Wir machen unabsichtlich Werbung für die AfD

| Schwer verpetzt | 20. Februar 2018

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In meiner links-liberalen Timeline sehe ich vor allem von einer Partei Zitate und Forderungen: Von der AfD. Kein Wunder, dass die Rechtspopulisten so im Aufwind sind, wenn Befürworter wie Gegner nur über sie reden.

Wir geben der AfD kostenlose Aufmerksamkeit. Wir glauben, jeder nächster Grenzübertritt entlarvt sie endgültig. Doch das tut es nicht. Jeder, der in der AfD das erkennt, was sie wirklich ist, braucht nicht die nächste menschenverachtende oder widerliche Aussage lesen. Und jeder, der solchen Aussagen zustimmt, bekommt kostenlose Werbung für die Partei.

Die AfD lebt von unserer Empörung. Wir bieten ihr nicht nur kostenlose Werbung und lenken den gesellschaftlichen und politischen Diskurs wieder einmal auf ein Thema der AfD, unsere Empörung hilft dem Opferkult der AfD, die meint, sie sage nur “endlich die Wahrheit” und werde dafür so hart angegriffen.



Wenn wir weiter hysterisch aufkreischen, jedes Mal, wenn die AfD wieder etwas verachtenswertes als Meinung verkauft, bekommt sie Aufmerksamkeit, wir reden über ihre Themen, anstatt über echte Probleme und zementieren ihre Selbstdarstellung als Opfer. Alles Dinge, die ihr WählerInnen in die Arme treiben. Das muss enden. Seht euch das Feedback ihrer letzten Grafik an:

Eine Grafik, auf der wohlgemerkt nichts, NICHTS (!) der Wahrheit entsprach! Weder der Text im roten Kasten war richtig, noch die Behauptung groß in weiß, die ich mit voller Absicht hier nicht wiederhole! Wir müssen nicht jeden Gedankenabfall teilen. Ja, es ist ungeheuerlich, dass man mit solchen Aussagen, die bar jeder Wahrheit sind, so weit kommt. Aber dann helft dieser Meinung doch nicht dabei, weiter verbreitet zu werden!

Werbung für ihre Meinung, ohne die negativen Folgen

Das Problem liegt auch daran, dass die AfD nach solchen Aussagen stets zurück rudert, man habe das nicht so gemeint, das sei missverstanden worden, der Praktikant, man sei auf der Maus ausgerutscht…

Und jede menschenverachtende und ekelhafte Lesensart wird dann paradoxerweise “der Lügenpresse” in die Schuhe geschoben, die das angeblich absichtlich falsch versteht – Und man redet sich ein, dass alles negative nur falsche Interpretation ist und badet in der Opferrolle – während die Anhänger diese Aussagen genau wegen dieser Menschenverachtung feiern und so etwas in unserer Gesellschaft normalisiert wird.

Das soll weder heißen, dass man diese Partei totschweigen soll, noch ihren Menschenverachtenden Aussagen nicht widersprechen!

Es gibt mehrere Fälle, in denen eine Rede eines AfD-Politikers nicht (wie gewohnt) prominent durch alle Medien ging, was durchaus erfrischend war. In der AfD-Bubble war das Gekreische groß, man würde sie zensieren und totschweigen etc. Eine Zensur beziehungsweise ein absichtliches Nicht-Beachten der AfD löst das Problem natürlich auch nicht. Dadurch säuert sie und ihre WählerInnen nicht weniger in ihrem eigenen Gedankengut und ihre Inszenierung der Opferrolle wird auch nicht zurückgedrängt (Aber seien wir mal ehrlich: Was würde das schon?)

Auch ist es unabdingbar, dass der AfD widersprochen wird. Ihre Lügen müssen aufgedeckt werden und ihre Weltansicht muss eine Abfuhr geleistet werden. Doch dabei muss man vorher zwei Dinge beachten: Erstens muss man sich fragen, ob der nächste Mist, den die Propagandamaschinerie der AfD ausspuckt, um Aufmerksamkeit zu erlangen, es wert ist, überhaupt beachtet zu werden. Ist der Schaden größer, wenn man ihre Narrative weiterverbreitet, als wenn man sie ignoriert?

Einiges spricht dafür, denn zweitens: Kann man den Lügen widersprechen, ohne den Mythos zu wiederholen? Die Forschung zeigt, wiederholt man die Lügen, selbst um sie zu widerlegen, wird sie vertrauter und fühlt sich irgendwann “wahr” an. Wichtig ist: Anstatt zu sagen: Diese Lüge ist falsch, muss man sagen: So sieht die Wahrheit aus. Das ist der richtige Weg: Den Lügen widersprechen, die Wahrheit aufzeigen OHNE die Grafiken der AfD zu teilen. Denn wenn ihr eure Freundesliste mit AfD-Grafiken bombardiert, glauben einige vielleicht irgendwann das, was sie dank euch lesen müssen.

Artikelbild: Bildzitat

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