Ihr bleibt fruchtbar! So täuschen euch Bhakdi & Co. mit Impf-Lügen über Unfruchtbarkeit

| Corona-Fake | 16. September 2021

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Keine Sorge, ihr bleibt geimpft fruchtbar!

von Marie-Lena Nelle

Geimpfte bleiben nach der Impfung ganz normal fruchtbar, das gilt für alle Geschlechter. Es gibt nach Milliarden Impfdosen und etlichen Studien KEINE Hinweise darauf, dass die Fertilität durch die Impfung beeinflusst wird oder Unfruchtbarkeit auftreten würde (Quelle, Quelle, Quelle). Geimpfte kriegen und zeugen bisher ganz normal Kinder, das ist eine wissenschaftlich robuste Tatsache. Dennoch verbreiten bekannte Betrüger:innen und Verschwörungsideolog:innen Lügen darüber, für Aufmerksamkeit und den persönlichen Profit.

Querdenker Dr. Sucharit Bhakdi, einst respektierter Professor für Mikrobiologie, ist bekannt dafür, gefährliche Desinformationen zu Corona und den Impfstoffen dagegen zu verbreiten. (Viele von ihnen haben wir bereits analysiert.) In diversen Interviews und Sendungen behauptete er, dass die Messenger-RNA (mRNA)-Impfung unfruchtbar machen könnte – zunächst beschränkte Bhakdi sich auf die Fortpflanzungsfähigkeit von Frauen*, mittlerweile verbreitet er auch Märchen über angebliche negative Auswirkungen der Impfungen auf die männliche* Fortpflanzungsfähigkeit. Die Quellen zu seinen Unwahrheiten legt Bhakdi wie gewohnt nicht offen – weil es wohl keine gibt. Der in Wissenschaftskreisen völlig diskreditierte Pensionierte erzählt hier aber nur Unwahrheiten, die die Bevölkerung verunsichern.

Die größten Fakes im Bhakdi-Buch: Wir haben “Corona Fehlalarm?” gelesen, damit ihr es nicht müsst

Die unsinnige Erklärung der Fake-Verbreiter:innen

Es braucht keine aufwendige Recherche, um angebliche biologische Erklärungen zum Mythos „COVID-19-Impfung erhöht das Infertilitätsrisiko“ in den sozialen Netzwerken zu finden:

Syncytin-1 – welches für die Bildung der Plazenta verantwortlich ist – und das Spike-Protein von SARS-CoV-2 – auf das sich die mRNA-Impfung stützt – seien sich strukturell so ähnlich, dass der Körper nach einer Impfung nicht mehr zwischen dem körperfremden und dem körpereigenen Protein unterscheiden könne. Infolgedessen würden die vom Körper gebildeten Antikörper nicht nur das Virusprotein angreifen, sondern auch das für eine erfolgreiche Schwangerschaft unerlässliche Plazenta-Protein Syncytin-1. Verglichen wird dieser hypothetische Vorgang mit dem Phänomen der Kreuzallergie.

Bei einer Kreuzallergie reagiert das Immunsystem überempfindlich auf gleiche oder ähnliche Allergene aus verschiedenen Quellen: Auf eine Allergie gegen Birkenpollen kann beispielsweise später eine Haselnussallergie als Kreuzreaktion hinzukommen, weil diese Nüsse Proteine enthalten, die jenen in Birkenpollen ähneln (Quelle).

Doch kann es auch bei einer mRNA-Impfung zu derartigen Kreuzreaktionen kommen?

Absurdes Argument: Fünf Proteine von 500 sind etwas ähnlich

Proteine bestehen aus langen Aminosäure-Ketten (Sequenzen), die häufig als Buchstaben dargestellt werden:

Ein M steht zum Beispiel für Methionin, ein L für Leucin. Um eine möglicherweise enge Verwandtschaft zweier Proteine abzuklären, werden deren Aminosäure-Sequenzen miteinander verglichen (Quelle). Tatsächlich fanden Forschende Ähnlichkeiten in den Sequenzen von Syncytin-1 und dem SARS-CoV-2-Spikeprotein:

Spikeprotein: VVNQN

Syncytin-1: VVLQN

Das Spike-Protein von SARS-CoV-2 besteht aus 1.273 solcher Aminosäuren, während sich das Plazenta-Protein Syncytin-1 aus 538 zusammensetzt. Beim Befund handelt es sich um 5 von mehr als 500 Aminosäuren, die zwar in ähnlicher, aber nicht identischer Form im Spike-Protein vorkommen. Doch erst ab 8 bis 10 identischen und aufeinanderfolgenden Aminosäuren steigt die Wahrscheinlichkeit für etwaige Kreuzreaktionen. Strukturähnlichkeiten treten zudem sehr häufig auf und sind nicht spezifisch für die COVID-19-Impfung: Vergleiche mit anderen Viren, zum Beispiel den Erkältungsviren (Rhinoviren), können ebenfalls geringfügige Ähnlichkeiten in den Sequenzen mit dem Plazenta-Protein aufweisen. Nach Bhakdis Logik müssten sich also auch Frauen* mit Husten, Schnupfen und Heiserkeit um ihre Fertilität sorgen (Quelle).

Was die Lügner nicht bedenken: Wenn die Impfung unfruchtbar machen würde… dann aus demselben Grund auch die Corona-Infektion!

Weiterhin hätten COVID-19-Infektionen bereits schädliche Auswirkungen auf Schwangere und Personen mit Kinderwunsch zeigen müssen, da der Körper bei einer Erkrankung mit SARS-CoV-2 schließlich dieselben Abwehrmechanismen wie nach einer Impfung bildet. Weltweit ist jedoch kein einziger solcher Fall bekannt. Eine Corona-Erkrankung während einer möglichen Schwangerschaft stellt zudem ein deutlich höheres Risiko für Mutter* und Kind dar. Aufgrund dessen wird Frauen* mit Kinderwunsch zur Impfung geraten. (Quelle, Quelle, Quelle)

Doch wie zu Beginn genannt, werden nicht nur Frauen* durch unwissenschaftliche Behauptungen und Desinformationen verunsichert. Bei den Herren*, so das hartnäckige Gerücht, sollen die mRNA-Vakzine ebenfalls zu Unfruchtbarkeit und sexuellen Funktionsstörungen führen können. Auch hierfür gibt es keine wissenschaftlichen Hinweise, jüngst verwies eine US-Studie sogar in die andere Richtung: die Forschenden untersuchten Spermaproben von 45 gesunden Männern* im Alter von 18 bis 50 Jahren jeweils vor und nach der Impfung mit einem mRNA-Impfstoff.

Spermienkonzentration nach 2. Impfung sogar gestiegen

In der Analyse konnte kein unerwünschter Einfluss des Vakzins auf die Fortpflanzungsfähigkeit und Sexualfunktion der Probanden* festgestellt werden – der Wert der durchschnittlichen Spermienkonzentration war aber nach der 2. Impfdosis sogar deutlich (+ 4 Millionen pro Milliliter) gestiegen. Die COVID-19-Impfungen seien also weder Ursache für Erektionsstörungen noch für Unfruchtbarkeit, resümieren die Forschenden.
(Quelle).

Risiko von Unfruchtbarkeit und Erektionsstörungen steigt – bei Infektion mit Corona

Länger bekannt hingegen ist, dass Virusinfektionen ein erhöhtes Risiko für eben jene Erkrankungen darstellen (Quelle, Quelle) – so auch COVID-19.

Das Risiko von Unfruchtbarkeit und Erektionsstörungen steigt, je schwerer die Infektion verläuft (Quelle). Mitautor Ranjith Ramasamy, Professor für Urologie an der University of Miami, und sein Team konnten in einer früheren Studie bereits SARS-CoV-2 Viren im Hodengewebe an Patienten* finden, die an COVID-19 gestorben sind (Quelle). Der Studie nach beeinträchtigt das Virus nicht nur die Spermienproduktion und Fertilität, sondern auch die Erektionsfähigkeit (Quelle).

Fazit:

Die unter anderem vom Pandemie-Leugner Dr. Sucharit Bhakdi verbreitete These, mRNA-Vakzine erhöhen das Infertilitätsrisiko, ist eine haltlose Desinformation. Auf mRNA basierende Vakzine verschwinden bereits wenige Wochen nach Injektion aus dem Körper und können somit nicht direkt Langzeitfolgen wie etwa Unfruchtbarkeit bewirken. Die pseudowissenschaftliche Argumentation ist nicht einmal in der Theorie robust, und in unzähligen Studien und nach Milliarden Impfungen konnte nichts dergleichen nachgewiesen werden.

Im Gegensatz zur Impfung erhöht eine natürliche Coronainfektion die Wahrscheinlichkeit für Unfruchtbarkeit und Erektionsstörungen – hierfür gibt es wissenschaftliche Evidenzen. Wer hingegen geimpft ist, schützt seine Fertilität und Sexualfunktion – unserem Körper ist es nämlich völlig egal, was Wissenschaftsleugner:innen behaupten und sich herbeifantasieren.

Autorin: Marie-Lena Nelle. Artikelbild: Syda Productions

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