Wie „Spaziergänger“ versehentlich für mehr Geimpfte gesorgt haben

| Querdenker | 6. April 2022

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Was tun gegen spazierende Querdenker? Impfpatenschaften übernehmen

Wie begegnet man am besten extremistischen „Spaziergängern“, die sich in erster Linie darüber definieren und profilieren, sich wissenschafts- und demokratiefeindlich zu äußern, mit Rechtsextremist:innen zu marschieren, Andersdenkende anzugreifen und Desinformation zu glauben und zu verbreiten? Die Fraktion und der Kreisverband der Piraten in Witten haben ihre eigene und kreative Antwort darauf gefunden: man begegnet ihnen am Besten nicht nur mit FFP2-Masken und ordentlich Abstand, sondern auch mit Impfpatenschaften für Spaziergänger. Nicht nur haben die „Querdenker“ versehentlich dafür gesorgt, dass mehr Menschen geimpft wurden, am Ende war von den „Spaziergängern“ keiner mehr übrig.

Impfpatenschaften?

Pro spazierendem „Querdenker“ spendeten die Piraten nämlich bei jedem dieser Aufmärsche eine Impfdosis an das COVAX-Programm von UNICEF. Es erinnert ein bisschen an die „unfreiwilligsten Spendenläufe“ mit dem Namen „RECHTS gegen RECHTS“ der ZDK Gesellschaft Demokratische Kultur gGmbH. Dabei wurden mit jedem Schritt Schritt von Rechten via Geldspende Ausstiegsprojekte unterstützt. „Impfpatenschaften für Spaziergänger“ waren jetzt der neue Coup.

In einem Beitrag auf ihrer Stadtratsseite begründen die Piraten die Aktion wie folgt:

„(…) Von diesem Geld werden direkt über das COVAX-Programm von UNICEF dort Impfungen finanziert, wo Menschen sich den Luxus einer fragwürdigen Verweigerungshaltung nicht leisten können, sondern aufgrund schlechter Versorgung sehnsüchtig auf Impfstoff warten.“

„Wir haben uns insbesondere so deutlich gegen die so genannten Spaziergänge positioniert, weil dort viele Menschen aus dem rechten Milieu aktiv waren und Verschwörungsideologien verbreitet wurden“, erklärt der Fraktionsvorsitzende Stefan Borggraefe ihre Absichten. „Diese Demos haben wir als sehr zynisch empfunden und wollten sie irgendwie in etwas Gutes wandeln.“ (Quelle)

Kreative Gegenaktion gegen irrationale und fanatische Impfgegner

Da Gegendemonstrationen – und damit Menschenmengen – in einer Pandemie nicht zu empfehlen sind, hatten sich die Piraten rund um den Fraktionsgeschäftsführer Stefan Borggraefe Anfang Februar „Impfpatenschaften für Spaziergänger“ als konstruktiven Widerstand ausgedacht:

„Gegendemos sind nicht jedermanns Sache – nun kann man die eigene Haltung auch dadurch zum Ausdruck bringen, dass man Impfpatin oder Impfpate für einen „Spaziergänger“ wird. Ab jetzt heißt es: je mehr „Spaziergänger“ desto mehr Impfungen!“

2300€ gesammelt – und „Querdenker“ haben das „Spazieren“ aufgegeben

Dazu sammelten die Piraten Geld und alle konnten sich, egal von wo aus, an dieser UNICEF Spendenchallenge beteiligen. Am Ende der Aktion konnte das Spendenziel sogar übererfüllt werden. Ganze vier „Spaziergänge“ konnten durch die Challenge komplett durchfinanziert werden. Am Ende standen 2300€, mit denen Impfungen ermöglicht wurden, was laut Piraten letztlich circa 430 Doppelimpfungen ausmacht (Quelle). Die Querdenker haben somit für Wittens größte Impfkampagne für unterversorgte Länder gesorgt.

Die Anzahl der teilnehmenden „Spaziergänger“ sank dabei übrigens von Woche zu Woche. Mitte März haben die Piraten die Aktion dann wegen der geringen Teilnehmerzahlen der „Querdenker“ beendet. Stefan Borggraefe betonte im Übrigen, dass „nachmachen selbstverständlich erlaubt“ sei.

Ergänzung vom 07.04.2022: Nach Veröffentlichung dieses Artikels erhielt die Redaktion die Information, dass der Ursprung dieser Aktion in einem kleinen schwäbischen Dorf namens Ofterdingen sei. Sie wurde von einer 6 köpfigen Initiative ins Leben gerufen und auch andere Ortschaften wie z.B. Goslar kopierten dieses Konzept bereits. Insgesamt sei durch all diese Aktionen bereits eine Spendensumme von 60.000€ für Covax erzielt worden sein. Nähere Informationen dazu auch unter www.impfpatenschaft-qd.de.

Artikelbild: Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa

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