Vorwürfe & Widersprüche: PCR-Test-Ergebnis von Djokovic manipuliert?

| Aktuelles | 12. Januar 2022


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Hat Tennisweltstar Djokovic betrogen?

Die ganze Welt spricht gerade über die Einreise eines Top-Tennisspielers nach Australien, damit er bei einem Tennisturnier mitspielen kann. Novac Djokovic ist nicht geimpft, für die Einreise musste man das aber sein, man wollte ihn zunächst nicht einreisen lassen. Ein australisches Gericht annullierte das Visum von Djokovic aufgrund fehlender Impfnachweise (Quelle). Nachdem seitens Djokovic Widerspruch eingelegt wurde, gab ein anderer Richter diesem statt und Djokovic durfte aufgrund eines positiven PCR-Tests (Beweis „Genesen“ Status) und eines negativen PCR-Tests final einreisen.

Soweit, so einfach. Doch was zunächst als lustige Geschichte eines Tennisprofis begann, den man aufgrund fehlender Impfung die Einreise nach Australien verweigerte, hat sich mittlerweile zu einem weltweiten Politikum entwickelt, bei dem sich viele fragen, ob Djokovic vorsätzlich betrogen hat. Eine Recherche des Spiegels erhärtet den Eindruck, dass einiges mit Djokovics eingereichten Testzertifikaten nicht stimmt.

Ungereimtheiten bei Djokovics Tests

Djokovic ist ungeimpft und dürfte deshalb eigentlich nicht nach Australien einreisen. Unmittelbar vor dem Turnier gab Djokovic allerdings an, sich mit dem Corona-Virus angesteckt zu haben. Angeblich hatte er am 16. Dezember einen positiven PCR-Test gehabt. Schon das war höchst merkwürdig: So traf der Tennis Profi am 17. Dezember ohne Maske junge Tennisspieler (Quelle). In der Pressekonferenz darauf angesprochen, brach der Bruder die Veranstaltung direkt ab (Quelle). Doch es geht noch weiter.

Anhand der URL, unter der man das Testergebnis von Djokovic einsehen kann, kann man nachvollziehen, an welchem Datum der Test ausgewertet wurde. Doch da stimmt was nicht. Wie eine Gruppe von IT Experten (@zerforschung) zusammen mit dem SPIEGEL herausgefunden hat, stammt der Zeitstempel von Djokovics positivem Test offenbar vom 26. Dezember und nicht vom 16. Dezember. 

Auch die ID des Tests ist unplausibel hoch. Offenbar werden diese IDs einfach hochgezählt, also ein neuerer Test bekommt eine höhere ID. Nicht so bei Djokovics angeblichen Test vom angeblich 16. Dezember.

Das wirft die Frage auf: Wurde Djokovics Test erst im Nachhinein eingefügt? Das wäre gar nicht so einfach, immerhin ist das ein System der serbischen Behörden. Das Ganze wirft also auch ein schlechtes Licht auf die serbischen Behörden, die sich bisher dazu nicht äußerten. Das war aber noch nicht alles. 

So schreibt der Spiegel in seiner Recherche:

„Djoković‘ Anwälte haben für seinen Immigrationsprozess noch einen zweiten, diesmal negativen Coronatest vorgelegt. Dieser soll wohl belegen, dass Djoković von seiner Covid-Erkrankung inzwischen wieder genesen ist. Er stammt laut den Unterlagen vom Nachmittag des 22. Dezember, und in diesem Fall passt das auch zu dem dazugehörigen digitalen Zeitstempel des Tests.

Auf den Dokumenten zu den Testergebnissen findet man QR-Codes. Als der SPIEGEL am Montag den QR-Code zum Test vom 16. Dezember scannte, wurde es kurios. Um 13.19 Uhr (MEZ) erschien das Ergebnis: »Test result Negative.« Damit wäre die Grundlage für Djoković‘ Einreise hinfällig gewesen. Rund eine Stunde später aber, um 14.33 Uhr am Montag, zeigte ein erneuter Scan des QR-Codes plötzlich ein anderes Ergebnis: »Test result Positive.«“

Möglich wäre allerdings auch, dass der Zeitstempel erst dann erstellt wird, wenn die getestete Person das entsprechende Testergebnis vom Server herunterlädt (Quelle). Laut SPIEGEL wurden die Anfragen bisher nicht beantwortet.

Der SPIEGEL veröffentlicht diese Screenshots als Beleg:

 

Eine Bemerkung am Rande: Im “Corruption Perceptions Index”, also dem Index für die wahrgenommene Korruption im öffentlichen Sektor (oder kurz: Korruptionsindex) erreicht Serbien im Jahr 2020 übrigens 62 von 100 Punkten und rangiert somit weltweit auf Platz 98. 

Zusätzlich scheint Djokovic auch auf dem Einreiseformular unwahre Angaben gemacht zu haben. Er hatte angekreuzt, dass er 14 Tage vor seiner Einreise nach Australien nicht gereist war. Das scheint aber unwahr, wie aus öffentlich verfügbaren Informationen hervorgeht (Quelle). Er war offenbar in dem Zeitraum auch in Spanien (Quelle) und Belgrad (Quelle). Dort traf er unter anderem maskenlos auf Kinder, obwohl er laut vorgelegtem PCR-Zertifikat zu dem Zeitpunkt hätte positiv und Isolation sein müssen (Quelle)

Djokovic ist zuvor schon umstritten

Um die Causa Djokovic hat sich eine waschechte Posse entwickelt, sein Vater bezeichnete ihn zum Beispiel gar als neuen Jesus:

Der Vergleich ist für alle ersichtlich extrem schwierig. Jesus war schließlich auch für Nächstenliebe und Rücksicht bekannt.

Dass Djokovic schon vor diesem Vorfall eine umstrittene Persönlichkeit war, ist bekannt:

„Djokovic sorgte allerdings auch nie für Distanz zwischen sich und zweifelhaften Figuren – im Gegenteil. Er posierte mit dem Kommandeur der Einheit „Drina Wolves“, die am Völkermord von Srebrenica im Jahr 1995 beteiligt war.“ (Quelle).

Die Strafen für gefälschte Impfzertifikate wurden erst empfindlich erhöht und beinhalten zumindest im australischen Staat New South Wales auch Gefängnisstrafen (Quelle). Auch falsche Angaben auf dem Einreiseformular sind strafbehaftet. Britische Medien spekulieren schon wild, dass ihm auch Gefängnisstrafen dafür drohen könnten (Quelle), das wäre aber eine eher unwahrscheinliche Maximalstrafe und ist nicht realistisch. 

Artikelbild: Scott Barbour/Tennis Australia/AP/dpa

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