VW verzeichnet Rekordgewinn, streicht aber bis zu 7000 Stellen

Bericht

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Der Dieselskandal-Skandal

Wir erinnern uns: Diverse deutsche Autohersteller haben mit verschiedensten, größtenteils illegalen Manipulationen ihre Abgaswerte gefälscht. Erst heute wurde bekannt, dass Audi auch noch die Umweltbehörden und den ADAC täuschen wollte (Mehr dazu). Anstatt dass die Konzerne ernsthafte Konsequenzen wegen des millionenfachen Betrugs tragen, nimmt die Bundesregierung sie in Schutz. Anstatt dass man die Abgaswerte der Fahrzeuge an die Grenzwerte anpasst, versucht man, die Grenzwerte an die Abgaswerte anzupassen.

Verkehrsminister Andreas Scheuer versuchte über die von Experten stark kritisierten „100 Lungenärzte“ Zweifel an den Grenzwerten zu schüren. Doch schnell wurde klar: Das zweiseitige Positionspapier wurde nicht nur von Laien in der Forschung und eine Minderheit der Lungenärzte unterschrieben, sondern basierte auch auf gravierenden Rechenfehlern.

Keine Belege, keine Experten: 5 Fakten zu den 100 Lungenärzten gegen Schadstoffgrenzwerte

Ebenfalls heute wurde bekannt, dass die EU-Kommission Scheuers Zweifel als gegenstandslos zurückwies (Quelle). „Wir haben […] zur Kenntnis genommen, dass wichtige Berechnungen im Zusammenhang mit diesen Behauptungen in der Zwischenzeit als fehlerhaft erkannt worden sind.“ Scheuers Behauptungen haben also keine wissenschaftliche Grundlage. Die Experten der Kommission weisen darauf hin, dass die Grenzwerte „fachlich geprüft“ oder „umfassend durch Experten begutachtet“ seien.



VW entlässt bis zu 7000 Mitarbeiter

Doch es gibt noch mehr höchst interessante Meldungen in diesem Zusammenhang. Volkswagen, der Konzern, der im Verdacht steht selbst bei der Nachrüstung schon wieder eine Betrugssoftware eingebaut zu haben (Quelle), gibt ebenfalls heute bekannt, dass er 5000 bis 7000 Stellen streichen wird (Quelle). Dabei wurde erst gestern bekannt, dass der Konzern seinen Gewinn 2018 nochmals um 6% gesteigert hatte (Quelle), nachdem er ihn 2017 sogar mehr als verdoppelt hatte (Quelle).

Während im Mai bei den Aktionären üppige Dividenden anstehen (Quelle), gäbe es aber „Spardruck“. So müsse man wegen der „Abgasproblematik“ bis 2023 bis zu 7000 Stellen streichen. Im Bereich Software und Elektronikarchitektur will man jedoch „rund 2000 neue Arbeitsplätze“ schaffen. Ein „Sparprogramm“, das seit 2016 läuft, baut im Übrigen weitere 23.000 Stellen allein in Deutschland ab. Die Notwendigkeit für Stellenstreichungen und Kosteneinsparungen gäbe aufgrund der Dieselkrise und der Notwendigkeit, in Elektromotorik zu investieren.

Regierung wollte Arbeitsplätze erhalten

Sicherlich geht die Stellenstreichung zum Teil auch auf Automatisierung zurück. Aber es sieht so aus, als müssten den Preis für den Dieselskandal die Mitarbeiter ausbaden, während der Konzern Rekordgewinne einfährt. Ebenfalls eine Meldung von gestern: VW-Chef Diess steigerte sein Gehalt ebenfalls auf knapp 8,5 Millionen Euro (Quelle).

Das Ironische dabei, dass die Bundesregierung derart die Autoindustrie in Schutz nimmt, selbst wenn sie dabei auf wissenschaftlich haltlose Positionspapiere zurückgreifen muss, ist, dass es dabei vorgeblich um den „Erhalt von Arbeitsplätzen“ (Söder, Quelle) gehe. Über Millionenspenden an Parteien und der Drohung von Arbeitsplatz-Streichungen steht die Regierung, inbesondere die CDU und CSU, schon lange in der Kritik, zu sehr unter dem Einfluss der Autolobby zu stehen (Quelle).

Allein aus den Meldungen von heute und morgen lässt sich bereits die Tragik des Dieselskandals erkennen. Autokonzerne können fast straffrei millionenfachen Betrug durchführen, dabei Rekordgewinne einfahren. Und das alles nur, um Arbeitsplätze zu sichern, die man letztlich sowieso für die Gewinnmaximierung abbaut.

Nachtrag: Es handelt sich um „Stellenstreichungen“, nicht Kündigungen. Wir haben es in der Überschrift versehentlich synonym genommen, und zwischenzeitlich ausgebessert. Dabei gibt es da natürlich einen kleinen Unterschied zwischen Stellenabbau und Kündigungen. Im Artikel selbst ist jedoch alles korrekt, und am Argument ändert sich entsprechend nichts. Wir bitten um Verzeihung für die falsche Wortwahl!

Artikelbild: nitpicker, shutterstock.com

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