Studie: Hälfte der Beiträge in rechten Anti-EU-Gruppen ist Fake

| Social Media | 3. Februar 2020

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Studie über Wahrheitsgehalt in rechten Anti-EU-Gruppen

Die Ergebnisse einer Studie der Digital Methods Winter School and Data Sprint aus Amsterdam zeigen ein vernichtendes Ergebnis: Über 50 % der analysierten Beiträge in rechten Anti-EU-Facebook-Gruppen ist entweder falsch oder irreführend. Das Team untersuchte über 10.000 Posts in 42 großen und aktiven Facebook-Gruppen aus ganz Europa im Zeitraum zwischen dem 7. und dem 15. Januar 2020.

Neben selbsterklärenden Gruppen wie “I’M A BREXITEER”, “Stop Kebab” oder “ITALIANI PATRIOTI” waren unter anderem deutschsprachige Gruppen wie “Gelbe Westen”, “Stoppt die Deutsche Umwelthilfe (DUH)!”, “TEAM 69 – EU Austritt” oder “AFD-Deutschland ‘Gruppe'” unter den Überprüften.



Ausführliches fact-checking

Das Team analysierte anschließend die 10.000 Beiträge mit den jeweils meisten Interaktionen und untersuchte Inhalt, Kontext und visuelle Hinweise. Dabei wurden insbesondere zwischen Fake News und irreführenden Meldungen unterschieden. Also Inhalten, die konkrete Falschaussagen verbreiteten und anderen, die durch Kontext oder visuelle Aufbereitung irreführend waren.

Die Untersuchungen zeigten, dass 51,7 % der Inhalte entweder Fake News oder irreführend waren. In britischen Gruppen dominierte Brexit, in Tschechien Migration und in Deutschland, dass “linke” und “grüne” Parteien schlecht für die Wirtschaft seien. Desweiteren klassifizierten sie die verschiedenen Formen wie Desinformation/Falschmeldungen aufbereitet werden können:

Dazu zählt das Verbreiten alter Meldungen, unbestätigter Anschuldigungen, manipulierte Bilder, Andeutungen, die Falschdarstellungen suggerieren, Aussagen und Bilder, die aus dem Kontext gerissen wurden, Übertreibungen oder das ständige Wiederholen aller dieser Dinge. Besonders die Verbreitung von alten (oft falschen) Meldungen findet sich vermehrt in diesen Anti-EU-Gruppen.

So wurde beispielsweise entdeckt, dass eine (Fake-)Story aus dem Jahr 2015 vermehrt in den englischsprachigen Anti-EU-Gruppen verbreitet wurde und parallel dazu auch die Google Trends einen Zuwachs an Interesse dazu verzeichneten. Die Hälfte aller Beiträge stammte darüber hinaus von einer besonders aktiven Gruppe an Nutzer*innen.

Schlussfolgerung

Die wichtigste Empfehlung der Verfasser*innen der Studie: Dass Facebook und andere Social Media Plattformen das Veröffentlichungsdatum von Artikeln mit anzeigen sollte. So könnte verhindert werden, dass regelmäßig alte Medienberichte geteilt werden, um erneut Empörung auf Ablehnung hervorzurufen – und eine höhere Frequenz solcher Meldungen zu simulieren.

Sie fordern darüber hinaus stärkere Regulierungen und Strafen für Medienunternehmen, die falsche oder absichtlich irreführende Schlagzeilen formulieren. Auch wird kritisiert, dass die Vorschau in Facebook nach Veröffentlichung nicht mehr zu ändern ist, was die Fehlerkorrektur unmöglich macht. Facebook sollte auch alle Nutzer*innen, die eine Falschmeldung geteilt haben, darüber informieren, dass es eine Falschmeldung war, sobald sie von der Website gelöscht wurde.

Die Gruppe stellt fest, dass Desinformation nicht nur aus direkten Falschaussagen besteht, sondern schon durch Andeutungen, Auslassungen und Re-Kontextualisierung und wenigen Wörtern irreführend wirkt und rassistische und EU-feindliche Narrative bestätigt. Facebook und die Medienorganisationen tragen dabei eine sehr große Verantwortung. Akademiker*innen, Journalist*innen und Faktenchecker*innen müssen darüber hinaus viel proaktiver gegen Fake News vorgehen als bisher.

Artikelbild: pixabay.com, CC0

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