Diese einfach Rechnung widerlegt alle, die die Corona-Maßnahmen einfach beenden wollen

| 9. April 2020

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Die Welt ist im Lockdown – Dr. Hinz von Kunz weiß es besser?

Auch wenn jedes Land der Erde mittlerweile ähnliche Maßnahmen beschlossen hat wie wir – von Indien bis Südafrika. Trotz furchtbarer Berichte aus Spanien, Italien, New York und anderswo, wo sich die Leichen so hoch stapeln, dass teilweise über eine Beisetzung auf irgendwelchen Inseln nachgedacht wird. Trotzdem scheinen einige den Ernst der Lage noch nicht an sich ranlassen zu wollen: Sie wollen die Maßnahmen beenden. Also lasst uns das einfach mal kurz durchrechnen, was dann passieren würde.

Das Gesundheitssystem würde nach wenigen Tagen zusammenbrechen

Die Rechnung könnte kaum einfacher sein: Ohne die vielen Maßnahmen, die wir uns auferlegt haben, betrug die Verdopplungszeit des Virus circa drei Tage. Nach sechs Tagen gäbe es also (2 * 2 =) 4 mal so viele Fälle wie zuvor. Seien wir großzügig und sagen: In einer Woche viermal so viele Fälle.

Laut dem Intensivregister werden in Deutschland aktuell 1457 Personen wegen COVID-19 auf einer Intensivstation beatmet (Quelle). Ihre Lungen haben also praktisch versagt, und ohne die Beatmung würden sie ersticken. Insgesamt sind in Deutschland 1841 Patient*innen mit COVID-19 auf einer Intensivstation. Ihr denkt, das sind alles Alte und Kranke? Der Premierminister von Großbritannien, Boris Johnson, ist 55 Jahre alt, und auch nicht unsportlich. Er spielt Tennis und Fußball, boxt und geht joggen. (Wie viel Sport machst du?) Und er liegt auf der Intensivstation, bekam Sauerstoff, aber wird nicht beatmet.

Wir können also davon ausgehen, dass zeitversetzt auch die Zahl der Patient*innen sich genauso schnell verdoppelt, wie die Zahl der Kranken. Entsprechend zeitversetzt nach der Diagnose werden sich also auch die Intensiv-Patient*innen innerhalb von einer Woche vervierfachen auf 7.364.

Wir haben aber nur noch 6.821 zusätzliche Betten auf den Intensivstationen (Quelle). In der Woche darauf müsste also die “Triage” angewendet werden.

Das heißt: Münzwurf um das Leben deiner Oma

Wie viele über 80-jährige Menschen kennst du? Gehen wir einmal vom Enkelkind aus, das noch vier Großeltern über 80 Jahre hat. Gehen wir jetzt davon aus, dass alle vier symptomatisch an COVID-19 erkranken: Je nach Land sterben 10 – 20 % der über 80-Jährigen in dieser Altersgruppe an COVID-19. In Südkorea waren es 20 % – trotz gutem Gesundheitssystem (höhere Lebenserwartung als in Deutschland) und extrem vielen Tests (, die auch asymptomatische Patient*innen erkennen).

Gehen wir also für unser Beispiel mal von einer Todesrate von 15 % aus. Das bedeutet für vier Großeltern: Die Wahrscheinlichkeit, dass mindestens einer davon stirbt, liegt bei 50 %. Bildlich gesprochen: Wirf ne Münze. Bei Kopf stirbt jemand, den du liebst.

Und das ist das Best Case Scenario ohne Triage.

Triage bedeutet, dass die Ärzt*innen auswählen müssen, wer beatmet wird und wer sterben muss. Weil wir nicht genug Beatmungsgeräte haben. Vor allem ältere Menschen werden dann nicht mehr beatmet. Daten der CDC sagen, dass in allen Altersklassen ein vielfaches der Personen auf die Intensivstation kommen, die am Ende sterben (Quelle). Die Intensivstationen retten also viele Leben. Das ist hier für unser Beispiel besonders relevant, denn ältere Personen müssen leider sehr oft auf die Intensivstation.

Wenn die Intensivstation eher keine der Großeltern mehr aufnimmt, weil sie überfüllt ist, könnte es sein, dass die Todesrate sich locker nochmal verdoppelt. Wirf zwei Münzen. Nur wenn du zweimal Zahl hast, stirbt niemand, den du liebst.

Das ist es, was wir gerade verhindern, indem wir zu Hause bleiben.

Wenn wir einfach alles aufmachen, ohne dabei neue Gegenmaßnahmen wie Maskenpflicht in Shops, Verbot von Veranstaltungen und Partys oder Handy-Apps zur Verfolgung von Infektionsketten zu nutzen, sind alle unsere bisherigen Anstrengungen innerhalb von wenigen Tagen wieder Makulatur. Völlig egal gewesen.

Also bleib zu Hause und teil diesen Artikel. Oder fang’ an, Münzen zu werfen.

Zum Thema:

Coronomics: Warum die harten Corona-Maßnahmen unsere Wirtschaft schützen



Artikelbild: Chaikom, shutterstock.com

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