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Die AfD schreibt bei der AfD ab – samt peinlicher Fehler!

von  | Aktuelles | 15. Mai 2026 |  6 min

Die AfD ist eine rechtsextreme Partei mit unmenschlichen, rassistischen und rechtswidrigen Plänen. Das sollte ausreichen, um sie von jeglicher politischer Verantwortung fernhalten zu wollen. Aber zusätzlich macht sie als Oppositionspartei auch immer wieder peinliche handwerkliche Fehler.

Zuletzt habe ich hier bei Volksverpetzer über die AfD Bayern geschrieben, die einen Antrag zur Pfanderhöhung stellte, in dem Wissen, dass der Verband, auf den sie sich bezog, sich von dem Antrag distanzierte – mit einer nachvollziehbaren Begründung. Na ja. Die Bundestagsfraktion der AfD hat sich jetzt einen noch viel peinlicheren Fail geleistet.

Peinlicher Fail: AfD schreibt bei sich selbst ab

Die AfD-Fraktion hat im Mai 2026 im Bundestag einen Antrag mit dem Titel „Deutschland braucht mehr Kinder –  Neuausrichtung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung“ gestellt. Etwas wirklich Substantielles zur Lösung demografischer Probleme sucht man darin vergebens. Doch zu den Inhalten kommen wir gleich.

Screenshot Instagram-Reel @fabiangrischkat

Denn erst einmal ist der ganze Antrag handwerklich Murks. Wie News-Influencer Fabian Grischkat herausgefunden hat, hat die AfD diesen Antrag nahezu wortgleich schon 2024 gestellt. So wortgleich, dass sogar der Tippfehler „lässt“ statt „löst“ im Satz „Zuwanderung lässt die demographischen Probleme Deutschlands nicht“ nicht korrigiert wurde.

Screenshot AfD-Antrag

Okay, sich über Tippfehler lustig zu machen, ist jetzt auch nicht ganz unser Niveau. Aber er zeigt gut, dass hier offensichtlich einfach der Antrag von 2024 kopiert, ein etwas knackigerer Titel darüber geschrieben und die konkreten Bedienstetenzahlen, die man 2024 für das Bundesinstitut forderte, herausgestrichen wurden. Und die Achtlosigkeit, mit der dieser Antrag geschrieben wurde, wird an noch mehr Fehlern sichtbar.

Falscher Abteilungsname im AfD-Antrag 

Kern des Antrags ist die Forderung, dem Geburtenrückgang in Deutschland entgegenzutreten, indem man – das Familienministerium, das Bundesinstitut für Bevölkerungsentwicklung (BiB) und eine Abteilung des Familienministeriums umbenennt. Jup, das ist die Lösung der AfD.

Der, zugegebenermaßen, etwas sperrige Name „Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend“ („kurz“ BMBFSFJ) soll zu „Bundesministerium für Familie und Bevölkerungsentwicklung“ geändert werden und das BiB in „Bundesinstitut für Deutsche Bevölkerungsentwicklung“. Das offenbart vielleicht eine gewisse Obsession für deutsche Babys, hat aber rein gar keine Auswirkungen auf die Demografieentwicklung. Das BiB erforscht schon jetzt „die Ursachen und Folgen des demografischen Wandels mit dem Ziel der Politikberatung und der Information der Öffentlichkeit.“ Als Bundesinstitut tut es dies natürlich primär für die deutsche Politik und Öffentlichkeit. Die demografischen Entwicklungen auch in anderen Ländern miteinzubeziehen ist nur logisch, will man wirklich sinnvoll zum Forschungsstand beitragen.

Richtig peinlich wird es dann bei der Umbenennung der Abteilung 3 des Familienministeriums. „Im BMFB (Anm. d. Red.: Das wäre die neue Abkürzung der AfD) ist die bisherige Abteilung 3 „Demographischer Wandel, Ältere Menschen, Wohlfahrtspflege“ umzugestalten in die neue Abteilung 3 „Demographieziele, Bevölkerungsentwicklung und Willkommenskultur für Kinder“” schreibt die AfD. Nur: So heißt diese Abteilung seit ungefähr November 2025 nicht mehr. Unter Familienministerin Karin Prien heißt Abteilung 3 nun „Frauen und Gleichstellung“. Ein Fakt, den man als Mitglied des Bundestages durchaus wissen oder bei der Bearbeitung des kopierten Antrags nochmal nachschauen könnte.

Schon der Original-Antrag war veraltet!

Doch wir sind noch nicht am Ende der Fails angekommen. Die AfD fordert nicht nur Umbenennungen. Nein, das Bundesinstitut für Bevölkerungsentwicklung (BiB) soll auch von einer rechtlich unselbstständigen Einrichtung des Bundes in eine „bundesunmittelbare rechtsfähige Anstalt des öffentlichen Rechts“ überführt werden, künftig Demografieziele definieren und Handlungsempfehlungen für die Regierung herausgeben (letzteres tut es laut Aufgabenbeschreibung ja schon). Auch zwei der vier Forschungsschwerpunkte des BiB möchte die AfD ändern: „Urbane und ländliche Räume in Deutschland“ statt „Migration und Mobilität“ und „Demographieziele für ein junges Deutschland“ statt „Demographischer Wandel und Alterung“.

„Demographischer Wandel und Alterung“ – so heißt dieser Forschungsschwerpunkt heute nicht mehr. Aber das ist nicht nur, wie bei Abteilung 3 und dem Tippfehler, ein Problem von ungeprüftem Copy & Paste. So heißt der Forschungsschwerpunkt schon seit spätestens Oktober 2021 nicht mehr. Zunächst hieß er „Demografischer Wandel und Langlebigkeit“, seit spätestens Februar 2024 heißt er nun „Forschungsbereich Alterung, Mortalität und Bevölkerungsdynamik.“ Das war schon im Antrag von 2024 falsch und um drei Jahre veraltet. 

Die AfD hat sich also bereits beim Antrag von 2024 keine Mühe gegeben und keine konstruktiven Lösungen angeboten. Zwei Jahre später war der noch weiter veraltete Text gut genug, um den Bundestag ein weiteres Mal damit zu behelligen. Peinlich!

Die AfD hat keine Lösungen 

Demografieentwicklung ist ein wichtiges und komplexes Thema, bei dem die politische Einflussnahme an Grenzen stößt. Eine tiefergehende Analyse von Ursachen und Lösungsstrategien würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Nur so viel: Dieses komplexe Problem braucht komplexere Lösungen als neue Namen für Institutionen und „Demografieziele“.

Geburtenraten orientieren sich nicht an Zielvorgaben. Viel abhängiger sind sie hingegen von Familienpolitik, Zugang zu Kinderbetreuung, Unterstützung für Familien und familienfreundlicher Infrastruktur. Die Familienpolitik der AfD hingegen stützt sich auf das „traditionelle“ Familienbild, will, dass Frauen mit den Kindern zu Hause bleiben und findet  nur „deutsche“ (und das sehr eng ausgelegt) Familien unterstützenswert. Da helfen ein paar neue Namen und Zielsetzungen auch nicht viel weiter. 

Dieser lieblos kopierte Antrag zur Umstrukturierung von Institutionen und Forschung, deren richtige Namen man anscheinend nicht mal kennt, zeigt ein weiteres Mal, dass es der AfD nicht um konstruktive Lösungen geht. Es geht ihr nur darum, ihre rechtsextremen und frauenfeindlichen Narrative zu pushen. Deswegen muss sie sich nicht mit dem Schreiben neuer Anträge, der Recherche richtiger Namen von Ministeriumsabteilungen oder sinnvoller Familienpolitik aufhalten. „Flood the zone with shit“ ist auch hier die Strategie. Mit konstruktiver Politik hat das nichts zu tun.

Artikelbild: Screenshot AfD-Antrag & Canva 

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