Der vergangene Wahl-Sonntag in Baden-Württemberg und Bayern war in Wahrheit eine Enttäuschung für die AfD. Da können die Rechtsextremisten Markus Frohnmeier und Stephan Protschka noch so sehr vom großen Erfolg sprechen: Sie sind an ihren Ansprüchen gescheitert. Die Stärke der Rechtsextremisten ist natürlich ein großer Grund zur Sorge. Doch es ist wichtig, nicht auf die gewünschte Erzählung vom unaufhaltsamen Vormarsch der AfD hereinzufallen: Drei Gründe, warum die AfD in Süddeutschland verloren hat.
Verloren?
Am Sonntag, den 8. März 2026, haben gleich zwei sehr unterschiedliche Wahlen ein gemeinsames Muster gezeigt: Die Kommunalwahlen in Bayern und die Landtagswahl in Baden-Württemberg. Die AfD kann Stimmen holen – und ja, neue Rekorde aufstellen, aber sie kann gleichzeitig kaum Vertrauen gewinnen. Sie bleibt gleichzeitig hinter den (eigenen) Erwartungen zurück. Ganz wichtig: Es geht nicht darum, die Ergebnisse schönzureden. Es geht darum, einem gefährlichen Narrativ einen Realitätscheck zu verpassen. Der angebliche "Vormarsch" der AfD ist nicht unaufhaltsam. Und er ist nicht zwangsläufig.
Man kann sich die Ergebnisse vom Sonntag genauer anschauen. In den Medien steht oft: Die AfD hat “starke Zugewinne”, “fast verdoppelt”, “Rekordergebnis”. Das ist nicht falsch, wenn man es mit der jeweils letzten Wahl vergleicht. In Baden-Württemberg hat sie bei der Landtagswahl 18,8 Prozent erreicht, nach 9,7 Prozent im Jahr 2021. Und natürlich ist das eine besorgniserregende Entwicklung. Doch wir stoppen die Rechtsextremisten nicht, indem wir ihre Erzählung vom großen Erfolg nacherzählen, von der angeblichen "blauen Welle" oder der einer "konservativen Mehrheit" in Baden-Württemberg. Vor allem, wenn sie eben nicht der Wahrheit entsprechen. Schauen wir uns erst einmal die Fakten an.
Die AfD hat in Bayern keine einzige Wahl gewonnen, sie kam nicht einmal in eine Stichwahl, in Baden-Württemberg hat sie im letzten Jahr sogar Stimmen verloren und hat kaum mehr Zustimmung als vor zehn Jahren. Und eine gigantische Mehrheit aller Wähler möchte sie nicht in Regierungsverantwortung sehen: 70 Prozent sind dagegen, 81 Prozent der CDU-Wähler. Die Details:
1. Die AfD hat keine einzige Wahl gewonnen
Besonders deutlich wird der Misserfolg der AfD bei den bayerischen Kommunalwahlen. Keinen einzigen Posten konnte sie hier gewinnen, nicht einmal in eine Stichwahl zum Bürgermeister oder Landrat schaffte sie es. Ja, die AfD hat in den Gemeinderäten und Kreistagen zugelegt – an ihrem Anspruch, den ersten westdeutschen AfD-Landrat zu stellen, scheiterte sie deutlich. Auch das Ziel, in möglichst viele Stichwahlen einzuziehen, scheiterte.
Selbst in Frensdorf, der nach aktuellem Auszählungsstand (10. März) einzigen Gemeinde mit einer AfD-Mehrheit im Gemeinderat, erreichte Bürgermeister-Kandidat Thomas Müller von der AfD die Stichwahl nicht. Überall, wo die AfD den zweitstärksten Kandidaten stellt, gewann der Erstplatzierte mit über 50 Prozent der Stimmen.
Selbst dort, wo die AfD-Ergebnisse zur Bundestagswahl 2025 besonders hoch waren, in Dingolfing, Günzburg, Bamberg-Land, Unterallgäu oder im Landkreis Rosenheim, hat es nicht gereicht. Natürlich hat sie große Zugewinne gemacht im Vergleich zu 2021, als sie besonders schwach war, wohlgemerkt. Doch wie auch in vielen anderen Kommunalwahlen hat die AfD auch in Bayern nichts zu bieten.
2. Baden-Württemberg: Stimmenverluste im Vergleich zur Bundestagswahl
Auch die AfD Baden-Württemberg hat Federn gelassen, das wird jedoch durch die Vergleiche zur letzten Landtagswahl unsichtbar. Wenn man die jüngeren Ergebnisse anschaut, hat die AfD in letzter Zeit Zustimmung VERLOREN. Sie blieb hinter den Ergebnissen der Bundestagswahl im Ländle zurück. 18,8 Prozent, ein Prozent weniger als zur Bundestagswahl – groß ist der Unterschied nicht, er könnte allerdings auf ein ausgeschöpftes Potenzial der AfD in Baden-Württemberg hindeuten.
Denn: Das Wahlergebnis wurde zwar fast verdoppelt im Vergleich zur Landtagswahl 2021, die AfD war da aber deutlich schwächer als 2016, als sie mit 15,1 Prozent in den Landtag einzog. Im Vergleich zu 2016 steigerte sie sich also „nur“ um 3,7 Prozent. Das Pforzheimer Direktmandat, das die AfD bei der Wahl 2021 verlor, wurde nicht zurückgeholt, dafür holte die AfD 2026 eines in Mannheim I.
Das einzige gewonnene Direktmandat – und das nur hauchdünn und weit entfernt von einer Mehrheit. Die AfD holte 22,3 % - die CDU 21,7% und die Grünen 21,6 %. Im Endeffekt steht die AfD in Baden-Württemberg also ungefähr so da wie vor der Wahlschlappe durch die grüne Welle 2021. Weit entfernt auf jeden Fall von „blauen Balken", die „durch die Decke schießen“, einem "blauen Wunder", „25 plus X Prozent" oder was sich AfD-Spitzenkandidat Frohnmeier noch so vor der Wahl erträumt hatte.
AfD kaum besser als 2016
Abseits von öffentlichen Statements kommt das Ganze wohl auch in der AfD nicht so sehr als Wahlsieg an. Die Parteiführung scheint mit Frohnmeiers Performance eher unzufrieden zu sein. Verständlich: Der Ministerpräsidentenkandidat, der sich gar nicht auf der Liste aufstellen ließ, zeigte von Anfang an, dass ihm der Sitz im Bundestag wichtiger ist als die Landespolitik in Baden-Württemberg.
Dann noch eine tiefe Verwicklung in den Vetternwirtschaftsskandal und eine USA-Reise in der Wahlwoche. In der Konsequenz erwähnten Alice Weidel und Tino Chrupalla Frohnmeier beim Wahlkampfabschluss in Rottweil nicht und sagten die geplante gemeinsame Feier am Montag in Stuttgart ohne Angabe von Gründen ab.
3. Niemand will eine Regierungsbeteiligung
Und dann ist da noch das Märchen von der "konservativen Mehrheit", die Baden-Württemberg laut Frohnmeier gewählt habe. Ausdrücken will er damit, dass die naheliegendste Koalition schwarz-blau wäre. Das ignoriert nicht nur, dass Baden-Württemberger offensichtlich grün-schwarz (sogar mit einer Zweidrittelmehrheit!) gewählt hat, sondern auch, dass die Baden-Württemberger die AfD mehrheitlich (70 Prozent) nicht in der Regierung haben wollen.
Und auch die CDU‑Wählenden nicht: 81 Prozent sprechen sich in einer Umfrage gegen eine Beteiligung der AfD aus. Und 60 Prozent (also fast alle Nicht-AfD-Wählenden) sehen in der AfD eine Gefahr für Demokratie und Rechtsstaat. Abgesehen davon, dass die AfD nicht "konservativ" ist, sondern rechtsextrem, ist das absurde Realitätsverweigerung. Insbesondere da auchCDU-Kandidat Hagel eine Zusammenarbeit mit den Rechtsextremisten völlig ausgeschlossen hat. Die AfD ist eine Lügenpartei – und wenn sie sich als nah an der Regierung bezeichnet, lügt sie auch. Und wir sollten auch nicht darauf hereinfallen.
Die Ergebnisse der AfD in Kontext setzen
Es geht wie zuvor erwähnt nicht darum, die realen Zugewinne der AfD zu leugnen. Es geht darum, sie in Kontext zu setzen. Die Gefahr des aufsteigenden Faschismus ist real. Aber das heißt nicht, dass er zwangsläufig kommen wird. Es ist wichtig, die Gefahr auch in Kontext zu setzen. Panikmache ist keine nüchterne Analyse. Wer vor Angst gelähmt ist, ist nicht fähig, sich zu wehren. Und was auch wahr ist: Es ist noch nicht zu spät. Jetzt ist noch die Gelegenheit, die AfD abzuwenden. Darum geht es.
Und dazu ist auch wichtig zu sehen, dass die AfD nicht unaufhaltsam ist. Nicht unbesiegbar. Sie hat große Schwächen, und das haben Bayern und Baden-Württemberg gezeigt. Die AfD wird fast ausschließlich wegen ihres Rassismus und ihrer asylfeindlichen Einstellungen gewählt. Für nichts anderes wird ihr große Kompetenz zugeschrieben. Deshalb versagt sie regelmäßig in Wahlen, in denen es um andere Themen geht oder in denen Migration keine Rolle spielt.

Wir müssen uns erinnern: Die AfD ist eine Kreatur von mächtigen wirtschaftlichen Eliten. Sie hat kommunal und in der Breite kaum Support. Sie wird von den mächtigsten Menschen und Staaten der Welt unterstützt, von den reichsten, von vielen Milliardären. Ihr wird viel Aufmerksamkeit und Medienmacht gekauft. Aber wenn es drauf ankommt, in den Kommunen und Städten, hat sie enorme Probleme, Leute zu finden, die für sie antreten. So war es auch wieder in Bayern: in nur 47 Gemeinden mit mehr als 10.000 Einwohnern schlug sie einen Kandidaten vor.
Die AfD kann nur gewinnen, wenn wir sie lassen
Für die große Mehrheit der Menschen ist die AfD keine Alternative. Die meisten wissen um ihre Gefahr. Ich möchte daran erinnern: Zwei der größten Protestwellen in der Geschichte der Bundesrepublik richteten sich direkt gegen die AfD und gegen Rechtsextremismus: Die Anti-Rechts-Proteste von 2024 und 2025. 2024 war auch mit Abstand die größte Protestwelle aller Zeiten. Diese Menschen sind nicht weg. Diese Proteste haben Wirkung gezeigt. Sie haben die AfD gebremst. Und sie wird wieder gebremst werden. Sie stagniert auch jetzt bereits seit einem Jahr wieder.
Einige Medien haben es auch jetzt richtig erfasst: „Die AfD hat sich überschätzt“ und die AfD „scheitert krachend“ titelte zum Beispiel der Merkur. Die AfD hat Schwächen. Ihr Sieg ist nicht ausgemacht, im Gegenteil. Das dürfen wir nicht vergessen. Das müssen wir auch verstehen und kommunizieren. Die AfD spricht selbst sehr vollmundig davon, dass es ihr Schicksal ist, die Macht zu ergreifen. Nicht weil es wahr ist, sondern weil es ihr hilft, wenn genug Menschen das glauben und aufgeben. Das dürfen wir nicht zulassen. Dazu ist es wichtig zu verstehen, warum sie doch verliert. Und daraus lernen.
Artikelbild: Marijan Murat/dpa
