Faktencheck: Abrechnung mit den rechtsextremen Tweets von Maaßen

die drei rechtsextremsten tweets

Der Ex-Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen ist inzwischen ein rechtsextremer Twitter-Troll geworden. Meine Parole dafür ist seit jeher: Nicht darauf eingehen und blocken. Dieser Troll ist aber kein anonymer Fake-Account oder vom Verfassungsschutz beobachteter Neonazi. Viel schlimmer, er ist CDU-Mitglied und war noch dazu bis letztes Jahr oberster Chef des Bundesamts für Verfassungsschutz. Allein diese Vorstellung ist gruselig.

Man sollte sich aber keinen Illusionen hingeben, dass diese Entwicklung erst nach seinem unehrenhaften Austritt stattgefunden hat. Bereits während seiner Amtszeit soll Maaßen mehrfach die AfD beraten haben – und zwar wie sie einer Beobachtung durch den Verfassungsschutz entgehen könne. Er soll geheime Informationen aus dem Verfassungsschutzbericht an die AfD weitergeleitet haben und über den Haushalt des Amtes geredet haben. Absurd!

Er hat darüber hinaus über die Existenz eines V-Mannes im Falle Amris und den Anschlag am Breitscheidplatz gelogen, und versucht die Berichterstattung darüber zu verhindern. Er wollte einen SS-Offizier posthum schützen und es gab Hinweise darauf, dass er die AfD aktiv vor einer Überwachung schützte. Bereits in seiner Promotion 2000 schrieb er über die „unkontrollierte Masseneinwanderung“ durch das Asylrecht! Und erst als Sahnehäubchen kommen seine Verschwörungstheorien über die „Hetzjagden“ von Chemnitz. Die ganze Liste hier.



seine Gesinnung ist jetzt offen

Es ist eigentlich eine Ungeheuerlichkeit, dass dieser Mann damit beauftragt war, unsere Verfassung zu schützen, denn wer (bereits im Jahr 2000) rechtsextreme Verschwörungstheorien verbreitet hatte und Worte wie „Asyltourismus“ verwendete, ist rechter Überzeugungstäter. Und das in der „gefährlichsten Behörde des Landes“, wie Netzpolitik feststellt. Eine Behörde, die nicht nur auf dem rechten Auge blind ist, sondern bereits rechtsextreme Strukturen aktiv unterstützt hat und in die NSU-Morde verstrickt war.

Der Verfassungsschutz ist ein gutes Instrument, um verschiedene gefährliche politische Strukturen zu überwachen und zu ächten. Aber nicht beim Rechtsextremismus. Das ist die mit Abstand größte Bedrohung, wegen Größe der Szene, Gewalttätigkeit, Vernetzung, aber auch Akzeptanz in der Bevölkerung. Und natürlich historischen Präzendenzfällen. Und mit so einem Personal ist der Verfassungsschutz selbst eine der größten Bedrohungen für die Verfassung. Auch ohne Maaßen.

Ich glaube zwar nicht, dass er außerhalb seiner Behörde mehr Schaden anrichten kann, er versucht es aber. Während er zumindest in der Öffentlichkeit bisher den CDU-Rechtsaußen gab, hat er sich inzwischen offen zu einem rechtsextremen Provokateur entwickelt. Denn ungeheuerliche Tweets und Aussagen bringen gute Presse – gelernt von Trump und der AfD. Ignorieren bringt da nicht mehr viel. Deshalb Strategie Nummer 2: Zerlegen. Und das möchte ich jetzt machen.

Aussagen reflektieren, einordnen, widersprechen

Ich habe wiederholt dazu aufgerufen, Maaßen zu ignorieren. Menschen, die Verschwörungstheorien und Lügen verbreiten, sind nicht an einem aufrichtigen Diskurs interessiert und können und dürfen deshalb darin keinen Platz haben. Eure Empörung ist richtig, aber wer seine Tweets retweetet verschafft ihnen immer Reichweite – auch außerhalb seiner Blase. Wer Screenshots verbreitet und dazu nichts weiter kommentiert als „Unglaublich!“ oder ähnliches, verschafft den Dingen auch Reichweite ohne negativen Effekt. Wir spielen das Spiel ja nicht zum ersten Mal.

Aber anscheinend ist der Moment vorbei, an dem man den Mann ohne politisches Amt oder Parteiposition einfach ignorieren kann. Die mediale Lust an der Empörung ist zu groß. Und das ein oder andere Medium scheint auch aktiv zu versuchen, den unbedeutenden Mini-Verein der Werte-Union innerhalb der CDU zu pushen. Ein Verein, der für eine Normalisierung der Menschenfeindlichkeit der AfD wirbt, eine AfD-CDU-Koalition und den Rechtsruck der CDU.

Und weil ihr alle ohnehin seine Tweets teilt, möchte ich wenigstens dafür sorgen, dass ihr gute Argumente habt, warum die Tweets von Maaßen rechtsextremer Mist sind. Und auch, um meine Behauptungen zu untermauern, dass es sich bei ihm nur noch um einen rechtsextremen Troll handelt. Dazu greife ich einmal die jüngsten drei rechtsextremen Tweets auf und schaue sie mir genauer an.

1. „Westfernsehen“

Natürlich wurde viel über den „Westfernsehen“-Kommentar gesagt. Ich teile die zwei Tweets mit dem Begriff mal in drei Aussagen ein. Erstens: Maaßen hat damit indirekt den selben Müll wie die AfD behauptet: Die deutsche Presse ist gleichgeschaltet und auf Parteilinie wie die Medien der DDR. Lügenpresse usw. Und wer „die Wahrheit“ sehen wollte, müsste in den Westen gucken. Beziehungsweise auf die unseriösen Nazi-Blogs. Oder eben tendenziöse Medien wie NZZ.

Jeder normale Mensch sieht doch die enorme Meinungsvielfalt der deutschen Presse. Von taz über Spiegel hin zu WELT und FAZ. Und einer Zeitung wie „BILD“, die doch auch nicht mehr viel anderes macht als die Parolen für die AfD zu verbreiten oder sogar vorzugeben. Oder die NZZ selbst. Das ist doch auch nur verkünsteltes „Lügenpresse!“ rufen. Fake News ist immer nur das, was die anderen machen.

Selbst die NZZ wies den schwachsinnigen Vorwurf zurück:

Warum hat er das gesagt? Um die rechtsextreme Verschwörungstheorie zu stärken, dass man pauschal alle Medienberichte, die dem rechtsextremen Weltbild widersprechen, einfach abtun kann. Und natürlich wegen der Aufmerksamkeit. Aber schauen wir mal noch kurz auf die zwei Berichte, die der Herr Maaßen da verteilt hat.

1.1 NZZ-Bericht

Die Kollegen von Übermedien haben den ziemlich schlechten und tendenziösen Artikel, den Maaßen geteilt hat, schon ausführlich zerlegt. Deswegen will ich mich kurz fassen und empfehle diese Lektüre an der Stelle. NZZ zählt darin Zahlen zusammen, die bestenfalls zweifelhaft sind und definiert das Deutschsein allein anhand von Abstammung. Was so nicht im Grundgesetz steht. Zu dem Thema habe ich schon mal geschrieben, denn nach der Definition bin auch ich, ein weißer, deutscher Staatsbürger, mit deutschen Eltern und deutschen Großeltern kein Deutscher. Ja, wirklich.

Das hängt mit einem Denken zusammen, das schon in Richtung Ariernachweis geht und mit „reinem Blut“ zusammenhängt. Mit einer tendenziösen Überschrift gibt die NZZ dem ganzen noch den Schliff, die rechtsextreme Verschwörungstheorien zu bestätigen scheint. Nämlich, dass ein „großer Austausch“ stattfindet oder ein „Genozid an Weißen“. Theorien der rechtsextremen Identitären Bewegung und auch der AfD. Eine Theorie, aufgrund der der Christchurch-Attentäter 50 Menschen umgebracht hat. Vielleicht nehme ich mir mal Zeit, um diesen Mist ausführlich zu behandeln, wenn Interesse besteht.

1.2. Rechtsextremer Blog

Der zweite Artikel ist natürlich noch dreister, denn dabei handelt es sich einmal um einen berüchtigten rechtsextremen Blog, der antimuslimische und rechtspopulistische Hetze verbreitet. Dort stehen keine tendenziösen und unsauberen Berichte, sondern eiskalt rechtsextreme Fake News und Desinformation. Deren Verein ist erst kürzlich die Gemeinnützigkeit aberkannt worden. Dieser zeigt gerne mal Banner der vom Verfassungsschutz beobachteten Identitären Bewegung und ihnen nahestehenden Shops.

Ihr Gründer war ebenfalls Mitgründer einer anderen, vom Verfassungsschutz beobachteten, rechtsextremen Orga. Also eine echt seriöse Quelle, Herr Maaßen. Allein das sollte ihn schon disqualifizieren. Die Fake News, die er da verbreitet hat, haben wir übrigens hier behandelt. Es wird behauptet, die Rettung der Schiffbrüchigen durch Carola Rackete sei inszeniert worden, weil JournalistInnen an Bord waren. Doch der Unsinn ist schnell widerlegt.

2. Linke, rechte, Grüne und mittige (???) Hassredner

Das beste, was man zu einer politischen Selbsteinordnung Maaßens finden kann ist wohl dieser Tweet. Dabei kann man wieder zwei Kernaussagen herausfiltern. Erstens ist die massenhafte und sehr sehr berechtigte Kritik an seinen Aussagen für ihn nur „Hassrede“. Putzig, Schuld sind immer die anderen. Das ist natürlich auch eine altbekannte rechtsextreme Strategie, die auch die AfD verwendet.

Empört zurückweisen, dass man selbst Hassrede und Hetze verbreitet, aber dafür alles, was einem selbst nicht passt als solche bezeichnen. Es ist eine Verwirrtaktik und soll echte diskriminierende Aussagen mit der Kritik daran gleichsetzen. Denn wenn alles Hetze ist, ist gar nichts mehr Hetze. Die Einschätzung darüber, was Hassrede ist, soll zu einer Meinungssache gemacht werden, dabei gibt es darauf (meistens) eine eindeutige Antwort.

Die zweite Aussage ist natürlich die fast schon lustige Aufzählung „links, rechts, grün und mittig“. Man muss eigentlich zu dem Schluss kommen, dass per Ausschlussverfahren nur keine Kritik von Faschisten gekommen sei. Und das wiederum sagt viel darüber aus, wo Maaßen sein Publikum und wohl auch sich selbst sieht. Maaßen ist keine „Mitte“, und anscheinend auch nicht einmal mehr „rechts“. Sondern rechtsextrem.

3. Seenotrettung

Kommen wir zum aktuellsten Tweet und Anlass dieses Artikels. Diese rechtsextremen Mythen haben wir auch bereits lang und breit widerlegt. Aber zuerst: Es wird den Schiffbrüchigen und Flüchtlingen abgesprochen, in Not zu sein, sie sind „nur“ Migranten. Das ist natürlich Unsinn. Die Vorstellung ist absurd, dass Menschen ihr Leben auf kaum funktionsfähigen Schlauchbooten riskieren würden – und zu tausenden jährlich sterben – einfach weil sie mal umziehen wollen. Niemand steigt in ein Boot, wenn das Land sicherer ist.

„Shuttle-Service“ ist nicht nur ein von rechtsextremen Parteien verwendeter Begriff, sondern auch völlig hirnrissig. Denn die Anzahl der aus Seenot geretteten Schutzsuchenden ist im Vergleich zu der Zahl der Menschen, die in Europa Asyl beantragen verschwindend gering. Und selbst die Anzahl der Asylsuchenden ist im Vergleich zu den Vorjahren schon drastisch geschrumpft. Rackete hat 40 Menschen an Land gebracht. In dem Tempo braucht es 350 Jahre, bis Geflüchtete 1% der europäischen Bevölkerung ausmachen. Wenn so viele jeden Tag ankämen!

Es handelt sich um Menschen, die vor Krieg, Terror, Hunger und Armut fliehen. Oder denkt Maaßen, in Libyen, einem failed state, in dem regelmäßig Menschenrechtsverstoße begangen werden, lebt es sich so sicher? Einem Land, in dem Flüchtlinge in Foltercamps ausgeraubt und vergewaltigt werden, um anschließend mit Schwimmwesten-Attrappen und einem Boot ohne Motor von Milizen der örtlichen Warlords ausgesetzt zu werden? Es ist eine rechtsextreme Verschwörungstheorie, rechtsextreme Sprache und nur Rechtfertigung dafür, nicht-weiße Sterben zu lassen. Mehr dazu:

Ich war selbst an Seenotrettung beteiligt – Glaubt nicht diesen 6 Lügen der Rechten

ignorieren oder einordnen

Es sind rechtsextreme Sprache, rechtsextreme Verschwörungstheorien, rechtsextreme Politik und Taktiken. Was soll man da noch groß zu sagen? Er provoziert mit ungeheuerlichen Aussagen und die erwartbare Kritik daran ist natürlich nur „Hassrede“. Aber die Aufmerksamkeit des „Ostfernsehens“, die er sich wünscht. Meine Güte, er teilt rechtsextreme Blogs und Fake News. Er ist überhaupt nicht an einem Austausch von Ideen und einem Diskurs interessiert. Denn er geht auch auf sachliche Kritik nicht ein.

Es gibt für einen Demokraten keinerlei Grund, so einem Troll Aufmerksamkeit zu schenken. Da können sich seine Mittrolle gerne auf den Kopf stellen, aber Meinungsfreiheit bedeutet nicht, dass jeder deine Meinung hören muss. Und auch nicht, dass man sie nicht scheiße finden darf. Das ist eine Parodie der liberalen Ideale. Und das Werkzeug, um diese zu vernichten. Deshalb ignoriert ihn, nehmt ihn nicht mehr ernst.

Seine Ziele sind klar und seine Meinung inzwischen auch. Teilt seine Tweets nicht mehr. Zumindest nicht ohne genau zu zeigen, warum sie Unsinn, gelogen und menschenverachtend sind. Denn sie sind es. Wenn er sich wieder mit nicht rechtsradikalen Äußerungen meldet und sachlich mit Kritik umgeht (anstatt bestenfalls einfach einen Tweet zu löschen) und nicht die Reaktionen auf seinen Mist als Hassrede verurteilt, kann man ja mal mit ihm reden. Bis dahin kann ihn ja das „Westfernsehen“ (aka die rechtsextreme Lügenpresse) weiter unterhalten.

Artikelbild: Bundesministerium des Innern/Sandy ThiemeCC BY-SA 3.0 DE, Screenshots twitter.com

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Diese Rede im EU-Parlament zur Seenotrettung verursacht Gänsehaut!

Starke Rede!

Erik Marquardt, Grünen-Abgeordneter im Europaparlament hat gestern seine erste Rede gehalten. Darin hat er eindrucksvoll ein Plädoyer für die Seenotrettung gehalten und das unbeschreibliche Leid behandelt, das so viele mutwillig in Kauf nehmen. Marquardt war selbst schon Helfer auf einem Rettungsschiff und kennt die brutale Realität für die Crew, aber erst Recht für die Schiffbrüchigen, die jährlich zu Tausenden auf dem Meer sterben. Dazu:

Ich war selbst an Seenotrettung beteiligt – Glaubt nicht diesen 6 Lügen der Rechten

In seiner Rede forderte er eindrucksvoll die EU auf, zu handeln. „Wenn es Gesetze gibt, die das Leben retten stärker bestrafen als das Sterben lassen, dann lasst uns diese Gesetze ändern. Und wenn es Boote gibt, die Menschen retten können, dann lasst uns diese Boote doch verdammt nochmal schicken!“ Er beendete sein Plädoyer mit den Worten „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Auch im Mittelmeer.“ Hier das Video:



„Auch die europäischen werte ertrinken im mittelmeer“

Erik Marquardt erklärt, dass sich das Retten von Menschen auf dem Mittelmeer und die Lösungssuche für die Verteilung und Rettung von Schutzsuchenden nicht gegenseitig ausschließen. In einem Interview mit der Passauer Neuen Presse sagte er kürzlich: „Tausende Menschen sterben jährlich im Mittelmeer. Es ist jetzt wichtig, endlich zu sagen: wir retten so viele Menschen wie möglich und diskutieren derweil weiter.

Es ist unerträglich, dass die europäische Union die Hände in den Schoß legt, statt ihre Werte im Mittelmeer zu retten. Die EU muss ein Resettlement-Programm auf den Weg bringen: Das heißt Kontingente vereinbaren, um Flüchtlinge direkt aus Nordafrika aufzunehmen. Europa denkt falsch. Wenn die Flüchtlinge auf dem Meer sind, ist eigentlich zu spät.“

Das Sterben könne so einfach verhindert werden, argumentiert Erik Marquardt. Es scheitere allein an dem Willen der EU-Regierungen. Währenddessen gibt es eine umfangreiche Desinformationskampagne, die mit allen Mitteln, mit vielen Fakes und Lügen versucht, Seenotretter zu diskreditieren und negativ darzustellen. Die jüngsten Verschwörungstheorien und Falschmeldungen haben wir hier überprüft:

Fake-Hitlergruß, Panorama-Doku: 4 neue Fake News zu Carola Rackete

Artikelbild: Screenshot twitter.com/GreensEF, Bild: Erik Marquardt

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Diese Umfragen der AfD gingen nach hinten los – Die besten Reaktionen

Die Umfrage-Fails der AfD

Die AfD vertritt natürlich die Meinung des Volkes™. Weswegen sie regelmäßig super repräsentative Umfragen auf Facebook erstellt, die den Volkswillen auf jeden Fall korrekt wiedergeben. So fragte sie am 11. Juni völlig unbescholten: „+++Ist der Islam eine Bedrohung?+++“. Leider stimmt das Volk nicht so ab, wie es sich die AfD erhofft hatte.

Ups, fast 3/4 der fast 80.000 Stimmen empfinden den Islam nicht als Bedrohung? Was ist da los? Doch die AfD lässt sich nicht entmutigen. Wenige Tage später stellt sie die ebenfalls keineswegs suggestive Frage, ob „alle Mittelmeer-Migranten in Europa aufgenommen werden“ sollen. Wobei das Gegenstück zu „Migranten aufnehmen“ wohl „Schlepperei beenden“ sei. Aber nein, wieder ist eine Mehrheit linksgrünversifft!



Online-Umfragen sind nutzlos (für eine repräsentative Befragung)

Und irgendwie stimmt das Volk nicht nur nicht im Sinne des Volkes™ ab, sondern die Kommentierenden machen sich auch noch über die AfD lustig – und wie!

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Ein aufmerksamer Beobachter sollte inzwischen begriffen haben, dass derartige Umfragen in Social Media nahezu nutzlos sind, wie unsere Freunde hier schön eindrucksvoll gezeigt haben. Während das Konzept einer solchen Umfrage natürlich in der Theorie schön erhellend ist und zum Mitmachen motiviert, ist deren Ergebnis repräsentativ aber absolut nichtssagend. Sie können keine repräsentativen Umfragen sein. Und wollen es auch gar nicht.

Denn entweder stimmen nur die AfD-Anhänger ab – mit der schockierenden Feststellung, dass AfD-Wähler AfD-Positionen vertreten – oder deren Kritiker*innen mobilisieren sich, um das erwünschte Ergebnis „kaputt“ zu machen. Wie in letzter Zeit des Öfteren geschehen. Und damit haben wir gleich zwei Strategien der AfD entlarvt.

Bots, Fake-Accounts, Propaganda

Sehen wir einmal von dem großen Brocken ab, dass Ja/Nein-Antworten auf komplexe Sachverhalte oder falsche Gegenüberstellungen Seenotrettung-Schlepperei reine Manipulation sind (Wer will denn Schlepperei?). Solche Umfragen haben gar keine repräsentative Aussagekraft. Dafür bräuchte man *repräsentative Umfragen“, wie sie Meinungsforschungsinstitute verwenden (Hier mehr dazu). Diese Art der Umfragen dienen natürlich nur dazu, um in der eigenen Filterblase (idealerweise, sorry AfD) breite Zustimmung zu einem Punkt zu signalisieren, um dann Empörung zu provozieren, wenn die Realität mal wieder anders aussieht.

Doch das Spiel funktioniert auch anders herum, und deshalb hat die AfD hier ihre eigene Medizin zu spüren bekommen. Wenn auch nicht im gleichen Ausmaß. Denn die AfD ist es, die nachweisbar versucht, durch Simulation einer Mehrheit die gesellschaftlichen Debatten in ihrem Sinne zu lenken. Netzpolitik und t-Online haben ein Netzwerk an Bots und Fake-Accounts aufgedeckt, das AfD-Themen, Hashtags und Personen große Reichweite verschaffen soll.

Dazu nutzte die AfD die Dienstleistungen, die dazu gedacht sind, die Algorithmen Twitters auszutricksen, um Tweets, Hashtags und Replies zu dominieren. Es werden zahlreiche Accounts erstellt, die eine Mehrheit suggerieren sollen, die sich alle gegenseitig folgen, um Relevanz zu simulieren. Außerdem werden offiziellen AfD-Accounts viele Fake-Follower zugespielt, damit sie viele Likes haben und wichtiger aussehen. Die höchst lesenswerte Recherche ist hier.

Umfrage-Tools von Zeitungen manipulierbar

Auch Umfrage-Tools am Ende von verschiedenen Zeitungen wie bei „Welt“, „Spiegel Online“, „RP Online“, faz.net und anderen sind anfällig für derartige Manipulationen. Tools wie „Civey“, „Apester“, „Pinpoll“ oder „Opinionary“ sind für ein realistisches Stimmungsbild ähnlich aussagekräftig wie Horoskope. Dazu die ebenfalls lesenswerte Analyse von Übermedien (Hier).

Nicht nur scheitern sie wieder daran, dass Sachverhalte meist komplizierter als Ja-oder-Nein-Fragen sind, die meisten Menschen merken unbewusst nicht, dass derartige, nicht repräsentative Umfrageergebnisse nutzlos sind – und lassen sich davon beeinflussen. Gefundenes Fressen für Abstimmungsaufrufe in bestimmten Kreisen oder sogar technische Manipulationen. Denn ohne viel Aufwand kann die IP-Sperre umgangen werden, wie unser Datenanalyst Philip Kreißel hier zeigt.

Inzwischen wurde dieses Problem behoben, mit mehr Aufwand wäre eine Manipulation aber theoretisch immer noch möglich. Was sagt uns das über die AfD? Sie tut letztlich das, was sie immer tut: Es instrumentalisieren. „Umfrageergebnisse“, die ihr Recht geben, werden ausgeschlachtet – selbst wenn man ein bisschen mithelfen muss. Und Umfragen, die nach hinten losgehen? Die werden stillschweigend ignoriert. Repräsentative Umfragen, die jedoch nicht dem eigenen Weltbild entsprechen, werden „parodiert“ – und ihre Wähler halten es für echt. Wie hier:

Fake-Umfrage: Wie die AfD ihre eigenen Wähler für dumm verkauft

 

Artikelbild: The Faces, shutterstock.com, Screenshot facebook.com

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Fake-Hitlergruß, Panorama-Doku: 4 neue Fake News zu Carola Rackete

Neue Lügen über rackete und die seawatch-3

Nach der Verhaftung der Kapitänin der SeaWatch-3, Carola Rackete, die internationales Aufsehen erregte, gab es viele Falschinformationen und Missverständnisse über die Umstände. Viele davon wurden gezielt gestreut, um öffentliche Unterstützung für die Seenotrettung zu untergraben. Über vier Fake News und Falschaussagen haben wir seinerzeit bereits aufgeklärt. Wer wissen möchte, warum Carola Rackete die Geretteten nur nach Lampedusa bringen konnte, soll hier weiterlesen:

Lampedusa, Libyen, Waffenverkäufe? 4 Fake News über Carola Rackete

Inzwischen ist die Liste an Unterstellungen und Behauptungen länger geworden, deshalb befassen wir uns mit ein paar neuen Fake News um Carola Rackete und die SeaWatch-3.



1.) Kein Hitlergruß

Wie auch die Kollegen von Mimikama (Hier) bereits bestätigt haben, ist eine italienische Fotomontage inzwischen auch in Deutschland angekommen. Darauf soll Carola Rackete den Hitlergruß zeigen. Warum auch immer.

Wie man eigentlich auch mit eigenen Augen sehen kann, ist es eine Fotomontage. Das Original findet man vom 3. Juli 2019 auf der Seite „Ansa“.

Italienische Faktenchecker der Seite „Bufale“ haben bereits am 5. Juli den Fake entlarvt. Ziel des Fakes ist es natürlich einerseits, der Seenotretterin eine böswillige Gesinnung zu unterstellen. Ganz im Sinne der rechtsextremen Taktik, „Linke“ (gemeint sind damit alle ihre politischen Gegner) als die „wahren Nazis“ darzustellen. Sinn ist natürlich davon abzulenken, dass man selbst mit rechtsextremer Gesinnung anbandelt. Und wenn jeder angeblich Hitlergrüße macht, macht es ja quasi keiner, richtig? Es ist eine Ablenkungstaktik.

2. Dass Reporter an bord waren, war die ganze zeit bekannt

Eine weitere Taktik von Rechtsextremen (und Verschwörungstheoretikern) ist es, eine Tatsache als merkwürdig darzustellen, um Skepsis zu erzeugen. Ziel davon ist, Misstrauen zu säen und ebenfalls das politische Gegenüber zu diskreditieren. Anlässlich der Panorama-Reportage über die Reise der SeaWatch-3 und Carola Rackete wird mit allerlei Unterstellungen und ohne Beweise behauptet, das ganze Ereignis sei politisch „inszeniert“ worden.

Wie immer bei Verschwörungstheorien fällt diese Geschichte jedoch auseinander, wenn man auch nur ein bisschen darüber nachdenkt. Den Spekulationen bereitet Panorama auch in dieser Stellungnahme selbst ein Ende. Journalisten waren bereits seit dem 9. Juni an Bord der SeaWatch-3, fast drei Wochen vor der Verhaftung. Dass rechtsextreme Demagogen davon erst durch die Reportage erfuhren liegt nicht daran, dass es „verheimlicht“ worden wäre, denn die Reporter haben öffentlich davon schon lange davor berichtet, zu sehen unter anderem im NDR oder in der ARD. Das war kein Geheimnis.

Wenn man auch mal die „Lügenpresse“ lesen würde, hätte man das schon längst mitbekommen können. Sie dokumentierten den Funkspruch über das in Seenot geratene Schiff und die Bergung, ebenso wie die Verhaftung Racketes. Die politische und rechtliche Auseinandersetzung können sie gar nicht „vorhergesehen“ oder „geplant“ haben, u.a. weil Innenminister Salvini sein rechtlich dubioses Gesetz erst kurz zuvor erließ und die SeaWatch-3 zunächst über den EGMR versuchte, eine Anlegeerlaubnis zu bekommen. Nur durch das Weglassen all dieser Informationen funktionieren derartige Falschbehauptungen.

3.) Bouri wurde nie angelaufen

Angeblich soll Carola Rackete die Schiffbrüchigen nicht aus dem Meer gerettet haben, sondern einen „libyischen Hafen Bouri“ angelaufen haben. Belegt soll das mit einem Eintrag auf „Vesselfinder“ werden, der einen Eintrag für „Bouri“ bei der SeaWatch-3 zeigt. Doch „Bouri“ ist kein Hafen, sondern eine Bohrinsel im Mittelmeer. Schiffe werden dort automatisch registriert, um Kollisionen zu vermeiden. Das Schiff wurde vermutlich dort registriert, als es zufällig in der Nähe vorbei fuhr.

Doch die SeaWatch-3 befand sich zu keiner Zeit auf der Bohrinsel und hat erst Recht auch die Geretteten nicht dort aufgenommen, was Panorama mit ihrem Bild- und Videomaterial schließlich beweisen kann. Außerdem stimmen die Zeiten auch nicht miteinander überein. Auch dies ist eine Verschwörungstaktik, um mit irrelevanten Details das ganze Geschehen in Zweifel zu ziehen und zu diskreditieren, um Menschen, die sich nicht mit der Thematik auskennen (oder drei Sekunden googlen wollen) mit Lügen abzulenken.

4.) Rettung ist immer noch keine schlepperei

Und um es noch einmal zu wiederholen: Die Rettung von Menschenleben ist nicht nur moralisch geboten, sondern auch rechtlich, völlig egal, was ein rechtsextremer, italienischer Innenminister gerne hätte. Details im unten verlinkten Artikel. Lampedusa war aufgrund der Distanz und Gesetze und Menschenrechte neben Malta der einzig anfahrbare Hafen für Carola Rackete, egal was rechte Demagogen behaupten.

Keine Schlepperei, Lampedusa richtig: 4 juristische Fakten über die Freilassung von Carola Rackete

Es wird unterstellt, Seenotretter wie Rackete würden die Schlepperei fördern, jedoch wäre die Seenotrettung dafür ein lächerlich ineffektiver Weg. Von Januar bis April 2019 haben 206.500 Menschen Asyl in ganz Europa beantragt. Welche Rolle würden da 50 Menschen spielen, die man vor dem Ertrinken gerettet hat? Ganz zu Schweigen davon, dass am exakt gleichen Tag, als die SeaWatch-3 einlief, ein Boot mit 200 Flüchtenden ebenfalls in Lampedusa ankam. Das wäre lächerlich ineffektiv.

Salvini behauptet, er wolle durch die rechtlich dubiose Blockade verhindern, dass Italien nicht mit der Bürde der Flüchtenden allein gelassen werde, was nach der Dublin-III-Regel der Fall ist. Das ist jedoch bestenfalls eine groteske Falschdarstellung, da es schließlich rechte Regierungen vor allem aus Osteuropa sind, die sich bisher gegen eine gemeinsame Lösung stellen. Aufnehmen tun neben Deutschland nur Frankreich, Portugal und Luxemburg bisher diese Geretteten – freiwillig über das Selbsteintrittsrecht. Übrigens der gleiche legale Weg, der bereits 2015 zur Anwendung kam.

Lasst euch nicht von rechten Fakes verarschen

Ziel der rechtsextremen Verschwörungstheoretiker und Demagogen ist es natürlich, über Fake News und dem Erfinden einer Verschwörung Misstrauen zu streuen und ihre politischen Gegner in ein schlechtes Licht zu rücken. Mit dem Heranziehen von Fakten sieht das alles jedoch gleich anders aus und entlarvt es, als was es ist: Propaganda, die dazu gedacht ist, unbedarfte BürgerInnen dazu zu bringen, die Seenotrettung nicht mehr zu unterstützen.

Es handelt sich jedoch um Falschbehauptungen und Lügen, sogar um direkte Fotomontagen. Das ist alles eine Verwirrtaktik, die mit unwichtigen Details Verwirrung erzeugen soll oder Tatsachen durch falsche Behauptungen als merkwürdig und „verdächtig“ darstellen will. Es ist politische Desinformation und Manipulation. Deshalb ist es wichtig, skeptisch zu bleiben und sich von Rechtsextremen nicht hinter Licht führen zu lassen.

Artikelbild: Screenshot facebook.com / Ansa.it

Da du diesen Artikel zu Ende gelesen hast: Möchtest du mehr Recherchen und Analysen zu den Hintergründen von politischen Mythen und Fake News? Oder auch Kommentare zu politischen Forderungen und aktuellen Ereignissen? Dann unterstütze unsere Arbeit mit einer kleinen Spende für einen Kaffee, dazu kannst du einfach hier entlangschauen. Vielleicht hast du auch Fragen oder Artikelwünsche? Dann schreib uns auf redaktion@volksverpetzer oder auf Facebook oder Twitter




Lampedusa, Libyen, Waffenverkäufe? 4 Fake News über Carola Rackete

4 Fake News über Carola Rackete

Die Kapitänin der „Sea Watch 3“, Carola Rackete, wurde am Wochenende in Italien verhaftet. Sie hatte 53 Menschen im Mittelmeer vor dem Ertrinken gerettet. Als lediglich 13 aus medizinischen Gründen aufgenommen worden waren und sie in Lampedusa eine Hafensperre erhalten hatte, widersetzte sie sich und fuhr dennoch ein. Bei Landung wurde sie verhaftet und unter Hausarrest gestellt. Das Ereignis wird viel diskutiert und dabei oft mit Falschdarstellungen und Lügen vermengt. Wir klären vier davon auf.



1. Ihr Vater verkauft keine Waffen

Wie auch bei Mimikama berichtet, wird derzeit eine Grafik geteilt, die Rackete „Doppelmoral“ unterstellen soll, da ihr Vater angeblich Geld mit Waffenverkäufen verdienen soll. Ihr Vater, Ekkehart Rackete, 74, ist pensionierter Oberstleutnant der Bundeswehr und Ingenieur. Er ist wirklich Senior Consultant, also Berater, bei einem Unternehmen namens Mehler Engineered Defence GmbH. Dieses Unternehmen stellt jedoch keine Waffen her, sondern ausschließlich Materialien zum Schutz von Menschen vor Munition und Granatsplittern etc wie kugelsichere Westen oder Uniformen für Bomben-Entschärfer (Quelle).

Ihr Vater ist also nicht nur nur Berater, die Firma entwickelt auch keine Waffen, sondern im Gegenteil, Produkte die vor Waffen schützen sollen. Außerdem ist es natürlich Unsinn, die Tätigkeit ihres Vaters, wofür sie nichts kann, mit Carola Rackete in Verbindung zu bringen. Es ist nur ein Versuch, durch Sippenhaft und noch dazu mit Falschdarstellungen Rackete zu diskreditieren. Also um die Frage zu beantworten, ob es „Nebensache ist und nichts mit Doppelmoral zu tun“ hat: Ja!

2. Rackete hätte die geretteten nicht nach libyen bringen können

Wenn sich ein Flüchtlingsretter wie die „Sea Watch 3“ bei der MRCC Rom, der Seenotrettungsstelle für die Seegebiete um Italien meldet, um zu erfahren, was sie mit den Geretteten tun soll, wird normalerweise ein Hafen vermittelt, den sie anfahren kann. Ihr wurde der Hafen in Tripolis zugewiesen, der darüber hinaus auch näher war als Lampedusa. Einige schlussfolgern hieraus, dass sie die Menschen doch auch nach Libyen hätte bringen können. Das ist aber falsch.

Trotz der Zuweisung der MRCC ist es Rackete völkerrechtlich untersagt gewesen, die Geretteten nach Libyen zu bringen (Mehr dazu). Libyen ist ein failed state, in welchem systematisch Menschenrechtsverletzungen und Folter betrieben werden. Es ist verboten, Geflüchtete dorthin zu bringen. Deutschland hat ebenfalls eine Reisewarnung für Libyen ausgegeben. Rackete hätte also die Geretteten nicht nach Libyen bringen können. Für Tunesien ist die Situation ähnlich.

3. durfte nicht in lampedusa einlaufen

Das ist technisch gesehen richtig. Sie hatte von den Behörden in Lampedusa eine Hafensperre erhalten, nach Anweisung des rechtsextremen Innenministers Salvini. Die Frage ist allerdings, ob das überhaupt legal war. Denn das Gesetz setzt sich über das internationale Seerecht zur Rettung Schiffbrüchiger hinweg und überschreitet die Kompetenzen des italienischen Innenministers.

Italien hätte Rackete einen sicheren Hafen zuweisen müssen. Frankreich reagierte nach Angaben der Seenotretter nicht auf Anfragen, Malta lehnte ab. Das Anfahren von Deutschland oder den Niederlanden (deren Flagge das Schiff hisst) ist eine weltfremde Suggestion, da das Schiff überhaupt nicht für so eine Reise ausgestattet ist und selbst zum Seenotfall geworden wäre. Italien war also als Anlegehafen alternativlos.

4. Weniger Seenotrettung führt zu mehr Toten, nicht zu weniger Flucht

Es ist ein Mythos, dass es so etwas wie einen „Pull-Faktor“ gibt oder dass die Menschen nur auf das Meer flüchten, weil sie Rettung erwarten. Mehrere wissenschaftliche Studien haben eindeutig bewiesen, dass es keinen Zusammenhang zwischen der Präsenz ziviler Seenotretter und der Zahl der Flüchtenden gibt, was man auch daran sieht, dass 10.000 Menschen ertrunken sind, bevor zivile Seenotretter ausliefen (Mehr dazu). Und auch weiterhin sterben, auch wenn die Seenotrettung quasi eingestellt worden ist. So sterben laut UNHCR durchschnittlich sechs Menschen täglich beim Versuch, das Mittelmeer zu überqueren.

Es ist auch naiv, da die Menschen vor Krieg, Tod, Hunger, Folter und Vergewaltigung fliehen und das Risiko, egal wie groß, keine Rolle spielt. Weniger Seenotrettung führt zu mehr Toten, nicht zu weniger Fliehenden. Oft ist es auch so, dass Flüchtende von libyischen Warlords einfach auf dem Meer ausgesetzt werden, sobald diese ausgeraubt und/oder vergewaltigt worden sind und keinen Gewinn mehr bringen. Diese echten Schlepper setzen die Menschen sogar gegen ihren Willen auf dem Meer aus, völlig unabhängig von den Rettungschancen.

Fazit

Natürlich hat Rackete beim Einlaufen in Lampedusa widerrechtlich gehandelt. Aber das hätte sie auch, wenn sie die Geretteten zurück nach Libyen gebracht hätte, oder in irgendeinen anderen Hafen. Und selbst wenn sie sie im Meer hätte ertrinken lassen, hätte sie auch gesetzeswidrig gehandelt. In jedem Szenario hätte sie eine Straftat begangen. Nur in diesem haben die Geretteten überlebt und sind in Sicherheit. Das liegt daran, dass Seenotrettung von den europäischen Regierungen und insbesondere von Italien absichtlich juristisch behindert wird, sodass Seenotretter wie die Sea Watch 3 gezwungen werden würden, Menschen ertrinken zu lassen.

Unabhängig von seiner politischen Ausrichtung, muss jeder zugeben, dass diese Situation rechtlich und humanitär unmöglich ist. Eine Lösung wäre ein gesamteuropäisches System der Verteilung und Aufnahme von den lediglich paar hundert Geretteten jeden Monat, denn es ist richtig, dass Italien nicht mit den Geflüchteten allein gelassen werden soll. Doch unter anderem Italien selbst ist es, das sich gegen eine EU-Lösung ausspricht, die es entlasten würde. Es ist eine paradoxe Politik, die Menschenleben kostet.

Zum Thema: Bericht eines Seenotretters

Ich habe Flüchtlinge aus dem Meer gerettet – Glaubt nicht den Lügen der AfD

Artikelbild: Screenshot SeaWatch

Da du diesen Artikel zu Ende gelesen hast: Möchtest du mehr Recherchen und Analysen zu den Hintergründen von politischen Mythen und Fake News? Oder auch Kommentare zu politischen Forderungen und aktuellen Ereignissen? Dann unterstütze unsere Arbeit mit einer kleinen Spende für einen Kaffee, dazu kannst du einfach hier entlangschauen. Vielleicht hast du auch Fragen oder Artikelwünsche? Dann schreib uns auf redaktion@volksverpetzer oder auf Facebook oder Twitter




#FreeCarolaRackete: Die 10 besten Tweets zur Seenotrettung

#FreeCarolaRackete

Die Kapitänin der „Sea Watch 3“, Carola Rackete, wurde am Wochenende in Italien verhaftet. Sie hatte 53 Menschen im Mittelmeer vor dem Ertrinken gerettet und wurde dann mit ihnen allein gelassen. Nach 17 Tagen, in der ihr die zuständige Seenotrettungsstelle keinen Hafen zuwies, bei welchen sie die Geretteten unterbringen konnte, sah sie sich gezwungen, dennoch einen Hafen anzusteuern. Sie konnte ja schließlich nicht gemeinsam mit den Geretteten ewig auf dem Meer bleiben. Warum auch Tunesien und Libyen weder rechtlich noch praktisch anfahrbar waren, haben wir hier erklärt. Wir haben die Reaktionen zur Diskussion gesammelt.



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Artikelbild: Screenshot twitter.com

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Fakten über Rackete: Das kannst du gegen linksgrünversiffte Schlepper tun!

Mit diesen FAKTEN überzeugst du Gutmenschen!

Teile diese Grafik, wenn du ein Patriot bist und spende dafür, dass Carola Rackete der Prozess gemacht werden kann!

https://www.facebook.com/HoGeSatzbau/photos/a.829311617089822/2399791546708480/?type=3&__xts__%5B0%5D=68.ARAAZo0EjGwkXdanBWvFEH8Y4qFeiscWsI-T0d7BmVzjm3GX4UCrd33BBdyxEFoDT5iLUrHGLXHpQPCYfnMT29fptSqJmz8jH6G9T1LuXUuF_D-_b03ytdlanYTiLRprAQY6WiZP0IlwlxleyEe4YIyIOd0wAxHCNSqqbbqUGEKp_mKYh_6a8tiG_UMvX_N-JR3cDHnXCu0zQTtbio5nbgSJny1uBuj4ZyVNlJLJlmexGEl-pS-oe1bhtvBiZ3qBTw9WKTR_hkkVJZNkKbH_yIEToD4KOsTsmja6XeRZZalO58wh9Oa-UgMRMhYwwnsZsGDD8FBxbcKr0wScBlbEjZkvDQ&__tn__=-R

Denn diese Gutmenschen verstehen einfach nicht, dass die SeaWatch 3 die Flüchtlinge nur nach Europa schippert, und sie nicht rettet! Würde es nur um Rettung gehen, würden sie sie in den nächsten sicheren Hafen bringen! Also natürlich nicht nach Libyen, denn das ist ein failed state, welcher von Warlords kontrolliert wird und wofür die Bundesregierung eine Reisewarnung ausgesprochen hat. Und natürlich auch nicht Tunesien, was aufgrund der auch dort kritischen Lage der Europäische Menschensrechtsgerichtshof untersagt hat. Aber halt irgendwo anders hin, schließlich ist alles näher als Lampedusa, Malta oder Italien.



Italien handelt vollkommen richtig!!

Wenn Italien keine Flüchtlinge möchte, ist das zu respektieren! Sie kommen nur ihrer Verantwortung nach. Wenn sich ein Flüchtlingsretter wie Rackete bei der MRCC Rom, der Seenotrettungsstelle für die Seegebiete um Italien meldet, um zu erfahren, was sie mit den Geretteten tun soll, machen die natürlich das einzig richtige und tun.. nichts! Wer Menschen vor dem Ertrinken rettet, ist schließlich selbst Schuld, dass er sie gerettet hat und sie nirgendwo in Sicherheit bringen kann.

Und schließlich sind sie ja auch gar nicht zuständig, sondern die Libyer. Die sich ebenfalls nicht zuständig fühlen. Und nicht mehr ausrücken, um Menschenleben zu retten. Und wo Küstenabschnitte von Warlords kontrolliert werden. Man sollte die Flüchtenden dorthin zurückbringen, auch wenn das gegen das Völkerrecht verstößt, das besagt, dass man niemanden in Staaten zurückbringen darf, in denen gefoltert wird und systematisch Menschenrechtsverstöße stattfinden.

Und Italien kann ja nichts dafür, es will ja schließlich nicht mit den Problemen und den Flüchtlingen allein gelassen werden. Deutschland will immer Menschen retten, aber sie nicht aufnehmen. Und nein, natürlich stimmt es nicht, dass Deutschland insgesamt und pro Kopf viel mehr aufgenommen hat als Italien. Nein, man ist nicht für aus Seenot gerettete Flüchtlinge verantwortlich und sollte sie ertrinken lassen. Denn was soll man sonst tun? Eine gemeinsame, europaweite Lösung? Auf gar keinen Fall! Das würde ja das Problem lösen, ohne dass dunkelhäutige Menschen sterben. Und dann wäre man kein Opfer der linksgrünen Gutmenschen mehr.

ILLEGAL!!

Außerdem hat Italien das Anlaufen ihres Hafens halt untersagt, Pech gehabt. Es ist illegal und die Haltung der italienischen Regierung ist sicherlich auch mit dem eigenen und europäischen Recht vereinbar. Was willst du tun? Dich auf internationale Menschenrechte berufen? Mach dich ja nicht lächerlich. Am Ende will man uns auch noch erzählen, wir können nicht massenweise Flüchtlinge in Kriegsgebiete abschieben wegen Grundgesetz oder so einem Wisch. Wir Patrioten wissen, wann geltendes Recht eine „Anti-Abschiebe-Industrie“ ist und wann nationales Recht vor Menschenrechten gilt!

Außerdem ist es doch ein Pull-Faktor, wenn man Menschen rettet. Wenn nur genug Dunkelhäutige Menschen ertrinken, lernen es die anderen auch, dass es keinen Sinn macht, vor Folter, Vergewaltigung und Tod zu fliehen. Oder von libyischen Schlepperbanden ohne Motor und mit funktionsunfähigen Schwimmwesten im Meer ausgesetzt zu werden, nachdem man ausgeraubt und vergewaltigt wurde. Selbst schuld. Und wie jeder weiß, sind nicht 10.000 Menschen im Mittelmeer ertrunken, bevor private Seenotretter angefangen haben, sie zu retten. Europäer haben zuerst Flüchtlinge aus dem Meer gefischt und erst dann sind die aufs Meer gefahren.

Wir Patrioten lassen uns eben nicht für dumm verkaufen! Nein, wir denken für uns selbst und plappern nicht irgendwelche halbgaren rassistischen Mythen und Vorurteile nach. Wir haben diese absolut überzeugenden Argumente auf unserer Seite. Und was haben die Gutmenschen-Schlepper? Menschenrechte? Fakten? Logik? Menschlichkeit? Als ob uns das beeindrucken würde! Deswegen spenden wir per SMS mit „seawatch10“ an die 81190, um es dieser Rackete zu zeigen!

Artikelbild: Hooligans Gegen Satzbau

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AfD-Fail: Peinliche Blamage mit Hetze gegen Joko & Klaas

Der post zu joko und klaas ging nach hinten los

An diesem kleinen Beispiel kann man sehr schön sehen, warum einfache Feind- und Weltbilder Unsinn sind. Worum ging’s? In einer ihrer Spielshows, „Joko und Klaas gegen ProSieben“, gewann das Entertainer-Duo 15 Minuten frei verfügbare Sendezeit vom Sender zur Primetime. Keiner, nicht einmal der Sender selbst, wusste, wie sie diese Viertelstunde nutzen würden. Doch anstatt die Zeit für typischen Blödsinn oder Scherze zu verwenden – die sie sich in den ersten einleitenden Minuten durchaus nicht nehmen ließen – traten sie bei Seite und boten Menschen Platz, „die vielleicht mehr zu sagen haben als wir“, wie Klaas es ausdrückte.

Joko und Klaas: So großartig verwendeten sie ihre 15 Minuten in der Prime-Time auf Pro7

Neben dem Berliner Obdachlosenhelfer Dieter Puhl und der Aktivistin Birgit Lohmeyer, die das Festival „Jamel rockt den Förster“ organisiert, sprach auch Pia Klemp, Kapitänin des beschlagnahmten Rettungsschiffs „Iuventa 10“. Sie erzählte zur besten Sendezeit, wie brutal die Wirklichkeit der Seenotrettung aussieht. Und wie die Friedensnobelpreisträgerin EU das Retten von Menschenleben behandelt. „Innerhalb Europas wird Solidarität mit Menschen in Not kriminalisiert.“ (Hier entlang, wenn ihr sie mit Spenden für die Prozesskosten unterstützen wollt).



Natürlich gefiel Joko und klaas der AfD nicht

Natürlich ist die AfD und ihre WählerInnen der Grund dafür, warum das Retten von Menschenleben im Mittelmeer kriminalisiert wird. Eben weil sie falsche Vorstellungen und Propaganda darüber verbreiten, wie die Realität der Seenotrettung aussieht. Umso mehr hat es ihr nicht gefallen, dass Joko und Klass zur besten Sendezeit Klemp zeigen ließen, wie es wirklich aussieht. Mehr zum Thema:

Ich war selbst an Seenotrettung beteiligt – Glaubt nicht diesen 6 Lügen der Rechten

So ziemlich jeder feierte die Aktion. Der AfD natürlich nicht. Doch die meisten AfD-Verbände und PolitikerInnen haben aus zwei Gründen zum Thema geschwiegen. Einmal wegen des Streisand-Effekts. Wenn sie sich lautstark über den Auftritt beklagt hätten, hätten noch mehr Menschen und vor allem ihre AnhängerInnen von dem Auftritt und ihrer Botschaft erfahren. Und der zweite Grund ist, warum das ausnahmsweise einmal nichts Gutes für die AfD gewesen wäre.

AfD Wilhelmshaven blamiert sich

Doch dieser Gedanke kam nicht diesem Kreisverband, als er gegen Joko und Klaas hetzte:

Screenshot facebook.com

„Man erwartete Spaß und Unterhaltung und bekam statt dessen eine Schleuserin präsentiert“, hieß es in dem inzwischen wieder gelöschten Posting. „Großes Kino, ging mir am Allerwertesten vorbei! Für mich seid ihr gestorben!“ Und dann der wichtige Satz: „Abschaffung der GEZ, dann verschwinden die von der Bildfläche“.

Nun, die meisten werden es sicher schon gecheckt haben: Pro7 ist ein Privatsender und wird nicht über die Rundfunkgebühr finanziert. Von der GEZ wird nur ARD, ZDF und das Deutschlandradio finanziert. Entsprechend viel Spott erntete der Post und wurde schnell wieder gelöscht. Und wir wären nicht die Volksverpetzer wenn wir nicht erklären würden, wieso die AfD diesen Schnellschuss brachte.

Einfache Feindbilder, Schwarz/Weiß-Sicht

Das Problem ist, dass die AfD sich die Rhetorik von Empörung und Gesellschaftskritik angeeignet hat, diese aber völlig von der Realität entkoppelt hat. Alle ihre Posts bedienen sich einer Sprache, die suggerieren soll, dass man hier gerade relevante und dramatische Information und Kritik äußert. Und Menschen, deren Feindbilder sie bedienen oder die das nicht hinterfragen, halten das für seriös. Doch das ist die AfD nicht.

Das einfache Weltbild hat einen „Lügenpresse“-„freie Medien“-Gegensatz konstruiert. Dort ist alles, was man berichtet und der Weltanschauung der AfD widerspricht gelogen und gekauft. Der bereits vorher dagewesene Ärger über Rundfunkgebühren wird hier instrumentalisiert, um gegen die Öffentlich-Rechtlichen zu hetzen, oder, wie man hier sieht, alles zu dämonisieren, was einem nicht gefällt. Mit dem Ziel, die Anhänger für kritische Argumente zu immunisieren. Deswegen haben Klügere in der AfD hier geschwiegen.

Nicht nur darf ein Privatsender machen, was er will, das Pro7 hatte dezidiert nichts mit dem Programminhalt zu tun, das waren ausschließlich Joko und Klaas. Und wenn die AfD dagegen hetzt, dass zwei Privatpersonen – auch wenn sie Entertainer sind – ihre Sendezeit so nutzen, wie sie wollen, dann verrät sie ihren eigenen inoffiziellen Slogan: Das wird man doch wohl noch sagen dürfen! Das gleiche gilt übrigens auch für Youtuber wie Rezo, liebe Frau Kramp-Karrenbauer.

Was machst du da, CDU!? Die Reaktionen werden immer schlimmer

Artikelbild: Mark Nazh, shutterstock.com, Screenshot facebook.com

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Joko und Klaas: So großartig verwendeten sie ihre 15 Minuten in der Prime-Time auf Pro7

Großartig, joko & Klaas!

In einer ihrer Spielshows, „Joko und Klaas gegen ProSieben“, gewann das Entertainer-Duo 15 Minuten frei verfügbare Sendezeit vom Sender zur Primetime. Keiner, nicht einmal der Sender selbst, wusste, wie sie diese Viertelstunde nutzen würden. Doch anstatt die Zeit für typischen Blödsinn oder Scherze zu verwenden – die sie sich in den ersten einleitenden Minuten durchaus nicht nehmen ließen – traten sie bei Seite und boten Menschen Platz, „die vielleicht mehr zu sagen haben als wir“, wie Klaas es ausdrückte.

Auf Joko und Klaas folgten drei Personen, die viel zu sagen hatten. Zuerst trat Pia Klemp auf, Kapitänin des beschlagnahmten Rettungsschiffs „Iuventa 10“. Sie erzählte zur besten Sendezeit, wie brutal die Wirklichkeit der Seenotrettung aussieht. Und wie die Friedensnobelpreisträgerin EU das Retten von Menschenleben behandelt. „Innerhalb Europas wird Solidarität mit Menschen in Not kriminalisiert.“ (Hier entlang, wenn ihr sie mit Spenden für die Prozesskosten unterstützen wollt) Ihr folgte der Berliner Obdachlosenhelfer Dieter Puhl.

Er erzählte von seiner Bahnhofsmission am Zoo und dem „Abschiedsbaum“, an welchem für jeden Verstorbenen ein Bändchen geknüpft wird. Berührend machte er auf das Problem der Obdachlosigkeit aufmerksam. (Hier entlang zur Spenden für die Obdachlosenhilfe.) Zuletzt kam die Aktivistin Birgit Lohmeyer zu Wort, die Opfer rechtsradikaler Drangsalierungen und Anschläge im Dorf Jamel in Mecklenburg-Vorpommern wird. Als Reaktion veranstalten sie jährlich das „Jamel rockt den Förster“, ein „Festival für Demokratie und Toleranz“. Sie beendet ihren Part mit einem Aufruf an die Opfer rechtsextremer Gewalt: „Wehrt euch, lasst euch nicht einschüchtern. Es lohnt sich.“ (Hier Spenden für das Festival).



Hier ihr ganzes video: „Die ersten 15 minuten“

Joko & Klaas Live – ihre ersten 15 Minuten

Die 15 Live-Minuten von #JKLive werden heute, erstmalig und einmalig, online zur Verfügung stehen.Joko und Klaas wollten ihre Sendezeit an Menschen abgeben, die ihrer Meinung nach gehört werden und gehört bleiben sollen.Danke ProSieben und danke an alle fürs Zuschauen!

Gepostet von Joko und Klaas am Mittwoch, 29. Mai 2019

Artikelbild: Screenshot facebook.com

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Kreuzfahrtschiff vor Norwegen in Seenot – Rettung oder soll man es lassen?

Oder soll man es lassen?

Vor der westnorwegischen Küste sind bei einem Sturm 1373 Menschen in Seenot geraten. Derzeit wird das Schiff evakuiert (Quelle). In der systemgesteuerten Lügenpresse wird nur über die Rettung der Menschen berichtet, die Schicksale werden präsentiert. Niemand fragt sich, ob diese Menschen überhaupt gerettet werden sollten. Außer Hooligans Gegen Satzbau. Sie fordern: „Schleppern das Handwerk legen!“

Schleppern das Handwerk legen.1300 Menschen in Seenot, weil sie Schleppern viel Geld für eine Vergnügungsüberfahrt…

Gepostet von Hooligans Gegen Satzbau am Samstag, 23. März 2019

„1300 Menschen in Seenot, weil sie Schleppern viel Geld für eine Vergnügungsüberfahrt zahlten. Wir fordern die sofortige Einstellung aller Rettungsmaßnahmen. Wer sich freiwillig in eine solche unkalkulierbare Gefahr begibt, kann nicht mit Hilfe auf Allgemeinheitskosten rechnen. Wir sollen dafür bezahlen, dass Schlepperbanden sich eine goldene Nase verdienen.

Dabei spielen die Wünsche und Hoffnungen der „Reisenden“ eine untergeordnete Rolle, es geht nur um den Profit! Diesen Sumpf der Schlepperei gilt es auszutrocknen. Darum fordern wir die sofortige Beendigung aller europäischen Hilfsmaßnahmen, um keinen Anreiz für weitere Menschen zu schaffen, Schlepper für solche Überfahrten zu bezahlen.“



Kreuzfahrt vs. Flucht

Die Hooligans Gegen Satzbau argumentieren damit, dass die Passagiere schließlich zum Vergnügen in die Boote gestiegen seien. Im Gegensatz zu Flüchtenden, die entweder Vergewaltigungen und Mord in Foltercamps entkommen wollen, oder teilweise von Warlords im Meer ausgesetzt wurden, nachdem sie kein Geld mehr hatten. Mehr dazu:

Ich war selbst an Seenotrettung beteiligt – Glaubt nicht diesen 6 Lügen der Rechten

#Kreuzfahrt vs. #Flucht.#Retten vs. #absaufen.

Gepostet von Hooligans Gegen Satzbau am Sonntag, 24. März 2019

„Absaufen! Absaufen!“

Jetzt mal wieder Ernst. Der satirische Vergleich der Hooligans trifft die Sache genau auf den Punkt: Wer empört war, dass man auch nur unterstellen könnte, es gäbe auch nur ansatzweise einen Grund, warum man die Menschen vor der norwegischen Küste nicht retten sollte, hat natürlich Recht. Dass Menschen in Not gerettet werden sollen, egal wer sie sind oder was sie gemacht haben, ist eine Selbstverständlichkeit. Oder?

Ja eben nicht. Im letzten Jahr haben wir kollektiv anscheinend diese Selbstverständlichkeit über Bord geworfen. Die Seenotrettung von Flüchtenden im Mittelmeer durch staatliche Organisationen hat man nach und nach eingestellt. Und dort, wo Menschen privat mit ihrem eigenen Geld Menschenleben retten wollen, behindert man sie mit falschen Anschuldigungen, hält man sie in Häfen fest und kriminalisiert sie (Mehr dazu). Selbst im öffentlichen Diskurs wird plötzlich das Retten von Menschenleben in Frage gestellt, siehe ZEIT.

Oder soll man es lassen? (So einen Journalismus)

Menschenretten ist Menschenpflicht

Das ist pervers. Es ist völlig gleichgültig, was diese Menschen davor gemacht haben oder danach machen werden. In der Sekunde, in welcher sie in Not sind, muss man sie retten. Das gilt für Flüchtende gleichermaßen wie für Urlauber auf einer Kreuzfahrt. Es wäre doch absurd zu behaupten, Erstere sollten das aus irgendeinem Grund nicht verdient haben. Doch genau das geschieht, jeden Tag. Ich wünsche allen Passagieren der „Viking Sky“ eine erfolgreiche Rettung und dass sie es wohlbehalten überstehen. Das Glück ist Menschen in Not auf dem Mittelmeer leider nicht im gleichen Maße beschert. Deswegen trifft Hogesatzbau genau ins Schwarze.

Dann hätten wir jetzt die alles entscheidende Frage. Seenotrettung oder nicht? Gern darf diese Umfrage auch auf AfD- und ähnlichen Seiten geteilt werden!

Gepostet von Hooligans Gegen Satzbau am Sonntag, 24. März 2019

Artikelbild: Titelbild 

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