Blockaden, Cyberangriffe und Attacken: Immer mehr Angriffe auf Impfzentren

| Bericht | 31. März 2021

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Immer mehr Angriffe auf Impfzentren

Impfgegner:innen und Pandemie-Leugner:innen radikalisieren sich in letzter Zeit zusehends nicht nur in ihren Telegram-Kanälen, sondern im gesamten Social Web. Keine Kommentarspalte ist mehr sicher vor ihren Fakes. Gleichzeitig rufen sie vermehrt dazu auf, sich „gegen die Plandemiker“ zu stellen und in den Widerstand zu gehen. Die fast täglichen Demonstrationen mit Ausschreitungen sind dabei nicht das Ende der Fahnenstange, man griff zuletzt Impfzentren konkret an, indem man sie blockierte oder sogar attackierte.

Querdenker abgeführt, eingekesselt, langsam beruhigt sich +++ Liveticker Pandemie-Leugner Demo Kassel #ks2003 +++

Polizei und BKA warnen

Die Polizei NRW warnt explizit: „Vor dem Hintergrund, dass es leider ein gewisses Potenzial an aggressiven Corona-Impfgegnern, beziehungsweise Corona-Leugnern und Menschen gibt, die schützende Maßnahmen ablehnen, müssen Vorkehrungen für den Schutz und die Sicherheit der Impfzentren inklusive des Personals durch den Staat getroffen werden.“

Auch das Bundesinnenministerium sah bereits im Januar eine Gefahr: „Zwar gebe es bisher keine konkreten Hinweise darauf, aber es bestehe wegen »der großen medialen Präsenz sowie der hohen Dynamik und Emotionalität« des Themas eine »abstrakte Gefährdung« der genannten Einrichtungen“, heißt es in einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion.

Impfzentren in Berlin und Bielefeld blockiert

In Berlin wurde das Impfzentrum am Erika-Heß-Eisstadion am Sonntag, 28.03.2021, sogar kurzzeitig geschlossen, da sich Pandemie-Leugner:innen dort versammelten, um den Zugang zum Zentrum gezielt zu blockieren.

In Bielefeld gibt es seit dieser Woche sogar bereits den dritten Zwischenfall. Erst randalierten im Februar Betrunkene vor dem Impfzentrum und schlugen sogar die Fensterfront ein, kurz darauf begrüßte ein ebenfalls alkoholisierter Mann die Menschen vor dem Impfzentrum sogar mit einem Hitlergruß, sodass final die Polizei gerufen wurde. Und er zur Vermeidung weiterer Straftaten im Gewahrsam landete.

Fake-Identitäten und keine freien Termine mehr

Jetzt wurden am Wochenende DDoS-Attacken auf die Terminvergabeseite verübt und von Fake-Identitäten über 3.000 (Über-)Buchungen des Systems vorgenommen, sodass tatsächlich impfberechtigte Personengruppen erst wieder in zwei Monaten Termine buchen konnten. Der Schaden war enorm: Die Falschbuchungen mussten manuell wieder rückgängig gemacht werden. Personen mit späten Terminen werden nun telefonisch kontaktiert, um vorverlegt zu werden. 

Vor diesen Cyberangriffen warnte das BKA bereits im November 2020: Die Gefahr von Cyberangriffen müsse „als hoch eingestuft“ werden. 

Cyberkriminalität nimmt zu

Das Problem dabei: Das Impfzentrum warnt seit geraumer Zeit zusätzlich vor telefonischen Anfragen, da Einbrecher diese Art der Kontaktaufnahme als Masche entdeckt haben, um in Haushalten einzubrechen, während die Personen auf dem Weg zum Impfzentrum und zurück sind. In Fulda warnte die Polizei zum Beispiel auch vor dem Abfischen sensibler Daten (Quelle).

Die IT-Beauftragten reagierten ebenfalls bereits und schraubten die Sicherheitsvorkehrungen hoch, sodass weitere Angriffe hoffentlich ausbleiben werden. Polizeisprecher Michael Kötter (Polizei Bielefeld) berichtete, dass es bereits einen Tatverdächtigen geben würde, die Ermittlungen aber weiter laufen. Professor Dr. Windhorst, medizinischer Leiter des Impfzentrums, forderte die Ansiedlung der Ermittlungen beim Staatsschutz. Da solche Angriffe einen schweren Angriff auf die Pandemiebekämpfung darstellen und uns alle gefährden würden.

Über die Motive des Täters gibt es derzeit noch keine Erkenntnisse. Die Staatsanwaltschaft prüft erst noch, ob es sich dabei überhaupt um eine Straftat handele. Es zähle nicht in die Kategorie „Hacking“.

Ist das Mord?

Juristisch strittig ist auch noch, ob man die Tat als vorsätzliche (schwere) Körperverletzung einordnen könnte, schlimmstenfalls mit Todesfolge. Bzw. ob dies im Falle einer verspäteten Impfung und einem coronabedingten Tod auch als Mordmotiv zu werten wäre.

Impfquote blieb stabil

Auf die Impfquote hatte es glücklicherweise keine Auswirkungen, die Zahl der Impfungen blieb auf dem durchschnittlichen Level von knapp 1.200 Impfungen. Das Bielefelder Impfzentrum ist auf bis zu 1.500 Impfungen pro Tag ausgelegt und es gibt auch bereits wieder freie Termine in naher Zukunft.

Des Weiteren sind auch Anschläge auf Corona-Testcenter oder Forschungsinstitute wie das RKI in Berlin vorgekommen. Mehr dazu:

Neue Terrorgefahr: Vorsätzlicher Bombenanschlag auf ein Corona-Testcenter in den Niederlanden

Artikelbild: Bihlmayer Fotografie

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