Kaum macht das RKI einen Tippfehler zu Omikron, glauben ihnen Impfgegner blind

| Corona-Fake | 3. Januar 2022

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RKI Veröffentlicht falsche Zahlen zu Omikron: Impfgegner glauben sie blind

Normalerweise lehnen Impfgegner:innen und Pandemie-Leugner:innen alle Informationen ab, die vom Robert Koch-Institut (RKI) kommen. Seit über 1 ½ Jahren müssen die Verschwörungsideolog:innen sämtliche Fakten leugnen, die das Institut, aber eben auch praktisch alle anderen Wissenschaftler:innen der Welt veröffentlichen, um ihr fragiles Weltbild aufrecht zu erhalten. Beispielsweise die Tatsache, dass die dreifache Impfung in wissenschaftlichen Analysen das Risiko, sich mit der Omikron Variante anzustecken, deutlich  reduzierte (70-80% je nach Studie Quelle, Quelle). Und dass selbst eine doppelte Impfung sehr gut vor schwerem Verlauf bei der Omikron Variante schützt (Quelle). Währenddessen müssen Ungeimpfte mit Omikron nur geringfügig seltener ins Krankenhaus, als mit der Delta Variante.

Die Daten waren für die Wissenschaft nicht einfach zusammenzustellen. Es wird immer komplexer, genaue Vergleiche anzustellen, denn das Virus ist je nach Impf-, Genesenenstatus oder Alter sehr unterschiedlich gefährlich. Das macht es Verschwörungsideolog:innen einfach, mit schiefen oder aus dem Kontext gerissenen Daten Menschen zu verunsichern. Bei so vielen Variablen hat es eine Weile gedauert, aber jetzt wissen wir dank wissenschaftlicher Analysen schon deutlich mehr.

Faktenlage zeigt: Klarer Nutzen von bis zu 3 Impfdosen gegen Omikron

Die wissenschaftliche Faktenlage zeigt also einen ganz klaren Nutzen von bis zu drei Impfdosen gegen die Omikron Variante. Ungeimpfte sind besonders gefährdet, denn die reduzierte Ansteckungs-Immunität der Geimpften schützt sie nicht mehr so gut (Quelle).

Kaum veröffentlicht das RKI aber offenbar aufgrund eines Feiertags-Tippfehlers mal falsche Zahlen, glauben die Impfgegner:innen und das Querdenken-Lager die Zahlen plötzlich blind. Fail: So entlarven sich die ganzen Ideolog:innen und Betrüger:innen gleich mal selbst.

RKI: Tippfehler bei Omikron Zahlen

Die Hintergrundgeschichte ist simpel: Das RKI hat kurz vor Silvester Zahlen zu Impfdurchbrüchen bei Omikron Fällen veröffentlicht. Vorsicht: Es sind sehr frühe Zahlen und sehr kleine Zahlen. Dadurch ist die Gefahr sehr groß, dass sie durch Effekte verzerrt sind. Wie zum Beispiel dadurch, dass besonders Reisende und ihre Kontaktpersonen auf Omikron getestet werden, die natürlich wegen der Maßnahmen wiederum besonders häufig geimpft sind. Manche Omikron Fälle sind auch erst noch im Verdachtsstadium (SGTF, aber noch nicht sequenziert für die Expert:innen), wir werden also in den nächsten Tagen noch viel genauere Zahlen bekommen (Quelle).

Das müsste man für eine wissenschaftliche Analyse alles sehr genau auseinanderklamüsern.

Es ist aber eben KEINE wissenschaftliche Analyse, sondern lediglich eine Veröffentlichung von sehr frühen Rohdaten. Das sieht man auch daran, dass bei über der Hälfte der Fälle die Angaben zum Impfstatus fehlen. Das RKI schreibt in seinem aktuellen Wochenbericht: “1.097 Patientinnen und Patienten waren ungeimpft, 4.020 waren vollständig geimpft, von diesen wurde für 1.137 eine Auffrischimpfung angegeben.”

Wie gesagt sind diese Zahlen noch zu klein, und wurden gar nicht zu dem Zweck erhoben, die Impfwirksamkeit zu messen. Und wie bereits gesagt, kommen Studien, die das genauer untersuchen und sämtliche Faktoren einbeziehen, zu dem Schluss, dass die dritte Impfung das Risiko, sich mit Omikron zu infizieren, deutlich um etwa 70-80% reduziert (Quelle).

RKI macht Tippfehler, Impfgegner glauben es sofort

Nun hat das RKI aber in der ursprünglichen Variante des Berichts einen Tippfehler, wie uns auch das RKI auf Nachfrage bestätigte. Fälschlicherweise war von „nur“ 186 ungeimpften Omikron Fällen die Rede. Diese Zahl wurde in der aktuellen Version auf 1097 korrigiert.

Die inkorrekt niedrige Zahl wurde von verschiedenen Verschwörungsideolog:innen verbreitet, um zu suggerieren, dass die Impfung sogar “empfänglicher” für die Infektion machen würde. Weil der Anteil der Ungeimpften unter den Omikron-Fällen also fälschlicherweise viel kleiner war, war entsprechend der Anteil der Geimpften viel höher. Das ist offensichtlich falsch, was man schon an den aktualisierten Rohdaten erahnen kann. Doch die Desinformationsverbreiter:innen missbrauchten den Tippfehler sofort für ihre Propaganda:

Ironisch: Dieser Fake-News-Verbreiter erklärt, er glaube nicht mehr den Corona-Zahlen, während er buchstäblich den (falschen) Zahlen des RKI blind vertraut

Die Zahlen aus den nächsten Tagen werden hier sicher noch weitere Klarheit liefern. Aber es gibt keinen Grund zu glauben, dass die Booster Wirkung nicht auch hierzulande ähnlich effektiv ist, wie die Studien aus Großbritannien gezeigt haben.

Cherry Picking entlarvt Wissenschaftsleugner

Es ist sehr interessant, dass die Verschwörungsideolog:innen und Querdenker:innen genau dann dem RKI glauben, wenn es tatsächlich mal falsche Zahlen veröffentlicht. Aber sämtliche Evidenz leugnen, die mit viel genaueren Methoden durchgeführt wurde. Das ist ein häufiger Mechanismus in Wissenschaftsleugnung. Man pickt sich genau die (oft falschen) Informationen heraus, die ins eigene Weltbild passen und ignoriert die viel solidere Evidenz aus zahllosen wissenschaftlichen Studien (z.B. Quelle).

Auch zeigt dieser Fall hier schön den Unterschied zwischen Falschinformation und Desinformation. Das RKI hat offenbar im Feiertags-Trubel falsche Informationen in Umlauf gebracht. Das verdient Kritik. Aber es war eben ein menschlicher Fehler, keine böse Absicht. Das zeigt sich schon daran, dass das RKI sich ja mit dieser Aktion selbst geschadet hat. Impfgegner hingegen reißen bewusst Zahlen aus dem Kontext und lügen, um Menschen dadurch zu täuschen. Sie wollen Menschen mit dreisten Lügen in Todesgefahr durch ein tödliches Virus bringen, um dann mit ihren verachtenswerten Methoden den verunsicherten Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Die Impfung wäre hingegen kostenlos.

Artikelbild: Screenshot

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