Bloß keine Fahrverbote für Diesel!

Was der eigentliche Skandal am Dieselskandal ist

Matthias Werner hält Dieselverbote für den ganz falschen Weg: Nicht nur zerstört es eine ganze Branche und es gibt keine ausgereiften Alternativen für die Mobilität, auch wäre der Gewinn für die Umwelt marginal. Der Kampf gegen den Diesel sei nur ein Einschießen auf ein lobbygetriebenes, ideologisches Feindbild.

Seit Wochen geht das Thema durch die Medien: Skrupellose Automobilkonzerne, die nicht nur ihre Kundschaft betrogen haben, sondern leichtfertig das Leben aller aufs Spiel setzen. Moment mal! Geht es auch ein paar Stufen niedriger, auch wenn man unbedingt Großkonzerne für die Inkarnation des bösen halten will? Dass es die Automobilbranche nur gibt, um uns alle umzubringen und den Planeten vor die Wand zu fahren, so naiv kann doch eigentlich keiner sein. Vor allem, weil es genug Kritiker gibt, die ihr Auto dann doch eher ungerne abschaffen würden – oder Busse, die von diesen Unternehmen eben auch produziert werden.

Aber mal der Reihe nach: Nehmen wir mal zur Kenntnis, dass die Automobilbranche damit Geld verdient, dass Menschen mobil sein wollen – und im Falle von Pendlern eben auch müssen, denn sonst würde es diese gar nicht geben. Dann kann man sich dem Betrug bei Dieselwerten usw. auch etwas sachlicher nähern – genauso den geplanten Verboten solcher Fahrzeuge.




Die Vorgeschichte

Seitdem raus kam, dass mehrere Unternehmen Software entwickelt hatten, die systematisch die Schadstoffwerte bei Labortests manipulierte, wurde bereits über Dieselfahrverbote diskutiert. Seltsamerweise wurde eine Pflicht zum Nachrüsten, Kompensationszahlungen für betroffene Fahrzeugbesitzer oder Strafzahlungen für den Betrug in Deutschland kaum diskutiert. In den USA mussten die Unternehmen horrende Strafen zahlen, ausgerechnet in einem Land, in dem viele hier glauben, Firmen könnten sich dort alles leisten.

Die Software sollte die Schadstoffwerte besser dastehen lassen als sie waren, aber wie schlimm waren die Werte eigentlich? Von Seite der Automobilbranche wurde damals argumentiert, dass in Tierversuchen eine Schädlichkeit nicht nachgewiesen werden konnte. Dies wurde zu einem Eigentor, wenn man sich daran erinnert, wie auf einmal johlend der Automobilindustrie vorgeworfen wurde, nun auch noch Affen zu vergiften. Natürlich gibt es reichlich Gründe, Tierversuche abzulehnen, was aber hier unterging, ist genau wie in anderen Bereichen, dass die Schadstoffwerte dennoch für die gesundheitliche Belastung nicht so dramatisch sind, wie allgemein behauptet.

Tierversuche durch die Autolobby sollen die Harmlosigkeit belegen – was sagen denn andere Experten?

Prof. Dr. Dieter Köhler aus dem Expertenrat für Atemwegs- und Lungenerkrankungen der deutschen Lungenstiftung teilte in einem MDR Interview mit, dass die Risiken völlig überschätzt werden. Im Folgenden erklärt er auch, warum andere Studien zu anderen Ergebnissen kommen, seine Einschätzung ist, dass die Studienfinanzierung dabei einen nicht unerheblichen Anteil an den Veröffentlichungen hat, denn vor allem jene, die ein Risiko aufzeigen, werden veröffentlicht.

Das Dilemma ist, dass die Wissenschafts- und die Forschungsförderung eng zusammenhängen und es werden tatsächlich nur Studien veröffentlicht, die ein Risiko darstellen.“ Man könne das aber in diesen Studien gar nicht erfassen, weil das Risiko im Vergleich zu anderen Einflüssen viel zu gering sei. „Es gibt Kollegen, die sagen: Du hast ja recht, aber wenn ich das sage, dann kann ich mein Institut zumachen.“

Woanders äußert er sich noch deutlicher zu den Studien zu Schadstoffen: „Diese Studien […] sind eine der größten Seifenblasen, die es gibt.“ Nun steht die Lungenstiftung auch nicht im Verdacht, mit der Automobilbranche in einem Boot zu sitzen, weswegen es sinnvoll wäre, hier hinzuhören.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch Prof. Matthias Klingner vom Fraunhofer Institut, der im Verkehr auch nicht die Hauptursache für die Schadstoffbelastung sieht:

„Fünf bis acht Mikrogramm kommen aus dem Autoverkehr. Zwei bis vier Mikrogramm aus Abgasen und dann wirbeln Autos, unabhängig ob mit Diesel oder Benzin angetrieben, ja auch selbst Feinstaub auf. Die Abgasbelastung ist also minimal gegenüber der natürlichen. In Inversionswetterlagen können die Feinstaubwerte auf 100 bis 150 Mikrogramm pro Kubikmeter steigen. Wenn Sie da den kompletten Verkehr sperren, haben Sie vielleicht zehn Mikrogramm weniger. Das reduziert die Spitzenbelastung faktisch gar nicht.“ 

Vergessen wird dabei, dass sowohl Benziner als auch Dieselfahrzeuge ihre Vorzüge wie ihre Nachteile im Hinblick auf Umweltbelastungen haben, wie sogar das Umweltbundesamt feststellt.

Ein einseitiges Verbot würde daher auch keine Patentlösung darstellen.

Diese Einwände scheinen aber kaum jemanden zu interessieren. Sie gehen in der Hysterie gegen Dieselfahrzeuge komplett unter. Dabei hat diese durchaus Folgen: Einmal für Menschen, die sich Dieselfahrzeuge gekauft haben und diese nun quasi verschrotten können, weil hier nicht aufgrund von wissenschaftlichen Tatsachen, sondern aufgrund von Symbolik Werte vernichtet werden.

Und was ist mit dem kostenlosen ÖPNV?

Den Befürwortern eines Dieselverbotes scheint zu alledem aber nur als Lösung der kostenlose öffentliche Nahverkehr einzufallen. Dumm nur, dass Menschen, die weite Wege auf sich nehmen, meist von diesem kaum profitieren, weil sie zumindest den Regionalverkehr in Anspruch nehmen müssten. Natürlich kann argumentiert werden, dass zum Modell Berufspendlertum endlich Alternativen geschaffen werden sollten, aber diese existieren derzeit nur in geringem Umfang.

Hinzu kommt, dass ein kostenloser Nahverkehr nicht unbedingt eine Verbesserung der Luftqualität mit sich bringt, auch nicht, wenn das Verkehrsaufkommen reduziert wird, was selbst Grünenpolitiker an der Idee kritisieren.

Für den kostenlosen öffentlichen Personennahverkehr sprächen höchstens andere Gründe, wie Teilhabe am gesellschaftlichen Leben für alle Bevölkerungsgruppen, aber selbst da gibt es Kritikpunkte, die bedacht werden sollten. Das Thema ÖPNV soll hier auch nicht weiter besprochen werden, denn letztendlich zeigt sich hier, dass angenommen werde, es gäbe einfache Lösungen für komplexe Problemlagen. Wenn der Autoverkehr reduziert werden soll, so kann dies nur ein Baustein von mehreren sein, bei dem Problemlagen wie zu wenig Personal für die Fahrzeuge und bereits erreichte Kapazitäten gelöst werden müssten.

Es wirkt besonders absurd, wenn bedacht wird, dass vor allem von linker Seite ein Dieselverbot gewünscht wird, das gerade für Menschen mit geringen Einkommen, die von dem Fahrzeug abhängig sind, einer Katastrophe gleichkommt. Mit anderen Worten: Dein Fahrzeug ist nichts mehr wert und du darfst es nicht mehr verwenden, aber dafür wird der Nahverkehr kostenlos – und das ist doch auch was? Und was können wir dafür, wenn dir das nichts nützt, dann zieh doch in ’ne Großstadt.

Wer hat es geschafft, dass der Diesel so schlecht da steht?

Wie es aber soweit kommen konnte, dass Dieselfahrzeuge nun so im Kreuzfeuer stehen, sollte ebenfalls besprochen werden. Es gibt dazu einen Akteur: Die deutsche Umwelthilfe. Es ist wenig verwunderlich, dass die Debatte so hysterisch ist, denn diese agiert vor allem ideologisch auf Grundlage von Feindbildern.

Jedem kritisch denkenden Menschen müsste dies ein Graus sein: Eine Lobbygruppe, die ohne Rücksicht auf wissenschaftliche Erkenntnisse Druck auf die Politik macht, sodass diese Entscheidungen trifft, die unzählige Menschen negativ beeinträchtigen. Doch ist die Umwelthilfe mehr, denn sie nutzt auch geschickt Lücken in Richtlinien, um ihre Ideologie durchzuboxen. So schrieb Markus Grabitz im Tagesspiegel: „Wie der Öko-Verein DUH mit zahlreichen Abmahnungen seine Kasse füllt – und dies mit dem Versagen des Staates rechtfertigt“ und zeigte, wie die Umwelthilfe mit Abmahnwellen gegen unliebsame Unternehmen zu Felde zieht.

Es gab schon Gruppierungen, die mit dem Versagen des Staates ihre Handlungen rechtfertigten, rechtsextreme Bürgerwehren zum Beispiel, die immer wieder für Entsetzen sorgten. Fast möchte man froh sein, dass diese keine Abmahnabteilungen haben und keine Lobbyabteilungen, die Druck auf Politik und Unternehmen machen, um das durchzusetzen, was ihrer Meinung nach ideologisch richtig ist. Bemerkenswert ist nur, dass jene, die doch sonst Lobbyeinfluss auf die Politik und Selbstjustiz ablehnen, erstaunlich still bleiben bei den Handlungen der Umwelthilfe. Ob es wohl daran liegt, dass man es mit einer Organisation zu tun hat, von der man sich einbildet, sie stünde moralisch auf der richtigen Seite?

Vielen scheint inzwischen der Schutz der Umwelt so wichtig zu sein, dass es einem Sakrileg gleichkommt zu sagen, dass zwischen wirtschaftlichen und Umweltinteressen durchaus ein Abwägungsverhältnis bestehen sollte. Denn die Wirtschaft es ist, die dafür sorgt, dass in Deutschland ein gewisses Wohlstandsniveau existiert. Hierbei sollte auch nicht vergessen werden, dass in Deutschland jeder achte Arbeitsplatz von der Automobilbranche abhängt und hier ein Dieselverbot nicht folgenlos bleiben wird, und dass mit dem Dieselverbot in diesem Land eine Technologie abgeschafft wird, in der deutsche Unternehmen zudem, was die Forschung angeht, sehr weit vorne liegen. Im Grunde kann man dies nur als ein ins eigene Fleisch schneiden bezeichnen – nicht für die Umwelt, sondern nur für ein gutes Bauchgefühl.

Was letztendlich bleibt, ist der Softwarebetrug, der selbstverständlich rechtlich geahndet gehört, nur aufgrund der Fragwürdigkeit der Messungen, der Werte und der tatsächlichen Gefahren, die durch Dieselfahrzeuge drohen, wirkt dieser fast schon wie eine Randnotiz.

Und all das bedeutet nicht, es wäre falsch sich für saubere Luft, saubere Gewässer, Nachhaltigkeit oder ähnliches einsetzen. All das kann und sollte jeder Mensch tun, nur sollte auch im Rahmen dessen anerkannt werden, wann jemand gerade irrational gegen ein Feindbild loszieht.

In eigener Sache:

Ja liebe Volksverpetzerleserschaft, ich mache jetzt eine Spritztour mit meiner neuen Karre, die ich für diesen Artikel von der Autolobby als Dankeschön erhielt, anders kann man eine solche Meinung ja nicht haben 😉.

1 Kommentar
  1. […] viel Staat in der Bahn…FAZ Debatte: Was der eigentliche Skandal am Dieselskandal ist…Die Volksverpetzer Debatte: Der Kampf gegen 15 Millionen…Spiegel Debatte: „Wir sind nicht […]

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.