„Premium-Cola“ im Interview: „Von mir aus kann die AfD komplett verdursten!“

Bericht

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„Ich bin kein Linksextremist, nur weil ich kein Bock auf Nazis habe!“

Zum #ColaGate der AfD haben wir mit einem der Gründer von „Premium-Cola“ gesprochen. Hier könnt ihr die Ganze Blamage der AfD nochmal nachlesen:

Colagate: Alle Peinlichkeiten der AfD & alle Distanzierungen der Cola-Marken

Das Interview führte Andreas Bergholz mit Miguel Martinez von Premium-Cola.



Wie kommt es eigentlich, dass noch kein AfD Politiker ein Foto mit eurer Cola Marke gemacht hat?

Uns gibt es in 200 Städten in Deutschland/Schweiz/Österreich, aber wir sind meistens in kleinen und alternativen Läden zu finden. In diesen kleinen Läden geht anscheinend die AFD nicht hin, weil sie entweder einen schlechten Geschmack haben oder keine coolen Freunde. Das wäre eine Erklärung, aber vielleicht haben sie auf unserer Instagram Seite geguckt, wie wir ticken und gesehen, dass wir uns u.a. mit einen tollen Bild des Künstlers Stefan Marx von Nazis distanziert haben:

Und wir tun es auch immer wieder und wir werden es immer wieder tun. Nazis braucht niemand.

Wie bewerten Sie das Verhalten einiger AfD Akteure in Bezug auf die verschiedenen Cola-Marken, die sich bereits distanziert haben?

Manch AfDler geht die Sache genauso ran, wie sie an die Politik rangehen: Mit sehr wenig Analyse und Inhalt. Das erinnert an das Sommerinterview vom Typen mit dem Schlips. Von nichts eine Ahnung, aber ordentlich Rassismus! Ich habe den Eindruck, dass einige AfDler in den Getränkemarkt gerannt sind und irgendein Produkt gesucht haben, das sich noch nicht distanziert hatte. Und sie haben sich dabei überhaupt nicht mit Inhalten auseinandergesetzt. Na gut, die eine oder andere Marke war ja nie besonders politisch und andere Marken sind über die Vorlage froh und können jetzt ganz einfach Profil zeigen und für sich werben.

Geht der AfD langsam die Cola Hersteller aus, die Sie für sich vereinnahmen können?

Von mir aus können sie komplett verdursten!

Aber es wäre auch nicht falsch, wenn sie dieses Theater weiter treiben und den kompletten Lebensmittel- und Getränkemarkt abklappern würden. Wir würden dann schnell sehen, wer sich wie distanziert, wir würden sehen welche Marken Anstand haben und welche nicht.

Was für eine Haltung hat Premium-Cola als Unternehmen?

Wir sind Kollektiv organisiert und entscheiden alles im Konsens. Das einzige, was nicht zur Diskussion steht, ist unser Zentralwert, die Gleichwürdigkeit aller Menschen. Denn nur mit einer Gleichwürdigkeit von allen lässt sich eine echte Konsensentscheidung treffen. Bei uns gibt es keinen Chef und niemand hat mehr Macht als andere, ganz egal welche Position, Herkunft, Nationalität, Geschlecht, Hautfarbe, Religion, oder wie lange man in dem Land lebt. Mit dieser Basis versuchen wir ein neues Wirtschaftsmodell zu leben, das mehr auf Mensch und Natur achtet. Und das Verrückte daran, das machen wir u.a. mit einer Cola, das Symbol von Kapitalismus und Konsum!

Die AfD (Teile der CSU auch) nutzt geschickt demokratische Strukturen, um darauf hinzuarbeiten, sie für andere Menschen abzuschaffen. Wer anderen Menschen ihre Grundrechte abschaffen will, braucht sich selbst auch nicht auf deren Schutz zu berufen. Also wäre ein „punch nazis in the face“ legitimiert. Unser Zentralwert ist übrigens auch im Grundgesetz verankert. Wer sich daran nicht hält, sollte keine gesellschaftliche Relevanz haben. Deswegen gibt es bei uns eine klare Kante gegen AfD und sonstige Nazis.

Wäre es Ihrer Meinung nach angebracht, dass sich die Cola Hersteller geschlossen gegen eine Instrumentalisierung ihrer Marken von der AfD aussprechen?

Um die Instrumentalisierung geht es mir weniger. Zugegeben, es ist schon ekelhaft, wenn dein Produkt mit solchen Gestalten assoziiert wird. Aber ich wünsche mir eher eine grundsätzlichere Haltung gegen die AfD. Auch von Unternehmen, die noch nicht von einer AfD-Instrumentalisierung bedroht waren.

Es gibt tatsächlich schon die Überlegung, mit anderen alternativen Getränkemarken eine gemeinsame Erklärung rauszugeben, aber die Idee ist noch nicht ganz reif. Wir haben, ehrlich gesagt, mit den Getränkemarken, die sich bis jetzt geäußert haben nicht viel gemeinsam, weil sie in einer ganz anderen Liga als wir spielen. Uns gibt es kaum in Tankstellen, Supermärkten und großen Ketten, wir sind eher in kleinen Läden vertreten.

Aber die Haltung sollte über die Cola- und Getränkehersteller hinaus gehen. Wir brauchen eine klare Haltung gegen die AfD in der Gesellschaft. Ich glaube Antifaschismus muss raus aus der linksextremen Ecke und in der Mitte der Gesellschaft verankert werden. Es sollte eine absolute Selbstverständlichkeit sein, in Deutschland Antifaschist zu sein. Ich bin kein Linksextremist, nur weil ich kein Bock auf Nazis habe!

Abseits von Cola Herstellern: Müssten ihrer Meinung nach nicht mehr Unternehmen Stellung gegen Rassismus und Rechtspopulismus beziehen?

Ja. Zu viele verstecken sich hinter einer vermeintlichen Neutralität. Leider lässt Neutralität immer eine Tür nach rechts offen. Ich bin mir sicher, dass es die eine oder andere Marke gibt, die Angst hat, Opfer so einer Instrumentalisierung zu sein, weil sie sich dann Äußern müsste. Und viele wollen einfach ihr Geschäft machen. Denen ist es egal, ob sie Geld von Nazis nehmen. Hauptsache sie machen ihr Geld.

Zum Abschluss: Haben Sie und ihr Unternehmen noch etwas was Sie der AfD sagen wollen?

Nein. Wer heute noch AFD wählt, ist entweder sehr schlecht informiert oder ein Nazi. Und mit Nazis muss man echt nicht mehr reden. Keine Cola den Faschisten!

Artikelbild: premiumcola

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