Nach Greta-Scherz: Wir brauchen ein Meinungsverbot für Dieter Nuhr!

… hat absolut niemand gefordert.

Kaum kritisiert man den heiligen Dieter Nuhr, kommen schon seine Jünger angerannt und versuchen einem die Meinung zu verbieten. Eine völlige rechtsbraunversiffte Diktatur ist das, was die Nuhr-Jünger da abziehen. Völlig intolerant heucheln sie immer von Meinungsfreiheit, aber wenn es gegen ihren Propheten geht, dann betreiben sie reine Zensur!

Stellt euch vor, wir würden das so den ganzen Tag kommunizieren. Es ist völliger Schwachsinn, natürlich. Nur weil jemand Dieter Nuhr verteidigt, ist dieser kein Nuhr-Jünger. Und nur weil man sich dagegen ausspricht, ihn zu kritisieren, verbietet man niemandem seine Meinung oder betreibt gar Zensur. Oder? Es ist glaube ich schon längst klar, worauf ich hinaus will. Eine Debatte, die eine konstruktive hätte sein können, ist nur ein hirnloser Anschrei-Wettbewerb geworden.



Kritik an nuhr-kritik

Hallo, wir sind die linksgrünversifften Volksverpetzer, und wir haben heute bereits den zweiten Artikel veröffentlicht, der sich kritisch mit Aussagen des Komikers Dieter Nuhr auseinander setzt. Oder wie eigentlich alle Kritiker*innen es formulieren: Wir wollen Dieter Nuhr die Meinung verbieten und zensieren. Die Diskrepanz zwischen diesen beiden Framings dürfte glaube ich allen auffallen. Und dass nicht beides wahr sein kann. In unserem ersten Artikel Anfang Oktober kritisierten wir, dass Nuhrs Greta-Witz keine Satire ist, weil er auf Kosten von Schwächeren geht. Es ist natürlich immer noch Humor, aber eben keine Satire. Außerdem erklärte unser Autor darin ebenfalls deutlich:

„Nun lässt sich über Humor bekanntlich streiten und es ist auch eine wichtige Botschaft dieses Artikels, dass Dieter Nuhr sicherlich Witze reißen kann, über wen er möchte – und das darf auch so gezeigt werden (!).“

Warum Dieter Nuhr manchmal witzig, aber nie komisch ist

Heute dann veröffentlichten wir einen Gastbeitrag, der sich humorvoll (Überraschung: Die Vorwürfe waren, dass wir keinen Spaß verstehen) mit Dieter Nuhrs Erklärung zu seinem Greta-Witz auseinander setzte. Sich über Scherze echauffieren, weil andere angeblich Scherze zu ernst nehmen… es ist kompliziert. Darin erklärte der Gastautor, dass Nuhrs Vorstellungen, die ihn dazu veranlassten, den Witz zu reißen, auf ein paar falschen Annahmen beruhten. Auch der Gastautor erklärte lediglich, dass sich Nuhr nicht auf Wissenschaftler*innen berufen sollte, wenn er deren Erkenntnisse ignoriere. Von Zensurforderungen fehlte jede Spur.

Dennoch der O-Ton derjenigen, die mit der Einschätzung des Autors nicht übereinstimmten: Zensur! Beschneidung der Meinungsfreiheit! Heuchelei! Wie viel deutlicher müssen wir denn noch werden? Wir und auch sonst rein gar niemand fordert ernsthaft, dass Nuhr keine Scherze über Greta Thunberg machen darf. Oder gar dass er nicht mehr auftreten dürfte oder so einen Unsinn. Nuhr und sonst wer darf auch Vorurteile verbreiten, die nicht in der Realität fußen. Das ist ein freies Land, und daran will auch niemand etwas ändern. Das hat einen ganz einfachen Grund:

Es gibt keine Konsequenzen-Freiheit

Was hier von den „Nuhr-Jüngern“ (Nervt, so ein unfaires Framing, nicht wahr?) gefordert wird, ist, dass Nuhr seine Scherze über Greta Thunberg machen darf, ohne dafür kritisiert zu werden. Und DAS ist Zensur und eine Einschränkung der Meinungsfreiheit. Oder wollt ihr etwa uns verbieten, dass wir keine Kritik mehr an Dieter Nuhr üben dürfen? Wir könnten es genau so machen wie ihr und so tun, als würde euer Gejammer über die Kritik bereits eine Form von Zensur und nicht selbst eine reine Form von Meinungsäußerung.

Mich irritiert es gewaltig, dass die Kritik Nuhrs an Greta Thunberg und Fridays For Future als legitime Meinungsäußerung wahrgenommen werden soll, aber Widerspruch dazu als etwas Schmutziges, Undemokratisches. Und das ist die wahre Heuchelei: Diejenigen, die ach so laut eine Einschränkung ihrer Meinungsfreiheit beklagen, sind die wahren „Faschisten“ (Wurden wir heute auch genannt, wirklich), die Kritik verbieten wollen. Nicht sehr demokratisch, oder? Ihr seht, man kann das Spiel problemlos umdrehen. Wie wär’s, wir belassen es einfach dabei?

Woher kommt dieses blöde narrativ?

An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass wir sehr gerne darüber diskutieren können, was Satire bedeutet, wo sie sich von anderen Stilmitteln unterscheidet. Ob die Forderungen von Fridays For Future, die Pariser Klimaziele einzuhalten, wirklich dabei helfen, die Pariser Klimaziele einzuhalten. Wer weiß. Aber dass jede Form der Kritik an Nuhr, oder sei es an anderen Personen, die von (vermeintlich) Linken oder Grünen kommt, als Zensur und Beschränkung der Meinungsfreiheit gebrandmarkt wird, ist kein Diskurs. Das ist im Gegenteil genau das Gegenteil davon: Das Zerstören dieses Diskurses. Und das Zerstören der Meinungsfreiheit.

Und bevor bei den nächsten Absätzen wieder alle Schnappatmung kriegen: Nein, nicht jeder, der dieses Framing genutzt hat, ist rechtsextrem. Natürlich nicht, dazu braucht es schon ein bisschen mehr. Aber es ist auffällig, dass diese rhetorische Taktik so extrem um sich greift. Diese Taktik, die Gegner*innen als religiöse Fanatiker darzustellen (Hier mehr dazu), und ihre Kritik als Einschränkung der Meinungsfreiheit  ist nur das: Eine Taktik. Es ist kein Argument, es ist nicht wahr und es bringt niemanden weiter, außer dass es Fronten verhärtet.

Es ist eine beliebte Taktik von Rechtsextremen. Man tut so, als hieße Meinungsfreiheit, alles sagen zu dürfen. Und das stimmt nicht. Volksverhetzung, Beleidigung, Verleumdung, Mobbing usw. sind alle nicht umsonst illegal. Denn Äußerungen, die andere Meinungen einschränken, dürfen nicht zugelassen werden. Man muss zu Intoleranten intolerant sein. Das ist kein Widerspruch. Das steht im Grundgesetz, das ist keine linksgrünversiffte Meinung, sondern unsere Verfassung. Wer damit ein Problem hat, hat ein Problem mit der Verfassung. Doch genau diejenigen nutzen diese Taktik.

Faschisten wollen sich vor kritik immun machen

Faschisten, wie es sie in der AfD gibt, versuchen immer, sich als Opfer zu präsentieren. Sie verbreiten Lügen, sie hetzen gegen andere, sie beleidigen diese sondergleichen, aber wenn sie dafür noch so sachlich kritisiert werden, tun sie so, als wären sie hier das Opfer und ihre Meinungsfreiheit würde beschnitten werden. Was natürlich völlig unsinnig ist. Sie tun aber mit Absicht so, um uns alle zu verarschen.

Um uns dazu zu bringen, dass sie ihre Lügen und ihre Hetze ungestört verbreiten dürfen. Dass keiner mehr Kritik und die Wahrheit hört, nur noch ihre Lügen. Und ihr merkt, wenn nur noch eine Meinung zugelassen ist, ist das die wahre Diktatur. Diese rhetorische Taktik hat sich aber als so beliebt herausgestellt, dass viele Teile der Liberalen und Konservativen und auch andere übernommen haben. Nicht, weil sie Faschisten geil finden. (Wehe, jemand dreht mir hier das Wort im Mund um!)

Sondern weil die Rechtsextremen erfolgreich den Mythos etabliert haben, dass es eine „Political Correctness“ gäbe, die anderen die Meinung verbietet und dass Linke und Grüne keine anderen Meinungen zu lassen würden. Und währenddessen beklagen sie sich in allen Tageszeitungen und in allen Talkshows darüber, dass sie nirgendwo ihre Meinung sagen dürfen. Ja klar doch. Und weil sich manche diese Taktik (auch unbewusst) abgeschaut haben, halten sie wiederum jede Kritik, die aus dieser Ecke kommt für Zensur und Einschränkung der Meinungsfreiheit.

Können wir uns jetzt wieder einkriegen?

Also: Niemand fordert, dass Dieter Nuhr keine Witze über Greta Thunberg machen darf. Es ist ja nicht so, als wären jetzt reihenweise Auftritte von ihm abgesagt worden oder als hätte er irgendwelche Konsequenzen zu spüren bekommen. Und nein, kritisiert worden zu sein sind keine Konsequenzen. Es ist kritisiert werden. Eigentlich war es ja sogar kostenlose PR für sein Programm. Mehr als genug Zeitungen und Kolumnisten sind ihm auch zur Seite gesprungen. Also tut nicht so, als wäre irgendetwas Schlechtes für ihn passiert. Nuhr und auch sonst niemand hat das Recht, nicht kritisiert zu werden.

Er darf Scherze machen, den lieben langen Tag, wie er will. Gerne auch über Greta Thunberg, das ist mir völlig egal. Über einen guten Scherz über Greta Thunberg oder Fridays For Future kann ich auch lachen. Aber wenn die Punchline ist, dass Greta Thunberg „nur ein Kind“ sei, oder „krank“ oder eben, dass ihr Dinge vorgeworfen werden, die sie nie gefordert hat, dann kann ich halt nicht darüber lachen. Aber das heißt auch nicht, dass ich verbieten will, was ich nicht lustig finde. Das heißt aber auch nicht, dass ich dazu nichts sagen darf. Wer uns dazu auffordert, „leise zu heulen“, der soll doch bitte das tun: Leise heulen. Oder wahlweise mal sachliche Argumente bringen.

Artikelbild: Euku, CC BY-SA 3.0 / nakaridore, shutterstock.com

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Ich habe euch rechte Hetzer & Trolle so unglaublich satt!

Ich hab die schnauze voll!

Hallo willkommen, meine lieben Volksverpetzer-Leser*innen zu meinem persönlichen Kotzeimer. Oder wenn wir es positiver formulieren wollen: Meine Therapiestunde. Und ihr dürft alle daran teilhaben. Gestern habe ich den viel diskutierten Leitartikel von Springer-Chef Döpfner in der WELT gelesen. Und war entsetzt. So offen, mit so vielen Whataboutismen und Lügen gespickt hat sich der Springer-Verlag noch nie rechtsextrem geäußert (außer vielleicht in der BILD). Das ist hart formuliert, und vielleicht merkt man auch meinen Ärger im Text selbst, in dem ich die Lügen und die unglaublichen Unterstellungen Döpfners aufgezählt habe:

Wahnsinn! Springer-Chef Döpfner verbreitet Lügen & gibt Merkel Schuld an Halle-Terror!

Merkt man das Entsetzen? Wahrscheinlich. Manche meinen, wer so reagiert, müsse übertreiben. Es kann doch nicht sein, dass so ein Text wirklich erschienen ist. Vielleicht war ich harsch. Aber was ich definitiv nicht getan habe, sind haltlose Anschuldigungen zu verbreiten. Man mag nicht einer Meinung mit dem Volksverpetzer sein, und dass wir uns manchmal erlauben, wütend zu sein, wenn so ein einflussreicher Mann wie Döpfner seine Plattform dafür nutzt, um einen rechtsextremen Anschlag dafür zu instrumentalisieren, nicht über Rechtsextremismus zu reden, nicht mal über Antisemitismus, sondern um Lügen über Merkels Flüchtlingspolitik 2015 zu verbreiten und Lügen über die niedrigste Kriminalität seit 1992.

Aber das machen wir immer sachlich. Nicht unkommentiert, aber inhaltlich begründet. Ich verwende keine Begriffe, die ich nicht begründen kann. Wenn ich „Lügen“ sage, dann sind Dinge bewusst falsch dargestellt. Wenn ich „rechtsextrem“ sage, dann kann ich belegen, dass es falsche, rechtsextreme Narrative sind. Das kann man gern kritisieren. Hey, natürlich machen wir Fehler. Ich freue mich immer über konstruktive Kritik und sachliche Hinweise auf Fehler. Aber 99% des negativen Feedbacks, das wir in Twitter, Facebook und Instagram bekommen ist ganz bestimmt nicht das. Und darüber will ich heute reden.



 

Hass, hetze, lügen, verdrehungen

Ich habe schon öfter über Trolle und Hetzer im Netz geschrieben. Verschwendet nicht eure Zeit damit. Blockt sie kommentarlos. Und selbst wenn sie ein Bundestagsmandat haben. Dass Menschen rechtsextreme Trolle wählen, sollte deren Hass, Hetze und Verwirrspielchen nicht legitimieren. Aber wie kann es sein, dass 99% des negativen Feedbacks auf Artikel wie den über Döpfner semantische Verwirrspielchen und Beleidigungen sind?

Wir seien „linksextrem“. Was bitte, ist an uns „linksextrem“? Stellen wir irgendwo den Marktmechanismus in Frage, wenn wir Faschisten kritisieren? Wir seien „Hetzer“. Weil wir Hetze Hetze nennen? Wenn die Feuerwehr als Brandstifter bezeichnet wird. Wir blocken ohne zu Zögern jeden, der solche Vorwürfe bringt. Nicht, weil wir nicht bereit sind, Selbstkritik zu üben. Hey, wenn jemand mal aufrecht der Meinung sein sollte, dass das so ist, sind unsere Türen offen für Kritik. Erklärt sachlich, ohne Beleidigungen (!), was euch stört und vielleicht können wir Fehler korrigieren. Im Gegenteil, ich würde mich freuen, wenn ich meine Methodik oder Rhetorik verbessern könnte.

Aber keiner von denen will das. Sie wollen uns zum Schweigen bringen. Entweder durch Entmutigen oder durch Mobbing. Sie wollen uns brandmarken. Sie wollen uns geistig zermürben. Sie wollen unsere Zeit mit sinnlosen Diskussionen verschwenden. Doch lasst euch gesagt sein: Wir werden das nicht zu lassen. Wir werden euch blockieren, ohne zu Zögern. Wir löschen eure Hass-Mails ungelesen. Wir werden euren geistigen Müll einfach ignorieren. Und dann noch bestimmter eure Lügen aufzeigen. Ihr seid es, die eure Zeit verschwendet.

Volksverpetzer antidemokratisch??

Wer behauptet, wir seien „Extremisten“, „Hetzer“ oder „Antidemokraten“, der will uns nur ärgern und aus dem Diskurs verbannen. Es ist das Kindergarten-Spiel, wenn einem die Argumente ausgehen und man nur „SPIEGEL!!“ ruft. Wir blocken euch, denn mit Idioten diskutieren wir nicht. Und ja, mit diesem Vorwurf müsst ihr leben, aber wer hat mit Beleidigungen angefangen? Blocken ist nicht antidemokratisch, ganz im Gegenteil.

Wenn man mich zwingen müsste, jeden Tag Lügen, Hass, Hetze und Morddrohungen gegen mich zu lesen, das hielte ich für ziemlich autokratisch und grausam. Und dann müsste ich meine Arbeit in Social Media beenden. Ja, ich weiß, dass ihr das erreichen wollt. Könnte euch so passen. Das gilt übrigens auch für Unternehmen und private Sender, wenn es um AfD-Politiker geht. Wer so argumentiert, will sich in den Diskurs mobben. Nicht mit uns. Wenn ihr ein Problem mit uns habt, dann formuliert es sachlich und höflich, mit Quellen und Argumenten. Wenn ihr das nicht könnt, dann überlegt erst einmal, was das über euch aussagt und dann ignoriert uns. Es ist ein freies Land, auch wenn ihr was anderes behauptet.

Wir ignorieren übrigens auch nicht die Fake News und die Argumente, die die Trolle uns vor die Füße werfen. Auch wenn wir sie dann blocken. Wenn sich ein Argument und eine Lüge oft wiederholt, dann greifen wir das in einem Artikel auf. Aber sachlich, mit Fakten und Quellen. Und mit richtigem Framing. Damit andere Menschen vor der neuesten rechtsextremen Lüge gewarnt werden und diese bequem entkräften können. Aber mit Trollen reden werden wir nicht. Wir haben es satt, es zu versuchen.

Ich habe euch rechte Hetzer & Trolle so unglaublich satt!

Und während wir das Blocken von irrationalen Extremisten praktizieren und auch anderen dazu raten, glauben manche, das würde uns unseriös machen. Nur weil jahrzehntelang der Vorwurf, dass jemand rechtsextremes Gedankengut verbreitet, meistens haltlos war, heißt das nicht, dass derjenige unseriös ist, der jetzt echte rechtsextreme Hetze rechtsextreme Hetze nennt. Sondern derjenige, der so tut, als sei das jetzt völlig normal. Der Rechtsruck im Diskurs ist erschreckend. Und dass manche es nicht wahr haben wollen, ist umso erschreckender.

Wenn Faschisten wie Höcke zu Interviews geladen werden, wenn nach einem rechtsextremen Anschlag ein Politiker einer rechtsextremen Partei eingeladen wird, um seine Partei von seiner Verantwortung reinzuwaschen, läuft etwas gewaltig schief. Nur weil viele Menschen eine Lüge glauben, macht es diese Lüge nicht ernstzunehmender. Nur weil Menschen Lügner, Hetzer und Verschwörungsideologen wählen, heißt das nicht, dass wir dessen Lügen ernst nehmen sollen. Das ist nicht undemokratisch, sondern im Gegenteil die beste Verteidigung der Demokratie.

die lügen nicht normal werden lassen

Wenn Trolle systematisch anfangen, diejenigen, die Hetze aufklären als Hetzer zu bezeichnen, wenn Extremisten die normalen Menschen als Extremisten bezeichnen und Faschisten plötzlich links sind, dann ist oben unten. Und nichts ist mehr wahr.

Das wollen die Hetzer doch erreichen. Dann stehen ihre Lügen gleichwertig neben der Wahrheit. Dann entgleist uns der Diskurs vollständig. Dann hat die Demokratie und die Meinungsfreiheit verloren. Deswegen habe ich genug davon. Und ich rate euch allen, euch auch nicht auf diese Spielchen einzulassen.

Danke fürs Haare halten, mir geht’s auch gleich viel besser.

Artikelbild: pixabay.com, CC0

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Wahnsinn! Springer-Chef Döpfner verbreitet Lügen & gibt Merkel Schuld an Halle-Terror!

Springer-chef lässt seine afd-maske fallen

Heute morgen veröffentlichte Springer-Chef und Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger Mathias Döpfner einen Artikel in der WELT mit Titel „Terror in Halle: Nie wieder „nie wieder“. Es ist ein WELT+ Artikel, aber keine Sorge, die unglaublichen Dinge, die Döpfner dort geschrieben hat, will man nicht lesen.

Es ist unfassbar, dass ein Artikel, der so voller Lügen, Whataboutismen und Verteidigung von rechtsextremen AfD-Narrativen ist, derart prominent eine Bühne bekommt. Und es ist der Beweis, dass der Springer Verlag mittlerweile der Partei-Verlag der AfD ist. Wir zerlegen den Artikel, die Behauptungen und die krassen Unterstellungen des Artikels.



Der Anfang war noch in ordnung

Zuerst beginnt der Anfang des Artikels von Döpfner noch richtig: Er verurteilt die Verharmlosung des Halle-Terrors durch Annegret Kramp-Karrenbauers als „Alarmzeichen“ – Denn über Alarmzeichen sind wir längst hinaus. Richtig sieht er auch die Parallelen zum Attentat von Christchurch – auch wenn er dann später diese Parallele völlig vergisst und nicht mehr darauf eingeht. Wohin sein Text jedoch danach abdriftet, ist unfassbar und höchst erschreckend.

Plötzlich spricht er davon, dass es eine „politische Kultur“ gäbe, in der die „Selbstgerechten“ den „Wunschtraum der Political Correctness“ träumen. Moment, was? Ging es nicht gerade um einen rechtsextremistischen Terroranschlag eines Neonazis, der laut seinem Manifest nicht nur Juden umbringen wollte, sondern auch „Muslime“ und „Linke“? Wieso nutzt Döpfner plötzlich den rechten Kampfbegriff „Political Correctness“?

Döpfner instrumentalisiert die Tat eines rechtsextremen Terroristen plötzlich, um genau die fremdenfeindliche Stimmung anzuheizen, die eben zu genau diesem Terror geführt hat. Die offen rechtsextreme AfD dürfte über diesen Leitartikel jubeln. Denn was Döpfner danach macht, ist, nicht mehr über den grassierenden Antisemitismus oder Rechtsextremismus zu sprechen – Sondern plötzlich redet er über Dinge, die damit rein gar nichts zu tun haben. Und macht so die Drecksarbeit für Rechtsextreme. Und er scheut auch nicht davor zurück, Lügen dabei zu verbreiten.

Lügen und rassistische Whataboutismen

Plötzlich spricht Döpfner von Limburg und wiederholt talking point, die rechtsextreme AfD-Trolle seit Tagen nutzen. Was zur Hölle hat das mit einem rechtsextremen Anschlag zu tun? Über das Motiv in Limburg ist bis heute offiziell nichts bekannt. Was Döpfner macht, ist hier reine AfD-Verschwörungstheorien zu verbreiten. Umso mehr, da er behauptet, man würde den Täter als „verwirrten Einzeltäter“ bezeichnen. Wir haben keinen einzigen Artikel gefunden, der das getan hat, außer als Frage unmittelbar nach der Tat.

Im Gegenteil, wer diesen Begriff ernsthaft verwendet ist die AfD. Und zwar über den rechtsextremen Mörder von Halle. Warum verurteilt Döpfner nicht das, als Dinge zu kritisieren, die er sich einbildet? Die vermeintliche „politische Korrektheit“ – ein Begriff, den ausschließlich die AfD und Rechtsextreme (und jetzt auch Döpfner, was das bedeutet, kann man sich selbst beantworten) verwenden – ist wieder einmal herbeiimaginiert. Dann spricht er weiter über Dinge, die nichts mit Antisemitismus, Rechtsextremismus oder Terror zu tun haben.

Er kritisiert, dass der gambische Fußballspieler Bakery Jatta angeblich eine falsche Identität angegeben hätte und dass Journalisten „systematisch wegschauen“ würden. Was zur Hölle? Was hat das bitteschön mit dem rechten Terror von Halle zu tun? Und es stimmt nicht einmal: Viele haben darüber berichtet, eine kurze Google-Suche hätte das bestätigen können.

Was ebenfalls nicht stimmt: Die Polizei hat in dem Fall nie ermittelt und nie Beweise gefunden, dass er eine falsche Identität angegeben hatte. Also auch eine glatte Lüge. Er kritisiert, dass der Deutschlandfunk nicht über den Mord in Stuttgart berichtet hätte – obwohl die Tat überhaupt keinen politischen Hintergrund hatte. Während er selbst übrigens kein Wort über den Mord in Kassel verliert, der am gleichen Tag wie in Stuttgart passierte. Der Unterschied? Dort war der Täter Deutscher. Man sieht das Muster.

Rassistische Hetze: Wo sind die empörten Wutbürger zum Mord in Kassel?

Weiterer rassistischer Unsinn & Lügen

Dann schwenkt er plötzlich zum AfD-Highlight der Kölner Silvesternacht, welche – nochmal! – absolut rein gar nichts mit Antisemitismus, rechtsextremen Terror oder irgendeiner Form von politischer Gewalt zu tun hat. Auf die Frage, warum Döpfner völlig am Thema vorbei schreibt und nur rassistische Schlagworte raushaut, kommen wir gleich noch.

Und wieder verbreitet er Lügen dazu: Er behauptet, dass die Übergriffe keine Konsequenzen gehabt hatten. Und vergisst dabei vollkommen, dass eine ganze Sexualrechtsreform die Folge war, um eben solche Taten (stärker) bestraften zu können. Aber nein, er verbreitet den AfD-Mythos, dass gegen sexualisierte Gewalt (nur von Nicht-Deutschen natürlich!) nichts unternommen werde.

Dann kommt er wenigstens ansatzweise zum Thema zurück, nachdem er das halbe AfD-Hetz-Repertoire durch genommen hatte und nennt wieder Fälle von Antisemitismus. Auffälligerweise aber nur Beispiele von muslimischem Antisemitismus, obwohl Halle definitiv nicht so ein Fall war. Er nennt eine Diskriminierung einer Airline aus Kuwait (die leider rechtmäßig war) und dass Deutschland zu tolerant zu einem Rapper sei, der antisemitische Demos besucht habe.

Döpfner gibt tatsächlich merkel schuld an halle!

Hier kommt die perfideste Unterstellung Döpfners: Er gibt tatsächlich Merkels Flüchtlingspolitik Schuld an den Morden in Halle. Wörtlich nennt er sie „Brandbeschleuniger“. Wie bitte? Das ist eine reine Lüge und eine glatte Rechtfertigung für Terror! Merkels Flüchtlingspolitik war 2015 einwandfrei rechtmäßig – Döpfner behauptet frecherweise das Gegenteil. Er behauptet, es werde kein Unterschied zwischen Kriegsflüchtlingen und „Wirtschaftsflüchtlingen“ gemacht. Das ist faktisch 100% falsch. Und einfach nur das Wiederkäuen rechtsextremer Lügen der AfD.

Döpfner nimmt hier allen Ernstes einen rechtsextremen Terroristen in Schutz und betreibt eine perfide Täter-Opfer-Umkehr. Denn er verbreitet das rechtsextreme Narrativ der „Selbstverteidigung“, das die Hetzer der AfD auch teilen. Und ohnehin: Warum sollte jemand einen Amoklauf in einer Synagoge unternehmen, um „Kritik“ an Flüchtlingspolitik zu üben? Das ist doch irre.

Hier zeigt sich auch, warum Döpfner zuvor völlig zusammenhanglos mit keinem Wort nach den ersten Absätzen von Rechtsextremismus geredet hat und am Ende nur über entweder völlig unzusammenhängende Fälle, die weder antisemitisch waren, noch rechtsextrem, noch politisch. Döpfner wagt es, den Faschisten, die er zuvor noch vermeintlich verurteilen wollte, einen Verständnis für ihre Morde auszudrücken, indem er ihnen dann am Ende ja doch Recht gibt. Man muss sich fragen, wie sehr es um rechtsextreme Einstellungen beim Chef des Springer-Verlages besteht, wenn solche wahnwitzigen Zeilen geschrieben werden.

Wie Döpfner am Anfang noch richtig feststellte, war das eine Nachahmung des Täters von Christchurch. Er tötete aus Judenhass, er schrieb ein eindeutig rechtsextremes Manifest (auf englisch!), und hat seine Tat gestreamt, während er Helm und Militärkleidung trug. Der Täter war ein mordender Faschist, der übrigens auch Muslime gehasst hat, und Döpfner veröffentlich ein Hass-Pamphlet auf Muslime, denen er perfiderweise indirekt die Schuld am Terrror gibt.

Das ist keine Judenverteidigung, sondern salonfähiger Rechtsextremismus

Döpfner kritisiert die Kriminalität in Deutschland, nennt dabei ausschließlich Fälle, in denen die Täter keine Deutschen waren und dass der Staat die Kontrolle verloren hat. Das ist aber faktisch falsch. Die Kriminalität ist auf dem niedrigsten Stand seit Jahrzehnten. Muslime oder Migranten begehen den kleinsten Teil daran. Dass viele Menschen das anders sehen ist ganz allein Döpfner, seinen Zeitungen wie der BILD und seinen geistigen Freunden von der AfD zuzuschreiben, die über jede lokale Tat von Ausländern wochenlang berichten und Taten von Deutschen verschweigen und beschönigen (so wie offensichtlich derzeit Tat in Halle).

Kriminalität: So realitätsfern ist die „alternative“ Sicht der AfD-Wähler

Warum sonst wird Stuttgart erwähnt, aber Kassel nicht? Oder noch besser, wie konnte Döpfner mit keinem Wort den rechtsxtremen Mord an Walter Lübcke erwähnen? Was ist mit den zehntausenden rechten Morddrohungen, Todeslisten, rechte Straftäter, die sich immer häufiger bewaffnen, Revolution Chemnitz, Nordkreuz, NSU 2.0 und so weiter und so fort? Wie kann es sein, dass nach einer politisch motivierten Tat eines Faschisten über unpolitische Straftaten von Migranten gesprochen wird?Döpfner puscht also erneut eine rechte Verschwörungstheorie, die sich nahtlos in sein „Selbstverteidigung“-Narrativ fügt. Und gut zu den rechtsextremen Narrativen der AfD passt. Und zum Mörder von Halle.

26Döpfner schafft es also, einen Text zu schreiben, von dem er sich selber einreden möchte, dass er Juden verteidigt. In Wirklichkeit kritisiert sein Text ausschließlich wahllose unpolitische Straftaten ausschließlich von Muslimen und ausschließlich muslimischen Antisemitismus und nimmt im Gegenteil Rechtsextremismus als „Selbstverteidigung“ in Schutz. Er besitzt dann auch noch die Dreistigkeit, die Tat von Halle für seine eigene politische Agenda auszuschlachten.

Döpfner lässt seine AfD-Maske fallen

Döpfner schützt nach einer rechtsextremistischen Tat lieber die Lügen und Verschwörungstheorien der AfD als jüdisches Leben in Deutschland. Natürlich gibt es muslimischen Antisemitismus, der bekämpft werden muss. Aber die größten Antisemiten sind immer noch die Faschisten selbst, wie jede Statistik zeigt und verdammt nochmal das Attentat von Halle, oder etwa nicht? Döpfner nutzt seine enorme Reichweite dafür, rechte Verschwörungstheorien und Lügen zu streuen.

Er erwähnt und verurteilt mit keinem Wort die Ideologie des Täters, er verurteilt sie nicht, er erwähnt mit keinem Wort die Opfer, er verschweigt den Muslimhass des rechtsextremen Mörders und hat dann noch die Dreistigkeit, völlig zusammenhanglos mit Lügen und Whataboutismen, während der sichersten Zeiten seit der Wiedervereinigung vom Versagen bei Kriminalität zu sprechen, die er ausschließlich und wieder falscherweise nur auf Migranten und Muslime zurückführt.

Entweder Döpfner hatte einige gewaltige geistigen Ausssetzer beim Verfassen des Textes oder er sympathisiert mit Faschisten und der AfD. Da er ihre Narrative wiederholt, verteidigt und in Schutz nimmt, muss man letzteres befürchten. Applaus von der AfD erhält er schon massiv, in rechtsextremen Gruppen wird er begeistert geteilt. Und besonders beliebt ist er bei AfD-Seiten und -PolitikerInnen, Erika Steinbach und dem rechtsextremen Portal Journalistenwatch:

Döpfner sollte sich als ernst zu nehmender Journalist vollkommen disqualifiziert haben. Da dies wahrscheinlich nicht der Fall ist, zeigt, wie schlecht es um den Zustand des konservativen Journalismus und der Springer-Gruppe bestellt ist. Und das ist längst auch kein „Alarmzeichen“ mehr.

Artikelbild: Screenshot facebook.com

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Halle: Das müsst ihr über die Nationalität & Motivation des Täters wissen!

rein gar nichts müsst ihr jetzt wissen!

Ich habe es so satt. So satt, dass Menschenleben überhaupt keine Rolle mehr spielen, und nur noch Klicks und politisches Kapital wichtig sind. In Halle an der Saale sind am Mittag zwei Menschen getötet und mindestens zwei verletzt worden. Viel ist noch nicht bekannt, inzwischen geht man nur noch von einem Täter aus. Man versuchte erfolglos, in eine Synagoge einzudringen. Benutzt wurden Molotowcocktails, Böller und Granaten. Ein Tatverdächtiger wurde festgenommen (Quelle).

Viel ist wie gesagt noch nicht bekannt. Und das ist völlig in Ordnung und völlig normal. Man weiß noch nicht mal, wer verantwortlich ist, wie viele, ob sie noch auf freiem Fuß sind. Jetzt ist der Zeitpunkt, seinen Schock und seine Trauer auszudrücken. Sein Beileid den Angehörigen der Opfer auszusprechen. Und zu hoffen, dass die Schreckenstat bereits vorbei ist und keine weiteren Opfer fordert. Aber nein, die große Frage, die alle schon seit den ersten Eilmeldungen diskutieren, ist:



Nazi oder islamist??

Wie scheiße ihr doch alle seid. Versteht mich nicht falsch. Wir sind alle geistig schon so vergiftet, so konditioniert, dass wir bei solchen Ereignissen wie in Halle immer sofort gleich daran denken müssen, wie das wieder politisch ausgeschlachtet wird. Dass man, anstatt an die Opfer – an die Toten! – zu denken, sich fragt, welche Hautfarbe und Nationalität der Täter hat. Diese Gedanken hatten wir alle, das verurteile ich nicht. Wer sich aber öffentlich an den Spekulationen beteiligt, oder gar Fake News in die Welt setzt, damit sie sein politisches Weltbild untermauern, der spuckt auf die Toten.

Ist es jetzt ein Nazi oder ein Islamist gewesen? Wir wissen es noch nicht sicher. Und es ist jetzt erstmal auch scheißegal. Es wird eine Zeit geben, wenn wir wissen, wer es war und warum, da können wir seine Motivation diskutieren und ob und welche politischen Konsequenzen sie haben muss. Aber das ist nicht jetzt. Denn keiner von euch kann die richtigen Schlussfolgerungen fordern, weil keiner von euch irgendetwas weiß. Wer das dennoch tut, führt keine politische Debatte, der kotzt nur seine Vorurteile ins Netz.

Und ja, das trifft auf alle zu, völlig egal, welche politische Ausrichtung sie haben. Aber das heißt auch nicht, dass hier beide Seiten gleichermaßen Propaganda, Lügen und Hetze verbreitet haben. Und mit gleicher Intention. Wer das behauptet, der relativiert auch das Ausmaß des rechten Hasses, der nach so einer Tragödie normal geworden ist. Nein, mit den rechtsextremen Hetzern habe ich ein besonderes Hühnchen zu rupfen.

So instrumentalisierten Rechtsextreme die Tat von Halle

In den Gruppen „Merkel muss weg“, „Freunde und Verbündete der AfD“ oder „AfD-Freunde Tübingen“, die von der Recherchegruppe DieInsider überwacht werden, wurde sofort wild spekuliert. Oder besser gesagt, es wurde gar nicht erst spekuliert, sie dachten, sie wüssten sofort, wer die Schuldigen seien. Nämlich diejenigen, die für sie immer an allem Schuld sind. Sie müssen sie gar nicht einmal mehr ansprechen, es ist allen klar.

Diese hasserfüllten Fratzen spielen einfach immer dasselbe Band ab, sie plappern hirn- und herzlos die selbe Leier herunter wie immer. Es geht nicht um Fakten, es geht nicht um die Opfer, es geht einfach nur darum, zu hetzen und sein eigenes, rassistisches und rechtsextremes Weltbild vermeintlich bestätigt zu sehen.

Doch kaum kam heraus, dass der Täter mutmaßlich ein „weißer Deutscher“ (Was für eine ekelhafte Unterscheidung) war und man von einer rechtsterroristischen Tat ausgeht, dann ändert sich der Tonfall in den Gruppen. Diejenigen, die zuvor von einem gewünschten Bürgerkrieg gefaselt haben, können es nicht glauben, dass einer ihrer Gesinnungsgenossen der Täter sein könnte.

Ohne jegliche Indizien akzeptieren sie sofort, dass der Täter ihr geliebtes Feindbild sein müsse, sobald die Realität dem zu widersprechen scheint, werden wahnwitzige Verschwörungstheorien verbreitet. Diesen Menschen ist echt nicht mehr zu helfen. Auch offizielle AfD-Seiten beteiligen sich an diesen rechtsextremen Verschwörungstheorien:

Um die Frage zu beantworten, was gewählt wird: Derzeit ist die Oberbürgermeister-Wahl in Halle (Saale). Aber ja klar, fantasiert euch weiter eure Welt zusammen, ihr macht ohnehin nichts anderes. Der rechtsextreme Chef der AfD Sachsen hatte übrigens das zu Halle zu sagen:

Irgendwie sind Grenzen und „bunt“ doch wieder Schuld

Die AfD-Spitzen stellten sich etwas schlauer an, warteten ab und beschlossen, dass eine Instrumentalisierung leider nicht möglich war. Wenn der Täter nicht ins Schema passt, ändert sich die Reaktion. Doch das ist ein alter Hut.

Abwarten, Hetzer verurteilen

Und klar gab es Menschen, die „gehofft“ haben, dass der Täter ein Nazi ist. Das ist auch kacke, aber nicht mit der systematischen Instrumentalisierung der Rechtsextremen zu vergleichen. Derjenige instrumentalisiert die Tat auch, aber diskriminiert niemanden. Denn die AfD spricht zwar von „Willkommenspolitik“ und Frau Merkel, aber ob der Täter Asylsuchender war, oder einfach nur eine Nicht-Weiße Hautfarbe hat, oder einen Migrationshintergrund oder die „richtige“ Staatsbürgerschaft spielt keine Rolle. Es geht um Rassismus. Das wird alles gleich behandelt. Kein weißer, deutscher Staatsbürger ohne Migrationshintergrund (Arier?) = Der Feind.

Ein „Dunkelhäutiger“, also? Aha. Denn wie sagte Kling? Unter Flüchtlingen mögen Arschlöcher sein, aber unter Rassisten gibt es nur Arschlöcher. Rassisten kann man nicht diskriminieren, denn erstens dürfen Rassisten nicht die Meinungshoheit im Diskurs erlangen und zweitens können sie ja aufhören, Rassisten zu sein. Ein Nicht-Weißer kann seine Hautfarbe nicht ablegen.

Ich hoffe, wir können uns nach dem x-ten Mal in den letzten Jahren endlich im Klaren werden, dass politische Diskussionen einen richtigen Zeitpunkt haben. Und der ist nicht, während man keine Ahnung hat, wovon man redet. Rechtsextreme reden immer die gleiche, menschenverachtende Scheiße, völlig egal, ob etwas passiert ist, oder wer wirklich dafür verantwortlich ist. Die AfD schlachtet die Taten und nur die Taten aus, die in ihr Weltbild passen. Wie immer.

Beteiligt euch nicht an den Spekulationen, verbreitet keine Fake News und Verschwörungstheorien. Wir werden die Tage noch über die etwaigen politischen Konsequenzen reden. Aber lasst uns um Himmels Willen erst einmal Luft holen, und der Opfer von Halle gedenken. Unser Mitleid den Angehörigen aussprechen. Und ein bisschen menschlich sein.

Artikelbild: Screenshot twitter.com

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Aufgedeckt: 6 Beweise für den linken Mainstream in Deutschland!

Der linke mainstream ist real!

Deutschland ist linksgrün versifft, eindeutig. Überall linker Mainstream. Die Linken sitzen in der Regierung, in der Presse, Justiz, überall und machen Dinge, die Linke nun mal tun. Doch man muss nicht weit gucken, um die große Verschwörung zu entdecken: Überall im Alltag gibt es Beweise für das Machwerk der Linken und wie sie die deutsche Gesellschaft nach ihrem Willen umgestaltet haben! Wir haben sechs Beweise dafür gesammelt.



1.) Der Mindestlohn ist 12€!

Die Linken und die Grünen, die natürlich in den letzten 14 Jahren an der Regierung waren, haben den völlig überzogenen Mindestlohn von 12€/Stunde eingeführt. Mit so lächerlichen Argumenten wie der Tatsache, dass man garantiert in Altersarmut landet, wenn man sein Leben lang für den Mindestlohn gearbeitet hat, wollen sie nur den armen Arbeitgebern das Geld aus der Tasche ziehen! Bereits bei der Einführung des Mindestlohns von 8€ sind ja Millionen Betriebe pleite gegangen, weil sie ihre Mitarbeiter plötzlich anständig bezahlen mussten. Eine grausame Dystopie!

2.) Arbeitslose kriegen nicht nur 424 € im Monat!

Nein, weil ein linker Mainstream auch Arbeitslosen ein angenehmes Leben ermöglichen will (Irgendein linksextremer Kampfbegriff mit „Würde des Menschen ist unantastbar“ oder so), wurde Hartz IV abgeschafft und eine sanktionsfreie Mindestsicherung eingeführt! Vorbei sind die Zeiten, in denen der deutsche Staat Geld gespart hat, indem er 60 Millionen Euro ausgegeben hat, um ja die fehlenden 18 Millionen Euro an Kleinbeträgen von Hartz-IV-Empfängern wieder einzufordern! Wäre ja noch schöner, wenn Arme versehentlich ein paar Euro mehr übrig hätten.

3.) Seit 14 Jahren hat keine Partei rechts der Mitte mehr regiert!

Skandalös! Die konservative CDU war seit über 14 Jahren nicht als stärkste Partei an der Regierung! Nur linke Parteien haben durchregiert – Kein Wunder, dass Arbeitnehmer, Arbeitslose und Rentner jetzt viel mehr Geld bekommen als vorher. Und nicht mehr die 45 reichsten Deutschen so viel besitzen wie die ärmere Hälfte der Bevölkerung. Schade, dass nicht mehr die Einkommen der Spitzenverdiener dramatisch gestiegen sind, während im letzten Jahrzehnt die Gehälter von allen anderen stagnieren. Verdammter, linker Mainstream!

4.) Es gibt gar keine Abschiebungen mehr!

Wegen den Linken werden in Deutschland keine Menschen mehr abgeschoben! Schön wäre es gewesen, wenn man 2019 fast 12.000 Menschen abschieben hätte können! Wie jeder weiß, ist Afghanistan, wo man 20.921 Menschen 2019 hätte abschieben können, vollkommen sicher. Es gab schließlich auch keine 50 Terroranschläge dort allein in diesem Jahr.

Mehrere Afghanen, die abgeschoben hätten werden können, hätten inzwischen nicht mehr am Leben sein können. Oder der Irak, wohin man 18.457 Menschen abschieben sollte, hat keine Anschlagserie nach einem Aufstand nach dem US-Rückzug.

Man hätte aus dem Kindergarten, während der Geburt, direkt während der Krebstherapie, aus der Reha, ohne schwangere Ehefrau, aus dem Unterricht, aus dem Job oder aus der Lehrstelle direkt abschieben können. Weil das ganz offensichtlich gefährliche, schlecht integrierte Menschen sind, die hier nicht leben, lachen, arbeiten und Steuern zahlen. Was für eine grausame Welt das ist!

Zufrieden, AfD? Die 10 absurdesten Abschiebungen des Jahres

5.) Rechter terror wird gnadenlos bekämpft

Alle reden über den rechtsextrem motivierten Anschlag auf Walter Lübcke und dessen Hinrichtung durch den mehrfach vorbestraften Neonazi. Man konzentriert sich nur auf das rechtsextreme Netzwerk bei der Polizei, das bei der Bundeswehr, die vielen rechtsextremen Terrorgruppen, den „NSU 2.0„, die 95% aller antisemitischen Straftaten, die von Rechtsextremen begangen werden oder die politisch motivierte Gewalt gegen Kinder zu 87%. Das lenkt doch nur von der viel schlimmeren Gefahr der Linksextremisten – der Antifa! – ab. Schauen wir uns doch die Anzahl der Straftaten von Hasskriminalität der PMK 2018 an:

Grafik von Frank Stollberg, Danke!

77 Straftaten! Diese gefährlichen Kriminellen! Darunter übrigens auch 14 antisemitische Straftaten (vs 1603 Rechtsextreme) und 40 fremdenfeindliche (vs 7064 von Rechtsextremen)! Solche Heuchler! Die Linken sind die wahren Nazis, eindeutig. Und gewalttätig sind sie auch noch!

Grafik von Frank Stollberg, Danke!

12!!! Gewalttaten im Bereich der Hasskriminalität der ANTIFA im ganzen Jahr 2018. Warum spricht keiner darüber, na? Was soll hier verschwiegen werden???

6.) EIn ausreichendes und umfassendes klimapaket wurde beschlossen

Linker Mainstream: Ganz klar, dass Deutschland ein Klimapaket bekommt, dass die Pariser Klimaziele einhält, die die Bundesregierung unterzeichnet hat. Absurd! Wer denkt sich so etwas aus? Versprechen einhalten muss linker Mainstream sein. Wären vernünftige Parteien an der Macht, dann hätten sie einen CO2-Preis festgelegt, der das Benzin satte 3 Cent teurer gemacht hätte. 3 Cent! Das muss dann ja auch mal reichen, um einen Anreiz zu schaffen, dass öfter mal aufs Auto verzichtet wird.

Aber nein, dieser linke Mainstream denkt nicht an die Armen. Ich meine armen Gutverdiener. Nein, die Grünen haben ein Energiegeld von 100€ eingeführt und natürlich den 12€-Mindestlohn. Denken sie denn überhaupt nicht an Leute, die sich Anreize leisten können? Wären nicht diese Klimahysteriker an der Macht, dann wären wir erst 2099 klimaneutral!

Wie schön das wäre, wenn wir die Erderwärmung nicht auf 1,5° begrenzen würden und dann ein nicht aufzuhaltender Teufelskreis eintreten würden! Dann wäre die deutsche Wirtschaft gesichert. Und die ganze Welt, die garantiert nicht alle auf E-Autos umsteigen, würde die guten, deutschen Verbrennungsmotoren, subventioniert von der Regierung, kaufen! Und der Export würde nicht schwächeln. Schade, dass das nicht so ist.

Wie jedes Gespräch mit einem Klimaschutzverzögerer abläuft

Fazit

Jetzt mal im Ernst: Wo ist dieser „linker Mainstream“? Danke an dieser Stelle an @ArioMirzáie, der die Idee für diesen Artikel in seinem Tweet formulierte:

Und ich schließe mich ihm voll an: „Linker Mainstream“ ist ein rechter Kampfbegriff. Nicht einmal die sinnvollsten, menschlichsten und von den meisten WissenschaftlerInnen unterstützten „linken“ Forderungen und Ideen werden derzeit umgesetzt. Der Mindestlohn liegt unter dem Mindestlohn, jeder fünfte Rentner lebt in Altersarmut, es gibt 1000 Tafeln in Deutschland, Arbeitslose werden unter lebenswerten Bedingungen gehalten, um verzweifelt genug zu sein, um einen Job zu suchen, mit dem sie auch nicht genug verdienen, um nicht in Altersarmut zu landen. Das Klimapaket ist ein de facto Austreten aus den Pariser Klimaabkommen. Was ist an dieser deutschen Politik derzeit bitteschön links?

Artikelbild: Ewa Draze, shutterstock.com

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Natürlich leben wir in einer Meinungsdiktatur. Das ist auch gut so.

Natürlich leben wir in einer Meinungsdiktatur.

In Deutschland wird vorgeschrieben, was gesagt werden darf und was nicht. Dinge, die dagegen verstoßen, werden strafrechtlich geahndet. Und das ist gut so. Verleumndung, Beleidigung, Volksverhetzung, Holocaustleugnung. Wer Bestrebungen unternimmt die Verfassung abzuschaffen wird zuerst überwacht, dann verboten. Richtig so. Eine Meinungsdiktatur also. Meinungen, die die Verfassung bedrohen, sind nicht erlaubt. Wer das Grundgesetz und die freiheitlich-demokratische Grundordnung bekämpft, wird ausgestoßen und bestraft, wenn nötig. Gut so.

Macht das die BRD zu einer „Diktatur“? Natürlich nicht, wird ein noch logisch denkender Mensch sagen. Nach Popper muss auch eine Gesellschaft, die für Freiheit und Toleranz einsteht, intolerant gegenüber ihren Feinden, sein. Auch wenn das ein vermeintlicher Widerspruch ist. Im Gegenteil, eben jene Feinde dieser Toleranz werden dieses vermeintliche Paradox gnadenlos ausnutzen, um mit Hilfe der Verteidiger jener Freiheit eben diese abzuschaffen. Nur so funktioniert aber Demokratie.

Doch so empfinden anscheinend einige Deutsche nicht, oder? Laut einer neuen ZEIT-Umfrage glauben 41% der Ostdeutschen, dass man heute seine eigene Meinung nicht freier äußern könne als in der DDR. Die rechtsextremistische AfD pusht hart das Narrativ der „Meinungsdiktatur“. Natürlich, werden diese Verfechter meinen, wird man dafür nicht eingesperrt und gefoltert. Aber man werde gesellschaftlich geächtet. Könne seinen Arbeitsplatz verlieren. Oder die Enkel brechen den Kontakt zu einem ab.

Täter-Opfer-Umkehr: Die Enkel, die den Kontakt zu den rassistischen Großeltern abbrechen



Die Freiheit, „Drecksfotzen“ sagen zu dürfen

Aber das ist keine „Meinungsdiktatur“. Das ist keine „Zensur“, selbst wenn das der Fall wäre. Ich bin nicht der erste Mensch und auch gewiss nicht der letzte Mensch, der anmerkt, dass Freiheit eben auch für „die anderen“ gilt. Wenn jemand Dieter Nuhr nicht witzig findet, und das sagt, dann ist das sein gutes Recht, ebenso wie Nuhr Witze auf Kosten von Schwächeren machen darf. Meinungsfreiheit ist keine Kritikfreiheit, wie Stadelmann auch gut erklärt hat:

Dieser Comedian erklärt, ob es in Deutschland Meinungsfreiheit gibt – Sehenswert!

Thomas Fuchs, Direktor der Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein, sagte neulich bei einer Podiumsdiskussion, an der ich auch teilnahm, dass das Künast-Urteil, laut welchem sie u.a. als „Drecksf*tze“ bezeichnet werden dürfe, juristisch gesehen nachvollziehbar ist. Die Grenzen der Meinungsfreiheit sind in den letzten Jahren und Jahrzehnten immer weiter ausgedehnt worden. Der Paragraf 103 StGB wurde gestrichen (Wenn auch nur Dank Böhmermann). Man kann sogar eine Politikerin ungestraft „Drecksf*tze“ nennen. Anscheinend.

Das ist nicht nur Welten von der DDR entfernt, das ist sogar weitaus liberaler, als es die Bundesrepublik noch vor 30 Jahren war. Wenn AfD, aber auch Lindner oder Poschardt diese zündelnden Begriffe verwenden, meinen sie nicht Zuchthaus oder Folter, sondern die böse „Gängelung“ durch öffentliche Kritik. Selbst wenn es wirklich einen „links-grünen Mainstream“ gäbe, der Leute, die „nur ihre Meinung sagen“ zu Unberührbaren machen würde – was definitiv nicht der Fall ist – ist es sehr gefährlich, auch nur verbal die Grenzen zwischen einer freiheitlichen Demokratie und einer Diktatur zu verwischen. Das nützt nur denjenigen, die erstere abschaffen wollen.

Es gibt keine Repressalien für Meinung

Dabei vergessen Lindner, Poschardt, Maaßen und Co. dass sie der beste Gegenbeweis sind, dass es eben keinen „Mainstream-Zwang“ gibt, meinungskonform zu bleiben. Keine Meinungsdiktatur. Wer ungestraft in großen Tageszeitungen seine Meinung sagen kann, dass seine Meinung unterdrückt werde, wird offensichtlich nicht unterdrückt.

Es gibt genug Publikationen und Meinungsführer, die jedem Kritisierten zur Seite springen. Egal, ob es Nuhr oder Kühnert ist. Nur weil ein paar Medien und ein paar Personen des öffentlichen Lebens Kritik üben, wird keine Meinungsfreiheit beschnitten. Wessen Karriere wurde beendet? Maaßen hat dreist gelogen und rechtsextreme Inhalte verbreitet und wird dennoch bei jedem Huster in allen Schlagzeilen zitiert. (Und natürlich kann so ein Mann nicht Chef des Verfassungsschutzes sein!)

Faktencheck: Abrechnung mit den rechtsextremen Tweets von Maaßen

Wo soll er hier diskriminiert werden? Das will mir doch keiner erzählen. Und von der AfD brauchen wir gar nicht anzufangen. Die AfD kann einen waschechten Faschisten als Spitzenkandidaten für eine Landtagswahl aufstellen, und könnte dort Ende Oktober die zweitstärkste Partei werden. Einen Faschisten! Und dann hat genau der noch die Dreistigkeit, zu behaupten, er werde unterdrückt oder diskriminiert. Dass man ihn ganz „emotionalisiert“.

Analyse: Die erschreckendste Erkenntnis aus dem Höcke-Interview

Rassismus ist keine Meinung

Aber kommen wir zu dem viel wichtigeren Punkt: Manchmal ist Ausgrenzung und Verachtung eben richtig. Denn vieles von dem, was hier als „Aber man wird doch wohl noch seine Meinung sagen dürfen“ verteidigt wird, ist gar keine Meinung, die man noch sagen darf. Gerade die AfD, die sich inzwischen regelmäßig außerhalb des demokratischen Konsens bewegt, nutzt diese Rhetorik nur, um ihren Menschenhass, ihre Lügen und ihre Verfassungsfeindlichkeit in die Öffentlichkeit zu schmuggeln.

Die AfD hat versehentlich selbst festgestellt, dass sie verfassungsfeindlich ist

Die AfD wird von Faschisten dominiert. Menschen, die andere Menschen aufgrund ihrer Herkunft und Hautfarbe, aber auch ihrer Meinung diskriminieren und kriminalisieren wollen. Die AfD will die Demokratie abschaffen. Sie will Gesetze brechen und wichtige Gesetze untergraben und abschaffen, die für eine funktionierende Demokratie essentiell sind. Natürlich darf sie das nicht. Natürlich dürfen wir das nicht zulassen.

Die AfD muss dafür geächtet werden. Sie muss dafür ausgeschlossen werden. Sie muss vom Verfassungsschutz beobachtet werden. Wenn wir der AfD die „Freiheit“ lassen, anderen die Freiheit zu nehmen, dann bricht unsere Demokratie zusammen. Als Gesellschaft und als Staat müssen die Intoleranten nicht toleriert werden. Und das ist kein Widerspruch zur Toleranz. Die AfD lügt, sie hetzt und betrügt. Sie leugnet die blanke Realität. Einfach nur für die „Machtergreifung“ (Gauland).

Konservative und Liberale als Helfershelfer von Faschisten

Wenn Konservative und Liberale nun Faschisten nach dem Mund reden und sich dafür einsetzen, dass diese ihre verfassungsfeindlichen Positionen ausleben dürfen, schaffen sie sich selbst ab. Wer einfach nur der Eskalation wegen (oder des Applauses von Rechts) öffentliche Kritik (von links) als „Gesinnungsdiktatur“ oder „Angriff auf die Meinungsfreiheit“ bezeichnet, der spielt nicht nur denjenigen, in die Karten, die wirklich die Meinungsfreiheit abschaffen wollen. Welche Partei hat Online-Pranger eingerichtet, an welcher kritische Lehrkräfte auf Parteilinie gebracht werden sollen?

Nein, sie sind auch noch Heuchler. Denn wenn eine Komikerin einen (zugegebenermaßen geschmacklosen) Witz auf Kosten von Ostdeutschen macht, kommt der wütende Mob von rechts und will sie einsperren und umbringen. Wenn ich zum Beispiel einen Faktencheck über Seenotrettung mache, kriege ich Morddrohungen. Wo sind hier die Liberalen, die von „Meinungsdiktatur“ jammern? Man könnte jede Kritik so umdrehen, nur macht das die „Gegenseite“ nicht.

Also ja, das was man als „Meinungsdiktatur“ bezeichnet, gibt es teilweise. Aber es ist keine „Diktatur“, sondern ein wesentlicher Grundbestandteil einer funktionierenden Demokratie. Durch absichtliche Falschdarstellung wird es jedoch pervertiert. Schutzmechanismen für die Demokratie und die Freiheit sind gut und richtig. Lasst euch nicht einreden, dass sie etwas Schlechtes sind.

Sprecht nicht Faschisten nach dem Mund

Keiner will Nuhr ein Auftrittsverbot erteilen (außer ein paar Leute, die wir alle ignorieren sollten statt sie als Meinungsführer betiteln, die sie nicht sind). Aber die AfD und ihr rechtsextremer Arm auf den Straßen möchte Journalisten, die kritische Fragen stellen, arbeitslos machen. Oder gleich aufhängen („Ein Baum, ein Strick, ein Pressegenick!”).

Der Feind steht rechts! Wenn Konservative und Liberale glauben, sie könnten den Spagat wagen, und die Menschenverachtung der Rechtsextremen verurteilen und gleichzeitig deren Vokabular und ihre Narrative etablieren, weil sie die „Linken“ schwächen, dann irren sie gewaltig. Niemals anders sind Faschisten an die Macht gekommen.

 

Artikelbild: Marcos Mesa Sam Wordley, shutterstock.com

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Diese Rechnung zum Einheitsbuddeln zeigt: So krass leben wir über unsere Verhältnisse

Windräder statt Einheitsbuddeln?

Heute ruft die Bundesregierung anlässlich des Tags der Deutschen Einheit die Bürger*innen auf, einen Baum für das Klima zu pflanzen. Beim Einheitsbuddeln soll jede*r einen Baum pflanzen oder dafür spenden, dass ein Baum gepflanzt wird. So könnten jedes Jahr 83 Millionen Bäume gepflanzt werden. Schöne Idee oder?

🌳 Stellen Sie sich vor, jeder von uns pflanzt einen Baum – mit vereinten Kräften entstünde so ein ganzer Wald, von Nord…

Gepostet von Bundesregierung am Dienstag, 1. Oktober 2019

In der Tat eine schöne Idee. Ein Mitglied aus dem Volksverpetzer-Team hat sogar selbst eine große Einheitsbuddeln-Veranstaltung organisiert. Wir brauchen definitiv Bäume für den Klimaschutz. Aber dazu später mehr. Denn nicht wenige Menschen scheinen zu glauben, dass damit das Thema Klimaschutz gegessen sei. Hey, wir können einfach Bäume pflanzen und dann brauchen wir keine alternativen Antriebe zu Verbrennungsmotoren, keine CO2-Steuer, die 57 Milliarden Euro klimaschädliche Subventionen können weiter laufen!

Screenshot facebook.com

Auch unsere Freunde von Fridays For Hubraum, die unser Angebot einer sachlichen Diskussion ausgeschlagen haben und uns stattdessen auf Twitter blockiert haben halten an diesem Glauben fest. Greta Thunberg ist eine „Extremistin“, denn es reicht doch, wenn man Bäume pflanzt, oder? Auch Lindner der Klimaschutzverzögerer-Partei FDP freut sich, dass er ein paar Bäume pflanzen kann, um zu zeigen, dass er irgendwas fürs Klima tut, ohne Steuern einzuführen oder Subventionen abzuschaffen, die seine Parteispender ablehnen.

Heute ist nicht nur Tag der Deutschen Einheit, heute findet auch die Aktion "Einheitsbuddeln" statt. Die Idee: Jeder…

Gepostet von Christian Lindner am Donnerstag, 3. Oktober 2019



Fakt: wir bräuchten deutschland fünf mal

Um den Anteil Deutschlands am internationalen CO2-Ausstoß zu neutralisieren müsste jeder Bundesbürger nicht nur einen Baum jeden 3. Oktober pflanzen. Sondern jeweils fünf Tennisfelder Wald. Und zwar jedes Jahr für 15 Jahre. Nur so könnten wir bis 2035 unsere CO2-Emissionen neutralisieren. Ein Umstieg auf erneuerbare Energien wäre nicht nur viel schlauer, sondern auch logisch möglich. Denn: Um klimaneutral zu werden, müssen wir genauso viel CO2 binden, wie wir ausstoßen.

Das Thünen-Institut vermisst regelmäßig die Biomasse des deutschen Waldes und ist zum Schluss gelangt, dass 7% der deutschen CO2 Emissionen vom Wald wieder aufgenommen werden. (Quelle) Ok, also reicht es, wenn wir einfach nur 14 mal so viel Wald pflanzen wie im Moment und die Sache ist geritzt? Wir haben 12 Millionen Hektar Wald, macht 2 Hektar zusätzlichen Wald pro Bundesbürger, um von 7% auf 100% zu kommen.
Zum Vergleich: Pro Bundesbürger gibt es grade mal 0.2 Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche in Deutschland. Wir sprechen also vom Faktor 10. (Quelle)
Aber Deutschland ist nur 35 Millionen Hektar groß. Wir bräuchten also fast 5 Deutschlands voll mit Wald. Platz für Menschen und Autobahnen gibt es dann natürlich nicht mehr, was das Problem halt auch irgendwie löst.

So viel Fläche bräuchten wir, um Deutschland allein durch Wald klimaneutral zu machen:

Quelle: datamaps.world

Wenn alle 7 Mrd. Menschen weltweit so verschwenderisch leben würden wie wir, müssten wir eine Fläche von 14 Mrd. Hektar Wald aufforsten. So einfach wird das aber nicht, wenn wir weiter auch noch alle Rindfleisch futtern wollen und oft gibt es halt auch nen Grund, warum nicht überall Bäume wachsen (Quelle). Es ist also praktisch unmöglich, allein durch das Pflanzen von Bäumen die Pariser Klimaziele zu erreichen.

Fakt: Ein Windrad ist 1000 mal effektiver als der Wald

Wenn man statt eines Waldes auf der gleichen Fläche eine Windkraftanlage baut, so spart diese hingegen mehr als 1000 (!) mal mehr CO2 ein (Quelle). Eine Windkraftanlage würde 1000 mal mehr CO2 einsparen, als der Wald, der an ihrer Stelle stehen würde. Wer sich Sorgen um tote Vögel macht: An Windfarmen sterben zehnmal weniger Vögel pro Kilowattstunde als an Kraftanlagen, die mit fossilen Energieträgern laufen (Quelle). Und übrigens auch weniger als im Straßenverkehr.

Es wäre also sinnvoller, Deutschland mit Windrädern „aufzuforsten“, als nur Bäume zu pflanzen. Man könnte sie ja grün anmalen, wenn das hilft. Deutschland behindert aber aktiv den Ausbau von Windkraft. Im ersten Halbjahr 2019 wurden gerade mal 35 neue Windräder gebaut. In ganz Deutschland. Mindestabstandsregelungen sind so streng festgelegt, dass sie einem Windrad-Verbot gleichkommen. Auch das Bundesumweltamt sagt, dass solche Regelungen die Energiewende bremsen.

Quelle

Und nicht nur das: Windkraft hat auch die geringsten Kosten. Fun fact: Atomkraft hat sich wirtschaftlich niemals rentiert. Atomkraft war, ist und wird niemals wettbewerbsfähig sein und lebt nur von Subventionen. Wer erneuerbare Energien ablehnt, weil diese sich wirtschaftlich durchsetzen sollten, sollte das bedenken. Für Kohle gilt übrigens inzwischen ähnliches, die heute noch Milliarden Euro Subventionen erhält. Warum wird der Bau von Windrädern de facto verboten, aber andere massiv subventioniert?

Fazit

Das Einheitsbuddeln ist gut, wir sollten Bäume pflanzen. Bäume haben abseits von ihrer Nutzbarkeit als CO2-Speicher viel Nutzen, als Lebensraum, um Innenstädte abzukühlen usw. Auch können wir mit erneuerbaren Energien nicht komplett klimaneutral werden, wir brauchen die Neutralisation durch Bäume dringend. Doch so zu tun, als sei das die einzig wahre Lösung, im Gegensatz zur Abschaffung klimaschädlicher Subventionen oder Einführung eines CO2-Preises, ist gefährlich.

Es ist falsch, so zu tun, als seien die Grundforderungen von Fridays For Future Extremforderungen und man müssen sich in der Mitte zwischen ihnen und Klimawandelleugnern treffen. Eine Einführung eines sinnvollen (und sozial verträglichen) CO2-Preises, Abschaffung der klimaschädlichen Subventionen und Förderung von Alternativen ist die Minimalvoraussetzung, um die Klimaziele einzuhalten. Klimaziele, die Deutschland unterzeichnet hat. Macht mit beim Einheitsbuddeln, wir tun es auch. Aber lasst euch nicht erzählen, dass das ausreichen würde.

5 Gründe, warum der Co2-Preis des Klimapakets ein schlechter Witz ist

Artikelbild: pixabay.com, CC0

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Zwei Frauen ermordet: Die AfD will dir diese Messer-Morde verschweigen

Weil der täter frank N. heißt

Es war eine schrecklich brutale Tat: In Göttingen stach am Donnerstag ein Mann zuerst auf eine Bekannte, der er am Arbeitsplatz aufgelauert hatte, ein. Anschließend hat er sie mit Brandbeschleuniger übergossen und angezündet. Als eine Kollegin zu Hilfe eilen wollte, griff er auch sie an. Beide Frauen überlebten die Angriffe nicht, die Kollegin verstarb am Samstag in Krankenhaus. Die Polizei geht davon aus, dass das Motiv des Täters eine Abweisung durch das Opfer war. „Wir gehen aber davon aus, dass es damit zu tun hat, dass er von ihr wiederholt abgewiesen wurde“, sagte Kripo-Chef Breyer zur dpa.

Nach den brutalen Morden in Göttingen leistete sich der Tatverdächtige eine spektakuläre Flucht, konnte am Freitag jedoch geschnappt werden. Der Tatverdächtige war bereits in der Vergangenheit drei mal rechtskräftig wegen Vergewaltigung verurteilt worden. Im letzten Prozess 1994 wurde neben der Freiheitsstrafe auch eine Sicherungsverwahrung gefordert. Auch 1995 war er bereits vor der Polizei auf der Flucht und konnte nur durch einen Schuss in den Rücken gestoppt werden (Quelle).

Mehrfach vorbestrafter Mörder, spektakuläre Flucht – Jedoch kein AfD-Sharepic, kein Hashtag zu Göttingen auf Twitter, der trendet. In den Kommentarspalten der Medienberichte finden sich keine wütenden Kommentare, die Kanzlerin Merkel oder ihre Politik beschuldigen. Stört diese Schreckenstat nicht das Sicherheitsempfinden? Ist es kein „Politikversagen“? Ist sie es nicht wert, einen Trauermarsch zu veranstalten oder eine Mahnwache abzuhalten? Offensichtlich nicht, da der Täter anscheinend keine dunkle Haut hatte.



AfD will dich manipulieren.

Die AfD erwähnt den Fall nicht, weil ihr deine Sicherheit oder die von Frauen allgemein völlig egal ist. Sie möchte einfach nur, dass du Schutzsuchende, Nichtdeutsche und Menschen mit anderer Hautfarbe hasst. Die AfD ist zutiefst rassistisch. Über den Bahnhofsschubser von Frankfurt wurde tagelang gesprochen, weil er eine dunkle Hautfarbe hatte. Aber mit Merkels Flüchtlingspolitik hatte er rein gar nichts zu tun. Grenzkontrollen hätten ihn nicht aufgehalten.

Der endgültige Beweis, dass alle Frankfurt-Hetzer nur Rassisten sind

Aktivisten haben sich alle Fälle angeschaut, in der die AfD Messerstechereien durch Migranten beklagt und insgesamt 564 Fälle überprüft. Die Fälle haben sie alle von der AfD-Website gesammelt. Die komplette Liste aller Fälle haben sie hier in einer Excel-Datei gelistet. Ihre Ergebnisse sprechen Bände.

87% aller Fälle sind falsch. Bei 310 Fällen handelt es sich überhaupt nicht um Messerstechereien. Und bei weiteren 178 Fällen fehlt eine Angabe über die Herkunft der Täter. Die AfD hat lediglich unterstellt, dass es sich um Nicht-Deutsche handele. Somit bleiben lediglich 76 Einzelfälle. Das heißt: Wenn die AfD den Messerangriff eines Migranten anprangert, ist es höchstwahrscheinlich falsch.

Doch selbst ohne die Lügen der AfD kann die AfD uns alle mit ihrer selektiven Darstellung verarschen. Deutschland ist 2018 zum zweiten Mal in Folge so sicher wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr (Quelle). Die Anzahl der Tatverdächtigen ist auf dem niedrigsten Stand seit 1992. Und ja, auch die tatverdächtigen Nichtdeutschen und Schutzsuchenden sind weniger geworden. Was soll man da noch sagen?

Mehr dazu, wie die AfD die Realität verzerrt hier

Die wahre gefahr für frauen: Ihre männlichen partner

Die meisten Straftaten in Deutschland werden von Deutschen begangen. Deutsche mit „typisch deutschen“ Vornamen, für die Rassisten. Wer „unsere Frauen“ schützen will, der soll sich nicht von der AfD von den wahren Tätern ablenken lassen. Die Täter sind mehrheitlich Männer. Zu 70% sind es Deutsche, die Frauen schwere Gewalt antun. Fast zwei Drittel aller Täter sind Lebensgefährten oder Ehemänner, 37% ehemalige Partner. Allein im Jahr 2016 wurden fast 82.000 Frauen Opfer von einfacher oder schwerer Körperverletzung.

Wo sind die AfD-Demos gegen die tägliche häusliche Gewalt gegen Frauen?

Häusliche Gewalt ist ein großes Problem, dem viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Es gibt keine einheitliche Finanzierung, zu wenig Geld und zu wenig Personal. Weil zu oft weggeschaut wird oder es als eine private Angelegenheit gehandhabt wird, bekommen diese Frauen viel zu wenig – oft jedoch auch gar keine – Hilfe. Und sie schweben oft in Lebensgefahr. Frauenhäuser sollen dem Abhilfe schaffen, doch es fehlen bundesweit mindestens 5000 Plätze.

Das Perverse ist, dass das Thema jahrzehntelang regelrecht totgeschwiegen wurde. Jetzt ist es endlich in aller Munde, eine Partei schreibt sich den „Schutz unserer Töchter und Frauen“ auf die Wahlplakate. Aber nur dann, wenn sie Opfer von Ausländern werden. Dabei ist der Fall der Vergewaltigung durch einen Fremden, erst Recht durch einen nicht-deutschen Fremden die große Ausnahme. Die meisten sind (Ex-)Partner. Die meisten sind Deutsche.

Lass dich nicht von Rassisten verarschen

Auch im Fall von Göttingen war es wohl mutmaßlich ein Sexualstraftäter, der eine Abweisung durch eine Frau nicht verkraften konnte. Und im Zuge dessen zwei Frauen brutal ermordete. Ihn wird hoffentlich die volle Härte des Rechtsstaats treffen. Genau wie jeden anderen Straftäter, völlig unabhängig von dessen Hautfarbe. Wenn eine Partei die Fälle und nur die erwähnt, die in ihr rassistisches Weltbild passen – und somit die Berichterstattung dazu anheizt – dann nur, um auch dich dazu zu manipulieren, dass du rassistisch denkst.

Wenn du kein Rassist bist, wenn du wirklich um die Sicherheit von Frauen besorgt bist, dann darfst du eben nicht auf die Manipulation der AfD hereinfallen. Wir brauchen endlich politische Stimmen, die sich für alle Frauen einsetzen, die Opfer von (sexualisierter) Gewalt werden. Nicht nur für diejenigen, deren Täter eine andere Hautfarbe hatte.

Im Gegenteil, wenn die AfD so tut, als sei Gewalt gegen Frauen ein Problem, das erst mit Flüchtlingen aufgetaucht sei, verharmlost sie teilweise jahrzehntelange Gewalt und zeigt ihren Unwillen, daran etwas zu ändern. Wer Hilfe braucht, kann sich an das Hilfetelefon unter der 08000 116 016 wenden oder online unter www.hilfetelefon.de. Dort sind Helfende rund um die Uhr erreichbar. Kostenlos, anonym und vertraulich.

Lass dich und deine Wut oder Trauer nicht instrumentalisieren. Instrumentalisieren von Menschen, die den Opfern nicht wirklich helfen wollen. Denen die Opfer egal sind, weil sie sich nur für die Täter interessieren. Die den Täter von Göttingen nicht erwähnen, weil sie ihn nicht ausschlachten können. Weil sie zugeben müssten, dass ihnen die Opfer eigentlich völlig egal sind. Ich wünsche den Hinterbliebenen viel Kraft, mein aufrichtiges Beileid.

#metoo: Doch leider waren meine Täter nur Deutsche

Artikelbild: pixabay.com, CC0

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Nicht einmal Fridays For Hubraum möchte etwas mit der AfD zu tun haben

fliegen hetzer jetzt heraus?

Hallo, hier ist wieder eure liebste „antideutsche, linksextreme Seite“, wie wir laut BILD heute netterweise von einigen genannt wurden! Ja, genau diejenigen, die den „Hetzartikel“ gegen Fridays For Hubraum verfasst haben, als wir darauf hinwiesen, dass Rechtsextreme die Gruppe unterwandert haben und viele strafrechtlich relevante Hass-Kommentare verfasst haben.

Widerlich: So vulgär, extrem und rechts sind „Fridays For Hubraum“

Wir lagen natürlich total falsch mit dem Bericht, denn ich habe mehrere Drohungen und Nachrichten von besorgten Autofahrern bekommen, die den Artikel gar nicht gelesen haben. Dann stimmt es wohl nicht, dass aggressive Hetzer in der Gruppe sind. Ganz offensichtlich.

Und der beste Beweis, dass wir Unrecht hatten, ist natürlich, dass die Gruppe Fridays For Hubraum gestern von ihren Admins archiviert wurde, weil sie von Rechtsextremen unterwandert wurden. Dann hatten wir ganz offensichtlich Unrecht. Das ist kein Sarkasmus, das ist eine ernst gemeinte Argumentation, die mir um die Ohren geworfen wurde. Aber kommen wir zum Thema.



Fridays For Hubraum distanziert sich von der AfD

In einem Video-Statement hat sich der Gründer der Gruppe Fridays For Hubraum an seine Community gewandt, der ganz offensichtlich mit dem Ansturm etwas überfordert war. Eine Interview-Anfrage von uns blieb unbeantwortet. „So geht das nicht“, sagte der Gruppengründer unter anderem über Morddrohungen und „rechtes Gedankengut“, welches auch wir angeprangert hatten. Er verurteilte die Hassentladung auf Greta Thunberg und „rechte Hetze“. Unsere Kollegen von DieInsider hatten das ja dokumentiert:

Im Video sagte er über die AfD, dass er es schlimm findet, dass die AfD meint, Fridays For Hubraum für ihre Zwecke zu missbrauchen. Er beklagte, dass sie dadurch irgendwie in die Ecke der AfD gedrängt werden, und sie haben „keinen Bock“ darauf, weil sie nicht ihrer Meinung sei. Vermutlich ist damit Rassismus und Klimawandelleugnung gemeint.

Was die Gruppe aber gegen die Hetze der AfD unternimmt? Eigentlich nicht wirklich etwas. Sie bittet im Wesentlichen darum, dass die „Radikalen“ in der Gruppe doch bitte ignoriert werden sollen, denn schließlich „gehen die von alleine.“ So löblich das ist, dass sich Fridays For Hubraum darum bemüht, sich von Rechtsextremisten und unsachlicher Hetze zu distanzieren, so naiv scheinen sie zu sein, wie groß das Problem ist.

So sehr ist die gruppe von der afd unterwandert

Die AfD versucht mit aller Gewalt, die Gruppe Fridays For Hubraum an sich zu reißen und zu instrumentalisieren. Die AfD leugnet aktiv den menschengemachten Klimawandel und verbreitet regelmäßig Lügen darüber, wie wir bereits öfter berichtet haben. Eine Gruppe, die sich über „Fridays For Future“ lustig machen will, kommt ihr da sehr gelegen. Die AfD hat mehrere Werbeanzeigen geschaltet, um ihre Anhänger darauf aufmerksam zu machen:

Die AfD schaltet bezahlte Werbung für die Gruppe

Sprecher der AfD-Landesgruppe Sachsen-Anhalt im Bundestag bewirbt es auch

DieInsider haben auch eine ganze Reihe an Beiträgen in AfD-Gruppen gefunden, die dazu aufrufen, die Gruppe zu unterwandern:

Und eine ganze Reihe AfD-Politiker sind Mitglieder in der Gruppe:

Auch bekannte Rechtsextreme wie Lutz Bachmann sind unter den Mitgliedern der Gruppe. Von den zehntausenden normalen AfD-Anhängern einmal abgesehen. Wir haben nachgezählt: 20% aller Bundestagsabgeordneten der AfD sind in der Gruppe. Dabei nicht nur „harmlose“ Mitglieder, sondern führende Köpfe des teilweise vom Verfassungsschutz beobachteten Flügels der AfD. Wenn die Gruppe wirklich gegen deren Einfluss und Vereinnahmung vorgehen wollen würde, müsste sie eine ganze Menge an Hetzern hinauswerfen. Bei der schieren Menge an Personen ein aussichtsloses Verfahren.

Das grundlegende Problem mit Fridays For Hubraum

Nein, die Fridays For Hubraum sind keine „Nazis“ (Wir haben das Wort nie erwähnt!), und auch nicht einmal alle Klimawandelleugner. Aber sie haben ihre Gruppe quasi bereits an genau diese verloren, trotz jeglicher eigener Ansprüche. Wenn sie es ernst meinen mit ihrer Distanzierung von der AfD, dann sollen sie das auch deutlich kommunizieren und diese hinauswerfen. So wirkt es nur halbherzig, um von deren Mitgliederzahlen zu profitieren, aber nichts mit der Hetze in der eigenen Gruppe zu tun haben müssen.

Nein, die Gruppe, die sich über Greta Thunberg und Co „lustig“ machen will, weil sie mit deren vermeintlichen Klimaforderungen nicht einverstanden sind, hat ein anderes Problem. Sie möchten keine „Verbote“ und keine CO2-Steuer, sondern lieber „Bäume pflanzen“. Unsere Frage an die Gruppe ist: Wo gedenken sie die circa neun Milliarden Bäume zu pflanzen, um den jährlichen CO2 Ausstoß des deutschen Autoverkehr zu kompensieren? Wie stehen sie zu den Pariser Klimazielen?

Denn, Überraschung: Fridays For Future möchten lediglich, dass diese eingehalten werden. Verbote werden offiziell keine gefordert, sondern ein Ende für klimaschädliche Subventionen und eine CO2-Steuer. Denn was ist die Alternative? Wie gesagt, Bäume pflanzen alleine reicht nicht. Mit einigen anderen Missverständnissen über die Klimakrise der Gruppe haben wir gestern hier aufgeräumt:

Natürlich ist FFF größer: 4 Fakten gegen FridaysForHubraum

Fazit

Nein, die Fridays For Hubraum-Gruppe ist nicht die „neue Gegenbewegung“, die die AfD gerne hätte. Aber sie wehrt sich abseits von verbalen Distanzierungen auch nicht großartig, von dieser vereinnahmt zu werden. Das wollen wir definitiv lobend erwähnen, aber effektiv ist die derzeitige Strategie der Admins auf gar keinen Fall. Schmeißt die AfDler alle raus, wenn ihr es mit eurer Distanzierung ernst meint! Denn wer in Fridays For Future, die das Klima retten wollen, eine größere Bedrohung sieht, als in Faschisten, die unsere Demokratie aushöhlen wollen, der sollte an seinen Prioritäten arbeiten.

Wir würden uns gern über einen sachlichen Austausch mit der Gruppe freuen und eine Beantwortung unserer Fragen, unser Interview-Angebot steht noch. Wir würden uns freuen, endlich einmal in der Sache über die Klimakrise zu diskutieren. Denn Mordaufrufe und Fake-Bilder über Greta Thunberg sind keine „Kritik“. Lasst uns friedlich, sachlich und freundlich darüber reden, ob eine CO2-Steuer der beste Weg ist oder nicht. Wir bleiben weiter sachlich an der Gruppe dran. Aber lasst die Trolle der AfD dabei draußen.

Artikelbild: Screenshot facebook.com

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Natürlich ist FFF größer: 4 Fakten gegen FridaysForHubraum

ABrechnung mit dem wirbel um diese gruppe

Als ich gestern das erste Mal von der Troll-Erfindung „FridaysForHubraum“ gelesen habe, hielt ich es für typisch rechtes Mimikry. Kein Wunder, entdeckt hatte das die Recherchegruppe DieInsider in einer rechtsextremen AfD-Gruppe. Erst später erfuhr ich, dass es so eine Gruppe auf Facebook gibt, die den Anspruch hat, „mit Spaß“ gegen den „Klima-Wahn“ von FridaysForFuture anzutreten. Ihr Ziel war es, mehr Mitglieder zu bekommen als die Facebook-Seite „FridaysForFuture Deutschland“.

Als die Insider dann heute morgen die Gruppe analysierten, die zu diesem Zeitpunkt die 300.000 Mitglieder erreichte, fand sie allerdings weniger nette Späße gegen die Klimabewegung vor, sondern vor allem den typischen, vulgären Hass gegen Greta Thunberg und FridaysForFuture.

Ein User fragt „Was kostet ein Auftragsmord“, ein anderer behauptet, die Eltern Gretas seien Geschwister gewesen. Man nennt Greta Thunberg „Kackfratze“, „Arschlochkind“, „Dreckswanst“, „Göre“, die „ins Heim“ soll und „ADS Fotze“. Sie solle „vor einem fahrenden Elektroauto laufen“[sic] und „gehört mol richtig übers Knie gelegt… Fuck You Greta“ [sic]. Jemand fragt, warum kein „Amokläufer nicht einfach dieses Kind abknallen“ kann. Und so weiter und so fort. DieInsider haben noch viele Screenshots mehr dokumentiert.

Über die Unterwanderung der Scherz-Gruppe berichteten wir also heute morgen:

Widerlich: So vulgär, extrem und rechts sind „Fridays For Hubraum“

Das regelrechte Bombardement mit wütenden Reaktionen der FridaysForHubraum hat mich jetzt dazu veranlasst, mit den gängigsten Missverständnissen und Fehlern aufzuräumen.



1. Fridaysforhubraum sind keine nazis

Das haben wir auch nie behauptet. Wir haben das Wort auch nie in den Mund genommen. Trotz der Beißreflexe verwenden wir das Wort nur, wenn es auch angebracht ist. Fakt ist: In rechtsextremen Gruppen wurde Werbung dafür gemacht, in die Gruppe einzutreten und diese mit Propaganda zu unterwandern. Dass das erfolgreich ist, sieht man ja in den ganzen Beiträgen.

Admin der Gruppe „Aktiver Widerstand“ ruft dazu auf, die Gruppe zu unterwandern

Es ist Tatsache, dass es sich dort Klimawandelleugnern, Hetzer und Rechtsextreme nur so tummeln. DieInsider hat auch dutzende AfD-Politiker dokumentiert, die sich in der Gruppe befinden. Wer damit ein Problem hat, soll das mit den Admins austragen. Oder die ganze, dokumentierte Hassrede, die Beleidigungen, die Todeswünsche und alles andere verurteilen, sich distanzieren und dafür ankämpfen, in der Gruppe diesem keinen Platz zu lassen.

Die Gruppe bemüht sich, dem Hass-Ansturm Herr zu werden, doch die meisten der dokumentierten, oftmals strafrechtlich relevanten Beiträge stehen immer noch da. Und es kommen sekündlich neue hinzu. Es ist zweifelhaft, dass der nette Umgangston, den man sich zu Anfang noch gewünscht hat, wieder zu bringen ist. Nichtsdestotrotz gilt: Nein, es sind natürlich keine Nazis. Es ist aber eine riesige Ansammlung von Trollen, sehr viele davon aus rechtsextremen Gruppen. Die AfD gibt sogar extra Geld dafür aus, damit es mehr werden. Sachliche Auseinandersetzung oder inhaltliche Argumente findet man dort aber auch bei den „normalen“ „FFF-Kritikern“ eben auch nicht.

Nachtrag 18:50:

Die Admins der Seite geben uns im übrigen Recht: Morddrohungen und „rechtes Gedankengut“ haben in der Gruppe Überhand genommen. Deswegen ist die Gruppe derzeit archiviert, und die Hetzer werden herausgeworfen. Danke dafür, das ist eine starke Reaktion, auch auf unsere Kritik. Das wollen wir definitiv an dieser Stelle lobend erwähnen.

2. FridaysForHubraum ist natürlich nicht größer als FridaysForFuture

Der scherzhaft gemeinte Anspruch, mehr Mitglieder zu bekommen, als eine Seite „Fridays For Future Deutschland“ wird besonders dann lächerlich, wenn manche darin ernsthaft den „Beweis“ sehen wollen, dass sie eine größere politische Bewegung darstellen würden. Es tut mir leid, aber wie soll man denn das ernst nehmen? Hier werden ja nicht nur Äpfel mit Birnen verglichen, sondern Äpfel mit Steinen. Vom Mars. Nicht nur dass es einen gravierenden Unterschied zwischen Likes einer Seite und Mitgliedern einer Gruppe gibt:

Die Seite „FridaysForFuture Deutschland“ ist doch kein Indikator für den Zuspruch der Bewegung. Ich habe sie auch nicht geliked, bis heute nie etwas von ihr gehört und ich bin doch angeblich so ein „Greta-Jünger“. Letzten Freitag waren deutschlandweit 1,4 Millionen Menschen für FridaysForFuture auf der Straße. Und selbst wenn die Gruppe „FridaysForHubraum“ 1,4 Millionen Mitglieder hätte, wäre das immer noch nicht vergleichbar!

Es ist auch viel bequemer, einer Facebook-Gruppe beizutreten, als auf die Straße zu gehen. Und abgesehen von Bots und Fake-Accounts sind Demonstrationen damit eindeutig aussagekräftiger. Wer ernsthaft behauptet, unter diesem Banner würden mehr als 1,4 Millionen auf die Straße gehen, den kann ich nicht ernst nehmen. Das ist keine französische Gelbwesten-Bewegung. Und das soll es ja auch gar nicht sein. Es war ein Scherz, der jetzt groß gekapert wurde, um ihn politisch auszuschlachten.

3. Auch die nicht-rechten Mitglieder haben etwas grundlegendes nicht verstanden

Zum einen mal finde ich bereits die ganz ursprüngliche Idee, dem „Klima-Wahn“ etwas entgegen stellen zu wollen von Grund auf falsch. Welcher „Klima-Wahn“ denn? Der menschengemachte Klimawandel ist real und Fakt. Wenn über 99% aller Klimastudien sich da einig sind, dann gibt es da nichts zu diskutieren. Da werden Fake News, die von Lobbygruppen, die von Autoherstellern finanziert werden, auch nichts daran ändern. Und auch kein dummes Facebook-Bild, das sich über Greta Thunberg lustig machen soll.

„Klimawandel gibt es schon immer“

heißt es in der Selbstbeschreibung. Und das ist richtig. Aber es hat sich niemals so schnell so gravierend verändert wie heute. Nie. Und alle anderen möglichen Erklärungen, als dass der Mensch dafür verantwortlich ist, wurden längst widerlegt. Im Gegenteil, dass das Klima schon früher durch Sonnenanomalien oder Vulkanausbrüche verändert wurde, ist kein Gegenargument. Sondern der Beweis, dass das Klima sehr empfindlich auf die Zunahme von Treibhausgasen reagiert (Mehr dazu).

Der Mensch ist nicht für das meiste CO2 verantwortlich, das freigesetzt wird. Das wird aber wieder in einem natürlichen Kreislauf zurückgeführt. Er ist aber definitiv für einen großen Teil des CO2 (96%) verantwortlich, das nicht absorbiert wird und in der Atmosphäre „übrig“ bleibt. Denn von den Rekordwerten an CO2 mit 415 ppm ist der Mensch für 40% verantwortlich:

via Science Alert

„Wir können die Welt nicht auf Kosten von tausenden Arbeitsplätzen retten“

Das Argument von „FridaysForHubraum“ ist völliger Quatsch. Denn zum einen wird die Klimakatastrophe und noch so viel mehr Kosten, als Arbeitsplätze. Dürren, Hungersnöte, zig Millionen Klimaflüchtlinge. Und warum ausgerechnet den Arbeitsplätzen in den Branchen der fossilen Energien nachgeweint wird, ist auch absurd. Wo sind die Klagen über die ganzen verlorenen Schuster-Berufe? Erneuerbare Energien und andere Technologien schaffen viel mehr Arbeitsplätze.

Und die werden systematisch durch die deutsche Politik verhindert. Seit einem Höhepunkt von 2011 wurden 113.900 Stellen alleine in der Solarenergie abgebaut. 100.000 Stellen insgesamt sind vor allem durch den enorm zurückgegangenen Ausbau von Photovoltaikanlagen verloren gegangen. Insgesamt noch in der Braunkohleindustrie beschäftigt sind hingegen gerade einmal deutschlandweit 20.000 Menschen. Dafür erhält die Kohleindustrie übrigens 200 Milliarden € EU-Subventionen seit der Wende (Quelle).

Es sollte also heißen: Wir können nicht auf Kosten von hunderttausend Arbeitsplätzen aussterbende Industrien weiter subventionieren und ganze Branchen aktiv behindern.

4. Was denkt ihr, was FridaysForFuture denn wollen?

Die Gruppe „FridaysForHubraum“ will sich nicht als Klimawandelleugner oder rechtsextremes Sammelbecken verstehen. Das respektiere ich. Die Admins scheinen sich auch Mühe zu geben – so wird unter anderem dazu aufgerufen, Bäume zu pflanzen, um die Umwelt zu schützen. Das ist ja löblich. Aber abgesehen von möglichen einzelnen Forderungen wird hier wohl vollkommen missverstanden, wofür FridaysForFuture eigentlich steht. Den Grund, nehme ich an, findet man in eben solcher propagandistischen Feindbildung, wie sie derzeit in eben jener Gruppe stattfindet.

FridaysForFuture wollen schlicht und ergreifend, dass Deutschland seine 2015 unterzeichneten Klimaziele einhält. Denn laut überwältigendem Konsens in der Wissenschaft wird sie das mit ihren derzeitigen Maßnahmen auf gar keinen Fall schaffen. Sie fordern – und dabei stützen sie sich auf führende Klimaexperten – ein Ende der Subventionen für fossile Energieträger, eine CO2-Steuer von 180€ (Das ist der notwendige Preis pro Tonne CO2 den das Bundesumweltamt selbst errechnet hat!) und die Klimaneutralität bis 2035.

Das ist nicht radikal, das sind keine Verbote, das ist sinnvoll und das Mindeste, wenn man denn wirklich die Pariser Klimaziele einhalten möchte. Keiner will euch euer „Auto wegnehmen“. Wer sich über „Verbote“ aufregt, müsste die CO2-Steuer doch begrüßen – sie ist die marktwirtschaftliche Alternative dazu. Wer sich wiederum um Kostensteigerungen Sorgen macht, dafür ist in vielen Modellen eine Klimaprämie enthalten, die die Kosten wieder an einkommensschwache Haushalte zurückgibt. Woran scheitert es nun? An Fahrverboten? Wer keine Fahrverbote will, der müsste eigentlich sogar die Grünen wählen. Denn Fahrverbote gibt es nur als Konsequenz eines Gesetzes von Schwarz-Gelb. Mehr dazu:

Wiesbaden: Wer keine Fahrverbote will, sollte Grüne wählen

Wir hätten auch gern mehr hubraum

Nein, FridaysForHubraum sind keine Massenbewegung, sondern ein paar Leute, die auf bezahlte Klimapropaganda und falsche Feindbilder hereingefallen sind und jetzt gezielt von Rechtsextremen und Klimawandelleugnern unterwandert werden, die daran anknüpfen wollen. Ein erneuter Blick in die Gruppe belegt einen endlosen Strom an Beleidigungen, dummen Scherzen, Gewaltdrohungen, sinnloser Hetze und ganz viel Desinformation.

Wer damit ein Problem hat, soll sich nicht an uns wenden. Mir tun die Ersteller der Gruppe etwas leid. Sie sitzen zwar einigen Denkfehlern und Missverständnissen über die Klimabewegung auf, hatten aber wirklich nichts derart verkommenes im Sinn. Ja, pflanzt Bäume, bitte. Das ist sehr löblich. Die Frage ist, wie viel Bäume man allerdings pflanzen müsste, um den gesamten deutschen Autoverkehr zu kompensieren.

FridaysForHubraum? Meine Generation und die kommenden Generationen würden auch gerne mehr Hubraum haben. Aber den haben uns die Generationen davor schon weggenommen. Um die Erderwärmung mit hoher Wahrscheinlichkeit auf 1.5 Grad zu begrenzen, darf nur noch eine ganz bestimmte Menge CO2 in die Atmosphäre gelangen.

Rechnet man auf diese Menge drauf, was wir bisher in die Luft gepustet haben, dann ergibt sich daraus ein Gesamtbudget für die Menschheit. Man kann dann auch ausrechnen, wie viel welches Land sich aus diesem Budget „genommen“ hat. Im Fall von Deutschland stellt man fest, dass wir uns relativ zur Bevölkerung ziemlich ausgiebig am Budget bedient haben – ein Vielfaches mehr als der Rest der Welt.

Auch stellt man sehr schnell fest, dass unser Budget sehr bald aufgebraucht ist. Nur noch 8,5 Jahre haben wir beim aktuellen Tempo übrig, danach schreiben wir rote Zahlen. Nichts anderes hat auch Greta Thunberg bei ihrer „How Dare You“-Rede gesagt übrigens.

Fazit

Wir würden auch gerne teure Autos fahren. Aber offensichtlich geht das nicht mehr lange mit einem Verbrennungsmotor, denn sonst müssen wir mit den gravierenden Konsequenzen leben. Es mag vielleicht schwer nachvollziehbar sein, aber wir wollen auch keine Verbote, keine Einschränkungen. Wir mögen auch den Luxus. Aber das muss auch klimaneutral gehen oder gar nicht. Ihr habt euren Luxus jahrelang ohne Folgen gehabt. Ihr hattet euren „Hubraum“. Wir nicht. Und wir kriegen ihn auch nicht, wenn sich nichts ändert.

Und es ist auch kein sachlicher Diskurs, beleidigende Bilder zu verbreiten, Lügen, Hetze, Gewaltaufrufe und so weiter. Wir können gerne über Fakten diskutieren. (Und nein, copy+paste Grafiken, die wirre Behauptungen aufstellen sind keine Argumente) Aber davon habe ich nicht viel gesehen, auch nicht bei den hunderten Trollen, die uns seit heute morgen heimsuchen. Das soll uns überzeugen, dass ihr doch nette Leute seid? Glaubt ihr das wirklich?

Faktencheck: So will dich diese Anti-Klima-Grafik verarschen

Halbwissen und Beleidigungen sind leider kein guter politischer Standpunkt. Ihr müsst Greta Thunberg nicht mögen, ihr müsst nicht morgen Vegetarier werden. Nichts davon wird gefordert. Aber wenn ihr einfach einmal eine echte Bürgerbewegung mit Forderungen, die auf wissenschaftlichen Fakten beruhen, nicht mit Lügen und Hass begegnen könnt, weil ihr ein paar Missverständnissen aufgesessen seid, wäre schon mal ein großer Schritt getan.

Artikelbild: Screenshot facebook.com

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