In Tränen ausgebrochen nach Querdenken-Demo-Flop: Psychische Folgen der Panikmache

| Bericht | 19. April 2021

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Was passiert, wenn die Welt untergeht, aber niemand kommt?

Beitrag von Laurin U.

Wie ideologisch verblendet Teile der „Querdenken“-Bewegung mittlerweile sind, zeigt ein neues Video von einer Demo aus Berlin. Denn Teile der Querdenker:innen hatten für Freitag wieder nach Berlin gerufen, da der Bundestag zur gleichen Zeit über eine (weitere) Änderung des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) debattiert hat. Die Verschwörungserzähler:innen sehen in dieser Änderung (schon wieder) ein neues „Ermächtigungsgesetz“. Das ist aber nicht mal das erste Mal, schon bei den beiden vorigen Änderungen des IfSG im Mai und November haben sie das prophezeit (mehr dazu). Und trotzdem leben wir immer noch in einer Demokratie.

Mit dem „Ermächtigungsgesetz“ wurde Adolf Hitler 1933 faktisch zum Alleinherrscher über Deutschland. Dass dieser Vergleich nicht nur hinkt, sondern ihm gleich beide Beine fehlen, sollte folglich klar sein.

Ihr werdet verarscht: Wir zerlegen den Quatsch vom Fake-“Ermächtigungsgesetz”

Das richtet so eine Panikmache mit einem an

In dem Video, um das es geht, sind eine Frau und ein Mann zu sehen, welche extra aus Düsseldorf nach Berlin gereist sind, um an der Demo teilzunehmen. Sie sind völlig aufgelöst, da laut eigener Aussage lediglich ungefähr hundert Teilnehmer:innen zu der Demo vor dem Bundestag gekommen sind, aber seht selbst:

Die Reaktion der beiden ist nachvollziehbar, da sie glauben, dass zur gleichen Zeit im Bundestag eine Diktatur „eingerichtet“ wird. Aber niemand ist gekommen, um dagegen zu demonstrieren. Abgesehen davon, dass das natürlich nicht stimmt, zeigt es, zu welchem psychischen Druck der Verschwörungsglaube führt. Verschwörungserzähler:innen probieren es gerne so darzustellen, als ob die „Mainstreammedien“ ständig nur Panik zu verbreiten. Wenn man aber mal in ihre Telegram-Kanäle schaut, kann man sich vor roten Ausrufezeichen teilweise kaum noch retten.

„Querdenken“ eine Endzeitsekte?

Zu Teilen kann man diese Frage sicherlich mit ja beantworten. Allerdings unterscheidet sich die „Querdenken“-Bewegung in Teilen auch von den „klassischen“ Sekten. Anderes als zum Beispiel bei den Zeugen Jehovas gehen Querdenker:innen nicht davon aus, dass die Welt an sich untergeht und jeder „Ungläubige“ stirbt. Sie verbreiten dafür zum Beispiel, dass in sehr naher Zukunft eine weltweite Diktatur eingeführt wird. Dieser Verschwörungsglaube ist unter dem Namen „The Great Reset“, beziehungsweise „New World Order“ (Quelle) bekannt.

Ergänzung zu diesem Mythos, den viele Verschwörungsgläubige teilen, ist, dass durch die Impfungen nahezu die gesamte Menschheit ausgelöscht werden soll. Am Ende heißt es teilweise, dass nur noch 500.000 Menschen überleben sollen. Gleich bleibt, dass es jeweils eine nicht näher definierte „Elite“ gibt, die für alles verantwortlich sein soll. Um den Hass zu personifizieren, sind oft Angela Merkel, Bill Gates, George Soros oder Jakob Rothschild Schuld. Dass es auffällig oft Juden sind, ist kein Zufall. Für diese krude Erzählung gibt es logischerweise keine Beweise.

Ein weiterer Unterschied zu anderen Endzeittheorien ist, dass sie sich aufhalten lassen. „Normale“ Endzeittheorien sind meistens gottgegeben und das Einzige, was man machen kann, ist, sie zu akzeptieren und zu hoffen. Bei vielen Verschwörungsmythen ist das anders, denn die Einführung einer Diktatur, von der Querdenker:innen gerne sprechen, lässt sich aufhalten. Zumindest, wenn genug mitmachen würden.

Fazit

Verschwörungsgläubige leben in ihrer eigenen Welt, meistens auf Telegram, in einer sorgfältig aufgebauten Blase. Dort können sie die Realität nahezu ausblenden und geraten so in eine Welt, in der sie Millionen sind und Deutschland eine Diktatur. Was passiert, wenn man nach „einem Jahr im Untergrund“ wieder mit der Realität konfrontiert wird, zeigt dieses Video aus Berlin exemplarisch. Es verdeutlicht auch, welchen psychischen Druck der Verschwörungsglauben auslöst und aufbaut.

Mal ganz abgesehen davon, dass es in Deutschland immer noch eine Demokratie gibt, ist es durchaus nachvollziehbar, dass man wütend, frustriert und verzweifelt ist. Besonders wenn man gerade 600 km aus Düsseldorf nach Berlin gefahren ist, um an einer Demo teilzunehmen, damit dort dann ungefähr hundert Leute zusammenkommen. Und wenn man dann noch mit einbezieht, dass die beiden wirklich glauben, dass diese Demo die vielleicht letzte Möglichkeit war, eine Diktatur in Deutschland zu verhindern, versteht man auf alle Fälle, wieso sie so handeln. Wie Menschen aber in solche Parallelwelten abrutschen und sich der Realität so verweigern können, fällt schon deutlich schwerer zu verstehen.

Autor: Beitrag von Laurin U. Artikelbild: Screenshot twitter.com

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