Ja, dieser Chor singt „F*ck die Cops“ – Aber nicht, warum die AfD das denkt

| Analyse | 3. Januar 2020

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 „F*ck die Cops“

Nachdem Rechte und Rechtsextreme den öffentlichen Diskurs in der Causa Umweltsau erfolgreich manipuliert hatten (Mehr dazu), wodurch Konservative und andere die falsche Interpretation und dann auch die Empörung übernahmen, obwohl die Kritik am Liedtext völlig haltlos war (Mehr dazu), versuchten einige die Empörungsspirale weiter anzuheizen. Unter anderem wurde ein schlecht gefaktes Bild einer Fridays For Future-Demo verbreitet:

Rechte verbreiten lächerlichen Umweltsau-Fake über Fridays For Future

Zum anderen versuchten Rechtsextreme der AfD auch einen Chor zu instrumentalisieren, der „F*ck die Cops“ singt. Dieser AfD-Abgeordnete versuchte hier ebenfalls, einen Skandal zu provozieren, in dem er – genau wie beim Umweltsau-Lied, die Intention des Liedes absichtlich falsch darstellt.

Der Chor würde mit „F*ck die Cops“ „kranke Dinge singen“ und Polizisten wären dazu gezwungen, Gebühren dafür zu bezahlen. Das sei nicht „gerecht“. Ironischerweise ist die Auflösung, was wirklich hinter dem „F*ck die Cops“-Chor steckt, versehentlich schon vom AfD-Abgeordneten selbst gepostet worden:



Chor singt Rap-Texte, um diese zu kritisieren

Bei dem Chor-Gesang handelt es sich um eine Produktion von „Funk„, das Inhalte für jüngere Zuschauer*innen produziert. Der Gesang ist nämlich Teil einer Reportage über Rap-Texte, wie „Fick die Cops“ von Tamas oder Haftbefehl „Copkkkilla“.

Das Video stammt von März 2018 und thematisiert die polizeifeindlichen Texte von Rappern. Die Reportage „Fick die Cops“ – Wieso hassen Rapper die Polizei?“ beschreibt sich so:

„187 Straßenbande, Kollegah und Co. – seit Aggro Berlin Gangsterrap in Deutschland etablierte, gibt es ein Hauptziel: Die Polizei. In den Texten etlicher Hip-Hop Songs wird gegen die Cops gerappt. Aber woher kommt dieser Hass eigentlich? STRG_F-Reporter Johannes Edelhoff geht auf die Straße, trifft sich mit Rappern, Fans und Polizisten.“

Darin wird auch kritisiert, dass viele Fans die Texte konsumieren, ohne sich darüber klar zu werden, worüber sie handeln. Der Chor singt unter anderem „F*ck die Cops“, um durch den reinen Gesang mehr Fokus auf die Liedtexte zu richten.

Fazit

An diesem Beispiel sieht man wieder einmal, wie die Hetze und die gekünstelte Empörung der AfD und anderer Rechtsextremer funktioniert: Es werden einige Lügen gestreut (wie dass unterstellt werde, das Video sei nicht bereits fast 2 Jahre alt), es wird der Kontext weggelassen und die Bedeutung wird ins Lächerliche überdramatisiert. Dass der wahre Hintergrund versehentlich sogar dabei steht wird dabei geflissentlich ignoriert, da die Notwendigkeit zur Eskalation wichtiger ist – und Wahrheit ohnehin irrelevant.

Auch wenn dieser billige Instrumentalisierungsversuch diesmal erfolglos blieb und nicht einmal in der rechten Filterblase an Reichweite gewann, zeigt er deutlicher, wie Rechtsextreme manipulieren, um Dinge aus dem Kontext zu reißen und künstliche Empörung zu schaffen. Ziel ist es, dass ihre absichtlich falsche Interpetation auch von Nicht-Rechten übernommen wird, um so ihre Feindbilder zu verbreiten und die Gesellschaft zu spalten. Bei „Umweltsau“ ist es ihnen gelungen. Bei „F*ck die Cops“ zum Glück nicht. Doch sie versuchen es täglich aufs Neue. Deswegen müssen wir vorsichtig sein.

Danke auch an die Kollegen von Mimikama! Artikelbild: Screenshot youtube.com

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