Rechte Narrative: FAZ-Autor Plickert entschuldigt sich für Fake

| Medien | 4. August 2022

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Gefährliche, falsche ÖRR-Manipulationsvorwürfe von FAZ-Korrespondent

Der Bundestag und das Kanzleramt haben sich den Christopher Street Day in Berlin am 23. Juli 2022 zum Anlass genommen, erstmals eine Regenbogenflagge zu hissen – in Solidarität mit LGBTQ+-Personen (Quelle). Das allein hat bereits für jede Menge Aufsehen und Auseinandersetzung gesorgt (Quelle). Als das ZDF dann aber ein Bild der Flagge vor dem Kanzleramt postete, deutete FAZ-Korrespondent Philip Plickert jedoch mit einer Suggestivfrage an, dass das Bild manipuliert sei (Quelle). Seine Behauptung konnte schnell widerlegt werden. Nachdem er zunächst Uneinsichtigkeit zeigte, bat er aber später um Entschuldigung und hat den Tweet mittlerweile gelöscht. Aber mehr als 4.000 Likes und über 700 Retweets lassen den Schaden erahnen, den die Anschuldigung, die in die gleiche Kerbe wie rechte „Lügenpresse“-Narrative fällt, bereits vor ihrer Löschung anrichten konnte (Quelle).

Quelle

Philip Plickert warf dem ZDF und der dpa implizit Bildmanipulation vor

„Physikalisches Wunder oder Photoshop? Zwei Flaggen hängen schlapp, nur eine flattert im starken Wind“, schreibt Plickert. Und weiter unten: „Unser geliebter ÖRR würde doch niemals Bilder manipulieren, oder doch?“ (Quelle) Mit einem Klick auf den angehängten Artikel und ein wenig Scrollen hätte der Journalist sehen können, dass das Foto von der dpa stammt – also der Deutschen Presse-Agentur (Quelle).

Aber es dauert ohnehin nicht lange und Plickert wird auf seine falsche Unterstellung hingewiesen. Neben anderen ließ ihm auch Froben Homburger, Nachrichtenchef der dpa, per Tweet ein Video zukommen, in dem einwandfrei zu sehen ist, dass der Wind wirklich lediglich die Regenbogenflagge in Bewegung versetzt (Quelle).

„Der Wind weht eben so, wie er weht“

Homburger forderte Plickert außerdem auf, seine Falschbehauptung richtig zu stellen – doch damit ließ sich der FAZ-Korrespondent Zeit. Es dauerte, dann löschte er den Tweet. Einige Zeit später gestand er dann ein, dass er sich getäuscht hatte. Die Empörung über seine Anschuldigung empfand er dennoch als „etwas künstlich“, da es beim ÖRR „schon mehrfach Fälle von Photoshop“ gegeben haben soll (Quelle).

Am 26. Juli folgte dann endlich eine Entschuldigung. „Man muss Fehler eingestehen“, schrieb Plickert. „Mein Post vom Sonntag (‚Physikalisches Wunder oder Photoshop‘) mit der Andeutung einer Bildmanipulation (die sich aber sicher nicht an die dpa richtete) war Mist. Es tut mir leid und ich möchte dafür um Entschuldigung bitten.“ [sic] (Quelle)

Einem überdies ratlosen Twitter-User gab Plickert dann auch selbst die Antwort, mit der er sich seine Frage hätte sparen können: „Die Erklärung für die Bewegung der Fahnen? Der Wind weht eben so, wie er weht“, so der FAZ-Korrespondent. Warum denn nicht gleich so?

Plickert unterstützt mit seinem Tweet ein gefährliches, rechtes Narrativ

Das rechte bis rechtsextreme Twitter-Deutschland war ohnehin schon in hellem Aufruhr über die Regenbogenflagge am Reichstagsgebäude. Da hieß es, die deutsche Flagge würde als Zeichen der Freiheit ausreichen (Quelle), die Regenbogenflagge sei ein „Symbol der Idiotie“ meinten rechtsradikale Accounts und die Bundesregierung heuchele Toleranz, während sie angeblich Ausgrenzung Ungeimpfter plane – unverkennbar, aus welchem Spektrum dieser Hass kommt. Mit seinem Tweet und der Anschuldigung der Bildmanipulation hat Plickert leider in eben dieses Narrativ reingespielt. Ein Narrativ, das dem Öffentlich-rechtlichen Rundfunk ohnehin seit Monaten vorwirft, Kinder mit Gender-Ideologie zu indoktrinieren (mehr dazu) und regelmäßig auch mit Falschmeldungen gegen den ÖR hetzt. Gerade als Journalist mit großer Reichweite wäre es da doch ratsam, sich vorher zu informieren, bevor man Manipulation in so einer erhitzten Situation impliziert.

Das wünscht sich auch dpa-Nachrichtenchef Homburger. Gegenüber MEEDIA sagte er: „Bereits jetzt steht fest, dass der durch die Tweets vermittelte falsche Eindruck selbst mit einer transparenten Klarstellung sich nicht mehr wird einfangen lassen und in einschlägigen Bubbles auch anderer sozialer Medien längst seine Kreise zieht. Das ist sehr bedauerlich.“ (Quelle)

Artikelbild: Christoph Soeder/dpa, Screenshots

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