QAnon-Fans möchten das lieber verschweigen: Identität von „Q“ versehentlich enthüllt

| Bericht | 19. April 2021

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Dieser Typ ist wohl der ominöse „Q“, Gründer und Anführer des Q-Anon-Mythos

Screenshot Doku „Q: Into the storm“

Eines vorab:

Nein, „Q“ ist weder Mitglied der US-Regierung, noch Mitglied des US-Geheimdienstes, der die sogenannte Freigabestufe „Q“ hat, sondern einfach nur der Admin der Seite, auf der „Q“ seine Postings bekannt gemacht hat.

Neue Dokuserie von HBO „Q: Into the Storm“ deckt Identität von Q auf:

In der neuen sechsteiligen Dokumentation von HBO über die sogenannte „Q-Anon“-Bewegung hat sich allem Anschein nach die Identität von „Q“ aufgeklärt. In der Dokuserie geht es darum, wie aus einer verschwörungsideologischen Bewegung aus den dunklen Ecken des Internets schlussendlich der Sturm auf das Capitol in Washington erfolgen konnte:

So sagt Cullen Hoback, der die Doku produziert hat, in der Doku sinngemäß:

„Q trägt nicht die alleinige Verantwortung für den Sturm auf das Capitol, aber ohne Q, kann man ganz sicher sagen, hätte es den Sturm in dieser Form niemals gegeben.“

https://twitter.com/ARTEde/status/1347179933676744704

Der Q-Anon-Mythos

Wir haben den sogenannten Q-Anon-Mythos bereits mehrfach auf unserem Blog behandelt. Das Q-Anon-Verschwörungsmärchen geht, kurz gesagt, so: Eine geheime Welt-Elite möchte die Welt versklaven und entführt Kinder, um sie zu foltern, deren Blut zu trinken und so auf magische Weise ewig jung zu bleiben. Ja, wirklich. Ein hochrangiger anonymer Regierungsinsider mit dem Codenamen „Q“ leakt die vermeintliche Wahrheit über diese Welt-Elite in kryptischen Nachrichten auf Imageboards. Daher der Name.

Es ist bereits über ein Jahr her, dass Verschwörungsideologen wie Xavier Naidoo auf das weltweit verbreitete Narrativ hereingefallen sind, in eine Wahnwelt verfallen sind und die sektenhafte Ideologie auch in Deutschland verbreiten. Wer erinnert sich nicht an den völlig verzweifelt heulenden Naidoo:

Naidoo & Corona: Die Zerstörung des QAnon/Adrenochrom-Verschwörungsmythos

Kurz vor den Präsidentschaftswahlen in den USA dröselten wir auf, wie der Q-Anon-Mythos als PR-taktische Kommunikationswaffe für Trump im Wahlkampf genutzt wurde:

Trump streut Dolchstoß-Verschwörungslegende: So chaotisch reagiert QAnon

Im damaligen Bericht schrieben wir über den mysteriösen „Q“:

Q steht dabei für einen „Informanten”, der angeblich Zugang zu geheimen Regierungsdokumenten mit der Geheimhaltungsstufe „Q” haben soll. Dieser verpackt seine Informationen und Anweisungen in sogenannte „Q-Drops”. Das seien „Brotkrumen”, die seine fanatischen Anhänger:innen dann interpretieren und weiterverbreiten sollen. Berichten zufolge handelt es sich bei Q aber nicht um ein hochrangiges Mitglied aus dem Kreise der Regierung, sondern einfach um den 8chan-Gründer Jim Watkins (Quelle). In den USA geht man davon aus, dass von 8Chan aus Terroranschläge von weißen Nationalisten geplant wurden (Quelle).

Was man außerdem zur QAnon-Sekte Wissen muss: Donald Trump ist in dem Märchen der Held, der uns alle retten wird. Ein Messias, dessen Mission es ist, den korrupten Sumpf in der Politik auszutrocknen.

QAnon-Anhänger:innen sind ein Verschwörungskult, aber auch eine prima Verstärkung für Trumps Wahlkampf, da sie eine fortlaufende und kostenlose PR-Maschine für ihn sind, die pausenlos Propaganda und positive Werbung für ihn macht.

Imageboards? Jim Watkins? Jon Watkins?

Schon damals kursierten Gerüchte, dass der Gründer des Imageboards 8chan Jim Watkins, später dann 8Kun, hinter dem QAnon-Verschwörungsmythos stecken könnte. Hier muss sich Watkins im Jahr 2019 vor dem US-Kongress zu den Vorwürfen rechtfertigen, dass von seiner Plattform terroristisches Gefahrenpotenzial ausgeht:

Für die rechtsextremen Täter von Halle oder Christchurch spielten anonyme Online-Foren wie 8chan, KiwiFarms oder 4chan eine wichtige Rolle. Wegen der Online-Vernetzung von Teilen der Szene sprechen Beobachter:innen von einer neuen Form von „organisiertem Terrorismus“, der auf Imageboards wie von denen von Watkins stattfindet (Quelle).

Unter dem Deckmantel der „freien Meinungsäußerung“ ist es auf diesen Imageboards möglich, alles zu posten und zu diskutieren. Alles. Auch Gewaltverherrlichung und Gewaltaufrufe sind dort möglich, ohne dass diese zensiert werden.

Klar also, dass es der ideale Nährboden war, eine sektenhafte Verschwörungsideologie wie die von „Q“ zu begründen, die im Kern aussagt, dass Politiker:innen dämonenhafte Wesen seien, die das Blut von Kindern trinken möchten, um jung zu bleiben und sie deshalb entführen.

Laut der Enthüllung des HBO-Doku-Machers Cullen Hoback, hat sich „Q“ innerhalb der Doku versehentlich selbst enttarnt. Es handelt sich nicht um Jim Watkins, sondern um seinen Sohn Ron Watkins.

Wer ist also „Q“?

Im letzten Teil der Doku Serie spricht Cullen Hoback, mit Ron Watkins, der in der QAnon-Szene als „Codemonkey“ bekannt ist. Dabei verplappert sich der Admin der Seite, auf der „Q“ seine Botschaften verkündet:

Laut Ron Watkins war das Ganze für ihn sowas wie „Geheimdienst-Training für Anfänger“. Etwas, das er schon länger tat, aber niemals als „Q“ („but never as »Q«“). Daraufhin erfolgt ein fettes Grinsen von Ron und auch Cullen Roback kann sich nicht zurückhalten, da Ron hier offensichtlich selbst zugibt, „Q“ gewesen zu sein. Dann versucht Ron seine Fassung wieder zu finden: „Nein, nein, ich war niemals Q.“ Von CNN wurde darauffolgend Roback interviewt:

Das Wichtige hier:

Roback beschreibt hier, dass es sich bei Jim und Ron Watkins um zwei angeblich „Wahnsinnige“ handeln soll, die nach der Weltherrschaft trachten und eine große Abneigung gegenüber den Mainstream-Medien verspüren. Es sei ganz offensichtlich, dass die beiden Watkins hinter „Q“ steckten.

Aber von diesen Fakten wollen Q-Anon-Anhänger:innen natürlich nichts hören. Diese Sekte ist so gefangen in ihrem Wahn, sie will nichts hören, was nicht in ihr Weltbild passt. Das Entsetzen nach der Wahl Bidens haben wir hier beschrieben:

Biden vereidigt: So verzweifelt reagieren die QAnon/Trump-Fans in Deutschland

Reaktionen bei Q-Anon-Anhänger:innen darauf? Kaum vorhanden

Bei den deutschen Q-Anon-Anhänger:innen lösen die Enthüllungen kaum Reaktionen aus. Einzig Verschwörungsideologin Eva Herman teilt die Enthüllungen der HBO-Doku unkommentiert:

Weder von Xavier Naidoo, Oliver Janich (der einer der ersten Verschwörungsideologen gewesen ist, der anfing, die sogenannten „Q-Drops“ zu entziffern) oder Michael Wendler sind Kommentare zu Watkins zu finden. Und auch in den einschlägigen großen deutschsprachigen Q-Telegram Gruppen und Kanälen wird nicht über das Thema gesprochen. Wie immer versucht man wohl die Wahrheit, die einem nicht gefällt, totzuschweigen.

Verständlich, ansonsten müsste man sich dann eingestehen, dass man keinem Geheimhelden aus der US-Regierung gefolgt ist, der Geheiminformationen leakte. Sondern bloß auf die Manipulation von sogenannten Imageboard-Betreibern hereingefallen ist, die eine haarsträubend schlechte Geschichte in die Welt gesetzt haben, um damit massenhaft Menschen zu manipulieren.

Das hält übrigens der Juden hassende und bekennende Neonazi Attila Hildmann von der Q-Anon-Bewegung:

Fazit: Der Q-Anon-Mythos ist einfach nur eine ausgedachte Manipulationsfalle eines Imageboard-Betreibers

Bringen wir das alles nochmal kurz im Kern zusammen: Auf sogenannten Imageboards wie 4chan/4Kun/8Kun in den USA wurden Verschwörungsmythen groß gemacht, die davon erzählten, dass ein gewisser „Q“ geheime Informationen (direkt aus der Regierung) „leakte“, bei denen es darum ging, dass eine geheime Weltelite Kinder entführen lässt, um deren Blut zu trinken und damit jung zu bleiben. Das klingt zunächst einmal witzig. Ist es in der Summe der Konsequenzen leider nicht. In den USA ist der Mythos weit verbreitet und zerreißt Familien:

In Frankreich entführten QAnon-Anhänger:innen in ihrem Wahn selbst Kinder:

Auch in Deutschland findet der Q-Anon-Mythos immer noch Tausende von Anhänger:innen. Obwohl so viele von “Q“s Vorhersagen schon falschlagen und immer noch falschliegen, wollen immer noch zu viele diesem Kult hinterherrennen.

Lockdown-Vorhersage ausgeblieben: 71 Fälle, in denen QAnons daneben lagen

Q-Anon führte schon zu Terror und Mord

Das „Pizza-Gate” in den USA führte schon dazu, dass ein Mann mit einem AR-15-Gewehr eine Pizzeria in den USA stürmte, weil man ihm eingeredet hatte, dort würden die Clintons missbrauchte Kinder festhalten (Quelle). Im März 2019 soll ein Mann einen Mafiaboss umgebracht haben, weil er glaubte, er sei Teil des „tiefen Staates”. Das FBI warnt auch vor der Terrorgefahr durch „QAnon” (Quelle). Wenn jemand ernsthaft glaubt, dass Tausende Kinder gefoltert werden und keiner davon etwas weiß, dann ist es ja kein Wunder, dass er versucht, diese Kinder zu befreien.

Auch der rechtsextreme Terrorist von Hanau, der 9 Menschen tötete, glaubte an diesen Verschwörungsmythos (Quelle). Der rechtsextreme Terrorist von Halle glaubte auch an eine „jüdische Weltverschwörung”, weshalb er ein Massaker in der Synagoge anrichten wollte – und zwei Menschen erschoss (Quelle).

Einem Kult, der glaubt, eine internationale Kabale aus Satan anbetenden, Kinderblut trinkenden Pädophilen und Kinderschmugglern habe alle Regierungen unterwandert und steuert alle Geschicke. Dazu gehören natürlich Merkel, Grüne und Linke und retten kann uns natürlich nur Trump. Neuerdings vermischt sich der Mythos auch mit judenfeindlichen Narrativen:

Ein gefährlicher Wahn, der gestoppt werden muss

Es ist also sehr wahrscheinlich, dass dieser mörderische Wahn einfach nur von einem Imageboard-Betreiber namens Ron Watkins und seinem Dad in die Welt gesetzt wurde, um Stimmung zu erzeugen und Menschen in eine gewünschte Richtung zu lenken.

Beim QAnon-Mythos handelt es sich ganz offensichtlich einfach nur um eine massenhafte Manipulation von leichtgläubigen Menschen, die lieber an satanische Politiker:innen glauben als daran, dass ihnen zwei Imageboard-Betreiber von ihrem Keller aus eine fette Lügengeschichte auf die Nase gebunden haben.

Artikelbild: Brandon Stivers / Screenshot Doku „Q: Into the storm“

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