Ich habe ein echtes Masken-Attest. Maskengegner machen mir das Leben schwer.

| Kommentar | 25. November 2020

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Von einem, der keine Maske trägt, aber gerne würde

Seit über einem halben Jahr befinden wir uns nun „im Bann der Maske“ und es gibt eine Minderheit der Bevölkerung, die zu grundsätzlichen Maskenverweigerern geworden sind. Sie weigern sich, einen MNS zu tragen, weil sie sich dadurch in ihren Grundrechten beschnitten fühlen. Und DAS zeigen sie auch öffentlich und mit einer Vehemenz und teilweise extremer Aggressivität, die anderen das „Blut zum Kochen bringt“. Über diese Menschen wurde schon sehr viel geschrieben und sich auch zu Recht – meiner Meinung nach – aufgeregt. Sie laden sich ein gefälschtes Attest aus dem Netz und ähnliches, um die Regelungen zu umgehen und ähnliches.

Ich habe ein echtes Attest

Es gibt jedoch auch noch eine weitere Gruppe von Menschen, zu denen ich persönlich auch gehöre. Nämliche die Leute, die aus (echten) gesundheitlichen Gründen von der Maskenpflicht befreit sind. Und selbst bei dieser Gruppierung muss und sollte man nach Ausmaß und Schwere der Erkrankung(en) und nach Notwendigkeit der Befreiung differenzieren. Mein Hausarzt hat mich zu Beginn der Maskenpflicht von jener aus mehreren gesundheitlichen Gründen befreit, da ich bestimmte chronische Lungen- und Herzerkrankungen habe.

Nun kann man auch sagen, dass man trotz dieser Vorerkrankungen Masken tragen könnte und dem möchte ich nicht widersprechen. Eigentlich. Jedoch muss ich auch hier wieder ein wenig differenzieren, da es auch auf die Schwere ankommt. Bei mir persönlich ist es so ausgeprägt, dass ich selbst ohne Maske Schwierigkeiten beim Atmen habe. Trotz alledem habe ich versucht, Masken zu tragen. Angefangen von selbst genähten über gekaufte Stoffmasken bis hin zu den einfachen Einmalmasken (solche, wie sie auch in Krankenhäusern, im OP genutzt werden). Auch die tollen Volksverpetzer-Masken natürlich.

Und musste feststellen, dass mir das Tragen erhebliche Schwierigkeiten bereitet. Nun mögen jedoch einige sagen, dass es ja auch noch andere Möglichkeiten gibt, sich selber und andere zu schützen, wie zB sogenannte „FaceShields“, aber diese sind vom Gesetzgeber, zumindest hier in Schleswig-Holstein, (mittlerweile) nicht mehr zulässig.

Weil ich keine Maske tragen kann, bleibe ich so gut es geht zu Hause

Wie schütze ich mich und andere nun davor, sie anzustecken oder Überträger zu sein? Ich bleibe „einfach“ daheim in den eigenen vier Wänden oder im Garten. Ich bin aber auch in der glücklichen Lage, dass ich eine Familie habe, die mich unterstützt, wo sie nur kann.

Da es aber Dinge gibt, die ich nicht auf alle anderen abwälzen kann und will, wie zB regelmäßige Arztbesuche, bestimmte Einkäufe (beispielsweise Baumarkt, Bekleidungsläden u.ä.), bewege ich mich zwangsläufig manchmal ohne Maske in der Öffentlichkeit. In solchen Fällen achte ich schon aus Eigenschutz immer auf ausreichenden Abstand, Einhaltung der Hygienemaßnahmen und so wenig wie möglich Kontakt zu anderen und zu sprechen. Die „Maskenbefreiung“, mein Attest, habe ich generell immer dabei und zeige diese auch unaufgefordert beim Betreten des Geschäftes vor.

Die Fake-Atteste machen mir das Leben schwer

Immer wieder kommt es dabei vor, dass ich mit den unterschiedlichsten Reaktionen konfrontiert bin von Aufgebrachtheit bis hin zu extremen Ärger und Anfeindungen, aber auch Verständnis. Die Mitarbeiter/Leiter der Geschäfte haben (bisher) das Schriftstück immer akzeptiert und waren verständnisvoll. Jedoch kamen jedes Mal Angestellte auf mich zu, da sie von überwiegend älteren Kund:innen empört angesprochen wurden, dass ich ohne Maske im Laden unterwegs sei. In all den vergangenen Wochen kam jedoch kaum eine:r dieser Kund:innen persönlich auf mich zu, um mich anzusprechen. Es gab nur zwei Personen, die mich direkt ansprachen.

Der einen Dame habe ich freundlich erklärt, dass ich eine chronische Lungenerkrankung habe und aus diesem Grund befreit bin, worauf sie sich verständnisvoll entschuldigte für ihren Unmut. Die andere Person meinte auf meine Erklärung nur, dass man sich auch anstellen könnte und man sich solche Befreiungen auch im Internet ausdrucken könnte und dies tat er in einem ziemlich aggressiven Tonfall. SO war es bis Ende letzter Woche, denn da kam es zu einem Vorfall in einem örtlichen Fachgeschäft (Anmerkung: das nächste Geschäft dieser Art befindet sich in einer Entfernung von ca 40 km).

Ich wurde aus einem Laden geworfen

In diesem Geschäft bin ich seit meinem Zuzug in die Gemeinde, vor etwas über zwei Jahren, persönlich bekannt und wurde bisher auch immer freundlich behandelt – Befreiung brauchte ich nicht mehr vorzuzeigen. An diesem Tag wurde ich jedoch durch den Laden angebrüllt „Maske anziehen“. Als ich meine Befreiung hochhielt, ging der Mitarbeiter, der mich sonst immer freundlich bediente, ins Marktleiterbüro und es kam eine Dame heraus, die mich in einem ziemlich unfreundlichen Ton aufforderte, mir eine Maske aufzusetzen oder den Markt sofort zu verlassen. Da ich sie bisher nicht kannte, entgegnete ich ihr freundlich, dass ich zum einen befreit sei und zum anderen keine Maske dabei habe und zeigte ihr die Befreiung.

Daraufhin antwortete sie unfreundlicher, dass diese Befreiungen in dem Markt nicht mehr akzeptiert würden auf Anweisung der Geschäftsleitung und sie das Hausrecht haben, Kunden nur noch hineinzulassen, wenn sie Masken tragen. Mir stand in der Situation unerwarteter Weise eine Kundin bei und meinte, dass dies Diskriminierung sei und ich mich beschweren solle. Und das am besten direkt beim Europäischen Gerichtshof (was ich persönlich übertrieben finde). Mich hat die unfreundliche Art und Weise der Angestellten so aufgebracht, dass mir teilweise die Beine versagt haben und ich eine ziemlich lange Zeit brauchte, um mich wieder zu fassen und sich mein Blutdruck wieder normalisierte. Nicht die Tatsache, dass sie von ihrem Hausrecht Gebrauch gemacht haben, hat mich so innerlich aufgeregt. Sondern wie sie mich behandelt haben und die ganze Art.

Ich persönlich bin ein Befürworter der Maskenpflicht und den pandemiebedingten Maßnahmen, die derzeit getroffen werden. Ich kann es auch aus verschiedensten Gründen nicht verstehen, wie man Corona und den teilweisen Schutz der Alltagsmasken verleugnen kann und sich gegen die ganzen Maßnahmen stemmen kann. Es ist auch unverständlich für mich, warum es keine ausreichend rechtliche Handhabe gibt, noch stärker gegen diese Pamdemie-Leugner:innen durchzugreifen – Meinungsfreiheit hin oder her, denn hier geht es nicht um Meinungen, sondern um Tatsachen.

Wie geht es mir dabei als „Nicht-Masken-Träger“?

Ehrlich gesagt geht es mir mit und in dieser Situation nicht wirklich gut damit.

Wie ich bereits oben schon erwähnte, ziehe ich mich aus der Öffentlichkeit und der Gesellschaft weitgehend zurück und isoliere mich. Selbst die Beziehungen zu der direkten Nachbarschaft leiden darunter. Und auch die Gespräche über den Gartenzaun hinweg nehmen zunehmend ab.

Vor der Pandemie war ich jemand, der gerne öfters mal unterwegs war, handwerkliche Projekte im Haus und Garten (teilweise – sofern möglich – mit den Kindern) gemacht hat, sich sozial engagiert hat und sehr aktiv gegen Rassimsus, Hetze, Verbreitung von Fakes/Falschmeldungen u.a. vorgegangen ist. Vieles bzw. fast all dies ist nun kein Bestandteil meines Lebens mehr. Größtenteils ist es eine Folge der Pandemie, geschuldet dem Nicht-Tragen der Maske und der „freiwilligen Isolation zum eigenen Schutz und dem anderer“.

Ich muss mich jetzt ständig als chronisch krank “outen”.

Als Nutzer einer MNS-Befreiung oute ich mich öffentlich als eine Person mit chronischen Erkrankungen und der sogenannten Risikogruppen. Vorher hatte ich nie Probleme damit zu sagen, dass ich „behindert“ bin, gewisse Beeinträchtigungen habe und einer Risikogruppe angehöre. Vor der Pandemie aber konnte ich selber entscheiden, wem und wann ich dies anvertraute. Jetzt jedoch zeige ich es jedem öffentlich und direkt, obwohl ich das eigentlich nicht möchte. Dies führt dazu, dass ich mich zunehmend diskriminiert und ausgegrenzt fühle und ich mich jedes Mal erklären und entschuldigen muss, dass und vor allem WARUM ich keine Maske oder einen Schutz trage, um andere vor mir zu schützen. Für mich ist es auch absolut nicht einfach nun auf andere angewiesen zu sein, da ich vorher überwiegend alles selber gemacht habe. Und ja, ich bin so erkrankt, dass auch die Krankheiten mich in meinen Vorhaben und Tätigkeiten einschränken, jedoch nicht so sehr wie das mit der Alltagsmaske.

Im „virtuellem Leben“ führe ich auch vermehrt Diskussionen über das (notwendige) Tragen der Maske und der Maßnahmen. Auch dort muss ich mich regelmäßig rechtfertigen, warum ich so “verantwortungslos” sei und keine Maske trage. Immer wieder kommen Kommentare wie „Stell dich nicht so an“, „WARUM brauchst DU keine zu tragen, ICH leide seit Jahren an schwerem Asthma und bekomme keine Befreiung“, „Wie kann man mit einer Maske NICHT atmen können? ALLES nur Einbildung“ und viele andere.

Ich werde als Heuchler beschimpft, weil ich Maßnahmen für sinnvoll halte, aber keine Maske tragen kann

Von diesen Kommentatoren solcher Aussagen sind einige, die mich schon eine ganze Weile kennen und meinen gesundheitlichen Verlauf mitbekommen haben, es nicht verstehen können/wollen und mir Unverantwortlichkeit gegenüber meinen Kindern und anderen Menschen vorwerfen. Scheinheiligkeit, Unglaubwürdigkeit, heuchlerisch, unehrlich sind nur ein paar Bezeichnungen, mit denen ich betitelt werde, weil ich mich für die Maßnahmen und die Alltagsmasken einsetze, mich aber „selber nicht daran halten würde“.

Dies sind Gründe dafür, warum ich mich dazu entschlossen habe, gewisse Dinge im virtuellem Leben einzustellen. Auch wenn sie direkt mit dieser Thematik nichts zu tun haben, wie zB der Kampf gegen (Fremden)Hass, Hetzerei, Gewalt im Netz – nur um ein paar zu nennen. Es schmerzt und trifft mich extrem, wenn mir so etwas an den Kopf geworfen wird. Und ich als Lügner bezeichnet werde und mit gewissem Klientel in einen Topf geworfen werde. Dies sind nur ein paar wenige Begebenheiten und ein Bruchteil. Vor allem aus meinem realen und virtuellem Leben seit Beginn der Pandemie und der Maßnahmen zur Eindämmung.

Die momentane persönliche Situation zieht mich auch ziemlich runter und macht auch (ein wenig) depressiv und lässt mich an mir und vielem (ver)zweifeln. Die oben genannten Vorkommnisse haben auch dafür gesorgt, dass ich mich fast komplett aus der Öffentlichkeit zurückziehe und mir wünschte ich wäre allein auf einer einsamen Insel, abgekapselt von allem.

Es belastet mich sehr

Mich belastet es auch ganz stark, dass es nicht nur Einfluss auf mich hat, sondern meine Familie mit darunter zu leiden hat. Eigentlich sind auch sie von der Maskenpflicht befreit. Aber denen gehen die Bemerkungen, Anfeindungen und dauernden Erklärungszwänge so stark gegen den Strich, dass sie für sich entschieden haben, in der Öffentlichkeit Maske zu tragen.

Owohl auch sie starke Atembeschwerden dann haben. Meine Kinder trauen sich teilweise auch gar nicht mehr, die Maske nicht zu tragen und DAS ist für mich ziemlich erschreckend. WARUM müssen Menschen, insbesondere Kinder, Angst haben in der Öffentlichkeit angefeindet zu werden? WIE hat die Pandemie unsere Gesellschaft so negativ verändert? Ich denke, die aggressiven Maskengegner mit ihren gefälschten Attesten haben sicherlich einen großen Teil dazu beigetragen, dass das Vorzeigen des Attests nicht mehr das Ende der Debatte ist. Aber auch die anderen könnten ein wenig mehr Verständnis zeigen.

ich wünsche keinem, Von der Maske befreit zu sein

Falls mich Jemand suchen sollte, ich bin zu Hause und/oder im Garten zu finden – zum allgemeinen Wohl und Schutz der Gesellschaft. Ich komme mit den ganzen Anfeindungen, Kommentaren und Reaktionen mir gegenüber/mich betreffend nicht mehr wirklich zurecht. Dies belastet mich alles zu stark.

Bevor ihr anderen wieder einmal über euer Gegenüber (vorschnell) urteilt und diese Person abstempelt und in eine gewisse Schublade stecken wollt, fragt sie doch einfach und setzt euch mit der Lage auseinander, in der sich diese Person befindet. Für viele mag es sich nach Entschuldigungen anhören, um die Maske nicht tragen zu müssen. Und es ist wohl oft auch so. Aber in bestimmten Fällen hat es einen speziellen (medizinischen) Hintergrund. Ich für meinen Teil wünsche es niemanden, in einer solchen Situation sein zu müssen.

Artikelbild: Mike Sachs

Änderungshinweis: Bei der Veröffentlichung haben wir zunächst versehentlich den falschen Autor oben benannt, es handelt sich natürlich um den Autor, der auch auf dem Foto abgebildet ist.

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