Faktencheck: Sind die Brände in Afrika schlimmer als im Amazonas?

Analyse

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Die Welt in Flammen: Amazonas vs Afrika?

Die aktuellen Satellitenaufnahmen der NASA FIRMS (Fire Information for Resourde Management System) zeigen weltweit aktuelle Brände. Besonders stark konzentrieren diese sich auf die Gebiete des Amazonas-Regenwaldes in Brasilien und auf den Regenwald und Weidegebiete südlich des Kongo-Beckens in Afrika.

Im ersten Augenblick sieht es so aus, dass die Brände in Afrika mehr sind und diese dann auch verheerender sein müssten als die in Brasilien. Rein flächenmäßig gesehen mag das den Anschein erwecken, jedoch muss man hier stark differenzieren zwischen den Bränden.

Dieser Artikel soll einen kurzen Überblick über die Verhältnisse, die Zusammenhänge und Auswirkungen geben.



Amazonas:

Innerhalb von fünf Tagen verbrannten im August 2019 471.000 Hektar Regenwald, Weiden und Felder. Die Brände entstanden überwiegend durch Menschen, die Feuer zur Brandrodung gelegt hatten.

Der Regenwald ist maßgeblich verantwortlich für die Bindung des CO2 (ca ein Viertel der Welt) und produziert um die 20% des weltweiten Sauerstoffs. Ferner wird durch dieses Gebiet das Klima beeinflusst und auch teilweise bestimmt. Neben den Ozeanen ist der Amazonas-Regenwald der größte Niederschlags-/Regenlieferant weltweit. Durch ihn werden die Temperaturen und auch die Erderwärmung reguliert. Das bedeutet, dass der größte zusammenhängende Wald teilweise der menschengemachten Erderwärmung gegensteuert. Er ist auch überwiegend für die Lebensgrundlagen der Menschen und Tiere zuständig.

Durch die Brände gelangen nun mehr Treibhausgase und CO2 in die Atmosphäre und die Erderwärmung wird dadurch beschleunigt, so dass die Ziele der Weltklimagipfel nicht mehr einzuhalten sind. Dies hat zur Folge, dass die Polgebiete schneller schmelzen und der Wasserspiegel weltweit ansteigt und auch die Lebensräume der dort lebenden Tierwelten verschwinden.

Es dauert zwischen 40 bis 50 Jahre bis sich in den verbrannten Gebieten ein Sekundärwald (nachgewachsene Vegetation) gebildet hat und mindestens 100 Jahre bis sich der Regenwald komplett regeneriert hat. Jedoch kann sich durch den Klimawandel und den damit weniger Niederschlägen die Zeitspanne wesentlich erhöhen. Die Brände haben massive Auswirkungen auf die Flora und Fauna und können zum Aussterben von Pflanzen- und Tierarten führen.

Afrika:

Über den Zeitraum eines Jahres brennen viele kleine Feuer mit einer Fläche von insgesamt zwischen 300 und 600 Millionen Hektar. Diese Brände sind überwiegend Wildbrände, dh. durch Blitzschläge, Trockenheit und anderen natürlichen Ursachen. Ein kleiner Teil sind gezielte Brände durch den Menschen in Savannen und Weidegebieten. Überwiegend brennen hier Büsche und Bäume, die kaum CO2 speichern können.

Diese Bäume sind resistenter gegenüber Feuer und verbrennen nicht komplett. Aus diesem Grund haben die Brände in Afrika weniger bzw kaum Auswirkung auf die Atmosphäre und den Klimawandel. Ohne diese Feuer verwildern die Savannen und der Lebensraum der Tiere wird verkleinert, da sie dann weniger Bewegungsfreiheit haben und weniger Futter finden. Hier regeln die natürlichen Feuer die Lebensgrundlage und den Lebensraum der Flora und Fauna.

Die Flora hat sich über Generationen auf diese Tatsache eingestellt und die besten Überlebenschancen entwickelt. Die Tiere können vor den Feuern flüchten, da die Savannen weitläufig sind.

FAZIT:

Der Amazonas-Brand bedroht unseren Lebensraum und unser Überleben und die vielen Brände in Afrika-sind ein natürlicher Regulator des dortigen Lebensraums! Nur weil es viele kleine Feuer sind, die alle einen kleinen roten Punkt auf der Karte erhalten, heißt es nicht, dass diese gleich groß, gefährlich oder bedeutend sind.

Zum Thema:

Falsche Bilder, Wer hat Schuld? 3 Fakten über den Amazonas-Regenwald-Brand

Artikelbild: Screenshot facebook.com/NASA FIRMS (Fire Information for Resourde Management System)

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