Mauthausen: Querdenker spielen Hitlerrede auf Demo beim Gedenken zur Befreiung des KZ ab

| Bericht | 14. Mai 2021

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Pandemie-Leugner-Demo in Mauthausen

Pandemie-Leugner:innen aus dem Umfeld der Organisator:innen der „Querdenken“-Bewegung hielten am Freitag eine Demonstration in Mauthausen ab. Anlass war der Besuch des österreichischen Bundespräsidenten Van der Bellen, der die Gedenkstätte des KZ Mauthausen anlässlich des Jahrestags der Befreiung besuchte, in welchem Nationalsozialist:innen über 100.000 Menschen umgebracht hatten. Zum gleichen Zeitpunkt mobilisierten Pandemie-Leugner:innen zu einer Veranstaltung. Organisiert wurde die Demo von der Gruppe „Honk for Hope“, die die Busreisen zu „Querdenken“-Demos organisiert hatte.

Offiziell war die Pandemie-Leugner:innen-Demo als Gedenkkundgebung für die Opfer des Antisemitismus angemeldet. Auf „Querdenken“-Demos ist Antisemitismus und Verharmlosung (und Leugnung) des Holocausts keine Seltenheit. „Querdenker:innen“ vergleichen sich völlig ernst gemeint mit den Opfern des Holocausts, tragen Davidsterne mit der Aufschrift „Ungeimpft“ und bezeichnen den Impfstoff als „Zyklon B“, wie es zum Beispiel ein AfD-Mitglied im KZ Mauthausen tat, der jetzt aus der Partei geworfen wird (Quelle).

Wie Verschwörungsideologien und Antisemitismus zusammenhängen

Hitlerrede neben Israel-Flagge

Bereits im Vorfeld warnten die Grünen aus Österreich vor der Veranstaltung (Quelle). „Wir dürfen nicht zulassen, dass KZ-Gedenkstätten zum Tummelplatz von Rechtsextremist*innen, Antisemit*innen und Corona-Leugner*innen werden. Selten war und ist die Warnung den Anfängen zu wehren so berechtigt und notwendig, wie angesichts dieses Aufmarsch.“[sic], erklärten sie. Unter anderem war eine „Dichterin“ angekündigt, die bei einer „Querdenken“-Demo von der AfD in den Bundestag geschleust wurde. „Am 24. April forderte sie, dass die politisch Verantwortlichen für die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Krise vor ein Strafgericht gestellt werden, das größer ausfallen werde, als nach den Verbrechen der Nazi-Diktatur.“, schreiben die Grünen.

Offenbar war die Warnung völlig berechtigt: Auf der „Querdenker“-Kundgebung in Mauthausen, an der etwa 15 Personen teilnahmen, verglich eine Rednerin die aktuellen Zustände in der Corona-Pandemie mit jenen der Nazi-Zeit. Auf der Bühne wehte eine Israel-Flagge, als ein Sprecher einen Ausschnitt aus einer Hitler-Rede abspielte, in der der Diktator den „Völkerstreit“ „ganz bestimmten Interessenten“ zuschreibt. Rufe aus dem Publikum machten damals deutlich, um wen es geht: „Juden“.

Empörung über Geschmacklosigkeit, Pietätlosigkeit und Verhöhnung

Laut dem Veranstalter, einem der Köpfe hinter den „Querdenken“-Demos (Quelle), soll das Abspielen der Rede ein Stilmittel gewesen sein, um angeblich kritisch auf derartige antisemitische Verschwörungsmythen hinzuweisen. Dies widerspricht allerdings der Ideologie der Pandemie-Leugner:innen und den restlichen Redebeiträgen, die den Holocaust und die Nazi-Zeit verharmlosen. In Social Media herrscht entsprechend Entsetzen vor, denn unabhängig davon, wie es gemeint war, ist es extrem pietätlos, anlässlich der Befreiung eines KZs eine Hitler-Rede abzuspielen. Es soll Anzeige erstattet worden sein. Später soll die Israel-Flagge entfernt worden sein und es gab solche Redebeiträge:

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Artikelbild: Screenshot twitter.com

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