Ein Paradebeispiel wie die AfD über Kriminalität lügt & ihre Wähler täuscht

Diese Grafik ist Fakenews

„Lügenpresse oder ein gezieltes Zerrbild“ fragt AfD-Politiker Matthias Niebel auf Twitter. Um seine Frage zu beantworten: Das, was er da fabriziert hat und behauptet, ist beides.

Er schreibt: „Die @tagesschau berichtete über 609 Angriffe auf Flüchtlinge im letzten halben Jahr. Dass 2018 aber 46.336 Deutsche von Flüchtlingen angegriffen wurden, war der Redaktion noch nie ein Wort wert. #Lügenpresse oder ein gezieltes Zerrbild?“

Es ist ein Paradebeispiel für die Lügen und Propaganda der in großen Teilen rechtsextremen Partei, denn an dieser Darstellung stimmt beinahe gar nichts. Dröseln wir die Falschdarstellungen einmal auf.



1.) Angriffe auf flüchtlinge

Es stimmt, im ersten Halbjahr 2019 wurden 609 Angriffe auf Flüchtlinge gezählt, darüber berichtete auch die Tagesschau. Dabei handelt es sich um politisch motivierte Straftaten gegen Schutzsuchende, um Hasskriminalität, die von Beleidigung und Volksverhetzung bis zu Brandstiftung und gefährlicher Körperverletzung reicht. Hinzu kommen 60 Angriffe auf Flüchtlingsheime und 42 Attacken gegen Hilfsorganisationen und ehrenamtliche Helfer. Dabei seien 102 Menschen verletzt worden, darunter sieben Kinder.

2.) Die 23.000 sind erfunden

Die dem gegenübergestellte Zahl von 23.000 Angriffen von Flüchtlingen ist hingegen vollkommen falsch und eine dreiste Lüge. Man könnte sie auch völlig frei erfunden bezeichnen, jedoch konnten wir die Logikfehler und -sprünge, die nötig waren, um auf diese Zahl zu kommen, identifizieren. Dies ist keine offizielle Zahl und wird nirgendwo geführt. Vermutlich ist es die gerundete und halbierte Zahl der im Tweet erwähnten 46.336 „Angriffe von Flüchtlingen auf Deutsche“ aus dem Jahr 2018. Es ist reine Spekulation und absolut unvergleichbar, einfach die Zahl für 2018 zu halbieren. Denn es ist ein völlig unterschiedliches Jahr. Und es handelt sich auch nicht ausschließlich um Straftaten aus dem Jahr 2018, später dazu mehr.

Abgesehen davon handelt es sich bei der Zahl von 46.336 überhaupt nicht um „Angriffe von Flüchtlingen auf Deutsche“. Wie man in dem entsprechenden BKA-Bericht (Seite 52) nachlesen kann, wurden 2018 46.336 Deutsche Opfer einer Straftat, bei der mindestens ein Zuwanderer als Tatverdächtiger ermittelt werden konnte. Mit „Zuwanderer“ ist jedoch nicht zwingend ein Schutzsuchender oder Migrant gemeint, hier mehr dazu.

Zu beachten ist hier, dass es sich einmal um verschiedene Delikte handelt und dass die Opferzahlen größer sein können als die Anzahl der Taten, da zu einer Tat mehrere Opfer ermittelt werden können. Diese Zahlen sind dennoch überhaupt nicht miteinander zu vergleichen, da es sich nicht um Hasskriminalität handelt. Demnach wurden 2018  8.455 „Zuwanderer“ Opfer einer Straftat, die durch einen Deutschen verübt wurde. Wie viele davon Gewalttaten waren, ist aber leider unbekannt. Aufgrund vieler Schwächen der Statistik wurden aber zum Beispiel höchstens 20 Deutsche Opfer eines vollendeten Tötungsdelikts, bei welcher mindestens ein „Zuwanderer“ tatverdächtig war. Mehr dazu:

Falsch: 2018 wurden NICHT 230 Deutsche durch „Zuwanderer“ getötet

3.) Wer „verschweigt“ was?

Dass die Tagesschau nicht über „Angriffe von Flüchtlingen auf Deutsche“ im ersten Halbjahr 2019 berichtet hat, liegt also daran dass erstens solche Zahlen gar nicht vorliegen und zweitens dass die Straftaten, die die AfD hier anführt, gar nicht mit den 609 Fällen von Hasskriminalität vergleichbar sind. Man müsste dem gegenüber die Hasskriminalität von Schutzsuchenden gegenüber Deutschen stellen – Ein Form von politischer Kriminalität, die es gar nicht gibt, auch wenn die AfD etwas anderes erzählt.

Hier wird eine Relativierung vorgenommen und „gewöhnliche“ Kriminalität von „Zuwanderern“ mit Hasskriminalität von größtenteils Rechtsextremen verglichen. Man kann höchstens die Fälle „Täter Zuwanderer-Opfer Deutsch“ mit „Täter Deutsch-Opfer Zuwanderer“ vergleichen, dies ist jedoch ebenfalls fruchtlos, weil es nicht genau so viele „Zuwanderer“ gibt in Deutschland wie Deutsche. Beachten muss man auch, dass bei 29% aller Straftaten mit tatverdächtigen Zuwanderern das Opfer ebenfalls Asylbewerber/Flüchtling war, bei 45% Deutsche.

Vorsätzliche Tötungsdelikte spielen sich „zu über 90 Prozent unter Flüchtlingen oder sonstigen Nichtdeutschen“ ab. Bei gefährlichen oder schweren Körperverletzungen sind es 75 Prozent. Darüber hat die Tagesschau berichtet. Schauen wir uns aber hingegen die  Hasskriminalität der PMK 2018 an:

Grafik von Frank Stollberg

Darunter fallen allerdings auch Propagandadelikte, also speziell die Gewalttaten der politisch motivierten Hasskriminalität:

Grafik von Frank Stollberg

Wie viele davon auf Menschen fallen, die unter die Definition „Zuwanderer“ fallen, ist unklar. Auch wenn die AfD das anders sieht: „Zuwanderer“/“Flüchtling“ ist keine extremistische Ideologie. Im Gegensatz zu Rechtsextremismus, wie man ihn in der AfD zahlreich findet (Mehr dazu). Darüber hinaus ist die Kriminalität insgesamt 2018 zurück gegangen, zum zweiten Mal in Folge. Und ist auf den niedrigsten Stand seit 1992 gesunken. Weitere AfD-Mythen und Denkfehler zu Kriminalität haben wir hier aufgeschlüsselt.

Kriminalität: Wie jedes Gespräch mit einem AfD-Wähler abläuft

Zahlenspielchen mit schlechten Statistiken

Die AfD hat hier also mehrfach nicht vergleichbare Zahlen unzulässig extrapoliert und willkürlich gegenübergestellt. Dabei greift sie ohnehin auf eine Statistik und Zahlen zurück, die mehrfach unzuverlässig sind, da sie schwammige Definitionen von „Zuwanderern“ verwenden, die sich über die Jahre hinweg auch noch geändert haben oder veränderte Definitionen von Strafbeständen wie bei den Sexualdelikten. Mehr dazu:

Kriminalstatistik: Messer-Martin dreimal so kriminell wie Chorknabe Chalid?

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Hinzu kommt noch, dass es eine Ausgangsstatistik ist, die nur abgeschlossene Fälle enthält, wie prominent den Anschlag auf den Breitscheidplatz Dezember 2016. Ja, für die Zahlen von 2018. Die Zahlen werden dadurch nahezu nutzlos, um qualitative Aussagen über die Kriminalitätsentwicklung zu fällen.

Bei Zuwanderern verzählt, bei Kriminalität verrechnet: Nicht nur Rechte stolpern über BKA-Statistik

 

Zusätzlich zu diesen Schwächen vergleicht die AfD nicht nur Äpfel mit Birnen, sondern macht eine statistisch völlig unzulässige Schätzung. Das alles wird darüber hinaus mit manipulativer Sprache und einer Verschwörungstheorie garniert. Dass darüber nicht berichtet wurde, wird einer Verschwörung zugeschoben, anstatt der Tatsache, dass diese Zahlen quasi erfunden sind.

Letztlich will die AfD davon abgelenken, wie sehr die eigene Hetze zu Kriminalität und Straftaten im Bereich der Hasskriminalität führt und durch völlig andere und falsche Zahlen relativieren. Die abschließende Frage „Lügenpresse oder ein gezieltes Zerrbild“ ist reinste Manipulation, da beide Optionen das Gleiche bedeuten. Und ironischerweise viel besser auf die eigene Grafik zutreffen.

Artikelbild: Red Moccasin, shutterstock.com

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Falsch: 2018 wurden NICHT 230 Deutsche durch „Zuwanderer“ getötet

Falsche interpretation einer schlechten statistik

Es ist ein wenig absurd, aber in rechten und rechtsextremistischen Kreisen verbreitet man mit Hinweis auf das BKA (Bundeskriminalamt) die Behauptung, 230 Deutsche seien Todesopfer durch so genannte „Zuwanderer“ geworden. Auch seriöse Medien wie die WELT titelten „Gewalt von Zuwanderern gegen Deutsche nimmt zu“. Wenn man bedenkt, dass diese Schlagzeile genau gegenteilig lauten könnte, wenn die polizeilichen Ermittlungen zum Anschlag vom Breitscheidplatz vom Dezember 2016 nicht erst im April 2018 abgeschlossen worden wären, sondern noch im Jahr 2017. Ja richtig, dann wäre laut Statistik die Opferzahl im Vergleich zum Vorjahr rapide gefallen.

Merkwürdig? Auf jeden Fall. Das hat unter anderem damit zu tun, dass die Statistik des Bundeskriminalamtes „Bundeslagebild Kriminalität im Kontext von Zuwanderung“ (2018) eine Ausgangsstatistik ist, also die abgeschlossenen Ermittlungen aufzählt. Und damit im Jahr 2018 auch alle Opfer des Attentats vom Dezember 2016. Doch das ist nicht alles. Weder sind „Zuwanderer“ immer diejenigen, die man meinen könnte, noch sind die meisten dieser Opfer wirklich tot. Wir erklären, wie hier eine sehr erklärungsbedürftige Statistik von rechten Hetzern missbraucht wird.



„Zuwanderer“ sind nicht Migranten und auch nicht zwingend Flüchtende

Fangen wir zuerst bei der Definition von „Zuwanderer“ an. Entgegen der weitläufig verbreiteten Bedeutung von „Zuwanderer“ handelt es sich hierbei größtenteils nicht um Migranten. Darunter fallen (erst seit 2017) Geflüchtete mit anerkanntem Aufenthaltstitel (international/national Schutzberechtigte und Asylberechtigte), aber auch Asylbewerber und Menschen mit „unerlaubtem Aufenthalt“. Doch auch „Schutzsuchende“ als Synonym dafür ist falsch, da in der Definition des BKA auch „unerlaubter Aufenthalt“ dazu gehört, der nicht nur abgelehnte Asylbewerber meinen kann. Darunter fallen nämlich auch Studenten, Touristen, Arbeitnehmer, Geschäftsleute, aber auch professionelle Diebesbanden, die sich im Land ohne gültige Visa aufhalten. Es sind also teilweise weder Migranten, noch Schutzsuchende dabei.

Genau aus diesem Grund kann auch keine „Tatverdächtigenbelastungszahl“ ermittelt werden. Sprich: Man kann die Zahlen der Straftaten nicht in Relation zu den hier lebenden „Zuwanderern“ setzen. Das schreibt das BKA auch selbst:

Quelle: Bundeslagebild Kriminalität im Kontext von Zuwanderung

Mehr dazu hat der Kollege Tobias Wilke ist seiner Analyse verfasst:

Bei Zuwanderern verzählt, bei Kriminalität verrechnet: Nicht nur Rechte stolpern über BKA-Statistik

91,3% der Todesopfer sind falsch!

Besonders absurd wird der Verweis der 230 deutschen Opfer von „Mord, Totschlag, Tötung auf Verlangen“, an welchen mindestens ein „Zuwanderer“ beteiligt wird, wenn man berücksichtigt, dass die meisten davon noch leben. Erstens sind nur 102 Personen davon Opfer eines „vollendeten Tötungdeliktes“ geworden. Das heißt, es handelte sich bei mehr als der Hälfte der Fälle ausschließlich um Versuche. Das darf man an dieser Stelle nicht vergessen.

Zweitens ist auch ein Großteil der Opfer der „vollendeten Tötungsdelikte“ noch am Leben. Wie das BKA selbst erklärt, werden alle Opfer des Anschlags am Berliner Breitscheidplatz vom 19.12.2016 als Opfer eines „vollendeten Tötungsdeliktes“ erfasst. Das heißt, von den 102 Delikten aus der Statistik für 2018 sind 82 Deutsche aus dem Jahr 2016, und davon 75 Verletze.

Quelle: Bundeslagebild Kriminalität im Kontext von Zuwanderung, S.52

Diese Information findet sich auf Seite 52 und insbesondere in den Fußnoten:

Die Kategorie „Opfer nichtdeutsch“ vom Breitscheidplatz hat das BKA hingegen anscheinend „vergessen“. Beim Terroranschlag wurden schließlich auch Menschen aus der Ukraine ermordet, aus Israel, aus Polen, Italien und der Tschechischen Republik.

Ohne die sieben Todesopfer von 2016 bleiben also noch 20 vollendete Tötungsdelikte für das Jahr 2018 übrig, an denen mindestens ein „Zuwanderer“ beteiligt gewesen ist. Wie viele Täter davon tatsächlich auch Schutzsuchende waren und wie viele der Opfer auch tatsächlich getötet wurden, kann man allerdings aufgrund der Ungenauigkeit dieser Statistik tatsächlich nicht sagen. 230 waren es hingegen sicherlich nicht.

unnötige vorlage für rechte hetze

Auch bei der Berechnung der Straftaten bei den Sexualdelikten gibt es enorme Ungenauigkeiten, die Vergleiche unmöglich machen. So hat sich im Laufe der Jahre die Definition, was unter ein „Sexualdelikt“ fällt, ebenso geändert wie was man unter „Zuwanderern“ verstehen soll. Ich möchte hier noch einmal auf den Artikel des Kollegen verweisen (Mehr dazu). Diese zahlreichen Unschärfen, die in die Statistik eingehen, machen sie vielleicht zu einem Arbeitsnachweis der Polizei, aber für brauchbare Aussagen über die Kriminalität von Nichtdeutschen (Mehr dazu) oder Schutzsuchenden ist sie nahezu unbrauchbar.

Man sollte sich im Angesicht der Tatsache, dass daraus die Behauptung gebastelt wird, es hätte 2018 230 deutsche Todesopfer durch Schutzsuchende gegeben, was völlig falsch ist, vielleicht überlegen, ob man nicht gänzlich auf diese Statistik verzichten sollte. Medien überspitzen wiederum diese bis zur völligen Unbrauchbarkeit ungenauen Zahlen. Und dann wiederum werden diese Überspitzungen von Hetzern entkontextualisiert und für rassistische Hetze verwendet.

Denn 2018 sind die „Tötungsdelikte“ im Vergleich zum Vorjahr gar nicht um „105%“ gestiegen. Wahrscheinlich – und eine genaue Bezifferung ist leider unmöglich – sind sie sogar stark gefallen, wenn man sich die 85 „vollendeten Tötungsdelikte“ aus dem Jahr 2017 (Vergleiche) anschaut und sie mit den verbliebenen 20 aus dem Jahr 2018 vergleicht. Derartige Zahlenspiele sind bestenfalls sinnlos. Aber wie man täglich in den sozialen Netzwerken sehen kann, schlimmstenfalls eine Rechtfertigung für Rassismus und rechtsextreme Einstellungen.

Zum Thema:

Kriminalstatistik: Messer-Martin dreimal so kriminell wie Chorknabe Chalid?

Artikelbild: rootstock, shutterstock.com

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Kriminalstatistik: Messer-Martin dreimal so kriminell wie Chorknabe Chalid?

Malen nach Zahlen mit der Kriminalstatistik

Seit Jahren beliebt bei Populisten, Rechtsaußen und der nicht unerheblichen Schnittmenge: eine Zahl aus der Kriminalstatistik wird verglichen mit einer anderen aus der Bevölkerungsstatistik und schon hat man den scheinbar unerschütterlichen Beweis dafür, dass Ausländer viel krimineller sind als Deutsche. Leider haben auch so genannte Leitmedien Gefallen daran gefunden und geben somit ihr Gütesiegel für Fake News – denn diese gefährliche Zahlenspielerei ist grober Unfug.

Screenshot Tagesspiegel

Von Tobias Wilke



Nichtdeutsche bei Straftaten überdurchschnittlich vertreten?

„Nichtdeutsche bei Straftaten überdurchschnittlich vertreten!“ überschrieb der Tagesspiegel Ende Juni einen Artikel und garnierte ihn mit einem Symbolfoto: ein aufgeklapptes Butterfly-Messer. Wer gelegentlich AfD-Pressemitteilungen liest, kennt das Prinzip. Im Folgenden gibt sich der Tagesspiegel redlich Mühe, diese steile These mit Zahlen, Daten, Fakten zu untermauern:

„Ohne sie (Anm. d. Red.: ausländerrechtliche Verstöße) sinkt der Anteil der nicht deutschen Tatverdächtigen auf 30,5 Prozent. Das ist immer noch mehr als der Anteil von Ausländern an der Gesamtbevölkerung. Das Statistische Bundesamt spricht zuletzt von 9,4 Millionen Ausländern in Deutschland im Jahr 2017, das sind 11,5 Prozent der hier lebenden Menschen.“

Die „11,5%“ sind dabei durchaus interessant und werden später im Artikel noch eine Rolle spielen. Diesen vermeintlichen Ausländeranteil hat der Tagesspiegel aus einem eigenen, älteren Artikel übernommen. Dabei sind aktuelle Zahlen leicht verfügbar: das Ausländerzentralregister bezifferte die in Deutschland gemeldeten Ausländer inklusive Schutzsuchenden für den Stichtag 31.12.2018 auf exakt 10.915.455, das wären 13,1%.

Der Haken: selbst das Bundeskriminalamt hält diese Zahl für viel zu ungenau, um damit zu rechnen. Zum einen beruht sie auf einer Bevölkerungsfortschreibung auf Basis des Zensus 2011, zum anderen -und das ist der springende Punkt- müssen „Nichtdeutsche“ keineswegs offiziell in Deutschland gemeldet sein, um sich hier regelmäßig oder gelegentlich, dauerhaft oder auf der Durchreise aufzuhalten. Im „PKS Jahrbuch 2018 Band 3“ heißt es dazu auf S. 101:

Quelle: Bundeskriminalamt

 

Falsche Zahlenspielerei

Das Bundeskriminalamt weist also deutlich darauf hin, dass die Zahlenspielerei des Tagesspiegel falsch sein muss, weil für einen Vergleich von nichtdeutschen Tatverdächtigen mit Nichtdeutschen insgesamt eine der beiden Zahlen schlichtweg fehlt: die der Nichtdeutschen insgesamt. Die „Tatverdächtigenbelastungszahl“ erklären wir später.

Peinlich: die somit falsche Rechnung des Tagesspiegel inkl, der „11,5% hier lebenden Ausländer“ hatte der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen dankbar im „Sommerinterview“ des ZDF aufgegriffen. Der Leiter des ZDF Hauptstadtstudios Theo Koll war offenbar derart überzeugt davon, dass er den Unfug danach auf Twitter verbreitet hat. Auf unsere Einwände und die einiger weiterer Nutzer haben er oder das ZDF bislang übrigens genauso wenig reagiert wie der Tagesspiegel.

Wer nicht gezählt wird, mit dem kann man nicht rechnen

Bei Tatverdächtigen kann die Polizei durchaus Angaben zu dessen Meldeadresse machen –schließlich konnte ein konkreter, mutmaßlicher Täter einer oder mehreren Straftaten zugeordnet werden. Bei der Gesamtheit der Nichtdeutschen ist das aus genannten Gründen unmöglich. Deutschland liegt mitten in Europa, um uns herum haben wir neun Nachbarländer, aus denen „Nichtdeutsche“ bequem zu Fuß oder mit dem Fahrrad nach Deutschland einreisen können, ohne irgendwie gezählt oder erfasst zu werden.

Bereits eine ca. fünfstündige Autofahrt macht Deutschland für mehr 100 Millionen nichtdeutsche Europäer leicht erreichbar. Das macht jenen Vergleich aller tatverdächtigen Ausländer allein mit den in Deutschland gemeldeten Nichtdeutschen vollkommen sinnlos. Diese Rechnung funktioniert vielleicht in Nordkorea, wo die wenigen „Nicht-Nordkoreaner“, die sich im Land aufhalten, dem Regime durchaus bekannt sein dürften. Keinesfalls aber mitten in Europa.

Aus den nichtdeutschen Tatverdächtigen in der Kriminalstatistik ließen sich aber durchaus diejenigen subtrahieren, die überhaupt nicht zur offiziell in Deutschland gemeldeten „Wohnbevölkerung“ gehören: jene mit bekanntem Wohnsitz im Ausland, mit unbekanntem oder ohne Wohnsitz.

Quelle: Bundeskriminalamt

 

Demnach hat bei den Straftaten (ohne ausländerrechtliche Verstöße) fast jeder vierte (23,7%) nichtdeutsche Tatverdächtige in der PKS gar keinen Wohnsitz in Deutschland! Bei den Deutschen sind das lediglich 4,9%.

Ein Vergleich, der nur die Tatverdächtigen (Deutsche/Nichtdeutsche) mit Wohnsitz in Deutschland berücksichtigt, verbietet sich dennoch – zum einen sind gem. BKA auch die „13,1%“ nicht so genau, wie sie vielleicht aussehen, zum anderen unterscheiden sich Deutsche und Nichtdeutsche noch in weiteren Punkten, die kriminalstatistisch relevant sind – „Religion“ gehört allerdings nicht dazu. Darauf kommen wir später zurück.

Was bitte ist eine „Tatverdächtigenbelastungszahl“?

Eine „Tatverdächtigenbelastungszahl“ gibt darüber Aufschluss, wie groß der Anteil Tatverdächtiger einer bestimmten Gruppe ist. Sie bezeichnet die Zahl der durch die Polizei ermittelten Tatverdächtigen, normiert auf 100.000 Einwohner der entsprechenden Bevölkerungsgruppe, ohne Kinder unter acht Jahren.

Besonders relevant ist diese „Tatverdächtigenbelastungszahl“ beim Vergleich von Alterskohorten. Die PKS listet seitenweise Tabellen auf, die Aufschluss darüber geben, welche Altersgruppen besonders „kriminalitätsbelastet“ sind. Diese Tabellen gibt es allerdings nur für Deutsche – aus bis hierher hoffentlich ausreichend erläuterten Gründen.

Diese Normierung auf 100.000 ist wichtig, um die Zahlen vergleichbar machen zu können. Die Alterskohorten sind verschieden groß, wegen der ungünstigen Demografie der Deutschen dominieren die älteren Jahrgänge.

Wir haben ein paar Altersgruppen aus der PKS zusammengefasst und mit diesen Zahlen ein wenig gerechnet. Demnach werden Deutsche in der Altersgruppe der unter 30-Jährigen exakt (!) dreimal so häufig als Tatverdächtige ermittelt wie die Generation 30 plus.

Quelle: Bundeskriminalamt / eigene Berechnungen

Da die Nichtdeutschen in Deutschland eine etwas günstigere Demographie aufweisen -der Anteil „unverdächtiger Rentner“ also kleiner ist, der Anteil der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen hingegen etwas größer- ist also ein nicht unerheblicher Anteil ggf. unterschiedlicher Kriminalitätsbelastung schon auf die unterschiedlichen Altersstrukturen bei Deutschen und Nichtdeutschen zurück zu führen. Das verschiebt den ohnehin fehlerhaften Vergleich zwischen Deutschen und Nichtdeutschen statistisch noch weiter zu Ungunsten der Nichtdeutschen.

AfD und BILD-Würstchenzähler scheitern am Dreisatz, Schröder an ihren Vorurteilen

Quelle: Welt / Kristina Schröder

In der Welt hatte Ex-Familienministerin Kristina Schröder am Donnerstag einen „Meinungsartikel“ veröffentlicht, der tief blicken lässt. In ihrem Einleitungstext heißt es: „Es ist statistisch erwiesen, dass unter jungen, muslimischen Migranten die Gewaltbereitschaft höher ist als die der einheimischen Bevölkerung. Christentum und Islam sind eben nicht gleich.“

Nach diesen zwei Sätzen ist eigentlich alles gesagt, was man über Kristina Schröders „Fachwissen“ zum Thema Kriminalstatistiken wissen muss: sie hat keines. Null.

das merkmal Religion

Das Merkmal „Religion“ wird bei Tatverdächtigen nicht erfasst, sofern es nicht um die Sonderstatistik „Politisch Motivierte Kriminalität“ geht und das ist auch gut so: als sich die Exekutive in Deutschland zuletzt für das Attribut „Glauben“ interessierte, begann der systematische Massenmord an Juden in Europa  – ganz ohne jeden Tatverdacht.

2014 hatte ein Ratsmitglied der rechtsextremen Kleinpartei „Die Rechte“ eine Anfrage zu Anzahl und Wohnorten von Juden in der Stadt Dortmund gestellt, was bundesweit für Entsetzen sorgte.

Nun glaubt Kristina Schröder also, über Geheimwissen (aus der Kriminalstatistik kann sie es ja nicht haben!) über die Gewaltneigung junger Männer islamischen Glaubens zu verfügen und schreibt weiterhin:

„Es sind nicht alle Migrantengruppen, die eine höhere Gewaltneigung aufweisen. Sondern es sind vor allem die, die aus einem islamisch geprägten Kulturkreis stammen.“

(Quelle: Kristina Schröder in der Welt vom 8.8.2019)

Wir haben daraufhin aus einem Wikipedia- Artikel die Tabelle der Länder mit den weltweit höchsten Tötungsraten ergänzt um eine weitere Kategorie: Religion.

Demnach gehören in den Ländern mit den meisten Tötungsdelikten -normiert auf jeweils 100.000 Einwohner- jeweils mindestens 67% der Bevölkerung einer christlichen Glaubensgemeinschaft an: Katholiken, Protestanten, Freikirchen etc.

Trauriger Spitzenreiter: Venezuela mit einer Tötungsrate von 62 auf 100.000 Einwohner, insgesamt fast 18.000 Tötungsdelikte in einem Land mit rund 32 Mio. Einwohnern, dicht gefolgt von El Salvador und Honduras.

Diese Grafik hängten wir an ihren Thread bei Twitter und wiesen darauf hin, dass auch in diesen, christlich geprägten Ländern kein Zusammenhang besteht zwischen „Glauben“ und „Gewaltneigung“.

Eine andere Nutzerin postete einen Tag später einen Ausschnitt derselben Wikipedia-Tabelle, was den Leiter des Berliner Parlamentsbüros der BILD-Zeitung offensichtlich auf die Palme brachte. In dem Fall vielleicht eher auf die Nordmanntanne.

BILD vs Fakten

Ralf Schuler hatte erst kürzlich mit einem BILD-Artikel dafür gesorgt, dass der Leiter einer Leipziger Kita nach massiven Bedrohungen eine Änderung des Speiseplans wieder rückgängig machte und Populisten somit aufatmen können – die Kleinen dürfen auch künftig damit rechnen, Eisbein und Blutwurst aufgetischt zu bekommen, Volksverpetzer hatte darüber berichtet.

Kein Verbot, Kein Polizeischutz: 8 Fakten zur Schweinefleisch-Debatte

Ralf Schuler also blaffte die Twitter-Nutzerin an: „Ihnen ist auch nichts zu blöd, oder? Es hat zwar niemand über Tötungsraten gesprochen, aber kann man ja mal bringen. Je kleiner ein Land, desto größer ist logischerweise die Rate (…).“

Wir konnten uns einen entsprechenden Hinweis auf die Dämlichkeit dieses Einwands nicht verkneifen, doch Schuler hielt noch einige weitere Tweets lang fest an seinem eklatanten Logikfehler – zum Entsetzen und zur Belustigung eines stetig wachsenden Kreises von Twitternutzern.

Seine andere Aussage ist natürlich ähnlich absurd: Warum sollten Tötungsdelikte nichts mit Gewaltkriminalität zu tun haben…?

Schuler hatte übrigens kürzlich erst sein Buch „Lasst uns Populisten sein!“ veröffentlicht. Populismus scheint vor allem dann zu funktionieren, wenn man sich nicht um Logik scheren muss.

Leipzig sicherer als Görlitz

Einem ähnlichen „Denkfehler“ wie Schuler und dessen abenteuerlicher Interpretation einer Kriminalitätsrate unterlag kürzlich auch der Görlitzer OB-Kandidat Sebastian Wippel – innenpolitischer Sprecher der AfD-Fraktion im Sächsischen Landtag und Polizeibeamter (!).

Quelle: AfD Landtagsfraktion Sachsen

 

In seiner Pressemitteilung vom 3. Juni schrieb dieser: „AfD-Antrag belegt hohe Ausländerkriminalität in Sachsen“. Leipzig mit einem (für ostdeutsche Verhältnisse) relativ hohen Anteil gemeldeter Ausländer gilt der AfD offenbar als Kriminalitätshochburg schlechthin. Als vermeintlichen Nachweis nutzt Wippel dafür die absoluten Zahlen aus zwei Antworten des Innenministeriums aus zwei seiner Anfragen.

Quelle: AfD Landtagsfraktion Sachsen

Dass Leipzig mit 332 Diebstählen unter erschwerenden Umständen im Abfragezeitraum deutlich vor Görlitz mit 35 Fällen liegt, sollte eigentlich verwundern – Leipzig hat mehr als 10x so viele Einwohner!

Berechnet man die Kriminalitätsraten für „Diebstahl unter erschwerenden Umständen“ ergeben sich folgende Zahlen (jew. bezogen auf 100.000 Einwohner):

Leipzig: 55,5
Görlitz: 61,3

Wenn Wippel also -explizit bezogen auf „Diebstahl unter erschwerenden Umständen“- schreibt „Mit mir als möglichen Oberbürgermeister in Görlitz wird es keine Leipziger Verhältnisse geben.“, ist das ein kapitales Eigentor – Leipzig ist bei diesem Delikt „sicherer“ als Görlitz. Die zweite Wahlrunde hat Wippel übrigens verloren.

Welche Eigenschaft macht Zuwanderer ggf. häufiger „tatverdächtig“?

Zunächst einmal machen natürlich Straftaten tatverdächtig. Das können Gewaltdelikte oder Beleidigungen sein, aber auch Schwarzfahren oder ein halbes Gramm Cannabis in der Hosentasche, wenn die Polizei gerade eine „Komplexkontrolle“ durchführt.

Für Nichtdeutsche lassen sich keine „Tatverdächtigenbelastungszahlen“ berechnen, bei der Untergruppe der Zuwanderer genauso wenig – unter anderem, weil es bei dieser Gruppe nicht nur um einen Fluchtkontext geht, sondern auch „unerlaubten Aufenthalt“. Wir hatten vor einer Woche darüber berichtet:

Bei Zuwanderern verzählt, bei Kriminalität verrechnet: Nicht nur Rechte stolpern über BKA-Statistik

Bei einer Teilmenge wäre das allerdings wohl durchaus möglich: bei den Geflüchteten, die mit anerkanntem Schutzstatus in Deutschland leben.

Gemäß Ausländerzentralregister waren das (Stichtag 31.12.2018) 1.283.225 Personen. Hauptherkunftsländer: Syrien, Afghanistan, Irak.

In Band 3 des PKS-Jahrbuchs werden auch die Tatverdächtigen nach Schutzstatus unterschieden, demnach wurden vergangenes Jahr 19.347 Personen mit dem Status „Schutz- und Asylberechtigte bzw. Kontingentflüchtlinge“ erfasst.

Die „Tatverdächtigenbelastungszahl“ dieser Gruppe: 1.508 Tatverdächtige (auf 100.000 Personen), das entspricht ziemlich genau dem Wert der Deutschen der Altersgruppe ab 30 Jahren (s.o.) und somit lediglich einem Drittel im Vergleich mit den jüngeren Deutschen!

Nicht berücksichtigt ist darin allerdings der Anteil der unter 8-Jährigen bei den anerkannten Geflüchteten, aber die ungefähre Größenordnung und die Konsequenz scheint klar: eine echte Zukunftsperspektive schützt vor Kriminalität. Das gilt auch für Muslime in Deutschland, Frau Schröder!

Macht der „Heimkoller“ krawallig?

Die Kriminalstatistik zeigt auch -und das wollen wir hier nicht verschweigen- dass Asylbewerber (abgelehnt oder im Verfahren) deutlich häufiger als Tatverdächtige registriert werden, wenn man sie mit der Gruppe der anerkannten Flüchtlinge vergleicht.

Das sollte allerdings nicht verwundern: schon aus Versicherungsgründen kommt in Massenunterkünften mit bis zu 1.500 Geflüchteten wie in Bayern wahrscheinlich jede Ohrfeige und jeder kaputte Klodeckel zur Anzeige. Bei möglicherweise rechtswidrigen Razzien in den Mehrbettzimmern werden auch kleinere Cannabisfunde polizeilich registriert – bei den laut offiziellen Schätzungen rund 4 Millionen Cannabis-Konsumenten in Deutschland sind solche Durchsuchungen der heimischen Wohnung nur mit richterlichem Beschluss möglich.

Hinzu kommt: wie sehr das Nichtstun in einer Massenunterkunft zu Spannungen und Übergriffen führen kann, dazu lohnt sich ein Blick in das Archiv des Spiegel.

Quelle: SPIEGEL vom 19.2.1990

 

Bei den Schlagworten „West-Berlin“ und „Übersiedler“ wird es bei den meisten wohl klingeln: in dem Artikel geht es um Ostdeutsche, die 1990 und somit nach dem Mauerfall ihr Glück im Westen suchten. Der Anteil der Muslime unter den übergriffigen Übersiedlern aus Ostdeutschland dürfte gegen 0% tendieren.

Artikelbild: pixabay.com, CC0

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Bei Zuwanderern verzählt, bei Kriminalität verrechnet: Nicht nur Rechte stolpern über BKA-Statistik

Faktencheck „Zuwandererkriminalität“ fällt bei Faktencheck durch.

Die Faktenchecker von „Correctiv“ haben Postings unter die Lupe genommen, die eine geradezu explosionsartige Zunahme von Straftaten durch Schutzsuchende belegen sollen. Ihr Fazit: „Richtig, aber es fehlt der Kontext!“, nachdem sie jenen „Kontext“ ausführlich zu erläutern versuchten. Das Problem: sowohl Populisten als auch „Correctiv“ haben jene Statistiken zur „Zuwandererkriminalität“ wohl einfach nicht verstanden – kein Wunder! (Artikel von „Correctiv“)

von Tobias Wilke

-> Update 10.08.: Nach Hinweisen unseren hat Correctiv inzwischen seinen Text korrigiert und die Bewertung zu „Größtenteils falsch“ angepasst.



Verzerrte und falsche Grafik

Seit einigen Wochen teilen „besorgte Bürger“, hauptamtliche Populisten von Rechtsparteien, aber zu unserem Entsetzen auch der Deutsche Journalistenverband Berlin-Brandenburg absolute Zahlen zu Straftaten, für die vermeintlich Geflüchtete als Tatverdächtige ermittelt wurden und vergleichen dabei die Jahre 2014 (also vor der sogenannten „Flüchtlingskrise“) und 2018 – dem aktuellen Berichtsjahr.

Der AfD-Bundestagsabgeordnete Thorsten Weiß will das Ganze noch um prozentuale Steigerungen „aufpeppen“, sein Sharepic wird dementsprechend auch tausendfach geteilt, doch er scheitert dabei kläglich an der Prozentrechnung: ein Anstieg von 122 auf 430 Fälle („Mord und Totschlag“) bedeutet natürlich keine Steigerung um „+352%“, sondern um +252%.

Die Motivation von „Correctiv“, diese Zahlen einzuordnen, ist durchaus nachvollziehbar: mehr Menschen begehen selbstverständlich auch mehr Straftaten. 2018 gab es wohl deutlich mehr „Zuwanderer“ in Deutschland als noch 2014, die Zahl der Straftaten in Berlin oder Hamburg ist schließlich ebenfalls höher als die in Ottendorf-Okrilla oder Gleiszellen-Gleishorbach.

Der Vergleich: Äpfel mit Obstkörben, darunter Birnen.

Die Faktenchecker von „Correctiv“ versuchen also zu ermitteln, ob der Anstieg der Straftaten „Zuwanderer“ nicht schlichtweg dadurch zu erklären sein könnte, dass im gleichen Zeitraum auch die Zahl der Zuwanderer in ähnlichem oder sogar höherem Umfang gestiegen ist. Wenn in Berlin ungefähr doppelt so viele Tatverdächtige ermittelt werden wie in Hamburg, würde das wohl auch nicht verwundern – die Einwohnerzahl ist ca. doppelt so hoch. Pendler und Touristen verzerren die Zahlen allerdings.

Daher recherchiert „Correctiv“ die vermeintliche Gesamtzahl der Zuwanderer für das Jahr 2014, beziffert diese auf rund 750.000 und ignoriert dabei leider -trotz des Screenshots im eigenen Artikel- die Schätzung des Bundeskriminalamts für das gleiche Jahr: etwa 240.000 (gelbe Markierungen durch uns). Genaue Zahlen zu nennen, ist ohnehin komplett unmöglich. Dazu später.

Das Problem: „Correctiv“ hat die Zahl der „Zuwanderer“ für 2014 aktuell beim Statistischen Bundesamt recherchiert, das Bundeskriminalamt hingegen hatte damals noch eine deutlich enger gefasste Definition für „Zuwanderer“ als heute.

Anerkannte Flüchtlinge zählten bis 2017 nicht als „Zuwanderer“

Bis einschließlich 2016 hatte das Bundeskriminalamt Geflüchtete mit anerkanntem Aufenthaltstitel (nationaler/internationaler Schutz und Asylberechtigte) noch gar nicht als „Zuwanderer“ kategorisiert, sondern als „sonstiger, erlaubter Aufenthalt“ in der Kategorie „Nichtdeutsche“.

Daher wurden auch Straftaten und Tatverdächtige aus diesem Personenkreis nicht den „Zuwanderern“ zugeordnet.

Dementsprechend sind die Zahlen zu Straftaten durch Zuwanderer im Jahr 2014 aus den Postings der Populisten (und des DJV Berlin-Brandenburg!) sowie der Zuwanderer insgesamt gemäß Recherchen von „Correctiv“ überhaupt nicht vergleichbar mit denen aus 2018!

Dem letzten Absatz aus diesem eigentlich recht deutlich gekennzeichneten Warnhinweis des Bundeskriminalamts widmen wir uns später.

Und Nicht alle „Zuwanderer“ sind auch „Schutzsuchende“

„Correctiv“ verwendet in seinem (leider missglückten) Faktencheck den Begriff „Schutzsuchende“ synonym für „Zuwanderer“. Der Haken: in der Definition des BKA gehört auch „unerlaubter Aufenthalt“ dazu – Studenten, Touristen oder Arbeitnehmer und Geschäftsleute, aber auch professionelle Diebesbanden ohne gültige Visa. Kein Fluchtkontext also. Als polizeilich ermittelte Tatverdächtige tauchen diese zwar in der Kategorie „Zuwanderer“ auf, waren jedoch nie „Schutzsuchende“.

Die Gesamtzahl jener „unerlaubt Aufhältigen“ zu beziffern, die nicht als Tatverdächtige durch die Polizei ermittelt wurden oder sich überhaupt nichts zu Schulden kommen ließen, ist vollkommen unmöglich – wohl keiner von ihnen wird seinen unerlaubten Aufenthalt irgendeiner Behörde melden. Daher ist die ungefähre Linie des Bundeskriminalamts (Grafik 2) noch deutlich seriöser als die vermeintlich exakten Zahlen von „Correctiv“.

Ein „Zuwanderer“ ohne Fluchtkontext kann zwar als Tatverdächtiger ermittelt und somit den vermeintlich „kriminellen Schutzsuchenden“ zugeordnet werden – nicht aber der Gesamtzahl der Zuwanderer. Die Statistik zur Zuwandererkriminalität wird hier also zwangsläufig unseriös, jeder Versuch zu berechnen, „wie viel krimineller“ Zuwanderer sein könnten als Deutsche ist zum Scheitern verurteilt. Daher warnt das BKA auch explizit:

Quelle: Bundeslagebild Kriminalität im Kontext von Zuwanderung.

(Anm.d.Red.: Die Tatverdächtigenbelastungszahl ist die Zahl der ermittelten Tatverdächtigen errechnet auf 100.000 Einwohner des entsprechenden Bevölkerungsanteils jeweils ohne Kinder unter acht Jahren.)

Auf Sprachlos-Blog findet sich ein ausführlicher Artikel dazu, welche absurden Werte sich ergeben können, wenn beispielsweise das Landeskriminalamt Sachsen diese Warnung des BKA ignoriert.

Wer durch Zuwanderer getötet wird, kann quicklebendig sein

Seit Monaten verweisen Rechte, Rechtsaußen und leider auch auf deren Klickzahlen schielende Medien darauf, wie viele Deutsche im vergangenen Jahr angeblich durch Geflüchtete ermordet worden seien.

Die Faktenchecker von „Correctiv“ bemühen sich, den Unterschied darzustellen zwischen Opfern von Tötungsdelikten und tatsächlich getöteten Menschen.

Achtung, jetzt wird es makaber: auch das Opfer eines „Vollendeten Tötungsdelikts“ kann sich durchaus bester Gesundheit erfreuen – vom BKA Totgesagte leben länger. Der entsprechende Hinweis findet sich in genau jenem „Bundeslagebild im Kontext von Zuwanderung“, aus dem so viele die Zahlen übernehmen, aber offenbar die Texte ignorieren. Im Kapitel  3.1.4 „Opfer“ findet sich der entsprechende Hinweis:

Das heißt: zu den 102 deutschen Opfern eines „vollendeten Tötungsdelikts“ durch Zuwanderer im vergangenen Jahr (also 2018) gehören nicht nur laut BKA sieben getötete Deutsche vom Anschlag des Terroristen Anis Amri auf dem Berliner Breitscheidplatz 2016, sondern auch 75 dabei verletzte Deutsche ungeachtet des Verletzungsgrads. Dazu könnten durchaus auch traumatisierte Einsatzkräfte gehören.

Die Kategorie „Opfer nichtdeutsch“ hat das BKA irgendwie „vergessen“ – bei dem Terroranschlag auf dem Breitscheidplatz wurden auch Menschen aus der Ukraine ermordet, aus Israel, Polen, Italien und der Tschechischen Republik.

Finger weg! Auch von der Statistik…

Besonders beliebt bei „Scharfmachern“ sind Sexualdelikte – zumindest dann, wenn kein Deutscher als Tatverdächtiger ermittelt wird. Die Steigerung der absoluten Zahlen bei Zuwanderern von 2014 bis 2018 klingen zunächst einmal gewaltig. Es gab 2016 allerdings eine Strafrechtsreform, auf die „Correctiv“ auch hinweist – leider nur sehr vage:

Quelle: „Correctiv“

Diese Novellierung des Sexualstrafrechts betrifft den Ende 2016 neu geschaffenen §184i StGB „Sexuelle Belästigung“. Was 2014 noch keine Straftat war, 2018 aber zur Kategorie „Straftaten gegen die Sexuelle Selbstbestimmung“ gehört, muss also zwangsläufig zu einer Steigerung der Gesamtzahlen im Betrachtungszeitraum führen. Das betrifft selbstverständlich auch Deutsche: die Zahl der „Sexuellen Belästigungen“ bei denen Deutsche als Tatverdächtige ermittelt wurden, sind im gleichen Zeitraum von 0 (logisch!) auf 5493 gestiegen.

Die AfD hat das populistische Potential dieses Effekts offenbar erkannt und setzt womöglich gezielt auf Verwechslung von „Sexueller Belästigung“ mit schweren Sexualverbrechen. Der MDR hat eine solche Pressemitteilung der AfD Fraktion Sachsen umfassend beleuchtet.

Falsch gezählt ist halb gehetzt

„Correctiv“ resümiert in seinem ausführlichen Faktencheck: die Postings von AfD, DJV(!) u.a. zu der Steigerung bei den absoluten Zahlen von Straftaten durch Zuwanderer sind „Größtenteils richtig (…) Aber sie lassen Kontext außer Acht“. Sorry, die Zahlen sind nicht „Größtenteils richtig“, weil sie laut BKA überhaupt nicht vergleichbar sind (geänderte Definition von Zuwanderern, von denen eine große Gruppe nicht zählbar ist!) und der von „Correctiv“ nachgelieferte, vermeintliche Kontext (s.u.) ist aus den gleichen Gründen ebenfalls „Größtenteils falsch“.

Quelle: „Correctiv“

Unsere Bewertung: wegen der zahlreichen Unschärfen bei der Betrachtung von „Zuwandererkriminalität“, auf die das Bundeskriminalamt sogar selbst hinweist, sollte die Polizei womöglich einfach auf die Erstellung einer derart unverlässlichen Sonderstatistik verzichten. Die „Polizeiliche Kriminalstatistik“ ist ein Arbeitsnachweis der Polizei – nicht mehr, nicht weniger. Wenn dieser Arbeitsnachweis aber für Hass und Hetze mit manipulierten oder falsch verstandenen Zahlen missbraucht wird, konterkariert die Polizei eine ihrer wichtigsten Aufgaben: die Prävention.

Autor: Tobias Wilke, Artikelbild: Screenshot facebook.com

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Kriminalität: Wie jedes Gespräch mit einem AfD-Wähler abläuft

Fakten gegen Hetze

Derzeit werden einige jüngste Schreckenstaten von Rechtsextremen dazu instrumentalisiert, um gegen Nichtdeutsche zu hetzen und Rassismus weiter zu schüren. Wer sagt, dass die Täter ihre gerechte Strafe erhalten sollen, der ist kein Rassist. Aber wer sich nur die schrecklichen Taten herauspickt, an welchen Nichtdeutsche beteiligt sind und diese nutzt, um falsche und verkürzte Schlussfolgerungen zur „Willkommenspolitik“ oder Einwanderung zu ziehen, schon.



1. Man ignoriert die meisten Straftaten

Die AfD schreibt auf Twitter zum Mord in Stuttgart: „Deutschland kommt nicht zur Ruhe, erneut gibt es einen Mord in aller Öffentlichkeit.“ Aber es gab sogar zwei. Aber der andere weniger interessant, nicht? In Kassel wurde in der Nacht zum Donnerstag ein Mann auf offener Straße erschossen (Quelle). Die AfD verschweigt fast ausnahmslos jede Straftat, die nicht von einem (vermeintlich) Nichtdeutschen verübt wurde, das ist Fakt. Obwohl das nur der größte Teil aller Straftaten ist. Mehr dazu:

Rassistische Hetze: Wo sind die empörten Wutbürger zum Mord in Kassel?

2. Deutschland ist viel sicherer geworden

Über Nichtdeutsche Straftäter wird öfter berichtet, weil es mehr Menschen interessiert, weil sie sie instrumentalisieren, weil sie glauben, dass diese mehr Straftaten begehen, weil mehr darüber berichtet wird. Danach wird behauptet, dass das so sei, weil Deutschland so unsicher geworden sei. Deutschland ist aber so sicher wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr, das bestätigt auch die Polizei, die eine Erklärung hat, warum viele Menschen das nicht so empfinden. Mehr zu den Fakten:

Die Zerstörung vom „Es ist alles so unsicher geworden“-Mythos

3. Die Augenwischerei mit der Überproportionalität

Wenn dieser Mythos aus der Welt geschafft wurde, wird versucht, mit einem statistischen Trick zu argumentieren: Nichtdeutsche seien schließlich überproportional kriminell. Das ist aber ziemlich nichtssagend, da in die Statistik jeder Nichtdeutsche einfließt, wie Touristen, Geschäftsreisende, Internetkriminalität uvm. Deshalb sind Deutsche in Österreich auch überdurchschnittlich kriminell oder alle Berliner. Zumindest laut Statistik. Und dann kommt noch eine unterschiedliche Demographie hinzu, die verzerrt. Mehr dazu:

Abrechnung mit „Aber Nichtdeutsche sind überdurchschnittlich kriminell!“

4. Wären sie gar nicht erst hier…!

Die letzte Zuflucht ist dann das wahnwitzige und sogar faschistische Argument, dass alle Straftaten von Nichtdeutschen verhindert hätten werden können, wenn sie gar nicht erst im Land gewesen wären. Dass das weder Straftaten von Touristen usw verhindert, noch von allen Deutschen, die wohlgemerkt die allermeisten Straftaten verüben, wird einfach übersehen. Ebenso wie die Tatsache, dass hier anscheinend vorgeschlagen wird, dass bis zu 10 Millionen Bewohner Deutschlands aus dem Land geworfen werden sollen, größtenteils EU-Ausländer, größtenteils hier geboren und wovon circa 98% nie straffällig geworden sind. Sinnvoll sieht anders aus. Mehr dazu:

Die verrückteste „Lösung“, die Rassisten gegen Kriminalität vorschlagen

5. Wir wollen auch recht und gesetz

Aber seien wir ehrlich, meistens kommen wir gar nicht so weit in einer Diskussion. Irgendwann kommen nur Unterstellungen, Lügen, Leugnungen und Beleidigungen. Das waren nur nacheinander die „Argumente“, die ich in den letzten Tagen gehört habe, mit der versucht wurde, die rassistische Instrumentalisierung und Auswahl dieser Straftaten zu rechtfertigen. Und „Lösungsvorschläge“, die nichts mit Kriminalität zu tun haben. Denn die meisten, die so argumentieren, wollen eigentlich einfach nur (dunkelhäutige) Ausländer und Schutzsuchende nicht in Deutschland haben. Und das mit Kriminalität zu begründen klingt nach einem rationalen Argument.

Wenn ich argumentiere, dass es das nicht ist, heißt das nicht, dass ich dagegen bin, dass sie bestraft werden. In deren Köpfen ist Abschiebung die einzige und einzig richtige Maßnahme gegen Kriminalität, dabei gibt es so etwas wie ein Gesetz und ein Gleichheitsgrundsatz. Jeder ist vor dem Gesetz gleich. Oder was meint ihr, wie wir deutsche (und alle anderen) Straftäter verurteilen? Es gibt sinnvolle, nicht rassistische Maßnahmen, um Kriminalität und Schreckenstaten von psychisch Kranken zu verhindern. Abschiebung gehört nicht dazu.

Wir wollen keinen rassismus

Es ist schade und traurig, dass Rechtsextremisten wie die AfD derart schamlos die Opfer verhöhnen, wenn sie nicht nur diejenigen ignorieren, deren Täter Deutsche waren, sondern sich wie im Falle des Jungen von Frankfurt einfach einen Namen ausdenken, um damit viele Lügen zu verbreiten. Wie muss sich die arme Mutter dabei fühlen? Wir alle wollen eine gerechte Strafe für die Täter und sinnvolle Maßnahmen, um so etwas in Zukunft zu verhindern. Was wir nicht wollen ist Rassismus.

Artikelbild: pixabay.com, CC0

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Die verrückteste „Lösung“, die Rassisten gegen Kriminalität vorschlagen

„importierte gewalt“? Euer ernst?!

Es sind keine neuen Narrative, sondern die Propaganda von vielen Jahren, aber derzeit kochen sie wieder besonders extrem hoch. Hetze gegen „kriminelle Ausländer“. In den letzten Tagen habe ich nach und nach jede Falschdarstellung von AfD und Co zerlegt. Und bekam immer neue Ausflüchte zu hören, warum denn die Rassisten doch irgendwie Recht haben sollten.

In der Welt der AfD ist Deutschland plötzlich (seit 2015) quasi zu einem Bürgerkriegsland geworden und versinkt in Kriminalität. Schuld daran seien „Flüchtlinge“ und „Ausländer“. Und Menschen mit Migrationshintergrund zählen auch dazu. Zuerst muss man diesen Mythos und diese Falschbehauptung aus der Welt schaffen. Denn nicht nur ist das Zusammenwerfen dieser Begriffe völlig unlogisch und letztlich nichtssagend (Mehr dazu), Deutschland ist darüber hinaus auch so sicher wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr, das bestätigt auch die Polizei, die eine Erklärung hat, warum viele Menschen das nicht so empfinden.

Die Zerstörung vom „Es ist alles so unsicher geworden“-Mythos

Danach flüchten sich die Rassismus-Apologeten in einen Trick aus der Statistik. Denn wenn man die Straftaten, die von Nichtdeutschen begangen werden, in Proportion zu den in Deutschland lebenden Nichtdeutschen setzt, sind diese scheinbar überproportional kriminell. Warum das eigentlich ein krasser Denkfehler ist und daher gar keine Aussagekraft besitzt, habe ich hier erklärt:

Abrechnung mit „Aber Nichtdeutsche sind überdurchschnittlich kriminell!“



Dann kommt der blanke rassismus

Der buchstäblich letzte Logiksprung wird an dieser Stelle dann versucht, indem das Totschlagargument kommt: „Ihr könnt nicht leugnen, dass alle diese Straftaten nicht geschehen wären, wenn diese Menschen nicht im Land gewesen wären.“ Das ist nicht nur rassistisch, das ist schon faschistisch. Ich meine auf den ersten Blick – Ja, stimmt. Aber nach der Logik könnte ich sagen: Wären alle Deutschen, die später mal einen Menschen umbringen, gar nicht erst geboren worden, hätten sie niemanden umbringen können.

Logisch? Ja. Sinnvoll oder pragmatisch? Auf keinen Fall. Was wollen diese Personen damit sagen? Dass wir mit einem Schlag 10 Millionen Menschen ohne deutschen Pass aus dem Land werfen sollen? Menschen, die teilweise hier geboren sind? Wohlgemerkt darunter 4,3 Millionen EU-Ausländer, 2,8 aus dem sonstigen Europa, 2 Millionen aus Asien. Dürfen nie wieder Touristen, Diplomaten, Geschäftsreisende ins Land?

Natürlich meint das niemand, aber wie sollte man sonst Straftaten von Nichtdeutschen verhindern? Alle sterilisieren lassen? In Lager stecken? Ich hoffe, an der Stelle habe ich wieder daran erinnert, wer das letzte Mal so argumentiert hat und dieses Denken zu seinem logischen Ende führen wollte. Außerdem sind 98% dieser Menschen niemals irgendwie straffällig geworden. Was können die dafür, dass irgendwelche andere Menschen Straftaten begehen? Selbst wenn sie oder ihre Eltern einmal aus dem gleichen Land kamen? Das sind schon die gleichen Leute, die behaupten, sie wären für die Taten ihrer Großväter nicht verantwortlich?

Und… was machen wir dann mit den deutschen straftätern?

Ich meine gebt euch mal diese Argumentation! Man will Millionen Unschuldige abschieben? Und wenn ihr nur die abschieben wollt, die straffällig werden… wie soll man im Nachhinein dadurch ihre Taten verhindern? Habt ihr auch nur eine Sekunde darüber nachgedacht, was diese schwachsinnige Aussage bedeutet? Ihr nennt es „importierte“ Gewalt. Importiert? Sind Menschen jetzt Ware? Hat die jemand bestellt? Was redet ihr da?! Wenn ihr ehrlich nichts mit faschistischem Denken zu tun haben wollt, solltet ihr dieses Denken schnell aus euren Köpfen streichen.

Vor allem heißt das doch (manchmal sogar wörtlich), dass die Straftaten und Morde von Deutschen egal sind. Ich habe mehrmals gelesen, dass man dagegen halt nichts machen könne und sie akzeptieren müsse. Ja, und die Leute werfen mir vor, ich würde Straftaten verharmlosen. Wir sollen also 10 Millionen Unschuldige aus dem Land werfen, nur um einen Bruchteil an potentiellen Straftaten zu verhindern? Und währenddessen den Großteil aller Straftaten ignorieren. Seid ihr alle noch bei Trost?

Ihr müsst doch merken, wie verrückt das ist. Wenn ihr euch wirklich mit Kriminalität beschäftigen würdet und mal die AfD in Ruhe plärren lassen würdet, könntet ihr vielleicht echte, sinnvolle Lösungen überlegen, wie man die (ohnehin schon historisch niedrige!) Kriminalität weiter senken könnte. Grenzkontrollen helfen überhaupt nicht. Der Täter von Frankfurt beispielsweise ist legal eingereist und wäre auch bei Grenzkontrollen nicht aufgehalten worden. Ja, Seehofers Vorschlag ist heiße Luft.

Purer rassismus

Diese ganzen Debatten über Kriminalität, das Instrumentalisieren von Opfern, von Statistiken, die Lügen und die Hetze sind völlig sinnlos, weil am Ende einfach nur rauskommt, dass es nur um Rassismus geht. Sie suchen Gründe, um Dunkelhäutige zu hassen. Vielleicht versteht ihr jetzt, warum die Herkunft der Täter wirklich egal ist. Wenn ihr nicht direkt das Dritte Reich wieder aufbaut und alle ohne Arierausweis in KZs steckt ist euer „importierte Gewalt“-Gelaber auch nur heiße Luft. In jedem Fall ist es Faschismus, tut mir leid, was soll es denn sonst sein? Na gut, manche in der AfD fordern das halt wirklich.

Also, seid ihr buchstäblich Nazis? Oder können wir endlich diese schreckliche „Diskussion“ beenden und nicht mehr jede herausgepickte Straftat eines Nichtdeutschen instrumentalisieren? Nicht mehr mit Statistiken Augenwischerei betreiben? Könnt ihr eure Morddrohungen, Hetze und euer Nazi-Gerede von „importierter Gewalt“ wegstecken und vielleicht um alle Opfern trauern und nicht nur um diejenigen, deren Täter die falsche (oder richtige) Hautfarbe hat?

Artikelbild: Vulp, shutterstock.com

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Abrechnung mit „Aber Nichtdeutsche sind überdurchschnittlich kriminell!“

Sind Nichtdeutsche überdurchschnittlich kriminell?

Wer diese Tage über Kriminalität spricht, erwähnt meistens Flüchtlinge, Nichtdeutsche oder Menschen mit Migrationshintergrund. Dabei wird immer wieder mit einer aktuelles Tragödie argumentiert oder manchmal auch eine Statistik hergenommen. Es ist wichtig zu wissen, dass diese Menschen beliebig zwischen den drei Einteilungen „Flüchtling“, „Nichtdeutscher“ und „Migrationshintergrund“ hin- und herwechseln. Obwohl das völlig unterschiedliche Dinge sind. Manchmal werden sogar alle zu „illegalen Flüchtlingen gemacht.

Weil es natürlich nicht um diese Einteilungen geht, sondern nur um Rassismus. Es geht um Hautfarbe. Denn sie meinen nicht Russlanddeutsche, sie meinen nicht Europäer, die hier wohnen. Sie meinen nicht amerikanische Touristen. Sie meinen nicht weiße, christliche Flüchtlinge. Denn sie meinen Dunkelhäutige Menschen. Die AfD versteckt das nicht einmal mehr:

Alle aktuellen Fälle, in denen ein Nichtdeutscher eine schreckliche Tat begangen hat, werden herausgepickt und nur diese. Dann wird Empörung und Trauer geheuchelt und Merkel ist Schuld. Alle Taten von Deutschen werden verschwiegen. Mit diesen plastischen Einzelfällen macht man dann Stimmung. Das habe ich heute morgen entlarvt, denn in den letzten zwei Tagen gab es viele Getötete (Hier).

Dazu erzählen sie einem, dass man „sich nicht mehr auf die Straße traue“, weil Deutschland angeblich so unsicher geworden ist. Natürlich wegen der „Dunkelhäutigen“. Dann kann man diesen Mythos schön mit Zahlen entlarven, wie ich es vor kurzem gemacht habe (Hier). Denn Deutschland ist so sicher wie seit 1992 nicht mehr. Auch die Zahl der Tötungsdelikte ist weiter zurückgegangen. Dann müssen sie nach weiteren Rechtfertigungen für Rassismus suchen.



Die proportionalität!

Weil Straftaten in den Polizeistatistiken natürlich nicht nach Hautfarbe aufgeführt werden, müssen sie für diese Rechtfertigung auf zwei Kategorien zurückgreifen. „Nichtdeutsche“ und „Zuwanderer“ (gemeint ist damit in der Statistik anerkannte Schutzsuchenden, Asylbewerber, Menschen mit subsidären Schutz und abgelehnte Asylbewerber, mehr dazu später) Fangen wir mit den „Nichtdeutschen“ an. Da hat uns der Tagesspiegel einen Bärendienst auferlegt.

Der hat die Milchmädchenrechnung gemacht, dass 11,5% der Menschen mit Wohnsitz in Deutschland für 34,5% aller Tatverdächtigen verantwortlich seien. Für Rassisten endet die „Diskussion“ damit hier. Glück gehabt, Deutschland ist zwar nicht unsicherer, es werden nicht mehr Tötungsdelikte begangen, aber die „Ausländer“ sind im Schnitt krimineller, also hatte man mit seinem Rassismus Recht! Doch das ist auch Blödsinn. Denn es gibt nun mal auch viel mehr Nichtdeutsche als Deutsche, nicht? Also, auf der Welt.

Das klingt jetzt erstmal bescheuert, aber es gibt einen guten Grund, warum das BKA mit voller Absicht, nicht die „Tatverdächtigenbelastungszahlen“ für Nichtdeutsche berechnet. Weil sie nicht ermitteln können, wie viele der Nichtdeutschen, die in Deutschland Straftaten begangen haben Touristen, Geschäftsreisende, Besucher, Grenzpendler, Diplomaten, Stationierte usw sind oder sich hier unerlaubt aufhalten.

Das ist beispielsweise für den Täter von Frankfurt sehr relevant, weil dieser als Beispiel aufgezählt wird. Dabei ist er weder illegal nach Deutschland gereist, noch hier anerkannter Flüchtling, sondern in der Schweiz, noch in Deutschland sesshaft, hat aber seine Tat hier begangen. Er fließt in die Statistik ein, gehört aber nicht zu den „hier lebenden Ausländern“. (Danke an Tobias Wilke!)

Die meisten Nichtdeutschen Ausländer sind Europäer

Es gibt in Deutschland sogar 1,5 Millionen Nichtdeutsche OHNE Migrationshintergrund. Von den knapp 10 Millionen in Deutschland lebenden Nichtdeutschen sind 4,3 Millionen EU-Ausländer, 2,8 aus dem sonstigen Europa, 2 Millionen aus Asien. Aber komischerweise werden alle deren Straftaten nur bestimmten Personengruppen zugeschoben. „Dunkelhäutigen“.

„Migrationshintergrund“ ist auch Blödsinn, dazu habe hier mal mehr geschrieben. Du könntest auch darauf hinweisen, dass in Österreich Deutsche weniger als 2% der Bevölkerung ausmachen, aber dafür 4% aller Tatverdächtigen ausmachen. Oh, neigen Deutsche vermehrt zu Kriminalität? Das gleiche Spiel kannst du zum Beispiel mit allen Berlinern spielen. Die sind im Schnitt auch krimineller. Was ist damit bewiesen?

91 Getötete, 607 Vergewaltigungen und sie sind überdurchschnittlich kriminell!

Dann kommen wir mal zu den „Zuwanderern“, zu denen hat das BKA auch die Tatverdächtigen extra ausweist. Deren absolute Zahl an Straftaten ist zwar gesunken, aber sie sind „überdurchschnittlich“ kriminell! Warum das erstmal nichts heißt, habe ich schon erklärt. Aber hier vergleicht man auch Äpfel mit Birnen. Denn nicht Hautfarbe ist für die Anfälligkeit zur Kriminalität entscheidend. Sondern der Penis.

AM KRIMINELLSTEN SIND IMMER JUNGE MÄNNER OHNE PERSPEKTIVE

Wie kriminell ein Mensch ist, hängt nicht damit zusammen, was er für eine Hautfarbe hat. Was nachweislich für Kriminalität relevant ist, sind nun mal das Geschlecht, sprich: Männlichkeit (75% aller Tatverdächtigen der PKS, bei Gewaltkriminalität sogar 86 Prozent und bei Vergewaltigung fast 99 Prozent!), Alter und soziale Situation (ob du arm bist, Arbeit hast, soziale Perspektiven, etc.).

Und demzufolge müssen „Zuwanderer“ rein statistisch gesehen schon krimineller sein, weil ihr Anteil an sozial schlechter gestellten Männern zwischen 20 und 40 größer ist als in der durchschnittlichen deutschen Bevölkerung12% der Deutschen sind zwischen 20 und 40 und männlich. Bei Asylbewerbern liegt der Anteil an Männern im Alter zwischen 18 und 40 bei 30,8%. Unter den Deutschen ist jeder 5. Rentner, bei Asylbewerbern sind es gerade mal 1%. (Stand: 08/17; Deswegen sind übrigens tatsächlich nur weniger als 1/3 der Asylbewerber „junge Männer“, mehr dazu).

Was der dritte der drei stärksten Faktoren ist, die zu Kriminalität führen, ist soziale Stellung und Perspektive: Armut, unsichere Zukunftsaussichten und Perspektivlosigkeit. Asylsuchende haben eine von Krieg verwüstete Heimat verlassen, und dürfen nach der langen Reise nach Europa erst einmal in einem engen Asylbewerberheim unterkommen, zunächst nicht arbeiten und wissen nicht, was mit ihnen passieren wird. Deswegen fällt die Anzahl der Tatverdächtigen, sobald sie Asyl bekommen auf nur 1,9%! Damit sind sie sogar weniger kriminell als Deutsche!

(10.511 Tatverdächtige von 550.411 International/national Schutzberechtigten und Asylberechtigten) 

DEUTSCHE MIT ÄHNLICHEM GESCHLECHT, ALTER UND SOZIALER STELLUNG SIND GENAU SO KRIMINELL

Wie man sieht, werden hier also Äpfel mit Birnen verglichen, denn wenn man die Faktoren Alter, Geschlecht und soziale Perspektive herausrechnet, gleicht sie sich den Deutschen an. Das BKA schreibt dies selbst:

„Diese Ergebnisse dürften „nicht mit der tatsächlichen Kriminalitätsentwicklung gleichgesetzt werden. Sie lassen auch keine vergleichende Bewertung der Kriminalitätsbelastung von Deutschen und Nichtdeutschen zu. Einem wertenden Vergleich zwischen der deutschen Wohnbevölkerung und den sich in Deutschland aufhaltenden Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit stehen (auch) das doppelte Dunkelfeld in der Bevölkerungs- und in der Kriminalstatistik sowie der hohe Anteil ausländerspezifischer Delikte und die Unterschiede in der Alters-, Geschlechts- und Sozialstruktur entgegen.“

Und nur um es nicht ausgelassen zu haben: Es handelt sich um Tatverdächtige, nicht um Täter. Da nur 57,1%  aller Straftaten aufgeklärt worden sind, wissen wir bei etwas weniger als der Hälfte aller dieser Fälle nicht, ob der jeweilige Tatverdächtige auch der Täter war, weswegen wir vorsichtig mit diesen Zahlen sein müssen. Insbesondere da eben aufgrund rassistischer Vorurteile nachgewiesener Maßen Ausländer häufiger angezeigt und verdächtigt werden.

Und kommen wir zum letzten verzweifelten versuch, den Rassismus zu verteidigen

An diesem Punkt angekommen wird der letzte Versuch unternommen, den Rassismus und die Vorurteile zu verteidigen: Wären diese Menschen gar nicht erst in Deutschland, wären diese Straftaten gar nicht erst passiert. Deutschland soll deswegen seine Grenzen schließen und sich am besten vollkommen hermetisch abriegeln, damit wir uns in Ruhe selbst gegenseitig umbringen können, ohne dass „Nichtdeutsche“ daran beteiligt sind. Ich habe offensichtlich hier übertrieben, um die Absurdität aufzuzeigen. Leider ist das eine reale Argumentation.

Nach der Logik sind alle Nichtdeutschen und Flüchtlingen nur erlaubt, wenn kein einziger von ihnen jemals eine Straftat verübt. Dass überschlagen 98% aller Menschen, egal welcher Hautfarbe und Nationalität in Deutschland heutzutage nie tatverdächtig werden, spielt keine Rolle. ALLE Nichtdeutschen und Flüchtlinge müssen das Land verlassen, weil einige von ihnen Straftaten begehen könnten. Dass das absurd ist, muss man sich nicht extra ausmalen. Aber es ist auch die absurde Unterstellung, dass Morde von Deutschen anscheinend kein Problem sind, gegen welches man etwas unternehmen müsste, oder?

Deutsche begehen immer noch die meisten Morde, Vergewaltigungen und Straftaten allgemein. Wenn man am Wohlergehen aller Menschen interessiert ist, sollte man doch dafür sorgen, dass so wenig Menschen wie möglich Opfer werden. Und warum sollte man sich da auf die Gruppe konzentrieren, die die weniger Straftaten begeht? Warum keine Lösungen suchen, die die wirklichen Ursachen bekämpft? Warum tut die AfD nichts gegen deutsche Mörder?

unrealistische lösungen

„Abschiebungen“ rufen und auf die „Willkommenskultur“ zu schimpfen ist nicht die Lösung, um die Straftaten zu verringern. Sondern die Straftaten sind die vermeintliche Rechtfertigung für diese rassistischen Forderungen. Denn wenn wir natürlich alle Nichtdeutschen und mit Migrationshintergrund aus dem Land werfen würden (Ich will ja keine Nazi-Keule bringen, aber was hat Hitler nochmal versucht? Wofür war der Arierausweis gut?), verüben Deutsche immer noch Straftaten. Wie will man die verringern? Nach der Logik könnte man das Kinderkriegen verbieten, weil es potentielle Mörder werden könnten. Wer sich um Sicherheit sorgt und deutsche Straftäter verschweigt, lügt.

Tatsächlich führt Familiennachzug und Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis für Asylsuchende dazu, dass die Wahrscheinlichkeit, dass sie straffällig werden, drastisch sinkt. Wer Familie hat, treibt sich nicht so oft in alkoholisierten Männergruppen herum. Wer arbeitet, kann sich integrieren und muss nicht Stehlen. Mehr Plätze in Psychiatrien und Betreuung von psychischen Krankheiten könnte nicht nur nichtdeutsche Täter verhindern, sondern alle Täter, die deswegen zu Gewalt neigen.

Warum hört man von denen, die angeblich nur um die Opfer von Nichtdeutschen trauern, nicht solche Lösungen? Warum spricht die AfD nie von deutschen Mördern oder Tatverdächtigen?

Links: Realität, Rechts: AfD-Auswahl Mehr dazu (PKS = Polizeiliche Kriminalstatistik)

Weil es überhaupt nicht um Sicherheit geht. Kann es auch gar nicht, wenn alle Straftaten auf historischem Tiefstand sind und auch Mord und Totschlag weiter zurückgegangen sind. Ja, Nichtdeutsche sind überdurchschnittlich kriminell. Berliner auch. Junge, perspektivlose Männer begehen die meisten Straftaten, egal welche Hautfarbe sie haben. Damit ist auch nichts bewiesen. Außer, dass es Menschen gibt, die um jeden Preis versuchen, ihre rassistische Politik zu rechtfertigen.

Artikelbild: Aaron Amat, shutterstock.com

Da du diesen Artikel zu Ende gelesen hast: Möchtest du mehr Recherchen und Analysen zu den Hintergründen von politischen Mythen und Fake News? Oder auch Kommentare zu politischen Forderungen und aktuellen Ereignissen? Dann unterstütze unsere Arbeit mit einer kleinen Spende für einen Kaffee, dazu kannst du einfach hier entlangschauen. Vielleicht hast du auch Fragen oder Artikelwünsche? Dann schreib uns auf redaktion@volksverpetzer oder auf Facebook oder Twitter




Die Zerstörung vom „Es ist alles so unsicher geworden“-Mythos

Von welchem deutschland sprecht ihr eigentlich?

Viele Menschen glauben inzwischen, dass Deutschland viel unsicherer geworden sei. Dass jeden Tag irgendwo etwas Schlimmes passiert. Doch es ist schon immer jeden Tag etwas Schlimmes passiert. Nur hatten wir damals kein Facebook. Und keine AfD. Lutz Jäkel hatte dazu ein paar interessante Gedanken, die ich hier aufgreifen möchte.

Was ist das eigentlich immer für ein Gejammere, man wolle "das alte, friedliche Deutschland" zurückhaben, diese "einst…

Gepostet von Lutz Jäkel am Mittwoch, 31. Juli 2019

Also vielleicht das Deutschland aus den 1950er Jahren, als Frauen vor allem noch hinter dem Herd standen, sich um die Kinder kümmerten und per Gesetz ihren Mann fragen mussten, wenn sie eine Arbeitsstelle annehmen wollten und in der Homosexualität noch unter Strafe stand? Hoffentlich nicht.

Also dann das aus den, sagen wir, 1980ern? Also die Zeit, als es noch kein Internet gab, keine Smartphones, mithin kein Facebook, also keine digitalen, sondern nur analogen Stammtische mit sehr begrenzter Reichweite, keine digitalen, sondern nur analoge Parallel- und Empörungswelten, keine ständigen Nachrichten-Pushmeldungen, sondern nur zwei TV-Sender mit zwei Mal am Tag Nachrichten, in der ARD, im ZDF?

(Private Sender kamen damals erst langsam an den Start.) Und dann gab es noch Zeitungen, lagen morgens im Briefkasten oder am Kiosk. Und für die nächsten neuen Nachrichten in der Zeitung musste man bis zum nächsten Tag warten. Ja, so war das damals in den 1980ern. Ich kenne diese Zeiten noch, bin Jahrgang 1970.

Will sagen: Natürlich war „das alte Deutschland“ nicht friedlicher oder weniger kriminell. Man wusste es nur nicht so genau, jedenfalls nicht in dem Maße wie heute. Oder warum gibt es seit 1967 die Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“?



Mord und totschlag

Durch Social Media bekommen wir jetzt jede Meldung per Push-Nachricht aufs Handy. Und auch abseits der „Lügenpresse“ kann jeder seine eigenen „News-Meldungen“ produzieren. Und mit WordPress und Facebook überprüft nicht einmal jemand, ob das, was man schreibt, überhaupt stimmt. Was macht das mit unserer Wahrnehmung? Kommen wir zurück zu der Wiedervereinigung. 1993 gab es 5140 Tötungsdelikte (Mord, Totschlag, Tötung auf Verlangen, auch Versuche). 2018 waren es 3094. Auf 100.000 Einwohner gab es 1993 6,35 Delikte, 2018 waren es 3,76. (Quelle)

Mord, inklusive Totschlag, via kriminalpolizei.de
Will man das wirklich zurückhaben? Wenn man nur Mord und Totschlag hinzunimmt kann man sich diese Grafik der Gewerkschaft der Polizei ansehen, die die Fälle bis 2015 aufgelistet hat. Sie schreibt auf ihrer Website:

„Mit der Wiedervereinigung springt die Kriminalität nach oben. Von 743 Mordfällen im Jahr 1990 verdoppelt sich die Fallzahl auf 1468 Fälle in 1993. Durch die zusätzlichen DDR-Bürger nimmt die Bevölkerung um 17074200 Personen um 27% zu (…) Gleichzeitig ist der Anstieg bei den Mordfällen 98% (…)

Die fünf neuen Bundesländer und Berlin verursachen 1993 36% aller vollendeten Morde und Totschläge, stellen aber nur 22% der Bevölkerung (…) Dass ausgerechnet die Ostdeutschen, die die Mordkriminalität nach der Wiedervereinigung wie man am Graphen erkennen kann regelrecht nach oben katapultiert haben, jetzt die Flüchtlinge von 2015 thematisieren, ist angesichts der eigenen Historie unangebracht.“

Der Proportionale Anstieg von Morden 1993 vs 2015

Aber die Flüchtlinge!

Jeder einzelne Mord und jede Tat sind schrecklich und unverzeihlich, keine Frage. Aber „früher“ war es nicht sicherer als heute. Die Kriminalität insgesamt ist 2018 zum zweiten Mal in Folge auf den niedrigsten Stand seit 1993 gefallen. Auch Mord und Totschlag sind im zweiten Jahr in Folge weniger geworden. In den Jahren 2000 bis 2007 1893 gab es jedes Jahr mehr Opfer als 2018. War 2007 etwa alles besser?

Natürlich wird dieses Unsicherheitsempfinden dazu instrumentalisiert (und erst erschaffen), um gegen Schutzsuchende zu hetzen. Die Logik der AfD ist so simpel wie rassistisch: Früher keine Flüchtlinge = sicher. Heute Flüchtlinge = unsicher. Doch das mit dem „Früher“ und dem „unsicher“ hätten wir glaube ich schon geklärt. Viele weisen daraufhin, dass der Anteil der „Zuwanderer“ an den Straftaten größer geworden ist und glauben, damit etwas bewiesen zu haben.

Aber zum einen ist es einem Mordopfer, glaube ich, ziemlich egal, welchen Pass sein Mörder hat. Jeder Tote weniger ist gut. Oder ist das Sterben durch ein deutsches Messer viel angenehmer? Zum anderen: Natürlich ist der Anteil größer. Es sind ja auch in den letzten Jahren viel mehr geworden. Mehr zum Thema, wer wirklich anfälliger für Straftaten ist, haben wir hier einmal erklärt.

 

via Mediendienst Integration

Und eine Ergänzung zum Anstieg von Mord und Totschlag in den Jahren 2016 und 2017 haben wir hier auch mal erklärt. Der geht zum größten Teil nämlich auf das Konto von zwei weißen, deutschen Massenmördern:

Starker Anstieg der Morde 2016: Fallt nicht auf diese AfD-Propaganda rein!

Früher war nicht alles besser

Früher war nicht alles besser, im Gegenteil. Das friedliche Deutschland, das es früher gegeben haben soll, ist eine Fantasie. Eine Fantasie, die von der AfD dafür genutzt und befeuert wird, um Angst zu machen vor einer bestimmten Gruppe. Das sind nicht Asylbewerber, sondern Menschen mit anderer Hautfarbe. Es geht nicht um Aufenthaltsstatus, es geht nicht um Staatsbürgerschaft:

Die Mitglieder der AfDsind Rassisten und sie möchten dir nicht nur einreden, dass „früher“ alles sicherer war, sondern auch noch dass „Dunkelhäutige“ daran Schuld seien, dass es heute angeblich nicht mehr so sicher ist. Dabei erfindet sie oft genug Straftaten oder behauptet einfach, den Schuldigen zu kennen. Wichtig ist: Wer sich bei der AfD „informiert“ bekommt nur die Straftaten zu Gesicht, die zu ihrer Propaganda passen. Das wurde nachgezählt:

Links: Realität, Rechts: AfD-Auswahl Mehr dazu, PKS = Polizeiliche Kriminalstatistik

Wenn Menschen gewaltsam sterben ist das immer eine Tragödie. Aber lasst eure Trauer nicht dazu manipulieren, dass ihr glaubt, „früher“ wäre alles besser gewesen. Oder dass bestimmte Menschen dafür verantwortlich wären, dass es jetzt nicht mehr so sei. Denn wenn wieder unverhohlen Neonazis auf den Straßen marschieren und Menschen ermorden, dann erst wird es wirklich wieder unsicher. Denn früher, vor 1945, war es so unsicher wie niemals zuvor in Deutschland. Und daran waren nicht Flüchtlinge Schuld.

Zum Weiterlesen:

Abrechnung mit „Aber Nichtdeutsche sind überdurchschnittlich kriminell!“

Inspiriert von Lutz Jäkel, danke! Artikelbild: ArizonaTroe, shutterstock.com

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Vergiss Lübcke: Du wirst nicht glauben, wie kriminell die Antifa ist!

… aber die linksextremen!

Alle reden über den rechtsextrem motivierten Anschlag auf Walter Lübcke und dessen Hinrichtung durch den mehrfach vorbestraften Neonazi. Das lenkt doch nur von der viel schlimmeren Gefahr der Linksextremisten – der Antifa! – ab. Schauen wir uns doch die Anzahl der Straftaten von Hasskriminalität der PMK 2018 an:

Grafik von Frank Stollberg, Danke!

77 Straftaten! Diese gefährlichen Kriminellen! Darunter übrigens auch 14 antisemitische Straftaten (vs 1603 Rechtsextreme) und 40 fremdenfeindliche (vs 7064 von Rechtsextremen)! Solche Heuchler! Die Linken sind die wahren Nazis, eindeutig. Und gewalttätig sind sie auch noch!

Grafik von Frank Stollberg, Danke!

12!!! Gewalttaten im Bereich der Hasskriminalität der ANTIFA im ganzen Jahr 2018. Warum spricht keiner darüber, na? Was soll hier verschwiegen werden???



Hasskriminalität: 93,5% aller Straftaten rechts

Jetzt mal wieder ohne Sarkasmus: Wie Frank Stollberg in einem Post schon richtig feststellte: Bei den viel zu wenig geführten Gesprächen um rechtsextreme Gewalt ist es nicht nur ein Whataboutismus mit „Linksextremen“ abzulenken, sondern auch völlig absurd. Bei Verhältnissen vom Faktor 73 bei Gewalttaten und 93 bei den Straftaten allgemein ist das eine sinnlose Ablenkung.

Stephan E. hat ein Geständnis abgelegt, Neonazis ermorden Politiker in Deutschland. Mit „Einzelfällen“ hat das nichts mehr zu tun, wenn der organisierte Hass im Netz sich in Straftaten außerhalb davon niederschlägt. Wenn sich zehntausende gewaltbereite Nazis in verschiedensten Organisationen organisieren, wenn fast 500 polizeilich gesuchte Nazis untergetaucht sind.

Wir müssen aufhören, so zu tun, als sei jeder „Extremismus“ gleich verwerflich. Natürlich ist Gewalt zu verurteilen, aber wer „Linksextremismus“ und „Rechtsextremismus“ in einem Atemzug nennt, der verharmlost letzteren. „Kein Zweifel: Der Feind steht rechts!“, um Reichskanzler Wirth zu zitieren. Es ist wichtig, dass die Teile der CDU, die das noch nicht tun, endlich den Ernst der Lage anerkennen und entsprechend durchgreifen.

Unions-Abgeordnete twitterten über 10-mal mehr über Rezo als über Lübcke

Artikelbild: Jesse Adam Davis, shutterstock.com

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Kriminalität: So realitätsfern ist die „alternative“ Sicht der AfD-Wähler

LAUT afd seien 95% aller straftäter ausländer!

Eine Forschungsgruppe der Hochschule Macromedia und der Universität Leipzig hat 242 Pressemitteilungen der AfD aus dem Jahr 2018 analysiert. Anlass war eine Lüge des sächsischen AfDlers Maximilian Krah, der behauptete, von 60 vergewaltigten Frauen seien 56 Opfer von „Migranten“ geworden – was völlig frei erfunden war. Wir haben darüber seinerzeit berichtet:

So frech lügt die AfD über Kriminalität in Chemnitz

Solche glatten Lügen konnten die Forscher*innen nicht mehr finden, Gerüchte und Spekulationen blieben zumindest in den Pressemitteilungen die Ausnahme (auf Twitter und in persönlichen Äußerungen war das natürlich anders, wir haben da ja viel dokumentiert). Dennoch zeigen die 242 Pressemitteilungen, die sich mit strafbaren Handlungen befassen, ein völlig unrealistisches Bild und vermitteln AfD-Anhängern, die durch das Lügenpresse-Narrativ von anderen Medien ferngehalten werden, eine verzerrte Realität.

Mit Statistiken werde nicht gearbeitet und wenn doch, nur sehr selektiv. Vor allem nutze man medial wirksame Einzelfälle, erklärt Thomas Hestermann, Leiter des Projekts. Ziel ist die Bestärkung der der AfD dienlichen Narrative, der selektiven Dämonisierung ihrer Feindbilder und die andauernde Thematisierung von Flüchtlingen und Zuwanderern. Auffällig ist hierbei auch die skandalisierende und wertende Sprache.



AfD vs REalität

Die AfD fokussiert sich demnach überproportional auf terroristische Handlungen, Drogendelikte, Rohheitsdelikte, Sexualstraftaten und Tötungsdelikte. Eigentumsdelikte (wie Diebstahl oder Sachbeschädigung) und eine ganze Reihe anderer Straftaten wie Betrug sind stark unterrepräsentiert.

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Gerade Sexualdelikte (14,3% vs. 1,1%), Tötungsdelikte (18,7% vs 0,1%) und terroristische Handlungen 5,9% vs <0,01%) sind massiv überrepräsentiert. (Hier zur PKS 2018) Im Bereich Extremismus sind die Verhältnisse ebenfalls massiv verzerrt und irreführend verteilt.

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Während „Linksextremismus“ knapp mehr als die Hälfte aller Fälle ausmacht, die die AfD erwähnt, so sind in Wahrheit 56,6% aller politisch motivierten Straftaten von Rechtsextremisten begangen worden. Religiöser und „ausländischer“ Extremismus sind ebenfalls weit überrepräsentiert. Besonders dramatisch wird die Falschdarstellung bei der Darstellung der Nationalitäten von Tatverdächtigen. In 95% aller Fälle, in denen die Nationalität eines Tatverdächtigen erwähnt wird, handelt es sich bei der AfD um einen Nichtdeutschen.

Die PKS zeigt, dass selbstverständlich der Großteil aller Tatverdächtigen deutscher Nationalität ist. Bei insgesamt 50,7% aller Tatverdächtigen wird die Herkunft des Täters nicht bestimmt. Doch im Tandem mit ihrer Rhetorik soll suggeriert werden, dass es sich ebenfalls um Nichtdeutsche handelt. Die Kommentierenden gehen jedenfalls regelmäßig davon aus, wie man jederzeit sehen kann.

Hinweis: Wem die 34,5% viel vorkommen, der muss bedenken, dass hier ebenfalls Touristen, Reisende und Internetkriminalität hineinspielen, und dass auch hier lebende Menschen ohne deutschen Pass und Schutzsuchende unterschiedliche Gruppen sind. Erstere sind nicht nur die größere Gruppe, sondern zum größten Teil EU-Bürger. Wer mehr wissen will, kann hier unsere Analyse lesen:

Deutschland noch sicherer geworden: Die PKS 2018 zerstört die Panikmache der AfD

Verzerrte realität

Wer sich in der AfD-Filterblase befindet, muss zwangsläufig ein falsches Bild von der Realität bekommen. Begleitet werden die Pressemitteilungen schließlich auch durch unzählige Medienberichte in den geheimen Gruppen, sowie diverse Aussagen und Postings der AfD-PolitikerInnen. Die durchaus nicht davor zurückzuschrecken, Statistiken zu verdrehen oder Falschbehauptungen aufzustellen. Jüngstes Beispiel:

Sexuelle Belästigung in Schwimmbädern: So täuscht die AfD Sachsen ihre Wähler über Straftaten

Die Forscher stellen darüber hinaus fest, dass diese einseitige und verzerrte Darstellung, gepaart mit reißerischem Framing und fremdenfeindlichen Narrativen, dazu führt, dass größere Medien die Themen aufgriffen. Zuerst twitterte die AfD „Messerepidemie grassiert!“, wenige Tage später titelte die BILD-Zeitung: „Was tun gegen die grassierende Messer-Epidemie?“ (Es gibt keine „Messerepidemie“, mehr dazu) Die BILD fiel mehrfach auf, da sie Themen und sogar Begriffe der AfD 1:1 aufgriff. Besonders kritisierenswert ist die Tatsache, dass sie in ihren Kommentarspalten unmoderiert hetzen lässt.

So widerlich reagieren BILD-Leser auf Hakenkreuze auf Zäunen von Ramadan-Festival

Während 2014 lediglich 4,3% aller TV-Medienberichte über Gewaltkriminalität von Nichtdeutschen berichteten, waren es 2017 bereits 16,4%. Auch ist die AfD nicht die einzige, die viel seltener über deutsche Tatverdächtige berichtet. Auch deutsche Medien sehen in der Tatsache, dass es sich beim Täter um einen Ausländer handelt, höheren Medienwert. Wir berichteten auch im Dezember über zwei Fälle, in denen es beides Mal um die Vergewaltigung einer 14-Jährigen ging. Der (wie sich später herausstellte) unschuldige Schutzsuchende kam auf alle Titelseiten, der verurteilte deutsche Täter nicht.

Vergewaltigung von 14-jähriger: Diese elende Heuchelei der Medien muss ein Ende haben

Fazit

Die um Aufmerksamkeit heischende Medienlandschaft verzerrt ohnehin schon die Häufigkeit verschiedener Delikte und Tätergruppen, und in der Darstellung der AfD ist dieser Trend noch extremer. Während man zumindest in offiziellen Pressemitteilungen selten direkt lügt, so pickt man sich vor allem Einzelfälle heraus und stellt Statistiken falsch oder nur teilweise dar, um so ein falsches Bild zu erzeugen, das die eigene, fremdenfeindliche Politik zu rechtfertigen versucht.

Ziel ist die Untermauerung, Rechtfertigung und Befeuerung von fremdenfeindlichen Einstellungen und damit der eigenen Politik. Zusammen mit der Diskreditierung jeglicher Berichte, die ein gegenteiliges (und realistischeres) Bild zeichnen („Lügenpresse“), wird dafür gesorgt, dass die eigenen Anhänger nicht nur vom vermeintlichen Problem erfahren, sondern gleich auch wissen, wer der Schuldige ist und was man tun muss, um das aufgeblähte Problem zu lösen – AfD wählen.

Artikelbild: Roman Samborskyi, shutterstock.com, Grafiken: Volksverpetzer

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