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Butscha: Leichen wurden direkt nach der Befreiung gefunden – Faktencheck

von | Apr 4, 2022 | Aktuelles, Faktencheck, Ukraine

Russen lügen über Leichenfunde in Butscha

Nach dem Rückzug russischer Truppen aus der Region um die ukrainische Hauptstadt Kyjiw sind in der Stadt Butscha über 300 getötete Einwohner:innen entdeckt worden. Russland wird schrecklicher Kriegsverbrechen beschuldigt. Westliche Staats- und Regierungschefs verurteilen die Tötung unbewaffneter Zivilisten in Butscha und den umliegenden Gebieten von Kyjiw. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskij bezeichnete den vom Kreml angeordneten Angriff auf sein Land als Völkermord, nachdem örtliche Behörden berichtet hatten, dass in den Städten Butscha, Irpin und Hostomel nahe der Hauptstadt zahlreiche Zivilist:innen getötet worden seien (Quelle).

Nach dem Rückzug der russischen Truppen werden viele Kriegsverbrechen der russischen Soldaten berichtet, Hinrichtungen, Vergewaltigungen und Plünderungen bekannt. Eine ausführliche Dokumentation diverser Kriegsverbrechen wird jetzt, da wieder unabhängige Berichterstattung Zugang bekommt, gerade zu einer grausamen Liste aufgeführt und weiter untersucht (Quelle).

Inhalts-Warnung: Ab hier zeigen wir Fotos und Details aus Butscha.

Leichen in den Straßen direkt nach Rückeroberung gefunden

Zunächst einmal zur Timeline, weil diese für das Erkennen der Wahrheit und das Durchschauen russischer Lügen wichtig ist.

Bereits für Anfang März gibt es Augenzeugenberichte von Human Rights Watch über Hinrichtungen von Zivilisten in Butscha (Quelle).

Am 19. März sind auf Satellitenbildern der privaten Firma Maxar bereits Leichen auf den Straßen von Bucha zu sehen, deren Standort exakt den später im Video zu sehenden entspricht:

Am 30. März war Butscha noch in russischer Hand.

Am 30. März noch zeigen Bilder russische Truppen in Butscha:

Erst am 31. März beginnt der größere Abzug russischer Truppen aus Butscha (Quelle). Der Facebook-Account des Bürgermeisters veröffentlicht an diesem Tag bereits ein Video über Menschenrechtsverletzungen (Quelle). Das ist der Tag, den der Bürgermeister vor Ort später als „Tag der Befreiung“ bezeichnet. Das wird noch relevant. Tagsüber am 1. April rücken nun wieder ukrainische Truppen in das verlassene Gebiet ein (Quelle). Am Abend des 1. April spricht der Bürgermeister von Butscha von der Befreiung der Stadt:

Am gleichen Tag (1. April) werden Bilder der Leichen in den Straßen veröffentlicht. Die Videos wurden offensichtlich tagsüber aufgenommen:

Später wird noch ein weiteres Video aus demselben Konvoi (also vom 1. April) veröffentlicht, welches auch bereits Leichen mit gefesselten Händen zeigt:

Die Videos wurden ausführlich analysiert und zeigen tatsächlich Butscha (Quelle).

Am 2. April vermeldet das ukrainische Verteidigungsministerium, die Region sei unter ihrer Kontrolle (Quelle).

Putin-Propagandisten wollen Kriegsverbrechen leugnen

Die Straßen der Kleinstadt seien mit Leichen übersät, sagt der Bürgermeister. Es stünden Autos auf den Straßen, in denen „ganze Familien getötet wurden: Kinder, Frauen, Großmütter, Männer“. Nach seinen Angaben mussten 280 Menschen in Butscha in Massengräbern beigesetzt werden. Es gibt unzählige Beweise für Massengräber und Tote.

Die russische Lügenpropaganda versucht jetzt, wie schon so oft, ihre Verbrechen zu leugnen. Die russische Botschaft lügt auf ihrer Seite darüber, wann die Beweise für die Leichen gefunden wurden. Sie behaupten, die Videobotschaft des Botschafters sei vom 31. März (wie wir oben sahen, war es der 1. April) und sie behaupten, die Videos und Beweise seien erst am 4. April aufgetaucht. Wie wir oben gesehen haben, gibt es diese Videos schon seit dem ersten Tag der Befreiung. Hier wurden sie offen beim Lügen erwischt.

Die Strategie der Lügner und Kriegsverbrecher ist natürlich: Zu unterstellen, dass es sich bei den Videos und Leichen um Fälschungen der Ukraine handele. Es ist eine leicht zu durchschauende Lüge. Auch die deutschsprachigen Kreml-Kriegsverbrechen-Leugner und Pro-Putin-Propagandisten auf „Anti-Spiegel RU“ plappern die Lüge nach und behaupten auch noch, „fundierte Medienkritik“ zu betreiben.

Fazit: Putin Schergen lügen euch dreist ins Gesicht

Die vermeintlichen Widersprüche und ein zeitlicher Abstand zwischen den Funden der unzähligen Leichen in Butscha und der Befreiung existiert nicht. Der Bürgermeister hatte bereits am Tag zuvor ein Video gepostet, in welchem er Menschenrechtsverletzungen schildert. Dass er in einem Video nicht Leichen auf den Straßen erwähnt, die bewiesenermaßen am gleichen Tag gefunden wird, ist kein Gegenbeweis. Und nur ein Propaganda-Ablenkungsmanöver.

Und die Beweise stammen ja nicht von der ukrainischen Regierung, sondern wurden von zig unabhängigen internationalen Journalist:innen belegt. Economist:

CNN:

BBC:

Oder der deutsche Enno Lenze:

https://twitter.com/ennolenze/status/1510626996379959296

Russland und Putins Armee sind für unzählige Kriegsverbrechen in der Ukraine und in ButschaБуча verantwortlich. Mit dreisten Lügen wollen sie davon ablenken und Verunsicherung streuen.

Außerdem:

Zum Thema:

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Artikelbild: shutterstock.com / Screenshots

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