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Ramadan-Luxusbuffet erfunden: NIUS blamiert sich wieder mit Fake-Story!

15. März 2026 | Faktencheck

Eine neue Kantinenpächterin wollte eine schöne, nicht religiöse Eröffnungsfeier auf eigene Kosten veranstalten – nachdem die Hetzseite NIUS jedoch Lügen über ein steuerbezahltes Luxusbuffet zu Ramadan verbreitete, erhält sie Drohungen. Der NIUS-Schreiber postete offenbar, er schreibe seine Artikel mit AfD-Stift. Und die Agenda hinter der Propaganda wird klar.

Neue Pächterin feierte Eröffnung auf eigene Kosten

In Dortmund stand die Kantine der Agentur für Arbeit sechs Monate leer – dann erhielt sie eine neue Pächterin. Selvi Aksünger hatte die Kantine übernommen und dann auf eigene Kosten ein tolles Eröffnungsbuffet serviert. Der Sinn dahinter war, dass es Werbung für ihre neue Kantine sein und einen guten Eindruck machen sollte. Auf die bezahlten Propagandisten von "NIUS" machte es dann anscheinend jedoch einen zu guten Eindruck.

T-online beschreibt, wie die Einladung zustande kam: Die Pächterin habe eine Einladung an die Geschäftsführung der Agentur für Arbeit geschickt, damit sie intern weitergegeben wird. Und genau dieses Weiterleiten wurde später so dargestellt, als hätte „die Behörde“ selbst zum Iftar eingeladen. Im Intranet-Beitrag stand laut t-online allerdings bereits in der Überschrift, dass die neue Kantinenpächterin einlädt.

Screenshot: Instagram/catering_by_selvi via t-Online

Und noch ein Punkt, der in der Empörungsstory nicht vorkommt, weil er nicht ins Feindbild passt: Aksünger sagte laut t-online, sie selbst sei nicht muslimisch und die Idee, das Essen zeitlich ein paar Minuten später als geplant an den Sonnenuntergang anzulehnen, sei von ihr und ihrem Team gekommen, als verbindender Rahmen in einem Stadtteil, in dem das kulturell eine Rolle spielt. Es war aber keine "Ramadanfeier" – und auch Getränke wurden vorher schon ausgeteilt. Die Feier hatte keinerlei religiösen Charakter.

Eigentlich gar nicht groß eine Erwähnung wert. Doch die arme Betreiberin erhält jetzt Drohanrufe – weil die rechtsradikale Lügenschleuder NIUS wieder zugeschlagen hat.

Wie NIUS aus einer netten Kantineneröffnung eine Propaganda-Geschichte machte

Die Wut-Propaganda von NIUS zeigt sich schon bei der Schlagzeile. Der Text trägt die Überschrift: „Fastenbrechen für Bürgergeldempfänger: Dortmunder Arbeitsamt feiert Ramadan mit Luxusbüfett“, veröffentlicht am 13. März 2026, Autor: Marc Sierzputowski. 

Hier kombiniert man clever alle rechten Feindbilder – Bürgergeldempfänger, Muslime und Steuergelder. Im Subtext: „finanziert vom Steuerzahler“. Das stimmt natürlich nicht – aber die Lüge wird im NIUS-Text trotzdem behauptet. Man will sich ja von der Wahrheit nicht seine Hetz-Story kaputtmachen lassen.

Screenshot alte Version des NIUS Hetzartikels

Im Gegensatz zu NIUS hat Lars Wienand von t-online dagegen recherchiert: Das angebliche „Luxusbuffet auf Staatskosten“ ist gelogen, weil Aksünger die Kosten selbst getragen habe. Ebenso sei die Deutung, die Behörde habe „entschieden“, das Essen gezielt als Iftar zu planen, falsch; diese Idee habe die Pächterin selbst gehabt. 

Man nimmt ein Foto von Essen, klebt die politisch maximal aufladbaren Triggerwörter dran (Bürgergeld, Steuerzahler, Islam, Behörde), behauptet eine eindeutige Verantwortlichkeit – und wartet darauf, dass die Erregung den Rest erledigt. Der Hass der Zielgruppe ist wichtiger als die Fakten. Typisch NIUS eben.

Wie die AfD und der rechte Online-Mob die Story instrumentalisieren

Und natürlich sprang die Zielgruppe sofort darauf an und glaubte NIUS blind jedes Wort. Der AfD-Bundestagsabgeordnete Christian Wirth erklärte gar auf X, er habe gegen die Geschäftsleitung der Dortmunder Arbeitsagentur Strafanzeige wegen „Veruntreuung im Amt“ gestellt – absurd. 

Screenshot x.com

Auch Faschist Martin Sellner verbreitete die Behauptung in englischer Zuspitzung weiter, garniert mit dem Satz „Headlines you could not make up“. "Schlagzeilen, die man sich nicht ausdenken kann". Wienand kommentiert das nur treffend mit: "Da hat Sellner aber NIUS unterschätzt".

Screenshot

Ich glaube, man muss nicht weiter dokumentieren, wie die extreme Rechte – die fleißigsten Nutznießer der rechtsradikalen NIUS-Propaganda – diese Fake-Geschichte ausschlachtete. Es ist bekannter Alltag in dieser extremistischen Blase.

Erst pöbeln, dann heimlich umschreiben

Als die Faktenlage die Empörungserzählung zerlegt, kommt häufig Phase zwei: Ablenken, angreifen, verschieben.

Julian Reichelt reagierte nicht etwa mit einer klaren Korrektur an die Leser, sondern griff Lars Wienand auf X persönlich an und versuchte, den Faktencheck, der seine Propaganda-Seite wieder mal entlarvte, als „Schönschreiben“ zu framen. Dass eine Kantinen-Pächterin auf eigene Kosten eine Eröffnungsfeier veranstaltet, hält der Hetzer Reichelt für einen "politischen Missstand".

Und dann passiert das, was in seriösen Redaktionen eigentlich Standard ist – nur eben nicht so: NIUS änderte viel später den zentralen Satz still und leise. Die Formulierung „Ein Büfett, das vom Steuerzahler finanziert wurde“ wurde kommentarlos ersetzt durch „Ein Büfett, organisiert von einem Caterer, der vom Steuerzahler subventioniert ist“. 

Wie der Text wie magisch heute plötzlich lautet

Das klingt nach einer Kleinigkeit, ist aber in Wahrheit ein Eingeständnis: Die ursprüngliche Behauptung war halt gelogen. Stattdessen wurde auf ein neues, schwammiges Insinuieren umgestellt: Nicht mehr „der Staat hat das Buffet bezahlt“, sondern „irgendwie hängt der Caterer am Steuerzahler“. Das ist absolut kein Skandal, aber man versucht verzweifelt, die Verbindung vom Buffet zum Steuerzahler herzustellen. Am laufenden Band wird der eigene Leser manipuliert. Genauso ist es übrigens richtig, wenn ich sage, dass dieser Artikel geschrieben wurde von einem Medium, das durch den (österreichischen) Steuerzahler subventioniert ist.

NIUS hat wie so oft keine Quellen angegeben, und verrät dir nicht, wenn sie mal wieder Fake News verbreitet haben. NIUS unterwirft sich auch nicht dem Presserat. Und genau daran erkennt man, wie wenig das Portal an Aufklärung interessiert ist – und wie sehr an der Wirkung. Darum ist NIUS auch kein journalistisches Medium, sondern ein bezahltes Agitprop-Portal. Und hat auch nichts in der Bundespressekonferenz zu suchen.

Warum solche Fake-Skandale politisch so gut funktionieren

Die Masche dahinter ist nichts Neues: Rechtsradikale „Alternativmedien“ arbeiten häufig mit maximaler Emotionalisierung, minimaler Sorgfalt und einem ständigen „Ihr werdet belogen“-Grundrauschen, das am Ende vor allem Vertrauen in demokratische Institutionen zerstört. Obwohl sie in einem Punkt recht haben: Die Leser werden belogen. Und zwar von den rechten Seiten.

Der Deutschlandfunk zitiert den Politikwissenschaftler Markus Linden mit der Einschätzung, NIUS überschreite bewusst Grenzen und nutze bewusst Methoden der Desinformation; es sei das mediale Sprachrohr eines Milieus, das die Union nach rechts drücken wollte. 

Hier wird es für Konservative und Christdemokraten besonders relevant: Wer solche Skandalstories teilt – wie damals die Lügenkampagne gegen Brosius-Gersdorf, landet schnell in einem Diskurs, in dem die demokratischen Parteien als „eigentliche Gefahr“ erscheinen – und die AfD als „vernünftige Korrektur“. Das ist das Ziel: die politische Mitte zu verschieben, bis die Union glaubt, mehr mit den Faschisten gemeinsam zu haben als mit den anderen Demokraten.

Aber auch konservative Stimmen sind enttäuscht, selbst die, die glauben, es gäbe einen "linksgrünen Mainstream": "Was für eine gigantische Vergeudung von Ressourcen. Und hochnotpeinlich. Was für ein unnötiges Aufhetzen und Gesellschaft auseinandertreiben. Das ist alles, aber weder bürgerlich noch konservativ."

Wenn man das im Kopf behält, liest sich die Dortmunder Buffet-Nummer wie ein Lehrstück: falsche Empörung erzeugen, über Algorithmen verbreiten, politischen Druck erzeugen, und maximal später heimlich korrigieren – und die ursprüngliche Wut bleibt trotzdem im Umlauf.

Rechte Propaganda – mit Waffen und AfD-Stift?

Der vielleicht entlarvendste Teil dieser Geschichte ist nicht einmal die falsche Behauptung, sondern das Selbstbild dahinter. Zum Autor der NIUS-Story kursierte ein X-Post mit dem Text: „Falls jemand fragt, mit welchem Stift wir unsere Texte schreiben“ – dazu ein Foto, auf dem ein AfD-Stift neben Waffen inszeniert werden. Der Post scheint später gelöscht worden zu sein.

Screenshot x.com

Ob "Satire" oder ernst gemeinter Post: Das Bild ist beschreibend für die Ideologie hinter NIUS. Waffen, Lügen und AfD. Es ist klar, was die Agenda ist: Die rechtsextreme AfD stärken. Und zur Not mit (Waffen?) Gewalt.

Am Ende bleiben die Fakten, die t-online herausgearbeitet hat: Es war eine stinknormale Kantineneröffnung, selbstfinanziertes Buffet, Einladung der Pächterin, keine „Luxusparty für Bürgergeldempfänger auf Steuerzahlerkosten“. Und NIUS ist mal wieder beim Lügen aufgeflogen, will aber nicht, dass du das mitkriegst.

Artikelbild: Screenshots x.com, canva.com. Teile des Artikels wurden mit maschineller Hilfe erstellt. Wie Volksverpetzer KI verwendet. Transparenzhinweis: In einer früheren Version hieß es, sie erhält "Morddrohungen", sie erhält lediglich "Drohungen". Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

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