AfD-Fail: Wie Nutzer*innen der AfD Nachhilfe in Sachen Umfragen gaben

| 15. November 2019

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So funktionieren Umfragen nicht, AfD…

Hier mal ein kleines Beispiel, das jedoch gut zeigt, wie totalitär die Weltanschauung der AfD ist. Die AfD-Fraktion Erfurts erstellte eine Umfrage, in der sie wissen wollte, ob das Geld für ein LGBT-Zentrum in der Stadt sinnvoll angelegt sei. Doch wenig später löschte sie die Umfrage und postete diese Begründung:

Üblicherweise nutzen wir hier bei Volksverpetzer Fälle wie diese, um zu erklären, wie das, was die AfD behauptet nicht der Realität entspricht oder wie sie die Tatsachen verdreht, um sie in ihre rechtsxtreme Propaganda zu pressen. Allerdings hat die Kommentarspalte unter diesem Beitrag das schon so gut erledigt, wir lassen einfach diese sprechen.



Nutzer*innen erklären der AfD, wie Umfragen funktionieren

Und ganz wichtig diese beiden:

Eine Facebook-Umfrage kann gar nicht repräsentativ sein, niemals! Und man kann eine Umfrage nicht dadurch “manipulieren”, dass man daran teilnimmt. So sehr zum Demokratie-Verständnis der AfD. In der Vergangenheit sind AfD-Umfragen schon öfter nach hinten los gegangen.

AfD-Umfrage-Fails

So fragte sie am 11. Juni völlig unbescholten: “+++Ist der Islam eine Bedrohung?+++”. Leider stimmt das Volk nicht so ab, wie es sich die AfD erhofft hatte.

Ups, fast 3/4 der fast 80.000 Stimmen empfinden den Islam nicht als Bedrohung? Was ist da los? Doch die AfD lässt sich nicht entmutigen. Wenige Tage später stellt sie die ebenfalls keineswegs suggestive Frage, ob “alle Mittelmeer-Migranten in Europa aufgenommen werden” sollen. Wobei das Gegenstück zu “Migranten aufnehmen” wohl “Schlepperei beenden” sei. Aber nein, wieder ist eine Mehrheit linksgrünversifft!

ONLINE-UMFRAGEN SIND NUTZLOS (FÜR EINE REPRÄSENTATIVE BEFRAGUNG)

Ein aufmerksamer Beobachter sollte inzwischen begriffen haben, dass derartige Umfragen in Social Media nahezu nutzlos sind, wie unsere Freunde hier schön eindrucksvoll gezeigt haben. Während das Konzept einer solchen Umfrage natürlich in der Theorie schön erhellend ist und zum Mitmachen motiviert, ist deren Ergebnis repräsentativ aber absolut nichtssagend. Sie können keine repräsentativen Umfragen sein. Und wollen es auch gar nicht.

Denn entweder stimmen nur die AfD-Anhänger ab – mit der schockierenden Feststellung, dass AfD-Wähler AfD-Positionen vertreten – oder deren Kritiker*innen mobilisieren sich, um das erwünschte Ergebnis “kaputt” zu machen. Wie in letzter Zeit des Öfteren geschehen. Und damit haben wir gleich zwei Strategien der AfD entlarvt (ein aktuelles Beispiel).

BOTS, FAKE-ACCOUNTS, PROPAGANDA

Sehen wir einmal von dem großen Brocken ab, dass Ja/Nein-Antworten auf komplexe Sachverhalte oder falsche Gegenüberstellungen Seenotrettung-Schlepperei reine Manipulation sind (Wer will denn Schlepperei?). Solche Umfragen haben gar keine repräsentative Aussagekraft. Dafür bräuchte man *repräsentative Umfragen”, wie sie Meinungsforschungsinstitute verwenden (Hier mehr dazu). Diese Art der Umfragen dienen natürlich nur dazu, um in der eigenen Filterblase (idealerweise, sorry AfD) breite Zustimmung zu einem Punkt zu signalisieren, um dann Empörung zu provozieren, wenn die Realität mal wieder anders aussieht.

Doch das Spiel funktioniert auch anders herum, und deshalb hat die AfD hier ihre eigene Medizin zu spüren bekommen. Wenn auch nicht im gleichen Ausmaß. Denn die AfD ist es, die nachweisbar versucht, durch Simulation einer Mehrheit die gesellschaftlichen Debatten in ihrem Sinne zu lenken. Netzpolitik und t-Online haben ein Netzwerk an Bots und Fake-Accounts aufgedeckt, das AfD-Themen, Hashtags und Personen große Reichweite verschaffen soll.

Dazu nutzte die AfD die Dienstleistungen, die dazu gedacht sind, die Algorithmen Twitters auszutricksen, um Tweets, Hashtags und Replies zu dominieren. Es werden zahlreiche Accounts erstellt, die eine Mehrheit suggerieren sollen, die sich alle gegenseitig folgen, um Relevanz zu simulieren. Außerdem werden offiziellen AfD-Accounts viele Fake-Follower zugespielt, damit sie viele Likes haben und wichtiger aussehen. Die höchst lesenswerte Recherche ist hier.

UMFRAGE-TOOLS VON ZEITUNGEN MANIPULIERBAR

Auch Umfrage-Tools am Ende von verschiedenen Zeitungen wie bei “Welt”, “Spiegel Online”, “RP Online”, faz.net und anderen sind anfällig für derartige Manipulationen. Tools wie “Civey”, “Apester”, “Pinpoll” oder “Opinionary” sind für ein realistisches Stimmungsbild ähnlich aussagekräftig wie Horoskope. Dazu die ebenfalls lesenswerte Analyse von Übermedien (Hier).

Nicht nur scheitern sie wieder daran, dass Sachverhalte meist komplizierter als Ja-oder-Nein-Fragen sind, die meisten Menschen merken unbewusst nicht, dass derartige, nicht repräsentative Umfrageergebnisse nutzlos sind – und lassen sich davon beeinflussen. Gefundenes Fressen für Abstimmungsaufrufe in bestimmten Kreisen oder sogar technische Manipulationen. Denn ohne viel Aufwand kann die IP-Sperre umgangen werden, wie unser Datenanalyst Philip Kreißel hier zeigt.

Artikelbild: Cookie Studio, shutterstock.com

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