Kriminalität: So realitätsfern ist die „alternative“ Sicht der AfD-Wähler

LAUT afd seien 95% aller straftäter ausländer!

Eine Forschungsgruppe der Hochschule Macromedia und der Universität Leipzig hat 242 Pressemitteilungen der AfD aus dem Jahr 2018 analysiert. Anlass war eine Lüge des sächsischen AfDlers Maximilian Krah, der behauptete, von 60 vergewaltigten Frauen seien 56 Opfer von „Migranten“ geworden – was völlig frei erfunden war. Wir haben darüber seinerzeit berichtet:

So frech lügt die AfD über Kriminalität in Chemnitz

Solche glatten Lügen konnten die Forscher*innen nicht mehr finden, Gerüchte und Spekulationen blieben zumindest in den Pressemitteilungen die Ausnahme (auf Twitter und in persönlichen Äußerungen war das natürlich anders, wir haben da ja viel dokumentiert). Dennoch zeigen die 242 Pressemitteilungen, die sich mit strafbaren Handlungen befassen, ein völlig unrealistisches Bild und vermitteln AfD-Anhängern, die durch das Lügenpresse-Narrativ von anderen Medien ferngehalten werden, eine verzerrte Realität.

Mit Statistiken werde nicht gearbeitet und wenn doch, nur sehr selektiv. Vor allem nutze man medial wirksame Einzelfälle, erklärt Thomas Hestermann, Leiter des Projekts. Ziel ist die Bestärkung der der AfD dienlichen Narrative, der selektiven Dämonisierung ihrer Feindbilder und die andauernde Thematisierung von Flüchtlingen und Zuwanderern. Auffällig ist hierbei auch die skandalisierende und wertende Sprache.



AfD vs REalität

Die AfD fokussiert sich demnach überproportional auf terroristische Handlungen, Drogendelikte, Rohheitsdelikte, Sexualstraftaten und Tötungsdelikte. Eigentumsdelikte (wie Diebstahl oder Sachbeschädigung) und eine ganze Reihe anderer Straftaten wie Betrug sind stark unterrepräsentiert.

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Gerade Sexualdelikte (14,3% vs. 1,1%), Tötungsdelikte (18,7% vs 0,1%) und terroristische Handlungen 5,9% vs <0,01%) sind massiv überrepräsentiert. (Hier zur PKS 2018) Im Bereich Extremismus sind die Verhältnisse ebenfalls massiv verzerrt und irreführend verteilt.

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Während „Linksextremismus“ knapp mehr als die Hälfte aller Fälle ausmacht, die die AfD erwähnt, so sind in Wahrheit 56,6% aller politisch motivierten Straftaten von Rechtsextremisten begangen worden. Religiöser und „ausländischer“ Extremismus sind ebenfalls weit überrepräsentiert. Besonders dramatisch wird die Falschdarstellung bei der Darstellung der Nationalitäten von Tatverdächtigen. In 95% aller Fälle, in denen die Nationalität eines Tatverdächtigen erwähnt wird, handelt es sich bei der AfD um einen Nichtdeutschen.

Die PKS zeigt, dass selbstverständlich der Großteil aller Tatverdächtigen deutscher Nationalität ist. Bei insgesamt 50,7% aller Tatverdächtigen wird die Herkunft des Täters nicht bestimmt. Doch im Tandem mit ihrer Rhetorik soll suggeriert werden, dass es sich ebenfalls um Nichtdeutsche handelt. Die Kommentierenden gehen jedenfalls regelmäßig davon aus, wie man jederzeit sehen kann.

Hinweis: Wem die 34,5% viel vorkommen, der muss bedenken, dass hier ebenfalls Touristen, Reisende und Internetkriminalität hineinspielen, und dass auch hier lebende Menschen ohne deutschen Pass und Schutzsuchende unterschiedliche Gruppen sind. Erstere sind nicht nur die größere Gruppe, sondern zum größten Teil EU-Bürger. Wer mehr wissen will, kann hier unsere Analyse lesen:

Deutschland noch sicherer geworden: Die PKS 2018 zerstört die Panikmache der AfD

Verzerrte realität

Wer sich in der AfD-Filterblase befindet, muss zwangsläufig ein falsches Bild von der Realität bekommen. Begleitet werden die Pressemitteilungen schließlich auch durch unzählige Medienberichte in den geheimen Gruppen, sowie diverse Aussagen und Postings der AfD-PolitikerInnen. Die durchaus nicht davor zurückzuschrecken, Statistiken zu verdrehen oder Falschbehauptungen aufzustellen. Jüngstes Beispiel:

Sexuelle Belästigung in Schwimmbädern: So täuscht die AfD Sachsen ihre Wähler über Straftaten

Die Forscher stellen darüber hinaus fest, dass diese einseitige und verzerrte Darstellung, gepaart mit reißerischem Framing und fremdenfeindlichen Narrativen, dazu führt, dass größere Medien die Themen aufgriffen. Zuerst twitterte die AfD „Messerepidemie grassiert!“, wenige Tage später titelte die BILD-Zeitung: „Was tun gegen die grassierende Messer-Epidemie?“ (Es gibt keine „Messerepidemie“, mehr dazu) Die BILD fiel mehrfach auf, da sie Themen und sogar Begriffe der AfD 1:1 aufgriff. Besonders kritisierenswert ist die Tatsache, dass sie in ihren Kommentarspalten unmoderiert hetzen lässt.

So widerlich reagieren BILD-Leser auf Hakenkreuze auf Zäunen von Ramadan-Festival

Während 2014 lediglich 4,3% aller TV-Medienberichte über Gewaltkriminalität von Nichtdeutschen berichteten, waren es 2017 bereits 16,4%. Auch ist die AfD nicht die einzige, die viel seltener über deutsche Tatverdächtige berichtet. Auch deutsche Medien sehen in der Tatsache, dass es sich beim Täter um einen Ausländer handelt, höheren Medienwert. Wir berichteten auch im Dezember über zwei Fälle, in denen es beides Mal um die Vergewaltigung einer 14-Jährigen ging. Der (wie sich später herausstellte) unschuldige Schutzsuchende kam auf alle Titelseiten, der verurteilte deutsche Täter nicht.

Vergewaltigung von 14-jähriger: Diese elende Heuchelei der Medien muss ein Ende haben

Fazit

Die um Aufmerksamkeit heischende Medienlandschaft verzerrt ohnehin schon die Häufigkeit verschiedener Delikte und Tätergruppen, und in der Darstellung der AfD ist dieser Trend noch extremer. Während man zumindest in offiziellen Pressemitteilungen selten direkt lügt, so pickt man sich vor allem Einzelfälle heraus und stellt Statistiken falsch oder nur teilweise dar, um so ein falsches Bild zu erzeugen, das die eigene, fremdenfeindliche Politik zu rechtfertigen versucht.

Ziel ist die Untermauerung, Rechtfertigung und Befeuerung von fremdenfeindlichen Einstellungen und damit der eigenen Politik. Zusammen mit der Diskreditierung jeglicher Berichte, die ein gegenteiliges (und realistischeres) Bild zeichnen („Lügenpresse“), wird dafür gesorgt, dass die eigenen Anhänger nicht nur vom vermeintlichen Problem erfahren, sondern gleich auch wissen, wer der Schuldige ist und was man tun muss, um das aufgeblähte Problem zu lösen – AfD wählen.

Artikelbild: Roman Samborskyi, shutterstock.com, Grafiken: Volksverpetzer

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Die Polizei Sachsen macht Nazis auf Twitter fertig & widerspricht Fake News

Vor wem müssen wir geschützt werden?

Seit einiger Zeit marschiert die NPD in Sachsen mit roten Westen für einen PR-Stunt durch Mittelsachsen (Quelle). Sie wollen so „Schutzzonen“ gegen die bösen Ausländer errichten. In Sachsen, das fast den niedrigsten Ausländeranteil von ganz Deutschland hat mit 4,2% (Quelle). Die Rechtsextremen versuchen verzweifelt, wieder in die öffentliche Aufmerksamkeit zu gelangen. Doch mit ihren „Schutzzonen“ machen sie sich eher lächerlich, während sie einmal durch Wernigerode marschieren.

Doch diese Anmaßung und das Verbreiten der Lügen durch die Rechtsextremen auf Twitter wollte die Polizei Sachsen nicht stehen lassen.



SAchsen so sicher wie seit 10 JAhren nicht mehr

Die NPD hat also nicht nur gelogen, sondern die Polizei beleidigt. Keine gute Idee. Die Nazis ließen aber nicht locker und ritten sich noch weiter hinein:

Autsch! Und um die Pointe der Polizei noch zu ergänzen: Sachsen ist so sicher wie seit 10 Jahren nicht mehr. Die Gewaltkriminalität ist zurückgegangen, die erwähnte Grenzkriminalität ist auch auf einem Tiefstand. Und bevor es die Nazis erwähnen: Auch die Straftaten von „Zuwanderern“ sind zurückgegangen (Quelle). So sieht es übrigens in ganz Deutschland aus, das so sicher ist wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr:

Deutschland noch sicherer geworden: Die PKS 2018 zerstört die Panikmache der AfD

Welche Kriminalität in Sachsen übrigens zugenommen hat? Politisch motivierte Kriminalität, die zu 2/3 von Rechtsextremen begangen wird. Also von genau denen, die angeblich „Schutzzonen“ in einer sächsischen Kleinstadt errichten wollen. Liebe Polizei und lieber Verfassungsschutz, könntet ihr bitte auch Schutzzonen vor Rechtsextremen errichten? Danke!

Artikelbild: Lan Images, shutterstock.com, Screenshot twitter.com

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Migrationshintergrund: Ich bin der Beweis, dass die AfD nur rassistischen Unsinn redet

Die Ideologie der AfD ergibt keinen sinn

Die AfD sind Rassisten. Don’t @ me. Ich kann es euch beweisen. Und lassen wir mal die hunderte Kommentare und Aussagen aus Interviews, Social-Media-Posts und Parteiprogrammen weg. Dazu haben wir hier, hier oder hier oft genug Beweise gesammelt. Schauen wir uns einmal an, was denn die AfD generell unter „Ausländern“, „Deutschen“ und „Migrationshintergrund“ versteht. Und warum das völlig sinnloser Blödsinn ist und nur Sinn ergibt, wenn man ein Rassist und Faschist ist.

In der Welt der AfD gibt es nur weiße „Bio-Deutsche“ und nicht-weiße „Migranten“. „Migrationshintergrund“ ist dort synonym mit „Ausländer“, ist synonym mit „Muslim“ (ist synonym mit „Flüchtling“, aber ignorieren wir das mal). Dabei sind das völlig verschiedene Dinge. Und weil es keine einheitliche, sinnvolle Definition vom vagen Feindbild der AfD gibt, kann man es auch so schwer widerlegen.

Denn einmal beschweren sie sich über die Anzahl der Muslime (5%-6%), dann wieder über die Anzahl der Ausländer (10,6 Mio, Quelle), dann wieder über Menschen mit Migrationshintergrund (19,3 Millionen, 23,6%), die in Deutschland leben. Dabei sind das völlig unterschiedliche Gruppen, die sich dazu natürlich manchmal überschneiden. Das ergibt alles gar keinen Sinn. Es sei denn, man ist Rassist.



Kommen wir zu mir

Vorweg: Ich will mir auf gar keinen Fall anmaßen, zu wissen, wie sich rassistische Diskriminierung anfühlt oder mich zu einer Gruppe zählen, zu der ich nicht gehöre. Ich bin ein weißer, cismännlicher, heterosexueller Deutscher mit deutschem Pass, Namen und Muttersprache. Ich bin blond und blauäugig und hab einen Universitätsabschluss. Ich bin vergleichsweise sehr privilegiert. Und ich bin so ziemlich der Letzte, den die AfD mit „Migrant“ meinen würde. Und hier ist der Knackpunkt, denn technisch gesehen habe ich einen Migrationshintergrund. Und zähle so in die Statistik hinein, über die die AfD meckert.

Meine Großeltern waren Deutsche und sind in Deutschland geboren. Und ohne dass meine Großeltern ihre Heimatstadt verlassen haben („Migration“) sind meine Eltern aber als Polen geboren. Was? Wie? Für diejenigen, die eine Auffrischung in Geschichte brauchen: Meine Familie stammt aus Oberschlesien, das nach dem Zweiten Weltkrieg zu polnischem Staatsgebiet wurde. Meine deutschen Großeltern lebten plötzlich in Polen und meine Eltern wuchsen so auf.

Um den Mauerfall herum flohen meine Eltern dann nach Deutschland und beantragten die deutsche Staatsbürgerschaft, die sie natürlich problemlos bekamen. Und ich bin hier geboren und aufgewachsen und habe nichts mit Polen zu tun. Aber meine Eltern sind „Spätaussiedler“ und ich habe somit einen „Migrationshintergrund“. Genau so wie 3,2 Millionen andere, die heute in Deutschland leben.

Und vergessen wir nicht die Millionen anderen Menschen, die auch mit anderer Hautfarbe oder „anderem“ Vornamen absolut deutsch sind, perfektes Deutsch sprechen, hier geboren sind und so weiter. Sie sind teilweise deutscher und gesetzestreuer als diejenigen, die Menschen in einer #Abschiebechallenge aus dem Land werfen wollen, in welchem sie geboren wurden oder als deutsche Staatsbürger mit nicht deutschem Geburtsort leben.

So genial rechnet Dunja Hayali mit der #Abschiebechallenge ab

Ausländer, Migranten, Muslime

Und nein, ich identifiziere mich nicht als „Migrant“ oder möchte behaupten, dass ich die gleichen Erfahrungen gemacht habe wie andere. Dass ich Rassismus erfahre oder dergleichen. Genau im Gegenteil. Damit will ich ja zeigen, dass diese Definition und dieses Konzept nicht funktionieren. Ich habe kein Anspruch darauf, bei #vonhier oder #metwo mitzumachen. Auf gar keinen Fall.

Genau deshalb ist der Fingerzeig auf Menschen mit „Migrationshintergrund“ so ein Blödsinn. Von den 19,3 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund sind 9,8 Millionen Deutsche, entweder mit eigener Migrationserfahrung oder deren Nachkommen (Quelle). Es gibt sogar 1,5 Millionen Ausländer OHNE Migrationshintergrund in Deutschland. Wenn die AfD über „Migrationshintergrund“ brüllt und ein bestimmtes Bild erzeugen will, zieht sie viele Deutsche mit rein, mich eingeschlossen, die sie gar nicht meint. Und auch relativ viele AfD-Mitglieder und Wähler*innen wohlgemerkt. Der Moment, wenn man unbewusst gegen sich selbst hetzt.

Paradox: Diese 7 Flüchtlinge und Migranten sind in der AfD

Und wenn jetzt ein AfDler einwendet, dass es gar nicht um Staatsangehörigkeit ginge, sondern zum Beispiel um Islam: Warum redet ihr dann von „Herkunft“, „Migrationshintergrund“ und „Migranten“? Ich habe gerade gezeigt, dass die Hälfte der Menschen mit Migrationshintergrund weiße Deutsche sind. Und zwar „Bio-Deutsche“, auch wenn die Unterscheidung Blödsinn ist. Wie gesagt, 5%-6% der Bevölkerung sind Muslime (und davon auch weiße Deutsche ohne Migrationshintergrund). Aber keine Kriminalstatistik weist die Religionszugehörigkeit aus. Also warum darüber reden?

Und die AfD fragt bei Straftaten nach „ausländisch klingenden“ Vornamen, nicht nach der Religion. Außerdem gibt es auch Muslime in Deutschland, die hier seit Generationen leben. Die erste Moschee in Deutschland wurde immerhin 1732 gebaut, verdammt nochmal (Quelle). Und auch die „Nicht-Deutschen“ in Deutschland sind nicht nur Muslime. von den 10 Millionen sind 4,3 Millionen EU-Ausländer, 2,8 aus dem sonstigen Europa, 2 Millionen aus Asien. Alles keine mehrheitlich muslimischen Länder oder Kontinente. Das alles ergibt keinen Sinn.

„Migrationshintergrund“ und Staatsangehörigkeit sind fiktive Kategorien

Diese ganzen Begriffe bedeuten nicht das, was die AfD denkt, was sie bedeuten. Sie wirft die Begriffe durcheinander und verwendet sie nach Gutdünken, um zu hetzen. Lernt es endlich, die Welt ist nicht so simpel, wie ihr das glaubt. Die einzige Erklärung, wie die Konzepte der AfD Sinn ergeben, ist, wenn sie rassistisch gemeint sind. Wenn damit eben Nicht-Weiße gemeint sind. Denn die AfD meint mit „Migrant“ nicht mich, nicht den französischen Touristen und nicht den Russlanddeutschen. Auch wenn sie gerne unsere Straftaten in den Statistiken hernehmen, um gegen ihr Feindbild zu hetzen.

Das ist das Problem des „Ethno-Pluralismus“ (Mehr dazu) und auch des Vorgängers davon: Der Rassenideologie. „Staatsangehörigkeit“ ist ein erdachtes Konzept, das nichts mit der Realität zu tun hat. Staaten und Grenzen haben sich immer verändert und Menschen haben diese schon immer ignoriert und überwunden. Staatsangehörigkeit ist ein notdürftiges legales Konzept, um eine funktionierende Gesellschaft zu haben. Menschengemacht. Aber letztlich ist es völlig egal, wer dazu gehört.

So sagt es auch das Grundgesetz: Deutscher ist, wer die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt. Fertig. Und die Kriterien dafür sind auch relativ schnuppe, nur sollte diese Person halt das Grundgesetz und das Gesetz achten und seine Steuern zahlen. Mehr braucht man doch auch nicht, um ein funktionierender Bürger zu sein. Es gibt keine biologischen oder kulturellen oder erblichen Merkmale, die Unterschiede machen. Und wer das glaubt, der ist halt einfach ein Rassist und Faschist und Nazi. Ganz einfach. Der Christchurch-Attentäter hat genau diese Sachen geglaubt. Man sieht doch, wohin das führt.

6 Dinge, die der Christchurch-Terrorist mit AfD & Co. gemeinsam hat

Die AfD ist rassistisch und Rassismus ist dumm

Genau deswegen ist das Konzept vom „Passdeutschen“ auch Schwachsinn (Mehr dazu). Oder „Migrationshintergrund“. Deutscher ist Deutscher. Bildet euch nicht so viel darauf ein. Und wer mit „Deutscher“ „Weißer“ meint,, ist halt ein Rassist. Die Hautfarbe ist eine ziemlich dämliche und willkürliche Unterscheidungsform. Ich muss glaub ich niemanden eine Biologie-Lektion erteilen, wenn ich daran erinnere, dass alle Menschen genetisch näher verwandt sind als die zwei größten Schimpansenarten Afrikas.

Nein, ich bin kein „Migrant“. Ich erlebe keinen Rassismus. Keiner fragt mich, woher ich komme. Weil „Migrationshintergrund“ Schwachsinn ist. Wie weit will man denn zurück gehen? 2 Generationen? 3? 500? Am Ende kommen wir doch alle aus Afrika. Jede Definition und Abgrenzung ist zufällig und nicht vollständig. Es geht nur um künstliche Kriterien des Aussehens.

Wir sind alles Menschen, die sich zufällig in Nationen aufteilen. Und diese Staatsangehörigkeiten sind relativ willkürlich festgelegt. Ich hoffe, ich konnte das an meiner eigenen Biografie belegen. „Ethnie“ oder „Kultur“ sind nur die neuesten, trendigen Buzzwörter der Faschisten um davon abzulenken, dass sie doch wieder Rassenreinheit und den Arierausweis haben wollen. Ignorieren wir sie, denn das Konzept haben wir schon mal ausprobiert. Wer auf dieser Grundlage argumentiert, sollte nicht mehr ernst genommen werden. Und auch nicht in Talkshows eingeladen werden. Denn es sind einfach Rassisten.

Artikelbild: Thomas Laschyk, Screenshots twitter.com

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Skandal! Die Wahrheit über die LÜGENPRESSE & Dunja Hayali aufgedeckt!!1

Ist das wirklich euer ernst?

Die „Lügenpresse“ muss wohl exzellente Arbeit leisten, wenn den Rechten kein anderer „Skandal“ auffällt als der hier. Es ist so völlig egal, dass ich diesen Artikel zunächst gar nicht schreiben wollte. Aber dann wiederum ist die Aufregung so dumm, so inhalts- und belanglos, dass eigentlich als exzellentes Beispiel dafür fungiert, wie realitätsfern und inhaltsleer die rechten Hassgruppen auf Facebook inzwischen sind.

Vor fast 3 Wochen (Schnell sind sie also auch noch) interviewte Dunja Hayali die Co-Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion Weidel im Morgenmagazin (Zur ganzen Sendung). Weil Frau Hayali etwas kleiner ist als Frau Weidel stand sie auf einem kleinen Podest. Was weder ein Geheimnis ist, noch unüblich. Das hat auch nichts mit Ego zu tun, sondern ist ganz normal, vor allem damit die Kameras einfach von einer Person zur anderen schwenken können. So weit, so unspektakulär.



„ja, ich gestehe: wir faken“

Doch halt nein, das ist doch ein handfester Skandal! Und überhaupt LÜGENPRESSE! Deswegen wurde dieser fiese Trick, der die ahnungslosen Zuschauer*innen hinters Licht führen soll auch von einer mutigen Journalistin aufgedeckt. Von Dunja Hayali selbst.

Doch irgendwie ist Frau Hayali zu einem Reizthema bei den irrationalen Lügenpresse-Rufern verkommen. Denn fast drei Wochen später (!!) kursiert das von Hayali selbst gepostete (!!) Foto plötzlich in den rechten Gruppen. Und das ist ganz klar der „Beweis“ für die „Lügenpresse“ und voll schlimm und so. Die Verbreitung sieht dann übrigens so aus:

Und die Reaktionen sehen so aus:

Screenshots DieInsider

Oh nein, Hayali stand auf einem PODEST, wir müssen jetzt die AfD wählen! Die Logik muss man mir nach einer Hirnamputation noch mal erklären. Nochmal das war ein Gespräch über die immer weiter ausartenden Spendenskandale und illegalen Parteispenden der AfD. Wieso ist das nochmal ein Grund, die AfD zu wählen? Und wenn es wirklich ums Ego ginge: Hätte sich dann Frau Hayali nicht größer gemacht als Frau Weidel? Was soll der Sinn sein, sich auf ein Podest zu stellen, um dann immer noch kleiner zu sein? HAT DENN NICHT EINER MAL EINE SEKUNDE NACHGEDACHT.

Aber rechten Fake News glauben

Und hier liegt doch die ganze Absurdität des Ganzen. So etwas, das Frau Hayali auch noch als Scherz verbreitete (!) wird gekünstelt zu einem Skandal stilisiert. Die Öffentlich-Rechtlichen Medien müssen wohl verdammt gute Berichterstattung machen, wenn sich wirklich keine schlimmeren Sachen finden lassen. Und es sind die gleichen Leute, die jeden Tag OFFENSICHTLICHE LÜGEN und Fake News unhinterfragt verbreiten.

Dunja Hayali wird pauschal nicht geglaubt, aber rechten Blogs wie „Tichys Einblick“, der mit zum Beispiel dieser jüngsten Schlagzeile regelrecht seine Leser*innen verarscht, wird geglaubt, ohne den Artikel anzuklicken:

Das ist intellektuell sol unehrlich. Die Kriminalität ist in Wahrheit gesunken. Insgesamt, aber auch die Anzahl der verdächtigen „Zuwanderer“ ist gesunken, gesamt und sogar proportional. Zuwanderer sind also WENIGER kriminell geworden. Genau das Gegenteil. Aber es gab 1% mehr Gewaltkriminalität unter Zuwanderern. Und daraus wird das konstruiert. Tichy glaubt, damit durchzukommen, weil er gleich im ersten Absatz die Realität zugibt, aber keine Interpretation der Realität lässt so eine Schlagzeile rechtfertigen. Hier die Realität:

Deutschland noch sicherer geworden: Die PKS 2018 zerstört die Panikmache der AfD

Doch er weiß, dass seine Leser*innen nur die Überschrift lesen werden und sich diese Botschaft merken. Und das sind diejenigen, die in einem blöden Podest und einem Scherz Hayalis die „Lügenpresse“ riechen. So viel dazu.

Artikelbild: © Raimond Spekking,CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

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Deutschland noch sicherer geworden: Die PKS 2018 zerstört die Panikmache der AfD

Sorry, AfD!

Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2018 (Hier Link) wurde vorgestellt. Zum zweiten Mal in Folge geht die Zahl der in Deutschland verübten Straftaten zurück, auch die Anzahl der Tatverdächtigen ist gesunken. Damit ist Deutschland eines der sichersten Länder der Welt (Quelle). Ein krasser Gegensatz zu dem, was in der rechtsextremen Filterblase kommuniziert wird. Deswegen sind diese Fakten eine Hiobsbotschaft für die AfD. Und sollten weitläufig verbreitet werden. Wir erklären hier alles Wissenswerte zur PKS 2018.

Zunächst ein paar Hinweise zur PKS. Bei den Zahlen handelt es sich ausnahmslos um Tatverdächtige, nicht um Täter. Die PKS beruht auf dem Erkenntnisstand bei Abschluss der polizeilichen Ermittlungen, welche in einiger Hinsicht ihre Aussagekraft begrenzen: Erstens hängt sie stark vom Anzeigeverhalten der Bevölkerung ab, das stark variieren kann.

Auch hat die Kontrollintensität der Polizei einen Einfluss – Mehr Polizeipräsenz in einem Bereich führt zu mehr angezeigten und aufgedeckten Straftaten. Das BKA sagt hierzu: Die PKS ist „somit kein getreues Spiegelbild der Kriminalitätswirklichkeit, sondern eine je nach Deliktsart mehr oder weniger starke Annäherung an die Realität.“ Aber es sind die besten Zahlen, die wir haben.



Gewaltkriminalität und vergewaltigungen gesunken

Bereits im Vorjahr war die Kriminalität gesunken, jetzt erneut. Es wurden 3,6% weniger Straftaten registriert (5,55 Mio) und 2,9% weniger Tatverdächtige (2,05 Mio). Gewaltkriminalität ist um 1,9% zurückgegangen, Vergewaltigung, Nötigung und sexuelle Übergriffe sind um 18,2% zurückgegangen. Diebstahlkriminalität um 7,5%, gefährliche Körperverletzung um 0,2% und einfache um 1,2%. Ebenso Nötigung (-1,3%, Bedrohung (-0,2%), Straßenkriminalität (-6,0%) und Straftaten gegen die persönliche Freiheit (-0,3%).

Mord, Totschlag und Tötung auf Verlangen sind jedoch um 3,9% gestiegen, ebenso wie „sexueller Missbrauch von Kindern“ um 6,7%. Ansonsten stieg lediglich Tankbetrug (1,3%), Urheberrechtsverletzungen (11,6%), sowie Wettbewerbs- und Korruptionsdelikte (3,1%) an. Generell gingen sonst alle Arten an Straftaten zurück. Das sollte eigentlich ausreichen, um Panikmache Lügen zu strafen, doch die AfD zeigt natürlich mit dem Finger auf bestimmte Gruppen, deshalb schauen wir die uns mal an.

Flüchtlinge, Zuwanderer, Ausländer

Zuerst einmal: Die AfD verwendet viele Begriffe synonym. Da werden Muslime, Flüchtlinge, Asylbewerber, Deutsche mit Migrationshintergrund oder einfach dunkler Hautfarbe uvm. einfach in einen Topf geworfen. Wenn man ein einfach zu hassendes Feindbild kreieren will, ist das vielleicht sinnvoll. Nicht, wenn man seriös über Kriminalität und Sicherheit reden will. Aber eines vorweg: Deutsche mit Migrationshintergrund sind Deutsche. So steht das in unserem Grundgesetz: Wer einen deutschen Pass hat, ist Deutscher. (Mehr dazu)

In den Statistiken wird von „Zuwanderern“ gesprochen. Das sind Asylbewerber, Menschen mit einer Duldung, „Kontingent- bzw. Bürgerkriegsflüchtling“ und Menschen die keine gültige Aufenthaltserlaubnis haben, sich also „unerlaubt“ in Deutschland aufhalten. Anerkannte Asylbewerber fallen auch darunter, aber laut Zahlen aus dem Vorjahr lässt sich feststellen, dass diese damit nicht nur unterdurchschnittlich kriminell (Mehr dazu), sondern auch den größten Teil der Menschen ausmachen, die nach 2015 nach Deutschland flohen und noch hier leben. Ein anerkannter Asylbewerber sollte von anderen „Zuwanderern“ unterschieden werden. Warum das so ist erkläre ich später.

Die PKS unterscheidet also nach Deutschen, Nichtdeutschen und unterteilt letzteres noch in „Zuwanderer/innen“. Unter „Nichtdeutsche“ fallen alle Arten an Menschen ohne Deutschen Pass, wie Ausländer, die hier leben, Touristen oder Geschäftsreisende. Deutsche mit Migrationshintergrund sind auch Deutsche, auch wenn der AfD das nicht passt. Aber der Großteil derjenigen hat sowieso einen EU-Hintergrund oder ist Spätaussiedler, was die AfD auffälligerweise nicht stört.

Kriminalität von Zuwanderern und Ausländern zurückgegangen

Die Kriminalität von Nichtdeutschen ist um 3,8% zurückgegangen und damit noch stärker als von Deutschen (-2,9%). Die tatverdächtigen „Zuwanderer/innen“ sind sogar um 6,3% im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Sogar proportional ist der Anteil von nichtdeutschen Tatverdächtigen und von Zuwanderern gesunken. Rechnet man ausländerrechtliche Verstöße heraus, bleibt der proportionale Anteil gleich dem Vorjahresniveau, aber gesamt sanken die Tatverdächtigenzahlen für Nichtdeutsche (-1,7%) und „Zuwanderer“ (-0,9%) ebenfalls.

Die Anzahl der Gewaltkriminalität unter Nichtdeutschen ging um 0,1% zurück, aber bei „Zuwanderern“ stieg sie um 1,4% an, „Mord, Totschlag und Tötung auf Verlangen“ stieg insgesamt um 3,9%, davon waren 3,3% des Anstiegs bei Deutschen, 6,5% bei Nichtdeutschen und 5,4% bei „Zuwanderern“. Vergewaltigungen gingen bei Nichtdeutschen um 10,9% zurück, bei „Zuwanderern“ um 12,0%“ und bei Deutschen um 16,6%.

Proportionen und Opfer

Ein Mensch, der verzweifelt nach Gründen sucht, um Schutzsuchende oder Migranten in ein schlechtes Licht zu rücken könnte an dieser Stelle auf die Proportionen verweisen und feststellen, dass diese im Vergleich zu den Deutschen überproportional kriminell seien. Und das stimmt auch. Aber das rechtfertigt weder fremdenfeindliche Politik noch Angst vor Kriminalität, wie ich gleich erklären werde.

Beispiel: Die aktuellen Zahlen für „Kriminalität im Kontext von Zuwanderung“ (Quelle) zeigen, dass bei 3007 Straftaten gegen das Leben (auch nicht vollendete) 430 „Zuwanderer“ beteiligt waren. Davon waren 188 Opfer selbst „Zuwanderer“ oder Schutzsuchende und 230 Opfer waren Deutsche. Hier sei hinzugefügt, dass 81 davon zum Anschlag auf den Breitscheidplatz 2016 zählen (!), da diese Tat erst 2018 in die Statistik aufgenommen wurde. Bei anderen Straftaten sieht es ähnlich aus.

Es handelt sich allesamt um sehr geringe Zahlen, wobei natürlich selbstverständlich ist, dass jede (auch versuchte) Tötung und Vergewaltigung etc. schrecklich ist. Doch bei der geringen Anzahl an Menschen, die unter die Definition „Zuwanderer“ fallen und insbesondere die vergleichsweise geringe Zahl an Straftaten sind größere Schwankungen in den Proportionen zu erwarten. Darüber hinaus treffen diese Straftaten oft auch andere „Zuwanderer“ und Schutzsuchende – Falls man mit „Sicherheit für Deutsche“ argumentieren wollen würde.

Jung, männlich, unsichere lage

Wie kriminell ein Mensch ist, hängt nicht damit zusammen, was er für eine Hautfarbe hat. Was nachweislich für Kriminalität relevant ist, sind nun mal das Geschlecht, sprich: Männlichkeit (75% aller Tatverdächtigen, 86% aller Tatverdächtigen „Zuwanderer“ der PKS), Alter und soziale Situation (ob du arm bist, Arbeit hast, etc.).

Und demzufolge müssen „Zuwanderer“ rein statistisch gesehen schon krimineller sein, weil ihr Anteil an sozial schlechter gestellten Männern zwischen 20 und 40 größer ist als in der durchschnittlichen deutschen Bevölkerung12% der Deutschen sind zwischen 20 und 40 und männlich. Bei Asylbewerbern liegt der Anteil an Männern im Alter zwischen 18 und 40 bei 30,8%. (Stand: 08/17; Deswegen sind übrigens tatsächlich nur weniger als 1/3 der Asylbewerber „junge Männer“, mehr dazu).

Und sozial schlechter gestellt sind sie allemal: Diejenigen, die zur Gruppe der „Zuwanderer“ gezählt werden, können und dürfen größtenteils nicht arbeiten, zusätzlich zu dem Faktor, dass sie sich auf der Flucht befinden und kulturelle, sprachliche und psychische Barrieren überwinden müssen, ist ihre soziale Situation selbstverständlich weitaus gravierender als die der Durchschnittsdeutschen und daher anfälliger für hohe Kriminalität.

Das BKA schreibt dies selbst:

„Diese Ergebnisse dürften „nicht mit der tatsächlichen Kriminalitätsentwicklung gleichgesetzt werden. Sie lassen auch keine vergleichende Bewertung der Kriminalitätsbelastung von Deutschen und Nichtdeutschen zu. Einem wertenden Vergleich zwischen der deutschen Wohnbevölkerung und den sich in Deutschland aufhaltenden Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit stehen (auch) das doppelte Dunkelfeld in der Bevölkerungs- und in der Kriminalstatistik sowie der hohe Anteil ausländerspezifischer Delikte und die Unterschiede in der Alters-, Geschlechts- und Sozialstruktur entgegen.“

PKS taugt nicht für hetze

Und noch etwas: Dass eine Minderheit jeglicher Art überdurchschnittlich kriminell ist, macht niemanden unsicherer. Die Gesamtzahl aller Straftaten ging zurück, die Zahl der Tatverdächtigen „Zuwanderer“ ging zurück, die Zahl der Gewaltkriminalität, die Zahl der Vergewaltigungen und so weiter. Damit werden alle sicherer, denn ein Opfer interessiert es recht wenig, ob es von einem Deutschen oder einem Syrer vergewaltigt wird, oder? Beide Straftaten sind gleich verwerflich.

Dass eine Gruppe überproportional vertreten ist mach erstens die über 98% (anerkannte Asylbewerber) oder über 91% („Zuwanderer“) Unschuldigen, die in diese Gruppe fallen, nicht mitverantwortlich und zweitens ist es unsinnig, sich auf z.B. ein Zehntel aller Straftaten zu konzentrieren und die restlichen 90% zu ignorieren, wenn man angeblich mehr Sicherheit möchte. Nach der gleichen Logik könnte man Berliner abschieben wollen, da diese überdurchschnittlich kriminell sind:

91 Getötete, 607 Vergewaltigungen und sie sind überdurchschnittlich kriminell!

22,6% aller Opfer sind Nichtdeutsche, 4,6 % aller registrierten Opfer waren Asylbewerber/Flüchtlinge. Es ist unsinnig zu versuchen, eine „Wir-gegen-Die“ Dichotomie zu konstruieren, denn Straftaten gehen immer von einer winzigen Minderheit aus, selbst die aus einer winzigen Minderheit. Fakt ist: Deutschland ist so sicher wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Auch diejenigen, die gerne als alleinig für Kriminalität verantwortlich gemacht werden sind weniger straffällig geworden. Die Panikmache der AfD hat sich erneut als haltlos erwiesen.

Ergänzend zum Thema:

Migrationshintergrund: Ich bin der Beweis, dass die AfD nur rassistischen Unsinn redet

Artikelbild: Eugenio Marongiu, shutterstock.com

Da du diesen Artikel zu Ende gelesen hast: Möchtest du mehr Recherchen und Analysen zu den Hintergründen von politischen Mythen und Fake News? Oder auch Kommentare zu politischen Forderungen und aktuellen Ereignissen? Dann unterstütze unsere Arbeit mit einer kleinen Spende für einen Kaffee, dazu kannst du einfach hier entlangschauen. Vielleicht hast du auch Fragen oder Artikelwünsche? Dann schreib uns auf redaktion@volksverpetzer oder auf Facebook oder Twitter




AfD Gelsenkirchen blamiert sich mit Anfrage zu politischer Gewalt

Die nächste AfD-Anfrage, die nach hinten los geht

Die AfD Gelsenkirchen befürchtet, dass man die „Bedrohung durch Linksextremisten“ nicht ernst nehme. Deshalb hat AfD-Stadtabgeordneter Jansen von der Stadtverwaltung um Auskunft gebeten, was für Projekte sie gegen Linksextremismus unterhält, und wenn keine, warum. Mit dieser Antwort hat er aber nicht gerechnet. Nein, die Stadt Gelsenkirchen tut nichts gegen linksextreme Gewalt. Und warum? Weil es keine gibt.

„Für den angefragten Zeitraum sind keine linksextremen Vorfälle bzw. Fälle linker Gewalt bekannt“



Keine linke gewalt, Aber lange liste an rechtsextremen vorfällen

Neben Projekten gegen gewaltbereiten Salafismus gibt es aber Projekte gegen Rechtsextremismus. Die Stadt Gelsenkirchen hat im Gegensatz zu „Linksextremen“ nämlich Probleme mit rechtsextremer Gewalt. „In den letzten fünf Jahren kam es in Gelsenkirchen wiederholt zu Sachbeschädigungen u.a. an öffentlichen Gebäuden -Flüchtlingsunterkünften und Schulen -durch Besprühen mit Hakenkreuzen und anderen Nazi-Symbolen. Ziel solcher Aktionen war in den letzten fünf Jahren auch wiederholt die jüdische Synagoge in Gelsenkirchen“, so die Stadtverwaltung.

„In 2015 hat ein Täter eine Moschee angegriffen und nach seiner Festnahme ausländerfeindliche Parolen gerufen –z.B. „Scheiß Ausländer, ihr solltet alle vergast werden. Sieg Heil.“ Ebenfalls in 2015 kam es zu einer versuchten gefährlichen Körperverletzung in deren Verlauf rechtsradikale Parolen gerufen wurden und der Hitlergruß gezeigt wurde. Im Juni 2018 wurde eine Gelsenkirchener Mandatsträgerin Opfer eines verbalen Angriffs. Der Vorfall wurde als Strafverfahren beim Staatsschutz bearbeitet und ist als politisch motivierte Tat der Staatsanwaltschaft übergeben worden. Im September 2018ist ein Gelsenkirchener Redakteur der WAZ auf der Bahnhofstraße rassistisch beleidigt worden.“ (Quelle)

Diese Anfrage ging wohl nach hinten los! Die AfD hat Recht: Gelsenkirchen macht wirklich nichts gegen gefährlichen Linksextremismus. Es gibt dort auch keinen. Im Gegensatz zu rechtsextremer Gewalt. Es ist nicht das erste Mal, dass sich AfD und Co. bei ihrem Schreckgespenst „Linksextreme“ verrennen:

AfDler blamiert sich auf Twitter: Was ist denn die „Antifa“?

Danke an Bündnis gegen Rechts Gelsenkirchen, Artikelbild: Mark Nazh, shutterstock.com

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Wie die AfD versehentlich beweist, wie kriminell Deutsche sind

Diese Anfrage ging nach hinten los

Die AfD Sachsen wollte letzte Woche wieder in einer kleinen Anfrage an das sächsische Innenministerium Zahlen haben, um ihre Fremdenfeindlichkeit zu „belegen“. Doch die Antwort der Regierung (Hier) zum Thema „Übergriffe auf Polizisten im Jahr 2018 und deren juristische Folgen“ bestätigt leider keine rechten Vorurteile.



3/4 aller Tatverdächtigen waren Deutsche

Von den 1282 Straftaten im Jahr 2018, das meiste darunter „Widerstand gegen Vollkstreckungsbeamte“ (854) und „Tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte“ (164) wurden von 1148 Personen in Sachsen begangen. Die AfD wollte insbesondere die Nationalität der Täter wissen, um eventuell Futter für neue Fremdenfeindlichkeit zu finden. Doch: Über 75% aller Tatverdächtigen hatte die deutsche Staatsangehörigkeit.

Und bevor wieder Faschisten mit den „Passdeutschen“ kommen: Wie man sehen kann, sind Doppelpässe usw. bereits herausgerechnet.

Wer von „Passdeutschen“ spricht, denkt wie ein Nazi

Prozentual zur Bevölkerung?

Weil wir es in diesem Zusammenhang bereits tausendmal gehört haben: Es ist ein Fehlschluss, zu glauben, 75% aller Straftaten seien zu ignorieren, wenn z.B. 2% der Straftaten von einer Gruppe begangen werden, die überproportional kriminell ist. Die AfD glaubt, wenn sie in einer Zeit, in der es so sicher ist wie seit 1992 nicht mehr (Quelle), nur über 2% der Straftaten herzieht, würde niemand merken, dass es ihr nicht um Fremdenfeindlichkeit geht.

Aber waren es denn LINKE?!

Der letzte mögliche Strohhalm der Rechtsextremen: Bestimmt war der Großteil der deutschen TäterInnen „Linksextreme“ – Das neue Feindbild der AfD (Mehr dazu). Doch leider fielen auf 1282 Straftaten nur 25 dem „Phänomenbereich PMK —Iinks“ zu, also 2%. Politisch rechtsextrem motiviert waren aber auch 21 Straftaten. Wenn die AfD diesen vernachlässigbar kleinen Unterschied zu einer großen Erkenntnis aufblasen möchte, wird sie sich wohl nur ein Eigentor schießen.

Die Realität sieht nun mal sehr anders aus, als es die AfD propagiert. Kein Wunder, dass so oft gelogen und verdreht werden muss, damit Berichte in das eigene Weltbild passen. Es ist auch nicht die erste Kleine Anfrage der AfD, die derart nach hinten los ging:

Was die AfD so in den Parlamenten treibt: Ihre 6 lächerlichsten Anfragen

Allgemeine Zahlen & Statistiken zu Kriminalität

Mit diesen Fakten über Flüchtlingskriminalität zerlegst du die AfD in Diskussionen

Artikelbild: Lan Images, shutterstock.com

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Mehrheit NICHT von Flüchtlingen getötet: Der Wahnsinn hinter diesen Stolpersteinaufklebern

Der Wahnsinn hinter diesen Stolpersteinaufklebern

Heute beschäftigen wir uns einmal genauer mit einem krassen Exemplar rechtsextremer Propaganda und Missbrauch von Unschuldigen. Sie ist absurd, unmenschlich widerlich, unlogisch, geschmacklos, pietätlos, geheuchelt und basiert zum großen Teil auf Unwahrheiten. Das trifft eigentlich auf jede Nazi-Hetze zu, aber dies ist ein besonders ekelerregendes Exemplar. Unter anderem, weil es schamlos Geld damit verdient.

Wir haben immer mehr Widersprüche und Absurditäten gefunden, weswegen wir uns zu einer ausführlicheren Analyse entschlossen haben. Diese betrifft diesen konkreten Fall, aber auch die dahinterliegenden, impliziten Vorwürfe und Vorstellungen, die sich überall in der rechtsextremen Wahnwelt finden lassen. Und für viele anscheinend so selbstverständlich zu sein scheinen, dass diesen Wahnsinn geboren hat. Aber folgt uns einmal in dieses Kaninchenloch.



Stolpersteinaufkleber

Der Shop, der den „Widerstand“ mit „politisch inkorrekten T-Shirts“ und „Propaganda-Plakaten“ (ihre Worte) ausstattet, wird von der gleichen Person geleitet, die hinter dem rechtsextremen Lügenblog „Halle-Leaks“ steckt. Wie wir bereits mehrfach analysiert haben, verbreitet dieser Blog ausschließlich verkürzte, verdrehte und meistens schlicht erlogenen Zitate und Fake News. Die Fakt-Checker von Mimikama haben dieser Lügenschleuder unzählige Artikel widmen müssen und haben hier (Link) die Methodik der Hetzer erklärt. Man muss mir erst noch einen „Artikel“ dieser Seite zeigen, der korrekt wäre.

Screenshot politaufkleber.de

Auf diesem Shop, der Propaganda- und Hetzmaterial für AfD-Fans vermarktet (mit T-Shirts mit Aufschriften wie „Jesus würde die AfD wählen“.. das lasse ich mal unkommentiert), verkauft jetzt Aufkleber im Stil der „Stolpersteine“, die in verschiedenen Städten in ganz Europa in Form von Messingtafeln an die Opfer des Holocausts seit 1992 erinnern sollen. Der Künstler Gunter Demnig verlegte im Oktober 2018 den 70.000. Stein.

Screenshot politaufkleber.de

Doch in diesem Nazi-Shop sind keine Opfer des Holocaust zu „erwerben“, sondern „Merkill-Opfer-Stolperaufkleber“. Ja, ab jetzt wird es absurd und widerlich. Die Beschreibung liest sich wie folgt – und Achtung, Logik und Anstand hier bitte liegen lassen:

„Stolper-Aufkleber sollen die Betrachter zur Erinnerung anregen. Erinnerung an die Opfer des durch die #Blutkanzlerin #Merkel-#Merkill initiierten Vergewaltigungs-Jihads durch angebliche “Flüchtlinge” in ganz Deutschland. Ihr Blut klebt an den Händen eines jeden, der mit #RefugeesWelcome-Schildern und -rufen die Invasion der feindlichen Islamisten-Soldateska befeuert hat“

Was zur Hölle?

Das dürfte die Reaktion jedes normalen Menschen auf so ein Geschwurbel sein, der noch nicht völlig in der AfD-Psycho-Wahnwelt versunken ist. Aber mal für normale Leute: Das seien also die „Opfer von Merkels Flüchtlingspolitik“, sprich: Opfer von Straften von seit 2015 nach Deutschland geflohenen Schutzsuchende. Das ist bereits der erste Blödsinn, selbstverständlich. Die Aufnahme von Schutzsuchenden 2015 war völlig legal und auch keine „Grenzöffnung“, entgegen weit verbreiteter rechtsextremer Mythen (Hier mehr dazu).

Weder Bundeskanzlerin Merkel, noch sonst wer ist für diese Verbrechen verantwortlich sein. Selbstverständlich nur diejenigen, die diese Straftaten begangen haben. So funktioniert unser Rechtssystem. Wer soll sonst verantwortlich für den Ladendiebstahl aus einem kleinen Dorf in Bayern sein? Auch Frau Merkel? Diese Kausalkette ist leider ebenso verbreitet wie dämlich. Und wenn sich AfD-PolitikerInnen nicht für die 2262 Toten 2018 auf dem Mittelmeer verantwortlich sehen, dann hat Frau Merkel erst Recht nichts mit jeder Tat eines Schutzsuchenden zu tun.

Und überhaupt, warum ist sie dann nicht dafür verantwortlich, dass mehr als 300.000 Flüchtlinge Arbeit haben (Quelle)? Oder die vielen dokumentierten Fälle, in denen Flüchtlinge Menschenleben gerettet haben? (Quelle) Dafür kann sie dann nichts oder wie? Man sieht, das ist schlicht und ergreifend eine Ausrede für Fremdenfeindlichkeit. Aber das ist nur der Gipfel des Eisbergs.

8 von 15 Personen auf der Liste falsch!

Disclaimer: Es geht hier um tragisch ums Leben gekommene Menschen. Ich bedauere jeden einzelnen von ihnen und meine Gedanken und Mitgefühl sind bei den Angehörigen der Opfer. Ich hoffe, dass alle Täter ihre gerechte Strafe erhalten – die meisten haben das auch bereits. Es soll nicht der Eindruck entstehen, in den folgenden Absätzen würde ich eine Tat verharmlosen wollen oder als weniger schlimm bezeichnen.

Sie alle sind Tragödien, jede auf ihre eigene Weise. Doch in dem Versuch, den pietätlosen Missbrauch durch rechte Hetzer zu entlarven, muss ich teilweise Unterscheidungen in den Fällen feststellen, die den Einzelfällen nicht gerecht werden, um bereits die inneren Widersprüche der rassistischen und empathielosen Einteilungen der Nazis offen zu legen. Sollte ich mich an einer Stelle missverständlich ausdrücken, so tut mir dies leid, ich freue mich über Kritik.

Wenn es um den Betreiber von „Halle-Leaks“ geht, sollte man nicht verwundert sein, dass es nicht nur absurd, sondern auch faktisch falsch ist. Wir haben uns die Personen hinter den 15 verschiedenen „Stolperaufklebern“ angeschaut. 8 von 15 Personen auf der Liste waren NICHT Opfer von Schutzsuchenden, also mehr als die Hälfte. So viel also zu dieser Unterstellung.

Carolin aus Endingen wurde von einem EU-Bürger umgebracht, einem rumänischen Fernfahrer (Quelle), Julia aus Viersen wurde ebenfalls von einem EU-Bürger umgebracht, einem Bulgaren (Quelle), Melanie aus Berlin wurde ebenfalls von einem Bulgaren umgebracht (Quelle), Sophie aus Amberg von einem marokkanischen LKW-Fahrer (Quelle), Markus aus Köthen wurde nicht einmal umgebracht, sondern erlitt einen Herzinfarkt (Quelle)*. Keira aus Berlin wurde von sogar einem Deutschen getötet (Quelle), ebenso wie Anna-Lena aus Barsinghausen (Quelle). Eine Person (Susanna) wurde aus irgendeinem Grund zwei Mal aufgelistet, einmal als aus Wiesbaden und aus Mainz.

*Der Herzinfarkt ereignete sich in einer Auseinandersetzung mit Flüchtlingen, stammte aber von einem angeborenen Herzfehler

Die Liste eignet sich nicht einmal für die Hetze, für die sie gedacht ist

Doch das ist noch nicht alles: In einem Fall handelte es sich um den Mord eines Vaters an seiner zweijährigen Tochter (Quelle) und in drei weiteren Fällen um Beziehungstaten (Mireille, Soopika, Mia). Ich weiß, für rechte Fanatiker dürfte das keinen Unterschied machen und ich will auch gar nicht behaupten, dass das die Taten weniger verwerflich oder tragisch macht, im Gegenteil. Nur die Verknüpfung von einem Tötungsdelikt zu der Politik Merkels dürfte damit noch offensichtlicher als absurd entlarvt werden.

Die Angehörigen von Daniel aus Chemnitz – man erinnert sich an die Vorfälle und Propaganda der AfD danach (hier) – haben darüber hinaus explizit gesagt, dass sie keine Instrumentalisierung seines Todes wünschen. Und das nicht im seinem Sinne sei, als erklärten Antifaschisten mit Migrationshintergrund. (Quelle) Auch im Fall von Sophia wünschten sich die Angehörigen keine Instrumentalisierung, im Gegenteil, das Opfer wurde wegen ihrer weltoffenen Einstellungen und grünen politischen Einstellung online verhöhnt. Von denjenigen, die jetzt angeblich um sie „trauern“. (Quelle) So viel also auch zu der Glaubwürdigkeit der Trauer.

Die Opfer waren darüber hinaus auch oft beliebte Angriffsziele von Rechten: Deutsch-Kubaner, Deutsch-Sri-Lanker, eine Jüdin, eine Grüne, ein Pakistani, eine Flüchtlingshelferin. Wie man bei Sophia sieht, stört der Hass sie nicht daran, ihre Tode dennoch zu missbrauchen. 100% der Täter waren junge Männer, die meisten Beziehungstaten oder Vergewaltigungen. Das Muster? Ich würde sagen Fälle von toxischer Männlichkeit. Das wäre doch mal ein fruchtbarer Ansatz zur Diskussion, wenn man wirklich solche Taten verhindern wollte. Und nicht das Asylrecht. Doch zurück zu der Instrumentalisierung.

Der verrückte Holocaust-Vergleich

Nehmen wir mal an, hierbei hätte es sich wirklich um 15 Personen gehandelt, die von Schutzsuchenden ermordet worden wären. Nehmen wir einmal an, die Täter hätten irgendetwas anderes gemeinsam außer ihren Asylstatus – eine Agenda, eine Ideologie, irgendwas. Dass es sich um politisch motivierte Straftaten gehandelt hätte, und nicht um Trieb- und Beziehungstaten. Denn wir möchten uns erinnern: Hier werden einfach lauter völlig zusammenhanglose Straftaten zusammengeworfen. Und das einzige, was die Täter (angeblich) gemeinsam haben ist ihr Asylstatus, was wie gerade gezeigt nicht einmal bei dem Mehrheit der Fälle der Fall ist.

Durch die optische und namentliche Referenz zu den Stolpersteinen (die übrigens markengeschützt sind, kann jemand Herrn Demig darauf aufmerksam machen?), die an die Opfer des Holocaust erinnern, wird unterstellt, dass es dabei um einen VÖLKERMORD handeln soll. Was zur Hölle! Das ist ein versteckter Hitlervergleich. Und mir wirft man unnötige Nazi-Keulen vor. Zur Erinnerung: Im Holocaust wurden Millionen Menschen systematisch und staatlich angeordnet ermordet. Das mit einer Handvoll von willkürlich herausgepickten Einzelfällen, die keinen Zusammenhang haben, zu vermischen ist absurd.

Ich weiß nicht, was schlimmer ist, dass diese Leute denken, derzeit würde irgendetwas auch nur annähernd so grausames wie der Genozid der Nationalsozialisten in Deutschland geschehen, oder dass sie in Wahrheit den Holocaust für einen Witz halten. Oder was auch immer. Beide Schlussfolgerungen sind erschreckend wie absurd zu gleich.

Geld kassieren mit Instrumentalisierung, Lügen und HAss

Stellen wir also fest: Hier wird ein völlig überzogener Holocaust-Vergleich gemacht, willkürlich Einzelfälle zu einer Verschwörungstheorie zusammen gesponnen, dabei ganz großzügig mit der Wahrheit umgegangen und zu alledem auch noch die Wünsche von Angehörigen und den Opfern, um die man angeblich „trauert“, ignoriert. Und um dem allen noch die Krone aufzusetzen, wird schamlos und hämisch Geld damit verdient.

Screenshot politaufkleber.de

Geht’s dir noch gut? Stickeralben? Weihnachtsgeschenke? Geld an Propaganda-Material zu verdienen ist schon verdächtig genug (Aber gut, man kann ja auch nur Kosten decken wollen), aber Ermordete und Getötete zu fucking Weihnachtsgeschenken zu stilisieren? Nicht nur wird hier Hass und Hetze auf Kosten von Minderheiten betrieben, werden die eindeutig geäußerten Wünsche der Verstorbenen ignoriert, sie werden von einem widerlichen rechten PR-Shop missbraucht, um Kohle zu machen.

Diejenigen, die sich angeblich so sehr über die vermeintlichen Zustände in Deutschland aufregen, dass sie sie mit dem Holocaust vergleichen müssen, besitzen keinen Funken Pietät und Anstand, wenn sie die Opfer in Stickeralben packen und signieren, als ob es sich hier um Autogrammkarten handele. Es ist gelogen, es ist rassistisch, es ist falsch und absurd und wird zu einem Marketing-Witz. Die Anhänger dieser Seite werden nicht nur belogen und indoktriniert, sie werden auch noch abgezockt. Und das ist irgendwie im Jahr 2019 normal geworden. Ich frage euch: Wie weit lassen wir das noch zu?

Artikelbild: Screenshot politaufkleber.de

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Faktencheck: Sind Flüchtlinge nur junge Männer?

Nur „Junge Männer“? Überhaupt nicht.

Wenn die AfD oder andere Rechtsextreme euch Angst machen wollen vor den „bösen“ Asylbewerbern, fällt oft die Behauptung, dass es sich vor allem um „junge Männer“ handelt. Schauen wir uns diese Behauptung einfach mal anhand der aktuellsten Zahlen zu Asyl an. Zu finden sind diese beim Bundesministerium für Asyl und Flüchtlinge. Dort sehen wir diese Grafik (Stand Oktober 2018):



Nur 21,6% sind „Junge Männer“ – Gerade mal jeder Fünfte!

Während es natürlich richtig ist, dass fast 3/4 der Asylanstragstellenden jünger als 30 sind und die Mehrheit (56,8%) männlich, so macht die größte Gruppe die der Kinder aus. Jeder vierte Asylantrag wird von einem Kind unter 4 (!) gestellt. 26,6% aller Antragstellenden sind Kleinkinder und Babies. Ja, die AfD versucht, uns unter anderem vor Babies Angst zu machen.

 

Was heißt das?

Natürlich ist das Verhältnis junger Menschen allgemein und junger Männer im besonderen unter Schutzsuchenden größer als in der deutschen Bevölkerung. Jeder fünfte ist Deutsche ist Rentner, bei Schutzsuchenden sind es gerade mal 1%. Während das natürlich zur Folge hat, dass (nicht anerkannte, anerkannte Asylbewerber sind trotzdem unterdurchschnittlich kriminell, hier) Asylsuchende überproportional kriminell sind – was Rechte auch gerne ausschlachten, so liegt das einfach daran, dass die „problematische“ Gruppe der jungen Männern überrepräsentiert ist. Wenn man junge deutsche Männer mit jungen Männern der Schutzsuchenden vergleicht, verschwindet der Unterschied. Siehe auch:

Mit diesen Fakten über Flüchtlingskriminalität zerlegst du die AfD in Diskussionen

Abgesehen davon widerspricht das einem anderen Argument der Rechten: Dass Asylbewerber nur Sozialleistungen beziehen würden. Während jeder 5. Deutsche Rentner ist, sind Asylbewerber überproportional im besten arbeitsfähigen Alter. 254.000 Flüchtlinge waren im Juli sozialversicherungspflichtig beschäftigt (inklusive nicht-sozialversichtungspflichtige Beschäftigungen sind es 327.000 mit Arbeit). Etwas mehr als 300.000 befinden sich in Sprach- und Integrationskursen und circa 60.000 sind schulpflichtig.

Studien zeigendass „in den meisten Ländern Migranten mehr an Steuern und Sozialleistungen zahlen als sie beziehen.“ Andere Studien zeigen, dass Immigranten weniger wahrscheinlich zum Sozialfall werden und nicht öfter in Sozialwohnungen leben. (Studie ) . Eine weitere Studie aus Oxford besagt, dass das Aufnehmen großer Zahlen an Immigranten gravierenden Einfluss darauf hat, die Schulden eines Landes abzubauen. (Beispiel)

Artikelbild: volksverpetzer.de

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Faktencheck: Sexualdelikte in Freiburg auf neuestem Tiefststand

Faktencheck

Dass selektiv herausgepickte Straftaten, auch Sexualdelikte, sich schlecht dafür eignen, um Pauschalurteile zu fällen, wissen auch die Rechtsextremen, die die schrecklichen Ereignisse in Freiburg für ihre politischen Zwecke instrumentalisieren wollen. Dass die AfD lediglich eine Instrumentalisierung interessiert, sieht man allein daran, dass sie erst 9 Tage nach Bekanntwerden der Straftat das erste Mal darüber sprach – und zwar sofort nach Bekanntwerden der Nationalitäten der Täter. Und dass sie andere Gruppenvergewaltiger ignoriert:

Über diese Gruppenvergewaltiger schweigt die AfD



Statistiken missbrauchen

Das zum Anlass nehmen Rechte, um zu behaupten, dass die Anzahl der Sexualdelikte in Freiburg zugenommen habe. Die Polizeiliche Kriminalstatistik der Polizei Freiburg (Quelle) scheint das auf einen ersten Blick zu bestätigen. Nach den Vorjahren 2015 (124) und 2016 (138) steigen die Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung auf 172 gestiegen zu sein.

Aber wie die Polizei selbst deutlich klar macht: 2017 wurde ein neuer Strafbestand in das Strafgesetzbuch aufgenommen. §184 i – Sexuelle Belästigung. In den Jahren vor einschließlich 2016 war sexuelle Belästigung NICHT strafbar und taucht deshalb natürlich auch nicht in der Statistik auf. Wenn man diesen neuen Strafbestand herausrechnet, erhält man tatsächlich vergleichbare Zahlen und erkennt einen starken Rückgang an Straftaten.

Freiburg wird sicherer

Auch in anderen Deliktsfeldern wird es in Freiburg sicherer. Die Gewaltkriminalität 2017 (872 Fälle) ist unter dem Niveau von 2008 (914 Fälle) und das, obwohl in Freiburg inzwischen 10.000 Menschen mehr wohnen. Auch bundesweit geht die Zahl der Morde im langjährigen Durchschnitt immer mehr zurück. Und liegt inzwischen auf dem Niveau der 1950 er Jahre. Und das mit viel mehr Einwohnern.

Starker Anstieg der Morde 2016: Fallt nicht auf diese AfD-Propaganda rein!

Auch die aufgeklärten Straftaten, an welchen Asylbewerber/Flüchtlinge beteiligt waren sind um 14,2% zurückgegangen. Dabei gab es in jeder Deliktart einen Rückgang an der Anzahl der Straftaten, außer bei Vermögens- und Fälschungsdelikten.

Fazit: Rechte versuchen eine Verbesserung unseres Rechtssystems durch falscher Darstellungen Schutzsuchenden anzukreiden, was dreisteste politische Instrumentalisierung darstellt. Zahlen und Statistiken für ganz Deutschland haben wir in diesem Artikel zusammengefasst:

Mit diesen Fakten über Flüchtlingskriminalität zerlegst du die AfD in Diskussionen

Artikelbild: volksverpetzer.de, Zahlen Polizei Freiburg 

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