Wahlergebnis widerlegt „Wahlbetrug“-Mythos nach ARD-Wahlpanne

| Wahlkampf | 27. September 2021

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Programmpanne statt Wahlmanipulation

Der Vorwurf von „Wahlbetrug“ ist keiner, der mehr überrascht. Immer wieder kursieren vor und nach einer Wahl skurrile Behauptungen im Netz. Es ist eine beliebte Methode, die vor allem von Donald Trump als antidemokratisches Mittel genutzt wird – und der sich Demokratiefeind:innen auch hierzulande bedienen. Sie soll vor allem eins: eine rechtmäßige und gültige Wahl anzweifeln. Über die sozialen Netzwerke verbreiten sich diese Behauptungen rasend schnell. Vor der Bundestagswahl war es die ARD, die sich den Vorwürfen der nicht rechtmäßigen Wahl stellen musste.

Die Behauptung? Der Sender würde bereits vor der offiziellen Wahl am 26. September 2021 den Ausgang der Wahlen kennen. Denn: Während der abendlichen Quizsendung „Gefragt –  gejagt“ unterlief der ARD eine Panne bei der Vorbereitung des Wahlabends und es wurden plötzlich die vermeintlichen Hochrechnungen eingeblendet (Quelle). Spätestens dass es letztlich gar nicht mal die richtigen Zahlen waren, sollte allen zeigen, dass es offensichtlich eine einfache Panne war, und kein versehentlicher Beweis von „Wahlbetrug“.

Testpanne des Senders

Bei den Ergebnissen handelte es sich jedoch offensichtlich nicht um die Ergebnisse der Bundestagswahl. Diese lag der ARD – zwei Tage vor der Wahl – selbstverständlich nicht vor. Es war vielmehr ein Fehler, der in der ARD-Regie passiert ist. Die ARD musste sich offensichtlich für den Wahlabend vorbereiten und hat dafür zwei Tage vor der Wahl schon im Hintergrund alle Funktionen getestet. Ein paar Sekunden lang wurde während der Quiz-Sendung der Banner mit der „Bundestagswahl Hochrechnung“ eingeblendet. Wie der Sender auf Twitter erklärte, habe es sich hierbei um einen Test für die anstehenden Wahlen gehandelt. Die Zahlen waren ja auch fiktiv.

Auf Anfrage der Faktencheck-Seite correctiv.org teilte der ARD-Pressesprecher mit „‚dass der Test des sogenannten ‚Wahlcrawls‘ – also der Einblendung am unteren Bildschirmrand – in Vorbereitung auf den Wahlsonntag eigentlich nicht gesendet werden sollte, ‚aufgrund einen eines Schaltfehlers aber on air ging‘.“ (Quelle).

Bei der Testpanne waren die fiktiven Hochrechnungen lediglich für Union (22,1 Prozent), SPD (22,7 Prozent), AfD (10,5 Prozent) sowie FDP (13,2 Prozent) zu sehen. Während des Tests – der fehlerhafterweise ausgestrahlt wurde – waren keine Zahlen von Bündnis 90/Die Grünen, der Linkspartei oder den sonstigen Parteien zu sehen. Laut der correctiv.org-Recherche handelt es sich bei den eingeblendeten Zahlen um keine, die jemals in einer Umfrage erhoben wurden.

BILD & AfD springen auf Zug mit auf

Ein Tweet des AfD-Politikers Georg Pazderski ließ nicht lange auf sich warten. Er unterstellte sarkastisch eine klare Verschwörung hinter den Geschehnissen und suggerierte, dass dem ÖRR die Ergebnisse zur Wahl bereits vorliegen. Seine Anhängerschaft sprang sogleich auf die „Wahlbetrug“-Lüge auf.

Auch die BILD titelte zuerst „TV-Panne: ARD zeigt Wahlhochrechnung schon jetzt“. Diese Überschrift suggeriert, dass die ARD die Ergebnisse bereits vorliegen hat und ist mehr als irreführend (Quelle). Später wurde die Überschrift geändert in „Wahl-Laufband schon jetzt gezeigt: So reagiert die ARD auf die TV-Panne“ (Quelle).

Spätestens nach Bekanntgabe der Hochrechnungen am Tag der Bundestagswahl und des vorläufigen Endergebnisses sollte für alle klar sein: Die Zahlen basierten auf Fiktion (Quelle). Hätte die ARD – wie von Verschwörungsideolog:innen im Internet angenommen – bereits im Vorfeld die Ergebnisse der Wahlen gekannt, hätte sie wohl kaum andere verwendet als die vom tatsächlichen Wahltag.

Artikelbild: Screenshot

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