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9 Zitate von AfD-Aussteigern, die belegen, wie rechtsextrem sie ist

von | Sep 12, 2023 | Aktuelles

Du musst Volksverpetzer kein Wort glauben. Aber wenn du wirklich für dich selbst denkst und „Mut zur Wahrheit“ hast, dann solltest du diese Zitate lesen und ernst nehmen. Es sind Leute, die sich sicherlich nicht verdächtigen lassen, auch nur im Ansatz Links zu sein, oder etwas mit der Regierung zu tun zu haben und sie sind die Leute, die es wissen müssen: Personen, die selbst in der AfD waren. Aber jetzt ausgestiegen sind, weil diese Partei immer mehr zur reinen Neonazi-Partei wird. Überzeug dich selbst.

Dass die AfD eine Ansammlung von Rechtsextremen ist, die unsere Demokratie untergraben wollen und verfassungswidrig handeln, haben wir schon in sehr vielen Artikeln analysiert. Wir und andere Medien weisen schon lange auf diese Dynamiken der Partei hin. Nicht zuletzt der Verfassungsschutz stuft große Teile der Partei mittlerweile als rechtsextrem ein, die ganze Partei ist im Verdacht, rechtsextrem zu sein. Diese Tatsachen halten aber viele Deutsche nicht davon ab, weiterhin die Faschisten der AfD zu wählen, viele verschließen lieber die Augen und rufen „Lügenpresse“ – und laufen in die Falle der AfD.

Deswegen hier das Angebot: Du musst nicht uns glauben, wenn du diesen Artikel liest, sondern kannst einfach nur lesen, was Leute sagen, die mal in der AfD waren und mittlerweile ausgestiegen sind. Die müssten ja wissen, wie’s intern so läuft in der Partei. Und die sind wohl kaum verdächtig, sich irgendwelcher linker Umtriebe gemacht zu haben. Oder?

1. „Die Radikalen haben die Kontrolle über die AfD übernommen.“

Ex-Vorsitzender jörg meuthen

Die Radikalen haben die Kontrolle über die AfD übernommen.

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Bis 2022 war Jörg Meuthen sogar einer der Vorsitzenden der AfD. Dann verließ er jedoch die Partei, da seiner Ansicht nach Teile nicht mehr auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung stünden. Obwohl viele seine Begründung, die Partei aufgrund voranschreitender Radikalisierung zu verlassen, als heuchlerisch kritisierten, machte Meuthen dennoch klar, dass die AfD an der Regierung eine Katastrophe wäre:

Ich will diese Leute nicht an der Regierung sehen.

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Wäre die AfD an der Regierung, sieht Meuthen klar das Risiko für Deutschlands Wirtschaft:

Keine wirkliche Fachkraft, die noch bei Verstand ist, würde mehr freiwillig nach Deutschland kommen.

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Auch Björn Höcke, den AfD-Vorsitzenden Thüringens, kritisiert Meuthen scharf aufgrund seiner „nationalsozialistischen Anleihen“. 25 faschistische Zitate von Höcke haben wir bereits für euch gesammelt. Nochmal: Das sind einfach nur Dinge, die Höcke selbst gesagt hat.

2. „Diese Partei ist keine Alternative, sie ist der Abgrund für Deutschland.“

Ex-Vize-Landeschef von Niedersachsen christopher emden

Ebenfalls 2022 trat Christopher Emden, ehemaliger AfD-Vize-Landeschef von Niedersachsen aus der Partei aus, vor den Wahlen in Niedersachsen. Seine Austrittsbegründung ist drastisch, hier nur ein kleiner Ausschnitt:

Diese Partei ist keine Alternative, sie ist der Abgrund für Deutschland. Sie ist nicht bloß verzichtbar, sie ist, aufgrund der zunehmenden Radikalisierung vieler Mitglieder, sogar gefährlich für unser Land.

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Emden schrieb in seiner Austrittserklärung, die du im Ganzen hier nachlesen kannst, „die Partei entwickelt sich zu einem Sammelbecken für Versager, Gangster und Minderbemittelte“. Deutliche Worte für einen Ex-Vize-Landeschef. Und damit nicht genug: Hätte Emden in Niedersachsen einen sicheren Listenplatz erhalten wollen, hätte er dafür zahlen müssen – an den heutigen Fraktions-Vize der AfD Niedersachsen, Ansgar Schledde. Die Staatsanwaltschaft ermittlelte und stellte dann die Ermittlungen wieder ein. Ruhe ist in den Landtag trotzdem nicht eingekehrt: 22 Einsprüche gegen das Wahlergebnis liegen mittlerweile vor, auch der Wahlprüfungsausschuss befasst sich nun damit.

3. „Demokratie, die sie abschaffen wollen“ „wie 1933, genau so wurde auch die NSDAP groß“.

Ex-Stadträtin freia lippold-eggen

Die ehemalige AfD-Stadträtin Bad Kissingens, Freia Lippold-Eggen, trat im August aus der Partei aus und zieht klare Parallelen ihrer Ex-Partei zur NSDAP 1933.

Um an die Macht zu kommen, nutzen sie [die AfD] die Schwächen der Demokratie – jener Demokratie, die sie abschaffen wollen. Das funktioniert wie 1933, genau so wurde auch die NSDAP groß. Die AfD tut das ohne Anstand. Ich muss es so deutlich sagen, denn: Wer schweigt, stimmt zu.

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Weiter führt Lippold-Eggen aus, dass der Rechtsruck der AfD von langer Hand geplant sei und das klare Ziel darin bestünde, Rechtsextreme in den Wahlkreisen zu installieren.

4. „Den Kampf“ gegen „Nationalbesoffene“, „Radikale“, „Extremisten“, „Höcke-Jünger“ habe man „verloren“

Die komplette Stadtratsfraktion der Afd Siegen

Unter großem Applaus trat letzte Woche die komplette AfD-Fraktion des Siegener Stadtrats aus der Partei aus.

Seit unserem Eintritt waren wir stets an vorderster Front beim Kampf gegen die abseitigen Elemente in dieser Partei, gegen nationalbesoffene Schwärmer mit sozialistischen Tendenzen, gegen eine stetig zunehmende Duldung rechtspopulistischer, radikaler oder gar extremistischer Positionen. Diesen Kampf haben wir verloren.

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Die Fraktion kritisierte vor allem die personelle Zusammensetzung der AfD, die heute…

… maßgeblich geprägt [ist] von inkompetenten, charakterlich zweifelhaften, sozial abgehängten und oft randständigen Radikalen, die wenig mehr haben als ihre Wut und ihr oftmals rückwärts gerichtetes Weltbild.

Die zurückgetretene Fraktion rät zudem davon ab, künftig die AfD zu wählen:

Es wird zudem unsere gemeinsame Aufgabe sein, die Bürger in Siegen darüber aufzuklären, warum es ganz sicher nicht die AfD sein kann, die die offenkundigen und allgegenwärtigen Probleme lösen wird, und ihnen stattdessen echte und vertrauenswürdige Alternativen zu bieten.

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5. Hätte „drei Mal gereicht für eine Beobachtung“

Ehemalige Funktionäre der „Junge Alternative“ Alexander Leschik und Nicolai Boudaghi

Zwei ehemalige Funktionäre der AfD-Jugendorganisation „Junge Alternative“, rechtsextremer Verdachtsfall, schildern eindrücklich, wie stark die JA durchzogen ist von Hass, Rassismus und Gewaltfantasien. Auch die beiden jungen Männer schrieben menschenverachtende Nazi- Inhalte in JA-Chatgruppen und bereuen dies inzwischen. In Bezug auf die Beobachtung durch den Verfassungsschutz übt Boudaghi 2021 deutliche Kritik:

Mich hat nur gewundert, wie lahm der Verfassungsschutz eigentlich war. Ich kann Ihnen sagen, wenn die ihre Arbeit vernünftig gemacht hätten, dann wäre die AfD längst Beobachtungsobjekt und die Junge Alternative wäre längst auf dem Niveau der der NPD. […] Was ich da für Sachen mitbekommen habe, die hätten drei Mal gereicht für eine Beobachtung.

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Deutliche Worte von ehemaligen Insidern, die über ihre Zeit in der AfD übrigens auch ein Buch veröffentlichten. Und leider keine gute Werbung für den Verfassungsschutz.

6. „Bei der AfD gibt es Papiere in den Schubladen, die sind krasser als das, was die NPD früher wollte.“

Ex-Abgeordnete claudia martin

Bereits 2016 trat die ehemalige Afd-Abgeordnete in Baden-Württemberg aus ihrer Partei aus. Als Gründe nannte sie unter anderem die starke Tendenz zu rechtsextremen Auffassungen innerhalb der Fraktion, den Verzicht auf politische Sacharbeit sowie die ständige und einseitige Skandalisierung des Flüchtlingsthemas.

Bei der AfD gibt es Papiere in den Schubladen, die sind krasser als das, was die NPD früher wollte.

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Als Begründung nannte sie ein Papier der AfD Baden-Württemberg. In diesem wird vorgeschlagen, Asylbewerber in Sonderlagern zu kasernieren und sie dort als Aufbauhelfer für die Rückkehr in ihre Heimat vorzubereiten. Martin erinnerte dies an den „Madagaskar-Plan“ der Nationalsozialisten aus dem Jahr 1940. Dabei handelte es sich um einen im Auswärtigen Amt entstandenen Plan, Juden aus Europa auf die damals zum französischen Kolonialgebiet gehörenden Insel auszusiedeln, um sie dort zu einer „agrarischen Tätigkeit“ zu zwingen.

Übrigens: Meuthen, der später unter anderem aufgrund der Radikalisierung der Partei selbst austritt, kritisierte Martin für ihren Schritt scharf.

7. „nur ein Feigenblatt für die Ideologien von Höcke & Co.“

Ex-Vize-Sprecher Thüringen konstantin steinitz

Der Ex-Vize-Sprecher der AfD Thüringen wechselte bereits häufiger seine politische Orientierung. 2014/15 war er für neun Monate Mitglied der AfD. Nach der Umstrukturierung der Partei 2015 trat er aus, da er den Machtzuwachs von Höcke nicht mittragen wollte.

Jedes Engagement hätte nur den Anschein gewahrt, dass die AfD noch eine Professorenpartei ist. Aber jeder, der sich noch engagiert, ist nur ein Feigenblatt für die Ideologien von Höcke & Co.

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Aufgrund seiner Begeisterung für Merkels Flüchtlingspolitik 2015 ist Steinitz mittlerweile Mitglied der CDU.

8. „Die AfD läuft gefahr, eine art npd 2.0 zu werden“

OB-Kandidat simon bucher

Simon Bucher war fast vier Jahre lang in der AfD, arbeitete für eine Bundestagsabgeordnete und kandidierte als Oberbürgermeister im ostbayerischen Straubing. Heute erkennt Bucher, wie „unverhältnismäßig stark [er damals] für die postfaktischen Halbwahrheiten der AfD beim Thema Migration zugänglich [war]“. Mittlerweile engagiert er sich in Organisationen für Aussteiger aus der rechten Szene.

Die AfD hat es gut verstanden, Alibi-Argumente zu liefern à la: Wir haben Alice Weidel, also können wir nicht homophob sein.

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Vor allem die patriarchalischen und homophoben Positionen der AfD zu Familienpolitik ließen Bucher umdenken. Auch die Zunahme rechtsextremer Positionen führte dazu, dass er schließlich aus der Partei austrat. Um sich, wie er selbst sagt, noch einen „Funken Glaubwürdigkeit zu bewahren.“ Auch er erkennt eindeutig, dass die AfD nicht mehr auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung fußt:

Die AfD steht in ihrem gesellschaftlichen und parlamentarischen Verhalten nicht nur teilen [sic!] konträr zu Artikel 5 unseres Grundgesetzes. Sondern die Partei untergräbt, zu jeder sich bietenden Gelegenheit, dessen freiheitliche und demokratische Bedeutung.

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Hoffnung auf einen Mitte-Kurs der AfD hat Bucher keine mehr:

Vielmehr läuft die AfD Gefahr eine Art NPD 2.0 zu werden.

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9. „Mit Neonazis mache ich mich nicht gemein.“

Ex-Fraktionschef Bayern markus plenk

Der ehemalige Fraktionschef der AfD im bayerischen Landtag trat 2019 aus der Partei aus. Er begründete seinen Schritt mit der Heuchelei um den eigentlichen rechtsextremen Kern der AfD:

Ich habe es satt, die bürgerliche Fassade einer fremdenfeindlichen Partei zu sein.

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Plenk muss es wissen: 2 Jahre lang war er für die AfD in Bayern aktiv. Am Ende zog er eine eindeutige Bilanz:

Mit Neonazis mache ich mich nicht gemein.

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Nach seiner Entscheidung wurde Plenk stark angefeindet, erhielt Hassmails und Morddrohungen. Schließlich musste er unter Polizeischutz gestellt werden. Die „Neonazis“ mögen es wohl nicht gerne, wenn man sie als solche bezeichnet, von jenen, die es wissen müssen.

fazit: Die AfD ist eine Neonazi-Partei – sagen Aussteiger

Du siehst: Rechtsextremismus, Rassismus, Hass, Gewaltfantasien – all das gehört mittlerweile zum Kern der Partei. Nicht nur wir sagen das, nicht nur der Verfassungsschutz lässt deshalb die Partei beobachten, nicht nur Wissenschaftler:innen kommen in ihren Analysen zu diesem Schluss. Selbst Leute, die mal in der AfD waren, bestätigen, dass die AfD mittlerweile eine rechtsextreme Partei ist. Deshalb sind sie ausgetreten. Wenn ihr sie noch wählt, dann wählt ihr spätestens jetzt ganz bewusst Neonazis. Ihr müsst uns nicht glauben, aber es ist einen Gedanken wert, warum selbst ehemalige Insider sich von der AfD abgewandt haben.

Wer nach diesen Zitaten befürchtet – wie die Aussteiger – dass die AfD verfassungsfeindlich sein könnte, kann unsere Petition unterschreiben und fordern, dass das Bundesverfassungsgericht prüfen soll, ob diese Partei schon verboten gehört, um unsere Demokratie zu schützen.

P.S.: Viele Urheber:innen dieser Zitatsammlung sind selbstverständlich nicht unfehlbar – viele machten in der Vergangenheit Fehler und viele stehen auch heute noch für politische Positionen, für die man sie kritisieren könnte. Das Ziel dieses Artikels ist es jedoch zu zeigen, dass selbst Leute, die in der AfD waren und diese mitaufgebaut haben, die Radikalisierung und den Rechtskurs der Partei kritisieren und daher ausgetreten sind.

P.P.S.: Die meisten unserer Leser:innen sind ohnehin keine AfD-Anhänger:innen, und die Aussagekraft dieser Zitate dürfte daher begrenzt sein. Aber teilt doch diesen Artikel – oder vielleicht auch nur den Text oder die einzelnen Zitate – oder schickt ihn an Menschen, die möglicherweise bei kommenden Wahlen mit dem Gedanken spielen, diese Partei zu wählen.

Artikelbild: Britta Pedersen/dpa