Kriminalstatistik: Messer-Martin dreimal so kriminell wie Chorknabe Chalid?

Malen nach Zahlen mit der Kriminalstatistik

Seit Jahren beliebt bei Populisten, Rechtsaußen und der nicht unerheblichen Schnittmenge: eine Zahl aus der Kriminalstatistik wird verglichen mit einer anderen aus der Bevölkerungsstatistik und schon hat man den scheinbar unerschütterlichen Beweis dafür, dass Ausländer viel krimineller sind als Deutsche. Leider haben auch so genannte Leitmedien Gefallen daran gefunden und geben somit ihr Gütesiegel für Fake News – denn diese gefährliche Zahlenspielerei ist grober Unfug.

Screenshot Tagesspiegel

Von Tobias Wilke



Nichtdeutsche bei Straftaten überdurchschnittlich vertreten?

„Nichtdeutsche bei Straftaten überdurchschnittlich vertreten!“ überschrieb der Tagesspiegel Ende Juni einen Artikel und garnierte ihn mit einem Symbolfoto: ein aufgeklapptes Butterfly-Messer. Wer gelegentlich AfD-Pressemitteilungen liest, kennt das Prinzip. Im Folgenden gibt sich der Tagesspiegel redlich Mühe, diese steile These mit Zahlen, Daten, Fakten zu untermauern:

„Ohne sie (Anm. d. Red.: ausländerrechtliche Verstöße) sinkt der Anteil der nicht deutschen Tatverdächtigen auf 30,5 Prozent. Das ist immer noch mehr als der Anteil von Ausländern an der Gesamtbevölkerung. Das Statistische Bundesamt spricht zuletzt von 9,4 Millionen Ausländern in Deutschland im Jahr 2017, das sind 11,5 Prozent der hier lebenden Menschen.“

Die „11,5%“ sind dabei durchaus interessant und werden später im Artikel noch eine Rolle spielen. Diesen vermeintlichen Ausländeranteil hat der Tagesspiegel aus einem eigenen, älteren Artikel übernommen. Dabei sind aktuelle Zahlen leicht verfügbar: das Ausländerzentralregister bezifferte die in Deutschland gemeldeten Ausländer inklusive Schutzsuchenden für den Stichtag 31.12.2018 auf exakt 10.915.455, das wären 13,1%.

Der Haken: selbst das Bundeskriminalamt hält diese Zahl für viel zu ungenau, um damit zu rechnen. Zum einen beruht sie auf einer Bevölkerungsfortschreibung auf Basis des Zensus 2011, zum anderen -und das ist der springende Punkt- müssen „Nichtdeutsche“ keineswegs offiziell in Deutschland gemeldet sein, um sich hier regelmäßig oder gelegentlich, dauerhaft oder auf der Durchreise aufzuhalten. Im „PKS Jahrbuch 2018 Band 3“ heißt es dazu auf S. 101:

Quelle: Bundeskriminalamt

 

Falsche Zahlenspielerei

Das Bundeskriminalamt weist also deutlich darauf hin, dass die Zahlenspielerei des Tagesspiegel falsch sein muss, weil für einen Vergleich von nichtdeutschen Tatverdächtigen mit Nichtdeutschen insgesamt eine der beiden Zahlen schlichtweg fehlt: die der Nichtdeutschen insgesamt. Die „Tatverdächtigenbelastungszahl“ erklären wir später.

Peinlich: die somit falsche Rechnung des Tagesspiegel inkl, der „11,5% hier lebenden Ausländer“ hatte der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen dankbar im „Sommerinterview“ des ZDF aufgegriffen. Der Leiter des ZDF Hauptstadtstudios Theo Koll war offenbar derart überzeugt davon, dass er den Unfug danach auf Twitter verbreitet hat. Auf unsere Einwände und die einiger weiterer Nutzer haben er oder das ZDF bislang übrigens genauso wenig reagiert wie der Tagesspiegel.

Wer nicht gezählt wird, mit dem kann man nicht rechnen

Bei Tatverdächtigen kann die Polizei durchaus Angaben zu dessen Meldeadresse machen –schließlich konnte ein konkreter, mutmaßlicher Täter einer oder mehreren Straftaten zugeordnet werden. Bei der Gesamtheit der Nichtdeutschen ist das aus genannten Gründen unmöglich. Deutschland liegt mitten in Europa, um uns herum haben wir neun Nachbarländer, aus denen „Nichtdeutsche“ bequem zu Fuß oder mit dem Fahrrad nach Deutschland einreisen können, ohne irgendwie gezählt oder erfasst zu werden.

Bereits eine ca. fünfstündige Autofahrt macht Deutschland für mehr 100 Millionen nichtdeutsche Europäer leicht erreichbar. Das macht jenen Vergleich aller tatverdächtigen Ausländer allein mit den in Deutschland gemeldeten Nichtdeutschen vollkommen sinnlos. Diese Rechnung funktioniert vielleicht in Nordkorea, wo die wenigen „Nicht-Nordkoreaner“, die sich im Land aufhalten, dem Regime durchaus bekannt sein dürften. Keinesfalls aber mitten in Europa.

Aus den nichtdeutschen Tatverdächtigen in der Kriminalstatistik ließen sich aber durchaus diejenigen subtrahieren, die überhaupt nicht zur offiziell in Deutschland gemeldeten „Wohnbevölkerung“ gehören: jene mit bekanntem Wohnsitz im Ausland, mit unbekanntem oder ohne Wohnsitz.

Quelle: Bundeskriminalamt

 

Demnach hat bei den Straftaten (ohne ausländerrechtliche Verstöße) fast jeder vierte (23,7%) nichtdeutsche Tatverdächtige in der PKS gar keinen Wohnsitz in Deutschland! Bei den Deutschen sind das lediglich 4,9%.

Ein Vergleich, der nur die Tatverdächtigen (Deutsche/Nichtdeutsche) mit Wohnsitz in Deutschland berücksichtigt, verbietet sich dennoch – zum einen sind gem. BKA auch die „13,1%“ nicht so genau, wie sie vielleicht aussehen, zum anderen unterscheiden sich Deutsche und Nichtdeutsche noch in weiteren Punkten, die kriminalstatistisch relevant sind – „Religion“ gehört allerdings nicht dazu. Darauf kommen wir später zurück.

Was bitte ist eine „Tatverdächtigenbelastungszahl“?

Eine „Tatverdächtigenbelastungszahl“ gibt darüber Aufschluss, wie groß der Anteil Tatverdächtiger einer bestimmten Gruppe ist. Sie bezeichnet die Zahl der durch die Polizei ermittelten Tatverdächtigen, normiert auf 100.000 Einwohner der entsprechenden Bevölkerungsgruppe, ohne Kinder unter acht Jahren.

Besonders relevant ist diese „Tatverdächtigenbelastungszahl“ beim Vergleich von Alterskohorten. Die PKS listet seitenweise Tabellen auf, die Aufschluss darüber geben, welche Altersgruppen besonders „kriminalitätsbelastet“ sind. Diese Tabellen gibt es allerdings nur für Deutsche – aus bis hierher hoffentlich ausreichend erläuterten Gründen.

Diese Normierung auf 100.000 ist wichtig, um die Zahlen vergleichbar machen zu können. Die Alterskohorten sind verschieden groß, wegen der ungünstigen Demografie der Deutschen dominieren die älteren Jahrgänge.

Wir haben ein paar Altersgruppen aus der PKS zusammengefasst und mit diesen Zahlen ein wenig gerechnet. Demnach werden Deutsche in der Altersgruppe der unter 30-Jährigen exakt (!) dreimal so häufig als Tatverdächtige ermittelt wie die Generation 30 plus.

Quelle: Bundeskriminalamt / eigene Berechnungen

Da die Nichtdeutschen in Deutschland eine etwas günstigere Demographie aufweisen -der Anteil „unverdächtiger Rentner“ also kleiner ist, der Anteil der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen hingegen etwas größer- ist also ein nicht unerheblicher Anteil ggf. unterschiedlicher Kriminalitätsbelastung schon auf die unterschiedlichen Altersstrukturen bei Deutschen und Nichtdeutschen zurück zu führen. Das verschiebt den ohnehin fehlerhaften Vergleich zwischen Deutschen und Nichtdeutschen statistisch noch weiter zu Ungunsten der Nichtdeutschen.

AfD und BILD-Würstchenzähler scheitern am Dreisatz, Schröder an ihren Vorurteilen

Quelle: Welt / Kristina Schröder

In der Welt hatte Ex-Familienministerin Kristina Schröder am Donnerstag einen „Meinungsartikel“ veröffentlicht, der tief blicken lässt. In ihrem Einleitungstext heißt es: „Es ist statistisch erwiesen, dass unter jungen, muslimischen Migranten die Gewaltbereitschaft höher ist als die der einheimischen Bevölkerung. Christentum und Islam sind eben nicht gleich.“

Nach diesen zwei Sätzen ist eigentlich alles gesagt, was man über Kristina Schröders „Fachwissen“ zum Thema Kriminalstatistiken wissen muss: sie hat keines. Null.

das merkmal Religion

Das Merkmal „Religion“ wird bei Tatverdächtigen nicht erfasst, sofern es nicht um die Sonderstatistik „Politisch Motivierte Kriminalität“ geht und das ist auch gut so: als sich die Exekutive in Deutschland zuletzt für das Attribut „Glauben“ interessierte, begann der systematische Massenmord an Juden in Europa  – ganz ohne jeden Tatverdacht.

2014 hatte ein Ratsmitglied der rechtsextremen Kleinpartei „Die Rechte“ eine Anfrage zu Anzahl und Wohnorten von Juden in der Stadt Dortmund gestellt, was bundesweit für Entsetzen sorgte.

Nun glaubt Kristina Schröder also, über Geheimwissen (aus der Kriminalstatistik kann sie es ja nicht haben!) über die Gewaltneigung junger Männer islamischen Glaubens zu verfügen und schreibt weiterhin:

„Es sind nicht alle Migrantengruppen, die eine höhere Gewaltneigung aufweisen. Sondern es sind vor allem die, die aus einem islamisch geprägten Kulturkreis stammen.“

(Quelle: Kristina Schröder in der Welt vom 8.8.2019)

Wir haben daraufhin aus einem Wikipedia- Artikel die Tabelle der Länder mit den weltweit höchsten Tötungsraten ergänzt um eine weitere Kategorie: Religion.

Demnach gehören in den Ländern mit den meisten Tötungsdelikten -normiert auf jeweils 100.000 Einwohner- jeweils mindestens 67% der Bevölkerung einer christlichen Glaubensgemeinschaft an: Katholiken, Protestanten, Freikirchen etc.

Trauriger Spitzenreiter: Venezuela mit einer Tötungsrate von 62 auf 100.000 Einwohner, insgesamt fast 18.000 Tötungsdelikte in einem Land mit rund 32 Mio. Einwohnern, dicht gefolgt von El Salvador und Honduras.

Diese Grafik hängten wir an ihren Thread bei Twitter und wiesen darauf hin, dass auch in diesen, christlich geprägten Ländern kein Zusammenhang besteht zwischen „Glauben“ und „Gewaltneigung“.

Eine andere Nutzerin postete einen Tag später einen Ausschnitt derselben Wikipedia-Tabelle, was den Leiter des Berliner Parlamentsbüros der BILD-Zeitung offensichtlich auf die Palme brachte. In dem Fall vielleicht eher auf die Nordmanntanne.

BILD vs Fakten

Ralf Schuler hatte erst kürzlich mit einem BILD-Artikel dafür gesorgt, dass der Leiter einer Leipziger Kita nach massiven Bedrohungen eine Änderung des Speiseplans wieder rückgängig machte und Populisten somit aufatmen können – die Kleinen dürfen auch künftig damit rechnen, Eisbein und Blutwurst aufgetischt zu bekommen, Volksverpetzer hatte darüber berichtet.

Kein Verbot, Kein Polizeischutz: 8 Fakten zur Schweinefleisch-Debatte

Ralf Schuler also blaffte die Twitter-Nutzerin an: „Ihnen ist auch nichts zu blöd, oder? Es hat zwar niemand über Tötungsraten gesprochen, aber kann man ja mal bringen. Je kleiner ein Land, desto größer ist logischerweise die Rate (…).“

Wir konnten uns einen entsprechenden Hinweis auf die Dämlichkeit dieses Einwands nicht verkneifen, doch Schuler hielt noch einige weitere Tweets lang fest an seinem eklatanten Logikfehler – zum Entsetzen und zur Belustigung eines stetig wachsenden Kreises von Twitternutzern.

Seine andere Aussage ist natürlich ähnlich absurd: Warum sollten Tötungsdelikte nichts mit Gewaltkriminalität zu tun haben…?

Schuler hatte übrigens kürzlich erst sein Buch „Lasst uns Populisten sein!“ veröffentlicht. Populismus scheint vor allem dann zu funktionieren, wenn man sich nicht um Logik scheren muss.

Leipzig sicherer als Görlitz

Einem ähnlichen „Denkfehler“ wie Schuler und dessen abenteuerlicher Interpretation einer Kriminalitätsrate unterlag kürzlich auch der Görlitzer OB-Kandidat Sebastian Wippel – innenpolitischer Sprecher der AfD-Fraktion im Sächsischen Landtag und Polizeibeamter (!).

Quelle: AfD Landtagsfraktion Sachsen

 

In seiner Pressemitteilung vom 3. Juni schrieb dieser: „AfD-Antrag belegt hohe Ausländerkriminalität in Sachsen“. Leipzig mit einem (für ostdeutsche Verhältnisse) relativ hohen Anteil gemeldeter Ausländer gilt der AfD offenbar als Kriminalitätshochburg schlechthin. Als vermeintlichen Nachweis nutzt Wippel dafür die absoluten Zahlen aus zwei Antworten des Innenministeriums aus zwei seiner Anfragen.

Quelle: AfD Landtagsfraktion Sachsen

Dass Leipzig mit 332 Diebstählen unter erschwerenden Umständen im Abfragezeitraum deutlich vor Görlitz mit 35 Fällen liegt, sollte eigentlich verwundern – Leipzig hat mehr als 10x so viele Einwohner!

Berechnet man die Kriminalitätsraten für „Diebstahl unter erschwerenden Umständen“ ergeben sich folgende Zahlen (jew. bezogen auf 100.000 Einwohner):

Leipzig: 55,5
Görlitz: 61,3

Wenn Wippel also -explizit bezogen auf „Diebstahl unter erschwerenden Umständen“- schreibt „Mit mir als möglichen Oberbürgermeister in Görlitz wird es keine Leipziger Verhältnisse geben.“, ist das ein kapitales Eigentor – Leipzig ist bei diesem Delikt „sicherer“ als Görlitz. Die zweite Wahlrunde hat Wippel übrigens verloren.

Welche Eigenschaft macht Zuwanderer ggf. häufiger „tatverdächtig“?

Zunächst einmal machen natürlich Straftaten tatverdächtig. Das können Gewaltdelikte oder Beleidigungen sein, aber auch Schwarzfahren oder ein halbes Gramm Cannabis in der Hosentasche, wenn die Polizei gerade eine „Komplexkontrolle“ durchführt.

Für Nichtdeutsche lassen sich keine „Tatverdächtigenbelastungszahlen“ berechnen, bei der Untergruppe der Zuwanderer genauso wenig – unter anderem, weil es bei dieser Gruppe nicht nur um einen Fluchtkontext geht, sondern auch „unerlaubten Aufenthalt“. Wir hatten vor einer Woche darüber berichtet:

Bei Zuwanderern verzählt, bei Kriminalität verrechnet: Nicht nur Rechte stolpern über BKA-Statistik

Bei einer Teilmenge wäre das allerdings wohl durchaus möglich: bei den Geflüchteten, die mit anerkanntem Schutzstatus in Deutschland leben.

Gemäß Ausländerzentralregister waren das (Stichtag 31.12.2018) 1.283.225 Personen. Hauptherkunftsländer: Syrien, Afghanistan, Irak.

In Band 3 des PKS-Jahrbuchs werden auch die Tatverdächtigen nach Schutzstatus unterschieden, demnach wurden vergangenes Jahr 19.347 Personen mit dem Status „Schutz- und Asylberechtigte bzw. Kontingentflüchtlinge“ erfasst.

Die „Tatverdächtigenbelastungszahl“ dieser Gruppe: 1.508 Tatverdächtige (auf 100.000 Personen), das entspricht ziemlich genau dem Wert der Deutschen der Altersgruppe ab 30 Jahren (s.o.) und somit lediglich einem Drittel im Vergleich mit den jüngeren Deutschen!

Nicht berücksichtigt ist darin allerdings der Anteil der unter 8-Jährigen bei den anerkannten Geflüchteten, aber die ungefähre Größenordnung und die Konsequenz scheint klar: eine echte Zukunftsperspektive schützt vor Kriminalität. Das gilt auch für Muslime in Deutschland, Frau Schröder!

Macht der „Heimkoller“ krawallig?

Die Kriminalstatistik zeigt auch -und das wollen wir hier nicht verschweigen- dass Asylbewerber (abgelehnt oder im Verfahren) deutlich häufiger als Tatverdächtige registriert werden, wenn man sie mit der Gruppe der anerkannten Flüchtlinge vergleicht.

Das sollte allerdings nicht verwundern: schon aus Versicherungsgründen kommt in Massenunterkünften mit bis zu 1.500 Geflüchteten wie in Bayern wahrscheinlich jede Ohrfeige und jeder kaputte Klodeckel zur Anzeige. Bei möglicherweise rechtswidrigen Razzien in den Mehrbettzimmern werden auch kleinere Cannabisfunde polizeilich registriert – bei den laut offiziellen Schätzungen rund 4 Millionen Cannabis-Konsumenten in Deutschland sind solche Durchsuchungen der heimischen Wohnung nur mit richterlichem Beschluss möglich.

Hinzu kommt: wie sehr das Nichtstun in einer Massenunterkunft zu Spannungen und Übergriffen führen kann, dazu lohnt sich ein Blick in das Archiv des Spiegel.

Quelle: SPIEGEL vom 19.2.1990

 

Bei den Schlagworten „West-Berlin“ und „Übersiedler“ wird es bei den meisten wohl klingeln: in dem Artikel geht es um Ostdeutsche, die 1990 und somit nach dem Mauerfall ihr Glück im Westen suchten. Der Anteil der Muslime unter den übergriffigen Übersiedlern aus Ostdeutschland dürfte gegen 0% tendieren.

Artikelbild: pixabay.com, CC0

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Abrechnung mit „Aber Nichtdeutsche sind überdurchschnittlich kriminell!“

Sind Nichtdeutsche überdurchschnittlich kriminell?

Wer diese Tage über Kriminalität spricht, erwähnt meistens Flüchtlinge, Nichtdeutsche oder Menschen mit Migrationshintergrund. Dabei wird immer wieder mit einer aktuelles Tragödie argumentiert oder manchmal auch eine Statistik hergenommen. Es ist wichtig zu wissen, dass diese Menschen beliebig zwischen den drei Einteilungen „Flüchtling“, „Nichtdeutscher“ und „Migrationshintergrund“ hin- und herwechseln. Obwohl das völlig unterschiedliche Dinge sind. Manchmal werden sogar alle zu „illegalen Flüchtlingen gemacht.

Weil es natürlich nicht um diese Einteilungen geht, sondern nur um Rassismus. Es geht um Hautfarbe. Denn sie meinen nicht Russlanddeutsche, sie meinen nicht Europäer, die hier wohnen. Sie meinen nicht amerikanische Touristen. Sie meinen nicht weiße, christliche Flüchtlinge. Denn sie meinen Dunkelhäutige Menschen. Die AfD versteckt das nicht einmal mehr:

Alle aktuellen Fälle, in denen ein Nichtdeutscher eine schreckliche Tat begangen hat, werden herausgepickt und nur diese. Dann wird Empörung und Trauer geheuchelt und Merkel ist Schuld. Alle Taten von Deutschen werden verschwiegen. Mit diesen plastischen Einzelfällen macht man dann Stimmung. Das habe ich heute morgen entlarvt, denn in den letzten zwei Tagen gab es viele Getötete (Hier).

Dazu erzählen sie einem, dass man „sich nicht mehr auf die Straße traue“, weil Deutschland angeblich so unsicher geworden ist. Natürlich wegen der „Dunkelhäutigen“. Dann kann man diesen Mythos schön mit Zahlen entlarven, wie ich es vor kurzem gemacht habe (Hier). Denn Deutschland ist so sicher wie seit 1992 nicht mehr. Auch die Zahl der Tötungsdelikte ist weiter zurückgegangen. Dann müssen sie nach weiteren Rechtfertigungen für Rassismus suchen.



Die proportionalität!

Weil Straftaten in den Polizeistatistiken natürlich nicht nach Hautfarbe aufgeführt werden, müssen sie für diese Rechtfertigung auf zwei Kategorien zurückgreifen. „Nichtdeutsche“ und „Zuwanderer“ (gemeint ist damit in der Statistik anerkannte Schutzsuchenden, Asylbewerber, Menschen mit subsidären Schutz und abgelehnte Asylbewerber, mehr dazu später) Fangen wir mit den „Nichtdeutschen“ an. Da hat uns der Tagesspiegel einen Bärendienst auferlegt.

Der hat die Milchmädchenrechnung gemacht, dass 11,5% der Menschen mit Wohnsitz in Deutschland für 34,5% aller Tatverdächtigen verantwortlich seien. Für Rassisten endet die „Diskussion“ damit hier. Glück gehabt, Deutschland ist zwar nicht unsicherer, es werden nicht mehr Tötungsdelikte begangen, aber die „Ausländer“ sind im Schnitt krimineller, also hatte man mit seinem Rassismus Recht! Doch das ist auch Blödsinn. Denn es gibt nun mal auch viel mehr Nichtdeutsche als Deutsche, nicht? Also, auf der Welt.

Das klingt jetzt erstmal bescheuert, aber es gibt einen guten Grund, warum das BKA mit voller Absicht, nicht die „Tatverdächtigenbelastungszahlen“ für Nichtdeutsche berechnet. Weil sie nicht ermitteln können, wie viele der Nichtdeutschen, die in Deutschland Straftaten begangen haben Touristen, Geschäftsreisende, Besucher, Grenzpendler, Diplomaten, Stationierte usw sind oder sich hier unerlaubt aufhalten.

Das ist beispielsweise für den Täter von Frankfurt sehr relevant, weil dieser als Beispiel aufgezählt wird. Dabei ist er weder illegal nach Deutschland gereist, noch hier anerkannter Flüchtling, sondern in der Schweiz, noch in Deutschland sesshaft, hat aber seine Tat hier begangen. Er fließt in die Statistik ein, gehört aber nicht zu den „hier lebenden Ausländern“. (Danke an Tobias Wilke!)

Die meisten Nichtdeutschen Ausländer sind Europäer

Es gibt in Deutschland sogar 1,5 Millionen Nichtdeutsche OHNE Migrationshintergrund. Von den knapp 10 Millionen in Deutschland lebenden Nichtdeutschen sind 4,3 Millionen EU-Ausländer, 2,8 aus dem sonstigen Europa, 2 Millionen aus Asien. Aber komischerweise werden alle deren Straftaten nur bestimmten Personengruppen zugeschoben. „Dunkelhäutigen“.

„Migrationshintergrund“ ist auch Blödsinn, dazu habe hier mal mehr geschrieben. Du könntest auch darauf hinweisen, dass in Österreich Deutsche weniger als 2% der Bevölkerung ausmachen, aber dafür 4% aller Tatverdächtigen ausmachen. Oh, neigen Deutsche vermehrt zu Kriminalität? Das gleiche Spiel kannst du zum Beispiel mit allen Berlinern spielen. Die sind im Schnitt auch krimineller. Was ist damit bewiesen?

91 Getötete, 607 Vergewaltigungen und sie sind überdurchschnittlich kriminell!

Dann kommen wir mal zu den „Zuwanderern“, zu denen hat das BKA auch die Tatverdächtigen extra ausweist. Deren absolute Zahl an Straftaten ist zwar gesunken, aber sie sind „überdurchschnittlich“ kriminell! Warum das erstmal nichts heißt, habe ich schon erklärt. Aber hier vergleicht man auch Äpfel mit Birnen. Denn nicht Hautfarbe ist für die Anfälligkeit zur Kriminalität entscheidend. Sondern der Penis.

AM KRIMINELLSTEN SIND IMMER JUNGE MÄNNER OHNE PERSPEKTIVE

Wie kriminell ein Mensch ist, hängt nicht damit zusammen, was er für eine Hautfarbe hat. Was nachweislich für Kriminalität relevant ist, sind nun mal das Geschlecht, sprich: Männlichkeit (75% aller Tatverdächtigen der PKS, bei Gewaltkriminalität sogar 86 Prozent und bei Vergewaltigung fast 99 Prozent!), Alter und soziale Situation (ob du arm bist, Arbeit hast, soziale Perspektiven, etc.).

Und demzufolge müssen „Zuwanderer“ rein statistisch gesehen schon krimineller sein, weil ihr Anteil an sozial schlechter gestellten Männern zwischen 20 und 40 größer ist als in der durchschnittlichen deutschen Bevölkerung12% der Deutschen sind zwischen 20 und 40 und männlich. Bei Asylbewerbern liegt der Anteil an Männern im Alter zwischen 18 und 40 bei 30,8%. Unter den Deutschen ist jeder 5. Rentner, bei Asylbewerbern sind es gerade mal 1%. (Stand: 08/17; Deswegen sind übrigens tatsächlich nur weniger als 1/3 der Asylbewerber „junge Männer“, mehr dazu).

Was der dritte der drei stärksten Faktoren ist, die zu Kriminalität führen, ist soziale Stellung und Perspektive: Armut, unsichere Zukunftsaussichten und Perspektivlosigkeit. Asylsuchende haben eine von Krieg verwüstete Heimat verlassen, und dürfen nach der langen Reise nach Europa erst einmal in einem engen Asylbewerberheim unterkommen, zunächst nicht arbeiten und wissen nicht, was mit ihnen passieren wird. Deswegen fällt die Anzahl der Tatverdächtigen, sobald sie Asyl bekommen auf nur 1,9%! Damit sind sie sogar weniger kriminell als Deutsche!

(10.511 Tatverdächtige von 550.411 International/national Schutzberechtigten und Asylberechtigten) 

DEUTSCHE MIT ÄHNLICHEM GESCHLECHT, ALTER UND SOZIALER STELLUNG SIND GENAU SO KRIMINELL

Wie man sieht, werden hier also Äpfel mit Birnen verglichen, denn wenn man die Faktoren Alter, Geschlecht und soziale Perspektive herausrechnet, gleicht sie sich den Deutschen an. Das BKA schreibt dies selbst:

„Diese Ergebnisse dürften „nicht mit der tatsächlichen Kriminalitätsentwicklung gleichgesetzt werden. Sie lassen auch keine vergleichende Bewertung der Kriminalitätsbelastung von Deutschen und Nichtdeutschen zu. Einem wertenden Vergleich zwischen der deutschen Wohnbevölkerung und den sich in Deutschland aufhaltenden Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit stehen (auch) das doppelte Dunkelfeld in der Bevölkerungs- und in der Kriminalstatistik sowie der hohe Anteil ausländerspezifischer Delikte und die Unterschiede in der Alters-, Geschlechts- und Sozialstruktur entgegen.“

Und nur um es nicht ausgelassen zu haben: Es handelt sich um Tatverdächtige, nicht um Täter. Da nur 57,1%  aller Straftaten aufgeklärt worden sind, wissen wir bei etwas weniger als der Hälfte aller dieser Fälle nicht, ob der jeweilige Tatverdächtige auch der Täter war, weswegen wir vorsichtig mit diesen Zahlen sein müssen. Insbesondere da eben aufgrund rassistischer Vorurteile nachgewiesener Maßen Ausländer häufiger angezeigt und verdächtigt werden.

Und kommen wir zum letzten verzweifelten versuch, den Rassismus zu verteidigen

An diesem Punkt angekommen wird der letzte Versuch unternommen, den Rassismus und die Vorurteile zu verteidigen: Wären diese Menschen gar nicht erst in Deutschland, wären diese Straftaten gar nicht erst passiert. Deutschland soll deswegen seine Grenzen schließen und sich am besten vollkommen hermetisch abriegeln, damit wir uns in Ruhe selbst gegenseitig umbringen können, ohne dass „Nichtdeutsche“ daran beteiligt sind. Ich habe offensichtlich hier übertrieben, um die Absurdität aufzuzeigen. Leider ist das eine reale Argumentation.

Nach der Logik sind alle Nichtdeutschen und Flüchtlingen nur erlaubt, wenn kein einziger von ihnen jemals eine Straftat verübt. Dass überschlagen 98% aller Menschen, egal welcher Hautfarbe und Nationalität in Deutschland heutzutage nie tatverdächtig werden, spielt keine Rolle. ALLE Nichtdeutschen und Flüchtlinge müssen das Land verlassen, weil einige von ihnen Straftaten begehen könnten. Dass das absurd ist, muss man sich nicht extra ausmalen. Aber es ist auch die absurde Unterstellung, dass Morde von Deutschen anscheinend kein Problem sind, gegen welches man etwas unternehmen müsste, oder?

Deutsche begehen immer noch die meisten Morde, Vergewaltigungen und Straftaten allgemein. Wenn man am Wohlergehen aller Menschen interessiert ist, sollte man doch dafür sorgen, dass so wenig Menschen wie möglich Opfer werden. Und warum sollte man sich da auf die Gruppe konzentrieren, die die weniger Straftaten begeht? Warum keine Lösungen suchen, die die wirklichen Ursachen bekämpft? Warum tut die AfD nichts gegen deutsche Mörder?

unrealistische lösungen

„Abschiebungen“ rufen und auf die „Willkommenskultur“ zu schimpfen ist nicht die Lösung, um die Straftaten zu verringern. Sondern die Straftaten sind die vermeintliche Rechtfertigung für diese rassistischen Forderungen. Denn wenn wir natürlich alle Nichtdeutschen und mit Migrationshintergrund aus dem Land werfen würden (Ich will ja keine Nazi-Keule bringen, aber was hat Hitler nochmal versucht? Wofür war der Arierausweis gut?), verüben Deutsche immer noch Straftaten. Wie will man die verringern? Nach der Logik könnte man das Kinderkriegen verbieten, weil es potentielle Mörder werden könnten. Wer sich um Sicherheit sorgt und deutsche Straftäter verschweigt, lügt.

Tatsächlich führt Familiennachzug und Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis für Asylsuchende dazu, dass die Wahrscheinlichkeit, dass sie straffällig werden, drastisch sinkt. Wer Familie hat, treibt sich nicht so oft in alkoholisierten Männergruppen herum. Wer arbeitet, kann sich integrieren und muss nicht Stehlen. Mehr Plätze in Psychiatrien und Betreuung von psychischen Krankheiten könnte nicht nur nichtdeutsche Täter verhindern, sondern alle Täter, die deswegen zu Gewalt neigen.

Warum hört man von denen, die angeblich nur um die Opfer von Nichtdeutschen trauern, nicht solche Lösungen? Warum spricht die AfD nie von deutschen Mördern oder Tatverdächtigen?

Links: Realität, Rechts: AfD-Auswahl Mehr dazu (PKS = Polizeiliche Kriminalstatistik)

Weil es überhaupt nicht um Sicherheit geht. Kann es auch gar nicht, wenn alle Straftaten auf historischem Tiefstand sind und auch Mord und Totschlag weiter zurückgegangen sind. Ja, Nichtdeutsche sind überdurchschnittlich kriminell. Berliner auch. Junge, perspektivlose Männer begehen die meisten Straftaten, egal welche Hautfarbe sie haben. Damit ist auch nichts bewiesen. Außer, dass es Menschen gibt, die um jeden Preis versuchen, ihre rassistische Politik zu rechtfertigen.

Artikelbild: Aaron Amat, shutterstock.com

Da du diesen Artikel zu Ende gelesen hast: Möchtest du mehr Recherchen und Analysen zu den Hintergründen von politischen Mythen und Fake News? Oder auch Kommentare zu politischen Forderungen und aktuellen Ereignissen? Dann unterstütze unsere Arbeit mit einer kleinen Spende für einen Kaffee, dazu kannst du einfach hier entlangschauen. Vielleicht hast du auch Fragen oder Artikelwünsche? Dann schreib uns auf redaktion@volksverpetzer oder auf Facebook oder Twitter




Mit diesen Fakten über Flüchtlingskriminalität zerlegst du die AfD in Diskussionen

Fakten, Zahlen, Hintergründe

Die AfD hat nur ein Thema (Wirklich nur eines): Sicherheit rund um Migration. Will man den Rechtsradikalen Glauben schenken, begehen nur Schutzsuchende Straftaten und überhaupt sei Deutschland viel unsicherer. Doch das einzige, was sich verändert hat, ist die Wahrnehmung der Menschen.

In AfD-nahen Filterblasen wird jede echte oder auch erfundene Straftat eines Nicht-Deutschen (oder sogar Deutschen mit Migrationshintergrund) zum Skandal stilisiert. Aber schauen wir uns einfach mal die Zahlen, Statistiken und Zusammenhänge an, wie sie wirklich aussehen. Die offiziellen Statistiken haben natürlich auch ihre Schwächen, aber sie sind die besten Daten, die wir haben.



Asylbewerber, anerkannte Flüchtlinge, Geduldete?

Die AfD verwendet viele Begriffe synonym. Da werden Moslems, Flüchtlinge, Asylbewerber, Deutsche mit Migrationshintergrund uvm. einfach in einen Topf geworfen. Wenn man ein einfach zu hassendes Feindbild kreieren will, ist das vielleicht sinnvoll. Nicht, wenn man seriös über Kriminalität und Sicherheit reden will. Aber eines vorweg: Deutsche mit Migrationshintergrund sind Deutsche. So steht das in unserem Grundgesetz: Wer einen deutschen Pass hat, ist Deutscher. (Mehr dazu)

In den Statistiken wird von „Zuwanderern“ gesprochen (ein irritierender Begriff, da das eine Gruppe meint, die nicht zuwandert, sondern vor Krieg und Verfolgung flieht). Das sind Asylberechtigte bzw. Schutzberechtigte im Sinne des Völkerrechts, Asylbewerber, Menschen mit einer Duldung, „Kontingent- bzw. Bürgerkriegsflüchtling“ und Menschen die keine gültige Aufenthaltserlaubnis haben, sich also „unerlaubt“ in Deutschland aufhalten.

Zwischen Januar 2015 und März 2018 wurden „insgesamt rund 1.390.000 Asylsuchende registriert, davon rund 890.000 im Jahr 2015, rund 280.000 im Jahr 2016, rund 186.600 Asylsuchende im Jahr 2017 und rund 34.000 Asylsuchende in den ersten drei Monaten des Jahres 2018.

Wie kriminell sind „Zuwanderer“?

Laut BKA (1. Quartal 2018): 66.200 Fälle, bei denen mindestens ein Zuwanderer als Tatverdächtiger erfasst wurde. Das heißt: 66.200 Fääle mit Verdächtigen (nicht Tätern!), die für versuchte (!) oder vollendete Straftaten registriert wurden. Das BKA schreibt dazu: „Die Mehrheit der Zuwanderer trat nicht im Zusammenhang mit einer Straftat in Erscheinung.“ Im Jahr 2017 waren 14% aller Tatverdächtigen „Zuwanderer“.

ABER: Fast die Hälfte aller Verstöße sind gegen das Asylrecht (also v.a. Asyl- und Aufenthaltsdelikte, fehlende Aufenthaltsgenehmigung usw.), sodass dann noch 167.268 Tatverdächtige übrig bleiben, sprich 8,5%. Über 90% aller „Zuwanderer“ werden überhaupt nie als Tatverdächtige registriert oder begehen überhaupt Straftaten.

Touristen und Geschäftsreisende öfter für Mord & Totschlag verdächtig als Asylbewerber

Deutschland ist laut PKS so sicher wie seit 1992 nicht mehr. Seit 2009 ist aber der Anteil an ausländischen Tatverdächtigen auf 30% gestiegen (Achtung! Alle Nicht-Deutschen, nicht nur Zuwanderer). Bei Mord, Vergewaltigung, Körperverletzung, Raub ist die Mehrzahl der Tatverdächtigen deutsch. Aber proportional ist der Anteil der Nicht-Deutschen höher. Sehen wir uns mal die Gewaltkriminalität an (Mord, Totschlag, Vergewaltigung, Körperverletzung etc.).

Anteil an Nicht-Deutschen: 38%. Bei Mord & Totschlag: 42%, bei Vergewaltigung und sexueller Nötigung: 37%. Von allen Nicht-Deutschen. ABER: Flüchtlinge, Asylbewerber usw. machen hier den kleinsten Anteil aus. Von 2698 Tatverdächtigen für Mord und Totschlag waren 364 „Zuwanderer“, und nur 35 anerkannte Asylbewerber. (Anerkannte Asylbewerber sind insgesamt sogar weniger kriminell als Deutsche) Zum Vergleich: 642 Tatverdächtige sind Touristen, Geschäftsreisende usw. 

Welche Straftaten begehen „Zuwanderer“?

Aus den Zahlen für das erste Quartal 2018: Die meisten Delikte (28%) waren im Bereich der „Vermögens-und Fälschungsdelikte (darunter zu 55% Schwarzfahren). Danach folgt Diebstahl (23%), welcher zu 69% Ladendiebstahl war. Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit waren 22%, mit 76% davon Körperverletzung. Jede zehnte Straftat war ein Rauschmitteldelikt.

Straftaten „gegen die sexuelle Selbstbestimmung“ machten nur 1,6% aus. Darunter fallen aber nicht nur Vergewaltigungen, sondern auch Kindesmissbrauch, aber auch weniger gravierende wie Exhibitionismus, Belästigung oder Nötigung. Ein Anstieg dieser angezeigten Straftaten liegt darin, dass 2017 das Sexualstrafrecht verschärft wurde und das Anzeigeverhalten gestiegen ist. Straftaten gegen das Leben machten nur 0,13% aus.

Straftaten gegen das Leben

Von Januar bis März 2018 gab es 89 Straftaten gegen das Leben mit mindestens einem „Zuwanderer“ als Tatverdächtigem. Es gab allerdings auch 75 Fälle, in welchem bei einer Straftat gegen das Leben ein „Zuwanderer“ das Opfer war. Und diese Überschneiden sich zum Großteil: bei 64 davon waren ausschließlich Zuwanderer auf Täter- und Opferseite beteiligt. Deutsche werden also selten Opfer eines „Zuwanderers“ bei Straftaten gegen das Leben.

Außerdem bleiben 87% der Taten im Versuchsstadium, so wurden im ersten Quartal des Jahres 11 Personen getötet, davon nur ein Deutscher. In fast einem Viertel der Fälle war der Tatort eine Erstaufnahmeeinrichtung oder eine Sammelunterkunft. Im Bereich der organisierten Kriminalität haben Zuwanderer so gut wie keine Bedeutung.

Anstieg an Morden nicht wegen Schutzsuchenden

Im Jahr 2016 stieg die Anzahl der vorsätzlichen Tötungen in den Statistiken im Vergleich zum Vorjahr dramatisch an. Auch 2017 blieb sie hoch. Die AfD möchte das natürlich auf Flüchtlinge schieben. Doch ein Fünftel aller Tötungen, insgesamt 308 Opfer (!) in den Jahren 2016 und 2017 gehen allein auf das Konto von nur zwei Männern. Beides Deutsche ohne Migrationshintergrund. Hier mehr dazu:

Starker Anstieg der Morde 2016: Fallt nicht auf diese AfD-Propaganda rein!

Anerkannte Flüchtlinge weniger kriminell als Deutsche

Im letzten Jahr gab es demnach 10.511 Tatverdächtige, die den Status „International/national Schutzberechtigte und Asylberechtigte“ haben. Da es von anerkannten Asylbewerbern 550.411 in Deutschland gibt, macht das einen Prozentsatz von 1,9% aus. Der Gesamtdurchschnitt beträgt hingegen 2,57%! Anerkannte Asylbewerber sind UNTERDURCHSCHNITTLICH kriminell! Hier mehr dazu:

BKA: Anerkannte Asylberechtigte weniger kriminell als Deutsche

Überproportionalität an Straftaten

Woran sich Rechte oft klammern, um ihre ausländerfeindlichen Ressentiments zu behalten, ist die Überproportionalität an Straftaten von „Zuwanderern“. Gerechtfertigt werden sollen damit Abschiebungen oder Grenzschließungen. (Dabei gibt es kaum noch ausreisepflichtige Menschen, siehe hier, und kaum noch Schutzsuchende, die in Deutschland und Europa ankommen, siehe hier)

Dabei gab es oben bereits einige Hinweise darauf, woran das Problem liegt. Auffällig sind die Aufnahmeeinrichtungen: Dezentralere Unterbringung, schnelleres Abschließen der Asylverfahren usw. dürften Kriminalität drastisch senken, da anscheinend die Unsicherheit des unklaren Asylstatus und die klaustrophobe Unterbringung in den Aufnahmeeinrichtungen den Stress und die Anfälligkeit für Straftaten erhöht. Nicht umsonst fällt die Straffälligkeit mit der Anerkennung des Asylstatus dramatisch ab (Siehe oben).

Männlicher, Jünger und sozial unsicher

Wie kriminell ein Mensch ist, hängt nicht damit zusammen, was er für eine Hautfarbe hat. Was nachweislich für Kriminalität relevant ist, sind nun mal das Geschlecht, sprich: Männlichkeit (75% aller Tatverdächtigen der PKS, bei Gewaltkriminalität sogar 86 Prozent und bei Vergewaltigung fast 99 Prozent!), Alter und soziale Situation (ob du arm bist, Arbeit hast, etc.).

Und demzufolge müssen „Zuwanderer“ rein statistisch gesehen schon krimineller sein, weil ihr Anteil an sozial schlechter gestellten Männern zwischen 20 und 40 größer ist als in der durchschnittlichen deutschen Bevölkerung12% der Deutschen sind zwischen 20 und 40 und männlich. Bei Asylbewerbern liegt der Anteil an Männern im Alter zwischen 18 und 40 bei 30,8%. (Stand: 08/17; Deswegen sind übrigens tatsächlich nur weniger als 1/3 der Asylbewerber „junge Männer“, mehr dazu).

Und sozial schlechter gestellt sind sie allemal: Diejenigen, die zur Gruppe der „Zuwanderer“ gezählt werden, können und dürfen größtenteils nicht arbeiten, zusätzlich zu dem Faktor, dass sie sich auf der Flucht befinden und kulturelle, sprachliche und psychische Barrieren überwinden müssen, ist ihre soziale Situation selbstverständlich weitaus gravierender als die der Durchschnittsdeutschen und daher anfälliger für hohe Kriminalität.

Das BKA schreibt dies selbst:

„Diese Ergebnisse dürften „nicht mit der tatsächlichen Kriminalitätsentwicklung gleichgesetzt werden. Sie lassen auch keine vergleichende Bewertung der Kriminalitätsbelastung von Deutschen und Nichtdeutschen zu. Einem wertenden Vergleich zwischen der deutschen Wohnbevölkerung und den sich in Deutschland aufhaltenden Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit stehen (auch) das doppelte Dunkelfeld in der Bevölkerungs- und in der Kriminalstatistik sowie der hohe Anteil ausländerspezifischer Delikte und die Unterschiede in der Alters-, Geschlechts- und Sozialstruktur entgegen.“

Lösungen und Diskussionen

Man kann eine Diskussion über Kriminalität von Flüchtlingen führen, ohne sich unsachlich bei Fake News, Übertreibungen oder einer selektiver Auswahl zu bedienen, wie es die AfD tut. Beispielsweise sind 87% aller „Messerangriffe von Migranten“, die sie anklagt, entweder keine Messerangriffe oder nicht von Migranten begangen. Teilweise sind es einfach Fälle von Deutschen ohne Migrationhintergrund. Hier mehr dazu:

Wahnsinn! So krass lügt die AfD über angebliche Messerattacken

Die AfD will einen Glauben machen, dass „Linke“ (und damit meinen sie alle von CSU bis zur echten DIE LINKE) Probleme leugnen. Doch wer den Übertreibungen und Fake News der Rechtsradikalen widerspricht, sperrt sich nicht automatisch für gangbare, nicht-fremdenfeindliche Lösungen der Probleme, die es gibt. Aber Abschiebungen oder Grenzschließungen sind größtenteils einfach unsinnig und bringen überhaupt nichts, um das Problem zu lösen.

Die Politik täte gut daran, sich auf Sachpolitik zu konzentrieren, und nicht durch unangebrachte Aussagen oder künstliche heraufbeschworene „Asylkrisen“ den Rechtsradikalen Recht zu geben. Ein Einwanderungsgesetz wäre beispielsweise eine gangbare Lösung, um Einwanderung übersichtlich und fair zu gestalten. Doch AfD-Hysterie hat weder etwas mit der Realität zu tun, noch löst sie irgendwelche Probleme.

Quellen: PKS 2017, BKA: „Kriminalität im Kontext Zuwanderung“. Artikelbild: pixabay.com, CC0

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Starker Anstieg der Morde 2016: Fallt nicht auf diese AfD-Propaganda rein!

Anstieg vor allem wegen zwei Massenmördern.

Laut offiziellen Statistiken der BKA aus den Jahren 2016 und 2017 ist die Anzahl der Opfer vorsätzlicher Tötungen (Morde & Totschläge) in den Jahren 2016 und 2017 dramatisch angestiegen im Vergleich zum Vorjahr. Die Rechtsradikalen der AfD nehmen dies natürlich zum Anlass, um ihr Lieblingsfeindlbild herzunehmen. Immerhin war der Höhepunkt der Ankünfte von Schutzsuchenden im Herbst 2015.

Doch 308 Opfer, immerhin ganze 20% der Opfer aus den Jahren 2016 und 2017, gehen allein auf das Konto von zwei Massenmördern. Andreas Lubitz, der als Kopilot den Germanwings-Flug 9525 absichtlich zum Absturz brachte und dabei 149 Menschen uns sich selbst tötete. Und der Serienmörder Niels Högel, der die größte Mordserie der bundesdeutschen Kriminalgeschichte begangen hatte.



Die Fußnoten in der Kriminalstatistik

Der Germanwings-Absturz war 2015 und die Mordserie des Krankenpflegers Högel erstreckte sich über den Zeitraum von 1999 bis 2005. Wieso wurden die Taten dann erst 2016 und 2017 in die Statistiken aufgenommen? Bei der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) handelt es sich um eine Ausgangsstatistik. Das bedeutet: Ein Fall wird erst aufgeführt, wenn die polizeilichen Ermittlungen beendet sind.

Aufgrund der komplexen Ermittlungen zu dem gezielten Absturz kamen die 149 Opfer der Germanwings-Katastrophe wurden diese erst 2016 abgeschlossen und fanden daher erst 2016 Eingang in die Statistik. (Siehe IMK-Bericht Seite 33) Das war bei 72 Opfer des deutschen Krankenpflegers, dessen Mordserie nach und nach aufgeklärt wurde auch der Fall. 87 weitere Opfer des Krankenpflegers kamen 2017 in die PKS (Seite 68). Das kann man aus den Fußnoten der Statistik herauslesen.

Mord und Totschlag in der Statistik

Somit ist der Großteil des Anstiegs der Straftaten auf lediglich zwei Deutsche ohne Migrationshintergrund zurückzuführen. Die Anzahl der Totschläge, bei welchem mindestens ein „Zuwanderer“ (eigentlich Schutzsuchende, ohne anerkannte Flüchtlinge) tatverdächtig war stieg 2016 um 57% an, Morde um 120%. (Statistik 2016) Dabei zu beachten: Dabei sind nur 53 (14%) vollendete Delikte.

Während das natürlich nach viel klingt, muss jedoch berücksichtigt werden, dass fast ein Viertel aller 2016 gezählten Straftaten 2015 oder früher verübt wurde und 2015 890.000 und 2016 noch einmal 280.000 Asylsuchende nach Deutschland kamen, was 231% der zuvor in Deutschland lebenden Schutzsuchenden entspricht. (Quelle)

(2017 stieg die Anzahl an Mord- und Totschlägen von „Zuwanderern“ noch einmal leicht, wobei hinzugefügt werden muss, dass seit diesem Jahr anerkannte Asylbewerber hinzugezählt werden, die zuvor nicht zu „Zuwanderern“ gerechnet wurden. Und das sind immerhin über eine halbe Millionen Menschen. Das heißt, proportional sank die Zahl eigentlich)

Deutschland so sicher wie seit 1992 nicht mehr

Die Zahlen für 2017 zeigen: Deutschland ist (trotz Schutzsuchender?) so sicher wie seit 1992 nicht mehr. Schutzsuchende sind überproportional kriminell, was vor allem auf ihre unterschiedliche Demografie zurückzuführen ist. Vergleicht man die deutsche Bevölkerung mit ähnlicher Alters- und Geschlechtsstruktur und sozialer Lage (Soziale Unsicherheit ist ein großer Faktor), verschwinden die Unterschiede. Das sagt auch das BKA selbst.

Wie wichtig diese Faktoren sind, zeigt sich auch in Folgendem. Anerkannte Flüchtlinge sind tatsächlich sogar weniger kriminell als Deutsche. Zu erklären ist es mit einer gesicherten Zukunft, einem Leben fernab von engen Asylunterkünften und beispielsweise einem Arbeitsplatz. Immerhin haben mehr als 300.000 Flüchtlinge einen Job.

Wichtig ist, sich nicht von der Asylhysterie der AfD verblenden lassen. Vorhandene Probleme sollen sachlich und mit nicht fremdenfeindlichen Lösungen angesprochen werden. Vielleicht eine Diskussion über ein praktikables Einwanderungsgesetz? Panikmache fernab von Fakten hilft niemandem weiter. Es wäre schön, wenn die Politik das bald realisieren würde.

Artikelbild: volksverpetzer.de, Danke an Michael Frey Dodillet 

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So manipulieren Rechte Statistiken, um gegen Flüchtlinge zu hetzen

Und täglich grüßt die Kriminalstatistik

Alle kennen sie, viele nutzen sie und manche wissen wirklich, wie man mit ihr umgeht und ihre Zahlen zu verstehen hat: Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) des Bundeskriminalamtes (BKA). Diese Statistik wird jedes Jahr auf’s Neue veröffentlicht und soll zum Ausdruck bringen, wie sich Kriminalität im Vorjahr (Die PKS für 2017 wird in 2018 veröffentlicht usw.) über die verschiedenen demographischen Gruppen und die unterschiedlichen Delikte verteilt. In einfachem Deutsch: Man will wissen, wer, mit was, wie kriminell war.

Um diese, manchmal sehr umfangreiche Statistik aber auch nicht nur zu lesen, sondern auch zu verstehen, bedarf es Hintergrundwissen, wie eine Kriminalstatistik funktioniert. Weil das aber alles richtig schwer ist und man dafür mehrere hundert Seiten der Erläuterung lesen müsste (die zufälligerweise auch immer brav von dem BKA veröffentlicht wird), ist das gar nicht mehr hip genug. Lieber werden einfach irgendwelche Balkendiagramme mitten aus der Statistik herauskopiert (Pro-Tipp: Das Snipping-Tool von Microsoft ist klasse dafür!) und irgendwo in Kommentarspalten gekleistert. Aber was sagt mir denn nun so eine Kriminalstatistik?



Tatverdächtige sind nicht gleich Täter!

 Das Problem, ist meistens der Terminus. In einfachem Deutsch: Die Worte, die genutzt werden.

So redet die Kriminalstatistik von „Tatverdächtigen“ und nie von „Tätern“. Wieso ist das so? Nun, es ist ja nun mal die Polizeiliche Kriminalstatistik. Als solche ist es ihre Aufgabe, die Arbeit der Polizei, statistisch zu erfassen. Und diese hört, per Definition, nach der Aufnahme einer Anzeige auf. Den Rest erledigen dann andere Leute. Meistens nennt man diese Leute „Staatsanwält*innen“ und „Richter*innen“ und die tragen so lustige, schwarze Pollröcke. (Hat der eine, oder andere Leser sicher schon einmal gesehen. *Zwinkersmile*)

Da das aber nun einmal so ist, interessiert sich die Polizei als Institution nicht für den Rest des Verfahrens und somit auch nicht ihre Statistik.

Um es vielleicht an einem Beispiel zu zeigen:

Klaus findet Ralf doof und ruft bei der Polizei an und sagt: „Hallo Herr Oberwachtmeister Röhrsen! Sagense mal, ich will da mal wen anzeigen! Der Ralf, der hat mir die Bremsleitungen durchgeschnitten!“

Ralf weiß davon nichts, ist der Polizei aber auch egal. Diese ist lediglich dazu verpflichtet, jede potentielle Straftat anzuzeigen, von der sie Wind bekommt (§163 StPO). Somit wandert Ralf auch für die Delikte in die Kriminalstatistik ein, für die die Polizei die Anzeige gefertigt hat und für die er bei der Polizei als „Tatverdächtiger“ gilt. Ob die Staatsanwaltschaft dann weiter ermittelt, das Verfahren einstellt, oder Ralf vor Gericht verurteilt wird, oder eben nicht, ist der Kriminalstatistik ziemlich Wurst.

Straftaten werden oft in Deliktgruppen zusammengefasst!

 Beispiele hierfür wären die derzeit beliebten „Straftaten gegen das Leben“ (§§211-222 StGB) und die „Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung“ (§§174-184j StGB).

Wenn man nun also die entsprechende Tabelle postet und sagt: „Da haben wir es wieder! Die bringen uns Deutsche um/vergewaltigen permanent unsere Frauen, diese Wilden!“, hat man nicht verstanden, wie sich diese Tabellen im Zweifel zusammensetzen. Unter den Straftaten gegen das Leben wird nämlich nicht nur der hinterhältige Angriff von Ahmed mit dem Messer in Jans Rücken gezählt, sondern auch der auf fahrlässiger Verhaltensweise im Straßenverkehr basierende Tod eines Menschen.

Unter „Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung“ fallen nicht nur Fälle von Vergewaltigungen durch Ali zum Nachteil von Claudia, sondern auch exhibitionistische Handlungen, die Verbreitung pornographischer Schriften, sowie Ausübung verbotener Prostitution.

Damit will ich nicht sagen, dass Ahmed dem Jan nicht auch mal hinterhältig ein Messer in den Rücken stecken könnte, oder Ali nicht auch mal die Claudia vergewaltigt. Es ist allerdings alles nicht so einfach, wie ein schickes Balkendiagramm einem suggeriert.

In den Diagrammen fehlen entscheidende Daten!

In den geposteten Diagrammen fehlen weiterhin auch entscheidende Daten und Angaben, die das Gesamtbild vervollständigen könnten, wenn diejenigen, die ebenjene posten, an einer faktenbasierten Vervollständigung des Bildes interessiert wären. Es fehlen, beispielsweise, Daten zu den Opfern der Straftaten. Dafür gibt das BKA gesonderte „Opfertabellen“ aus. Diese zu sichten, ist scheinbar aber recht schwer. Würde man das nämlich tun, würde auffallen, dass Ahmed nicht nur Jan absticht, sondern die Hildegard auch mal den Karl.

Man würde merken, dass Ali nicht nur die Claudia vergewaltigt, sondern Justus vielleicht auch seine Nichte. Aber wo kämen wir denn da hin, würden wir differenzieren?

Die Worte zwischen den Tabellen sind nicht nur Lückenfüller!

Zu guter Letzt ist anzumerken, dass zwischen diesen fancy Balkendiagrammen auch Worte stehen. Worte sind diese Dinger, bestehend aus Kringeln und Strichen, die Sprache wiedergeben. Also genau das, was du, ja DU, gerade hier mit deinen Augen siehst und mit deinem Hirn als geschriebene Sprache erkennst.

Diese ominösen Worte sind da nicht abgedruckt, weil das BKA die Toner ihrer Drucker leer bekommen musste.. Nein, die bedeuten sogar was! In den allermeisten Fällen, erläutern ebendiese Wörter genau das, was ich oben schon grob umrissen habe. Wie ist das folgende Diagramm zu verstehen, welche Besonderheiten gibt es? Welche Straftatsbestände werden (nicht) berücksichtigt und wie ist das folgende Diagramm im Kontext zu vorhergegangenen zu verstehen?

Dies sind alles Fragen, die durch diese Schrift erläutert werden.

Am Schluss, ein tl;dr:

Mir würden noch tausend Dinge einfallen, die ich anbringen könnte, die an der PKS missverstanden werden. Das würde aber den Rahmen dieses Beitrages sprengen und am Ende vermutlich sowieso keiner lesen. Vielleicht mache ich später mal einen zweiten, oder dritten Teil.

Für all jene, denen es schwer fällt, längere Texte zu lesen (Ja, ich meine euch, Alice und Beatrice und wie ihr alle heißt), hier noch mal ein tl;dr:

  • Lernt erst die Fachausdrücke und deren Bedeutung, bevor ihr euch mit dem Posten einer PKS zum Lauch macht.
  • Lernt zu differenzieren, um welche Strafratsbestände es in dem jeweiligen Diagramm geht.
  • Denkt darüber nach, welche Daten ihr noch brauchen könntet, um die Tabellen in den richtigen Kontext zu heben.
  • Lest, verdammt nochmal, die ganze Statistik und ballert nicht nur dumm irgendwelche Bilder in Kommentarspalten! Die Texte in der Statistik wollen auch gelesen werden!

Text: Florian Winter, Artikelbild: pixabay.com, CC0

Deutschland so sicher wie seit 1993 nicht mehr: Alles was du zur neuen PKS 2017 wissen musst

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Wie falsch dieser Post der AfD ist, ist einfach nur noch peinlich

So ein Fehler wäre nicht mal Grundschülern passiert.

Die AfD hat eine Anfrage an die Landesregierung Sachsen gestellt – Sie wollte wissen, wie viele „Straftaten mit Messern“ begangen wurden. Und natürlich von wem. Sie bekommt die Antwort, wie viele „Straftaten des Diebstahls mit Waffen“ von Deutschen und „Ausländern“ durchgeführt wurden. Und liest einfach mal genau die gegenteilige Aussage heraus. Das oder sie weiß nicht, wie man unterscheidet, welche von zwei Zahlen größer ist als die andere.



An diesem Post stimmt so vieles nicht

Das Staatsministerium des Inneren schreibt: „Zu den Straftaten des Diebstahls mit Waffen gern. § 244 Abs. 1 Nr. 1 StGB wurden 248 deutsche und 227 nichtdeutsche Tatverdächtige sowie zu den Straftaten nach dem Versammlungsgesetz 35 deutsche und fünf nichtdeutsche Tatverdächtige ermittelt.“ Da 248 größer ist als 227, gab es mehr deutsche Tatverdächtige, richtig? Nicht, wenn du die AfD bist. Die schreibt nämlich:

Screenshot AfD Sachsen Facebook

„Ausländer begehen deutlich häufiger Straftaten mit dem Messer als Deutsche.“ Nein, falsch. Das ist buchstäblich das Gegenteil dessen, was euch geantwortet wurde. Nicht nur das: Es sind ALLE Straftaten mit „Waffen“. Darunter können zwar auch Messer fallen, aber auch eine ganze Reihe anderer Waffen! Manchmal sind das auch Schraubendreher. Und es reicht teilweise sogar, wenn die nur im Rucksack waren. Viele davon „Messer“ waren, steht hier überhaupt nicht. Das ist völliger Blödsinn.

Und hierbei handelt es sich darüber hinaus auch nur um Tatverdächtige, nicht um Täter. Außerdem, was soll das überhaupt „Ausländer“ heißen? Flüchtlinge? Europäer? Touristen? Was machen die hier eigentlich? Und zu letzt: Es sind nicht mal 500 Leute in 1,5 Jahren in einem Bundesland mit 4 Millionen Einwohner. In was für einer Welt lebt die AfD jetzt??

Ich glaube, ich weiß, was sie eigentlich sagen wollte: „Ausländer“ (Wer auch immer damit gemeint ist) gibt es weniger in Deutschland als Deutsche, deshalb begehen sie prozentual mehr Straftaten mit „Waffen“ (nicht Messer!).

Nicht nur billig, auch noch falsch

So würde das zumindest mehr Sinn machen. Korrekt: Es gab im Zeitraum Januar 2017 bis Juli 2018 anteilig mehr tatverdächtige Nicht-Deutsche als Deutsche, die einen Diebstahl mit einer Waffe durchgeführt haben. Klingt halt nicht so geil, ne AfD? Außerdem muss man ja irgendwie das „Messer“-Narrativ weiter befeuern. Und den rechtsextremen Gefolgsleuten weiter verkaufen, dass „Ausländer“ böse sind.

Aber wenn die AfD sagt, dass überproportional kriminelle Gruppen ein Problem sind, habe ich eine schlechte Nachricht für sie. AfD-Abgeordnete sind viel krimineller als alle Abgeordneten anderer Parteien! Fast jeder Zehnte hat nach einem Bericht der Welt am Sonntag ein Verfahren bei Gerichten, Staatsanwaltschaften und staatlichen Dienstherren anhängig oder eines, welches kürzlich mit einer Sanktion beendet worden ist. Das sind mehr als doppelt so viele als alle anderen. Also:

Überdurchschnittlich Kriminelle raus! AfD-Abgeordnete abschieben!

Artikelbild: Screenshot AfD Sachsen, Facebook

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BKA: Anerkannte Asylberechtigte weniger kriminell als Deutsche

International und national Schutzberechtigte und Asylberechtigte sind unterdurchschnittlich oft tatverdächtig.

Auch wenn es die AfD nicht wahr haben will und mit Einzelfällen eine Untergangsstimmung verbreitet. Wenn man sich die PKS 2017 und „Kriminalität im Kontext von Zuwanderung“ des BKA ansieht, muss man feststellen: Deutschland ist so sicher wie seit 1992 nicht mehr. Die Zahl der Straftaten ist auf dem niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung. Auch die Anzahl der tatverdächtigen „Zuwanderer“ („Asylbewerber“, „International/national Schutzberechtigte und Asylberechtigte“, „Duldung“, „Kontingentflüchtling“ und „unerlaubt“) ist gesunken.

Seit diesem Jahr führt das BKA „International/national Schutzberechtigte und Asylberechtigte“ – also anerkannte Flüchtlinge – gesondert auf. Im letzten Jahr gab es demnach 10.511 Tatverdächtige, die diesen Status haben. Da es von anerkannten Asylbewerbern 550.411 in Deutschland gibt, macht das einen Prozentsatz von 1,9% aus. Der Gesamtdurchschnitt beträgt hingegen 2,57%! Anerkannte Asylbewerber sind UNTERDURCHSCHNITTLICH kriminell!



Bevor die Rechten Trolle wieder loslegen:

Die AfD möchte natürlich nicht, dass du das weißt. Am Ende hast du gar keine Angst vor Schutzsuchenden und wofür willst du dann die Rechtsextremen wählen? Ein Rentenkonzept haben sie schließlich nicht. Deshalb wird sie sicherlich bereits unter diesem Beitrag verschiedene falsche oder veraltete Zahlen und Grafiken posten. Und die Glaubwürdigkeit dieser Zahlen anzweifeln. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf im rechtsextremen Weltbild.

Doch alle berechtigten Einwände möchte ich hier noch vorweg nehmen: Ja, nur anerkannte Asylberechtigte sind unterdurchschnittlich kriminell. Darüber hinaus gibt es noch Menschen, deren Asylverfahren noch läuft, Menschen, die geduldet werden, Kontingentflüchtlinge und abgelehnte Asylbewerber. Deren Anzahl an Tatverdächtigen ist im Vergleich zum Vorjahr zwar auch um 10% zurückgegangen, ihr Anteil an den Straftaten schwankt jedoch je nach Art zwischen vier und neun Prozent.

Berliner sind auch überdurchschnittlich kriminell

Und ist damit überdurchschnittlich. Doch was heißt das? Berliner sind schließlich auch überdurchschnittlich kriminell. Menschen haben in Berlin 2017 immerhin 91 Menschen getötet und 607 Vergewaltigungen begangen. Wenn man es wollte, könnte man im Schnitt alle vier Tage über den Mord durch einen Berliner berichten. Und jeden Tag über zwei Vergewaltigungen. Doch das macht keiner. Ist ja auch sinnlos. Aber genau das ist das, was die AfD mit Schutzsuchenden macht.

Wie kriminell ein Mensch ist, hängt nicht damit zusammen, was er für eine Hautfarbe hat. Was nachweislich für Kriminalität relevant ist, sind nun mal das Geschlecht, sprich: Männlichkeit (75% aller Tatverdächtigen der PKS, bei Gewaltkriminalität sogar 86 Prozent und bei Vergewaltigung fast 99 Prozent!), Alter und soziale Situation (ob du arm bist, Arbeit hast, etc.).

Und demzufolge müssen „Zuwanderer“ rein statistisch gesehen schon krimineller sein, weil ihr Anteil an sozial schlechter gestellten Männern zwischen 20 und 40 größer ist als in der durchschnittlichen deutschen Bevölkerung12% der Deutschen sind zwischen 20 und 40 und männlich. Bei Asylbewerbern liegt der Anteil an Männern im Alter zwischen 18 und 40 bei 26%. (Antragsteller Jan-Jul 2018).

Kriminalität senken? Asylbewerber anerkennen

Und ihre soziale Situation ist fatal: Sie leben in Angst, jederzeit doch abgeschoben zu werden, sie dürfen nicht arbeiten. Plus sprachliche und kulturelle Barrieren. Das ist auch der Grund, warum anerkannte Asylbewerber so wenig kriminell sind: Die dürfen arbeiten, sie haben ein sicheres Bleiberecht. Ihre Existenz ist nach der Flucht erst einmal gesichert. Es gibt viel weniger Gründe zur Sorge. Und nur ein kleiner Kommentar am Rande: Wenn man allen ein Bleiberecht verleihen würde, würde theoretisch deren Kriminalität auch drastisch sinken.

Doch lassen wir das. Natürlich wird es noch weitere Einwände geben: Die Anzeigestatistik der Polizei kann nicht die komplette Wirklichkeit ablichten. Und das stimmt natürlich. Aber wenn wir einmal von lächerlichen Verschwörungstheorien absehen, kann es uns doch ein einigermaßen zuverlässigeres Bild liefern. Und tendenziell ist es auch eher so, dass Ausländer überproportional häufig angezeigt und verdächtigt werden, wie Studien zeigen.

Aber es sind die besten und einzigen Zahlen, die wir haben. „Gefühlte Wahrheiten“ können leicht manipuliert werden. Bevor man also auf politische Rattenfänger hereinfällt, die sich einzelne Fälle herauspicken, um zu verschleiern, dass sie sonst keine Alternativen für die Politik zu bieten haben und in den Parlamenten nicht wissen, was sie tun, sollte man Ruhe bewahren. Schutzsuchende, die ein Bleiberecht erhalten haben, sind weniger kriminell als dein durchschnittlicher Deutsche.

Artikelbild: pixabay.com, CC0

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91 Getötete, 607 Vergewaltigungen und sie sind überdurchschnittlich kriminell!

Um welche Gruppe geht es? Um Berliner.

Berliner sind krimineller als der Rest der Deutschen: Das Verhältnis von Einwohnern zu Tatverdächtigen beträgt 3,9%, im Schnitt liegt Restdeutschland bei 2,49%, laut PKS 2017. (Gesamt, Berlin). Dabei ist die Zahl der Tatverdächtigen um 6,8% und die Zahl der Straftaten um 8,5% im Vergleich zum Vorjahr gefallen, auf den niedrigsten Wert seit ein paar Jahren.

Genau so verhält es sich auch mit Asylbewerbern: Deutschland ist so sicher wie seit 1992 nicht mehr. Die Gesamtzahl aller tatverdächtigen „Zuwanderer“ („ Asylbewerber“, „Duldung“, „Kontingentflüchtling“ und „unerlaubt“, also alle Asylsuchenden ohne diejenigen, die voll anerkannt wurden) ist um über 10% gesunken. Aber für die AfD ist das egal, sie sind überdurchschnittlich kriminell, also abschieben!



Berliner abschieben!

Berliner sind auch überdurchschnittlich kriminell – Also auch abschieben? Berliner sind schlechte Menschen! Ohne die Berliner gäbe es immerhin 520.437 Straftaten weniger! 91 Opfer von Mord und Totschlag würden noch leben! Natürlich Quatsch. Allein schon, weil man nach der Logik ja das Kinderkriegen verbieten müsste, denn ein paar von denen werden ja straffällig. Nein, bevor man zu solchen unlogischen Kurzschlüssen kommt, muss man sich doch fragen: Warum ist die Kriminalität höher?

Implizit ist in den Argumenten zur Kriminalität von Asylbewerbern natürlich die rassistische Annahme, dass „die“ einfach krimineller sind als die Deutschen, das ist FALSCH. Das ist rassistisch. Die Zahlen untermauern nicht diese These, weil es eine andere Erklärung dafür gibt: Kriminell macht nicht das Herkunftsland, sondern Geschlecht, Alter und sozialer Stand.

AM KRIMINELLSTEN SIND IMMER JUNGE MÄNNER ohne Perspektive

Wie kriminell ein Mensch ist, hängt nicht damit zusammen, was er für eine Hautfarbe hat. Was nachweislich für Kriminalität relevant ist, sind nun mal das Geschlecht, sprich: Männlichkeit (75% aller Tatverdächtigen der PKS, bei Gewaltkriminalität sogar 86 Prozent und bei Vergewaltigung fast 99 Prozent!), Alter und soziale Situation (ob du arm bist, Arbeit hast, soziale Perspektiven, etc.).

Und demzufolge müssen „Zuwanderer“ rein statistisch gesehen schon krimineller sein, weil ihr Anteil an sozial schlechter gestellten Männern zwischen 20 und 40 größer ist als in der durchschnittlichen deutschen Bevölkerung12% der Deutschen sind zwischen 20 und 40 und männlich. Bei Asylbewerbern liegt der Anteil an Männern im Alter zwischen 18 und 40 bei 30,8%. Unter den Deutschen ist jeder 5. Rentner, bei Asylbewerbern sind es gerade mal 1%. (Stand: 08/17; Deswegen sind übrigens tatsächlich nur weniger als 1/3 der Asylbewerber „junge Männer“, mehr dazu).

Was der dritte der drei stärksten Faktoren ist, die zu Kriminalität führen, ist soziale Stellung und Perspektive: Armut, unsichere Zukunftsaussichten und Perspektivlosigkeit. Asylsuchende haben eine von Krieg verwüstete Heimat verlassen, und dürfen nach der langen Reise nach Europa erst einmal in einem engen Asylbewerberheim unterkommen, zunächst nicht arbeiten und wissen nicht, was mit ihnen passieren wird. Deswegen fällt die Anzahl der Tatverdächtigen, sobald sie Asyl bekommen auf nur 1,9%! Damit sind sie sogar weniger kriminell als Deutsche!

(10.511 Tatverdächtige von 550.411 International/national Schutzberechtigten und Asylberechtigten) 

Deutsche mit ähnlichem Geschlecht, Alter und sozialer Stellung sind genau so kriminell

Wie man sieht, werden hier also Äpfel mit Birnen verglichen, denn wenn man die Faktoren Alter, Geschlecht und soziale Perspektive herausrechnet, gleicht sie sich den Deutschen an. Das BKA schreibt dies selbst:

„Diese Ergebnisse dürften „nicht mit der tatsächlichen Kriminalitätsentwicklung gleichgesetzt werden. Sie lassen auch keine vergleichende Bewertung der Kriminalitätsbelastung von Deutschen und Nichtdeutschen zu. Einem wertenden Vergleich zwischen der deutschen Wohnbevölkerung und den sich in Deutschland aufhaltenden Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit stehen (auch) das doppelte Dunkelfeld in der Bevölkerungs- und in der Kriminalstatistik sowie der hohe Anteil ausländerspezifischer Delikte und die Unterschiede in der Alters-, Geschlechts- und Sozialstruktur entgegen.“

Und nur um es nicht ausgelassen zu haben: Es handelt sich um Tatverdächtige, nicht um Täter.  Da nur 57,1%  aller Straftaten aufgeklärt worden sind, wissen wir bei etwas weniger als der Hälfte aller dieser Fälle nicht, ob der jeweilige Tatverdächtige auch der Täter war, weswegen wir vorsichtig mit diesen Zahlen sein müssen. Insbesondere da eben aufgrund rassistischer Vorurteile nachgewiesener Maßen Ausländer häufiger angezeigt und verdächtigt werden.

Den Großteil der Unschuldigen mitbestrafen?

Wer lediglich mit dem Hinweis auf die höheren Verhältnisse zu rechtfertigen versucht, dass diese künstlich so definierte Gruppe das Land verlassen muss, verkürzt dramatisch und lässt viele Faktoren weg. Und selbst wenn wir einmal davon absehen, dass Integration und die Anerkennung als Asylbewerber die Kriminalität drastisch senkt: Wie wollen wir es rechtfertigen, dass 90% der „Zuwanderer“ (ohne anerkannte Asylsuchende), die niemals tatverdächtig waren, ebenfalls mit Abschiebung bestraft werden sollen?

Will man wirklich 9 Unschuldige dafür bestrafen, um einen Tatverdächtigen des Landes zu verweisen? Vielleicht mögen manche Leser diese Antwort immer noch mit „Ja“ beantworten, da es sich hierbei schließlich um diejenigen handelt, die nicht anerkannte Asylbewerber sind. ABER: Darunter sind nur 322.772 abgelehnte Asylanträge seit 2013, abzüglich der laufenden Verfahren (2017 wurden 37.000 Asylanträge zu Unrecht abgelehnt und mussten von Gerichten kassiert werden, in der Zeit darf natürlich nicht abgeschoben werden) und der bereits Abgeschobenen sind nur noch 24.212 Menschen ausreisepflichtig (Stand 31. März 2018)

Aber am Ende haben wir immer noch: Der absolute Großteil der Menschen ist nicht kriminell und darf sich hier aufhalten. Und selbst wenn man alle Asylsuchenden, ob anerkannt oder nicht, ob kriminell oder nicht, plötzlich aus dem Land werfen würde, würde das fast gar nichts an der Sicherheit für Deutsche ändern. Achtzig Prozent aller Gewaltopfer von „Zuwanderern“ sind andere „Zuwanderer“, ebenfalls 80% aller Vergewaltigungen sind Beziehungstaten.

GEFÜHLTE WAHRHEITEN UND DER WERT VON ZAHLEN

Statistiken und ihre Auswertungen sind keine so eindeutigen und objektiven Fakten, wie man vielleicht denken mag, was man auch an solchen Dingen sieht wie die veränderte Definition der Gruppe „Zuwanderer“, wenn nicht an der Tatsache, dass an der Erfassung der Daten Anzeigeverhalten der Bevölkerung und Kontrollverhalten der Polizei eine wesentliche Rolle spielen. Aber sie sind zuverlässiger als gefühlte Wahrheiten.

Wie in einem anderen  Artikel beschrieben, kann man sich durch selektive Wahrnehmung jedes Bild zusammenschustern, das man möchte. Auch unabsichtlich. Man kann auch die Statistiken verkürzt wiedergeben und statistisch und soziologisch nicht gedeckte Behauptungen aufstellen, die das eigene Weltbild bestätigen. Doch die Realität ist komplexer als das. Die AfD jammert, dass Deutschland so unsicher sei. Natürlich tut sie das. Sie profitiert von deiner Angst, ohne diese Angst wird sie nicht gewählt. Deshalb ist es umso wichtiger, wenn man sich an die härtesten Fakten hält, die man kriegen kann. Und die sprechen eine andere Sprache.

Wer Straftaten begeht, soll entsprechend bestraft werden. Entscheidend soll dabei die Art der Tat sein, nicht die Herkunft oder Hautfarbe. Und es soll lediglich der Täter bestraft werden, nicht alle, die zur gleichen Gruppe gezählt werden wie dieser. Lass dich nicht durch gefühlte Wahrheiten dazu manipulieren, gegen Menschen zu hetzen, die so sind wie du und ich.

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Wo sind die Schweigeminuten der AfD für alle anderen Morde in letzter Zeit?

Vor kurzem wurde eine junge Frau in Frankfurt getötet, davor eine andere in Merseburg. Im Rhein-Herne-Kanal fand man eine Frauenleiche. Davor wurden ebenfalls drei Menschen in Serie umgebracht. Nicht gehört? Weil die Mörder halt „nur Deutsche“ waren.

Der Fall Susanna, der in allen Medien ist, ist tragisch, traurig und macht fassungslos. Der Mörder soll seine gerechte Strafe erhalten. Aber wie die Medien und gerade die rechtsextreme AfD den Fall instrumentalisiert, ist widerlich und pervers. Sogar die Trauer der Mutter instrumentalisiert die AfD für ihre Zwecke. Weil der Tatverdächtige ein abgelehnter Asylbewerber ist.

Jedes Jahr werden zwischen 280 und 400 Menschen ermordet. Im Schnitt also jeden Tag. Und der absolute Großteil nun mal von Deutschen. Die AfD will jedoch der Bevölkerung Angst vor Asylbewerbern machen. Warum? Weil sie sich selbst gleichzeitig als (einzige) Lösung des von ihr aufgebauschten Problems präsentieren kann. Es ist eine uralte Taktik: Ein Problem kreieren und vom Verkauf der vermeintlichen Lösung profitieren.



Kaum überregionale Berichterstattung über Morde

Vor kurzem wurde Irina in Frankfurt getötet,  davor Natalie in Merseburg  Im Rhein-Herne-Kanal fand man eine Frauenleiche. Davor wurden  drei Menschen in Serie in Hille umgebracht. Das sind nur ein paar Beispiele aus den letzten Wochen und Monaten. Die Meldungen gewinnen kaum überregionale Relevanz. Würde man im Bundestag für jeden in Deutschland verübten Mord eine Schweigeminute abhalten, würde man jede Sitzung ein oder zweimal eine halten müssen.

Doch das passiert nicht. Die AfD und die „rechte Lügenpresse“ picken sich ausschließlich Straftaten von Migranten oder Asylbewerbern heraus – die absolute Mehrheit der von Deutschen verübten Straftaten wird geflissentlich ignoriert. Die deutsche Presse macht bei diesem Spiel mit: Studien zeigen, dass sie überproportional öfter über Straftaten von Asylbewerbern berichten. Kein Wunder, dass die echten Zahlen der PKS dann der Bevölkerung unglaubwürdig erscheinen müssen.

In Fällen wie in Münster oder bei dem Fall Keira in Berlin sprechen die Rechten so lange von einem Fall, bis sich herausstellt, dass es sich bei dem Tatverdächtigen letztlich doch um einen Deutschen gehandelt hat – Dann wird es schnell fallen gelassen und tot geschwiegen – Auch Fälle, in denen der Täter unbekannt ist, werden ausgeschlachtet und Asylbewerbern in die Schuhe geschoben.

Kaum Gefahr für Frauen von Asylbewerbern

Bei Sexualdelikten haben sich Täter und Opfer in 80 Prozent der Fälle vorher gekannt, genau wie es bei Susanna der Fall war. Statistisch gesehen ist die eigene Wohnung gefährlicher als ein Park bei Nacht. Silvia Zenzen vom Bundesverband Frauen gegen Gewalt erklärt, dass die Herkunft keine Rolle spielt: „Die Frauen, die zu uns in die Beratungsstellen kommen, die Zahlen, die wir haben, spiegeln das nicht wider.“

Vergewaltigungen und sexuelle Gewalt wurden nicht importiert, so Zenzen: „Unsere Beratungsstellen gibt es seit 40 Jahren. Und das Thema war schon virulent, bevor so viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen. Das ist doch nicht durch andere Kulturen zu uns gebracht worden. Ich glaube nicht, dass wir es hier mit einem kulturellen Problem zu tun haben. Es geht hier um Machtverhältnisse. Es geht darum, wie Macht in der Gesellschaft verteilt ist. Patriarchalische Machtverhältnisse haben wir weltweit.“

Medieninteresse überproportional hoch bei Ausländern

Deshalb ist es auch klar, dass die meisten Opfer von Asylbewerbern andere Asylbewerber sind. Die AfD überdramatisiert die Gefahr für deutsche Frauen gewaltig und macht den Menschen in diesem Land unnötig Angst. Studien belegen, dass Gewalt gegen Frauen in allen Schichten und allen Herkunftsgruppen vorkommt. Das ist ein Männerproblem, kein Herkunftsproblem. Hinzu kommt, dass die Anzeigebereitschaft steigt, wenn der Täter ein Ausländer ist, das verzerrt die Kriminalstatistik.

Das Medieninteresse ist leider besonders hoch, wenn der Täter nicht deutscher Herkunft ist. Das beobachtet man verstärkt seit den Übergriffen in Köln im Silvester 2016. Das Problem gab es natürlich schon früher, aber es hat selten jemanden interessiert. Es ist eine Schande und eine Tragödie, was dieser Täter getan hat. Und er soll dafür seine gerechte Strafe erhalten. Aber die 98% nicht straffälligen, unauffälligen, anerkannten Asylbewerber jetzt eine Mitschuld zuzuschieben, ist abscheulich. Und alle Medien spielen das Spiel der Rechtsextremen mit.

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„Weit über 98% aller Flüchtlinge sind unauffällig und begehen keine Straftaten“

Der Fall Susanna wird von Rechtsextremen genutzt, um verschiedenste, falsche Statistiken und Zahlen über die Kriminalität Flüchtender zu verbreiten. Ein fact check.

So einfach wie es viele Hetzer derzeit aussehen lassen ist es nicht: Es gibt nicht einfach nur „die Flüchtlinge“. In der Hetze, aber leider auch in den offiziellen Statistiken werden oftmals anerkannte Asylbewerber – Menschen, die ein Bleiberecht haben und nie abgeschoben werden können, ohne dass man ein Menschenrecht abschafft – mit geduldeten oder abgelehnten Bewerbern zusammengewürfelt. Außerdem handelt es sich fast ausschließlich stets um Tatverdächtige, nicht Täter. Genau wie beim Tatverdächtigen im Fall Susanna. Seine Schuld müssen Gerichte feststellen, nicht der Mob.

Die aktuellste Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) – die die verlässlichsten aktuellen Zahlen beinhalten, beruht auf dem Erkenntnisstand bei Abschluss der polizeilichen Ermittlungen, welche in einiger Hinsicht ihre Aussagekraft begrenzen: Erstens hängt sie stark vom Anzeigeverhalten der Bevölkerung ab, das stark variieren kann. So können manche Menschen eine Schlägerei aus verschieden Gründen eben nicht anzeigen oder bestimmte Personengruppen eben aufgrund rassistischer Vorurteile schneller verdächtigen Studien belegen, dass Nicht-Deutsche überproportional häufiger angezeigt werden. Auch Versicherungsaspekte können relevant sein.



„ZUwanderer“ über 40% weniger tatverdächtig als im Vorjahr

Die PKS führt tatverdächtige „Zuwanderer“ noch einmal gesondert neben deutschen Tatverdächtigen und anderen nicht-deutschen Tatverdächtigen auf. Ok, was sind „Zuwanderer“? Diese sehr unpassende Bezeichnung meint die Gruppe „ Asylbewerber“, „International/national Schutzberechtigte und Asylberechtigte“, „Duldung“, „Kontingentflüchtling“ und „unerlaubt“. Also alle diejenigen, die einen Asylantrag gestellt haben, diejenigen, die anerkannt wurden, diejenigen, die trotzdem geduldet werden und auch diejenigen, deren Anträge abgelehnt wurden und sich trotzdem noch hier aufhalten. (Wie viele das sind und wieso einige geduldet werden habe ich hier erklärt)

Mir ist etwas unklar, wieso anerkannte Flüchtende und solche, die es werden wollen, als „Zuwanderer“ bezeichnet werden, da sie schließlich Flüchtende sind und niemand, der aus welchen Grund auch immer einwandert und sich bei uns niederlassen will. Flüchtende wollen in der Regel zurück in ihre Heimat. Aber gut, so nennt die PKS diese Gruppierung.

Ganz wichtig ist, dass bis 2016 anerkannte Asylbewerber NICHT zu den „Zuwanderern“ hinzugezählt worden sind, sondern lediglich zu den Tatverdächtigen ohne Deutschen Pass. Das heißt erstens, dass wir bisher nicht wussten, wie viele Tatverdächtige es unter den anerkannten Asylbewerbern gab und zweitens, dass die definierte Gruppe in der Statistik „Zuwanderer“ im Vergleich zu 2016 um schätzungsweise 500.000 Menschen größer geworden ist. Das heißt, dass die angegebenen -4,1% weniger Tatverdächtigen unter der Gruppe der „Zuwanderer“ im Vergleich zum Vorjahr gar nicht stimmen, da diejenigen, die die PKS unter diesem Begriff versteht, nicht die genau gleiche Gruppe ist und gleichzeitig viel größer. Rechnet man anerkannte Flüchtende nämlich heraus, sinkt die Anzahl der Tatverdächtigen „Zuwanderer“ um satte 40,7%. Einen Vergleich zum realen Rückgang der Tatverdächtigen der Gruppe „Zuwanderer“ mit anerkannten Flüchtenden können wir mit den Zahlen gar nicht wissen.

Aber: Alle Straftaten und Tatverdächtigen sind durch die Bank zurück gegangen, ganz besonders die „Zuwanderer“, sprich: Alle diejenigen, die man umgangssprachlich als „Flüchtling“ bezeichnet. Doch um die Statistik an ihre gefühlten Wahrheiten anzupassen, wird spätestens hier gerne eingewendet, dass ein „Zuwanderer“ überproportional krimineller ist als ein Durchschnittsdeutscher. Das stimmt. Das hat auch ganz logische Gründe.

Zuwanderer ähnlich verdächtig wie Deutsche im gleichen Alter

Wie kriminell ein Mensch ist, hängt nicht damit zusammen, was er für eine Hautfarbe hat. Was nachweislich für Kriminalität relevant ist, sind nun mal das Geschlecht, sprich: Männlichkeit (75% aller Tatverdächtigen der PKS, bei Gewaltkriminalität sogar 86 Prozent und bei Vergewaltigung fast 99 Prozent!), Alter und soziale Situation (ob du arm bist, Arbeit hast, etc.).

Und demzufolge müssen „Zuwanderer“ rein statistisch gesehen schon krimineller sein, weil ihr Anteil an sozial schlechter gestellten Männern zwischen 20 und 40 größer ist als in der durchschnittlichen deutschen Bevölkerung12% der Deutschen sind zwischen 20 und 40 und männlich. Bei Asylbewerbern liegt der Anteil an Männern im Alter zwischen 18 und 40 bei 30,8%. (Stand: 08/17; Deswegen sind übrigens tatsächlich nur weniger als 1/3 der Asylbewerber „junge Männer“, mehr dazu).

Und sozial schlechter gestellt sind sie allemal: Diejenigen, die zur Gruppe der „Zuwanderer“ gezählt werden, können und dürfen größtenteils nicht arbeiten, zusätzlich zu dem Faktor, dass sie sich auf der Flucht befinden und kulturelle, sprachliche und psychische Barrieren überwinden müssen, ist ihre soziale Situation selbstverständlich weitaus gravierender als die der Durchschnittsdeutschen und daher anfälliger für hohe Kriminalität.

Das BKA schreibt dies selbst:

„Diese Ergebnisse dürften „nicht mit der tatsächlichen Kriminalitätsentwicklung gleichgesetzt werden. Sie lassen auch keine vergleichende Bewertung der Kriminalitätsbelastung von Deutschen und Nichtdeutschen zu. Einem wertenden Vergleich zwischen der deutschen Wohnbevölkerung und den sich in Deutschland aufhaltenden Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit stehen (auch) das doppelte Dunkelfeld in der Bevölkerungs- und in der Kriminalstatistik sowie der hohe Anteil ausländerspezifischer Delikte und die Unterschiede in der Alters-, Geschlechts- und Sozialstruktur entgegen.“

DER GROSSTEIL DER OPFER VON FLÜCHTENDEN SIND ANDERE FLÜCHTENDe

Und wenn jetzt Flüchtende immer noch mehr Tatverdächtige sein sollten, auch wenn wir die Statistiktricks der Polizei herausrechnen, die unterschiedliche Alters-, Geschlechts- und Sozialstruktur berücksichtigen und das Anzeigeverhalten im Kopf behalten, das nicht zwingend mit der Täterschaft übereinstimmt, (die Anzeigebereitschaft ist statistisch höher, wenn Ausländer als Täter vermutet werden.) und man immer noch Flüchtende als Gefahr für Deutsche betiteln möchte, dann muss man immer noch dazu sagen, dass die allermeisten Opfer von Straftaten, die von Flüchtenden begangen werden, keine Deutschen sind, sondern andere Flüchtende.

Wenn wir mal kurz das PKS verlassen und uns das „Bundeslagebild Kriminalität im Kontext von Zuwanderung“ des BKA anschauen sehen wir: Bei 59% aller Opfer, die Flüchtlinge waren, war der Täter ebenfalls „Zuwanderer“. Der Gefahr, ausgehend von kriminellen „Zuwanderern“, sind vor allem andere „Zuwanderer“ und anerkannte Asylbewerber ausgesetzt.

Über 98% der Anerkannten Asylbewerber unbescholtene Bürger

Kriminologen wie Prof. Thomas Feltes bestätigten: Anerkannte Asylbewerber – die einen absoluten Großteil der so genannten „Zuwanderer“ ausmachen, 98,5% aller „Zuwanderer“ sind NICHT ausreisepflichtig – sind fast ausschließlich gesetzestreue Menschen. Von den tatverdächtigen „Zuwanderern“ waren nur 6% anerkannte Asylbewerber. Im gleichen Verhältnis wie diejenigen mit deutschem Pass im Übrigen auch. Es sind eben auch nur Menschen.

Hier geht es in gar keinem Fall darum, Straftaten von Menschen, die einen Asylstatus besitzen – oder eben nicht – klein zureden und zu verharmlosen, im Gegenteil. Jede Straftat gehört geahndet und mit den von unserem Rechtssystem als angemessen empfundenen Mitteln aufgeklärt und bestraft. Aber der perverse Versuch, die Kriminalität einer künstlich zusammengefassten Gruppe nicht nur als überdramatisch problematisch darzustellen und dies auch noch auf Dinge darzustellen, die nicht den Umständen geschuldet sind, sondern der Herkunft, muss endlich beendet werden.

Eine falsche Gegenüberstellung von „Deutschen“ und „Asylbewerbern“ zu schaffen, erzeugt ein „Wir“ gegen „Die“, das einfach nicht der Realität entspricht – Wo bleibt Platz für Nicht-deutsche Nicht-Flüchtlinge, die Unterscheidung zwischen ausreisepflichtigen oder Anerkannten Asylbewerbern, usw.? Wer einfache Lösungen fordert, hat die Thematik nicht verstanden. Wir plädieren für mehr Sachlichkeit in der Debatte und weniger Kurzschlussreaktionen.

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