Faktencheck: Die Zerstörung vom „Die Nazis waren links!“-Bullshit

waren die nazis „links“?

Die rechte Szene hält viele ihrer Anhänger in einem Netz aus Fakenews, Halbwahrheiten und gezielter Falschinformation fest – auch bekannt als Verschwörungstheorien. Eine leider immer wieder sehr beliebte Theorie bezieht sich dabei auf den Nationalsozialismus. Um die linke Szene zu diffamieren wird dieser nämlich (samt Rassenideologie, Weltkriege und Holocaust) ständig jener zugeordnet. So bediente sich zum Beispiel Erika Steinbach (Quelle) dieser Thematik, ähnlich wie der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro (Quelle)  es in seiner Präsidentschaftskandidatur tat.

Die Logik ist relativ einfach: Im Wort Nationalsozialismus steckt ja der Begriff „Sozialismus“ bereits drin, und Sozialismus ist links.

Andererseits sollte natürlich jeder, der irgendwann mal eine Schule besucht hat, wissen, dass der Nationalsozialismus die bislang schlimmste Form des angewandten Rechtsextremismus ist. Doch warum gibt es dann nach wie vor diese ganzen Diskussionen?



Das grundlegende Problem ist dabei das Wesen des Nationalsozialismus.

Er galt schon zur Zeit seiner Entstehung als „Sonderling“, der sich nicht aus einer der drei klassischen Strömungen Liberalismus, Konservativismus und Sozialismus entwickelt hatte. Dennoch war er keine völlig neue Idee: Eine große inhaltliche, politische Nähe zum Faschismus ist nicht zu bestreiten. Die strenge Hierarchie, auf einen Führer ausgerichtet, ist ebenso von diesem übernommen worden wie der Personenkult um diesen Führer und (damit verbunden und vom italienischen „Saluto romano“ [Quelle] abgeleitet) der symbolische „Deutsche Gruß“, auch als „Hitlergruß“ bekannt.

Daraus erschließt sich das Problem, dass der Nationalsozialismus eben NICHT dazu gedacht war, eine gewisse Gruppe, soziale Schicht o.ä. anzusprechen, sondern das gesamte „Volk“. Seine „Zielgruppe“ waren also nicht primär die Arbeiter, die Monarchisten, die Eliten oder wer auch immer. Sondern alle „Deutschen“ (oder genauer, alle, die der „arischen“ Rasse angehörten). Diese Form der Staatsbildung und auch Legitimation des Staates aufgrund von Rassenideologie war komplett neu. Sozusagen Hitlers „Erweiterung“ im Vergleich zu Mussolinis Faschismus.

Der Führer

„Der Staat“ wurde dabei nach außen hin mehr oder weniger auf den „Führer“ reduziert. Er allein nahm für sich in Anspruch, den „Volkswillen“ auszuführen. Damit ersparte man sich die als mühselig wahrgenommenen Debatten, die für Demokratien (so auch die Weimarer Republik) nötig sind. Als Bürger und Teil der „Volksgemeinschaft“ gab man einen gehörigen Teil seiner Selbstbestimmung an den Führer ab. Und konnte im Gegenzug darauf vertrauen, dass dieser alles zum Wohle des Volks unternehmen würde. So zumindest die Theorie des Faschismus´.

Fassen wir kurz zusammen: Die Einordnung Faschismus beziehungsweise Nationalsozialismus kann deshalb problematisch sein, weil die Ideologie selbst sich außerhalb von Sozialismus, Liberalismus, Konservativismus, aber auch außerhalb des links-rechts-Schemas sah. Es sollte eher eine Volksbewegung als eine politische Strömung sein.

Mit unserem rückblickenden Wissen können wir dennoch eine Einordnung des Nationalsozialismus wagen. Ist er aus heutiger Sicht tatsächlich eher „links“? Um diese Frage zu beantworten, müssen wir erstmal ein Thema klären.

Was ist eigentlich „links“?

Dazu erstmal ein kleiner historischer Abriss:

Die Politische Einteilung „Rechts“ und „Links“ geht wohl entweder auf die Sitzordnung der Delegierten in der französischen Nationalversammlung bzw. den Generalständen (1789-1791, Quelle) oder die französische Abgeordnetenkammer von 1814 (Quelle) zurück. Auf jeden Fall hat sie ihren Ursprung in Frankreich, dem Ort, an dem das Ende der Monarchie anfing. An sich war es erstaunlich simpel.

Rechts vom Präsidenten saßen damals schlicht und ergreifend die Leute, die sich für Restauration, das heißt eine Beibehaltung der vorrevolutionären Zustände (also der Monarchie) stark machten. Diese waren damals die Monarchisten, heute könnte man es mit den Konservativen vergleichen.

Links saßen dagegen die Leute, die soziale und politische Änderungen anstrebten, die also die Idee der Revolution verteidigten. Und deren neues Gedankengut von Volkssouveränität und Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit durchsetzen wollten. Heute ist das vergleichbar mit Sozialdemokraten, Sozialisten, aber auch Liberalen. Man könnte es vielleicht, im Gegensatz zur konservativen Seite, als progressive Seite zusammenfassen.

Allerdings ist diese Theorie in der Praxis nicht immer so leicht umzusetzen. Einerseits, weil sich unser Verständnis von Politik und Demokratie über die Jahre stark verändert hat. Andererseits natürlich auch, weil es schwer ist, eine wirklich objektive Beobachtungsweise zu finden. Versuchen wir also zuerst, einen möglichst wissenschaftlich-neutralen Blick zu verwenden:

Dabei wird sich auch oft auf den Bereich „Wirtschaft“ bezogen

Besonders Ende des 19. Und im 20. Jahrhundert entwickelten sich neben den genannten politischen Unterschieden (rechts = konservativ vs. Links = progressiv) auch eine wirtschaftliche Definition, was „rechts“ und was „links“ sei.

Im Mittelpunkt steht jeweils der Begriff der „Freiheit“. Beide Lager beanspruchten für sich, das Wirtschaftssystem so aufzubauen, dass es möglichst viel „Freiheit“ hat. Der gravierende Unterschied ist aber, was man jeweils unter „Freiheit“ versteht.

„Rechts“ bedeutet in der Wirtschaft, dass man Privatwirtschaft unterstützt, an die Selbstregulierung des Marktes nach u.a. Smith (Quelle) und an freie Marktwirtschaft und Wettbewerb glaubt. „Freiheit“ bedeutet also offensichtlich, dass jedes Individuum in der Lage ist, in der Wirtschaft zu tun und lassen, was es will, ohne dass der Staat größere Einschränkungen einbaut.

Mit „Links“ wird hingegen Zentralverwaltungswirtschaft (YouTube-Erklärvideo dazu: Quelle), staatliche Planung und Lenkung verbunden. „Freiheit“ bedeutet hier die Freiheit von Existenzangst und Wettbewerbsdruck. Jedes Individuum hat die „Absicherung“, dass im Notfall der Staat da ist, um Notsituationen abzufangen. Dadurch entsteht nicht ständig der Druck, immer mehr und besser zu wirtschaften. Andererseits sind der eigenen Freiheit was unternehmerische Tätigkeiten angeht Grenzen gesetzt. Einfach gesagt wird die Möglichkeit des wirtschaftlichen Aufstiegs wie auch die des Abstiegs mehr oder weniger eliminiert.

Aus heutiger Sicht sind diese wirtschaftlichen Aspekte nur noch selten genauso vertreten, wie in der Theorie. In Deutschland haben beispielsweise gemäßigte „Rechte“ wie „Linke“ anerkannt, dass es einen Kompromiss zwischen beiden Ideen geben sollte. Die soziale Marktwirtschaft. In der Theorie bedeutet das: Es gibt immer noch recht große individuelle Freiheiten, aber der Staat sorgt für soziale Absicherung und Umverteilung des Vermögens (sodass die Reichen nicht immer reicher und die Armen nicht immer ärmer werden). Aber in der Praxis… man kennt das Spiel.

Gut, Theorie hin oder her, aber was davon war denn nun der Nationalsozialismus?

Das ist, wie immer, nicht einfach so zu beantworten.

Gehen wir zuerst noch einmal auf die wirtschaftlichen Punkte ein:

Anhaltspunkte für eine Einordnung liefert hier der sogenannte „25-Punkte-Plan“ der NSDAP, eine Art „Parteiprogramm“ in Kurz (Link). Hier finden sich folgende Punkte:

  • Punkt 11 „[…]Brechung der Zinsknechtschaft“ (dieses und folgende Zitate stammen aus dem obigen Link).
    Dies könnte man tatsächlich als „linke“ Forderung erkennen*. Gemeint ist, dass Angehörige der Oberschicht, die nur von Zinserträgen ihres Kapitals leben (also die einfach nur viel Geld haben und das Verleihen, sodass sie Zinsen bekommen), enteignet werden sollen; es ist die Rede von „Abschaffung des arbeits- und mühelosen Einkommens“. Definitiv ein staatlicher Eingriff.
  • Punkt 12 „[…]die persönliche Bereicherung durch den Krieg [muss] als Verbrechen am Volke bezeichnet werden.“ Punkt 12 passt also auch zu modernen, linken Ideen, die den Krieg kritisieren und der Meinung sind, er werde aus finanziellen Zwecken geführt (v.a. für die Rüstungsindustrie).
  • Punkt 13 „Wir fordern die Verstaatlichung aller (bisher) bereits vergesellschafteten (Trust) Betriebe.“ Hier steht es ja wort-wörtlich drin: Verstaatlichung – eine linke Idee.
  • Auch Punkte 14-17 (Gewinnbeteiligung an Großbetrieben, großzügiger Ausbau der Altersvorsorge, „Kommunalisierung der Groß-Warenhäuser“, Bodenreform) sind inhaltlich klar links. Es geht im Grunde immer darum, dass Großgrundbesitzern, den „Eliten“ und anderen Reichen ein wesentlicher Teil ihres Vermögens genommen werden soll, zu Gunsten des „kleinen Manns“.

*Anmerkung: Dieser Punkt ist natürlich nicht wirklich Kapitalismuskritik im marxistischen, also linken Sinne. Vereinfacht gesagt ist es einfach eine Form der antisemitischen Hetze, da mit Zinsknechtschaft oftmals jüdische Geldgeschäfte gemeint waren. Darauf soll aber an dieser Stelle nicht noch intensiver eingegangen werden.

Ist der Nationalsozialismus also tatsächlich links?

Spoiler Alert: Nein. Natürlich nicht.

Denn: Diese oben genannten Auszüge aus dem „25-Punkte-Plan“ werden zwar oft aus rechten Verschwörerkreisen genutzt, um zu argumentieren, der Nationalsozialismus sei links (weil er eben einige wirtschaftliche Eingriffe verlangt, die auch aus dem Parteiprogramm klar linker Parteien stammen könnten).

Diese Aussagen beziehen sich aber nur auf die Wirtschaft – für eine endgültige Einordnung ist das ungenügend, denn die politische Einordnung muss selbstverständlich auch andere Aspekte beachten.

Zuerst einmal müssen wir zugeben, dass wir den Nationalsozialismus nicht wie CDU, SPD und Co. auf der uns geläufigen Skala „rechts der Mitte“ und „links der Mitte“ einordnen können. Er ist nämlich nicht, ich denke da können mir die meisten Leser zustimmen, Teil des gemäßigten, demokratischen Spektrums Rechts-Links, sondern ist schon in seinem faschistischen Ursprung ganz klar antidemokratisch und damit extremistisch. Fairerweise müsste also die eingangs gestellte Frage eher lauten: Ist der Nationalsozialismus links- oder rechtsextremistisch?

Definieren wir doch beide Begriffe schnell:

Linksextremismus: „Linksextremismus ist ein Sammelbegriff für alle gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung gerichteten Bestrebungen, die auf einer Verabsolutierung der Werte von Freiheit und (sozialer) Gleichheit beruhen, wie sie sich insbesondere in den Ideen von Kommunismus und Anarchismus ausdrücken.“ (lt. Bundesamt für Verfassungsschutz Quelle) Oder in Kurzform: Linksextremisten wollen Hierarchien abschaffen. Niemand darf über irgendjemand anderen bestimmen.

Rechtsextremismus: „Rechtsextremisten [kennzeichnet] in aller Regel ihr autoritäres Staatsverständnis, in dem der Staat und das nach ihrer Vorstellung ethnisch homogene Volk als angeblich natürliche Ordnung in einer Einheit verschmelzen.“ (Quelle)  Auch hier die Kurzform: Rechtsextremisten streben einen ethnisch einheitlichen Staat an. Es gibt keine völlige Gleichheit der Individuen, stattdessen völkisch-rassistische Ansichten. Gleichheit nur innerhalb der eigenen Volksgruppe oder „Rasse“.

Damit fällt der Nationalsozialismus ganz klar unter letztere Definition. Gleichheit galt nur für die eigene Ethnie oder, wie es die Nazis nannten, die „arische Rasse“. Es wird also von einer prinzipiellen Ungleichheit ausgegangen (siehe Rassentheorie Quelle). Außerdem ist die Ideologie der Nazis durch ein autoritäres Staatssystem mit Führersystem gekennzeichnet. Hierarchie steht also (im Gegensatz zur linksextremen Anarchie) ganz klar im Vordergrund.

Weitere historische Belege:

Die Reichstagswahl im März 1933

Vorneweg eine Quelle, aus der ich alle Zahlen zu der Wahl geholt habe: (Quelle).
Die Reichstagswahl im März 1933 war die letzte wirkliche Wahl des deutschen Reichstags. Das heißt die letzte Wahl, an der mehr als eine Partei teilnahm. Die NSDAP hatte im Vorfeld dafür gesorgt, dass für die ernsthaften Konkurrenten des linken politischen Spektrums der Wahlkampf erheblich erschwert bis unmöglich gemacht wurde (siehe auch). Die NSDAP holte schließlich 43,91% der Stimmen. Damit war sie zwar der Wahlsieger, das erhoffte Ergebnis von 50%+ (nötig für die Alleinherrschaft, die Hitler anstrebte) wurde aber verfehlt – man brauchte also einen Koalitionspartner.

Rechnerisch möglich waren eine Zweierkoalition mit SPD (19,1%), KPD (12,32%), Zentrumspartei (11,25%) sowie der „Kampffront Schwarz Weiß Rot“, einem Bündnis aus der nationalistischen DNVP und deren bewaffnetem Arm „Stahlhelm“. Wäre die NSDAP „links“ oder gar „sozialistisch“ gewesen, hätte sie sicherlich die Koalition mit einer der ersten beiden Parteien gesucht – zum einen wäre ja dann die inhaltliche Nähe groß gewesen (immerhin sind SPD und KPD unzweifelhaft links), andererseits wäre auch die Mehrheit mit ca. 60% besonders groß gewesen. Doch die NSDAP koalierte letztendlich mit der „Kampffront“ – die inhaltlich in etwa in der Nähe des heutigen „Flügels“ der AfD oder tendenziell noch weiter rechts stand. Das spricht ja wohl klar gegen eine „linke“ Ausrichtung.

Politische Häftlinge

Politische Häftlinge in Konzentrationslagern

zuerst veröffentlicht vom „United States Holocaust Memorial Museum“ (Link: https://de.wikipedia.org/wiki/KZ-H%C3%A4ftling#/media/Datei:Kennzeichen_f%C3%BCr_Schutzh%C3%A4ftlinge_in_den_Konzentrationslagern.jpg)

Neben den Millionen Juden, Sinti und Roma sowie weiteren Menschen, die aus rassistischen Gründen in KZs gesperrt wurden, nutzte die NSDAP die Lager auch schon früh dafür, politische Gegner darin festzuhalten, zu foltern und zu töten.

Darunter zählten fast ausschließlich Gegner aus dem linken Spektrum. Folgend sind einige (wenige) Beispiele aufgelistet:

  • Die „Kriegs-Sonderaktion“ mit Verhaftung von mehr als 70 Personen, darunter USPD/KPD-Abgeordnete (Quelle)
  • Das KZ Buchenwald: Bei Kriegsende war es das größte KZ auf deutschem Boden, vorrangig wurde es für politische, linke Häftlinge genutzt, 1944 wurde hier u.a. KPD-Chef Ernst Thälmann ermordet (Quelle)
  • Das KZ Dachau, welches als „Prototyp“ für die späteren Konzentrationslager diente, war ursprünglich errichtet worden, um Kommunisten und Marxisten (oder solche, die dafür gehalten wurden) zu „konzentrieren“, also an einem Ort zusammenzuziehen – später wurden diese dort auch getötet. (Quellel)

Man könnte noch unzählige weitere Beispiele hinzufügen. Fakt ist: Die als politisches Instrument installierten Konzentrationslager dienten neben dem Ziel der Auslöschung der „jüdischen Rasse“ vor allem auch dazu, politische Gegner auszuschalten und zu ermorden. Dies waren fast ausschließlich eher linke Politiker und Demokraten. Auch das ist ein klarer Beleg gegen eine etwaige „Linksausrichtung“ des Nationalsozialismus bzw. der NSDAP.

Bringen wir das Ganze in die heutige Zeit:

Doch selbst wenn all diese Beweise aus der Theorie und aus der Geschichte nicht gültig wären, wenn den Quellen misstraut wird oder man es aus sonstigen Gründen anzweifelt, genügt auch im Jahr 2019 ein Blick auf die Demonstrationen in den Straßen, um ein klares Urteil zu fällen. Heute wird der Nationalsozialismus (wenn, dann) von einigen Rechtsextremen „gefeiert“ oder gar zurückgewünscht. Ein weiterer Beleg dafür ist die Bewegung des „Neonazismus“. Grob beschreibt dieser Begriff nationalsozialistisches Gedankengut in den Köpfen von Menschen, die Hitler und die NSDAP nicht miterlebt haben (deren Ideen aber unterstützen).

In Deutschland wird sie ca. seit den 70er Jahren beobachtet (Quelle). Neonazistische Gruppen (z.B. NSU (Quelle) oder „Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten“ (Quelle) verüben rechtsterroristische Anschläge und fallen in ihren Forderungen klar unter die weiter oben genannte Definition von „Rechtsextremismus“. Die Ziele sind dabei nach wie vor dieselben: Es wird ein „ethnisch homogener“ Nationalstaat gefordert und die Ideen des „Sozialdarwinismus“ (Anwendung der darwinistischen Theorie auf den Menschen) unterstützt. Damit gehen automatisch die Ausgrenzung, Unterdrückung oder sogar Vernichtung von Ausländern, Flüchtlingen, Menschen mit Migrationshintergrund, der gesamten LGBTQ+-Bewegung und auch Behinderten einher. Ein neues Instrument ist die Leugnung des Holocausts, eine der von Rechtsextremisten am häufigsten begangenen Straftaten.

Schlussfolgerung

Die neonazistische Szene ist also, genau wie es ihre „Vorbilder“ 1933-45 waren, definitiv als rechtsextrem einzuordnen. Damit dürfte die Debatte, ob Nationalsozialismus nicht doch „links“ ist, endgültig am Ende sein.

Sollte dir doch in Foren, Social Media, in der Familie oder irgendwo sonst jemand mit der Aussage „Also eigentlich waren die Nazis ja doch links…“ o. ä. kommen, dann zeige ihm gerne diesen Beitrag. Er ist als „K.O.-Waffe“ in dieser Diskussion gedacht – da er alles mit recherchierten Fakten widerlegt. Auch für alle anderen gilt: Teilen, Teilen, Teilen – nur Wissen und Aufklärung helfen gegen Populismus!

Artikelbild: Public Domain, CC0

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Macht die Bundeswehr wirklich Anspielungen auf Giftgas oder den Holocaust?

Anspielungen auf GIFTGas oder den Holocaust?

Seit ein paar Tagen geistert das Foto einer Bundeswehr-Werbung durchs Netz, auf der diese mit dem Satz „Gas, Wasser, Schiessen“ wirbt. Dieser sorgte für reichlich Empörung. Denn einige Assoziierten sofort den Einsatz von Giftgas im ersten Weltkrieg oder die Vernichtung von Juden mit diesem.

Das verwundert, denn Sanitärinstallateure nutzen den Begriff „Gas, Wasser, Scheisse“, der sogar schon in Werner Comics Verwendung fand (Beispiel).

Wenn der Satz anders gemeint gewesen wäre, so müssten wir uns mal die Einzelteile ansehen: Gas soll also für Vernichtung stehen. Schießen für Töten. Soweit klar. Aber das Wasser? In welchem Kontext tötet Wasser? Beim Ertrinken? Soll man Menschen ertränken oder Waterboarden bei der Bundeswehr? Dabei ist genau das auch nach dem Kriegsrecht verboten: Gefangene zu töten oder zu Foltern. Ebenso wie der Giftgaseinsatz. Daher wirkt es absurd, dass eine Institution, so offensiv mit Rechtsbruch werben würde.



Kritik an der Bundeswehr

Wie kommt man also darauf das Offensichtliche zu ignorieren und dann etwas anderes zu sehen? Sind die Kritiker so wenig mit dem Handwerk und den dort üblichen Aussagen vertraut? Oder so sensibilisiert, dass sie beim Begriff „Gas“ an Vernichtung denken? Ist das auch so bei Gaswasserthermen? Es wirkt skurril. Selbst wenn Sensibilität bei der Shoa sehr wichtig ist, so wirkt es hier weit hergeholt.

Denn am wahrscheinlichsten ist, dass die Bundeswehr den Spruch „Gas, Wasser, Scheißen“ aus dem Handwerk abgewandelt hat, um lustig rüber zu kommen. Nur dass es offensichtlich nicht ankam. Die Bundeswehr ist natürlich nichts Witziges. Der Beruf als Soldat ist kein angenehmer und auch die Bundeswehr muss sich viel Kritik anhören. Diese ist auch in vielen Bereichen richtig und legitim.

Und natürlich darf man die Bundeswehr auch kritisieren, wo sie zu kritisieren ist. Dafür gibt es Gründe genug. Dafür, dass sie meinte Rommel sei „trationswürdig“ [sic], da er vom Hitler-Attentat wusste.

Dafür, dass sie die wichtige Aufklärung über rechtsextreme Umtriebe in ihren Reihen als Nestbeschmutzung wahrnimmt. Dafür, dass der Umgang mit Rekruten oft mehr als fragwürdig ist. All das sind Punkte, wo die Kritik Hand und Fuß hat. Bei der Kritik an diesem Plakat leider weniger.

Artikelbild: WAYHOME studio, shutterstock.com, Screenshot twitter.com

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Opferinszenierung: AfD erwischt, wie sie eigenen Infostand zerlegt – Schuld sei „die Antifa“

Die Opferrolle inszenieren

Auf ihrer eigenen Seite findet man zu den Ereignissen vom 4.5. von der AfD Waiblingen-Fellbach einen ihr typischen Bericht. Ihr Infostand sei „augenscheinlich [von] der linksextremen Antifa“ „angegriffen“ worden. Außerdem habe man ihren Infostand „beschädigt“. Sie berichten von vermeintlichen Angriffen, Körperverletzungen und so weiter. Das Fazit der AfD ist, dass sie aufgrund des Wahlkampfes mit Gewalt bekämpft werde, dass sie unfair  behandelt werde, aber dass sie sich trotz dessen nicht unterkriegen lasse.

Es ist das gleiche Narrativ, das hundertfach von der teilweise vom Verfassungsschutz beobachteten Partei verwendet wird. Egal, ob es um Angriffe auf Parteibüros, Schmierereien auf Wahlplakaten oder ganz bekannt die Attacke auf Magnitz aus dem Januar geht. Die AfD erzählt sich als Opfer.  Aber dieses Narrativ ist eine Fiktion. Das soll nicht heißen, dass es keine Angriffe oder zerstörte Plakate gibt oder dass diese nicht zu verurteilen seien. Aber die AfD setzt beinahe vollständig auf die Inszenierung ihrer Opferrolle. Und schreckt dabei auch nicht davor zurück, dafür zu lügen und Dinge zu inszenieren.



Bei der selbst-Demontage gefilmt

Wie die Seite beobachternews.de berichtet, hatte sie Journalisten vor Ort, die zu Fellbach eine ganz andere Darstellung bieten. Beim „Angriff“ der „Antifa“ soll es sich um Demonstranten gehandelt haben, die sich vor den AfD-Stand mit einem Banner gestellt haben. Man kann in ihrem Video sehen, wie von AfD-Anhängern physische Aggressionen ausgehen. Ebenfalls, wie die vom Regen ohnehin unbrauchbaren AfD-Flyer von der AfD zusammengeknüllt und vom örtlichen AfD-Vorsitzenden auf den Boden geworfen werden. Und dass es ein AfD-Helfer war, der bewusst den Infostand zerlegte.

Laut Bericht wurde der AfD-Stand eine Stunde von den Gegendemonstrant*innen abgeschirmt, unter den Augen der Polizei. Der Polizei meldete man eine Eilversammlung an, die sie gewährte, unter der Auflage, dass die Bannerträger*innen sich etwas weiter vom Stand entfernt aufhalten sollten, welche sie nach mehrfachen Aufforderungen auch befolgten. Einige körperliche Übergriffe von AfD-Wahlkampfhelfern sind dokumentiert.

Bereits vor Ort wurde nutzt sie die Konfrontation laut Bericht für die Präsentation der Opferrolle. So sollen Anhänger der AfD gerufen haben: „Wir sind anscheinend die Juden von heute – ihr seid die wahren Nazis“ Der Polizei wurde der selbst demontierte Infostand als Beweismaterial für einen vermeintlichen Angriff präsentiert, ebenso wie die selbst zerknüllten Infomaterialien der Partei. Die AfD weiß genau, wie sie sich inszenieren will.

Erfundene Angriffe, falsche Plakatzerstörungen, Inszenierte Rauswürfe

Die AfD setzt fast ausschließlich auf Emotionen. Wahrheitsgehalt ist nachweislich zweitrangig. Studien zeigen, dass die AfD mehr lügt als alle anderen Parteien – und dass ihre Wähler*innen am anfälligsten dafür sind (Mehr dazu). Diese Lügen haben einen Zweck: Emotionen zu erregen. Oft sind es Wut und Empörung, häufig aber auch das Gefühl des ungerecht behandelt Werdens. Oder auch: Die Opferinszenierung.

Um ihre radikalen Ansichten und Positionen rechtfertigen zu können, müssen sie sich als maximal unterdrückt und unfair behandelt darstellen. Siehe die rechtsextremen Identitären, die sich für Twitter glatt selbst aus einer Vorlesung warfen (Mehr dazu), gefälschte Fotos von zerstörten Wahlplakaten (Mehr dazu) oder den Fall Magnitz mit dem erfundenen „Kantholz“.

Fall Magnitz: Helfender Handwerker widerspricht der AfD-Darstellung

Es ist für ihre widersprüchliche Eigendarstellung (Retter des Abendlandes, aber auch Opfer) sehr wichtig, dass sie immer wieder – am besten von den „Linken“ und „Grünen“ – unfair behandelt wird. Und zerstörte Wahlplakate oder Infostände bieten sich da bestens an. Natürlich kann es dabei auch echte Vorfälle geben. Aber zerstörte Wahlplakate oder angegriffene Wahlbüros sind leider schon immer weit verbreitet und finden sich bei allen Parteien. Eine Nachfrage bei dem Büro der Linken in meiner Heimatstadt Augsburg lieferte auch eine lange Liste an Vorfällen, die jüngsten Farbschmierereien erst im April.

Das Opfernarrativ

Von körperlichen Auseinandersetzungen, zerstörten Ständen, Flyern und Plakaten kann jede Partei ein Lied singen. Die AfD ist jedoch die einzige, die ihren Wahlkampf darum konstruiert. Und dazu scheut sie nicht davor zurück, Vorfälle zu stellen, Unwahrheiten zu verbreiten und über Ereignisse zu lügen. Wie man auch jüngst in Fellbach sehen konnte. Die Opferdarstellung geht so weit, dass die AfD sogar die Opfer des Holocausts diffamiert, wenn sie ihren selbst zerlegten Infostand mit dem millionenfachen Mord vergleichen.

AfD fühlt sich „diskriminiert“ und hält sich für „die neuen Juden“ – Dass ich nicht lache!

Während dieses emotionale Narrativ bei ihren eigenen Anhängern effektiv ist und zur Radikalisierung beiträgt – Erst gestern wurde auf einem Treffen des teilweise vom Verfassungsschutz beobachteten AfD-Flügels um Björn Höcke die erste Strophe des Deutschlandliedes gesungen – so sollte das bei kritisch bleibenden Menschen den gegenteiligen Effekt haben. Den Eigendarstellungen der AfD ist einfach nicht zu trauen. Man muss immer davon ausgehen, dass sie Aussagen für Propagandazwecke erfinden oder Dinge absichtlich inszeniert haben, wie jüngst in Fellbach.

Die AfD zeichnet ein einfaches Bild von Gut und Böse, von der „bösen Antifa“ und der gebeutelten, aber rechtschaffenden AfD. Aber das ist falsch. Warum sonst hätte die Partei es so oft nötig, Dinge zu erfinden oder zu stellen? Die AfD betreibt ihren Wahlkampf mit einer inszenierten Opferdarstellung. Und das immer wieder mit Lügen und Übertreibungen. Es darf nicht zugelassen werden, dass sich dieses falsche Narrativ weiter verbreitet.

AfD fälscht eigene zerstörte Plakate – und ruft zur Verschandelung von anderen auf?

Ganzer Artikel von Beobachternews, Artikelbild: Andreas Scheffel / beobachternews.de

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Der Skandal um das Rammstein-Video, der keiner ist

Wie Rammstein einen Skandal simuliert oder der eigentliche woanders liegt

Okay, die letzten Tage wurde viel über den Teaser des neuen Musikvideos von Rammstein diskutiert. Die Empörungswellen schwappten hoch und am Ende, als das Video herauskam, ebbten sie schlagartig wieder ab. Soweit der aktuelle Stand. Die Diskussion geht darüber, ob das Dargestellte nun geschmacklos ist, eine Grenzüberschreitung war, ein gelungener Honigtopf oder clevere PR. Im Grunde muss man aber sagen: Nichts davon!

Dafür muss man das Video (Hier) auch nicht tiefer analysieren. Das haben einige auch schon getan. Interessanter ist es in der Tat, sich die Diskussionen selbst genauer anzusehen. Ein Tabubruch soll durch den Teaser angedeutet worden sein, aber selbst dort ist dieser ausgeblieben. Ein Vorwurf war, Rammstein würden die Grenzen des Sagbaren verschieben. Das suggeriert, NS-Zeit würde immer mehr zur Popkultur werden und nicht mehr mit der ihr gebührenden Ernsthaftigkeit verhandelt werden.



Dabei war es doch nie anders

Ob Filme wie Schindlers Liste, Das Leben ist schön oder Ähnliche, sie alle Verwursten den Holocaust wirtschaftlich und das sind noch die harmloseren Beispiele. In den 70ern gab es Filme, wie Ilsa She Wolf of the SS oder SS Death Camp. Ein ganzes Genre, das Sexploitation, also sexuelle Gewalt, in den NS Kontext stellte. In Israel gab es dazu noch die sogenannten Stalag Hefte. Eine kommerzielle Verwurstung hat somit nicht erst mit Rammstein begonnen und wird mit ihnen auch nicht enden.

Weder die Shoa noch Hitler sind in der Kunst oder Kultur wirkliche Tabubrüche. Sie sind die Behauptung von Tabubrüchen, wo die empörte Gegenöffentlichkeit bereits antizipiert und die kommenden Reaktionen bekannt sind. Somit war auch die PR nicht sonderlich spannend oder genial, denn im Grunde hat man sich einer Masche bedient, die inzwischen bekannt sein sollte. Man provoziert, dann wird zurück gerudert. Da es so vorhersehbar war, war es nicht mal ein Tabubruch, nur die Simulation eines Tabubruchs.

Worum wird nun also diskutiert?

Rammstein weiß, wie man Kritiker anlockt. Die Band ist letztendlich nur ein Schocker für Spießer, die Provokation immer nur reiner Selbstzweck. Und klar, dass man irgendwann immer extremer werden musste. Es war irgendwo absehbar, dass man den Mainstream dann auch mit solchen Bildern schocken musste – selbst wenn dann die Bilder aus dem Teaser letztlich im Gesamtkontext des Videos nicht mehr so drastisch wirken. Das Video selber ist überladener Bombast, in dem im Grunde die bekannte Rammsteinsäthetik aufgefahren wird. Fast schon abgeschmackt und fade, wenn man die Band seit ihren Anfängen kennt.

Da wäre es doch schön, wenn man all das ignorieren könnte. Nur kann man es nicht, denn die Diskussion muss geführt werden, denn jeder hat zum Holocaust eine Meinung, egal wie qualifiziert sie sein mag. Die Frage, ob Rammstein sich nun als KZ-Insassen präsentieren darf oder nicht ist keine, die sich kritisch mit der Kulturindustrie und ihrer Verwertung des Holocausts befasst. Sie käme dafür auch viel zu spät. Es fällt auf, wie rückwärtsgerichtet sie ist.

Wir sollten mehr an lebende Juden denken

Denn der Holocaust ist – laut der Kritiker – etwas ernstes. Wie ernst zeigt sich darin, dass dieser nicht angetastet werden darf. Er ist ein wichtiges Mahnmal an tote Juden, derer man erinnern kann, die einem durch die eigene Erinnerung Läuterung verschaffen. Er ist eine Vergangenheitsbewältigung, aus welcher aber keine Handlungen für das hier und jetzt abgeleitet werden. Wäre es anders, so würden Synagogen keinen Sicherheitsdienst benötigen (Quelle), Menschen mit Kippa würden nicht auf der Straße angegriffen (Quelle) – in dem Land, das aus seiner Geschichte gelernt haben will.

Die Darstellung von toten Juden ist in Deutschland wichtiger, als die Unversehrtheit der Lebenden. Für Rammstein war es ein Leichtes, bei so einer Gegenöffentlichkeit den gewünschten Effekt zu erzielen. Und wir führen eine Debatte darüber, ob Rammstein das darf. Eine Debatte, die genau so unwichtig ist, wie die Debatte darüber, ob man über Hitler lachen darf. Da beides geschieht – die kulturelle Verwurstung des Holocausts sowie das Lachen dürfen über Hitler – müssen wir es nicht besprechen. Schon gar nicht in Zeiten, wo auf den Staat, der Juden eine Zuflucht bietet, wieder Raketen abgefeuert werden (Quelle). Es gibt wirklich wichtigeres als Rammsteins Provokation und eine völlig egozentrische Diskussion über den Holocaust und Grenzüberschreitungen, die keine sind.

Artikelbild: Screenshot youtube.com; Rammstein

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Fail: AfD-Abgeordneter macht sich mit dieser Berlinale-Zusage lächerlich

Am Holocaust sind die Sozialisten schuld, oder? Warte, was?

Link

Berlinale-Direktor Dieter Kosslick hat die AfD zur Berlinale ins Kino eingeladen. Und zwar auf seine Kosten. Aber nur zu einem Film, nämlich „Das Geheimarchiv im Ghetto“. Ein Film über das Warschauer Ghetto und dessen Geheimarchiv, welcher schon zum Holocaust-Gedenktag am 27.01.2019 gezeigt wurde.

„Alle AfD-Mitglieder, alle Abgeordneten im Bundestag der AfD, werden kostenlos ins Kino dürfen. Von mir persönlich eingeladen. Ich bezahle jedes Ticket.“

Kosslick will damit der AfD nahe bringen, dass die 12 Jahre Naziherrschaft kein „Vogelschiss“ (Gauland) in der deutschen Geschichte sind. Während hingegen die Bundestagsfraktion der AfD empört reagiert: „Das ist eine Frechheit.“ Man brauche keinen „Nachhilfeunterricht“ (Quelle).



Kein Nachhilfeunterricht nötig?

Der Bundestagsabgeordnete Stefan Protschka beweist allerdings, wie wichtig dieser Nachhilfeunterricht wäre. Auf seiner Facebook-Seite nennt er die Gräueltaten Hitlers Folgen des „Sozialismus“.

„Der (inter-)nationale Sozialismus hat im 20. Jahrhundert millionenfaches Leid über die Welt gebracht. Eines der widerwärtigen Auswüchse war das Warschauer Ghetto. Daher danke ich dem #Berlinale Chef für die Einladung. #Sozialismus tötet. Umso erschreckender ist es, dass diese Ideologie breiten Fuß in großen Teilen der Gesellschaft gefasst hat, sei es bei der #SED Nachfolgepartei, im #grünen Gewand oder als Vertreter der #Arbeiterklasse (SPD) getarnt. Daher nehme ich die Einladung dankbar an, um ein Zeichen gegen Sozialismus jeglicher Art und für mehr Mitmenschlichkeit gegenüber Andersdenkenden zu setzen.“

Bitte was? Wer Faschismus, Sozialismus, Kommunismus, Stalinismus und Maoismus nicht auseinander halten kann, der braucht ganz dringend Nachhilfe in Politik und Geschichte. Es lohnt sich übrigens auch ein Blick in die höchst unterhaltsame Kommentarspalte unter seinem Post.

Herr Protschka hält also die NSDAP für eine sozialistische Partei. Steht ja auch so im Namen, „nationalSOZIALISTISCH“, also ist das Sozialismus! Klar doch! Die DDR hatte auch „demokratisch“ im Namen stehen. War die DDR demokratisch, Herr Protschka? Und die „Volksrepublik China“ ist eine Republik des Volkes. Die NSDAP war mit Sicherheit keine „sozialistische“ Partei, sondern eine nationalsozialistische Partei.

Lächerlicher Framing-Versuch

Definition laut Wikipedia: „Der Nationalsozialismus ist eine radikal bzw. extrem antisemitische, rassistische, nationalistische (chauvinistische), völkische, sozialdarwinistische, antikommunistische, antiliberale und antidemokratische Ideologie.“ Antikommunistisch?

Da der Sozialismus nach Marx die Vorstufe des Kommunismus ist, sollte sich Protschka wirklich nach einer guten Geschichtsnachhilfe ins Kino bewegen. Und wer dann noch Sozialismus bei SPD und Grüne vermutet und die LINKE heute noch ideologisch mit der SED in Verbindung bringt, der sollte sich wirklich endlich mit den Grundsätzen der gegenwärtigen Politik auseinandersetzen.

Fazit:

Die AfD hat Geschichts- und Politiknachhilfe dringend notwendig. Und deswegen sollte sich die Bundestagsfraktion nach diesen Aussagen doch noch ganz schnell für die Kinokarten melden, sie haben es alle bitter nötig. Danke Herr Kosslik für dieses Angebot! Sie haben den Mangel offensichtlich gut erkannt und Hilfe angeboten, doch leider sieht der Patient wohl nicht die Notwenigkeit ein. Wie war das mit Tod und Dummheit? Sowohl beim Tode als auch bei der Dummheit leidet nicht der, den es betrifft, sondern nur die um ihn herum.

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Warum wir nie aufhören dürfen, über den Holocaust zu reden

Ich habe mich noch vor 4 Jahren gefragt: „Wie konnte es dazu kommen?“

Heute kann ich zusehen, wie es kommen konnte. Wie Rhetorik und Populismus sich seinen Weg bahnt, die Grenze des Sagbaren immer weiter verschiebt. Die Grenze des Anstandes immer weiter ausgehöhlt wird. Der Holocaust ist unleugbar! Er hat Millionen Menschen in den Tod gerissen und das deutsche Volk hat damals zugeschaut. Ich kann und will nicht zuschauen.

Ich trage keine Schuld am Holocaust, aber als Angehörige des deutschen Volkes trage ich die Verantwortung, dass dies nie wieder geschieht. Wie schnell wir wieder bei Verallgemeinerungen sind, wie schnell ein neues Opfer ausgemacht wurde. Die Flüchtlinge oder noch allgemeiner, der „Islam“.
Wie schnell man als demokratisch geprägter Bürger in eine linksradikale Ecke gerückt wird, weil man den Antifaschismus als eine Säule unseres Staates begreift. Und Homophobie, Antisemitismus und Rassismus zutiefst ablehnt.



Wie konnte das geschehen?

Weil die guten Menschen, die Demokraten, die Gerechten zu still waren, der Staat sich nicht schützen konnte. Auch Hitler wurde demokratisch gewählt, aber das macht die NSDAP nicht zu einer demokratischen Partei. Die AfD ist auf dem Wege, den die NSDAP schon ging. Sie nutzen die gleiche Methoden, die gleichen Ängste und die gleiche Rhetorik. Noch ist es Zeit, noch kann sich der Staat wehren und die Beobachtung der AfD durch den Verfassungsschutz ist ein gutes Zeichen.

Dieser Satz Gaulands bei Maischberger könnte das Ende der AfD bedeuten

Es liegt jedoch auch an jedem einzelnen, sich zu positionieren, rassistische Sprüche nicht zulassen, Gegenrede zu leisten und dabei respektvoll und faktenbasiert zu bleiben. Denn was können wir den Lügen und dem Hass der AfD sonst entgegensetzen, als Fakten und Liebe? Hass gegen Hass ergibt nur noch mehr Hass. Das heißt aber nicht, dass man alles stehen lässt oder Verständnis für die Intoleranz zeigt.

Wenn wir es als Menschen einmal schaffen, uns zusammenzureißen, die Toleranz lieben und die Intoleranz bekämpfen, dann wären wir zu so vielem fähig. Ein Tag wie der gestrige Holocaust-Gedenktag ist so wichtig, um die Erinnerung an das Grausamste, was Menschen anderen Menschen antun können, zu erhalten.

Um zu verhindern, dass sowas wieder geschehen kann!

Wir sind die letzte Generation, bei der die Großeltern noch selbst davon erzählen konnte und ich habe gefragt und bekam Antworten. Ehrlich, ungeschminkt und für mich erschreckend. Diese Antworten müssen wir in Ehre halten und unseren Kindern weitergeben, denn sonst machen wir uns an den Opfern schuldig, schuldig sie vergessen zu haben. Bitte lasst uns gemeinsam erinnern und gemeinsam verhindern, dass das Gespenst des Faschismus Deutschland und Europa wieder in seine Gewalt bekommt.

Es liegt an uns!
#weremember

Artikelbild: pixabay.com, CC0

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10 Fälle, in denen die AfD den Holocaust verharmlost oder geleugnet hat

Nicht die AfD ist hier das Opfer

Das ekelerregendste Kunststück der AfD ist ja doch, dass sie aus einer Veranstaltung zum Gedenken der Opfer des Holocausts eine Veranstaltung für ihre eigene Opferinszenierung gemacht hat. Nachdem die  frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, die AfD völlig zu Recht kritisiert hatte, tat die AfD das einzige, was sie als politisches Werkzeug kennt: Eskalation. Und verließ den Saal (Quelle).

„Diese sogenannte Alternative für Deutschland gründet ihre Politik auf Hass und Ausgrenzung und steht nicht nur für mich nicht auf dem Boden unserer demokratischen Verfassung“, sagte Knobloch. Die AfD kann nicht über Andere hetzen und dann empört sein, wenn man darauf hinweist. Der Verfassungsschutz sieht das ähnlich (Mehr dazu).

Doch Knobloch hat nicht nur Recht – und bekam dafür von den demokratischen Abgeordneten des Parlaments Standing Ovations – ausgerechnet die AfD hat nicht das geringste Recht, ausgerechnet eine Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus zu missbrauchen. Denn gerade aus ihren Reihen kommen unzählige Verharmlosungen und Bewunderung für die NS-Zeit. Und vielfach Leugnung des Holocausts. Dass die AfD Täter ist, nicht Opfer, sollen diese Beispiele aus einer langen Liste zeigen.



1.) Holocaust soll ein „Mythos“ sein

Der AfD-Abgeordnete Wilhelm von Gottberg hat den Holocaust als „Mythos“ bezeichnet. Der rechtsextreme Politiker sagte laut ZEIT, er halte den Holocaust als „wirksames Instrument zur Kriminalisierung der Deutschen und ihrer Geschichte“. In einer Zeitung zitierte er einen italienischen Neofaschisten und bezeichnete den Holocaust als „Mythos“ und „Propaganda-Dampfwalze“ der „jüdischen ‚Wahrheit'“ (Anführungsstriche im Original!!) (Quelle).

2.) AfD-Mann Gedeon, Holocaust-Leugner

Der fraktionslose Abgeordnete im Stuttgarter Landtag Gedeon ist wegen antisemitischer Ausführungen sogar parteiintern kritisiert worden. Er hat laut Gericht, dass feststellte, dass Gedeon als „Holocaust-Leugner“ bezeichnet werden darf, einzelne Aspekte der Judenvernichtung in Frage gestellt (Quelle). Er hat auch das Holocaust-Denkmal kritisiert (Quelle).

3.) Höcke verharmlost Straftat der Holocaust-Leugnung

Auch der in den Augen des Verfassungsschutzes besonders verdächtige Björn Höcke, dessen faschistischer „Flügel“ die stärkste Kraft in der Partei ist (Mehr dazu) bezeichnete es als „schreiende Ungerechtigkeit“, dass das Leugnen des Holocausts eine Straftat ist. Er bezeichnet es als „Meinungsdelikt“, wenn jemand behauptet, dass die Nazis nicht Millionen Menschen ermordet hätten (Quelle).

4.) von Sayn-Wittgenstein soll Holocaust als „getürkt“ bezeichnet haben

Ein Mitarbeiter der AfD-Fraktion Schleswig-Holstein bezichtigt die abgesetzte Landesvorsitzende Doris von Sayn-Wittgenstein, den Holocaust geleugnet zu haben. So soll sie gesagt haben: „Diese Lager [Konzentrationslager] gab es gar nicht. Das ist alles von den Amerikanern und Engländern getürkt worden.“ (Quelle)

5.) 

Ein AfD-Politiker, Dirk Helms, Sprecher des Kreises Stormarn, behauptete in einer Rede in Schleswig-Hostein unter anderem, die Gaskammern im Konzentrationslager Dachau hätten die Alliierten gebaut. (Quelle) Der Landesverband hat sich später entschuldigen müssen. auch wenn der Referent verteidigt wurde.

6.) Noch eine Holocaust-Leugnung

2015 hatte der AfD-Lokalpolitiker Gunnar Baumgart unter anderem den Holocaust-Leugner Ernst Zündel in Schutz genommen und auf Facebook einen Artikel gepostet in dem behauptet wird, dass „kein einziger Jude“ durch „Zyklon B oder die Gaskammern“ ermordet worden sei. (Quelle)

7.) Hohmann-Affäre

Der damalige CDU-Politiker Martin Hohmann hielt zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2003 eine antisemitische Rede, die zu dessen Parteiausschluss führte. Er argumentierte darin, dass man die Juden ebenfalls als „Tätervolk“ bezeichnen könnte. Später trat Hohmann dann in die AfD ein (Quelle).

8.) Gedenken an NS-Opfer als „heuchlerisch“ bezeichnet

Bei einer Holocaust-Gedenk-Veranstaltung im Bundestag fiel die AfD besonders damit auf, dass sie als einzige oft nicht klatschte. Müller, vierter Parlamentarischer Geschäftsführer in der AfD-Bundestagsfraktion, blieb sogar nach einer Rede einer Holocaust-Überlebenden demonstrativ sitzen. Er empfand die Veranstaltung als „Instrumentalisierung“ und „heuchlerisch“ (Quelle).

9. „Denkmal der Schande“

Die absichtliche Doppeldeutigkeit, mit der Höcke das Holocaust-Denkmal in Berlin bezeichnet hat, wird ihm als antisemitisch ausgelegt. Er behauptet, er habe den Holocaust mit der „Schande“ gemeint, der Kontext seiner Rede lässt das jedoch nicht vermuten.

10. Holocaust-Leugnung einer AfD-Besuchergruppe

Eine Besuchergruppe der AfD in der Gedenkstätte Sachsenhausen soll unter anderem die Existenz von Gaskammern in Abrede gestellt haben. Man warf die Gruppe aus der Gedenkstätte. Die Polizei ermittelt. Die Besuchergruppe kommt aus dem Wahlkreis der AfD-Fraktionsvorsitzenden im Bundestag, Alice Weidel (Quelle).

Und vieles mehr

Die AfD hat auch noch viel öfter die Opfer des Holocaust verhöhnt oder die Ermordungen verharmlost (Hier, hier, hier, hier, hier oder hier). Diese Liste könnte man beliebig ergänzen. Der AfD ist der Holocaust egal oder sie leugnet dessen Existenz. Gleichzeitig zeigt sie viel Bewunderung für Hitler und die Nationalsozialisten:

21 Aussagen, die zeigen, wie rechtsradikal die AfD wirklich ist

Die AfD sollte sich unterstehen, ausgerechnet auf einer weiteren NS-Opfer-Gedenkveranstaltung als Opfer aufzuspielen. Sie ist kein Opfer. Sie tritt die Opfer mit Füßen. Und die Folge, dass Frau Knobloch jetzt Opfer von Drohungen und antisemitischen Beleidigungen wird, zeigt, wessen Geistes Kind die Partei ist.

Artikelbild: knipsdesign, shutterstock.com

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Seine Mitschüler zeigten alle den Hitlergruß, nur er nicht: Sein Statement

Eine high School in Wisconsin

Es ist gefährlich, wenn der Hitlergruß und wofür er steht zu einem Witz verkommen. Noch schlimmer, wenn unter diesem Vorwand eine Ideologie des Hasses wieder normalisiert werden soll. Ein Foto sorgt in den USA für Aufsehen, das eine Abschlussklasse fast geschlossen den Hitlergruß zeigen lässt. Dass nicht alle den Gruß als Scherz meinten, zeigten die Reaktionen und das „White power“-Zeichen, das auch zu sehen war. In einem Tweet der Gruppe feiern sie sich dafür: “We even got the black kid to throw it up“ („Wir haben sogar den schwarzen Jungen dazu gebracht, den Arm zu heben“).

Das Foto entstand anscheinend letzten Frühling und ist kein Einzelfall in den USA: Seit Donald Trumps Wahl zum Präsidenten gab es unzählige rassistische und nationalistische Vorfälle in den USA. Es ist also nicht ohne Kontext und nicht so „harmlos“, wie manche es darzustellen versuchen. Schule und LehrerInnen waren entsetzt, als sie vom Foto erfuhren. Die Polizei ermittelt nun. (Quelle)



Nur einer weigerte sich

Nur Jordan Blue ist zu sehen, der das Hass-Symbol verweigert, sichtbar ist ihm das unangenehm. Jetzt hat er ein Statement zum Vorfall gegeben: „Mein Name ist Jordan Blue, ich bin der Junge ganz rechts im Foto.“ Er erzählt, dass er das Foto nicht mehr verlassen konnte, bevor es geschossen wurde. Der Fotograf war es anscheinend, der die Jungs dazu aufforderte, den Gruß zu zeigen. „Ich weiß, was meine Moralvorstellungen sind und dazu gehört auch, nicht zu etwas den Gruß zu zeigen, woran ich nicht glaube.“ 

Er erzählt weiter, dass seine Mitschüler ihn die ganze Zeit gemobbt hatten, das er sein ganzes Leben bereits damit zu kämpfen hatte und sich nichts verändert hat.Das sind die Jungs vom Abschlussjahr 2019, nichts ist passiert und ich frage mich… Wird jemals etwas getan? Ich glaube wirklich, das wir eine Veränderung brauchen. Das muss aufhören. Mobbing, diese Unreife. Und solche Dinge als „Witz“ anzusehen.“ (Übersetzung der Redaktion)

Auch der offizielle Twitter-Account des „Auschwitz Memorial“ reagierte auf das Foto mit Entsetzen und Trauer: „Es ist so schwer, Worte zu finden. Genau darum arbeiten wir jeden Tag daran, die Menschen zu informieren. Wir müssen erklären, was passiert, wenn eine gefährliche Ideologie aufsteigt. Auschwitz und seine Gaskammern standen nur am Ende eines langen Prozesses der Normalisierung und dem Entgegenkommen von Hass. (Übersetzung der Redaktion)

Der Hitlergruß ist keine „harmlose Geste“, kein „Witz“. Wenn Menschen ihre Hass-Ideologie ungestraft zeigen dürfen, normalisiert das Hass und Hetze. So hat der Holocaust auch angefangen. Wir dürfen im Namen der Toleranz Intoleranz nicht akzeptieren. Und zuerst müssen wir den Mut zeigen, nicht mitzumachen. Deswegen brauchen wir mehr mutige Jungs wie Jordan. Der trotz allem zu dem stand, was er glaubte. Wir brauchen mehr wie ihn!

Artikelbild: Screenshot twitter.com

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Facebook sieht kein Problem an einer „Kopftuchverbrennung“ am 9. November

Hallo Facebook,

der 09. November war immer schon ein ereignisreicher Tag: Neben dem Fall der Mauer (1989) beginnt im Jahr 1330 die Schlacht bei Posada. Außerdem flieht der böhmische König Friedrich I. 1620 nach Breslau. 1918 beginnt die Novemberrevolution und 1729 wird der Krieg zwischen Spanien und England beendet. Weil dieser 09.11. immer so ereignisreich war, ist euch eventuell der 09.11.1938 durch die Lappen gegangen. Die Pogromnacht.

Kurz zusammenfasst: Im gesamten Deutschen Reich beginnt die Jagd auf Juden. Sie werden inhaftiert, in Konzentrationslager verschleppt, ermordet, in den Selbstmord getrieben. Ihr Eigentum wird verbrannt. Kurzum: Es war der Beginn, Deutschland „judenfrei“ zu machen. Nun finde ich zufällig eine Veranstaltung, auf Facebook, die am 09.11.2018 zur „Kopftuchverbrennung“ aufruft. Bundesweit.



Facebook löscht nach 20 stunden

Kaum Zusagen, immerhin. Aber gemeldet haben einige Facebook-Nutzer diese Veranstaltung trotzdem. Es ist zu offensichtlich, was mit diesem „Event“ gemeint ist. Eine religiöse Gruppe soll wieder mal gejagt werden. Das Kopftuch steht genau dafür symbolisch, falls noch immer jemand auf dem Schlauch steht. Und Facebook sagt: Die Veranstaltung verstößt nicht gegen die Gemeinschaftsstandards. Ich weiß nun nicht, wer das da genau geprüft hat, mehrfach, aber man muss wirklich fragen: Was soll das?!

Edit: Facebook hat reagiert und nun die Veranstaltung endlich gelöscht. Diese und weitere Erfahrungen hinsichtlich der Facebook-Gemeinschaftsstandards machen deutlich, wie sehr auch Facebook lernen muss, mit der sich ändernden Sprache umzugehen. Ich weiß aber auch, dass dort sehr gute Menschen arbeiten, die daran interessiert sind, etwas zum Positiven zu verändern.    

Artikelbild: Screenshot facebook.com

Facebook löscht Post über rassistischen Vorfall und sperrt das Opfer

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Zuckerberg: Holocaustleugner sollen auch ihre (falsche) Meinung sagen dürfen

Disclaimer: Das gilt natürlich nicht für Deutschland und Österreich

Mark Zuckerberg, Chef von Facebook und selbst Jude, findet die Leugnung des Holocaust „zutiefst beleidigend“, ist jedoch der Meinung, sein Unternehmen dürfe die Meinungsfreiheit der Holocaustleugner nicht beschränken und diese Beiträge automatisch löschen, solange man dies nicht aus einer antisemitischen Haltung heraus tue, wie er dem Technikblog Recode in einem Interview sagte.

Auch nach einem Einwand der Interviewerin, dass Holocaustleugnung in der Regel mit diffamierender Absicht geschieht, bekräftigt er, es sei schwierig, da Menschen häufig aus Unwissenheit heraus falsche Dinge behaupten, einschließlich ihm selbst. Solange damit niemand angegriffen werden solle, dürfe auch diese Aussage auf seiner Plattform stehen. Selbst wenn sich andere, einschließlich ihm selbst, dadurch beleidigt fühlen.




Diese Meinung bekommt viel Gegenwind. Die Bürgerrechtsorganisation Anti-Defamation League ist der Meinung, Facebook habe eine „moralische und ethische Verpflichtung“, die Verbreitung solcher Lügen zu stoppen. Rabbi Abraham Cooper, führendes Mitglied des Wiesenthal Centers, sagt, Zuckerberg habe „Unrecht“ und Holocaustleugnung sei klassische „Fake News“. Deren Verbreitung müsse gestoppt werden. In Deutschland und Österreich ist die Leugnung des Holocaust sogar strafbar. Facebook folgt diesen Gesetzen und löscht in diesen beiden Ländern Verbreitung dieser Lügen.

Danke an Mimikama, Artikelbild: pixabay.com, CC0

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