Mariupol oder Ansbach? Über diesen Fake eines Putin-Trolls wird nur gelacht

| Faktencheck | 9. Mai 2022

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Über diesen Fake eines Putin-Trolls wird nur gelacht

Ein besonders dummer Pro-Putin Fake sorgt im Netz für viel Spott. Demnach sei die ukrainische Stadt Mariupol nicht zerstört, sondern im friedlichen Zustand. Als Beweis hängt der Twitter-User das Bild einer beschaulichen Innenstadt an. Diese befindet sich jedoch nicht in der Ukraine, sondern im bayrischen Ansbach.

Wer sich in den Sozialen Medien herumtreibt, stolpert früher oder später über alle möglichen Gerüchte und Verschwörungserzählungen. Momentan sind Fakes über den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine besonders beliebt. Einige sind raffiniert und müssen genauer analysiert werden. „Wurde das Foto tatsächlich an dem angegeben Ort aufgenommen? Werbetafeln, Verkehrsschilder und Autokennzeichen geben möglicherweise Hinweise auf den Ort“, schreibt die Tagesschau in einem Tutorial zum Erkennen von Fake News. Darin wird auch erklärt, wie eine Rückwärtsbilder-Suche funktioniert, bei der man statt nach einem Bild nach Infos zu einem Bild sucht.

Fake in 3 Sekunden widerlegt

So kompliziert ist dieser Fake über das angebliche Mariupol allerdings nicht. Der Putin-Anhänger hält seine Mitmenschen offenbar für extrem dumm, sonst hätte er sich mit seiner „Beweisführung“ vielleicht etwas mehr Mühe gegeben. Wo andere Fake-News-Verbreiter:innen immerhin etwas Liebe in ihre Fälschungen stecken, klatscht er hinter seiner Behauptung, Mariupol sei keine vom Krieg gezeichnete Stadt, ein Bild der friedlichen Stadt Ansbach in Bayern. Offenbar meinte er, so den Beweis zu liefern, der Krieg in der Ukraine sei der russischen Propaganda entsprechend eine Erfindung des Westens, die mit der bösen Ukraine paktiert. Tatsächlich finden in Mariupol aktuell schwere Kämpfe statt, bei denen russische Soldaten versuchen, den letzten Widerstand in der Hafenstadt zu brechen (Quelle).

Die „Technik“, die Leute wie dieser Fake-News-Troll benutzt, ist unter Fake-News-Schleudern weit verbreitet und erinnert an Fälschungen wie diese:

Faktencheck: Nur 17.000 – So lügen die Pandemie-Leugner über ihre Teilnehmerzahlen

Auch hier wurde ein Bild aus einem völlig anderen Zusammenhang verwendet, um vermeintliche Belege für Lügen vorzulegen. Querdenker:innen versuchten so, die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass deutlich mehr Menschen an Protesten gegen Corona-Maßnahmen teilgenommen hatten, als tatsächlich vor Ort waren. Auch hier stellte sich schnell heraus, dass schlecht gelogen wurde: Die Aufnahme zeigt nicht den Querdenken-Protest, sondern die Loveparade 1999 (mehr dazu). Wenn die Wahrheit einem nicht passt, muss man sie eben erfinden.

Der Fake in diesem Tweet wurde mühelos enttarnt, denn das Bild aus der Ansbacher Innenstadt wurde schnell wiedererkannt. Der Bayrische Rundfunk bekannte sich zur Tat: „Das Bild stammt von der Webseite des BR-Studios Ansbach und wurde bereits im Jahr 2018 aufgenommen.“ (Quelle)

Einfach nur Lachhaft

Auf Twitter ließ die Häme nicht lange auf sich warten. Zahlreiche Ansbacher:innen zeigten sich verwirrt: „Hä wo in Mittelfranken ist Krieg? Ich Wohne da und bekomm es nicht mit“ [sic], schreibt ein User. Eine weitere Userin versichert: „Bin Sonntag auch in der Stadt gewesen, komisch, war nichts zerbombt“. Ein anderer möchte den Urheber und andere Fake-News-Verbreiter:innen gleich zum cholerischen Schauspieler Klaus Kinski schicken, der für seine Wutausbrüche und Beleidigungen bekannt ist.

Quelle: Screenshot Twitter

Der „Bildbeweis“ ist so schlecht und lachhaft, dass viele an der Echtheit des Urheber-Accounts zweifeln. „Hab mir gerade mal seinen Account angeguckt. Der entspricht wirklich jedem Vorurteil und Klischee, das man mit AfD/NPD-Wählern in Verbindung bringt. Der ist doch gemacht! Sowas kann nicht echt sein“, meint eine Userin. Dass einige an einen geschmacklosen Scherz glauben, andere wiederum an der Echtheit des Accounts glauben, zeigt, an was für absurde Posts wir inzwischen von Trollen gewohnt sind.

„Die Propaganda der Russen und ihrer Troll/Bot Accounts ist wirklich auf erbärmlich niedrigem Niveau. Wer glaubt den Scheiß denn?“, fragt sich ein User. Der Post ist zwar extrem dämlich, man sollte aber nicht vergessen, dass auch die dümmsten Fakes Wirkung haben können. Eine Userin fasst das Problem gut zusammen: „Das Problem ist, dass diese Bilder nicht für uns gemacht werden, sondern für die, die es glauben wollen, gar nicht hinterfragen und sich bestätigt sehen.“

NPD-Wähler im Drachengame?

Der Urheber inszeniert sich übrigens selbst als stolzer NPD-Wähler. Einige Twitter-User:innen warnen davor, solche Trolle zu unterschätzen. „NPD Fanboy und Reichsbürger….dumm? Nein, gefährlich, weil zu viele Menschen einfach glauben“, sagt eine Userin. Viele Kommentare nehmen ihn nicht als Putin-Propaganda-Troll ernst, sondern ordnen ihn als „Sifftwitter“-Bodensatz aus der Drachengame-Bubble ein. Das bezieht sich auf die Troll-Bubble um YouTuber „Drachenlord“, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, diesen zu drangsalieren. „Die Drachenbubble ist nicht per se eine Nazibubble, jedoch legen rechte Accounts eine gewisse Affinität für das sogenannte „Drachengame“ an den Tag, die vermutlich durch die Gemeinsamkeit einer nihilistischen, kalten und abwertenden Haltung zustande kommt“, haben wir in diesem Artikel erklärt.

Und auffällig: Das Profil war keine zwei Monate alt. Die Absurdität des Ganzen macht es ein wenig einfacher zu verstehen, wie ein Fake wie der in diesem Tweet entstehen kann. Reihenweise sprachen User:innen Block- und Meldeempfehlungen für den Urheber-Account aus. Mit Erfolg: Inzwischen existiert der Account nicht mehr. Billige Lügen, um Hass und Desinformation zu streuten, wird es allerdings noch weiter geben.

Artikelbild: shutterstock.com / Screenshots

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