Faktencheck: Kein Beleg, dass Putins Stewardess-Video gefälscht ist

| Faktencheck | 7. März 2022

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Ausnahmsweise wohl kein Putin-Fake

Ein Video, in welchem Autokrat Putin sich mit angeblichen Mitarbeiterinnen russischer Airlines trifft, hat auf Twitter für viel Aufregung gesorgt. Wohl wissen, wie viel die Pro-Putin Propaganda Videos fälscht, führte eine niedrige Auflösung eines Videoausschnitts des Pilotinnen- und Stewardess-Videos dazu, dass einige zu sehen glaubten, dass Putins Hand durch das Mikrofon durchgehen würde. Viele wollten darin den Beweis sehen, dass das Video gefälscht sei und per Greenscreen inszeniert.

Hohe Auflösung zeigt den Fehler nicht

Diesen angeblichen „Fehler“ erkennt man allerdings nicht mehr, wenn man das Video in hoher Auflösung ansieht:

Man sieht auch feine Strukturen wie Haare am Rand von Putins Gesicht, das wäre sehr aufwändig mit Greenscreen. Und das Original-Video ist 1 Stunde lang. Das wären viele, viele Stunden Arbeit mit Greenscreen und Bearbeitung,

Hier das Original vom RT-Kanal (in EU gesperrt) für euch zum Download und selbst überzeugen: we.tl/t-Zl31sGJkDx. Außerdem gibt es ja noch zusätzlich zum Video noch Fotos vom Event zum Beispiel das hier:

Oder auch hier eine völlig andere Perspektive:

Auch nach dem Feststellen, dass hier kein Greenscreen vorliegt, beharren viele noch auf ihrer unbelegten Theorie und weisen auf Reflektionen in der Teekanne hin.

Was man darin erkennen soll? Angeblich glauben viele zu sehen, dass die Stühle leer seien. Doch hier fallen sie auf ihren confirmation bias hinein: Sie *wollen* Beweise finden, dass dieses willkürliche Stewardess-Video gefaked sein soll. Doch in der Reflektion ist nicht wirklich etwas zu erkennen, die Frauen gegenüber Putin tragen dunkle Kleidung. Vielleicht sind sie darin gespiegelt und man erkennt sie nur nicht richtig. Ohnehin ist die viel wichtigere Frage: Warum?

Warum sollte Putin aufwändig das Stewardess-Video faken?

Ein guter Tipp, um Verschwörungsmythen und Desinformation zu durchschauen, ist nicht nur darauf zu achten, ob der Fake ein gewisses Narrativ bestätigt oder widerlegt. Genau so funktioniert Verschwörungsglauben von Querdenker:innen oder der AfD: Wenn X wahr/falsch wäre, dann würde das das Narrativ stützen, das ich glauben möchte. Hier zum Beispiel: Putin fälscht Videos. Das mag wahr sein und dafür gibt es Belege, aber das ist kein Beweis, dass dieses Pilotinnen- und Stewardess-Video Fake ist. Was hätte Putin davon, ein aufwändig mit CGI erstelltes Video mit Flugbegleiterinnen zu fälschen? Wofür so viel Aufwand?

Bei der Beurteilung von (Des)Information ist es wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren und sich nicht emotional leiten zu lassen. Wenn es von Putin gefaked wäre, noch dazu so aufwändig, dann doch mit Grund. Was soll dieser hier sein? Ist nicht die einfachere Erklärung, dass er sich einfach aus mehreren Perspektiven für eine Stunde mit den Frauen filmen hat lassen? Man muss aufpassen, sich nicht in eine Interpretation hereinzusteigern, die man wahr haben möchte, selbst wenn es die unwahrscheinlichere Erklärung ist: Das ist der emotionale Fehler, auf den Querdenker:innen nämlich stets hereinfallen.

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So aufwändig sind Putin-Fakes nicht

Man sollte alle Publikationen von und um Putin skeptisch betrachten, nicht erst seit seiner Invasion der Ukraine. Es sind diverse schlecht gefälschte Videos aufgetaucht. So erstellten zum Beispiel die Separatisten ein gestelltes Video, welches einen “Angriff” von ukrainischen Saboteuren zeigen sollte. Nur: die Metadaten der Videodateien zeigen, dass die Videos bereits Anfang Februar produziert worden waren (Quelle).

Außerdem ist das zu hörende Gewehrfeuer offenbar nicht echt, sondern aus einem anderen Video hereinkopiert (Quelle), welches das Team von „Bellingcat“ ebenfalls identifizieren konnte:

Auffällig aber dabei: Die meisten Fake News sind nicht besonders aufwändig, sondern verbreiten sich durch Emotionalisierung (, die den Verstand ausschaltet). Das ist eine Taktik, die meistens gut genug funktioniert. Dafür braucht man kein CGI.

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Artikelbild: Screenshots

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