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Studie: So sieht der worst case der Klimakrise aus

von | Sep 12, 2022 | Aktuelles, Umwelt/Klima

Katastrophale Szenarien: Was passieren könnte, wenn wir beim Klima versagen

Während sich die Menschheit Krisen wie der globalen Pandemie aktiv annimmt, hapert es bei der Klimakrise nach wie vor an effizienten, dringlich benötigten Lösungen. Ein neues Paper zeigt nun, was im Worst Case passieren könnte, wenn die Regierungen dieser Welt weiterhin rumtrödeln und die Chance auf wahre Veränderung verpassen. Spoiler: Unsere Zukunft sieht katastrophal aus.

Desaströse Zukunftsszenarien sollen mobilisieren

In der Hoffnung, katastrophale Zukunftsszenarien könnten Regierungen und Individuen im Kampf gegen den Klimawandel informieren und mobilisieren, nahmen sich einige Wissenschaftler:innen dem Thema der Worst-Case-Klimakatastrophe an. Forscher:innen verschiedener Institutionen wie des Centre for the Study of Existential Risk der University of Cambridge, des Center for Health and Global Environment der University of Washington oder des Potsdam Institute for Climate Impact Research taten sich zu diesem Zweck zusammen. Am 01. August 2022 veröffentlichten sie dann ihre Analyse mit dem Titel „Climate Endgame: Exploring catastrophic climate change scenarios“.

Die Katastrophe könnte eintreten, selbst wenn die anthropogenen Treibhausemissionen sinken

Aktuell ist klar: Die Erde wird sich durch den menschgemachten Klimawandel bis 2100 um 2,1 bis 3,9 Grad erwärmen. Würden weltweit alle langfristigen Klimaziele erreicht, so würde sich die Erwärmung auf lediglich 1,7 bis 2,6 Grad belaufen. Selbst wenn letzteres der Fall ist, halten es die Autor:innen des Papers für wahrscheinlich, dass es spätestens nach 2100 zu einem extremen Klimawandel kommt. Dieser Fall könnte selbst dann eintreten, wenn anthropogene Treibhausemissionen stark sinken – beispielsweise durch das Auftauen des arktischen Permafrosts, das Methan und CO2 freisetzt oder die Kohlenstoffemissionen durch Dürren und Brände. Laut den Autor:innen sind solche Kipppunkte nicht unbedingt proportional zur Erwärmung. Trotz aller menschlichen Bemühungen könnte die Erderwärmung so ab einem bestimmten Punkt nicht aufzuhalten sein, weil zu lange nicht gehandelt wurde.

Worst Case: Treibhaus-Erde?

Ein solcher Point-of-no-Return könnte laut dem Paper sogar in einer sogenannten Treibhaus-Erde resultieren: Die Erde befindet sich dann aufgrund der Erwärmung von mindestens zwei Grad Celsius jenseits einer planetaren Grenze. Die Konsequenz: Sehr starke Temperaturerhöhungen, eine Verschiebung der Klimazonen und der unberechenbare Anstieg des Meeresspiegels. Dabei handelt es sich laut den Autor:innen um eins der ‚very worst case‘-Szenarien und zudem ein ‚unbekanntes Unbekanntes‘, das noch lange nicht genügend erforscht ist. Gerade deshalb fordern die Autor:innen dazu auf, es sich näher anzusehen.

Wie die Klimakrise menschliches Leben beeinträchtigen könnte

Die Autor:innen skizzieren einige desaströse Szenarien, die mit der eintretenden Klimakatastrophe Realität werden könnten. Zunächst weisen sie darauf hin, dass Klimakrise – ob regional oder global – bei jedem der fünf Massenaussterben der Erdgeschichte des Phanerozoikums (Zeitalter des „sichtbaren Lebens“) eine Rolle gespielt hat. Laut den Wissenschaftler:innen ist der aktuelle Kohlenstoffanstieg von einem beispiellosen Tempo geprägt. Daher könnte bereits bis zum Ende des 21. Jahrhunderts eine Schwelle überschritten werden, die in der Vergangenheit Massenaussterben auslöste. Als vier apokalyptische Reiter, die zur klimabedingten Morbidität beitragen könnten, identifizieren die Forscher:innen Hunger sowie Unterernährung, extreme Wetterereignisse, resultierende zwischenmenschliche Konflikte und vektorübertragene Krankheiten. Dazu kommen zusätzliche Risiken wie die Sterblichkeit durch Luftverschmutzung und der Anstieg des Meeresspiegels.

Auch indirekte Belastungen nicht zu unterschätzen

Zudem könnte der Klimawandel zu indirekten Belastungen wie wirtschaftlichen Schäden beitragen. Solche Systemausfälle könnten demnach „Gesellschaften auf der ganzen Welt aus dem Gleichgewicht bringen“. Dieser Effekt wird weiterhin dadurch verstärkt, dass die negativen Auswirkungen des Klimawandels insbesondere dort zu spüren sein werden, wo heute schon gefährdete Staaten und Gemeinschaften angesiedelt sind.

Im letzten Szenario weist das Paper daraufhin, dass der Klimawandel die Fähigkeit der Menschheit einschränken könnte, mit anderen Katastrophen umzugehen. Während diese zu Zeiten von Stabilität womöglich zu managen sind, wird der Umgang mit ihnen umso schwerer, wenn Gesellschaften bereits mit den Auswirkungen der Klimakatastrophe zu kämpfen haben.

Appell für mehr katastrophale Zukunftsszenarien

Die Autor:innen des Papers betonen im Zuge ihrer Analyse mehrmals, dass die Klimakrise nicht genügend erforscht ist und dadurch kaum verstanden wird. Analog dazu werden auch die globalen Auswirkungen einer Erwärmung um drei Grad Celsius oder mehr selten quantitativ betrachtet – insbesondere im Verhältnis zur Wahrscheinlichkeit, dass eine solche Erderwärmung tatsächlich eintritt. Die Wissenschaftler:innen nehmen sich daher einer solchen extremen Risikobewertung an, stellen die schlimmsten Risiken des anthropogenen Klimawandels in den Fokus und appellieren an andere Wissenschaftler:innen, es auch zu tun. Denn extreme Risikobewertungen seien notwendig, um eine Chance zu haben, eine solche katastrophale Zukunft zu verhindern.