Die größte Lüge der AfD: Die falschen Versprechungen an den „kleinen Mann“

| Gastkommentar | 21. Juli 2020

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Der kleine Mann – Die größte Lüge der AfD

Seit Gründung der rechtsextremistischen AfD behauptet diese Partei immer wieder, Politik für den „kleinen Mann“ zu betreiben. Was ist eigentlich dran an dieser viel zu selten hinterfragten Behauptung? Wer ist dieser kleine Mann? Zunächst einmal ist er selbstverständlich ein Mann. Die Beziehung der AfD zu Frauen ist bekannt. Sie dienen der Partei als Feigenblatt vor den Kameras des Bundestages und als Gebärmaschinen. So sind gerade einmal 17 Prozent der AfD-Mitglieder Frauen. Zum Vergleich: die Grünen kommen immerhin auf 40 Prozent (Quelle). Im Bundestag sieht es noch düsterer aus. Nur jede zehnte Abgeordnete der AfD ist eine Frau (Quelle).

Ein Blick in das Grundsatzprogramm verrät, dass die AfD tatsächlich eine frauenverachtende Partei ist. Dort heißt es, dass „[…] in der Mittelschicht das Geburteneintrittsalter der Frauen immer weiter steigt und die Anzahl kinderreicher Familien sinkt. Auch sind jährlich rund 100.000 Abtreibungen nach der Beratungsregel (soziale Indikation) zu beklagen.“ Und weiter: „Dass die Geburtenrate unter Migranten mit mehr als 1,8 Kindern deutlich höher liegt als unter deutschstämmigen Frauen […]“ (Quelle).

Abtreibungen und das einhergehende Recht auf körperliche Selbstbestimmung sind laut der AfD also etwas „beklagenswertes“. Die Rechtsextremisten sehen es als ihre Aufgabe an, die Geburtenrate der „deutschen Frau“ zu steigern. Hierbei verfolgen sie ein „traditionelles Familienbild“ und wollen eigentlich, die Freiheit der Frau einschränken und sie aufs Kinderkriegen, Kochen und Putzen reduzieren. Das ist nicht nur frauenverachtend, sondern erinnert an ganz dunkle Zeiten der deutschen Geschichte.

zurück zum „kleinen Mann“

So viel zum Frauenbild der AfD und zurück zum „kleinen Mann“. Er ist also „klein“. Klein im ökonomischen Sinne etwa? Möchte die AfD tatsächlich für wirtschaftlich und sozial Schwache einstehen? Wohl kaum. Ein erneuter Blick in das Grundsatzprogramm verrät die Wahrheit. Dort heißt es „Vermögen- und Erbschaftssteuer abschaffen, Gewerbesteuer überprüfen“ (Quelle). Begründet werden diese Forderung mit der lächerlichen Behauptung, Vermögens- und Erbschaftsteuern würden die Bürokratie belasten und somit viel Geld kosten.

Tatsächlich würden der Bevölkerung jährlich Milliarden durch die Lappen gehen. Milliarden, die für soziale Projekte, Schulen, Straßen etc. eingesetzt werden können und somit dem „kleinen Mann“ unmittelbar unter die Arme greifen. In Deutschland werden jährlich etwa 400 Milliarden Euro vererbt (Quelle), von denen der Bund im Jahr 2019 rund 7 Milliarden Euro an Steuern generieren konnte (Quelle).

Die Vermögenssteuer wird in Deutschland seit 1997 nicht mehr erhoben (Quelle). Ihre Wiedereinführung würde jährlich zusätzliche Milliarden in die Steuerkassen und somit auch in die Taschen des „kleinen Mannes“ spülen, vorausgesetzt, es mangelt nicht am politischen Willen, ökonomisch Schwache zu stärken.

Steuersenkung – für wen?

Die AfD forderte aber auch immer wieder, die Steuern zu senken, wie die Einkommenssteuer. Angeblich um „kleinen Mann“ zu entlasten. Diese Senkungen helfen allerdings vor allem Großverdienern – während die AfD gleichzeitig bei Sozialleistungen „sparen“ möchte (Quelle).

Halten wir fest: die AfD möchte den Reichen in unserem Land Steuergeschenke machen und den beschworenen „kleinen Mann“ mit etwas Taschengeld abspeisen, das ihm durch die noch weiter steigende soziale Ungerechtigkeit wieder abgeknöpft würde. Wie ließe sich von einer Partei, die von Milliardären finanziert wird (Quelle) und sich eine ehemalige Bankerin von Goldman Sachs (Quelle) in die erste Reihe setzt, auch etwas Anderes erwarten? Die AfD steht also nicht für den „kleinen Mann“ ein, sondern verfolgt knallharte Elitenpolitik, möchte den Sozialstaat aushöhlen (Quelle) und den „kleinen Mann“ am liebsten auf der Straße sitzen sehen, damit seine Wohnung von AfD-Spendern luxussaniert und anschließend an einen „großen Mann“ vermietet werden kann.

Trotzdem fühlt sich der „kleine Mann“ von der AfD angesprochen. Schließlich behauptet die Partei immer wieder, in seinem Namen gegen „die da oben“ zu kämpfen. Die AfD schenkt dem „kleinen Mann“ scheinbar ihr Ohr und verspricht, seiner Stimme gehör zu verschaffen. Dabei ist es umgekehrt.

„Lügenpresse“

Die AfD bittet den kleinen Mann um Gehör und schirmt ihn unter der Behauptung, „die Medien“ würden lügen, von allen Widersprüchlichkeiten zur rechtsextremen Ideologie ab. Sie greifen die zurecht empfundene Machtlosigkeit des „kleinen Mannes“ auf, verstärken sie und kanalisieren sie in Richtung der „Lügenpresse“, „Altparteien“ und „Ausländer“. Der kleine Mann glaubt die ihm aufgetischten Lügen, schließlich hatte er schon immer das Gefühl, dass „etwas schief laufe“ und Ausländer haben ihn auch irgendwie gestört.

Nun fühlt sich der „kleine Mann“ nicht nur machtlos, sondern dem Untergang geweiht.. Nicht nur soll er, so glaubt der „kleine Mann“, mundtot gemacht werden, sondern sein ganzes „Volk“ stehe kurz vor der Vernichtung. Das Letzte, was ihm scheinbar bleibt, ist seine kostbare Meinung, die er sich nicht auch noch wegnehmen lassen will und sie stattdessen bei jeder Gelegenheit zum Besten gibt. Dabei merkt er gar nicht, dass die Meinung nicht seine eigene ist. Sie wurde ihm eingepflanzt und ist zu einem hassspeienden Unkraut herangewachsen.

Der Drahtzieher hinter der AfD & der rechtsextreme Plan zur Machtergreifung

Das Versprechen, ihn aus der Marginalisierung zu befreien

Die AfD verspricht ihm, sich schon bald wieder wie ein großer stolzer deutscher Mann fühlen zu können. Sie behauptet, ihm die Kontrolle zurückzugeben und ihn aus der Marginalisierung zu befreien. Das kommt gut an. Das klingt überzeugend. Schließlich erlebt der „kleine Mann“ tatsächlich, dass es in diesem Land immer ungerechter zugeht. Hierzu hält die Hans Böckler Stiftung fest: „Die Einkommen sind heute ungleicher verteilt als vor zwei bis drei Jahrzehnten, die Vermögen stärker konzentriert als in fast allen anderen Euro-Ländern. Die soziale Mobilität ist nach Studien der Hans-Böckler-Stiftung und anderer Forscher relativ gering: Reiche bleiben meist reich, Arme arm, der soziale Status der Kinder hängt stark vom Elternhaus ab. Zuletzt ist die Ungleichheit auch trotz guter Konjunktur kaum zurückgegangen“ (Quelle).

Der kleine Mann empfindet diese Ungerechtigkeit. Dass daran wachsende soziale Ungleichheit schuld sein könnte, kommt ihm nicht in den Sinn. Denn die AfD kaut ihm die vermeintlich Schuldigen vor und serviert sie auf dem Silbertablett. Schuld an seinem Unglück, so machen sie ihm glaubhaft, seien die „Altparteien“, die „Lügenpresse“ und „die Ausländer“. Die AfD verspricht dem „kleinen Mann“ in seinem Namen gegen diese angeblich übermächtigen Verschwörer zu kämpfen, wenn er ihnen nur eine winzige Kleinigkeiten schenkt. Sie verschweigen dem „kleinen Mann“, dass sie eigentlich im Auftrag seiner Unterdrücker handeln, um die Unterdrückung noch profitabler zu machen.

Und der „kleine Mann“ verschenkt das Letzte, was ihm bleibt um sich aus seiner Ohnmacht zu befreien: seine Stimme.

Gastbeitrag von “Nazifresser”, Artikelbild: Christoph Soeder/dpa

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