Die wohl wichtigste Meldung fürs Klima, die du wahrscheinlich nicht gehört hast

Klima

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Es ist schlimmer als befürchtet

Immer noch wird in der Öffentlichkeit und Politik die Dramatik und die Dringlichkeit der Klimakrise massiv unterschätzt. Im Bundestag sitzt gar eine Partei, die den menschengemachten Klimawandel gänzlich leugnet, doch auch die Union ist mit ihrer Verschleppungstaktik äußerst gefährlich. Dabei ignoriert sie ihren eigenen Koalitionsvertrag und das Pariser Klimaabkommen. Wenn man diese ernst nehmen würde, müsste die Klimaneutralität bereits 2035 erreicht werden. Und wir wollen noch 2038 Kohle verbrennen!

Es ist kein Wunder, das das Ausmaß der Klimakatastrophe bei vielen Menschen nicht realisiert wird, wenn diese in den Medien kaum behandelt werden. Denn: Es ist viel schlimmer als gedacht. Neue Studien legen nahe, dass die Eisschmelze in der Arktis viel schneller abläuft als bisher angenommen. In Grönland verlor die Insel 2 Milliarden Tonnen Eis am Tag, wie der Experte Thomas Mote von der University of Georgia in CNN erklärte. Zur Visualisierung:



Schmelze 70 jahre früher als gedacht

Bereits im Jahr 2012 schmolz das Eis in Grönland so stark wie nie zuvor, die Forscher fürchten jetzt, dass jetzt ein neuer Rekord aufgestellt wird. Auch alarmierend ist die Meldung, dass die Permafrostböden der kanadischen Arktis ebenfalls viel schneller als vorgesehen. „An allen untersuchten Stellen traf oder übertraf die maximale Auftautiefe seit 2003 die in einem Szenario des UN-Weltklimarats IPCC für 2090 prognostizierten Werte“, sagt das Forscherteam des Geophysikalischen Instituts in Fairbanks, Alaska.

Die Befürchtungen der Forscher werden übertroffen: Selbst wenn die Welt sich an die Vorgaben des Pariser Klimaabkommens halten sollte (was bisher nicht der Fall ist, Deutschland verpasst seine Ziele für 2020 deutlich), würden die Temperaturen in der Arktis bis 2050 3 bis 5 Grad höher als bisher. So der Unep-Bericht „Global Linkages“. Bereits 2030 dürfte die Arktis im Sommer eisfrei sein. Wir müssen also jetzt dringend handeln. Doch warum wird diese Meldung nicht breit diskutiert?

Meghan Markle ist interessanter

Bis zum Freitag haben nur sehr wenige deutsche Medien über diese schockierende Nachricht berichtet, dass das Eis in Grönland viel stärker schmilzt als angenommen, wie die taz oder der Focus. Die Anzahl aller Meldungen dazu ist höchst überschaubar, wie Analysen zeigen:

Nimmt man beispielsweise zum Vergleich Artikel mit Meldungen über „Meghan Markle“ sieht man die Diskrepanz deutlicher:

Und nein, Klatschzeitungen sind nicht dabei, es handelt sich um Spiegel und Co.

Mehr über Klima berichten!

Und natürlich werden sich immer mehr Menschen bewusst, wie sehr wir bei der Bewältigung Klimakrise hinterherhängen. Erst gestern demonstrierten zehntausende Demonstranten in Aachen bei #FridaysForFuture. Dennoch wird das Thema anscheinend von den Regierungsparteien weiter ignoriert, kein Wunder also, dass die Grünen inzwischen in Umfragen die stärkste Partei sind. Dennoch ist dieses Fehlen an Meldungen, die die Dringlichkeit des Themas verdeutlichen, ein Faktor, der die Lethargie der Politik erklärt. Und warum „Klimaskeptiker“ mit Unsinns-Argumenten und Verschwörungstheorien Zulauf erhalten:

Mit diesen Fakten & Strategien zerlegst du AfD-Klimaskeptiker in Diskussionen (Teil 1)

Und natürlich geht das ohne Alarmismus und Clickbait. Aber es wäre schön, wenn solche beunruhigenden Meldungen mehr Aufmerksamkeit bekommen würden. Die Klimakrise ist eine Informationskrise.

Daten: Philip Kreißel, Artikelbild: pixabay.com, CC0, Dean Drobot, shutterstock.com

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