Wieso Querdenker:innen einen Shitstorm gegen die Augsburger Puppenkiste gestartet haben

| Social Media | 14. April 2021

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Was für ein Kasperletheater!

Wisst ihr, womit man Querdenker:innen und Pandemie-Leugner:innen so richtig auf die Palme bringen kann? Noch mehr als mit einer Maskenpflicht? Richtig, mit einem Marionettentheater für Kinder. Ja, genau: mit Kinderfernsehen. Konkret mit einem Video der Augsburger Puppenkiste. Wir haben es auch erst nicht glauben können, ist aber wirklich so. Querdenker:innen haben zum Shitstorm gegen das Kasperle aufgerufen. Hier gibt es das Video, auf das wir uns beziehen:

Kindgerechte Schnelltestanleitung

Zu sehen ist ein renitentes Coronavirus, welches sich nicht einsperren lassen möchte und mächtig Gezeter betreibt. Dr. Kasperl hat die Faxen dicke. Er befindet sich im Corona-Labor und erläutert mehrmals die AHA+L-Regeln. Das Virus selbst ist „not amused“. Weiterer Akteur in dem 8-minütigen Video ist das Erdmännchen Erwin, welches vorführt, wie man einen Selbsttest sach- und fachgerecht durchführt. Wie gewohnt kommt dabei für die Eltern der Spaß durch Kalauer wie: „Husten, wir haben ein Problem“ aber auch nicht zu kurz.

Augsburger Puppenkiste und Bayerisches Staatsministerium

Die Augsburger Puppenkiste führt seit 1948 Märchen und Schauspiele auf der Bühne auf und begeistert dabei nicht nur Kinder. Urmel aus dem Eis ist dabei eines der bekanntesten Stücke. Jetzt reiht sich aber auch Dr. Kasperl ein und ist direkt auf Platz 14 der YouTube-Trends geklettert. Das Video wurde vom Kanal „Schule in Bayern“ am 10.04.2021 veröffentlicht und vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus beauftragt. Stand 14.04.2021 hat es knapp 680.000 Aufrufe. Gedacht war das Video, um den Schüler:innen die korrekte Anwendung beizubringen – eben auf kindgerechte Art und Weise.

Wer hätte gedacht, dass Dr. Kasper so schnell ernsthafte Konkurrenz im Kasper-Universum bekommt? Es dauerte nicht lange, bis die Ersten mit einem Shitstorm gegen den BR, die Augsburger Puppenkiste und natürlich das Staatsministerium starteten.

YouTube-Kommentare

Einer der YouTube-Kommentare lautete zum Beispiel: „Die Puppenkiste ist für mich gestorben. Jeder Besuch meinerseits für die nächsten 100 Jahre gestrichen.“

Gut, abgesehen davon, dass diese Person wohl kaum eine so hohe Lebenserwartung hat, dürfte die Augsburger Puppenkiste seit gestern aber auch massig neue Fans dazugewonnen haben, die diese Mindereinnahmen wieder kompensieren sollten.

Was wir auch gelernt haben: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg, wenn man unbedingt einen kausalen Zusammenhang finden will: Marionettentheater MUSS ja ein Zeichen sein, immerhin sind das alles „Staatsmarionetten“.

Schlimmer noch: „Zweifelhafte Testanleitungen“ führen nach Logik mancher Querdenker:innen demnach auch direkt zum Suizid. Das sind natürlich reine Verschwörungsmythen und Fake News, für die es keine Belege gibt.

Eine neue Studie im „Lancet“ zeigt, dass in 21 Ländern kein besonderer Anstieg an Selbstmorden aufgrund von Corona-Maßnahmen verzeichnet wurde (Quelle).

Faktencheck: Wo Marlene Lufen Recht hat & wieso ihr Querdenker applaudieren

Unterschätzt nie die Dynamiken des Internets

Aus einem Shitstorm kann auch ruckzuck ein couragierter Candystorm werden. Das Video der Augsburger Puppenkiste beweist es. Mittlerweile hat es 22.455 positive Likes erhalten, ist erst durch die Diskussion in die YouTube-Trends gekommen und hat medial in ganz Deutschland eine Reichweite erzielt, die es ohne den Shitstorm sonst nie bekommen hätte.

Ein Happy End gibt es übrigens nicht nur bei diesem Shitstorm, sondern auch im Video: Schaut es euch doch einmal an, hinterlasst ein Like und einen positiven Kommentar 🙂

Artikelbild: pixabay.com, CC0

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