Männerwelten: 15 Minuten, die wir Männer alle sehen müssen

| Videos | 14. Mai 2020

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Männerwelten

Die beiden Männer Joko und Klaas gewinnen bei ihrem Haussender ProSieben 15 Minuten Sendezeit, mit der sie dann machen dürfen, was sie wollen. Sie verschenken sie dieses Mal an Frauen, die, vorsichtig formuliert, über sexuelle Gewalt reden, aber dazu gleich mehr. Es geht um die „Männerwelten“.

Vorher der Denkanstoß: Es müssen also erst zwei Männer kommen, damit Frauen in einer wohl noch nie im deutschen Fernsehen ausgestrahlten Art und Weise über sexuelle Belästigungen und Vergewaltigungen reden können. Das muss besser werden.

Was wir jedoch dann in den 15 Minuten, durch die uns die tolle Sophie Paßmann führt, sehen werden, ist beschämend, ekelhaft und widerlich. Der Titel lautet in Anlehnung an die Ausstellung „Körperwelten“ dann auch konsequenterweise „Männerwelten“.

Palina Rojinski zeigt uns Dickpics, also Bilder von mutmaßlich erigierten und durch schwarzen Balken (mit einer Ausnahme) anonymisierten Penissen, die sie und ihre Freundinnen über Direct Messages ungefragt, ungebeten und vor allem ungewollt zugesendet bekamen.

Ich möchte an dieser Stelle nichts mehr vorwegnehmen. Guckt euch diese 15 Minuten an, in denen Chatverläufe, öffentliche Kommentare und Erfahrungsberichte in bedrückender Form dargestellt werden. „What I was wearing“ bildet dann den Stinkefinger zeigenden Abschluss: Niemand ist an einer Belästigung, an sexueller Gewalt oder einer Vergewaltigung selbst schuld!

„Aber Männer werden auch sexuell belästigt!!“

Ja, Stefan, das mag schon auch mal vorkommen. Aber gib zu, dass du dich überwiegend nicht belästigt fühlst, wenn du ungefragt Nachrichten von nackten Brüsten bekommst! Gib zu, dass es kein Äquivalent zu „Frauenhäusern“ gibt. Ich habe jedenfalls noch nicht von „Männerhäusern“ gehört. Wenn, dann assoziiere ich damit irgendwie etwas anderes.

Ein Klaps auf den Hintern, das Starren in Ausschnitte, das Antätscheln von Händen oder Armen, ein blöder, herabwürdigender Spruch oder das fehlende Zutrauen oder das Absprechen von Kompetenzen. Nicht zu vergessen das ungleiche Gehaltsniveau bei gleicher Leistung. Das Machtgefüge zwischen Mann und Frau ist immer noch vorhanden und viele tun das weiter als „ist ja gar nicht so“ ab.

Starke Frauen zeigen in diesen 15 Minuten, wie gewaltvoll, abwertend und abstoßend sich Männer verhalten können, wenn sie meinen, Macht zu haben. Wenn sie glauben, sie wären die Könige der Welt, der Schwarm aller Frauen.

Unsere Aufgabe als cis Männer

Und nein, die Aufgabe für uns (cis) Männer ist jetzt nicht, uns von der Verantwortung reinzuwaschen und zu betonen, dass ICH jetzt nicht das Problem bin. Wir haben eine Verantwortung, nicht nur, unser tägliches Verhalten zu ändern, sondern es allen anderen ebenfalls einzubläuen. Den Mund aufzumachen, wenn wir Sexismus sehen. Dieses Bewusstsein weiterzutragen. Denn alles andere ist schlimmstenfalls der status quo und bestenfalls immer noch eine stille Duldung und ein Wegsehen.

Kleine Kritik am Ende: Es hätte durchaus Zeit und Raum gegeben, auch die Perspektiven von trans Menschen, Sexarbeiterinnen und Sexismus in Verbindung mit Rassismus einzubauen.

Die peinliche Selbstüberschätzung von Männern habe ich jedenfalls beschämt verfolgt.



Artikelbild: Screenshot youtube.com

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