Impfpflicht bedeutet die größte Freiheit – auch für Impfverweigerer

| Kommentar | 11. November 2021

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Darum brauchen wir eine Impfpflicht

In den vergangenen Monaten haben Politiker:innen eine Impfpflicht stets ausgeschlossen. Ein Teil davon lag auch in der naiven Hoffnung begründet, dass sich genug Menschen freiwillig impfen lassen würden und dass dieser Anteil ausreichen würde. Das war allerdings, bevor die Delta-Variante sämtliche Illusionen über eine Herdenimmunität zerstört hat. Jetzt ist die Situation eine völlig andere, daher muss schnell gehandelt werden. Eine Impfpflicht sollte zum Ziel haben, die Überlastung des Gesundheitswesens zu verhindern. Sie könnte sich daher primär auf Menschen beschränken, die besonders häufig auf Intensivstationen landen, beispielsweise Menschen ab 50 Jahren. Sanktionen könnten zum Beispiel Geldstrafen oder Ausgangssperren sein. Kompromisse oder Abschwächungen sind nicht zielführend.

Auch wessen oberste Priorität „Freiheit“ ist und nicht das Verhindern von Todeszahlen, eine Überlastung des Gesundheitswesens oder wirtschaftliche Schäden (alles Dinge, die aufgrund der aktuellen Situation drohen), der muss die auf den ersten Blick paradoxe Wahrheit erkennen, dass eine Impfpflicht zwar ein Eingriff in die Freiheit von einem kleinen Teil der Bevölkerung ist, jedoch nur ein kurzer und harmloser. Im Gegensatz zu den zwangsläufigen Alternativen – Lockdown, noch längere Maßnahmen und – nicht zu vergessen – der ultimative Verlust der Freiheit: der Tod.

Ziel: Lockdowns verhindern

Nur falls es jemand nicht wusste: Die Wintersaison hat gerade erst angefangen. Und wir stellen gerade einen Rekord nach dem anderen auf – 50.000 Neuinfektionen aktuell (Quelle). Es wird verschiedene, sehr harte Maßnahmen brauchen, um die Situation im Griff zu halten. Dazu zählen Lockdowns (vor allem für Ungeimpfte), verschobene Operationen in Krankenhäusern und eventuell sogar eine deutlich verschlechterte medizinische Versorgung für die gesamte Bevölkerung.

Vermutlich brauchen wir sogar alles gleichzeitig. Dagegen erscheint eine Impfpflicht als die wesentlich sanftere, günstigere und wirksamere Alternative. Wir haben eben nur die Wahl zwischen verschiedenen freiheitseinschränkenden Maßnahmen. Die Impfpflicht ist dabei die weichste. Sie verpflichtet lediglich eine Minderheit der Bevölkerung, sich eine sichere und wirksame Impfung zu holen. Das wars. Sogar die Mehrheit der Bevölkerung ist laut Umfragen dafür (Quelle).

Sie wird zwar erst in ein oder zwei Monaten wirken. Aber die Wintersaison geht bis mindestens März – die wir sonst im Lockdown verbringen müssten. Unter dem Strich sind es also auch mehr Freiheiten für Ungeimpfte, wenn man sie zur Impfung verpflichtet. Oder ist ihnen ein Lockdown lieber?

Ziel: Todesfälle verhindern

Egal wie viele Lockdowns wir machen, wie viele Regeln wir für Ungeimpfte einführen: Früher oder später werden sie sich alle infizieren. Daran wird es keinen Weg vorbei geben, Corona wird endemisch werden. Die Regeln können nur die Überlastung des Gesundheitssystems verhindern, nicht überproportional hohe Todeszahlen unter Ungeimpften. Mindestens 100.000 ungeimpfte Menschen werden, statistisch gesehen, in den nächsten Monaten in Deutschland noch sterben, wenn sie sich nicht mehr impfen. Die Maßnahmen dienen nur dazu, dass sie nicht gleichzeitig unsere Intensivstationen vollmachen und den Platz für andere Notfälle und etwaige Impfdurchbrüche stehlen. Und uns Zeit geben, zu boostern, um die Zahl der Impfdurchbrüche noch weiter zu reduzieren.

Das Virus wird die Impflücke schließen. Es ist aber enorm tödlich. Wir würden die bisherigen Todeszahlen mindestens verdoppeln.

Ziel: Wirtschaftliche Schäden verhindern

Millionen Tests, zehntausende Intensivbehandlungen, Ausschluss eines großen Teils der Bevölkerung von Veranstaltungen, all das verursacht große wirtschaftliche Schäden. Auch die Geimpften werden deutlich vorsichtiger sein und keine Risiken eingehen, wenn das Gesundheitssystem vor dem Kollaps steht. Nach 1 ½ Jahren Pandemie bräuchten wir eigentlich mal dringend wirtschaftliche Erholung statt weitere Stagnation. Wegen unserer hohen Infektionszahlen werden die Vorhersagen für die wirtschaftliche Erholung gerade nach unten korrigiert (Quelle).

Viele Unternehmen und Einzelpersonen haben sich nur mit Staatshilfen über Wasser gehalten. Sie brauchen jetzt echtes Wirtschaftswachstum, um sich zu erholen. Sie brauchen vor allem Planungssicherheit, um wieder zu investieren. Die Durchseuchung der Ungeimpften und die damit einhergehende Unsicherheit könnte sich noch Monate oder Jahre hinziehen.

Fazit

Eine Impfpflicht ist die geringste Freiheitseinschränkung unter den Optionen, außerdem rettet sie viele Menschenleben und verhindert wirtschaftliche Schäden. Alles andere ist ein „Kompromiss“, der die Pandemie noch um Monate verlängert, allen, besonders Ungeimpften, viele Maßnahmen aufbürdet – und viele vermeidbare Tote zu Folge hat. Es ist glasklar die Lösung, die für alle die meisten Freiheiten ermöglicht und den schnellsten Weg zurück in eine Normalität.

Artikelbild: 9nong

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