So treffend rechnet Dunja Hayali mit den Freiburg-Hetzern ab

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Freiburg und darüber hinaus…

Nach der abscheulichen Gruppenvergewaltigung in Freiburg eskalieren die Rechten. Dunja Hayali entlarvt die Heuchelei der Hetzer, die ihr entweder wünschen, vergewaltigt zu werden oder sich hämisch freuen, dass Asylbewerber die Täter waren. Und zeigt auf, wie eine nicht-rassistische Reaktion aussehen sollte.



Hier ihr starker Text:

„Umgehend nach den ersten Nachrichten über die abscheuliche Gruppenvergewaltigung in Freiburg erhielt ich die Aufforderung, mich doch nun endlich mal zu meinen „geliebten Ficki-Ficki-Freunden“ zu äußern… Aha. Das lässt tief blicken. Da hatte wohl jemand ganz viel Mitgefühl mit dem Opfer.

Die Gruppenvergewaltigung, die in Freiburg passiert ist, ist entsetzlich, schrecklich, widerlich und abstoßend. Wie übrigens jede Vergewaltigung. Und jeder Täter gehört auch entsprechend bestraft. Anteilnahme und Mitgefühl gelten aber auch hier zunächst und ganz deutlich dem Opfer! Schaut man durch die Kommentare unter den Berichterstattungen, interessiert das Opfer in den meisten Fällen aber wohl (fast) niemanden und wenn, dann wird es oft auch noch zu eigenen Zwecken instrumentalisiert.

Mal abgesehen von der Tat weiß ich nicht, wen ich nun perfider finde:

Die, die einem nun das Gleiche wünschen (s.Bild: gestern Abend z.B. „empfahl“ mir jemand, ich solle doch mal in eine Freiburger Disko gehen, weil mir die „Erfahrung“ bestimmt helfen werde. Weil es dann bei mir nicht so schlimm wäre-weil es dann ja irgendwie „die Richtige“ treffen würde?), damit man endlich verstehe, was in diesem Land los ist.

Oder die, die sich hämisch darüber freuen, dass die Täter Flüchtlinge/Asylsuchende waren. Nebenbei erwähnt soll ja auch ein Deutscher dabei gewesen sein, was die Tat weder schlimmer noch weniger schlimm macht. Abgesehen davon sei das natürlich ja gar kein Deutscher, er habe nur einen deutschen Pass, „Maus im Pferdestall“, sie wissen schon. Aber dann rumjammern, wenn man solche Äußerungen rassistisch findet. Da frage ich mich: wer lenkt hier von was ab? Nun ja.

Jetzt hat sich der Vater des Hauptverdächtigen in der Bildzeitung geäußert

„Majid war nach unserer Flucht immer wieder aggressiv, hatte Ärger mit der Polizei“. Er sei zuvor bereits verurteilt worden, weil er jemanden verletzt habe. „Wenn mein Sohn die Frau tatsächlich vergewaltigt hat, werde ich dafür sorgen, dass er nicht in Deutschland bleibt.“

Vielleicht ehrbar gemeint, allerdings ist das nicht primär seine Aufgabe. Und hier ist der Punkt, in den endlich mehr Nachdruck gebracht werden muss: Bereits auffällige, (z.T. bereits abgelehnte) Asylbewerber oder Flüchtlinge werden (erneut) straffällig, manche tauchen unter, manche radikalisieren sich. Da war der Attentäter vom Berliner Breitscheidplatz, Anis Amri, nur die bestürzende Spitze des Eisbergs.
Die Gründe, warum und wie das passiert, sind vielfältig, auch darüber muss gesprochen und es muss gehandelt werden. Aber mindestens genauso wichtig ist die Frage: was lernen wir daraus, wie reagieren wir, welche Konsequenzen müssen endlich gezogen werden?

Dass Abschiebeverfahren zu lange dauern, dass sie aus 1000 Gründen rechtlich nicht umgesetzt werden (können) und auch Weiteres in diesem Zusammenhang kann ja kein Ist-Zustand bleiben!

Was also braucht es?

Braucht es eine Verschärfung bzw. eine Veränderung unserer Abschieberegeln und Verfahren? Das würde ziemlich sicher eine Grundgesetzänderung mit sich bringen-was aber in diesem Zusammenhang nicht tabu sein darf. Ich kann nicht beurteilen, ob das geht, ob das was bringen würde, aber es muss etwas passieren.

Für die anständigen Flüchtlinge, Asylbewerber und Migranten, weil sie zunehmend für einige zum Sündenbock für alles gemacht und unter Generalverdacht gestellt werden. Für die, die sich um Schutzbedürftige kümmern und die Häme und den Hass jeden Tag zu hören und zu spüren bekommen.
Und besonders: Für uns alle, die in diesem Land friedlich, sicher und beschützt zusammenleben wollen.

Und bevor hier irgendwelche Unverbesserlichen gleich schreiben:

„Guck mal, die Hayali ist umgekippt, jetzt hat sie es endlich begriffen…“

Lassen Sie es, denn das ist a) Quatsch, ich kritisiere u.a. die Abschiebungsproblematik bzw. das Nicht-Habhaftwerden Krimineller schon lange und b) es hilft vor allen Dingen der Debatte nicht weiter.
Man kann sowohl Dinge, die schieflaufen, kritisieren und anprangern, als auch weiterhin für eine offene, tolerante, hilfsbereite Gesellschaft sein. Es ist nicht alles „entweder-oder“ oder „schwarz-weiß“.

Dem Opfer dieser schrecklichen Tat, dieser jungen, missbrauchten Frau, wünsche ich alles nur erdenklich Gute auf dem mit großer Sicherheit sehr schweren Weg der Bewältigung!“

Freiburg und darüber hinaus… Umgehend nach den ersten Nachrichten über die abscheuliche Gruppenvergewaltigung in…

Gepostet von Dunja Hayali am Sonntag, 28. Oktober 2018

Artikelbild: Frank Schwichtenberg CC BY-SA 3.0

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