So cool reagiert Mainz 05 auf ein rassistisches Ex-Vereinsmitglied

| Bericht | 9. Juni 2020

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Mainz 05 fertigt rassistisches Ex-Mitglied ab

„Nicht alle Kündigungen bekümmern uns, manchmal sind wir sogar erleichtert!“ schreibt der Fußballverein Mainz 05 in einer Stellungnahme auf Facebook. Was war passiert? Ein Rassist, der bisher Mitglied im Verein war, war ausgetreten. Seine Begründung war richtig ekelhaft, wie Mainz 05 anonymisiert veröffentlichte:

Der Rassist, der ironischerweise behaupten möchte, er sei “auf keinen Fall rassistisch veranlagt” (ach, also war das eine bewusste Entscheidung?) meinte, er würde nicht mehr die Bundesliga schauen, sondern den “Afrika-Cup” (AUTSCH) und in einer Startelf von Mainz 05 seien zu viele “dunkelhäutige Spieler” aufgelaufen und deswegen sei Mainz 05 irgendwie nicht mehr sein “liebgewonnener Verein”. Der Auf-jeden-fall-Rassist kann offenbar einen Verein nicht mehr lieben, weil dessen Spieler die “falsche” Hautfarbe haben und nicht mehr für “Werte und Mentatlität” [sic] stehen könnten? Jep, ekelhaft!

Doch Mainz 05 bleibt cool

Auf Facebook hat Mainz 05 die ganze Antwort auf ihr rassistisches Ex-Vereinsmitglied gepostet:

Gepostet von 1. FSV Mainz 05 am Montag, 8. Juni 2020

“Auch wenn wir normalerweise Kündigungen bedauern und um jedes Mitglied leidenschaftlich kämpfen, können wir unser Bedauern in Ihrem Fall nicht ansatzweise ausdrücken.
Rassismus beginnt bei uns da, wo rassistische Gedanken geäußert werden, nicht nur, wenn sich jemand selbst als Rassist bezeichnet – was in den seltensten Fällen vorkommt. Und ja, Sie haben recht: mit unserem Verein können sie sich nicht identifizieren. Denn für uns spielen Hautfarben oder andere gruppenbezogene Merkmale von Menschen schlicht keine Rolle. Für uns zählt nur, dass jemand Mensch ist und unsere Werte teilt. Solche Menschen heißen wir in unserer Gemeinschaft gerne willkommen.
Aus diesem Grunde freuen wir uns vielmehr über Ihre Kündigung, da Ihre Begründung offenbart, dass Sie nicht die Wertebasis besitzen, die unseren Verein auszeichnet. Sowohl in der Satzung als auch im mit Fans und Mitgliedern erarbeiteten und bereits in Informationsveranstaltungen vorgestellten Leitbild des Vereins ist unsere Haltung eindeutig formuliert.”

Nimm das, Rassist!

Auch die Spieler, die das Ex-Mitglied aufzählt, welche für ihn “Kerle mit Herzblut” waren, taugen nicht als Feigenblatt für dessen Rassismus, erklärt der Fußballverein: “Wir wissen aus persönlichen Gesprächen, dass die von ihnen genannten Spieler wie Nikolce Noveski, Niko Bungert, Marco Rose, Christof Babatz, Niclas und Dennis Weiland, Stefan Bell und viele, viele mehr unsere Werte genauso teilen, wie unsere derzeitigen Spieler rund um Mannschaftskapitän Danny Latza und seine Stellvertreter Daniel Brosinski und Moussa Niakhaté.”

Und zum Abschluss kommt die Abrechnung:

“Gerade vor diesem Hintergrund ist es aus unserer Sicht auch besonders perfide, dass Sie eine sportlich schlechte Phase zum Anlass nehmen und die Hautfarbe von Spielern als Ursache sehen und explizit nennen.

(…) Dass Sie dies zudem noch in einer Zeit artikulieren, in der die fortwährende Diskriminierung von Menschen aufgrund der Todesumstände von George Floyd weltweites Thema und glücklicherweise auch Gegenstand von vielen symbolischen und solidarischen Aktivitäten sind, bei denen sich auch viele Sportler, auch Fußballer in der Bundesliga, beteiligen, zeigt zudem, dass Ihre ablehnende Wertebasis bei Ihnen tief verankert scheint. Anders als bei Ihnen gilt für uns uneingeschränkt: „Black Lives Matter“.”

Danke, Mainz 05!



Artikelbild: Screenshots facebook.com

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