Minus 35% – Der Absturz der AfD: Drei Gründe für den Niedergang der Rechtsextremen

| Hintergrund | 15. Februar 2021

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AfD verliert ein Drittel ihrer Anhängerschaft in 12 Monaten

Trotz der Fake-News-Pandemie, die uns zur Corona-Pandemie heimfällt, sollte man auch positive Entwicklungen nicht aus den Augen verlieren: Der Abwärtstrend der rechtsextremen AfD geht weiter. Laut Zahlen der Forschungsgruppe Wahlen hätten im Januar 2020 noch 14% der Wählenden der Partei ihre Stimme gegeben.

Ein Jahr später fällt die rechtsextreme Partei auf 9% ab (Quelle).

Natürlich sind neun Prozent immer noch problematisch für eine Partei, die täglich lügt und betrügt und zum parlamentarischen Arm des Rechtsextremismus geworden ist. Die vielen Lügen und rechtsextremen Vorfälle der Partei braucht man gar nicht mehr alle aufzuzählen. Wenig verwunderlich, dass große Teile und viele Landesverbände bereits vom Verfassungsschutz beobachtet werden und die Beobachtung der gesamten Partei kurz bevorsteht (Quelle). Es bedeutet jedoch den Verlust von einem Drittel der Anhängerschaft innerhalb von 12 Monaten. Das ist beachtlich. Und gut für die Demokratie. Dafür gibt es drei Gründe, wie auch der Politikberater Erik Flügge in einem Beitrag aufgeführt hat (Link).

Grund 1: Die rechtsextreme Maske ist gefallen

Trotz aller Versuche der Partei ist die rechtsextreme Gesinnung ihrer Mitglieder einfach nicht mehr zu leugnen. Mitglieder, die zuvor gemäßigter waren, haben die Partei bereits entweder verlassen oder sich mit dem völkisch-nationalistischem Flügel arrangiert und ihre Rhetorik und Ideologie angepasst. Faschist Höcke und sein Flügel sind immer noch fester Kern der AfD und mit ihnen ein Neonazi-Netzwerk, das die AfD als ihre parlamentarische Vertretung nutzt.

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Trotz allem ist für den größten Teil der Deutschen eine derart offen rechtsextreme Partei keine Wahloption. Die berechtigte Brandmarkung als rechtsextrem führt dazu, dass immer mehr Wähler:innen verstehen, woran sie mit dieser Partei sind und sich abwenden. Verfassungsfeindlichkeit ist bei den meisten zum Glück immer noch ein Ausschlusskriterium. Die Lektion für die Verteidiger der Demokratie lautet deshalb: Die Verfassungsfeindlichkeit der AfD aufzeigen. Die AfD wird immer noch geschwächt, wenn man ihren Rechtsextremismus und ihre Verbindungen zum Terror anprangert.

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Grund 2: AfD scheitert mit Lösungen für Corona

Wenn man eine positive Folge der Corona-Krise benennen möchte, ist es, dass sie die politische Nutzlosigkeit der AfD offen legt. Durch die omnipräsente Krise zeigt sich, dass die AfD außer Rassismus nichts zu bieten hat. Ihre Position lässt sich zu jedem Thema mit: “Dagegen!” beschreiben. So kommt es, dass die AfD-Spitze im Frühjahr 2020, als die Gefahren der Pandemie noch nicht überall bewusst waren, versuchte, mit Panikmache zu Corona zu punkten, nur um wenige Monate später, als sie feststellte, dass ihr alle anderen Parteien recht gaben, eine 180-Grad-Wende zu vollziehen.

Es zeigte vielen Menschen: Wenn die AfD auch mal versehentlich richtig liegt, ändert sie extra ihre Meinung, um wieder dagegen zu sein. Angetrieben von den “alternativen” Fake-News-Medien sprang sie auf die gleiche Hetze, Fake News und Verschwörungsmythen wie zuvor um Schutzsuchende auf. Und außer immer gleiche, immer falsche Anschuldigungen hatte sie keine Lösungsansätze zu bieten. Es hat vielen gezeigt: Wenn es um Krisen geht, hat die AfD keine Ahnung. Die AfD ist sehr gut darin, Probleme zu simulieren. Nicht jedoch darin, sie zu lösen. Das aufzuzeigen, stellt sie bloß.

Grund 3: AfD wird ignoriert

Von Anfang an hat die AfD nicht mit guten Ideen geworben, sondern mit Provokation. Sie war so absurd, so skandalös, dass sie Schlagzeilen verursachte. Und mit Aufmerksamkeit kam die Unterstützung. Spätestens in der Corona-Krise interessiert sich keiner mehr für ihre Provokationen. Und Aufmerksamkeit ist wie Sauerstoff für die Flamme der Provokation. Wenn man die meisten ihrer bewussten Provokationen ignoriert, merken die Rechtsextremen schnell, dass sie eigentlich nichts anderes haben.

Mit schrumpfendem Support in ihrer hermetisch abgeriegelten Echokammer hetzt und lügt sie zwar weiter, aber in der echten Welt der demokratischen Parteien spielt sie keine Rolle, wenn man nicht über ihre täglichen Lügen und Hetze berichtet. Die Partei lebt von Tabubrüchen, wenn das allerdings nicht funktioniert, greift sie zu immer drastischeren Mitteln, wie als sie im Herbst Störer in den Bundestag einschleuste, damit diese Abgeordnete belästigen (Quelle). Mit solchen Methoden, die schon an die SA erinnern, schießt sie sich allerdings noch weiter ins Aus.

Fazit: Was wir daraus lernen können

Aus diesen Entwicklungen können wir wichtige Dinge im Umgang mit dem Rechtsextremismus und der AfD im Speziellen lernen. Es bringt etwas, die Verfassungsfeindlichkeit und den Extremismus der AfD aufzuzeigen. Zu zeigen, dass die Partei außerhalb des demokratischen Spektrums steht. Dass sie voller Faschisten und Neonazis ist. Die Überwachung durch den Verfassungsschutz ist dabei in der Öffentlichkeit extrem wichtig. Gleichzeitig muss man aber die immer gleichen Lügen und Provokationen nicht wiederholen.

Ohne Aufmerksamkeit versinkt die AfD in der Bedeutungslosigkeit, denn außer sinnlosen Anschuldigungen und Tabubrüchen hat sie nichts. Auf jeden Fall keine praktischen Lösungen, wie sich auch in der Corona-Krise zeigt: Die gesamte Debatte findet ohne die AfD statt. Es lohnt sich also nicht, sie als ernst zu nehmenden Diskussionspartner darzustellen, denn das ist sie nicht. Das erkennen auch immer mehr Wähler:innen. Wenn die Politik und auch alle Berichterstatter:innen das verinnerlichen, wird der Absturz des parlamentarischen Arms des Rechtsextremismus weiter gehen.

Artikelbild: Screenshot

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