Terror-Ermittlungen: Anschlagsserie auf türkische Geschäfte & keiner kriegt es mit?

| Bericht | 6. Mai 2020

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Anschlagsserie auf türkische Geschäfte

Waldkraiburg. In der bayerischen Stadt Waldkraiburg wurden mehrere türkische Läden beschädigt, auf einen wurde sogar ein Brandanschlag verübt. In der Nacht zum 27. April kam es zu einem Großbrand in einem türkischer Früchtemarkt. Sechs Personen wurden verletzt. Die Polizei geht von einem Brandanschlag aus (Quelle). In einem emotionalen Instagram-Post meldete sich der Besitzer dazu:

https://www.instagram.com/p/B_gUKryoGoi/?utm_source=ig_embed

Laut ihren Aussagen wurden vor dem Laden und einer naheliegenden Pizzeria, ebenfalls in türkischer Hand, Hakenkreuze geschmiert worden. Doch das war nicht das einzige Geschäft mit türkischstämmigen Besitzer*innen in Waldkraiburg, das angegriffen wurde. Die neugegründete SOKO “Prager” ermittelt in diesem Zusammenhang auch zu zwei weiteren Taten in der gleichen Stadt: Ein Friseurladen und ein Lokal wurden ebenfalls beschädigt. In beiden Fällen wurden Fensterscheiben eingeworfen.

Die Waldkraiburger Nachrichten (29.04.2020) berichteten, dass durch den Bewurf des Schaufensters im Restaurant am Annabergplatz „eine schmierige Flüssigkeit, wahrscheinlich Schweinekot“ verteilt wurde. Alle drei Inhaber haben türkische Wurzeln. Jetzt hat die Polizei den Verdacht, dass die Taten aufgrund der Herkunft der Opfer und der zeitlichen Nähe miteinander in Verbindung stehen könnten (Quelle).

Terror-Ermittlungen aufgenommen

Die Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus (ZET) bei der Generalstaatsanwaltschaft München hat die Ermittlungen jetzt an sich gezogen. Sie möchten herausfinden, ob es sich um eine Terroranschlagsserie handelt und ob es einen rechtsterroristischen Hintergrund gibt. Aktuell laufen die Ermittlungen wegen des Brandanschlags in alle Richtungen. Die Polizeipräsenz wurde erhöht, der Polizeipräsident Robert Kopp erklärt laut Merkur: Die Gefährdung oder Schädigung türkischer Einrichtungen ist in keiner Weise akzeptabel und ist mit einer toleranten und weltoffenen Gesellschaft nicht vereinbar. Die Verhinderung derartiger Taten, sowie deren Aufklärung werden wir mit allen zur Verfügung stehenden rechtlichen Möglichkeiten bewerkstelligen.“

Erst gestern (5.5.) wurde wieder ein Anschlag verübt und mehrere Fenster eines türkischen Imbissgeschäfts eingeschlagen (Quelle). Eine mutmaßliche Terroranschlagserie gegen türkischstämmige Ladenbesitzer – und keiner bekommt es mit? Laut unserer Medienanalyse gab es gerade mal vier Artikel zu “Waldkraiburg” in den letzten vier Wochen in überregionalen Medien. Auch trotz Coronakrise werden Minderheiten anscheinend weiterhin wegen ihrer Herkunft systematisch bedroht und angegriffen. Im letzten Jahr ist die Anzahl der rechtsextremen Straftaten erneut gewachsen (Quelle).

Update 24.02: Ein mutmaßlicher Täter muss sich jetzt für die Tat vor Gericht verantworten, sein Tatmotiv war tatsächlich Hass auf türkischstämmige Menschen. Der mutmaßliche Täter, ein Deutscher mit kurdischen Wurzeln, plante den Ermittlern zufolge auch Anschläge auf türkische Einrichtungen und Moscheen. Man stellte Rohrbomben und Sprengstoff fest (Quelle).

Artikelbild: Lino Mirgeler/dpa

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