Putin Propagandist: „Keine Gnade“ für die EU, sobald man mit Ukraine fertig ist

| Ukraine | 27. April 2022


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„Die Ukraine ist Putin nicht genug“ – Kreml-Propagandisten werben für eine Ausweitung des Krieges

Es wird keine Gnade geben, wenn Russland mit der Ukraine fertig sei, warnt Propagandist Vladimir Solovyov im russischen Staatsfernsehen. Das zeigt: Hinter den jüngsten Angriffen auf Transnistrien steckt System. Und macht wieder mal deutlich, dass Putin nicht nur auf den Krieg in der Ukraine abzielt.

Noch vor ein paar Wochen sagte der moldawische Außenminister bei einem Besuch in Washington noch, er schätze die Situation in der prorussische selbsterklärte Separatistenrepublik des Landes als relativ sicher ein (Quelle). Gestern Nachmittag änderte eine Pushnachricht dieses Bild schlagartig: Im Ministerium für Staatsicherheit ist es zu mehreren Schüssen bekommen, das berichtete zumindest die russische Nachrichtenagentur TASS und der örtliche TV Sender.

Bilder der Nachrichtenagentur Reuters zeigen zersplitterte Fenster. Die Fotos sind nicht verifiziert, der Ursprung konnte noch nicht geklärt werden – aber eins ist klar: Russland hat bisher als Einziges die an die Ukraine grenzende Region Transnistrien als eigenständigen Staat anerkannt (Quelle). Außerdem sind 1.500 russische Soldaten in Transnistrien stationiert, wie der Deutschlandfunk berichtete (Quelle). Schon ein paar Tage vorher war man alarmiert: Das Außenministerium bestellte seinen russischen Botschafter ein und forderte vom Kreml, die „territoriale Souveränität“ und „Neutralität“ des Landes zu beachten (Quelle).

Moskau setzt sich neue Kriegsziele – und handelt

Doch Moskau hat sich da andere, neue Kriegsziele gesetzt: Man wolle die Ukraine von jedem Meereszugang abschneiden. Transnistrien liegt am Schwarzen Meer, bis hierhin wolle man vordringen, das verkündete der russische Generalmajor Rustam Minnekajew vor ein paar Tagen. Die vermeintlich altruistische Begründung erinnert uns an die Ukraine: Dort müsse man einschreiten, weil die russischsprachige Bevölkerung des abtrünnigen Teils Moldawiens unterdrückt werde (Quelle).

Von Odessa nach Transnistrien sind es 60 Kilometer, und die Gegend ist schon jetzt Putin-Nah: Der Pseudostaat lebt von russischem Geld und günstigem Gas, die Struktur des politischen Systems orientiert sich am russischen Vorbild. Trotzdem sagte auch der Präsident der Separatistenrepublik, Wadim Krasnoselski, er bedaure die Ereignisse in der Ukraine (Quelle).

Ob das den Kreml beeindrucken wird, ist fraglich. Schon seit Wochen reden russische Propagandisten davon, dass NATO und die ganze Welt angegriffen werden sollten. Ganz vornedran ist er mit dabei: Vladimir Solovyov. Erst am Montag beschuldige Putin den Westen, Russland zerstören zu wollen und dass sein FSB einen Mordversuch an Solovyov verhindert habe. Eine terroristische Gruppe habe den russischen TV-Journalisten ermorden wollen. Die Ukraine wies das zurück, die Aussagen sind nicht verifiziert. Solovyov selbst äußerte sich dazu bis jetzt nicht (Quelle).

Propagandist Solovyov: „Denk mal nach. WIR HÖREN NICHT BEI DER UKRAINE AUF“

Dabei nimmt es der einflussreiche Journalist, der von manchen als „Chamäleon“ bezeichnet wird (Quelle) mit der Wahrheit nicht ganz so genau, oder besser gesagt: Er orientiert sich sehr gerne an Putins Wahrheit: Dem Narrativ, dass die Ukraine entnazifiziert werden müsse. Nur, dass der Moderator der Talkshow „Sonntagabend mit Solovyov“ sehr deutlich macht, dass es mit der Ukraine nicht vorbei sei.

„Wenn du glaubst, wir hören bei der Ukraine auf, dann denk noch 300 Mal mehr nach, höhnt er in der Talkshow. „Lass mich dich erinnern, dass die Ukraine nur eine Zwischenstufe ist, um die strategische Sicherheit der russischen Föderation zu gewährleisten.“ (Quelle) Die Aufnahme sind schon von Mitte März, doch man hätte beliebige nehmen können, denn Russlands treuer Journalist hat diese Aussage noch ein paar Mal mehr rausgehauen.

Es wird keine Gnade geben – wenn wir nicht handeln

In einem von der britischen Journalistin Julia Davis geteilten Video machte er deutlich: „Und es wird keine Gnade geben. Es wird keine Gnade geben.“ De facto sei Putin schon jetzt mehr im Krieg mit den NATO Ländern, da es ihre Waffen seien und auch einige Generäle, schwurbelte Solovyov. Nicht nur die Ukraine müsse „entnazifiziert werden“.

Der Krieg gegen Europa und gegen die Welt erfordere ein härteres Vorgehen, ein anderes Handeln. „Wenn diese Operation vorbei ist, wird die NATO sich fragen müssen: Haben wir getan was wir brauchten um uns selbst zu verteidigen? Haben wir die Leute um uns zu verteidigen?“ Diese Frage könnte er gerne mal an Olaf Scholz selbst stellen, der sich seit Tagen weigert, Zugeständnisse bei seiner Verweigerung zu schweren Waffenlieferungen in die Ukraine zu machen. Dabei zeigt sich an den Aussagen der russischen Propagandisten, dass Putin schon lange viel größer denkt als nur über die Ukraine.

Es gibt schon längst einen Kalten Krieg – Putin sieht sich schon im Krieg mit dem Westen

Hintergrund dazu liefert auch ein Gespräch mit dem im Ex-Oligarchen Mikhail Khodorkovsky, der nun im Exil lebt. „Wir müssen verstehen, dass Putin nicht mit der Ukraine im Krieg ist. Er ist im Krieg mit der USA und mit der NATO. Das hat er schon mehr als einmal gesagt“, bekräftigt der Ölmogul im Gespräch mit einem Journalisten des CNN. Putins Propagandisten hätten schon damit angefangen, die russische Bevölkerung auf einen Angriff auf die NATO Staaten vorzubereiten. „Sie reden sehr viel darüber“, meinte Khodorkonsky. „Ich bin absolut überzeugt, dass es nicht vorbei sein wird, wenn Putin denkt, er hat in der Ukraine gewonnen. Dann sind der nächste Schritt die baltischen Länder.“

Putins Mission sei, der Welt seine Herrschaft mitzuteilen. „Wenn Scholz und Macron sagen, sie wollen an diesem Krieg nicht teilnehmen, ermutigt das Putin nur, Massenvernichtungswaffen einzusetzen.“ Das zeigt deutlich: Wir sind längst im Krieg mit Putin, egal ob wir schwere Waffen liefern oder nicht. Es kommt nur darauf an, wie konsequent wir reagieren, wie lange wir Putin so weitermachen lassen.

Artikelbild: Screenshots

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