Ausgerastet wegen Klopapier: Eine Drogerie-Mitarbeiterin berichtet über Horror-Kunden

| Gastkommentar | 21. März 2020

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Was ist nur mit unserer Gesellschaft los?!

Ich arbeite in einer Filiale des dm-Drogerie Marktes bei Berlin. Ich arbeite seit fast 10 Jahren in diesem Unternehmen. Habe nach dem Abitur meine Ausbildung gemacht, sogar verkürzt auf 2 Jahre. Ich habe bereits in 4 Filialen gearbeitet. Habe jeden Tag einen abwechslungsreichen Filial-Alltag und noch abwechslungsreichere Kunden. Ich habe schon so einiges erlebt, aber das, was mir heute passiert ist, trifft mich zu tiefst. Ja, wir haben gerade eine schwere Zeit. Die Nerven liegen bei vielen Leuten flach. Viele Menschen haben Angst. Es wird überall gehamstert.

Wir in unserer Filiale haben gemeinsam beschlossen, dem entgegen zu wirken, in dem wir die verkauften Mengen rationieren. Das sieht dann so aus, dass bei uns pro Kunde nur einmal Toilettenpapier, nur einmal Haushaltsrolle, zwei mal Seiten etc. verkauft werden. Die meisten Kunden finden das klasse. Einige hingegen finden das natürlich doof, diskutieren auch kurz mit dir, aber akzeptieren es letzten Endes doch.

Nun ja, nur nicht eine Kundin heute.

Die Dame stand mit Kapuze auf dem Kopf, Mundschutz um und Handschuhen an vor mir an der Kasse. Auf das Band legte sie u. a. zwei XXL-Pakete Toilettenpapier, sprich 20 Rollen pro Paket. Ich nahm ein Paket vom Kassenband und erklärte ihr kurz und sachlich auch, warum. Sie fragte mich, ob sie denn nun ehrlich ihren Partner im Auto hineinschicken müsse, damit sie das zweite Paket auch noch bekomme. Ich verneinte dies, und erklärte ihr noch mal, dass sie nicht hamstern müsse und wir das als Laden nicht unterstützen.

DARAUFHIN NAHM SIE DEN MUNDSCHUTZ AB, HUSTETE MICH AN UND SAGTE MIR INS GESICHT, DASS SIE HOFFT, DASS ICH CORONA KRIEGE UND DARAN STERBEN WERDE.

Ich war so perplex, konnte nichts sagen, kassierte sie und die folgenden Kunden weiter ab und schloss erst dann die Kasse um mich nach hinten ins Lager zu begeben, wo mir dann erst richtig bewusst wurde, was mir da gerade passiert ist.

Entschuldigung, aber was ist los?

Die Gesundheit anderer Menschen auf das Spiel zu setzen, wegen Toilettenpapier? Mir drohen, wegen Toilettenpapier? Mir ist noch immer ganz schlecht. Ich habe Zuhause einen 2-jährigen Sohn, einen Mann, wir beide arbeiten noch, gucken jeden Tag, dass wir den Kleinen betreut bekommen, um weiter für die Kunden da zu sein, und dann passiert mir so etwas! Was ist das nur für eine Gesellschaft?! Und ich stehe morgen wieder im Laden und buckel mir einen ab, um für solche Kunden für Nachschub zu sorgen?!

Das geht gar nicht.




Gastautorin: Denise Michel, Artikelbild: Denise Michel

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