So gut zeigt dieser Jugendliche klare Kante gegen Rechts

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Haltung. Rückgrat. Jakob Springfeld.

Zwickau und ein abgesägter Baum. Bäume absägen ist uncool, gerade in Zeiten von immer größer werdenden Protestierendenmassen, die seit langer Zeit einen Beitrag zum Klimaschutz fordern.

Zwickau und ein abgesägter Baum, eigentlich nur eine Randnotiz. Wenn es nicht um einen Gedenkbaum für Enver Şimşek ginge. Ein Baum für eines der Opfer, die durch den NSU ermordet wurden. Einer, der ermordet wurde, weil er einen Migrationshintergrund hat.



Zwickau, Heimat deS NSU

Zwickau war zudem auch bis zuletzt die Heimat des NSU-Trios Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt. Bereits 2016 gab es ein von einer Künstler*innengruppe gestiftetes Mahnmal bestehend aus zehn weißen Bänken. Diese Bänke standen stellvertretend für die bis dahin bekannten zehn Opfer des NSU. Kurze Zeit später wiesen die Bänke jedoch bereits Spuren von Vandalismus auf.

Die Oberbürgermeisterin aus Zwickau, Pia Findeiß (SPD) sprach sich zunächst gegen weitere Mahnmale aus, auch, damit Zwickau nicht zu einem „Pilgerort“ der rechtsextremen Szene werde. Man entschied sich dann aber doch dafür ein neues Mahnmal zu setzen, diesmal in Form von zehn Bäumen. Bereits der erste Baum wurde am 04.10.2019 „gefällt“, Tatverdächtige wurden bislang noch nicht identifiziert, doch die Stadt selbst ist unruhig.

Sie möchte keinen rechtsextremen Hotspot bieten und dank ihrer Bürgerinnen und Bürger könnte das gelingen. Denn da wäre zum Beispiel Jakob Springfeld, er und 119 weitere Schüler*innen des Gymnasiums legten an der Stelle des gefällten Baumes Blumen nieder. In einem Interview mit ze.tt sagt er: „(…) irgendwie war das zu erwarten.“. Und auch, dass er von dem NSU erst so richtig bei einem Sommerkongress der Fridays for future Bewegung, nicht jedoch in der Schule gehört habe.

Dynamiken des Internets

Jakob ist einer dieser Jugendlichen, bei denen man denken könnte: „Was soll einer allein schon bewirken können?“. Aber dabei unterschätzen wir die Dynamik des Internets. Die Aktion, spontan Blumen niederzulegen, startete auf Instagram. Sie fand seinen Weg über die Schüler*innenmitverwaltung und wurde dann von diesem Multiplikator aus an Klassenchats weitergeleitet. Proteste wie Fridays for future sind es auch, die die Jugendlichen in Zwickau stärker als zuvor politisiert haben, sie setzen sich aktiv dafür ein, dass Zwickau nicht in erster Linie mit dem NSU in Verbindung gebracht wird.

Jakob ist einer von diesen Jugendlichen, die einfach machen und sich nicht fragen, was sie denn alleine bewirken können. Er handelt, weil es im wichtig ist. So ist er auch seit einiger Zeit stark engagiert bei Fridays for future und ist auch dort Angriffen von rechts ausgesetzt. Bei einer der letzten Kundgebungen kamen sogar bekannte Rechtsextreme und schalteten die Technik ab. Erst ein Platzverweis durch die Polizei führte dazu, dass die Kundgebung weiter abgehalten werden konnte.

Jakob Springfeld lässt sich davon nicht einschüchtern, stattdessen sucht er nach Lösungen, wie man das Abdriften in den rechten Raum verhindern kann. Für ihn ist ein Handlungsfeld die Stärkung der Jugendarbeit, da viele Jugendliche nicht wüssten wohin mit sich und sich daher oft extremen Verbindungen anschließen.

Engagement aufrecht halten

Bleibt zu hoffen, dass Jakob Springfeld weiterhin so engagiert bleibt und genug Menschen mobilisieren kann um ein anderes Bild von Zwickau zu zeichnen. Wünschenswert wäre, wenn es ihm gemeinsam mit der Oberbürgermeisterin überparteilich gelingen könnte, dass Zwickau nicht als Mekka der Rechtsextremen gelten würde.

So kannst auch du helfen:

#100für1: „Für jeden Gedenkort, den Ihr zerstört, schaffen wir 100 neue!“

Artikelbild: Jakob Springfeld (Twitter)

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