Wie diese gebürtige Bayerin behandelt wurde, weil sie Dirndl trägt, ist einfach nur traurig

Kolumne Schwer Verpetzt

Mein Lachen täuscht, schreibt Imoan.

In einem Facebook-Beitrag schreibt die 26-jährige gebürtige Bayerin von einem Erlebnis, das sie schwer von ihrem Heimatland enttäuschte. Sie und ihre Freundinnen hatten beschlossen, auf das Weinfest in Traiskirchen zu fahren. Sie zogen sich ganz traditionell Tracht an. „Ich habe mich wunderschön und stark gefühlt, als ich heimkam war ich den Tränen nahe.“

Imoan trägt oft Dirndl, ihre Großmutter nähte ihr einige Kleider selbst, sie war auch im Trachtenverein. Ist unzählige Fotos mit Touristen gewohnt. Sie ist glücklich, diese bayerische Tradition mit ihren Freundinnen zu erleben. Doch angekommen ändert sich das.



„Alle Augen sind auf uns gerichtet. Nein auf MICH!“

Aber kaum steigt sie aus der Bahn aus, kommt es zum ersten rassistischen Vorfall: „Jetzt hab ich alles gesehen, ein N*ger im Dirndl, das kann ich jetzt abhaken“. Eine Gruppe von 16-17 jährigen Jungs. Imoan ist entsetzt. Auf dem Fest sind alle Augen auf sie gerichtet. Die Leute reden über sie. „Eine schwarze im Dirndl!“ Sie wird angestarrt, es wird gelästert, mal böse, mal belustigt. Sie hört Getuschel, Gelächter. Es ist Horror.

„Ich fühle mich wie eine Aussätzige. Beobachtet und exponiert. Ja ich weiß, einige haben sich sicherlich gedacht wie hübsch ich heute aussehe. Ich habe mich gefühlt wie ein Alien, als wäre ich hier verboten.
Ich resigniere und schaffe es, bis zum Heimgehen nicht auszurasten. In mir kocht es, ich will mit meinen Freunden einfach nur einen feinen Abend haben.“

Ihre blonde Freundin in Lederhosen wird akzeptiert, aber eine Schwarze im Dirndl zieht verachtende Blicke auf sich. Was ist mit diesen Menschen los? Wir haben 2018. Es gibt nicht nur weiße Menschen bei uns, hat das noch niemand erfahren? Und sie ist hier geboren! Sie trägt Dirndl und geht auf ein Weinfest. Wie sehr kann man Teil des Landes und der Kultur sein, um akzeptiert zu werden?

„Was habe ich getan?“

„DAS ist meine Kultur. Ich kenne nur Bayern und Österreich. Lederhosen und Bier. Ich fühle ich mich meiner selbst beraubt. Für diese Leute ist ein „Neger in Tracht“ eine Karikatur, für den ein oder anderen gar eine Beleidigung. Am liebsten möchte ich gar nichts mehr damit zu tun haben, ich schäme mich für Seehofer und Söder, wo ist eure gmiadlicheid, zefix?“

Imoan ist verletzt, fühlt sich ausgeschlossen und eingeschränkt. Sie ist auf solchen Veranstaltungen anscheinend nicht erwünscht. Sie sagt: „Strache und Co haben recht, es gibt No-Go Areas, für mich Mittlerweile definitiv. Am liebsten würde ich mir die Decke über den Kopf ziehen, mich verstecken und nicht mehr raus gehen.“

Es ist eine Schande, wie eine junge, deutsche Frau auch 2018 immer noch ausgegrenzt wird, lediglich auf ihrer Hautfarbe. Mein Appell an meine deutschen und vor allem bayerischen Mitbürger: Schweigt nicht, wenn andere mit dem Finger zeigen. Sagt was. Widersprecht. Wir dürfen dieser Ausgrenzung nicht stillschweigend zusehen. Imoan möchte ein Teil dieser angeblichen „Leitkultur“ sein. Sie ist Teil davon. Aber die Weißen sollen das gefälligst auch akzeptieren.

Artikelbild: Imoan Kinshasa

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1 Kommentar
  1. Streuner sagt

    Kopf hoch und Rücken gerade, Madl!
    Du hast nix verbrochen, und – leider! – gibt es Idioten über all. Die haben halt leider nur im Rudel den Mut, ihre verbale Gülle aus zu kotzen, und neuerdings ist dieser widerliche Mist auch noch salonfähig. Bah.

    Nicht den Mut verlieren..

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