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Rechtsextreme Querdenker: „Freie Sachsen“-Mitgründer ist pleite 

von | Dez 4, 2022 | Aktuelles

Im Juni 2021, gut vier Monate nach ihrer Gründung, wurde die Partei „Freie Sachsen“ bereits als rechtsextremistische und verfassungsfeindliche Gruppierung eingestuft, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Die „Querdenker“-Partei wurde von etablierten Rechtsextremisten gegründet: Vorsitzender ist Martin Kohlmann (verurteilt wegen Volksverhetzung), bislang Chef der ebenfalls rechtsextremen „Pro-Chemnitz“, auch waren NPDler treibende Kräfte. Ein stellvertretender Vorsitzender, Gründungsmitglied und Ex-OB-Kandidat für Plauen war der Busunternehmer Thomas Kaden, der im September 2022 nicht erneut kandidierte. Der zweite Vorsitzende der „Freie Sachsen“, ausländerfeindliche „Querdenker“, ist nämlich pleite. Und ist jetzt ins Ausland gereist.

Mit „Freie Sachsen“ haben wir uns aber auch schon ausführlich beschäftigt:

Busfahrten zu Coronademos

Thomas Kaden war zweiter Vorsitzender der rechtsextremen Partei „Freie Sachsen“, aber auch als einer der Busunternehmer bekannt, der regelmäßig Pandemieleugner durch ganz Deutschland fuhr, damit diese an Coronademos teilnehmen konnten. Er selbst organisierte ebenfalls häufig Demonstrationen am Plauener „Wendedenkmal“, um gegen die Maßnahmen der Regierung zu protestieren und kandidierte sogar als Oberbürgermeister für die rechtsextreme Partei (und erhielt 7,46% bzw. 5,19%).

Ziemlich praktisch sind Coronademos nämlich dann, wenn man ein eigenes Bus- und Reiseunternehmen hat. Zwischenzeitlich legte die Plauener Polizei seine Busse sogar in Ketten, damit diese nicht mehr zu einer verbotenen Demonstration in Leipzig fahren konnten. Für derartige Reisen konnte er keine Erlaubnis vorlegen und die Corona-Schutzverordnung untersagte solche Fahrten zu der Zeit, wie Polizeisprecher Olaf Hoppe berichtete. Es erging somit ein Festsetzungsbescheid und zwei Busse wurden an der Hinterachse zusammengekettet – sozusagen als Wegfahrsperre.

Demotouren als lukratives Geschäftsmodell? Offenbar nicht

Man könnte meinen, dass diese Art von Demotourismus für einen Reiseunternehmer, der durch „Lockdowns“ und Corona-Schutzverordnungen immer wieder finanzielle Einbußen in Kauf nehmen musste ein wahrer (Geld-)Segen gewesen sein dürfte. So ganz erklärt es dann aber nicht, wieso vor Kurzem ein Insolvenzeröffnungsverfahren stattgefunden hat und auch sein Haus verkauft wurde. Und über das Vermögen, was er durch den Verkauf erzielte, kann Kaden derzeit auch nicht frei verfügen.

Gegen „Asylanten“ und dann ins „Exil“?

Thomas Kaden sieht es so: Er sei nicht insolvent, er befinde sich im „Exil!“ Und zwar nicht wegen Corona, nicht wegen seiner Taten, sondern der Maßnahmen und der Regierung. Das kommunizierte er auf einem Aushang im Schaukasten seines Betriebs auf einem DIN A4-Ausdruck.

In seinem Wahlprogramm forderte er damals noch im kulturellen Bereich den „sächsischen Nationalstolz“ zu fördern. Er selbst hatte Plauen bereits im August 2022 verlassen und kandidierte auch unter anderem deswegen nicht erneut für den Vorstand der „Freie Sachsen“. Die Partei, die als offen rechtsextreme Partei natürlich ausländerfeindlich ist und auf ihre Banner auch „Wir wollen kein Asylantenheim“ druckt.

Ob es auch Teil des sächsischen Nationalstolzes ist und mit dem Ausländerhass und Ablehnung von Geflüchteten zusammenpasst, nach der Pleite des Unternehmens nach Ungarn zu reisen und langfristig auch das Land verlassen zu wollen, wenn man woanders eine Perspektive findet, bleibt indes ungeklärt. Vielleicht war das mit dem „Säxit“ gemeint.

Artikelbild: Sebastian Willnow/dpa