Faktencheck: Nein, Mövenpick-Eis unterstützt nicht die AfD

| 30. April 2019

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Verwirrende namen

Beim Genießen eines Mövenpick-Eises kann man liebevoll an verschiedene Dinge denken, aber die AfD finanziert sie nicht. Schon seit langem macht diese oder eine ähnliche Formulierung die Runden in Social Media. Kernaussage: Der Mövenpick-Besitzer spendet an die AfD, also Mövenpick boykottieren.

Screenshot facebook.com/twitter.com

Eigentlich nicht. Es ist richtig, dass im Zuge der AfD-Spendenaffäre bekannt wurde, dass der in der Schweiz lebende Milliardär August von Finck die AfD unterstützt. Er habe unter anderen auch indirekt mehrere AfD-Veranstaltungen gesponsert. Finck hatte Jahre zuvor die CSU und FDP unterstützt und danach regelmäßig Parteien und Gruppen im rechten und libertären Milieu (Quelle).

Die Verwirrung um „Mövenpick“

Und ja, er besitzt die Aktienmehrheit der an der Hotel- und Restaurantgruppe Mövenpick und seine Familie leitet und besitzt einen großen Teil der Mövenpick Holding AG. ABER: Das Mövenpick-Eis (genau wie die Hotels) gehörte dem Hotelier Ueli Prager, der seit 1972 das Eis produzierte. Die Markenrechte für Deutschland für das Eis verkaufte man an Schöller 1974 (Quelle). 1992 kaufte Finck die Aktienmehrheit an Mövenpick – Also die Hotelkette, aber nicht das Eis.

Die Firma Schöller wurde 2002 dann von Nestlé gekauft und 2003 auch wie die Markenrechte am „Mövenpick-Eis“. Das heißt, das deutsche Eis Mövenpick hatte niemals wirklich etwas mit von Finck zu tun, der die Mövenpick-Hotelkette 20 Jahre später kaufte und zu einer Holding umbaute. Aber das sind die Hotels, nicht das Eis.

Auf Anfrage heißt es: „Die Marke Mövenpick Ice Cream gehört zu Froneri, respektive Nestlé, und hat rein gar nichts mit der Mövenpick Gruppe und deren Gründerfamilie zu tun.“



Mövenpick /= Mövenpick-Eis

Ich kann die Verwirrung also sehr gut nachvollziehen. Aber ja: Mövenpick-Eis hat nichts mit der Mövenpick-Gruppe zu tun, außer dass sie verwirrenderweise den exakt gleichen Namen haben, weil Schöller vor fast 50 Jahren die Markenrechte für „Movenpick“ erworben hatte. Aber das Eis in Deutschland hat nichts mit der Mövenpick Holding zu tun und auch nicht mit von Finck. Glaubt mir, ich bin da selbst nicht ganz durchgestiegen.

Und was jetzt? Naja, wenn man etwas boykottieren möchte, dann wie wäre es mit den anderen Unternehmen? Die Familie Finck hat das Bankhaus Merck Finck und Co. (an Barclays Bank verkauft) sowie die Münchner Rückversicherungsgesellschaft und die Allianz-Versicherungs AG gegründet. Die von Fincks saßen und sitzen oft noch in den Aufsichtsräten und Vorstände

Und die Unterstützung von Fincks für die AfD ist kein Ausrutscher, wie bereits angedeutet. 2008 unterstützte er die FDP und CSU insgesamt mit 2 Millionen Euro – kurz darauf wurden mit deren Stimmen Steuersenkungen für Hoteliers beschlossen („Mövenpick-Affäre“). Sein Vater, Freiherr August von Finck senior hat mit Hitler zusammengearbeitet und das NS-Regime unterstützt (Quelle).

Von Finck junior hat später die Markenrechte des Konzerns Degussa erworben, um diesen für Goldhandel zu nutzen. Damit hat er sich auch am Goldhandel der AfD beteiligt. Heikel ist das, weil die Degussa die Firma war, die über Tochterfirmen das Zyklon B für die Gaskammern der KZs lieferte und in ihren Schmelzöfen das Zahngold der vergasten Juden eingeschmolzen wurde (Quelle).

Ich will jetzt was boykottieren!

Das soll jetzt nicht heißen, dass alle sich Mövenpick-Eis kaufen sollen oder dass man nicht auch Mövenpick-Eis boykottieren kann, wenn man das möchte. Es gibt dazu immer noch die Mövenpick  Weine, Fine Foods, Restaurants und so weiter. (Die Hotels & Resorts wurden 2018 von AccorHotels gekauft). Gespendet an die AfD haben außerdem noch die „so:cas GmbH“, Hentschke Bau GmbH, die LST Luft-, Sanitär-, Klimatechnik GmbH (Quelle) und die Goal AG (Quelle). Weitere Spender listet die Lobbypedia auf (Hier).

Von denen wir wissen. Die AfD steckt nicht umsonst derzeit in einer großen Spendenaffäre mit verschleierten Spendern, Tarnkonten und Strohmännern (Mehr dazu). Vielleicht erfahren wir bald mehr über Spender und Unternehmen. Und die kann man dann ja boykottieren, wenn man möchte. Das Mövenpick-Eis ist es aber nicht.

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Artikelbild: pixabay.com, CC0, Screenshot facebook.com

 

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