten wohlfühlen. Setzt daher Eure Netiquette durch! Macht die Kommentarspalten zu einem Ort, an dem Menschen sich austauschen können, ohne Angst haben zu müssen, beleidigt und angegangen zu werden. Wenn Ihr gut moderiert, schafft ihr Euch eine Community auf, die aus echten Menschen besteht und Euch langfristig unterstützt. Profile, die andere
Nutzer persönlich angreifen, und solche, die sich menschenfeindlich äußern, gehören gesperrt.

6. Steht für journalistische Qualität ein!

Erklärt Eure Standards, immer und immer wieder. Nicht nur, weil wir für gute Debatten auch eine gute Faktenbasis brauchen, sondern damit wir und die Mitglieder Eurer Communities in der Fülle an Informationen die guten von den schlechten trennen können und diesen Maßstab woanders einfordern können.

Das Schlusswort:

Denkt bitte darüber nach, ob Ihr Euch zum Werkzeug von Leuten machen lassen wollt, die unseren Staat kaputt machen wollen. Mit dem immer fortwährenden Schüren von Ängsten und dem Anzweifeln des Rechtsstaats. Und ob Ihr populistische Propaganda bis hin zu Verschwörungstheorien, massiven Desinformationen und Verharmlosungen der Nazizeit auf Euren Seiten haben möchtet.

Artikelbild: Aaron Amat, shutterstock.com

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